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- Zeitgeist - Verwirrung um das Verständnis von Antisemitismus
(DE) Ich weiß über mich selbst, dass ich noch niemals in meinem mittlerweile langen Leben Hass auf Juden und auf Israel und deren Bewohner empfunden habe, wie auch noch nie auf andere Religionen, Nationen und Ethnien. Ich bin mir sicher, keinesfalls und zu keinem Zeitpunkt Antisemitin gewesen zu sein, selbst dann nicht, wenn ich die Politik des Staates Israel nicht richtig fand und kritisierte. Heute, 2025/26, kann man das im Rahmen eines öffentlichen Diskurses nicht mehr mit Bestimmtheit von sich sagen. Was hat sich geändert? In den 2020er Jahren, besonders nach dem Terroranschlag der Hamas auf israelische Bürger in Israel 2023 und der anschließenden Bombardierung Gazas durch die israelische Armee, hat sich eine sehr kontroverse Diskussion um die Grenze zwischen politischen und antisemitischen Aussagen in unserer Gesellschaft entwickelt. Es herrscht diesbezüglich Verwirrung und Unsicherheit. Während die einen antisemitische Merkmale erkennen oder auch in Aussagen hineininterpretieren, sehen die anderen darin Totschlagargumente, die Kritik verhindern sollen, und wieder andere verfallen in Schweigen, aus Angst als Antisemit bezeichnet zu werden oder aus tiefer Verunsicherung. Ich fürchte diese Unsicherheit und diese Verwirrung in unserer Gesellschaft, weil dies zu Tabuisierungen führt und damit rote Linien nicht mehr erkennbar sind. Vorurteile werden nicht mehr in Dialogen bekämpft, sondern hinter vorgehaltener Hand weitergetragen. Verdächtigungen und Anschuldigungen vergiften das zwischenmenschliche Klima. Die ideologischen Untoten, der rassistische Judenhass und überhaupt der Rassismus aus längst vergangenen Zeiten, können unbemerkt auferstehen und unter uns wandeln. Mit diesem Artikel „Zeitgeist - Verwirrung um das Verständnis von Antisemitismus“ will ich als Zeitgenossin der 2025/26er Jahre die Verwirrung um den Vorwurf des Antisemitismus in unserer Zeit beschreiben und gleichzeitig die Argumente für bestimmte Definitionen kritisch hinterfragen. Mein Eindruck ist, dass in unserer heutigen Antisemitismus-Debatte oft politische und antisemitische Hintergründe vermischt werden. Diese Motive bzw. Gründe voneinander zu trennen, ist ein Anliegen des folgenden Textes. Viele haben sich um eine Definition von Antisemitismus bemüht. Ich habe über Jahrzehnte viele Bücher dazu studiert, eine Menge Essays gelesen, mir politische und rechtliche Texte angeschaut sowie Interviews zu diesem Thema gelesen, gehört und gesehen. Und ich bin immer noch dabei zu recherchieren und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Letztendlich hat der Kanon all dieser Quellen Schritt für Schritt sämtliche Klarheiten meiner Kindheit und Jugend darüber, was mit Fug und Recht als antisemitisch zu verstehen sei, beseitigt. Antisemitismus sei Judenhass und Judenhass sei Rassismus wie die Abneigung gegen Schwarze oder Roma (damals Zigeuner genannt), glaubte ich als Kind der 50er und 60er Jahre zu wissen. So einfach ist das heutzutage eben nicht mehr! Auch Meinungsäußerungen zur Politik des Staates Israel werden teilweise als antisemitisch stigmatisiert, ohne dass klassischer rassistischer Judenhass erkennbar wäre. Israel bezogener Antisemitismus polarisiert wissenschaftliche Definitionen von Antisemitismus Im Deutschland der Jahre 2025/26 stehen zwei von Wissenschaftlern erarbeitete Antisemitismus-Definitionen zur Verfügung, die nicht deckungsgleich sind und zu denen sich unterschiedliche politische Parteien und gesellschaftliche Gruppierungen bekennen. Die „Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus“ unterscheidet zwar zwischen Antizionismus (auf das Existenzrecht Israels bezogen) und Antisemitismus. Aber in den konkreten Debatten in der Öffentlichkeit verschwimmt diese Abgrenzung und sie wird häufig von offiziellen Vertretern deutscher jüdischer Institutionen und auch von den deutschen Antisemitismusbeauftragten der Länder und des Bundes nicht angewandt. Denn es gibt eine weitere Antisemitismus-Definition aus dem Jahr 2016, ausgestattet mit Beispielen zu Israel bezogenem Antisemitismus, nämlich die Arbeitsdefinition der „International Holocaust Remembrance Alliance“. Die Anhänger der einen Definition werten die andere ab und bestreiten deren Gültigkeit. Einigkeit? Eindeutigkeit? Klarheit? - Fehlanzeige! Somit sind diese Definitionen nicht wirklich hilfreich. Das intellektuelle Ringen um die ultimative Antisemitismus-Definition eskaliert politisch und kulturell weiter, obwohl gleichzeitig der primitive rassistische Antisemitismus in den Straßen wieder auftaucht, Gewalt ausübt und die jüdischen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland verängstigt. Die Gewissheit meiner Kindheit und Jugend, nämlich dass Antisemitismus Hass auf Juden sei, einfach weil sie Juden sind, ist einer tiefen Verunsicherung gewichen. Antisemitische Einstellungen und Kritik an den politischen Handlungen des Staates Israel miteinander zu verknüpfen, ist umstritten und meiner Meinung nach auch sehr fragwürdig. Für massive Kritik an den Handlungen der israelischen Regierung gab es in der Vergangenheit und gibt es auch heute gute politische Gründe ohne rassistischen Hintergedanken. Kaum jemand konnte und kann beispielsweise verstehen, wieso der israelische Staat die fanatische, fundamentalistische und gewaltbereite Siedlerbewegung, die sich illegal auf palästinensischem Gebiet im Westjordanland niederließ und sich aktuell sogar verstärkt niederlässt, unterstützt. Bereits vor dem Überfall der Hamas am 07. Oktober 2023 auf Israel, bei dem über 1200 Israelis niedergemetzelt und mehr als 200 Personen als Geiseln nach Gaza entführt und zum größten Teil getötet wurden, war in Deutschland der Blick auf die Palästinenserpolitik Israels ein kritischer. Während heute, 2025/26 die israelische Kriegsführung gegen die palästinensische Bevölkerung in Gaza gegeißelt wird, standen immer wieder Schikanen, Vertreibung und Schutzmaßnahmen wie die Mauer an der Grenze zu Gaza im Fokus der kritischen Weltöffentlichkeit. Aber gerade Deutsche hatten aufgrund des Holocaust große Angst davor, Antisemitismus Vorschub zu leisten und hielten sich daher mit Mahnungen und Kritik an Israel zurück. Teile der deutschen Gesellschaft forderten jedoch dennoch einen wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Boykott Israels wegen seines Umgangs mit Palästinensern. Die bekannteste Bewegung "Boycott, Divestment and Sanctions" (BDS) wurde aber vom deutschen Bundestag 2019 als antisemitisch eingestuft und damit kaltgestellt. Man mag ja, so wie ich, der Meinung sein, dass ein Boykott, der nicht nur Militär und Wirtschaft, sondern auch die Menschen aus Kultur und Wissenschaft betrifft, falsch ist, aber ist so eine Forderung Judenhass, also Antisemitismus? Das Bombardement des Gaza-Streifens und der Umgang mit der palästinensischen Bevölkerung durch Israels Armee seit Oktober 2023, wobei mindestens 70.000 Menschen ihr Leben ließen und unzählige verletzt wurden, ihre Existenz verloren und von einem angeblich sicheren Ort zum anderen gescheucht wurden, haben in der deutschen Gesellschaft eine tiefe Spaltung hervorgerufen. Während die einen Israel des Genozids bzw. des Völkermords bezichtigen, fragen sich andere, ob diese Sicht nicht bereits Antisemitismus sei. Vertreter Israels und prominente Juden in Deutschland unterstützen diese Sichtweise und Einschätzung oftmals in der Öffentlichkeit. Die Kritik an der Politik des israelischen Staates ist nicht identisch mit dem rassistischen Judenhass und der Verleumdung von Juden in den vergangenen Jahrhunderten, aber die Grenzen verschwimmen. Ob etwas antisemitisch ist oder nicht, ist daher eine Frage der Definition und damit auch eine Frage der Instrumentalisierung, denn Definitionen bedürfen der anwendungsbezogenen Interpretation. Die sogenannte 3-D-Regel - Doppelstandard, Dämonisierung und Delegitimierung - ist ein Paradebeispiel für eine interpretationsbedürftige Definition von Antisemitismus. 3-D-Regel als Indikator für eine Einordnung als antisemitisch Der israelische Politiker, Bürgerrechtler und Autor Natan Scharanski entwickelte zu Beginn dieses Jahrtausends eine relativ einfache Art, Antisemitismus in Zusammenhang mit Kritik am Staat Israel zu identifizieren. Dass man die Handlungen und Politik des Staates Israel kritisieren dürfe, ist zwar der allgemeine Konsens, die Überschreitung der Grenze zum Antisemitismus sei jedoch durch die 3-D-Regel gekennzeichnet: Doppelstandard, Dämonisierung, Delegitimierung. So ein Schnelltest wäre ja in der öffentlichen Diskussion durchaus willkommen, aber schafft er wirklich Eindeutigkeit und Klarheit? Ist er hilfreich? Ich kann nicht umhin, mir so meine Gedanken zu machen. Doppelstandard heißt also, man dürfe an Israels Politik keine anderen Maßstäbe anlegen als an die anderer Länder. Soweit, so nachvollziehbar! Wenn also gesagt wird, Israel habe mit der Vertreibung arabischer Palästinenser Unrecht getan und müsse dieses Unrecht wiedergutmachen beispielsweise durch die Anerkennung des Rückkehrrechts, ist das dann ein Doppelstandard? Werden andere Länder, die gleiches Unrecht begangen haben, auch kritisiert und zur Wiedergutmachung gedrängt? Die Europäer in Süd- und Nordamerika, Australien haben das als Kolonialherren in den vergangenen Jahrhunderten mit den indigenen Völkern auch getan und eine Wiedergutmachung geschah höchstens in homöopathischen Dosen, wenn überhaupt. Aber den Zeitgeist des Kolonialismus sollten wir eigentlich überwunden haben. Ein Vergleich mit der heutigen Situation in Palästina soll ja nicht an Maßstäben des 19. Jahrhunderts gemessen werden! Oder ein anderes Beispiel aus der Gegenwart. Sind die Angriffe Israels auf Gaza, Libanon und Iran ebenfalls als Abwehrkriege zu verstehen wie der der Ukraine gegen Russland? Schließlich greifen Hamas aus Gaza, Hisbollah aus dem Libanon und Iran als Drahtzieher im Hintergrund Israel durchaus militärisch an! Darüber kann man durchaus geteilter Meinung sein. Sind aber diejenigen, die den Feldzug des israelischen Militärs für keinen Abwehrkrieg halten, Antisemiten? Oder ist es nicht vielmehr so, dass es sich hier um eine politische und militärische Debatte handelt, der ein rassistischer antisemitischer Anstrich verpasst wird? Dämonisierung bedeutet, man dürfe Israel nicht als „böse Macht“ oder als Teil einer Verschwörung bezeichnen. Wenn beispielsweise die Handlungen des Staates Israel mit den Handlungen der Nazis verglichen oder gar gleichgesetzt werden, dann sei das Dämonisierung und gleich auch noch Relativierung des Holocaust, antwortet eine KI auf meine Suchanfrage. Soweit so nachvollziehbar! Wenn aber jemand die systematische illegale Landnahme im Westjordanland durch die rechte Siedlerbewegung mit staatlicher Unterstützung, die brutale Zerstörung des Gaza-Streifens, das Aushungern der dort lebenden Menschen und dieTötung so vieler Zivilisten als Kriegsverbrechen und Genozid bezeichnet, dämonisiert er dann den Staat Israel? Ich wage einen Vergleich. Der russische Präsident Putin wird durchaus als Kriegsverbrecher gebrandmarkt, ohne dass jemand von Dämonisierung spricht. Russland sei für Angriffe auf zivile Infrastruktur in der Ukraine verantwortlich, heißt es in den Nachrichten als Begründung. Wobei in der öffentlichen Debatte häufig Putin mit Russland und Netanyahu mit Israel gleichgesetzt werden. Niemand macht sich Sorgen, dass Putin und Russland dämonisiert werden könnten. Könnte es sich bei solchen Schuldzuweisungen dann um eine Dämonisierung Israels handeln? Ich bin mir durchaus bewusst, dass das Antisemitismus-Kriterium „Dämonisierung“ auf die Erzählung vom destruktiven Weltjudentum, von den Intrigen durch die Macht der jüdischen Finanzen usw. abzielt. Aber wie wir an anderer Stelle noch sehen werden, ist damit nicht nur dieses leicht durchschaubare antisemitische Lügenkonstrukt gemeint. Der Begriff „Dämonisierung“ ist dehnbar. Delegitimierung liege vor, wenn man das Existenzrecht Israels in Frage stelle. Dies ist das am häufigsten angewandte Kriterium für Antisemitismus und es ist in meinen Augen am fragwürdigsten, obgleich es in Deutschland zur Strafverfolgung lt. § 130 StGB führen kann. Der damit verbundene Vorwurf ist Volksverhetzung, stören des öffentlichen Friedens durch das Aufrufen zu Gewalt gegen Israel. Das Existenzrecht Israels kann jedoch auf viele verschiedene Arten in Frage gestellt werden. Israel ist ein jüdischer Staat bzw. ein Staat der Juden. Die wichtigste Bedingung dafür, dass er eine sichere Heimstatt für Juden darstellt, ist, dass Juden in der Mehrheit sind. Folglich ist die Forderung nach dem Rückkehrrecht der vertriebenen und geflüchteten Palästinenser auf das Staatsgebiet Israels ein Angriff auf das Existenzrecht Israels. Millionen von Rückkehrern würden die Mehrheitsverhältnisse grundlegend ändern und somit Israel als jüdischen Staat unterminieren. Mir scheint, das ist ein politisches Dilemma, aber kein Antisemitismus. Es ist mir durchaus klar, dass viele Palästinenser und die iranische Führung nebst anderen radikalen Islamisten wie Hamas, Hisbollah und Huthis den Staat Israel von der Landkarte tilgen wollen, dass diese den Juden niemals das Recht zur Staatsgründung auf dem Gebiet Palästinas zuerkannt haben. Aber ist das für Europäer, allen voran für uns Deutsche ein brauchbares Kriterium, um Antisemitismus heutzutage zu identifizieren? Oder ist das nicht vielmehr Geopolitik und geopolitische Geschichte? Der heutige Konflikt wird dadurch natürlich nicht lösbarer, aber vielleicht weniger ideologiebehaftet. Die Politik des Staates Israel dürfe man durchaus benennen und kritisieren, aber darf man sie vor dem Hintergrund der 3-D-Regel auch einordnen und bewerten? Im Namen des Staates Israel ließ der israelische Ministerpräsident Netanyahu mit seinen äußerst rechts gerichteten Regierungsmitgliedern die Armee und die Geheimdienste seines Landes in Gaza wüten, den Libanon und einzelne Hisbollah-Angehörige angreifen, in Syrien Bomben abwerfen, in Iran und in Katar Angriffe fliegen, um Atomanlagen auszuschalten oder Hamas-Verhandlungspartner auf einen Schlag zu töten. Regierung und Armee unterstützen den Siedlungsbau im Westjordanland, wodurch die ansässigen Palästinenser ihr Land, ihre Existenz und oft genug ihr Leben verlieren. (Stand 2025) Während man Russland und die Russen und allen voran den „Oberrussen“ Putin hemmungslos ob seines „völkerrechtswidrigen brutalen Angriffskrieges“ gegen die Ukraine kritisieren, ja hassen und der Lügen bezichtigen darf, sogar die russische Seele als von Grund auf gewaltgeneigt bezeichnen kann, ohne als Rassist beschimpft zu werden, ist das gegenüber Israel, den Israelis und dem „Oberisraeli“ Netanyahu nicht so einfach möglich, ohne des Antisemitismus beschuldigt zu werden. Die Argumente sind in der 3-D-Regel angelegt, die es so für kein anderes Land gibt. Polarisierung hinsichtlich der Bewertung des Gaza-Krieges 2023-2026 Das militärische Vorgehen Israels sei kein völkerrechtswidriger brutaler Angriffskrieg wie der Russlands bzw. Putins, sondern es handle sich um einen Abwehrkrieg, um Selbstverteidigung, argumentieren Länder wie beispielsweise Deutschland und natürlich Israel. Ist das so? Wirklich? Viele Menschen und ganze Staaten sehen den Tatbestand des Völkermords, ja eines Genozids gegeben und bekommen zu hören: Antisemitismus! Antisemitismus! Antisemitismus! Rafael Seligmann, ein bekannter jüdischer deutscher Autor und Journalist, gibt dazu in seinem 2025 im Herder-Verlag erschienen Buch „Keine Schonzeit für Juden. Die Antwort eines Betroffenen“ auf Seite 156 eine Erklärung: „Die Bewertung des israelischen Abwehrkrieges als „Völkermord“ ist maliziös. Sie ist eine bewusste Relativierung der Shoa. Wer die attackierten Enkel der Nazi-Opfer zu Tätern stempelt, richtet damit die ermordeten Juden erneut hin. Er schreibt potenziellen Tätern einen Freibrief für einen neuen Völkermord aus. Jene, die dieses Vorgehen im Namen eines von durchsichtigen Interessen gesteuerten Völkerrechts gutheißen, rechtfertigen Antisemitismus und verleihen der Judenfeindschaft ein internationales Gütesiegel.“ Dieses Statement ist einschüchternd, erschütternd und für mich völlig unverständlich. Nach jedem Satz brauche ich eine Erklärung. Inwiefern ist das eine „bewusste“ Relativierung der Shoa? Wieso sind alle Israelis Enkel von Nazi-Opfern? Wieso richtet man die ermordeten Juden erneut hin, wenn man israelische Täter der Täterschaft bezichtigt? Wieso würde ein Völkermord an Juden bzw. jüdischen Israelis durch eine politische Anklage der Vertreter des Staates Israel gerechtfertigt? Wieso wird das Völkerrecht von durchsichtigen Interessen gesteuert? Ist das vielleicht eine Art Verschwörungstheorie? Für mich erschließt sich die Logik seiner Thesen keineswegs. Selbst wenn ich der Meinung bin, dass die Hamas das Leid der palästinensischen Bevölkerung im Gaza-Streifen zu Propagandazwecken missbraucht, sie als Schutzschild benutzt und hauptsächlich an Eskalation interessiert ist, rechtfertigt das nicht die Lebensmittel- und Medikamentenblockaden, die Unterbrechung der Wasser- und Stromversorgung, die Bombardierung von Kranken- und Wohnhäusern, der Infrastruktur. Auch Rafael Seligmann ist mit diesen inhumanen Maßnahmen nicht einverstanden, wie ich ihn verstanden habe, weswegen er von seinem Antisemitismus-Vorwurf aber nicht abweicht. Ich möchte an dieser Stelle noch auf einen anderen Aspekt der Kriegsführung aufmerksam machen. Im Zusammenhang mit dem Vorwurf, der Krieg in Gaza sei aufgrund der Masse an zivilen Opfern völkerrechtswidrig, wurde 2025 in der Öffentlichkeit ernsthaft diskutiert, wieviele zivile Opfer denn nun akzeptabel seien pro getötetem Kriegsteilnehmer. Darf man Kollateralschäden in diesem Ausmaß in Kauf nehmen? Eine Frage, die, meiner Meinung nach, so nicht einmal gestellt werden dürfte und auf die niemand eine ethisch vertretbare Antwort geben kann. Ist das Sanktionieren Israels mit dem „Kauft-nicht-bei-Juden“ der Nazis vergleichbar? Genauso wenig kann ich das Argument gegen eine Sanktionierung Israels wegen seines Verhaltens gegenüber der palästinensischen Bevölkerung nachvollziehen. Eine Sanktionierung sei wie das „Kauft nicht beim Juden“ der Nazis, meinte im Brustton der Überzeugung Jens Spahn, seines Zeichens Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion 2025 im Bundestag. Wer so etwas behauptet, muss völlig geschichtsvergessen sein. Der Angriff auf die Juden, besonders auf deren wirtschaftliche Basis in Nazi-Deutschland zwischen 1933 und 1945, aufgrund von Vorurteilen und staatlich geschürtem und gesteuertem Rassismus und Hass, ist nicht vergleichbar mit der Forderung nach Sanktionen gegenüber dem jüdischen Staat Israel. Sanktionen im Jahr 2025 würden sich gegen einen Staat richten, der nach der Meinung vieler Menschen vor den Augen der Welt einem anderen Volk großes Unrecht antut. Dass dieser Staat ein jüdischer Staat ist, sollte, ja darf dabei keine Rolle spielen. Das Gebot, keine Doppelstandards anzuwenden, wenn es um Israels Politik geht, gilt das auch im umgekehrten Sinn? Und dennoch steht der Antisemitismusvorwurf im Raum. Südafrika wurde wegen seiner Apartheidspolitik sanktioniert. Russland wird sanktioniert wegen seines Angriffs auf die Ukraine. Iran wird sanktioniert wegen seines Atomprogramms. Nur Israel würde sanktioniert, weil alle antisemitisch wären und gegen einzelne und das ganze Judentum angehen wollten? Ist man bei Israelis weniger zimperlich und statuiert ein Exempel an ihnen? Dass kürzlich die Münchner Philharmoniker auf dem Flandern-Festival in Belgien nicht mehr auftreten durften, weil sich der israelisch-jüdische Dirigent Lahav Shani als musikalischer Leiter des Israel Philharmonie Orchestra nicht ausreichend vom Vorgehen des israelischen Regimes distanziert habe, ist ein unerhörter Skandal. Dies sei Antisemitismus, ist von vielen Seiten zu hören. Begründet wird das teilweise damit, dass man nur mit Israel bzw. Israelis so umspringe, also mit Juden. In der deutschen Wochenzeitschrift „Jüdische Allgemeine“, Nr. 38-39 vom 18. September 2025, heißt es auf Seite 1: „Genau das ist Antisemitismus. Denn niemand käme in Belgien auf die Idee, ultimativ von Künstlern aus anderen Ländern vor Auftritt zu verlangen, auf Distanz zu ihren Heimatländern zu gehen. Doch bei Israelis ist man nicht so zimperlich, an ihnen wird ein Exempel statuiert, nur, damit das Gewissen der Konzertbesucher nicht belastet wird.“ Das ist ein fragwürdiges Argument. Ob in Belgien niemand auf die Idee käme, von Künstlern anderer Nationalität zu verlangen, auf Distanz zu ihren Heimatländern zu gehen, vermag ich nicht zu sagen. Aber in Deutschland wurden solche Forderungen durchaus gestellt. Zur Erinnerung: Zu Beginn des Ukrainekrieges wurde von dem russischen Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker, Valery Gergiev, in München auch verlangt, dass er sich von den Handlungen seines Heimatlandes distanziere. Er wurde letztendlich entlassen. Auch die Opernsängerin Anna Netrebko wurde bedrängt und entsprechend gecancelt. Sie beanspruchte für sich die Meinungsfreiheit als Künstlerin keine politische Meinung äußern zu müssen. Ein Leserbrief an die „Jüdische Allgemeine“, in dem ich meine Sichtweise darlegte und um eine argumentative Rückmeldung bat, blieb unbeantwortet. Offensichtlich herrscht derzeit im Hinblick auf Antisemitismusvorwürfe kein Klärungs- bzw. Diskussionsbedarf. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass oftmals mit zweierlei Maß gemessen wird, allerdings nicht unbedingt immer zum Nachteil Israels. Ein Gedankenexperiment - ein Perspektivwechsel Meine Verwirrung darüber, was nun eigentlich antisemitisch ist und was nicht, ist groß. Ich versuche daher mir selbst einen Reim auf die Problematik zu machen, dass der Antisemitismusvorwurf von israelischen Politikern und auch in der Öffentlichkeit stehenden jüdischen Mitbürgern für mich immer wieder nicht eindeutig nachvollziehbar ist. Ich versuche daher ein Gedankenexperiment, eine Art Perspektivwechsel! Mich hat der Rat, erst dann einen anderen Menschen zu beurteilen, wenn ich einige Meilen in seinen Schuhen gelaufen bin, immer schon fasziniert. Ich versuche also, mich wenigstens in die Lage jüdischer Israelis und deutscher Juden hineinzuversetzen unter Zuhilfenahme meines angeeigneten historischen Hintergrundwissens und einiger psychologischer Grundkenntnisse des wissenschaftlichen Teilgebiets „der Traumavererbung in der Epigenetik“. Antisemitismus-Angst - Bestandteil des kollektiven jüdischen Gedächtnisses? Im Grunde geht es mir darum aufzuspüren, inwiefern heutige Kritik am jüdischen Staat mittelalterliche Vorurteile und alte antisemitische Erzählungen sowie die damit verbundenen Gefahren und Ängste bei Juden wecken könnte. Im Mittelalter wurde Juden unterstellt, dass sie am Shabbat Christenkinder opfern würden. Wenn die Einpeitscher in den Städten und Dörfern diese Lüge oft genug wiederholten, überlebten das die Mitglieder der ansäßigen jüdischen Gemeinden oft nicht. Der Mob tötete sie als Kindermörder. Wenn nun propalästinensische Demonstranten 2025 durch die Straßen Berlins oder Münchens ziehen und mit Blick auf Israels Krieg in Gaza „Kindermörder! Kindermörder!“ skandieren, dann fühlt sich das für Juden definitiv gefährlich an. Und sogar mir, einer Außenstehenden, lief ein Schauer über den Rücken, als Demonstranten diese Parole brüllten. Es spielt in diesem Moment keine Rolle, dass die Demonstranten auf die durch israelische Bomben getöteten Kinder in Gaza blicken und nicht an religiöse Menschenopfer denken. Im kollektiven Gedächtnis der Juden ist dieser Ruf als letzte Eskalationsstufe vor dem Pogrom womöglich eingebrannt. Also höchste Gefahrenstufe! Für Juden ist das nicht nur Geschichte, sondern historische traumatische Erfahrung, die sich vielleicht in den Genen verewigt hat. Epigenetik untersucht diese Art von Vererbung zwar nur im Hinblick auf den Holocaust des letzten Jahrhunderts, aber die Verfolgung von Juden geht ja noch viel weiter zurück. Und erst recht die jüngere Vergangenheit steuert extreme Vorurteile bei. Erzählungen der Neuzeit stigmatisieren Juden als Parasiten und verschwörerische Anhänger des Weltjudentums, das nur Böses im Sinn habe und die Weltherrschaft anstrebe. Die Nazis bauten diese Ideologie aus und verbanden sie mit der Rassentheorie des 19. Jahrhunderts. Wenn man heute also Israel anprangert, an den Palästinensern Völkermord zu begehen, deren Land „From the river to the Sea“ sich einverleiben zu wollen, zu lügen und zu betrügen, dann kann sich das so anfühlen wie die Hetze der Nazis. Was und wer in unserer Zeit hier und heute gemeint ist, tritt in den Hintergrund und die uralte Erfahrung von Verleumdung, Vertreibung und Vernichtung bricht sich Bahn. Sind solche Zusammenhänge denkbar, solch unbewusste Reaktionen aus der Tiefe des kollektiven Gedächtnisses? Ich habe oft von Israelis und auch von deutschen Juden die bittere Klage gelesen und gehört, dass ihre Situation, ihr Leid, ihre durchaus berechtigte Angst nicht wahrgenommen werden. Vielleicht ist das wirklich so und das muss daher auch Ernst genommen werden. Vielleicht haben Nicht-Juden kein Sensorium für die Lebensgefahr, die von Schuldzuweisungen gegenüber Juden ausgeht, denn Nicht-Juden haben solche kollektiven Schuldzuweisungen fast immer überlebt. Wenn etwas an der wissenschaftlichen Erkenntnis über die Vererbung von traumatischen Erfahrungen dran ist, dann müsste das in der Diskussion um das Verständnis bzw. das Gefühl von Antisemitismus in unserer Zeit eine große Rolle spielen. Wenn nicht Juden, wer sonst hätte über Jahrhunderte hinweg so existenz- und lebensbedrohliche Erfahrungen gemacht. Immer und immer wieder! Als Sündenböcke missbraucht! Ich denke, dass der gesellschaftliche Konsens darüber, was man unter Antisemitismus zu verstehen hat, auch heute noch immer nah am Verständnis meiner Kindheit und Jugend ist. Die Verwirrung beginnt mit der Verknüpfung der Begriffe Antisemitismus und Israel. Auf den Staat Israel bezogener Antisemitismus - eine fragwürdige Konstruktion? Trotz der über Jahrhunderte andauernden Geschichte der Judenverfolgung in Europa muss sich der moderne jüdische Staat Israel, den es so vor 1948 noch nicht gab, heute der Kritik an seinem politischen und militärischen Handeln stellen. Gerade weil er ein Mitglied dieser Weltgemeinschaft ist und kein Parasit oder Weltverschwörer! Das würde ich Gleichbehandlung ohne Doppelstandard nennen. Aber das scheint schwierig zu sein, denn man muss zwischen politischen und antisemitischen Motiven der Kritiker unterscheiden. Es ist daher im Hinblick auf Israel noch ein weiterer Faktor zu berücksichtigen: Die dauerhafte Bedrohung, der permanente Kriegszustand, in dem sich die jüdische Bevölkerung seit 100 Jahren in Palästina und im späteren Israel befindet. Das ist eine Ausnahmesituation, die sich tief in das kollektiv Unbewusste eingebrannt hat. Gibt es auf der Welt noch ein anderes geografisch kleines Land, das sich seit Jahrzehnten gegen eine Übermacht mehr oder weniger feindlich gesinnter Nachbarn behauptet? - Mir fällt keines ein. Ein Blick in die Gründungsgeschichte kann eine Orientierungshilfe in der Gegenwart sein! Aber die Kernfragen müssen anders lauten. Ist die Feindschaft arabischer Nachbarn und der Palästinenser heute antisemitisch begründet oder nicht vielmehr politisch? Und wenn man die historischen Wurzeln dieses sogenannten Nahost-Konfliktes ausgräbt, findet man dann arabischen Antisemitismus oder arabischen Nationalstolz, der zur Ablehnung jüdischer Einwanderung und der Gründung eines jüdischen Staates führte? 1936 - Juden in Palästina an der Hand der Kolonialmacht Großbritannien Der Rückblick auf die Geschichte des arabischen Aufstands gegen die jüdische Einwanderung unter dem Schutz der Protektoratsmacht Großbritannien von 1936 ist aufschlussreich. Arabischer Widerstand gegen massenhafte Einwanderung europäischer Juden In dem Buch von Oren Kessler, „Palästina 1936 Der Große Aufstand und die Wurzeln des Nahostkonflikts“ wird die damalige Ausgangslage und die Diskussion darum, wer in Palästina leben dürfe, geschildert. Der arabische Vertreter George Antonius sagt als Zeuge vor der Peel-Kommission aus und wird auf Seite 114 wie folgt zitiert: „Der arabische Verstand ist während seiner ganzen Geschichte einzigartig frei von so etwas wie Antisemitismus gewesen, der, wie wir alle wissen, eine europäische und keine arabische Erfindung ist. (…) Die großartigsten Tage der jüdischen Blüte fanden statt, als die Juden unter muslimischer Herrschaft waren, sei es in Bagdad, Cordoba oder Kairo. (…) Aber was die Araber sagen, und ich mit ihnen, ist Folgendes: Wenn diese Linderung (der Folgen des europäischen Antisemitismus - Anmerkung Autor) nur auf Kosten der Zufügung einer entsprechenden Not einem anderen Volk, dem Volk dieses Landes, erfolgen kann, so kann sie (gemeint ist Hilfe für die in Europa verfolgten Juden - Anmerkung Autor) nicht geleistet werden.“ In dieser Zeit von 1936 bis 1939 ging es hauptsächlich darum, wie Araber bzw. Palästinenser und Juden das Land untereinander aufteilen bzw. gemeinsam bewohnen oder ein Volk das andere verdrängen könnten. David Ben Gurion und Chaim Weizmann sahen das Heil des jüdischen Volkes in der Heimstatt in Palästina nur, wenn Juden die Mehrheit bildeten. Die jahrhundertelange Erfahrung habe schließlich gezeigt, dass man als Minderheit immer wieder Pogromen hilflos ausgesetzt sei, lautete deren Argumentation. Als der Teilungsplan, eine Zwei-Staaten-Lösung mit Bevölkerungs-Transfer, vorgeschlagen von der Peel-Kommission, durch die britische Regierung vorgelegt wurde, wird Ben Gurions begeisterte Reaktion auf Seite 130 wie folgt zitiert: „Ich sehe in der Verwirklichung dieses Plans eine beinahe entscheidende Phase beim Beginn der vollständigen Erlösung und einen konkurrenzlosen Hebel für die schrittweise Eroberung des ganzen Landes Israel.“ Zum Thema Bevölkerungstransfer sagt Ben Gurion auf Seite 131: „Er kann uns etwas verschaffen, das wir noch nie hatten selbst als wir souverän waren, sogar in den Tagen des Ersten und Zweiten Tempels: die zwangsweise Verlegung von Arabern aus den Tälern, die dem jüdischen Staat zugeschlagen wurden.“ Oren Kessler beschreibt an Hand mehrerer Zitate den anti-arabischen, anti-muslimischen Rassismus der britischen Eliten, allen voran Winston Churchills, der schließlich dazu führte, dass jüdische Einwanderer in Palästina zu Beginn der Besiedlung wie kulturelle und wirtschaftliche Entwicklungshelfer, eigentlich gemäß dem Gedankengut der damaligen Zeit als Kolonialisten, bevorteilt wurden. Der Ursprung des Nahostkonflikts hat weniger mit Antisemitismus zu tun, sondern mit Nationalismus. Folglich muss selbst die permanente, bis heute anhaltende Bedrohung Israels als jüdischer Staat nicht automatisch antisemitisch begründet sein. Man muss genauer hinschauen, ob Judenhass die treibende Kraft ist hinter der Feindschaft gegenüber Israel und auch die Infragestellung des Existenzrechts Israels ist nicht automatisch Antisemitismus wie es die 3-D-Regel postuliert. Dieses Existenzrecht wurde von der britischen Regierung geschaffen, ist also ein Politikum, das auf antiarabischem Rassismus basiert. Und die Begrenzung jüdischer Zuwanderung in Palästina 1939 durch die Protektoratsmacht Großbritannien auf Wunsch der arabischen Anführer ist dem drohenden Krieg mit Nazi-Deutschland geschuldet und hat auch nichts mit Antisemitismus zu tun. Araber und Palästinenser, die eine Begrenzung bzw. das Ende jüdischer Einwanderung verlangten, hatten auch nicht unbedingt antisemitische Motive, sondern geopolitische. Einzig der Mufti von Jerusalem (Hadsch Amin al-Husseini) war ein Gesinnungsgenosse der Nazis und ein Antisemit. Er war der führende Kopf des Arabischen Aufstands (1936–1939) gegen die britische Mandatsmacht und jüdische Einwanderung. Aus dem libanesischen Exil heraus steuerte und blockierte er immer wieder die Verhandlungen. Antisemitismus spielte allerdings durchaus eine Rolle beim Aufbau der jüdischen Heimstatt, wie es in den 1930er Jahren genannt wurde. Es war jedoch wirklich mehr ein europäisches Phänomen und kein arabisches. Nazi-Deutschland verfolgte massiv die deutschen Juden und wollte sie zu diesem Zeitpunkt komplett aus Deutschland vertreiben. Die anderen europäischen Staaten und die USA wollten allerdings kaum bzw. sogar keine jüdischen Flüchtlinge aufnehmen. Antisemitische Vorbehalte? Vielleicht! Während die jüdischen Anführer Ben Gurion und Weizmann bei den Briten um Flüchtlingskontingente für Palästina kämpften und bettelten, schielten diese auf den Nutzen der Araber in einem Krieg mit Deutschland und drückten die jüdischen Einwandererzahlen in der Hoffnung, sich Verbündete zu sichern. Gleichzeitig lehnten fast alle Länder dankend ab, wenn es um die Aufnahme von deutschen Juden ging. Die deutschen Nazis machten sich an ihr Vernichtungswerk. Es ergibt sich die Frage: Tragen wir - allen voran Deutschland, aber auch andere europäische Staaten wie beispielsweise Großbritannien - Verantwortung im Nahen Osten? - Ja, das denke ich schon! Tragen wir gegenüber jüdischen Israelis und arabischen Palästinensern Verantwortung? - Ja, auch das ist meiner Meinung nach zutreffend. Die Basis für den Nahost-Konflikt haben Europäer geschaffen. Für die Flucht bzw. Migration europäischer Juden nach Palästina sind hauptsächlich die deutschen Antisemiten verantwortlich. Aber wird man beiden Konfliktparteien in Palästina gerecht, wenn man den heutigen Staat Israel mit dem Kampf gegen Antisemitismus verknüpft? - Mir erschließt sich das nicht. Meine Recherchen führten mich zu einem anderen, besonders aufwühlenden Buch, das einen großen umfassenden Bogen vom Beginn der Suche nach einer jüdischen Heimstatt in Palästina Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart (2013) spannt. Ein ehrlicher und erschütternder Blick auf Israels innere und äußere Kämpfe Ich stieß im Jahr 2025 auf das 2013 erschienene Buch „Mein gelobtes Land“ von Ari Shavit. Er, ein jüdisch-israelischer Schriftsteller und Journalist, beschreibt das grundsätzliche Dilemma seines Heimatlandes von Anbeginn im 19. Jahrhundert bis heute. Seine Verzweiflung und auch seine Ratlosigkeit, seine Wut auf verpasste Chancen und falsche Entscheidungen, seine Anklage bei gleichzeitig tiefem Verständnis für Ängste und Panik vor Vernichtung und Auslöschung haben mich tief beeindruckt. Beim Lesen dieses Buches durfte ich noch einmal in meine romantischen Jugendvorstellungen eines Lebens im Kibbuz der 50er Jahre eintauchen, nur um dann auch mit dem daraus hervorgehenden Unrecht konfrontiert zu werden. Ich las von der hasserfüllten Abneigung und von tödlichen Überfällen der Araber auf Israelis, was meinem Bild aus früher Jugendzeit entsprach, um dann vom gnadenlosen Gemetzel israelischer Kibbuzniks oder Militärs an palästinensischen Dorfbewohnern zu erfahren. Und Ari Shavit klärt sachlich und Anteil nehmend über die Uneinigkeit der israelischen Juden hinsichtlich des Umgangs mit den ansässigen arabischen Palästinensern und über den Unterschied zwischen einer „jüdischen Heimstatt“ und einem „jüdischen Staat“ auf. Vor diesem internen, oft verstörenden historischen und zeitgenössischen Hintergrund wirkt die heutige Kritik an Israels Politik von außen wie ein schüchterner Einwand und nicht wie eine antisemitische Keule. Der Nahostkonflikt und die Frage nach der Schuld Ich kann wirklich sagen, dass ich mich darum bemüht habe, zu verstehen, warum jüdische Israelis und Palästinenser nicht zusammenkommen können. Natürlich habe ich nach einem Schuldigen gesucht. Oder nach unterschiedlichen Schuldigen zu unterschiedlichen Zeiten. Oder nach dem „Point of no return“, von da an alles nur schief gehen konnte. - Hab ich etwas Eindeutiges gefunden? Eher nicht! Wenn man dem Staat Israel das Recht auf seine Gründung als jüdischer Staat abspräche, dann hätte man den einen Schuldigen und wäre per Definition außerdem noch Antisemit. Aber wo auf der ganzen Welt wurden keine Staaten zum Nachteil von Bevölkerungsteilen oder von Indigenen gegründet? Israel ist nur das jüngste Beispiel! Würde es etwas ändern, wenn sich Israel zu dieser seiner Schuld bekennen würde? Wenn Israel Wiedergutmachung ins Auge fassen würde? Wenn die vertriebenen Palästinenser zurückkehren und ihren ursprünglichen Besitz zurückerhalten würden? - Keine Ahnung! Und vermutlich derzeit auch keine Option. Wenn man auf der anderen Seite den arabischen Bewohnern Palästinas das Recht abspräche, sich gegen eine Teilung des Landes kompromisslos gewehrt zu haben und sich immer noch zu wehren, auch mit Gewalt, dann läge die Schuld auf arabischer Seite. Aber nicht einmal die Anführer und Architekten der jüdischen Einwanderung, David Ben Gurion und Chaim Weizmann beispielsweise, sahen dieses abwehrende Verhalten als Schuld oder Antisemitismus an, sondern erkannten darin eine nachvollziehbare Reaktion. Teilweise unerwartet zwar, weil man ja als Juden aus Europa Geld, Wohlstand, Wissen und Geschäftsbeziehungen mitbrachte und somit zur „Zivilisierung“ beizutragen gedachte, aber letztendlich wolle ja kein Volk, dass auf seinem Land ein anderes Volk die Mehrheit bilde, wusste auch Ben Gurion. Und diese beiden jüdischen Anführer strebten gezielt die Mehrheit an, um nie mehr eine verletzliche und angreifbare Minderheit zu sein. Nachvollziehbar! Spätestens 1936, lange vor der Staatsgründung Israels, wandten sich arabische Bewohner Palästinas gegen die jüdischen Nachbarn, nicht weil sie Juden waren, sondern weil sie in absehbarer Zeit eine Mehrheit sein würden und das auch sein wollten. Antisemitismus ist das jedoch nicht. Angst vor Überfremdung? - Ja! Angst vor Marginalisierung der eigenen Kultur und Religion? - Ja! Angst davor, den Kampf um Unabhängigkeit der noch im Entstehen begriffenen arabischen Nation zu verlieren? - Ja! All das sind politische Beweggründe, wie sie viele Nationen in ihrer Geschichte aufweisen. Es sind nachvollziehbare Ängste. Und so ist die Frage nach der Schuld von außen betrachtet nicht zu beantworten. Beide Kontrahenten zu verstehen heißt, in einem Dilemma zu stecken. Ganz besonders obsolet ist jedoch die Frage, wer die älteren historischen Rechte auf das Land habe. Wie weit soll man zurück gehen im historischen Verlauf? Auch wenn das die radikalen jüdischen Rechten Israels derzeit anders sehen, so können auch die arabischen Einwohner mit Fug und Recht Palästina als ihr Land bezeichnen. Legitimes Rückkehrrecht für Juden und antisemitisches Rückkehrrecht für Palästinenser? Das Buch von Adi Schwartz, Einat Wilf, „Der Kampf um Rückkehr. Wie die westliche Nachsicht für den palästinensischen Traum den Frieden behindert hat“, hat mich gedanklich herausgefordert. Die beiden liberalen Autoren und Befürworter der Zweistaatenlösung sehen in der Forderung der Palästinenser ein Rückkehrrecht zu haben, den wichtigsten Hinderungsgrund für eine friedliche Lösung des Konflikts. Auf S. 12 im Vorwort heißt es: „Das palästinensische Selbstverständnis als „Flüchtlinge aus Palästina“ und ihre Forderung, das „Recht auf Rückkehr“ einzulösen, spiegeln die tiefsten Überzeugungen der Palästinenser über ihre Beziehung zum Land und ihre Bereitschaft oder den Unwillen wider, ein Stück davon mit den Juden zu teilen. Und die strukturelle Unterstützung der Vereinten Nationen und die westliche finanzielle Unterstützung dieser palästinensischen Überzeugungen hat zu stetig steigenden Zahlen „Palästinensischer Flüchtlinge“ geführt und ist mittlerweile ein fast unüberwindbares Hindernis für Frieden. Die palästinensische Forderung nach „Rückkehr“ zu dem, was 1948 der souveräne Staat Israel wurde, ist ein Beweis für die palästinensische Ablehnung der Legitimität eines Staates für die Juden in deren angestammtem Heimatland.“ Wer also das Rückkehrrecht der Palästinenser unterstützt, ist laut dem Prinzip Delegitimierung des Staates Israel ein Antisemit. Allerdings kann ich dem Gedankengang an entscheidenden Punkten nicht so recht folgen. Wenn es heißt, dass die Palästinenser nicht bereit seien, ein Stück des Landes mit den Juden zu teilen, dann sehe ich diese Einstellung entsprechend bei Israelis. Die Palästinenser haben ja nicht die Juden aus ihrem Staat vertrieben oder?! Wieso eine Rückkehr der Palästinenser in ihre ursprünglichen Dörfer und auf ihre ursprünglichen Höfe, die sich nun auf dem Staatsgebiet Israels befinden, letztendlich eine Delegitimierung des Staates Israel sei, ist erklärungsbedürftig. Haben Israelis Angst, eine Minderheit zu werden, wenn 6 Millionen Palästinenser zurückkehren? - Ja! Haben Israelis Angst vor der Feindschaft und Rache der Palästinenser? - Ich denke schon! Glauben Israelis, dass sie die älteren Rechte auf das Land haben? - Immer mehr scheinen davon überzeugt zu sein! Doch Palästina ist für beide Völker „angestammtes Heimatland“. Die Historie lässt eigentlich keine andere Sichtweise zu. Wenn die Juden aus aller Welt nach zwei- bzw. dreitausend Jahren ein Rückkehrrecht nach Palästina haben, kann man das dann den Palästinensern nach nur gut 80 Jahren kategorisch verweigern? Wo ist in dieser Schlussfolgerung ein logischer Fehler? Was mich jedoch besonders beschäftigt, ist, wo bei der Einschätzung der Politik Israels die sogenannte „Rote Linie“ zum Antisemitismus überschritten werden könnte. Gibt es Israel bezogenen Antisemitismus überhaupt? In Deutschland gilt im Jahr 2025/26 nach wie vor hauptsächlich die Leugnung des Existenzrechts Israels und die Delegitimierung Israels als jüdischen Staat als antisemitisch. Aus diesem Grund fordern nicht nur deutsche Politiker, sondern auch die meisten europäischen Politiker die Zwei-Staaten-Lösung. 157 Staaten, darunter neuerdings auch europäische Schwergewichte wie Frankreich, Spanien und Großbritannien, Norwegen und viele mehr, haben vor Kurzem Palästina als eigenständigen Staat anerkannt. Ein Staat ohne Regierung, ohne legitimierte Volksvertretung und, besonders wichtig, ohne eindeutige Grenzen, also ohne Land! Das ist im Grunde nur Symbolpolitik. Wieder einmal sind es neben den USA (von denen man im Jahr 2026 mit Präsident Donald Trump nicht so genau weiß, wofür sie stehen) hauptsächlich Europäer, die Palästina aufteilen und damit „befrieden“ wollen. Mir scheint jedoch, dass israelische und palästinensische Politiker sowie eine jeweilige Bevölkerungsmehrheit, also die Betroffenen, genau diese Lösung nicht wirklich wollen. Dass Israels derzeitiger Ministerpräsident Benjamin Netanyahu dieses Konzept nicht befürwortet, ist bekannt. Die Rechten in seiner Regierung sehen Judäa und Samaria, wie sie Palästina nennen, als ihr angestammtes Heimatland an, auf dem Araber nichts zu suchen hätten. Angesichts dieser Bestrebungen wirkt die Delegitimierungs-Regel geradezu aus der Zeit gefallen! „From the river to the sea…“ - eine Hassparole? Es scheint fast so, als würden zumindest Teile der israelischen Politik und Gesellschaft in unserer Zeit mit dem Gedanken liebäugeln, ganz Palästina - eben „From the river to the sea“ - einzunehmen, zu besiedeln, als jüdisches Land zu festigen und zu sichern. Deutsche Politiker wollen nicht glauben, was sich da im Nahen Osten anbahnt. Sie folgen lieber Erklärungen wie, dass die Siedlungspolitik und die Bildung von israelisch kontrollierten „Pufferzonen“ in Gaza und im Libanon Teil des Abwehrkrieges gegen Hamas, Hisbollah und die Drahtzieher im Iran seien. Das mag durchaus auch sein, aber ist es die einzige Intention? Außerdem läuft man ja durchaus Gefahr als Antisemit geoutet zu werden, wenn man Israel imperialistische Motive unterstellt. Dämonisierung Israels - ein Kriterium für Antisemitismus wie es in der 3-D-Regel festgelegt wurde? Wohingegen die Feindschaft der Palästinenser und deren Bestreben, Israel zu vernichten, eine lange, teilweise terroristische Geschichte hat. Sie ist im Gedächtnis der Deutschen sehr präsent. Das ist sicher einer der Gründe, warum deutsche Politiker und Medien fast ängstlich und ganz bestimmt nicht vorurteilsfrei auf pro-palästinensische Demonstranten blicken. Skandieren pro-palästinensische Demonstranten heutzutage in deutschen Städten „From the river to the sea Palestine will be free“, dann wird das als Aufforderung zu Gewalt gegen Israel gesehen, ist daher verboten und kann strafrechtlich verfolgt werden. Allerdings kann aktuell jeder beobachten, wie der Staat Israel seine Einflusszonen in Palästina ausweitet und die der Palästinenser schrumpfen bzw. verelenden. Ist das heutige Verständnis von Antisemitismus kontraproduktiv? Ist in diesem Zusammenhang Parteilichkeit anständig, human und ehrenhaft? Die Bundeskanzler von Angela Merkel, über Olaf Scholz bis hin zum jetzigen Kanzler Friedrich Merz sprachen und sprechen von deutscher Staatsräson, wenn es um die Sicherheit Israels geht. Worum geht es dabei? Wiedergutmachung? Zeigen, dass man Judenverfolgung, Judenhass, sprich Antisemitismus, nie wieder dulden wird? Die politische Situation im Nahen Osten hat jedoch nichts mit diesem Kampf gegen Antisemitismus zu tun, welcher der historische Hintergrund für diese „Staatsräson“ ist. Geht es in diesem Nahostkonflikt nicht vielmehr um Menschenwürde, Menschenrechte, um Freiheit und Gleichheit, um Völkerrecht und Gerechtigkeit, ja um Demokratie und Selbstbestimmung? Aufgrund der politischen Lage wurden Spannungen bis heute nicht aufgelöst. Eine gerechte Lösung in diesem Konflikt wurde bis heute nicht gefunden, am allerwenigsten von den Betroffenen selbst. Wenn allerdings heute Palästinenser ganz Palästina für sich beanspruchen und das Existenzrecht Israels verneinen, dann ist das antisemitisch per Definition. Wenn rechts gerichtete Israelis ihrerseits das ganze Land beanspruchen, dann ist das was? Was also könnte vor diesem Hintergrund Israel bezogener Antisemitismus sein? Ich erkenne nur politische Argumente und keine antisemitischen, auf Judenhass begründeten Argumente. Ich frage mich, ob es nicht ein großer Fehler war, den Antisemitismusbegriff auch auf politische Belange des Staates Israel auszuweiten. Wurde damit dem Kampf gegen Antisemitismus ein Bärendienst erwiesen? Berichte in den Medien von gecancelten Vorträgen und abgebrochenen Reden, auch von jüdischen und israelischen Vortragenden wohlgemerkt, aufgrund von Tumulten und Antisemitismusvorwürfen häufen sich. Die Betroffenen stehen völlig verständnislos vor den Scherben einer Veranstaltung. (Links zu Medienberichten über aktuelle Vorfälle im Anhang) Jüdische Religion, jüdische Kultur und alle, die sich zum Judentum bekennen, sind vor Antisemitismus zu schützen! Was eskaliert hier im Jahr 2025/26 gerade in Deutschland? Ist die Definition von Antisemitismus so sophisticated und strittig, dass Verunsicherung um sich greift, die Menschen sich daher von der Diskussion zurückziehen und die Abwehr des eindeutigen, des rassistischen Antisemitismus geschwächt wird? Das ist, meiner Meinung nach, sehr gefährlich. (AM) ________________________________________________________________________ Quellen und Erklärungen: Im Anhang befinden sich einige zusätzliche Informationsangebote, die nicht den Anspruch erheben, das Thema umfassend und in allen Facetten zu beleuchten. Aber besonders die Links zu Medien und die Literaturvorschläge aus den Jahren 2023 bis 2026 sollen einen Einblick in die zeitgenössische Diskussion zum Thema „Antisemitismus und Israel bezogener Antisemitismus“ geben. Offizielle Quellen zur Definition von Antisemitismus: https://www.jerusalemdeclaration.org/wp-content/uploads/JDA-German.pdf https://holocaustremembrance.com/wp-content/uploads/2024/01/IHRA-non-legally-binding-working-definition-of-antisemitism-1.pdf https://www.antisemitismusbeauftragter.de/Webs/BAS/DE/bekaempfung-antisemitismus/was-ist-antisemitismus/3d-regel/3d-regel-node.html https://www.bpb.de/themen/antisemitismus/dossier-antisemitismus/328693/antisemitismus-in-der-bds-kampagne/ https://holocaustremembrance.com/resources/arbeitsdefinition-antisemitismus https://www.bpb.de/themen/antisemitismus/dossier-antisemitismus/was-heisst-antisemitismus/555654/definitionen-von-antisemitismus/#node-content-title-0 https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/antisemitismus-2024/549357/antisemitismus-was-gibt-es-da-zu-erklaeren/ In einer Veröffentlichung der „Bundeszentrale für politische Bildung“ heißt es : „Wer in den vergangenen Jahren akademische und politische Debatten um Antisemitismus verfolgt hat, konnte um die Kontroverse um zwei Antisemitismusdefinitionen kaum herumkommen. Da ist zum einen die "Arbeitsdefinition von Antisemitismus" der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) – eine zwischenstaatliche Organisation, zu deren Aufgaben die Bekämpfung des Antisemitismus gehört. Ihre Arbeitsdefinition entstand in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen in einem Prozess zwischen 2003 und 2016. Zur Veranschaulichung wurde sie mit elf Beispielen für antisemitische Verhaltensweisen veröffentlicht, von denen sich sieben auf Israel beziehen. Zum anderen ist da die Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus (englisch abgekürzt JDA), die 2020/21 explizit als Reaktion auf die IHRA-Definition von einer internationalen Gruppe von Wissenschaftler*innen verfasst wurde und 15 Leitlinien umfasst, davon zehn explizit mit Bezug zu Israel und Palästina. (…) Kern der Kontroverse ist die Positionierung zum Staat Israel. Kurz zusammengefasst: Entsprechend der IHRA-Definition stehen bestimmte Aussagen über den Staat Israel per se im Verdacht, antisemitisch zu sein. Dazu gehört an zentraler Stelle die Infragestellung des Existenzrechts Israels als jüdischer Staat. Die JDA dagegen möchte den Antizionismus als solchen vom Verdacht des Antisemitismus freisprechen, weshalb unter anderem auch fünf Beispiele dafür aufgeführt werden, was "nicht per se antisemitisch" ist.“ (Quelle: Tom Khaled Würdemann für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de; Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 DE; https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/antisemitismus-2024/549358/israel-und-der-antisemitismus/) Der Bundestag verurteilt 2019 Boykott-Aufrufe der BDS-Bewegung als antisemitisch. https://www.bundestag.de/webarchiv/textarchiv/2019/kw20-de-bds-642892 3-D-Regel als eine Art Leitfaden, um Antisemitismus zu identifizieren. https://www.antisemitismusbeauftragter.de/Webs/BAS/DE/bekaempfung-antisemitismus/was-ist-antisemitismus/3d-regel/3d-regel-node.html Presseberichte und Fallbeispiele zum Antisemitismusverständnis 2025/26: -SWR Podcast und Definitionen zur Frage: „Wann ist Israelkritik antisemitisch?“ Besprechung der 3-D-Regel. https://www.swr.de/kultur/gesellschaft/wann-ist-israelkritik-antisemitisch-106.html -Bericht über einen Eklat. Der deutsch-jüdische Philosoph Jason Stanley musste seine Rede in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt abbrechen und den Saal über einen Seiteneingang verlassen, weil er kritische Anmerkungen zur Politik Israels gemacht hatte. https://taz.de/Streit-um-Gedenken-zum-9-November/!6128718/ -Michel Friedmans Rede über Antisemitismus und Richard Wagner zum Auftakt der 150. Bayereuther Festspiele wurde kurzfristig aus Sicherheitsbedenken abgesagt. Es gab kein Bedrohungspotenzial, keinen Vorverkauf und keine Bereitschaft zu einer Problemlösung, obwohl die Initiative ursprünglich von Katharina Wagner, der künstlerischen Leiterin und Geschäftsführerin der Festspiele ausging. Eine mysteriöse Entwicklung, über deren Hintergründe man nur spekulieren kann. https://www.sueddeutsche.de/kultur/michel-friedman-bayreuther-festspiele-gedenkkonzert-absage-interview-li.3499269 -Fallbeispiel: ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann: Sophie von der Tann, Korrespondentin im ARD-Studio in Tel Aviv, wird in Deutschland bei der Verleihung des größten öffentlich-rechtlichen Fernsehpreises für ihre Berichterstattung, von Demonstranten massiv angefeindet und als antisemitisch diskreditiert. https://www.sueddeutsche.de/medien/sophie-von-der-tann-israel-gaza-nahost-ard-hanns-joachim-friedrichs-preis-li.3348542 Reporter ohne Grenzen erklären sich solidarisch mit der angegriffenen ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann und veröffentlichen weitere Fallbeispiele. https://www.reporter-ohne-grenzen.de/artikel/pressemitteilungen/4148/einschuchterungsversuche-gegen-sophie-von-der-tann-kolleginnen-zeigen-sich-solidarisch Bericht der Jüdischen Allgemeinen Zeitung über die Vorwürfe des Antisemitismus-Beauftragten Spaenle und des israelischen Botschafters gegenüber dem ARD-Studio in Tel Aviv. https://www.juedische-allgemeine.de/israel/antisemitismus-beauftragter-wirft-sophie-von-der-tann-verharmlosung-der-hamas-massaker-vor/ -Kritische Diskussion um das Hilfswerk UNRWA für Palästinenser. https://www.sueddeutsche.de/politik/unrwa-palaestina-fluechtlingssituation-kalandia-radikalisierung-israel-li.3351573 -Bemühungen um Dialog und Bildungsarbeit zum Nahostkonflikt. https://www.sueddeutsche.de/bayern/dachau-preis-zivilcourage-jouanna-hassoun-shai-hoffmann-li.3348699 -Ein deutscher Jude mit israelischen Wurzeln und eine Deutsch-Palästinenserin tauschen sich über die Situation und über Vorurteile aus. https://israelpalaestinavideos.org/trialog-buch -Die israelische Generalkonsulin Talya Lador-Fresher wirft den Münchner Kammerspielen Antisemitismus im Zusammenhang mit einer Podiumsdiskussion im Theater vor. Auf Nachfrage möchte sie ihren Vorwurf nicht genauer begründen. https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-kammerspiele-israel-antisemitismus-vorwurf-li.3379876 -Ein Kommentar zum Staatsbesuch von Kanzler Merz 2025 in Israel, der besonders auf den Begriff Staatsraison im Zusammenhang mit der Sicherheit Israels abzielt. https://www.sueddeutsche.de/meinung/merz-besuch-israel-staatsraeson-mendel-kommentar-li.3350909 -Das Oberverwaltungsgericht NRW fällte im November 2025 ein Urteil, in dem ein polizeiliches Verbot als rechtswidrig erklärt wird. In dem Urteil heißt es: „Das generelle Verbot eines Bestreitens des Existenzrechts des Staates Israel ist rechtswidrig. Das Existenzrecht des Staates Israel in Abrede zu stellen verwirklicht für sich genommen keinen Straftatbestand.“ https://www.justiz.nrw/presse/2025-11-21 Bücherauswahl zum Text: Kessler, Oren: “Palästina 1936 Der Große Aufstand und die Wurzeln des Nahostkonflikts”, Rowman & Littlefield, Maryland 2023; Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, München, 2025; S. 130; Anmerkung S.336/72 Schwartz, Adi; Wilf Einat: „Der Kampf um Rückkehr. Wie die westliche Nachsicht für den palästinensischen Traum den Frieden behindert hat“, 2022, Berlin, Hentrich&Hentrich; Übersetzung aus dem Englischen von Micheal Pietrucha Seligmann, Rafael: „Keine Schonzeit für Juden. Die Antwort eines Betroffenen“, 2025, Verlag Herden GmbH, Freiburg im Breisgau Shavit, Ari: „Mein gelobtes Land, Triumph und Tragödie Israels“, Aus dem Amerikanischen übersetzt von Michael Müller, 2015, C.Bertelsmann, München (Originalausgabe „My Promised Land: The Triumph and Tragedy of Israel“, 2013, Spiegel & Grau, New York) Personen und Begriffe: David Ben Gurion: https://de.wikipedia.org/wiki/David_Ben-Gurion Chaim Weizmann: https://de.wikipedia.org/wiki/Chaim_Weizmann George Antonius: https://de.wikipedia.org/wiki/George_Antonius Mohammed Amin al-Husseini (genannt der „Mufti) https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed_Amin_al-Husseini Peel-Kommission https://de.wikipedia.org/wiki/Peel-Kommission Epigenetik https://taz.de/Auf-den-Spuren-der-Epigenetik/!5744490/ Hintergrundinformationen und Meinungen zu Israel bezogenen Diskussionen: -Bericht über Diskriminierung bzw. undemokratische Gesetzgebung in Israel. https://www.nachdenkseiten.de/?p=143375 -Bericht über Folter eines Palästinensers durch israelische Reservisten, die vor Gericht gestellt wurden. https://www.nachdenkseiten.de/?p=143686 -Die israelische Armee versprüht Glyphosat über weiter Flächen des Südlibanon. Vermutet wird, dass eine ca. 10 Kilometer breite Pufferzone zischen Libanon und Israel auf libanesischem Gebiet unbewohnbar und für die Landwirtschaft nicht mehr nutzbar gemacht werden soll. https://www.sueddeutsche.de/politik/israel-versprueht-chemikalien-ueber-libanon-li.3383271 -ZDF-Dokumentation zu Hintergründen der feindlichen Beziehung zwischen Iran und Israel (zweiteilig) https://www.zdf.de/dokus/zdfinfo-israel-und-iran-rivalen-in-nahost-100 -Gastbeitrag in der SZ, in dem Forscher, Schriftsteller und Experten nach ihrer Sicht auf den historischen Zionismus, den jüdischen Staat Israel und die Beziehung zu den Palästinensern befragt werden. Es sind erstaunliche Einblicke in eine Welt jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei. https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/kultur/arnon-gruenberg-zionismus-reise-israel-oesterreich-deutschland-e237918/ -Gastbeitrag in der SZ, in dem die vorhandene Ungerechtigkeit in Palästina als solche anerkannt wird und aus dieser Akzeptanz die Zweistaatenlösung als einziger Weg zu einem dauerhaften Frieden gesehen wird. https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/kultur/bernhard-schlink-vorleser-gastbeitrag-nachost-gaza-e350921/ -Streitgespräch zwischen Hamed-Abdel-Samad (Islamismusforscher, Ägypter) und Peyman-Engel (Redakteur der Jüdischen Allgemeinen) https://www.sueddeutsche.de/kultur/was-darf-israel-buch-aegypten-verbot-philipp-peyman-engel-hamed-abdel-samad-li.3375150 -Bericht über Solidaritätskundgebung zu einem Anschlag auf das israelische Restaurant „Eclipse“ in München April 2026. https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-anschlag-juedisches-restaurant-eclipse-hessstrasse-li.3465903 -Die israelische Konsulin in München bezeichnet die Demonstrationen vor dem israelischen Generalkonsulat, in dem u.a. gegen die Todesstrafe in Israel, de facto nur für Palästinenser, demonstriert wird, als antisemitisch. Mit dem Galgen für Netanyahu sei das gesamte jüdische Volk gemeint. https://www.sueddeutsche.de/muenchen/aufrufe-gewalt-israelgegner-muenchen-universitaet-gedenktag-polizei-lmu-li.3467283 -Vorstoß hessischer Politiker das Anzweifeln des Existenzrechts Israels in der Form eines jüdischen Staates rechtlich zu sanktionieren. Kommentar zu diesem Vorhaben 2026https://www.sueddeutsche.de/meinung/deutschland-israel-existenzrecht-antisemitismus-cdu-kommentar-li.3472606 -Bericht über die Eskalation der Siedlergewalt im Westjordanland/Israel seit dem Überfall der Hamas am 07. Oktober 2023 und besonders dem Irankrieg 2026. https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/israel-siedler-westjordanland-gewalt-terror-palaestinenser-e814621/ -Auf die Frage, ob Israel gemäß wörtlicher Auslegung der Bibel das Recht habe, große Teile des heutigen Nahen Ostens zu beanspruchen, antwortet Mike Huckabee (US-Botschafter in Israel): „Es wäre in Ordnung, wenn sie alles nähmen.“ Dafür erntet er heftige Kritik. Im Artikel heißt es:“Kurz darauf ruderte er zurück und sagte, Carlsons Frage sei irrelevant, da Israel keine solchen Absichten habe.” (Anmerkung Autor: David Ben-Gurion schreibt schon 1937, als die britische Kommission eine Teilung des Landes vorschlägt, er sehe „einen konkurrenzlosen Hebel für die schrittweise Eroberung des ganzen Landes Israel”.Quelle: Oren Kessler, “Palästina 1936 Der Große Aufstand und die Wurzeln des Nahostkonflikts”, Rowman & Littlefield, Maryland 2023; Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, München, 2025; S. 130; Anmerkung S.336/72) https://www.sueddeutsche.de/politik/mike-huckabee-israel-us-botschafter-empoerung-kritik-li.3392188 -Bericht über Bestrebungen der israelischen Regierung das Westjordanland in zwei Teile zu teilen und so der Zweistaatenlösung entgegenzuwirken. (Projekt von Israels rechtsextremem Finanzminister Bezalel Smotrich) https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/israel-vertreibung-westjordanland-beduinen-e535851/ -Kommentar in der SZ zu Netanjahus Aussage, Israel werde „Schritt für Schritt“ - 60 Prozent derzeit, als nächstes 70 Prozent - Gaza annektieren. https://www.sueddeutsche.de/meinung/kommentar-hamas-israel-gaza-besetzung-li.3490968 -Im Rahmen der LMU-Veranstaltungsreihe „Reden über … Antisemitismus“ geht der Soziologe Armin Nassehi der Frage nach, „Warum hält sich Antisemitismus so hartnäckig und wer profitiert davon?“ Und er versucht sich an einem Lösungsansatz. https://www.sueddeutsche.de/muenchen/antisemitismus-muenchen-lmu-armin-nassehi-li.3467841
- Wes Geistes Kind bin ich? - Meine Geschichte mit dem Judentum und Israel
(DE) Die heutige Diskussion um Antisemitismus und die Haltung gegenüber Israel Mitte der 2020er Jahre beschäftigt mich sehr. Ich bin verunsichert. Bei welcher Denkweise, bei welchen Äußerungen und Einschätzungen wird die Grenze zum Antisemitismus überschritten? Bei manchen Erläuterungen wird mir Angst und Bang, denn ich könnte laut diesem Verständnis eine Antisemitin sein. Das entsetzt mich, denn ich habe mich von Kindheit an mein ganzes Erwachsenenleben hindurch mit der Judenverfolgung und -vernichtung in Deutschland befasst. Ich weiß, dass ich mich lange Zeit sehr dafür geschämt habe, zum Tätervolk zu gehören, obwohl ich ja erst nach dem Krieg, 1953, geboren wurde. Ich wusste natürlich, dass ich selbst nichts Böses getan hatte, aber vielleicht ja die Menschen um mich herum und mit Sicherheit viele aus dem Volk, zu dem ich per Geburt nun einmal gehörte, ob ich wollte oder nicht. Und obwohl ich mir eigentlich sicher bin, dass sich Antisemitismus nicht in meinem Kopf, in meinem Herzen oder in meinen Genen festgesetzt hat, will ich zurückschauen. Mit welchen Erlebnissen und Einstellungen zu Juden und zum jüdischen Staat Israel war ich in meiner Kindheit und Jugend bis weit in mein Erwachsenenleben hinein konfrontiert und womit habe ich mich wie auseinandergesetzt? Judentum in meiner Sozialisation in den 50er und 60er Jahren Wenn ich in meine Kindheit zurück blicke, dann tauchen jüdische Menschen in Erzählungen durchaus auf und auch in persona. Meine Großmutter väterlicherseits war vor ihrer Verheiratung 1930 Dienstmädchen in privaten Haushalten gewesen, unter anderem auch in jüdischen Haushalten. Wenn sie mir in den 50er Jahren von ihren Erlebnissen mit den sogenannten Herrschaften, ihren Arbeitgebern, erzählte, war es nicht von Bedeutung, welche der herrischen, geizigen oder bösartigen Hausherrinnen jüdisch war. In den Augen meiner sozialistisch geprägten Großmutter waren die Herrschaften sowieso alle Angehörige einer Klasse, der sie misstrauisch begegnete. Es war keine Frage der Glaubenszugehörigkeit, sondern des gesellschaftlichen Status. Jüdische Stereotype habe ich von ihr nicht gehört, wohl aber Klassen-Stereotype. Sie war es auch, die von der Verfolgung und Vernichtung der Juden im Dritten Reich erzählte, womit sie mein kindliches Unrechtsempfinden anstachelte und ich stellte viele Male die Frage, die auch die 1949 geborene deutsch-jüdische Literaturwissenschaftlerin, Journalistin und Buchhandels-Unternehmerin Rachel Salamander in ähnlicher Form ihren Eltern stellte: „Hat niemand den Juden geholfen? Warum hat denn niemand geholfen?“ Mit der Begründung, dass man dann selbst verhaftet worden wäre, konnte ich als Kind nichts anfangen. Es war einfach unerträglich, dass Menschen zu anderen Menschen völlig grundlos so gemein sein durften. Die mussten doch einsehen, dass das nicht richtig ist, meinte ich. Jemand hätte es ihnen sagen sollen, fand ich. Ihnen ins Gewissen reden, forderte ich. Ich erinnere mich, dass ich tagelang davon phantasierte, wie ich es vielleicht doch geschafft hätte, den Hitler davon zu überzeugen, dass man das nicht machen darf, andere Menschen einfach einzusperren, ihnen Böses anzutun und sie umzubringen. Tja, die Allmachtsphantasien eines sechs- oder siebenjährigen Kindes! Diese Erzählungen wirkten auf mich wie wahre Märchen, in denen böse Männer Böses taten und kein guter Geist oder Mensch für ein gutes Ende sorgte. Meine Gegenwart war von diesem Geschehen aber abgekoppelt, auch wenn meine Oma immer wieder mal von Bekannten oder Nachbarn behauptete, dass der oder die auch ein oder eine „Hitler“ gewesen sei. Damit meinte sie, dass diese Leute Nazis waren. Aber niemals wurde von bestimmten Juden, die sie gekannt hatte, und deren Schicksal gesprochen. Während also ehemalige Nazis durchaus immer wieder einmal Gestalt annahmen, blieben Juden ohne konkrete individuelle Gestalt schemenhaft. Ein großes Rätsel: Warum wollten Menschen Juden verfolgen und töten? Dieses Unrecht der Nazis und ihrer Anhänger zerrte an mir und die Auseinandersetzung mit der Geschichte, auch mit der Judenverfolgung des Mittelalters, begleitete mich ein Leben lang. Mein Interesse daran, wann, wo und warum Juden verfolgt wurden, ließ niemals nach. Ich wollte dahinter kommen, was Menschen dazu brachte, Juden zu diskriminieren und zu töten. Ich las und las und las und war nie zufrieden mit den Erkenntnissen. Wenn beispielsweise irgendwelche mittelalterlichen Grundherren, Kirchenfürsten oder sonstige Machthaber ihre Schulden bei einem jüdischen Geldverleiher loswerden wollten, indem sie den städtischen Mob gegen die Juden aufhetzten, sodass diese Pogrome durchführten, war das für mich noch keine ausreichende Erklärung für Judenhass, für Antisemitismus. Ich fragte mich: Wieso hassten die Leute, die gar keine Schulden bei Juden hatten, die Juden so sehr, dass sie sie töteten? Wie konnte das sein? Das ergab keinen Sinn! Auch religiöse Gründe leuchteten nicht ein. Jesus, Maria und die meisten Apostel waren doch Juden gewesen. Wie konnte man Juden verfolgen und beschuldigen, Jesus ermordet zu haben, wenn Jesus doch selbst ein Jude war, der von den Römern zu Tode gefoltert worden war? Jede Geschichte führte zu Fragen, auf die ich keine befriedigenden Antworten bekam. Mein Versäumnis in der Familie nachzufragen! Vielleicht hätte es mir geholfen, wenn mir jüdische Erwachsene ihre Sicht auf die ältere und vor allem jüngere Geschichte erklärt hätten oder jemand, der jüdischen Mitbürgern nahe stand. Ich denke heute, dass das durchaus hilfreich gewesen wäre. Und dennoch fragte ich nicht genauer nach, wenn meine Mutter manchmal von ihrer Zeit unmittelbar nach dem Krieg als Haustochter bei der jüdischen Familie C. erzählte. Daher weiß ich auch nicht, wie es dazu kam, dass sie in einem jüdischen Haushalt aufgenommen wurde. Manchmal berichtete sie von Regeln, die in der Küche ihrer jüdischen Gasteltern einzuhalten waren, und sie durfte offensichtlich mit in die Synagoge gehen, denn auch von diesen Ritualen erzählte sie immer wieder einmal. Aber man spürte, dass ihr die religiösen Sitten und Gebräuche fremd waren, nicht jedoch die Menschen, die sie betreuten. Ihnen war sie zugetan. Ihr sei es wirklich gut gegangen als Haustochter, meinte sie immer wieder. Weil meine beiden Großmütter in ihrer Jugend Dienstmägde gewesen waren, dachte ich als Kind, dass meine Mutter ebenfalls eine Zeit als Dienstmagd bei den C.s verbracht habe. Alles ganz normal. Spannend waren für mich ja die Erzählungen über gemeine und ungerechte, ja bösartige Herrschaften. Da konnte ich dann darüber nachdenken, wie ich gegen die angekämpft hätte. Hier war das nicht der Fall. Diese Welt schien ja in Ordnung gewesen zu sein, zumindest zu der Zeit, als meine Mutter Haustochter war. Darüber, was den einzelnen Familienmitgliedern während der Nazi-Herrschaft zugestoßen war, sprach meine Mutter kaum. Ich meine mich zu erinnern, dass sie erwähnte, die Verwandten der Familie C. seien im KZ getötet worden. Wusste sie nicht mehr? Möglich wäre das durchaus, denn meine Mutter war ja noch fast ein Kind, als sie Ende der 40er Jahre als Haustochter betreut und später als Lehrling im Textilgeschäft C. & J. ausgebildet wurde. Weder als „Hauseltern“ noch als Ausbilder werden die Erwachsenen ihre traumatischen Erlebnisse mit dieser Halbwüchsigen geteilt haben. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass über die Vergangenheit gar nicht gesprochen wurde, obwohl meine Mutter nie besonderes historisches Interesse zeigte. Es war für sie einfach kein Thema. Vielleicht ging ihr das Leid dieser Menschen, die sie wohl mochte, zu nah, war zu konkret, zu erschütternd. Vielleicht war es aber auch ein Tabu in der Nachkriegszeit über die Gräuel, die den Juden angetan worden waren, zu sprechen. Aus Scham, aus Hilflosigkeit, aus antisemitischen Gefühlen? Ich weiß es nicht, weil ich nicht nachgehakt habe! Nie! Auch als ich schon älter war nicht! Was hat mich abgehalten, Zeitzeugen wie meine Mutter zu löchern, wo ich doch jedes Buch zum Thema Judentum und Judenverfolgung, das mir in die Finger kam, mit großem Interesse verschlang? - Ich kann es mir nicht erklären. So vermag ich weder zu sagen, wie meine Mutter nach 1945 Haustochter einer jüdischen Familie wurde, welche familiären Verbindungen vielleicht existiert hatten und welches Schicksal diese Menschen hinter sich hatten, warum sie sich in Deutschland niederließen und was sie von ihren deutschen Mitbürgern dachten und wie sie sich in diesem Deutschland fühlten. Ein Skandal 1971 ging an mir vorbei! Ich kann mich auch nicht erinnern, dass über einen Skandal bezüglich der Behandlung von Herrn Moses Leib Citronenbaum im Jahr 1971 durch die Stadt Regensburg in unserer Familie diskutiert worden wäre. Und ich muss sagen, bei uns wurde am Esstisch zu dieser Zeit - ich war 18 Jahre alt und provozierte gern politische Streitgespräche - ständig politisiert und diskutiert. Als ich im Rahmen meiner Recherchen zum vorliegenden Text zufällig auf diesen Artikel im „Spiegel“-Archiv (siehe Link im Anhang) stieß, war ich überrascht und geschockt, dass ich von solch offensichtlich antisemitischen Vorgängen als Jugendliche nichts mitbekommen hatte. Ich möchte die Geschichte an dieser Stelle kurz zusammenfassen: 1971 hegte die Regensburger Verwaltungsbehörde plötzlich Zweifel an der Deutschstämmigkeit von Moses Leib Citronenbaum, der als Mitglied einer deutsch-jüdischen Familie in der polnischen Kleinstadt Zmigoród geboren worden war. 1961 hatte er bereits den Vertriebenenausweis erhalten, der ihm als „ehemaliger deutscher Volkszugehöriger“ lt. Bundesvertriebenengesetz (BVFG) zustand. Alle Nachweise gemäß § 6 BVFG für die Anerkennung waren von ihm erbracht worden. Diesen Ausweis nahm ihm die Behörde nun, 1971, aufgrund einer Volkszählung im Jahr 1921 in Polen wieder weg, weil in der Statistik keine Deutschen in Zmigoród vermerkt worden waren. Es wäre jedoch für die jüdische Familie zu keinem Zeitpunkt - weder unter polnischer Herrschaft noch in der Nazizeit - gut gewesen, sich explizit als Deutsche hervorzutun. Wer die Geschichte kennt, weiß wieso! Was war geschehen? Das Lastenausgleichsamt der Stadt hatte wohl den Antrag auf Lastenausgleich von Moses L. Citronenbaum erhalten und recherchiert. Den Daten einer 50 Jahre alten Volkszählung, durchgeführt in schwierigen Zeiten in Polen, glaubte man mehr, als den Nachweisen und Zeugenaussagen des Jahres 1961. Und so musste er vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof nochmals alle Nachweise erbringen. Dieser entschied schließlich zu Gunsten des Angegriffenen. Allerdings konnte ich nicht fassen, was da in diesem „Spiegel“-Artikel zum Schluss noch stand: Von dem Zeugen O. wollte ein beisitzender Richter während der Verhandlung allen Ernstes wissen, ob bei der Familie Citronenbaum in ihrem Heim in der polnischen Kleinstadt damals das Parteiorgan der Nazis „Völkischer Beobachter“ (Link im Anhang) ausgelegen habe. So ein Hetzblatt bei einer jüdischen Familie?! Ein Beweis für deutsche Volkszugehörigkeit in der Nazi-Zeit?! Eingefordert im Jahr 1971? Ja was ging denn im Kopf dieses Richters vor?! So unbedarft konnte doch zu dieser Zeit niemand sein! Eine entlarvende Frage, wie ich finde! In welcher Zeit bzw. Gesellschaft lebten wir denn da? Die Historie verleugnen und um jeden Preis Juden das Deutschsein aberkennen? Das war doch Nazi-Gedankengut! Theoretisch wusste ich natürlich damals schon, dass viele Nazi-Juristen und -Beamte in der BRD in Amt und Würden geblieben waren. Aber ich hatte eigentlich geglaubt, dass sie sich wenigstens nicht aus der Deckung wagten, dass sie fürchteten, entlarvt und entlassen zu werden. Mein Gott, war ich in meiner jugendlichen Arroganz naiv! Ich glaubte oder hoffte vielleicht nur, dass sich die alten Nazis verkrochen hätten, weil sie uns, die Jugend, die nach der Wahrheit suchte, fürchteten. Ich glaubte oder hoffte zumindest, dass sich die Täter für ihre Taten oder ihre Untätigkeit während der Nazi-Zeit schämten, so wie ich mich für meine bloße Zugehörigkeit zum Tätervolk schämte. Als Zeichen meiner Solidarität mit Juden und dem Judentum häkelte ich eine Kippa und lief damit durch die Stadt. Natürlich erntete ich scheele Blicke, die nur deswegen scheel sein konnten, weil jemand das Zeichen des Judentums auf einem weiblichen Kopf, wo es eigentlich nicht hingehörte, erkannte. Für alle anderen war es ein unverfängliches Mode-Accessoires. Heute würde man sagen, ich habe mich der kulturellen Aneignung schuldig gemacht. Aber damals wusste man von solchen Vergehen noch nichts. Und ich blickte mit großem Interesse und einer rosaroten Brille auf Israel, den wohlverdienten Staat der Juden, wie ich damals dachte. Meine romantische Beziehung zu Israel Wann ich mit dem Staat Israel konfrontiert wurde, kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass ich irgendwann, wohl auf der Schwelle zur Jugendlichen, davon träumte, ein Kibbuznik zu werden. Leben in einer Gemeinschaft! Neuanfang! Aufbau! Aufbruchstimmung! Ich denke, dass wir in der Schule davon hörten, dass die Juden ein herrliches blühendes Land aufgebaut hatten und noch aufbauten, das die dort ansässigen Araber nicht zu nutzen gewusst hätten. Deswegen würden sie die Israelis auch hassen und ermorden wollen. Da ich ja viel über die deutsche Judenverfolgung wusste, leuchtete mir das sofort ein. Sogar einen damals gängigen Witz konnte ich verstehen: „Hitler ist in den Suez-Kanal gefallen und als Nasser (gemeint war Gamal Abdel Nasser, der ägyptische Staatspräsident) wieder herausgekommen.“ Ich bewunderte dieses mir völlig unbekannte Land Israel. Den 1960 erschienen Film „Exodus“ mit dem charismatischen Paul Newman habe ich zwar erst später als Jugendliche gesehen, aber er unterstützte meine äußerst romantische Sicht auf Israel und die Israelis. Der Blick auf Israel verändert sich! Im Laufe der Jahre kam also zu dieser Geschichte des Judenhasses noch die Geschichte Israels und des Nahost-Konfliktes hinzu. Und hier änderte sich im Laufe der Jahrzehnte meine naive Sichtweise gewaltig. Sie wurde realistischer. Zu Beginn meiner Auseinandersetzung mit diesem Konflikt in den 60er Jahren suchte ich noch allein bei den Arabern und Palästinensern nach Gründen für ihren vermeintlichen Judenhass. Ich meinte, dies sei der gleiche Hass, also Antisemitismus, wie er über Jahrhunderte in Europa sein Unwesen getrieben hatte und noch immer trieb. Noch ganz gefangen in meiner Israel-Romantik konnte ich die Abneigung der Palästinenser gegenüber den jüdischen Israelis nicht so recht nachvollziehen. Noch 1983 verstand ich die beiden jüdischen Israelinnen, die in meinem Volkshochschulkurs in München bei mir Deutsch lernten, voll und ganz, wenn sie sagten, dass sie doch alle Einwohner Palästinas seien und es geradezu bösartig sei, wieso die Araber von den Golanhöhen auf sie herab schießen würden. Vielleicht hat mich auch das Wohlwollen dieser beiden Israelinnen mir gegenüber beeinflusst, obwohl ich doch eine Deutsche war. Besonders die gleichaltrige Hadas, mit der ich mich anfreundete, sprach mit mir über meine Schuldgefühle als Deutsche. Sie erzählte, dass ihre Familie in Israel völlig verständnislos, ja ärgerlich gewesen sei, als sie und ihr Mann beschlossen hätten, mit ihren beiden Kindern nach Deutschland zu ziehen, wo er eine gute Stelle angeboten bekommen hatte. Ihre Eltern seien zwar Holocaust-Überlebende und hätten daher natürlich negative Gefühle gegenüber Deutschland und den Deutschen, erklärte sie, aber dieses heutige Deutschland sei in ihren Augen ein anderes Land. Und meine Schuldgefühle verstand sie auch nicht im Geringsten. Für mich war das eine kleine Befreiung, muss ich zugeben. Diese beiden Frauen, Vertreterinnen Israels, passten so gut in meine Vorstellung von jüdischen Israelis. Selbstbewusst, freundlich, stark und menschlich! Aus heutiger Sicht kommt mir meine damalige Haltung fast philosemitisch vor. Es war jedoch mehr ein Wunschtraum, dass alles gut werden könne, und nicht die Vorstellung von „guten jüdischen Genen“. (Verkürzt ausgedrückt!) Ich hätte es so gern gehabt, wenn Israel unschuldig gewesen wäre. Aber, das musste ich mir im Laufe der Zeit schweren Herzens eingestehen, es war es nicht. Von Anfang an nicht! Kriege, Attentate, Intifada und Berichte über Diskriminierung und Schikanen gegenüber Palästinensern sowie Geschichten von Vertreibung und Flucht führten einen Perspektivwechsel herbei. Ich las palästinensische und israelische Autorinnen und Autoren im Wechsel. Ich las sogar Theodor Herzls „Der Judenstaat“ aus dem Jahr 1896 in der Hoffnung, mehr über die Idee des Zionismus zu erfahren. Aber der Konflikt erschien und erscheint mir immer noch komplex. Ein schockierendes Erlebnis Da fiel mir zu Beginn der 2010er Jahre ein Flyer in die Hände, der einen Vortrag über Israel und den Konflikt mit Palästinensern mit anschließender Diskussion im Gasteig in München ankündigte. Ich glaube, die Israelitische Kultus-Gemeinde lud dazu ein. Ich freute mich sehr auf diese Veranstaltung und erwartete mir Erhellendes zum Thema Nahost-Konflikt. Der israelische Redner, der sehr gut Deutsch sprach, erklärte, dass die Palästinenser in Gaza doch nur Ruhe geben sollten und ihre herrlichen Strände für den Tourismus aus Israel öffnen könnten. Er behauptete, dass in Israel die palästinensischen Israelis genau die gleichen Rechte hätten wie die jüdischen und auch gleich behandelt würden. Neben mir saßen drei jüngere Erwachsene, zwei Frauen und ein Mann, wovon eine Frau immer unruhiger wurde. Als Wortmeldungen zugelassen wurden, meldete sie sich und erklärte, sie sei jüdische Israelin und müsse den Ausführungen des Redners vehement widersprechen. Da wendeten sich die Zuhörer der vorderen Reihen mit wirklich hasserfüllten Gesichtern zu ihr um und schrieen sie nieder: Propagandistin! Propagandistin! Erschrocken verließen die drei und ich den Saal. Mit wem kann ich solidarisch sein? - Mit allen? Mit keinem? So etwas hatte ich nicht erwartet. Dieses Erlebnis war schockierend und es verunsicherte mich zutiefst. Ich hatte nie wieder Gelegenheit mit Juden über Israel zu sprechen, bis ich Jahre später, nämlich im Oktober 2024, zu einer Demo vor der Ludwig-Maximilians-Universität München ging. Versammlungsort der pro-israelischen Demonstranten auf dem Geschwister-Scholl-Platz Auf der einen Seite der Ludwigstraße, auf dem Professor-Huber-Platz, sammelten sich die pro-palästinensischen Demonstranten, die dort schon seit Monaten ein pro-palästinensisches Camp errichtet hatten. Pro-palästinensisches Camp vor Beginn der Demonstration mit wesentlich mehr Teilnehmern als hier sichtbar sind. Ihnen gegenüber, auf dem Geschwister-Scholl-Platz, hatte sich eine viel kleinere Gruppe von jüdischen bzw. pro-israelischen Demonstranten zusammengefunden. Anlass war die massive Bombardierung Gazas mit unzähligen Toten und Verletzten, die Israel nach dem Angriff und Massaker der Hamas am 07. Oktober 2023 auf Israelis vornahm. Da ich schon mehrfach mit den Teilnehmern des pro-palästinensischen Camps an der Münchner Uni ins Gespräch gekommen war, hatte ich mir vorgenommen, die Gelegenheit zu nutzen, und mit der pro-israelischen Seite zu sprechen, um zu erfahren, wie sie auf die Situation blickten. Ein jüdischer Student, den ich fragte, ob er denn Gespräche mit den pro-palästinensischen Kommilitonen geführt habe, erzählte mir, dass er nur Drohungen und Todeswünsche zu hören bekäme. Ein Dialog sei nicht möglich. Ein älterer Herr, der sich zu uns gesellte, wartete mit Vorurteilen gegenüber Palästinensern auf, wurde aber von dem jungen Mann gestoppt. Sonst zeigte niemand aus der pro-israelischen Gruppe Interesse an einem Gespräch mit mir. Die pro-israelischen Demonstranten begannen selbstvergessen zu jüdischen oder israelischen Liedern vor sich hin zu tanzen. Fast zeitgleich formierte sich der pro-palästinensische Protestzug auf der Ludwigstraße in Richtung Innenstadt. Sie skandierten hasserfüllte Parolen wie „Kindermörder! Kindermörder!“, während sie an den tanzenden pro-israelischen Demonstranten vorbeizogen. Ich stand schaudernd zwischen beiden Gruppen. Die trotzig tanzenden jüdischen Demonstranten wirkten auf mich empathielos gegenüber dem Leid der Palästinenser in Gaza. Die hasserfüllten pro-palästinensischen Demonstranten wirkten in ihrem Hass aber auch abstoßend. Ich konnte an diesem Tag keine Solidarität empfinden oder zeigen. Beide Seiten waren mir fremd und gleichzeitig fühlte ich aber dennoch mit ihnen. Ihre jeweiligen Anliegen waren nachvollziehbar. Mein Platz an diesem Tag - ratlos und deprimiert zwischen beiden Parteien! Ich stellte mich daher einfach demonstrativ auf eine Verkehrsinsel in der Straßenmitte. Das hat natürlich niemanden beeindruckt, aber es entsprach meiner inneren Position. Hilflos! Ratlos! Aussichtslos! Habe ich als Zeitgenossin, als Europäerin, als Deutsche, als nicht unmittelbar Betroffene denn keine Chance diesen Konflikt wirklich zu erfassen und einzuordnen? Es gibt die Grundsätze des Rechts und der Humanität, aber ich habe das Gefühl, dass einen das in diesem Fall nicht immer weiterhilft. Schlussgedanken Eine Frage werde ich wohl auch nie wirklich beantworten können, obwohl ich das gern wissen würde: Ist meine positive Haltung gegenüber dem Judentum ein Produkt meiner Schuldgefühle als Deutsche, als widerwillige Angehörige des Tätervolkes? Will ich in irgendeiner Form wiedergutmachen? Mich innerlich gegen Antisemitismus wappnen? Damit ich mich nicht auch eines Tages schuldig mache? Die deutsche Regierung nennt so eine Haltung „Staatsräson“ und meint damit die Sicherheitsgarantie für Israel! Es brauchte dazu aber ein neues Antisemitismusverständnis - Israel bezogener Antisemitismus! Dieser grundsätzlichen Begriffserweiterung folge ich aber nicht, auch wenn ich mich daher immer wieder gegen Antisemitismus-Vorwürfe verwahren müsste. (TA) ________________________________________________________________________ Hintergrundinformationen: Rachel Salamander: https://de.wikipedia.org/wiki/Rachel_Salamander Link zum spiegel-Archiv, in dem der Artikel über die im Text erwähnte juristische Auseinandersetzung zwischen dem jüdischen Kaufmann und der Verwaltungsbehörde geschildert wird. https://www.spiegel.de/politik/bisserl-mysterioes-a-13caf18a-0002-0001-0000-000041652465 Info zu „Völkischer Beobachter“ https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkischer_Beobachter
- Vamos Amigos! Komm mit uns nach Mexiko! Teil 4 unseres Travelblogs.
Bisher haben wir ausführlich über unsere Abenteuer in Mexiko berichtet. Leider ist kurz vor Ende unserer Reise wieder einmal der Platz auf dem Blog erschöpft. Deshalb haben wir einen neuen vierten Teil unseres Reiseblogs eingerichtet. Hier könnt ihr unsere Berichte lesen und Fotos ansehen von Loreto sowie von den verbleibenden Tagen unseres Abenteuers in Baja California Sur und in Mexiko-Stadt. Viel Spaß! Rückblick Nach drei Monaten Reisen durch Mexiko ist es Zeit, innezuhalten und zurückzublicken. Wir haben viel über Orte, Erlebnisse und Begegnungen geschrieben — aber was nehmen wir wirklich mit? Und was für Touristen waren wir? Tourismus in Mexiko ist, wie überall, ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bringt er klare Vorteile: Arbeitsplätze, Unterstützung für kleine Betriebe sowie den Erhalt von Kultur, Traditionen und historischen Stätten. Viele Menschen leben direkt vom Tourismus. Doch es gibt auch eine andere Seite — und die ist schwer zu übersehen. Baja California hat bei uns gemischte Gefühle hinterlassen. Atemberaubende Landschaften, wunderschöne Strände und ein Gefühl von Freiheit — aber auch Momente des Unbehagens. Abseits von charmanten Orten wie Loreto zeigt die Wüste deutlich eine Armut im Land. Was uns besonders auffiel, war der Kontrast: riesige Wohnmobile und überdimensionierte Pick-up-Trucks entlang des Highway 1, die an den Stränden übernachten — und direkt daneben lokale Familien, die in einfachen Zelten oder in ihren Arbeitsfahrzeugen campen. Viele Besucher kommen aus den USA und Kanada, angezogen von Sonne, Weite und niedrigeren Lebenshaltungskosten. Doch die Kluft zwischen wohlhabenden Besuchern und der lokalen Bevölkerung ist deutlich spürbar — und wirft Fragen nach der Nachhaltigkeit auf. Zeitweise wirkte Baja sogar weniger „mexikanisch“ als das Festland, da in touristischen Gegenden Englisch oft die vorherrschende Sprache ist. Man fragt sich unweigerlich, wie sich die Einheimischen dabei fühlen — willkommen oder eher verbittert? Ähnliche Entwicklungen haben wir auch anderswo beobachtet. In Städten wie Mexiko-Stadt und Oaxaca verändert der Tourismus ganze Viertel. Mieten steigen, kurzfristige Vermietungen und Airbnb-Nutzungen nehmen zu und Einheimische werden aus den Stadtzentren verdrängt. Als wir nach neun Jahren nach Oaxaca zurückkehrten, wirkte alles voller, lauter und teilweise überwältigend. Kulturelle Traditionen schienen zunehmend für Besucher inszeniert, statt aus dem Alltag heraus gelebt zu werden. Viele Nordamerikaner fliegen für ein verlängertes Wochenende dorthin, um zu feiern. Massentourismus bringt auch ökologische Probleme mit sich. Wir haben selbst Wasserknappheit erlebt — während Einheimische ohne Wasser auskommen mussten, waren Hotels und Ferienunterkünfte weiterhin versorgt und Swimmingpools gefüllt. Auch kulturell entstehen Spannungen. Feste wie der Día de los Muertos, einst ein intimes Familienritual, sind heute große Attraktionen — oft reduziert auf Fotomotive für Besucher, die die Bedeutung nicht wirklich verstehen und nur ihre Bilder auf Facebook oder Instagram teilen wollen. All das führt zu einer entscheidenden Frage: Wo verläuft die Grenze zwischen Wertschätzung und Beeinträchtigung? Wir haben versucht, bewusst zu reisen — lokale Betriebe zu unterstützen, Spanisch zu sprechen und respektvoll mit Menschen und Traditionen umzugehen. Es gab Dinge, auf die wir bewusst verzichtet haben, wie den Besuch von Friedhöfen während des Día de los Muertos. Manche Momente sind einfach zu persönlich, um sie zu beobachten — und als Außenstehender ist das zu aufdringlich. Vielleicht liegt genau darin die Antwort: mit Neugier, Bescheidenheit und Respekt zu reisen. Mexiko ist ein außergewöhnliches Land — reich an Kultur, Herzlichkeit und Kreativität. Die Herausforderung besteht, wie so oft, darin, ein Gleichgewicht zu finden, bei dem Tourismus die lokalen Gemeinden unterstützt, ohne zu überfordern. Wir möchten jedenfalls nicht der Grund dafür sein, dass irgendwo „Gringos go home“ an Wände gesprüht wird. Unsere Reise durch Mexiko hat uns unvergessliche Erinnerungen beschert, sowie eine tiefe Wertschätzung für die Menschen, ihre Kultur und ihre Umwelt. Lisa und Dave 8. Letzte Phase: Mexiko Stadt: 8. bis 12. März 2026 Lisa: 8. März 2026 Die Fahrt von Los Barriles nach Los Cabos verlief zügig, ebenso wie die Übergabe unseres Wohnmobils an Julian von Vanbaja. Es gab keine Schäden, keine Kratzer; wir waren sehr zufrieden damit. Es hatte sich für unsere Reise durch Baja California perfekt bewährt. Wir schätzten Julians Fernunterstützung sehr, wenn einmal etwas schiefging. Ein toller Service. Julian fuhr uns freundlicherweise zum Flughafen, wo wir uns verabschiedeten und ihm alles Gute für sein Wohnmobilvermietungsgeschäft wünschten. Aufgrund unserer Erfahrungen bei der Rückgabe unseres Wohnmobils in Sydney, Australien, hatten wir mit einer langen Wartezeit bei den Übergabeformalitäten gerechnet und daher einen späteren Rückflug nach Mexiko-Stadt am Nachmittag gebucht. Wie sich herausstellte, kamen wir viel zu früh am Flughafen an und hatten jede Menge Zeit totzuschlagen. Zunächst saßen wir draußen auf einer Bank in der warmen Sonne und aßen unsere Reste vom Vorabend auf: Riesengarnelen, Fisch und Gemüse – kalt, aber immer noch köstlich. Danach gingen wir durch die Sicherheitskontrolle in den Wartebereich und verbrachten einige Zeit damit, auf unserem Blog zu schreiben. Schließlich wurde unser Flug aufgerufen, und wieder einmal wurde uns bewusst, dass unsere gewählte Fluggesellschaft, Volaris, das mexikanische Pendant zu Ryanair ist: billig und mit sehr wenig Beinfreiheit. Der arme Dave musste quer sitzen, aber glücklicherweise war es nur ein 1 1/2-stündiger Flug. Als wir in Mexiko-Stadt ankamen, war es bereits dunkel. Der Taxifahrer teilte uns mit, dass er uns aufgrund von Demonstrationen in der Innenstadt möglicherweise nicht direkt vor dem Hotel absetzen könne, uns aber so nah wie möglich heranbringen würde. Er erklärte, es sei Internationaler Frauentag, behauptete, die auf der Straße marschierenden Frauen seien sehr gewalttätig und warnte uns, vorsichtig zu sein. Ich beschloss, das Gespräch nicht weiter zu vertiefen. Als wir jedoch das Zentrum erreichten, gab es weder Demonstrationen noch Straßensperren. Wir fuhren direkt hindurch und er setzte uns vor unserem Hotel ab. Das einzige Anzeichen für mögliche Unruhen war die Anwesenheit zahlreicher Polizeiwagen mit bewaffneten Beamten, die an Straßenecken stationiert waren und deren Blaulicht blinkte. Die Rollläden der Geschäfte waren heruntergelassen, aber von gewalttätigen Demonstranten war nichts zu sehen. Später, als wir zum Abendessen ausgingen, trafen wir einige von ihnen sogar in unserem Restaurant, dem El Quatro 20, wo sie mit Freunden aßen und tranken – vollkommen friedlich. Die angebliche „Gewalt“ schien völlig übertrieben. Im Hotel erwartete uns jedoch eine Enttäuschung. Das Zimmer im ersten Stock mit Balkon und Blick auf den Platz, das wir vor fünf Wochen gebucht und bezahlt hatten, war aufgrund eines Problems mit den Wasserleitungen nicht verfügbar. Uns wurde stattdessen ein dunkles Zimmer mit Blick auf die Seitenstraße angeboten. Unsere Freunde Beverley und Terry, die vor einigen Wochen im selben Hotel übernachtet hatten, bevor sie nach London zurückkehrten, hatten das gleiche Problem und ebenfalls ein anderes Zimmer bekommen. Wir baten das Personal, uns eine Alternative zu suchen, und machten uns in der Zwischenzeit auf den Weg zum Abendessen. Als wir zurückkamen, war immer noch kein anderes Zimmer verfügbar. Wir sprachen mit dem Manager, der uns erklärte, dass das Hotel ausgebucht sei und wir das Zimmer vielleicht in zwei Tagen oder sogar schon morgen wechseln könnten. Wie frustrierend! Nach unserem Wildcamping-Erlebnis in Baja hatten wir gehofft, unseren Aufenthalt in Mexiko mit einem Höhepunkt in einem schönen Hotelzimmer ausklingen zu lassen. Ein Zimmerwechsel für die letzte Nacht wäre jedoch sehr störend gewesen. Stattdessen baten wir um eine Entschädigung – vielleicht eine Flasche ihres besten Rotweins? Einverstanden! Wir nahmen das Zimmer an, und letztendlich stellte es sich als recht schön heraus. Das Hotel Domingo Santo bezeichnet sich selbst als Boutique-Hotel – sehr modern und stilvoll, in einem historischen Gebäude, mit durchgehend dimmbarer indirekter Beleuchtung. Die Realität sah jedoch etwas komplizierter aus. Die Lichtschalter waren launisch und erforderten Geduld. Daves Nachttischlampe schien ein Eigenleben zu führen und wechselte ständig zwischen ihren drei Helligkeitsstufen hin und her. Am Ende musste er die Glühbirne herausdrehen, um etwas Schlaf zu finden. Der Toiletten- und Duschbereich hatte Glaswände, die zwar stilvoll aussahen, aber kaum Privatsphäre boten. Die Beleuchtung dort war so schwach, dass man kaum etwas sehen konnte. Die Tür zu unserem Zimmer ließ sich nicht abschließen, sodass wir nur hoffen konnten, dass niemand ungebeten hereinspazieren würde. Abgesehen davon war das Zimmer an sich recht angenehm – mit einem kleinen Balkon, der auf eine Seitenstraße hinausging. Sobald die Motorräder und Lastwagen nicht mehr vorbeifuhren, war es relativ ruhig. 9. März 2026 Wir haben sehr gut geschlafen, und glücklicherweise war über Nacht niemand in unser Zimmer eingebrochen. Das Frühstück wurde auf der Dachterrasse mit Blick auf den Platz serviert – eine wunderschöne Kulisse. Es gab zwar keinen schwarzen Tee, aber dank Beverleys großzügigem Vorrat an Twinings-Teebeuteln aus London bin ich mittlerweile gut vorbereitet: Ich bringe meinen eigenen Teebeutel mit und bitte einfach um heißes Wasser. Problem gelöst. Das Essen war ausgezeichnet, obwohl der Kellner – offensichtlich eine Aushilfskraft – ziemlich gestresst wirkte. Er sprach nur sehr wenig Englisch, was die Sache nicht gerade erleichterte, vor allem angesichts des anspruchsvollen indischen Paares aus Texas am Nebentisch, das entschlossen schien, ihm das Leben so schwer wie möglich zu machen. Wir fühlten mit ihm. Nach dem Frühstück eilten wir zum Nationalpalast, in der Hoffnung, endlich Tickets zu bekommen, um die Wandgemälde von Diego Rivera zu fotografieren. Um Weihnachten herum waren die Tickets täglich schon um 10 Uhr ausverkauft, und man hatte uns gesagt, dass es im März ruhiger sein würde, wenn weniger Touristen in der Stadt seien. Leider war der Palast nun bis Ende April wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Typisch! Sehr enttäuschend, aber nichts zu machen. Also improvisierten wir und verbrachten den Vormittag in der Altstadt, bevor wir uns am Nachmittag auf einen „Probelauf“ zu Frida Kahlos Haus in Coyoacán machten. Wir hatten es geschafft, Tickets für morgen um 11.15 Uhr Wochen im Voraus zu ergattern, und waren entschlossen, unseren Termin nicht zu verpassen. Bei einem früheren Besuch hatten wir gesehen, wie ein Paar abgewiesen wurde, weil es mit nur 20 Minuten Verspätung gekommen war – Lektion gelernt. Die Anreise war nicht ganz einfach. Wir nahmen die U-Bahn, stiegen an der Station Ermitas um und mussten dann den richtigen Bus finden. Das erwies sich als schwieriger als erwartet, da uns mehrere Leute selbstbewusst in die völlig falsche Richtung schickten. Schließlich sprach ein älterer Mann Dave an, der zunächst etwas abweisend reagierte. Der Mann sprach dann mit mir und gab eine klare, genaue Wegbeschreibung, beschrieb sogar die Farbe des Busses und erriet unser Ziel richtig. Er bat mich auch, Dave zu sagen, dass er keine Angst vor ihm haben musste. Na gut. Wir erklärten ihm unsere Frustration und er lachte verständnisvoll, bevor er sich auf den Weg machte. Wir fanden den Bus, zahlten 15 mexikanische Pesos (0,64 £; 0,74 €) für uns beide und wurden 17 Minuten später direkt vor Frida Kahlos berühmtem blauen Haus abgesetzt. Erfolg! Wir wissen jetzt genau, wohin wir gehen müssen und wie lange es dauern wird; es gibt keine Ausreden mehr, morgen zu spät zu kommen. Auftrag erledigt. Wir feierten mit Tee, Kaffee und einem Mandelcroissant in einem Café in der Nähe. Die Rückfahrt verlief jedoch weniger entspannt. Die U-Bahn um 17 Uhr war vollgepackt mit Pendlern. Als wir unsere Haltestelle, Allende, erreichten, konnten wir nicht aussteigen, weil sich die Leute bereits hineindrängten. Wir schrien und drängelten (zunächst höflich), um hinauszukommen. Ich schaffte es gerade so, mich durchzudrängen, aber Dave saß fest. Ein großer Mann schubste ihn und Dave schubste zurück; andere mischten sich ein – die Situation eskalierte schnell. Einen Moment lang sah es so aus, als könnte es hässlich werden. Dann gelang es Dave irgendwie, sich gerade noch zu befreien, als sich die Türen schlossen. Der Zug fuhr hinter ihm davon. Das war knapp. Auf dem Rückweg zum Hotel stießen wir auf den beschädigten Kopf des Engels der Unabhängigkeit, der im Innenhof des Historischen Archivs ausgestellt war. Die ursprüngliche Statue auf der Plaza de Independencia war während des Erdbebens von 1957 von ihrer Säule gestürzt und beim Aufprall zerbrochen. Die Statue wurde zwar später restauriert, doch der ursprüngliche Kopf konnte nicht repariert werden und wird nun als Erinnerung an das Ereignis ausgestellt – das vor Ort als „el sismo del Ángel“ (das Erdbeben des Engels) bekannt ist. Der beschädigte Kopf erinnert an das Erdbeben des Engels. Eine Frage war noch offen: unser Terrakotta-Jaguar. Fünf Wochen zuvor hatten wir ihn auf dem Samstagsbasar gekauft. Jaguare symbolisieren in Mexiko Stärke und Schutz und wir wollten diesen unbedingt mit nach Hause nehmen. Der Verkäufer, Rodrigo, hatte versprochen, ihn zu unserem Hotel zu liefern – aber er war nicht angekommen. Auch konnten wir ihn trotz zahlreicher Anrufe und Nachrichten nicht erreichen. Inzwischen machten wir uns Sorgen. Wir sprachen unseren Hotelmanager (mittlerweile unser Freund) darauf an und er übernahm die Sache sofort. Er rief Rodrigo an und erreichte ihn sofort (natürlich), wobei er höflich, aber bestimmt nachfragte, wann der Jaguar geliefert würde. Nach langem Entschuldigen versprach Rodrigo, dass er noch am Nachmittag oder am Abend eintreffen würde. Wir würden sehen. Beruhigt machten wir uns auf den Weg zum Abendessen ins bekannte Café de Tacuba. Das historische Interieur mit seinen kunstvollen Malereien und den goldgerahmten Bildern wirkte fast wie in einer Kirche. Das Essen war gut und das Personal trug traditionelle Kleidung – die Kellnerinnen ähnelten in ihren weißen Schürzen und Kopfbedeckungen Krankenschwestern. Eine Live-Band spielte den ganzen Abend über; sie war gut, abgesehen von einem Sänger, der ziemlich heldenhaft mit den hohen Tönen zu kämpfen hatte. Es war ein angenehmes Erlebnis, aber insgesamt wirkte es wie eine überteuerte Touristenattraktion. Dave geniesst ein Bohemia Bier im Café de Tacuba. Wir beide zogen das El Quatro 20 vom Vorabend vor – lebhafter, einfacher, besseres Essen - und zum halben Preis. Eine leichte Entscheidung für unseren letzten Abend. Zurück im Hotel waren wir endlich erleichtert – unser Jaguar war angekommen. Wir brachten ihn nach oben und am nächsten Tag wollten wir Luftpolsterfolie kaufen, um ihn für die Heimreise zu schützen. Er war kleiner, als wir ihn in Erinnerung hatten. So passte er glücklicherweise perfekt in Daves Tagesrucksack, sodass wir keine zusätzliche Tasche für ihn kaufen mussten. 10. März 2026 Heute war der Tag, an dem wir wieder zu Frida Kahlos Haus zurückkehrten. Wir hatten es vor neun Jahren besucht und freuten uns darauf, es erneut zu erleben. Entschlossen, nicht zu spät zu kommen, machten wir uns früh auf den Weg – viel zu früh, wie sich herausstellte – und verbrachten ziemlich viel Zeit in der Warteschlange. Aber besser zu früh als unseren Termin zu verpassen. Die Warteschlange war gut organisiert; alle 15 Minuten wurde eine Gruppe von Besuchern hineingelassen, sodass das Haus und der Garten angenehm überschaubar blieben. Wie schon zuvor fühlte es sich weniger wie ein Museumsbesuch an, sondern eher wie ein Schritt in ihr Zuhause – in ihre private Welt. Das Haus und der Garten sind voll mit ihrer Persönlichkeit und ihrem künstlerischen Geist. Im Erdgeschoss und im Garten gab es Exponate aus ihrer umfangreichen Kunstsammlung sowie Schwarz-Weiß-Fotografien von Frida mit Diego Rivera, Freunden und Familie – die einen sehr persönlichen Einblick in ihr Leben gewährten. Für mich lagen die Höhepunkte im Obergeschoss: ihr Atelier mit der Staffelei, den Pinseln und den Farben; ihr Rollstuhl, der davor stand; und ihr Schlafzimmer, in dem ein Spiegel an der Decke befestigt war. Ihr Vater hatte ihn nach ihrem schrecklichen Unfall anbringen lassen, als sie über ein Jahr lang ans Bett gefesselt war. Da sie sich nicht bewegen konnte, begann sie, sich selbst zu malen – und der Rest ist Geschichte. Fridas Gemälde sind im ganzen Haus ausgestellt. Eines, das mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, war ein Stillleben mit Wassermelonen. Es war Jahre zuvor gemalt worden, doch kurz vor ihrem Tod fügte sie die Worte hinzu: „Viva la Vida!“ (Es lebe das Leben!). Nur wenige Tage später verstarb sie. Es war ein ebenso kraftvolles wie ergreifendes Erlebnis. Viva la vida - Es lebe das Leben! Im ganzen Haus und im Garten finden sich handschriftliche Notizen und Briefe von Frida Kahlo oder Diego Rivera. In einem der kleineren Gebäude sind ihre Korsetts, Krücken, Kleider und Schmuckstücke ausgestellt; in einem anderen gibt eine Dokumentation mit Fotografien und Tagebuchauszügen weitere Einblicke in ihr Leben. Im Innenhof können sich Besucher bei einer Tasse Kaffee entspannen oder sogar an Zeichenkursen teilnehmen. Es gibt so viel zu entdecken. Nach etwa zweieinhalb Stunden verließen wir den Ort – müde, aber tief bewegt. Das gesamte Erlebnis wirkt intim und emotional, fast wie eine Pilgerreise. Menschen jeden Alters aus aller Welt kommen hierher, angezogen von ihrem Leben, ihrer Widerstandskraft und ihrer Kunst. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Eine permanente Schlange vor dem Haus von Frida Kahlo. Über Frida Kahlo wurde viel geschrieben, und es wurden Filme über ihr Leben gedreht. Hier sind einige Links für diejenigen, die weitere Hintergrundinformationen lesen möchten. Hier ist ein Link zu ihrer Biografie: https://www.britannica.com/biography/Frida-Kahlo https://de.wikipedia.org/wiki/Frida_Kahlo https://en.wikipedia.org/wiki/Frida_Kahlo Ein Wandgemälde von Frida in einer Nebenstrasse. Wir erholten uns in einem nahegelegenen Café bei Cappuccino, Tee und einem Mandelcroissant und blätterten unsere Fotos durch, bevor wir uns auf den Rückweg machten. Diesmal war die Fahrt mit der U-Bahn erfrischend ruhig – es war Nachmittag und nicht so überfüllt. An unserem letzten Abend in Mexiko kehrten wir in unser Lieblingsrestaurant, El Quatro 20, zurück. Mit einem Bohemia-Dunkelbier in der Hand genoss Dave ein köstliches Tintenfischgericht, während ich Flautas (frittierte Tortillaröllchen mit Hähnchenfüllung) aß. Ich hätte gerne mehr von Daves Tintenfisch probiert, da er ausgezeichnet war, aber er mochte ihn so sehr, dass er sich nicht besonders großzügig zeigte. Wirklich schade. Leckeres Abendessen, aber Daves Tintenfisch war für mich leider tabu. 11. März 2026 Am letzten Morgen packten wir unsere Koffer und machten uns auf den Weg zum Torre Latinoamericana, einem 44-stöckigen, 182 Meter hohen Wahrzeichen im historischen Zentrum, gegenüber dem Palacio de Bellas Artes. Die 360-Grad-Aussichtsplattform im 42. Stock versprach den perfekten Ausblick zum Abschied. Der Turm ist ein Wunderwerk der Technik – der erste Wolkenkratzer, der in einer stark erdbebengefährdeten Zone gebaut wurde (1956 eröffnet) – und hat mehrere schwere Erdbeben überstanden, darunter das verheerende Erdbeben von Mexiko-Stadt im Jahr 1985. Fotos im kleinen Museum zeigen den Turm, wie er unversehrt steht, umgeben von völlig zerstörten Gebäuden – ein beeindruckender Anblick. Nach einigen trüben Tagen klarte das Wetter endlich auf, gerade rechtzeitig zu unserer Abreise. Die Aussicht war spektakulär und reichte über diese weite und beeindruckende Stadt – ein passender Abschluss für unseren Abschied. Wir beschlossen, unsere Reise dort zu beenden, wo sie begonnen hatte: in einem Dachrestaurant mit Blick auf den Zócalo, von wo aus man die Kathedrale und den Nationalpalast sehen konnte. Mit einem kühlen Getränk in der Hand genossen wir den Anblick ein letztes Mal. Dann kam die Realität dazwischen. Eine Meldung von Aeroméxico warnte uns vor einem Taxistreik, der den Zugang zum Flughafen betraf, insbesondere zum Terminal 2 des internationalen Flughafens von Mexiko-Stadt, von wo aus unser Flug starten sollte. Das Hotel riet uns, früh aufzubrechen, und organisierte ein vertrauenswürdiges Taxi. Unterwegs erhielt der Fahrer über Funk aktuelle Informationen und Anweisungen, angesichts der Störungen ruhig und respektvoll zu bleiben. Terminal 2 war tatsächlich blockiert, aber der Taxifahrer setzte uns stattdessen am Terminal 1 ab, von wo aus wir den Shuttlezug nehmen konnten. Problem gelöst. Wir kamen viel zu früh an – aber sicher ist sicher. Laufende Bauarbeiten im Vorfeld der bevorstehenden Weltmeisterschaft sorgten für Chaos: keine Aufzüge, keine Rolltreppen, nur endlose Treppen. Zum Glück kam uns hilfsbereites Personal zu Hilfe und trug meinen Koffer (Dave, der weniger Glück hatte, schaffte es alleine – sorry, Dave!). Schließlich erreichten wir Terminal 2, nur um festzustellen, dass wir immer noch zu früh waren, um einzuchecken. Wir ließen uns auf ein paar Sitze fallen, verbanden uns mit dem WLAN und vertrieben uns die Zeit mit der Arbeit am Blog. Eine Sorge blieb jedoch bestehen: Unser zusätzliches Gepäckstück – mit dem sorgfältig eingewickelten Jaguar darin – war eigentlich nicht erlaubt. Beim Check-in bemerkte es niemand. Bei der Sicherheitskontrolle begann ein Beamter, es auszupacken, und ich fürchtete um sein Überleben. Schnell reagierend zeigte ich ihm ein Foto des Jaguars. Er lachte und winkte uns durch. Krise abgewendet. Das Boarding brachte weiteres Warten mit sich – und weitere leise Angst wegen des zusätzlichen Gepäcks. Aber wieder gab es keine Probleme. Tatsächlich half uns eine freundliche Stewardess sogar dabei, den Jaguar sicher im Gepäckfach zwischen unseren Rucksäcken zu verstauen. Der Flug selbst verlief größtenteils ereignislos – zumindest für mich. Daves Sitz musste ausgetauscht werden (anscheinend ein Opfer des vorherigen Passagiers), daher stand er wartend da, während nach einem sauberen Sitz gesucht wurde. Dann weigerte sich sein Unterhaltungsbildschirm, zu funktionieren und fror immer wieder mitten im Film ein – nicht gerade sein Glückstag. Ich hingegen sah mir eine lange Dokumentation über Frida Kahlo an und verbrachte den Großteil des turbulenten Fluges damit, mir Sorgen um das Schicksal unseres Jaguars zu machen. Ich kam kaum zum Schlafen. Wir landeten eine Stunde früher als geplant, gegen 14 Uhr. Alle unsere Bedenken bezüglich der Zollabfertigung erwiesen sich als unbegründet – keine Fragen, keine Kontrollen, wir gingen einfach direkt durch. Und nun steht unser kleiner Jaguar sicher in unserem Wohnzimmer und erinnert uns täglich an eine außergewöhnliche Reise durch Mexiko. Wir sind alle gut zu Hause angekommen. ------------ Dave: 8. März 2026 Wir landeten um 19:00 Uhr am Terminal 1 des Flughafens von Mexiko-Stadt, 10 Minuten früher als geplant. Eine 25-minütige Taxifahrt für 500 MX$ (21,00 £) brachte uns zum Hotel Domingo Santo, unserem Zuhause für die nächsten drei Nächte. Unser Fahrer schaffte es, den Demonstrationen zum Frauentag im Stadtzentrum auszuweichen und wir kamen um 20:00 Uhr an. Es gab Probleme mit unserem Zimmer. Vor einem Monat hatten wir unser Zimmer gebucht und bezahlt, ein Zimmer mit Balkon und Blick auf den Hauptplatz. Wir bekamen jedoch ein Zimmer mit Balkon und Blick auf die Seitenstraße, daher beschwerten wir uns. Das Hotel verfügt über eine überdachte Dachterrasse, also stellten wir unser Gepäck im Zimmer ab und gingen dorthin zum Abendessen. Leider schließt das Restaurant um 20:00 Uhr. Wie ärgerlich! Wir suchten auf Google Maps nach Restaurants in der Nähe und machten uns auf die Suche. Die Demonstration war noch im Gange und viele der Seitenstraßen waren voller Polizeifahrzeuge mit Beamten, die mit gezückten Schlagstöcken bereit standen, nur für den Fall, dass es zu Unruhen kommen sollte. Ihr wisst ja, wie gewalttätig Frauen sein können! Viele Restaurants hatten früh geschlossen, einige wegen der Demonstration, andere einfach, weil es Sonntag und schon spät war. Wir schlenderten eine Weile durch die Straßen und verliefen uns, wie es unvermeidlich war. Schließlich stießen wir auf El Cuatro 20, ein lebhaftes Restaurant mit Cervecería-Bar, voller Einheimischer, vor allem Frauen, die offensichtlich an der Demonstration teilgenommen hatten. Wir waren durstig und sie servierten Modelo Negro vom Fass. Perfekt! Ich bestellte Pozole, während Lisa Quesadillas bestellte, und beides war ausgezeichnet. Danach verirrten wir uns auf dem Rückweg zum Hotel wieder, was durch einen Zwischenstopp in einem Supermarkt, um Wasser, Wein und eine kleine Flasche Rum zu kaufen, noch verschlimmert wurde. Als wir zurückkamen, hatte der Rezeptionist im Hotel bereits die Schicht gewechselt. Ich beschwerte mich noch einmal über unser Zimmer und wurde vom neuen Rezeptionisten gebeten, am Morgen mit dem Manager zu sprechen. Wir zogen uns auf unser Zimmer zurück, duschten und ließen den Abend bei einem Glas Rum ausklingen, während wir BBC News im Fernsehen sahen. 09. März 2026 Ich schlief bis 06:30 Uhr aus, während Lisa bis 08:00 Uhr schlief. Bevor wir frühstückten, sprachen wir mit dem Hotelmanager darüber, dass wir in das ursprünglich gebuchte Zimmer mit Balkon und Blick auf den Hauptplatz, umziehen wollten. Aber das war nicht möglich, da es einen Defekt am Wasserhahn gab. Als Entschädigung wurde uns eine gute Flasche Rotwein angeboten, die wir gerne annahmen. Wir hatten vor etwa einem Monat, als wir mit Terry und Beverly unterwegs waren, in einem Laden auf einem berühmten Samstagsmarkt eine Jaguar-Figur aus Keramik gekauft. Wir hatten dem Besitzer die Adresse unseres Hotels und unser Ankunftsdatum gegeben und er hatte uns feierlich versprochen, sie an unser Hotel zu liefern. Leider war sie bisher nicht angekommen. Wir frühstückten im überdachten Dachrestaurant unseres Hotels, gingen später zum Zócalo und versuchten erneut, den Nationalpalast zu besichtigen – etwas, das wir seit Weihnachten schon mehrmals versucht hatten. Wieder einmal hatten wir kein Glück und erfuhren, dass er bis April geschlossen sei, diesmal wegen Renovierungsarbeiten. Sich auf unseren Smartphones nach Google Maps zu richten, kann überraschend frustrierend sein, selbst in einer Stadt wie Mexiko-Stadt mit einem rechtwinkligen Straßennetz. Es wäre eine enorme Hilfe, wenn der Norden ständig oben auf dem Bildschirm bliebe, statt sich ständig zu drehen. So kam es, dass wir uns ein paar Mal verirrten. Als wir zurück im Hotel waren, war unser Jaguar immer noch nicht angekommen und Lisa hatte Schwierigkeiten, den Ladenbesitzer zu erreichen. Ich versuchte es auch, aber ohne Erfolg. Glücklicherweise schaltete sich unser Hotelmanager ein, tätigte ein paar Anrufe und schaffte es, ihn irgendwie zu erreichen. Er scherzte, dass es geklappt habe, weil er ein mexikanischer Hotelmanager sei, der mit einem anderen Mexikaner spreche. Der Ladenbesitzer versprach, die Statue noch heute zu liefern, doch ich blieb skeptisch. Morgen haben wir um 11:15 Uhr Zeitfenster-Tickets für das Frida-Kahlo-Museum. Es ist eine ziemliche Reise: mit der Metro von Mexiko-Stadt nach Ermita, dann eine 35-minütige Fahrt mit dem Nahverkehrsbus. Da die Eintrittszeiten streng eingehalten werden und die Tickets Wochen im Voraus gebucht werden müssen, beschlossen wir, einen Probelauf zu machen. Nach einer kurzen Pause in einem kleinen Café um die Ecke vom Museum, wo Lisa freudig mit einem kleinen Stück Kuchen feierte, weil sie ein Café gefunden hatte, das schwarzen Tee anbot, kehrten wir mit dem Nahverkehrsbus zur U-Bahn-Station Ermita zurück und stiegen an der U-Bahn-Station Allende aus. Gleich um die Ecke liegt das berühmte Café de Tacuba, wo wir zu Abend aßen. Obwohl die Hausband ausgezeichnet war, wirkte das Restaurant für unseren Geschmack etwas zu touristisch. Wir beide bevorzugten die Atmosphäre im El Cuatro 20 vom Vorabend. Obwohl wir beide Google Maps konsultierten, gelang es uns dennoch, auf dem Rückweg zum Hotel falsch abzubiegen. Wir hatten den Hotelmanager beim Einchecken darauf hingewiesen, dass das Türschloss in unserem Zimmer defekt war. Um 22:00 Uhr klopfte der Hausmeister an unsere Tür. Er war gekommen, um das defekte Schloss zu reparieren – ein Beweis dafür, dass unser Hotelmanager ein Mann war, der Wort hielt. 10. März 2026 Ich war schon um 05:00 Uhr auf, um meinen Blog und mein Tagebuch zu schreiben, während Lisa erst um 06:30 Uhr aufstand. Nach dem Frühstück gingen wir zur Metrostation Allende, fuhren mit der Metro von Mexiko-Stadt zur Metrostation Ermita und nahmen dann einen Nahverkehrsbus zum Frida-Kahlo-Museum. Wir kamen etwa eine Stunde vor unserer zugewiesenen Eintrittszeit um 11:15 Uhr an und stellten uns in die Warteschlange. Das Museum arbeitet mit einem sehr effizienten System: Die Eintrittskarten werden in 15-Minuten-Intervallen ausgegeben und die Besucher werden streng nach ihrer zugewiesenen Zeit hineingelassen. Zum Glück spendeten die Bäume während des Wartens Schatten. Um 13:30 Uhr verließen wir das Museum und fühlten uns angenehm erschöpft. Unser Besuch war genauso faszinierend und lohnenswert wie bei unserem letzten vor neun Jahren. Die Warteschlangen waren genauso lang wie bei unserer Ankunft. Wie schon gestern flüchteten wir uns in ein nahegelegenes Café, um uns auszuruhen, etwas abzukühlen und einen wohlverdienten Kaffee zu trinken. Das Museum ist unglaublich beliebt und zieht Besucher aus aller Welt an, die Frida Kahlo ihre Ehrerbietung erweisen wollen. Die Tickets müssen online gebucht werden und die frühesten verfügbaren Termine lagen bereits weit in Mitte April. Einige Exemplare von Frida Kahlos umfangreicher Kunstsammlung. Man fragt sich unweigerlich, was Frida selbst heute wohl von den Menschenmassen, den Einnahmen des Museums und den vielen Menschen halten würde, die dort mittlerweile beschäftigt sind – vom Personal bis hin zu den privaten Reiseleitern? Wer war Frida Kahlo? Frida Kahlo (1907–1954) war eine der berühmtesten Künstlerinnen Mexikos. Sie ist vor allem für ihre eindrucksvollen Selbstporträts bekannt, die häufig Themen wie Identität, Schmerz, mexikanische Kultur und ihr turbulentes Leben behandeln. Wichtige Fakten über Frida Kahlo Mexikanische Malerin, bekannt für ihre lebendigen, symbolischen Selbstporträts. Stark mit der mexikanischen Identität verbunden, trug sie oft traditionelle Tehuana-Kleidung. Ihre Kunst war stark von lebenslangen gesundheitlichen Problemen geprägt, darunter schwere Verletzungen durch einen Busunfall, als sie 18 Jahre alt war. Sie führte eine leidenschaftliche und komplizierte Ehe mit dem berühmten mexikanischen Wandmaler Diego Rivera. Das Frida-Kahlo-Museum (die Casa Azul, das Blaue Haus) in Coyoacán ist heute eines der meistbesuchten Museen in Mexiko-Stadt. Heute gilt sie als: eine bedeutende Persönlichkeit der Kunst des 20. Jahrhunderts, eine kulturelle Ikone Mexikos und ein Symbol für Stärke, Widerstandsfähigkeit und Individualität. Ihr Leben und Werk haben sie weltweit berühmt gemacht, was erklärt, warum das Museum so viele Besucher anzieht. Hier sind fünf faszinierende Dinge, die vielen Besuchern selbst nach einem Besuch im Frida-Kahlo-Museum nicht bewusst sind: 1. Ursprünglich hatte sie nicht vor, Künstlerin zu werden. Frida wollte Ärztin werden und studierte Medizin, als sie jung war. Ihr Leben änderte sich völlig, nachdem sie im Alter von 18 Jahren bei einem verheerenden Busunfall schwere Verletzungen erlitten hatte. Während sie monatelang im Bett lag und sich erholte, begann sie mit Hilfe eines über ihrem Bett angebrachten Spiegels zu malen. 2. Viele ihrer Gemälde sind Selbstporträts. Sie sagte einmal, sie male sich so oft, weil „ich das Motiv bin, das ich am besten kenne“. Ihre Porträts zeigen oft körperliche Schmerzen, emotionale Kämpfe sowie Symbole der mexikanischen Kultur. 3. Sie gestaltete ihren berühmten Look sorgfältig. Fridas unverwechselbares Aussehen – geflochtene Haare, Blumen, bunte Tücher und traditionelle Tehuana-Kleider – war bewusst gewählt. Die Kleidung trug dazu bei, ihre mexikanische Identität zum Ausdruck zu bringen, und half ihr zudem, einige der körperlichen Folgen ihrer Verletzungen zu verbergen. 4. Ihre Ehe mit Diego Rivera war bekanntlich turbulent. Sie heirateten 1929 und gehörten zu den berühmtesten Künstlerpaaren der Welt. Ihre Beziehung war leidenschaftlich, aber kompliziert und geprägt von Trennungen, Affären (auf beiden Seiten), Scheidung und schließlich einer erneuten Heirat. 5. Nach ihrem Tod wurde sie weitaus berühmter. Zu Lebzeiten war sie hauptsächlich als „Diego Riveras Frau“ bekannt. Erst durch die feministische Bewegung der 1970er Jahre wurde ihr Werk wiederentdeckt und international gefeiert. Heute ist sie eine der bekanntesten Künstlerinnen der Welt und ein bedeutendes kulturelles Symbol Mexikos. Ein Detail, das viele Besucher im Museum übersehen: Frida Kahlo starb tatsächlich im Obergeschoss des Blauen Hauses, und ihre Asche wird dort noch heute in einer urnenförmigen Amphore aufbewahrt, die wie eine Kröte gestaltet ist – eine Anspielung auf den Spitznamen, den sie für Diego Rivera verwendete. Hier sind drei von Frida Kahlos bekanntesten Gemälden und ihre Symbolik. Viele Besucher sehen sie im Museum, ohne ihre tiefere Bedeutung zu erkennen: 1. Die zwei Fridas (1939) Eines ihrer berühmtesten und eindrucksvollsten Werke. Das Gemälde zeigt zwei Versionen von Frida, die nebeneinander sitzen. Eine trägt ein europäisches, weißes Kleid – sie steht für die Frida, die von ihrem Ehemann Diego Rivera nach der Scheidung zurückgewiesen wurde. Die andere trägt ein traditionelles mexikanisches Tehuana-Kleid – sie repräsentiert die Frida, die er liebte. Ihre Herzen sind freigelegt und durch eine Vene miteinander verbunden, was den emotionalen Schmerz und die Verbindung ihrer beiden Identitäten symbolisiert. Die durchtrennte Arterie und das Blut stehen für ihren Herzschmerz nach der Trennung. 2. Die gebrochene Säule (1944) Dieses Gemälde spiegelt das körperliche Leid wider, das sie nach ihrem Busunfall ertragen musste. Frida steht fast nackt, ihr Körper ist aufgespalten. Anstelle einer Wirbelsäule sieht man eine bröckelnde Steinsäule – ein Symbol ihrer Zerbrechlichkeit. Ihr Körper ist von Nägeln durchzogen, die für den ständigen Schmerz stehen. Sie trägt ein medizinisches Korsett aus Metall, wie sie es auch im echten Leben tragen musste. Trotz der Tränen, die ihr über das Gesicht laufen, blickt sie den Betrachter direkt an – ein Zeichen ihrer Stärke und Widerstandskraft. 3. Selbstporträt mit Dornenhalsband und Kolibri (1940) Dieses Bild ist voller Symbolik aus der mexikanischen Folklore und der Natur. Das Dornenhalsband, das sich in ihre Haut schneidet, steht für Leid und Opfer. Ein toter Kolibri hängt daran – in der mexikanischen Tradition ein Symbol für Glück in der Liebe, hier jedoch ein Hinweis auf ihren Liebeskummer. Eine schwarze Katze hinter ihr steht für Unglück und Tod. Ein Affe (ein Haustier, das sie von Diego Rivera geschenkt bekam) zieht das Halsband noch enger. Quellen: KI Die zwei Fridas. Marxismus wird die Kranken heilen. Der Baum der Hoffnung. Bleib stark. Einige von Fridas Korsetts und Kleidungsstücken. Lange Schlangen vor Frida Kahlos Haus. Wie schon gestern machten wir uns auf den Rückweg zur Metrostation Allende – erneut eine heiße und schweißtreibende Angelegenheit (zumindest für mich, da ich im überfüllten, uralten Bus auf der heißen Motorabdeckung neben dem Fahrer sitzen musste). Insgesamt war es wieder eine typische Fahrt im dichten Nahverkehrssystem der Hauptstadt. Als wir am frühen Morgen des ersten Weihnachtstags in Mexiko-Stadt ankamen, war es noch so kühl, dass wir unsere Fleecejacken brauchten. Inzwischen sind fast drei Monate vergangen, der Sommer rückt näher und sowohl die Temperaturen als auch die Luftfeuchtigkeit steigen stetig. Abends ist es inzwischen so warm, dass ich problemlos in Sandalen, T-Shirt und Shorts unterwegs sein kann. Eine von Lisas Sandalen musste repariert werden und nach einigem Suchen fanden wir schließlich einen kleinen Schusterladen. Der Schuster nähte die Sandale sofort für nur 40 mexikanische Pesos (ca. £1,95) – ein echtes Schnäppchen. Auf dem Rückweg zum Hotel kauften wir Luftpolsterfolie und verpackten unseren Keramik-Jaguar sorgfältig; wir schafften es sogar, ihn in meinem Rucksack zu verstauen. Hoffentlich dürfen wir ihn als Handgepäck mit auf unseren Rückflug nach London Heathrow nehmen. Zurück im Hotel luden wir unsere Frida-Kahlo-Fotos auf unsere iPads, arbeiteten an unserem Blog und informierten uns über die neuesten Entwicklungen im Konflikt mit dem Iran. Da es unsere letzte Nacht in Mexiko-Stadt war, beschlossen wir, noch einmal ins Restaurant/Bar El Cuatro 20 zu gehen. Nachdem wir den Staub des Tages abgewaschen hatten, machten wir uns gegen 19:00 Uhr auf den Weg. Wir waren ziemlich durstig und das Erste, was wir bestellten, waren zwei halbe Liter ihres köstlichen Modelo Negro Biers vom Fass. Ich hatte Oktopus mit Reis, während Lisa Flautas (frittierte, mit Hähnchen und Käse gefüllte Tortillaröllchen) bestellte – beides war ausgezeichnet. Am Nebentisch kamen wir mit einem freundlichen Paar aus Utah ins Gespräch. Sie waren etwa in unserem Alter und schnell stellten wir fest, dass wir ähnliche politische Ansichten und einen ähnlichen Musikgeschmack hatten. Far out! Die Zeit verging wie im Flug; wir verabschiedeten uns von unseren neuen Bekanntschaften und gingen gemeinsam. Zurück im Hotelzimmer sahen wir die eher bedrückenden Nachrichten über die neuesten Entwicklungen im amerikanisch-israelischen Konflikt mit dem Iran, während wir den Rest unserer Flasche Rotwein und der kleinen Flasche Bacardi-Rum leerten. 11. März 2026 Ich wachte um 05:30 Uhr auf, las die Nachrichten und arbeitete am Blog und meinem Tagebuch, bevor Lisa um 07:30 Uhr wach wurde. Heute Abend um 22:45 Uhr fliegen wir mit Aeroméxico von Terminal 2 des internationalen Flughafens von Mexiko-Stadt zurück nach London Heathrow. Wir mussten unser Zimmer bis Mittag räumen, konnten aber eine Verlängerung bis 12:30 Uhr erreichen – genug Zeit, um noch einmal auf die Spitze des Torre Latinoamericana zu fahren und einen letzten Blick über die Stadt zu genießen. Die Skyline war etwas diesig und da ich kein Fan von Höhen bin, kostete es mich etwas Überwindung – aber es hat sich gelohnt. Blick auf diese riesige Stadt mit Smog in der Ferne. Palacio Bellas Artes. Gegen Mittag kehrten wir zurück, zogen uns um, packten neu und lagerten unser Gepäck, einschließlich unseres Jaguars, sicher in Luftpolsterfolie verpackt in meinem Rucksack, im Gepäckraum des Hotels. Um 12:45 Uhr gingen wir zum Dachrestaurant des Hotels Majestic mit Blick auf den Zócalo. Als wir am frühen Morgen des ersten Weihnachtstags in Mexiko angekommen waren, war dies der erste Ort, den wir am Nachmittag besucht hatten. Auch vor neun Jahren waren wir schon hier gewesen – ein passender Ort, um unser Mexiko-Abenteuer zu beenden. Prosit und ein herzlicher Abschied von Mexico City. An diesem Tag demonstrierten Taxifahrer gegen Uber-Taxis am Terminal 2 des internationalen Flughafens. Am Morgen hatten sie alle Zufahrtsstraßen blockiert. Unser vom Hotel organisiertes Taxi (300 Pesos / ca. £12,57) holte uns um 15:00 Uhr ab, da wir vor möglichen Störungen gewarnt worden waren, und wir erreichten den Flughafen um 15:30 Uhr. Unterwegs erhielt der Fahrer die Nachricht, dass die Zufahrt zu Terminal 2 weiterhin blockiert sei, sodass er uns bei Terminal 1 absetzen musste. Von dort nahmen wir den Shuttle-Zug zum Terminal 2. Normalerweise unkompliziert – diesmal jedoch nicht: Der Flughafen war wegen der Vorbereitungen für die Fußball-WM 2026 im Chaos, die Aufzüge und Rolltreppen funktionierten nicht und wir mussten unser Gepäck mehrere Treppen hinauftragen. Am Aeroméxico-Schalter wurde uns mitgeteilt, dass wir noch zu früh zum Einchecken seien. Wir suchten uns ein Café, doch es war wegen der Bauarbeiten laut und staubig. Danach fanden wir unten in der Abflughalle Plätze und verbrachten die Zeit mit dem Blogschreiben, bis der Check-in eröffnet wurde. Um 18:00 Uhr checkten wir ein und unsere Sorgen wegen des zusätzlichen Handgepäcks – meines großen Rucksacks mit dem Jaguar – erwiesen sich als unbegründet. Bei der Sicherheitskontrolle fragte ein Beamter nach dem Inhalt. Ich erklärte es und als Lisa ihm ein Foto zeigte, musste er lachen und winkte uns durch. Die Zeit bis zum Boarding verging nur langsam. Um 22:00 Uhr begann schließlich das Einsteigen – etwas chaotisch, mit mehreren Warteschlangen und stichprobenartigen Kontrollen. Wir gehörten zu den Letzten, die an Bord gingen. Zum Glück hatten wir ein Gepäckfach für uns allein. Wir verstauten den Rucksack mit dem Jaguar, zusätzlich in Lisas Regenjacke eingewickelt, sicher zwischen unseren Samsonite-Rucksäcken. Ich konnte zunächst nicht auf meinem Platz 25E sitzen, da er vom vorherigen Flug verschmutzt war (jemandem war übel geworden). Nach etwa zehn Minuten wurde ein Ersatzsitz gefunden und ich konnte mich endlich setzen. Wir starteten schließlich um 23:05 Uhr, etwa 20 Minuten verspätet, mit einer geplanten Ankunft um 15:05 Uhr – tatsächlich sollten wir fast eine Stunde früher landen, was uns sehr entgegenkam, da wir so den Berufsverkehr vermeiden konnten. 12. März 2026 Der Flug verlief ruhig, auch wenn mein Versuch, „F1: The Movie“ zu schauen, scheiterte. Nach zehn Minuten wurde der Bildschirm weiß. Mehrere Neustarts halfen nur kurzzeitig und ich habe das Ende nie gesehen. Immerhin schaffte ich es, während des neunstündigen Flugs etwa fünf Stunden zu schlafen – trotz einiger Turbulenzen. Am Flughafen Heathrow verlief die Einreise schnell. Auch diesmal waren unsere Sorgen, beim Zoll im „Nothing to Declare“-Bereich kontrolliert zu werden, unbegründet. Nach der Wärme und Sonne Mexikos war es ein harter Kontrast, an der U-Bahn-Station Belsize Park unter einem kalten, grauen Himmel wieder auszusteigen. Fleecejacken wieder an und so gingen wir nach Hause und kamen um 16:45 Uhr heim – und damit ging unser Mexiko-Abenteuer zu Ende. 7b. Baja Kalifornien Süd: 28. Februar bis 8. März 2026 Eine Landkarte von Baja Kalifornien. Lisa: Loreto and der Rest von unserem Baja Kalifornien Trip Februar 2026 Wir brachen früh ohne Frühstück auf, um rechtzeitig auf einem empfohlenen Wohnmobilstellplatz in Loreto anzukommen. Es war Samstagmorgen und wir gingen davon aus, dass er am Wochenende voll sein würde. Nach zwei Stunden Fahrt entlang der Küste und durch die Berge erreichten wir Loreto um 9 Uhr morgens. Unser Navigationssystem führte uns zum Campingplatz Romania, der von anderen Reisenden hoch gelobt wurde. Ihnen zufolge lag er nur einen Block vom Strand entfernt, verfügte über Warmwasserduschen und WLAN und gegenüber gab es ein hübsches Café, das frische Croissants servierte. Es klang wie im Paradies. Die Realität sah ganz anders aus. Der Campingplatz lag an der Hauptverkehrsstraße, an der Lastwagen vorbeirauschten, und hinter einem Schrottplatz voller ausrangierter Autos. Wir fuhren hinein und fanden nur ein paar alte Wohnwagen vor – kein Meer, kein Café, keine Spur von dem idyllischen Ort, den wir uns vorgestellt hatten. Da wir keinen Mobilfunkempfang hatten, wussten wir nicht, was schiefgelaufen war. Hatten unsere Reisebekanntschaften uns einen Streich gespielt? Wir sahen uns an, drehten um und ich gab schnell die Adresse unseres zweitbesten Wohnmobilstellplatzes in das Navigationsgerät ein. Das stellte sich als viel bessere Option heraus. Er lag auf der anderen Seite der Stadt, nur zwei Blocks vom Strand entfernt, und hatte saubere, moderne Dusch- und Toilettenanlagen, WLAN – und Platz für uns. Perfekt. Wir waren allerdings etwas zu früh und wurden gebeten, mittags wiederzukommen, wenn unser Platz frei wäre. Kein Problem. Wir nutzten die Zeit, um uns mit Vorräten einzudecken, bevor wir zurückkehrten, um unser Lager aufzuschlagen. Als erstes nahmen wir eine heiße Dusche. Nach fast einer Woche Wildcampen ohne richtige Sanitäranlagen fühlte sich das herrlich an. Es folgte Tee und dann eine dringend notwendige Ladung Wäsche in die Waschmaschine verfrachten. Sauber und erfrischt machten wir uns auf, um den Strand und die Stadt Loreto zu erkunden. Dort trafen wir ein Paar aus Calgary, Kanada, das drei Wochen zuvor angekommen war und eine Wohnung für einen Aufenthalt von drei Monaten gemietet hatte. Sie boten uns freundlicherweise an, uns herumzuführen, und nahmen uns mit in Mike's Bar, ihrem Lieblingslokal, wo sie sogar darauf bestanden, uns ein Bier zu spendieren. Ihre Freundlichkeit war überwältigend – aber das Gespräch war eher einseitig, und wir merkten schnell, dass wir eher müde als gesellig waren. So höflich wie möglich entschuldigten wir uns und kehrten zum Campingplatz zurück. Zurück beim Wohnmobil kontaktierte ich Julian von Vanbaja wegen unseres verstopften Abflusses. Er organisierte jemanden, der am Sonntagmorgen vorbeikommen sollte, um zu schauen, ob das Problem behoben werden konnte oder ob ein Klempner benötigt würde. Einer der Vorteile, wenn man bei Vanbaja mietet, ist ihr lokales Netzwerk – sie haben Leute in der ganzen Region, die helfen können, wenn etwas schiefgeht. Erleichtert, dass das Problem in Angriff genommen wurde, kochten wir ein leckeres Abendessen und entspannten uns bei einer Flasche Wein. Ein guter Abschluss für einen ereignisreichen Tag. 🍷 01. März 2026 Der Sonntag begann mit einem gemütlichen Frühstück und einem Plausch mit unseren Nachbarn. Neben uns standen zwei ältere Damen in den Achtzigern aus Texas, die in einem ziemlich schicken Wohnmobil unterwegs waren. Sie sind häufige Besucherinnen von Baja California und besitzen ein Haus in San Felipe, etwa sechs Stunden von Texas entfernt. Sie erzählten uns, dass sie früher in einem der riesigen ausziehbaren Wohnmobile unterwegs waren, die wir gegenüber unserem Stellplatz gesehen hatten, aber kürzlich seien sie auf ein kleineres Modell umgestiegen. Ihr aktuelles Wohnmobil kam uns immer noch riesig vor. Auf der anderen Seite des Campingplatzes standen zwei echte Giganten: etwa 18 Meter lang, jeweils von einem 6,7-Liter-Pickup gezogen, mit zwei ausziehbaren Erweiterungen, die sie zu etwas machten, das einem Haus mit drei Schlafzimmern auf Rädern ähnelte. Bald kam ein weiterer großer Lkw an, der vorsichtig rückwärts fuhr, während er einen massiven Anhänger zog. Der einzige verfügbare Platz war zwischen zwei Duschgebäuden, sodass auf jeder Seite kaum ein halber Meter Platz blieb. Sobald die Auszüge ausgefahren waren, war der Durchgang dahinter komplett blockiert, sodass die Motorradfahrer mit Zelten dort einen langen Umweg machen mussten, um ihren Campingplatz zu erreichen. Wir konnten uns nicht helfen, uns zu fragen, wie man mit solch riesigen Fahrzeugen auf den holprigen Straßen von Baja bequem fahren konnte – oder warum man in einer so armen Region diesen Luxus zur Schau stellen wollte. Aber natürlich reist jeder auf seine eigene Weise. Groß, größer, am größten! Ein paar Tage später fuhren die beiden Giganten endlich ab und gaben uns einen wunderbaren freien Blick auf den Campingplatz und die umliegenden Berge – nur um kurz darauf durch zwei neue Monster ersetzt zu werden. Es handelte sich um deutsche Dethleffs Globetrotter XXL-Wohnmobile, die mit deutschen Flaggen geschmückt waren, eines aus Jena und das andere aus Landshut. Ihre Besitzer hatten neun Monate lang die Vereinigten Staaten bereist und durchquerten nun Baja, bevor sie die Fähre von La Paz nach Mazatlán auf dem mexikanischen Festland nahmen. Von dort aus wollten sie bis nach Argentinien fahren. Ich fragte mich unwillkürlich, wie diese riesigen Fahrzeuge mit geringer Bodenfreiheit mit den holprigen Straßen weiter südlich zurechtkommen würden – oder mit Reisen durch Regionen wie Sinaloa oder Nayarit in einer Zeit, in der Drogenbanden für Gewalt sorgen. Sie sprachen kein Spanisch und nur ein wenig Englisch. Aber auch hier gilt: Jedem das Seine. Hinter uns kampierte ein französisch-kanadisches Paar, das wir bereits an einem anderen Ort gesehen hatten. Er kommt aus Frankreich, sie aus Kanada, beide sind etwa in unserem Alter und offensichtlich erfahrene Reisende. Ihre Ausrüstung hätte unterschiedlicher nicht sein können. Sie fahren einen kleinen Van, den sie in Mexiko-Stadt gekauft haben, mit einer Matratze und ein paar Aufbewahrungsboxen – ohne Toilette, ohne Dusche, ohne Strom, ohne Kühlschrank. Sie kochen auf einem kleinen Gasherd und bewahren ihre Lebensmittel in einer Kühlbox auf, die sie alle paar Tage auffüllen. Vor Jahren haben sie einen Van von Frankreich nach Veracruz verschiffen lassen und sind auf die gleiche Weise durch Mexiko gereist. Jetzt setzen sie ihren einfachen, minimalistischen Reisestil glücklich fort. In den Sommermonaten stellen sie ihren Van in ein Lager und kehren nach Frankreich zurück, um dann im Oktober, bevor der Winter einsetzt, wiederzukommen. Am späten Vormittag – etwa eine Stunde später als geplant, was hier völlig normal ist – kam der Mann, um unseren verstopften Abwassertank zu überprüfen. Er ist der Onkel der Besitzerin des Wohnmobilparks. Nachdem er das Problem untersucht hatte, kam er zu dem Schluss, dass am Montag ein Klempner kommen und den Tank entfernen müsse. Dave schlug eine andere Idee vor: Vielleicht könnte man die Verstopfung beseitigen, indem man Luft – oder Wasser – in das Rohr bläst. Es gab keine Luftpumpe, aber wir fanden einen Schlauch. Nach entschlossener Teamarbeit von Dave, dem Onkel und zwei Parkmitarbeitern verschob sich plötzlich etwas. Einen Moment später begann das Abwasser zu fließen. Problem gelöst – ich habe sogar ein Foto, um es zu beweisen. Gruppenfoto: Problem gelöst, Arbeit erledigt! Am Nachmittag spazierten wir entlang des Malecón in die Stadt. Loreto ist ein charmanter und friedlicher Ort. 1697 als erste Jesuitenmission in der Region gegründet, war es einst die Hauptstadt von Gesamt California, bis ein Hurrikan 1829 einen Großteil der Stadt zerstörte und die Hauptstadt nach La Paz verlegt wurde. Heute blüht Loreto dank des Tourismus wieder auf. Die Strandpromenade, der kleine Hafen, die Restaurants, Cafés, Galerien und Kunsthandwerksläden verleihen dem Ort eine entspannte, aber lebendige Atmosphäre. Relaxen am Malecon! Die Besucher kommen aus allen Bereichen: Surfer, die die Küste erkunden, Rentner, die das milde Klima genießen, und digitale Nomaden, die von fast überall auf der Welt aus remote arbeiten können. Bei einem Spaziergang entlang des Malecón sahen wir energiegeladene Reisende auf Fahrrädern und ältere Paare, die langsam in der Sonne spazieren gingen – jeder genoss Loreto auf seine eigene Weise. 🌊🌴 Die 1697 gegründete Missionskirche zu Unserer Lieben Frau von Loreto. Ein Missionar rekrutiert ein indigenes Kind mit Bibel und Peitsche. Eine Erinnerung an bessere Zeiten als Loreto die Hauptstadt von ganz Kalifornien war (von 1697 bis 1777). Heute ist das Gebäude ein Luxushotel. Das Rathaus am Bürgerplatz 2. März 2026 Zum Glück hatten wir wieder WLAN, sodass ich endlich Texte und Fotos auf den Blog hochladen konnte. Leider war die Verbindung auf dem Campingplatz furchtbar instabil und warf mich ständig raus – ein Albtraum beim Arbeiten. Als ich die Managerin darauf ansprach, gab sie mir freundlicherweise Zugang zu ihrem privaten WLAN, das viel besser funktionierte, auch wenn ich in der Nähe des Büros bleiben musste, wo sich der Router befand. Also richtete ich mir mein provisorisches „Büro“ im Waschraum nebenan ein und verbrachte fünf Stunden zwischen Waschmaschinen und Trocknern sitzend damit, Fotos hochzuladen und den Blog zu aktualisieren. Am späten Nachmittag war ich endlich fertig. Ich hatte mir eine Pause verdient. Wir machten uns auf den Weg zu einem frühen Abendessen und genossen köstliche Fisch-Tacos in einem Restaurant auf dem Rathausplatz, saßen draußen und sahen zu, wie das letzte Sonnenlicht verblasste. Um uns herum waren Mitreisende, die uns sehr ähnlich waren – die meisten von ihnen fröhlich, gesprächig und ein wenig neugierig. 🌅🌮 Eine gute Zeit mit leckeren Tacos und Bier in der Tacos Bar verbringen. Eine zu gute Zeit? Zu viel Tequila? 3. März 2026 Wir hatten vor, am nächsten Morgen früh aufzubrechen, also gingen wir los, um uns mit Lebensmitteln einzudecken. In einem Baumarkt kauften wir zusätzliche Gasflaschen für unseren Kocher, und bei einem Fischhändler fanden wir frischen Fisch für die nächsten Tage. Alles wanderte direkt in den Kühlschrank und den Gefrierschrank. Kurz darauf merkten wir, dass etwas nicht stimmte: Der Kühlschrank kühlte nicht. Dave startete ihn neu, aber es änderte sich nichts. Die Lichter brannten, doch er blieb hartnäckig warm. Bevor wir wegen all der Lebensmittel, die gekühlt werden mussten, in Panik gerieten, kontaktierte ich Julian. Normalerweise antwortet er schnell, aber diesmal herrschte Stille. Wir versuchten es sogar mit einem Anruf – keine Antwort. Drei Stunden später, gerade als ich die Betreiberin unseres Campingplatzes fragte, ob wir unseren Fisch über Nacht in ihrem Gefrierschrank lagern könnten, rief Julian endlich zurück. Er führte Dave durch eine Reihe von Überprüfungen und schlug einen Kaltstart vor, indem man die Sicherung herausnahm. Nach einer Weile sprang der Kühlschrank wieder an und gab ein beruhigendes – wenn auch ziemlich lautes – Summen von sich. Was für eine Erleichterung. In den nächsten Tagen fiel der Kühlschrank jedoch mehrmals aus, und Dave musste ihn immer wieder neu starten. Selbst nachts lauschten wir aufmerksam und überprüften, ob er noch lief. Jetzt, ein paar Tage später, ist das meiste Tiefkühlgut aufgebraucht. Sollte der Kühlschrank komplett ausfallen, ist unser Notfallplan einfach: die Kühlbox mit Eis füllen und alle paar Tage austauschen. Im Moment läuft der Kühlschrank jedoch seit 16 Stunden reibungslos, ohne dass wir eingreifen mussten. Vielleicht hält er noch durch, bis wir den Van am Sonntag zurückgeben. Die kleinen Freuden wenn man ein Wohnmobil ausleiht. 🚐 4. bis 7. März 2026 Dann war es Zeit weiterzuziehen – schon wieder. Wir brachen früh auf, denn eine lange Fahrt lag vor uns. Unsere freundlichen texanischen Nachbarn hatten uns mehrere Empfehlungen gegeben, darunter La Paz und La Ventana, und uns die Routen sogar auf ihrer abgenutzten Papierkarte eingezeichnet. Ein langer Weg liegt vor uns. Ursprünglich hatten wir geplant, unsere letzten Tage in Todos Santos zu verbringen, dem charmanten Städtchen an der Pazifikküste der Halbinsel. Reiseführer beschreiben sie als kulturelles Zentrum von Baja California Sur, voller Galerien, Cafés, Bars und Restaurants – ein „Muss“. Es klang perfekt. Doch als wir aktuelle Bewertungen der nahegelegenen Campingplätze lasen, schwand unsere Begeisterung schnell. Viele beschrieben sie als schmutzig, verwahrlost, laut, schlecht gepflegt, ja sogar voller Flöhe. Das reichte aus, um unsere Pläne zu ändern. Stattdessen beschlossen wir, auf der Ostseite der Halbinsel entlang der Sea of Cortez, dem Golf von Kalifornien, zu bleiben. Mit den Adressen im TomTom machten wir uns auf den Weg. Die Route führte uns zunächst über die Berge in Richtung Pazifik, bevor sie wieder nach Osten abbog, an der geschäftigen Hauptstadt La Paz vorbei und weiter nach La Ventana. Wir hatten Wunderbares darüber gehört – ein Surferparadies mit einem langen Strand und einer entspannten Atmosphäre –, also freuten wir uns darauf, es zu sehen. Nach fünfeinhalb Stunden Fahrt kamen wir endlich an. In Wirklichkeit entpuppte sich La Ventana als kaum mehr als eine einzige Straße entlang der Küste, gesäumt von Restaurants, Cafés, Bars, Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätzen. Wir schauten uns den Campingplatz an, der uns empfohlen worden war, und waren sofort schockiert. Obwohl er direkt am Strand lag, konnte man das Meer nicht einmal sehen, weil das gesamte Gelände mit Autos, Wohnmobilen, Wohnwagen und Zelten vollgestopft war. Der Platz war überfüllt. Zwischen den Stellplätzen war kaum Platz und es gab überhaupt keine Privatsphäre. Die erste Reihe – diejenigen, die das Glück hatten, Meerblick zu haben – sah aus, als wären sie schon seit Monaten dort. Die Sanitäranlagen waren noch schlimmer: vier Toiletten und ein Wasserschlauch, der als Außendusche für scheinbar Hunderte von Menschen diente. Es gab nicht einmal ein Büro des Campingplatzbetreibers vor Ort. Wir sahen uns ungläubig an und fuhren schnell weiter, um zwei andere Campingplätze in der Nähe zu prüfen. Die waren genauso schlecht. Vielleicht perfekt für junge Surfer, die ihre Tage auf dem Wasser und ihre Nächte in Bars und Discos verbringen – aber definitiv nichts für uns. Was nun? Ohne lange zu diskutieren, fassten wir einen neuen Entschluss: Wir würden dorthin zurückkehren, wo unsere Baja-Reise begonnen hatte – nach Los Barriles. Wir hatten dort im Playa Norte RV Park übernachtet und erinnerten uns daran, dass er sauber und ruhig war und direkt am Strand lag. Nach wochenlanger Reise klang das genau nach dem, was wir brauchten: ein paar Tage Sonne, Ruhe und absolut nichts tun. Laut Navi war es nur noch anderthalb Stunden entfernt – und als Bonus würde es unsere Fahrt nach Los Cabos am Sonntagmorgen verkürzen, wenn wir den Van zurückgeben mussten. Wir hatten seit dem Frühstück nichts mehr gegessen, wollten aber keine Zeit damit verschwenden, an einem Restaurant anzuhalten. Also machte ich schnell Sandwiches aus unseren Vorräten, wir tranken etwas Wasser und machten uns wieder auf den Weg. Wieder einmal waren wir ein wenig desillusioniert – unsere Erwartungen waren durch überschwängliche Berichte geweckt worden, die einfach nicht der Realität entsprachen. Die neunzigminütige Fahrt durch Wüsten- und Berglandschaften verging schnell. Kurz nach 17 Uhr kamen wir in Playa Norte an. Der Manager erkannte uns von unserem letzten Besuch wieder und wies uns einen schönen Stellplatz zu – etwas abseits von den anderen Campern, aber in der Nähe der Duschen und Toiletten. Wir hatten zwar keinen Meerblick, aber als wir es uns mit unseren Stühlen und einem wohlverdienten kühlen Bier gemütlich gemacht hatten und den Sonnenuntergang hinter den Bergen beobachteten, fühlte es sich wie im Himmel an. Am nächsten Tag gingen wir zum nahegelegenen Strand – und stellten fest, dass wir genau die richtige Entscheidung getroffen hatten. Wir hatten keine Lust, weitere Touristenattraktionen zu erkunden oder Smalltalk mit anderen Reisenden zu führen. Alles, was wir wollten, war ein bisschen Sonnenschein und die Gelegenheit, uns zu entspannen, bevor wir nach Hause fuhren. Ein leerer Strand - was will man mehr? Und genau das taten wir in den nächsten vier Tagen: lange Spaziergänge an einem fast menschenleeren Strand, abgesehen von dem einen oder anderen Hundebesitzer; Sonnenbaden; Pelikanen dabei zusehen, wie sie über das Wasser gleiten und nach Fischen tauchen; und die Kitesurfer draußen in der Bucht beobachten. Abends kochten wir einfache Mahlzeiten – frischen Fisch oder Garnelen – und entspannten uns dann in der warmen Abendluft. Der Koch des Tages. Nach fast drei anstrengenden Monaten auf Reisen waren wir erschöpft und brauchten Zeit, um neue Energie zu tanken. Morgen verlassen wir Baja California und fliegen zurück nach Mexiko-Stadt, wo uns ein paar sehr arbeitsreiche Tage erwarten. Am Mittwochabend geht es dann endlich nach Hause. ✈️🌅 -------------------- Dave: 28. Februar 2026 Wir verließen unseren Campingplatz um 07:45 Uhr ohne Frühstück und erreichten Loreto etwa 90 Minuten später. Der erste empfohlene Wohnmobilstellplatz lag am Ende einer langen, staubigen Straße, neben etwas, das wie ein Autoverwertungshof aussah – ein trostloser und scheinbar verlassener Ort. Wir fuhren hinein und gleich wieder hinaus. Lisa gab schnell die Koordinaten für unseren zweiten empfohlenen Wohnmobilstellplatz, den Rivera Del Mar RV Park, ein. Die Fahrt dorthin dauerte weitere 20 Minuten. Glücklicherweise hatten sie einen Platz frei, allerdings erst um 11:30 Uhr, wenn die derzeitigen Bewohner abreisen sollten. Das machte uns nichts aus, denn der Platz war sauber, gut organisiert und verfügte über makellose Toiletten und Warmwasserduschen. Wir nutzten die Zeit, um Vorräte zu besorgen. Zwei Supermärkte in der Nähe waren enttäuschend: schlechte Fleisch- und Fischauswahl, begrenztes Weinangebot und kein Bier, das wir wollten. Ein hilfsbereiter Einheimischer wies uns den Weg zu einem El Cactus-Spirituosengeschäft, wo wir uns mit Bier und Wein eindeckten, darunter eine Flasche Bacardi-Rum. Wir kamen um 11:30 Uhr zum Campingplatz zurück und unser zugewiesener Stellplatz war immer noch belegt; der Mann im Camper schlief offenbar. Aus unbekannten Gründen klopfte das Personal nicht an. Schließlich wachte er auf, fuhr seinen Camper weg und wir konnten um 13:00 Uhr endlich unseren zugewiesenen Stellplatz beziehen. Am Nachmittag traf ein weiterer riesiger zweiachsiger Wohnwagen ein, gezogen von einem gewaltigen 6,7-Liter-Pickup aus Kanada, der neben seinen Freunden mit ebenso gewaltiger Ausrüstung parkte. Die Größe einiger dieser schicken Wohnmobile verblüfft uns immer wieder. Später spazierten wir entlang des Malecón in die Stadt und schlossen uns einem Paar an, das wir unterwegs getroffen hatten. Sie luden uns auf ein Bier in Mikes Bar ein und bezahlten großzügig, bevor wir 45 Minuten später zurückgingen. Lisa kontaktierte Julian von Vanbaja wegen unseres verstopften Abwassertanks. Nach einem Austausch über WhatsApp vereinbarten sie, dass morgen, am Sonntag, jemand zum Campingplatz kommen würde. Nachdem das geklärt war, stellten wir unseren Tisch und die Stühle vor dem Fahrzeug auf und setzten eine Lampe auf die Motorhaube. Lisa bereitete Karotten und Kartoffeln zu, während ich die zweite Hälfte unseres Hähnchens kochte – einfach und ausgezeichnet, mit einer guten Flasche Rotwein. Die vier Leute aus den großen nordamerikanischen Wohnwagen versammelten sich im Essbereich des Campingplatzes, tranken, aßen, unterhielten sich lautstark und hörten Country-Musik. Wir spülten in der Campingplatzküche ab und zogen uns mit einem Glas Bacardi und Saft zurück, um endlich das Ende des Films „Spiel mir das Lied vom Tod“ zu schauen, da wir nun wieder WLAN hatten. 01. März 2026 Eine weitere unruhige Nacht in Loreto. Entfernte Disco-Beats, bellende Hunde und vorbeikriechende Autos, aus deren offenen Fenstern laute Musik dröhnte, waren der Grund dafür. Im Wohnmobil war es stickig, also schliefen wir nur unter einem Laken, bis gegen 04:00 Uhr die Wüstenkälte hereinkroch und uns zwang, die zusätzliche Decke überzuziehen. Kurz nach 06:00 Uhr waren wir auf den Beinen, arbeiteten an unseren Tagebüchern und machten um 08:00 Uhr eine Pause für ein Frühstück mit Spiegeleiern, Brot, Käse und unseren üblichen großen Tassen Tee. Selbst ich habe mich dem Tee ergeben, denn ohne die richtige Ausrüstung ist der mexikanische Pulverkaffee grauenhaft. Da wir nun wieder WLAN hatten, hatten wir Julian von Vanbaja wegen unseres defekten Grauwassertanks eine Nachricht geschrieben. Zu seiner Ehre muss man sagen, dass er uns umgehend antwortete und einen lokalen Klempner organisierte, der heute den Campingplatz besuchen sollte. Nach dem Frühstück und dem Abwasch in der Campingküche (eine Verbesserung gegenüber Meerwasser und Sand, was wir benutzt hatten, weil unser Waschbecken wegen des defekten Abwassertanks nicht benutzt werden konnte) duschten wir und arbeiteten weiter an unserem Blog, während wir auf den Klempner warteten. Der Klempner kam am späten Vormittag und bald standen wir zu fünft – der Klempner, die Campingplatzverwalterin, die Reinigungskraft, Lisa und ich – hinter dem Camper und berieten uns über die Vorgehensweise. Das flexible Metallkabel des Klempners schaffte es nicht, die scharfe 90-Grad-Biegung im Abflussrohr zu überwinden, wo es mit dem Grauwassertank unter dem Wohnmobil verbunden ist. Er setzte dann einen chemischen Abflussreiniger ein, was jedoch nichts änderte. Es wurde sogar die Entfernung des gesamten Tanks ins Gespräch gebracht. Ich schlug vor, mit einem Luftkompressor Luft durch den Abfluss zu pressen. In Ermangelung eines Luftkompressors improvisierten wir und benutzten einen langen Schlauch, der an einen Wasserhahn angeschlossen war, wobei der Klempner das offene Ende gegen das Abflussrohr drückte. Die Reinigungskraft drehte den Wasserhahn auf und als sie das tat, spritzte das Wasser überall hin. Aber nach ein paar Versuchen kam ein zögerliches Tröpfeln, und dann ein üppiger Schwall. Wir sprangen alle zurück. Der Gestank war unerträglich. Schon nach zweimaligem Schnüffeln hätte man uns als süchtig bezeichnen können. Ein Eimer nach dem anderen wurde gefüllt, zur Toilette getragen, geleert und wieder aufgefüllt, bis das Wasser klar floss. Lisa hielt den Moment mit einem Foto fest, auf dem wir vier den letzten Eimer stinkenden Wassers bewunderten. Ein Sieg. Warten auf den Erfolg der Aktion. Wir arbeiteten bis 16:00 Uhr durch, feierten sowohl das wiederbelebte Waschbecken als auch Lisas Marathon-Übersetzung des Blogs ins Deutsche sowie das Hochladen von Text und Fotos auf den Blog. Dann duschten wir, zogen uns schick an und machten uns auf den Weg in die Stadt. Es war um 16:30 Uhr immer noch heiß, als wir den von Palmen gesäumten Malecón entlang gingen. Das Licht wurde sanfter, die Berge in der Ferne kristallklar und das Wasser des Golfs von Kalifornien schimmerte blau. Cactus lady. Am anderen Ende des Malecón bogen wir rechts ins Stadtzentrum ab und suchten uns einen Tisch im Freien bei Claudias Margaritas Bar and Grill aus. Lisa aß drei Fisch-Tacos, ich drei Tacos mit Garnelen, und wir gönnten uns noch zusammen vier kleine Flaschen Bohemia-Dunkelbier, während wir zusahen, wie die Sonne langsam hinter dem Rathaus von Loreto versank. Die Rechnung belief sich auf 850 MX$ (42 Euros). Ein schöner Abend! Um 19:30 Uhr waren wir zurück auf dem Campingplatz und öffneten eine Flasche Wein. Wir saßen draußen vor unserem Wohnmobil unter einem fast vollen Mond, bis uns die stechenden Insekten ins Innere trieben. Dort sahen wir uns die letzten Szenen von „Yesterday“ an – ein passend unbeschwerter Abschluss eines Tages, der von Klempnerarbeiten und Durchhaltevermögen geprägt war. 02. März 2026 Einer der Langzeitbewohner unseres Wohnmobilcamps erzählte uns von einem Laden, in dem wir Fisch kaufen konnten. Also gingen wir nach dem Frühstück dorthin und kauften dort gefrorenen Fisch für das Abendessen. Es ist immer schön, Empfehlungen von Leuten zu bekommen, die sich hier eingelebt haben, da sie genau wissen, wo man hingehen muss. Wir hatten gehofft, ein paar entspannte Stunden am Strand zu verbringen, aber das Internet hatte andere Pläne. Das Hochladen von Fotos für unseren Blog verlief frustrierend langsam, und auch Lisa brauchte Zeit dafür. Ehe wir uns versahen, war der Nachmittag vergangen und es war bereits 16:30 Uhr. Statt uns zu sonnen, entschieden wir uns für einen Spaziergang am linken Strandabschnitt und es tat gut, uns die Beine zu vertreten, nachdem wir den größten Teil des Tages an Bildschirme gefesselt gewesen waren. Zurück beim Wohnmobil genossen wir eine erfrischende Dusche und öffneten ein kaltes Bier – die perfekte Belohnung. Als der Abend hereinbrach, kochten wir unseren aufgetauten Fisch zum Abendessen, eine einfache Mahlzeit, die umso besser schmeckte, weil sie aus der Region stammte und unter dem Himmel von Baja gegessen wurde, während der Tag in die Nacht überging. Hintergrundinformationen: Loreto: Ein Überblick. Wo liegt Loreto? Loreto liegt an der Ostküste der Halbinsel Baja California Sur, etwa 360 km (4–5 Autostunden) nördlich von La Paz an der Autobahn 1. Im Rücken liegt die zerklüftete Sierra de la Giganta, und vor der Stadt erstreckt sich das ruhige, von Inseln gesäumte Wasser des Golfs von Kalifornien. Vor der Küste liegt der geschützte Parque Nacional Bahía de Loreto. Einwohnerzahl: ca. 20.000 Atmosphäre: ruhig, authentisch, naturverbunden. Ein kurzer historischer Überblick: Loreto wurde 1697 gegründet und war damit die erste erfolgreiche spanische Siedlung in Baja California. Es wurde zur Hauptstadt von „Las Californias“, einem riesigen Gebiet, das einst die heutigen Bundesstaaten Baja California, Baja California Sur sowie den US-Bundesstaat Kalifornien umfasste. Im Herzen der Stadt steht die historische Misión de Nuestra Señora de Loreto Conchó, die erste Mission in den Californias, die noch heute den Hauptplatz überragt. Von dieser Mission aus begann die spanische Expansion nach Norden, die einen Großteil der frühen Kolonialgeschichte der Region prägte. Was macht Loreto so besonders? Loreto vereint koloniales Erbe, dramatische Wüstenberge, reiche maritime Artenvielfalt. eine authentische Kleinstadtatmosphäre. Im Gegensatz zu größeren Urlaubszielen ist es von massiver Bebauung verschont geblieben. Die Abende sind ruhig und es geht eher darum um den Platz zu flanieren, in Cafés und einfachen Fischrestaurants zu sitzen als um Nachtleben. Natur & Tierwelt: Loreto liegt in einem von der UNESCO anerkannten Meeresgebiet, das für seine außergewöhnliche Artenvielfalt bekannt ist. Die Gewässer sind berühmt für ihren Reichtum; der Ozeanograph Jacques Cousteau bezeichnete das Meer von Cortez einst als „das Aquarium der Welt“. Highlights der Tierwelt: Riesenwale (Januar–März), Delfine, Seelöwen, Mobula-Rochen Aktivitäten: Schnorcheln, Kajakfahren rund um die Inseln, Walbeobachtung, Sportfischen Klima: Winter: mild und angenehm (15–25 °C); Sommer: Sehr heiß (oft über 35°C) mit hoher Luftfeuchtigkeit; Niederschlag: Das ganze Jahr über minimal Der Winter und der frühe Frühling sind im Allgemeinen die angenehmsten Monate für einen Besuch. Essen & Atmosphäre: Loreto ist bekannt für einfache, frische Meeresfrüchte: Fisch-Tacos, Garnelen-Tacos, Ceviche, Gegrillter Dorado Kleine Cafés gruppieren sich rund um die Plaza und die Stadt hat einen entspannten Rhythmus am frühen Abend. Dies ist keine Partystadt; es ist ein Ort, an dem man bei Sonnenuntergang am Malecón entlangschlendern und die Ruhe genießen kann. Anreise: Internationaler Flughafen Loreto (mit Inlandsflügen und einigen saisonalen internationalen Flügen) Die Autobahn 1 verbindet den Ort mit dem Rest der Halbinsel Für wen ist Loreto geeignet? Wohnmobilreisende und Camper, Walbeobachter, Kajakfahrer und Schnorchler und alle, die das malerische, gemächlichere Mexiko bevorzugen. Für diejenigen, denen Orte wie Mulegé oder die ruhigeren Strandcamps der Baja-Region gefallen haben, bietet Loreto dieselbe zurückhaltende Atmosphäre, jedoch mit einer reichhaltigeren Kolonialgeschichte und etwas besser ausgebauter Infrastruktur. - Es ist Baja ohne den Glanz und genau das macht seinen Charme aus. Loretos Missionskirche zu Unserer Lieben Frau von Loreto. 03. März 2026 Es war ein gemächlicher Start in den Tag. Nach dem Frühstück spazierten wir am Strand entlang, um ein paar Sonnenstrahlen zu tanken. Dann gingen wir entlang des Malecóns, wo wir beobachteten, wie einige Fischer ihre Boote auf untergetauchte Anhänger fuhren und sie anschließend mit leistungsstarken Pick-ups aus dem Meer an Land zogen. Am Horizont um die Isla Coronado lag viel Meeresnebel. Von dort aus gingen wir ins Zentrum, um uns die berühmte historische Misión de Nuestra Señora de Loreto Conchó anzusehen, die erste Mission in den Californias. Unterwegs machten wir in einem Café gegenüber einem Wohnmobilstellplatz Halt, um uns zu stärken. Dieser Stellplatz war uns empfohlen worden und dort wollten wir ursprünglich übernachten. Leider hatten wir eine falsche Adresse erhalten und waren woanders gelandet. Wir hätten hier jedoch nicht übernachten können, da unser Wohnmobil solarbetrieben ist und direktes Sonnenlicht für das Solarpanel auf dem Dach benötigt. Dieser Platz war aber von Bäumen beschattet. Wir wollten Fisch zum Abendessen und waren ein paar Tage zuvor an einem Fischsupermarkt vorbeigekommen, also gingen wir dorthin und waren sehr enttäuscht. Der einzige Fisch, den sie hatten, war gefroren, ohne Bezeichnung und ohne Preisangabe. Wir fanden jedoch einen richtigen Fischhändler und kauften auf Empfehlung eines Kochs, der Fisch für sein Restaurant einkaufte, zwei Stücke frischen Wolfsbarsch, genug für das Abendessen heute und auch für morgen. Als wir zu unserem Wohnmobil auf dem Campingplatz zurückkehrten, stellten wir mit Schrecken fest, dass auf dem Boden des Wohnmobils Wasser stand. Unser Kühlschrank hatte aufgehört zu funktionieren. Wir schrieben Julian von Vanbaja eine WhatsApp-Nachricht. Er meldete sich jedoch nicht, daher versuchten wir, ihn anzurufen. Er meldete sich eine Stunde später und gab mir Anweisungen für einen Hard-Reset des Kühlschranks: Die Sicherung herausnehmen, 5 Minuten warten und wieder einsetzen. Es funktionierte und wir hatten unseren Kühlschrank wieder. Währenddessen unterhielten wir uns nett mit unseren französischen Nachbarn. Sie hatten in Mexiko-Stadt einen normalen Kleinkraftwagen gekauft, ein Bett hineingestellt und eine Kühlbox besorgt, die sie jeden zweiten Tag mit Eisbeuteln füllten. Sie waren auf einer Reise durch Baja, in unserem Alter und ein sehr nettes und interessantes Paar. Wir kochten den Fisch, während der Tag zur Nacht wurde. Trotz der plötzlich auftauchenden Mücken tranken wir unseren Wein und zogen uns später in den Camper zurück, um eine Netflix-Serie anzuschauen. 4. März 2026 In der Nacht hatte der Kühlschrank wieder den Geist aufgegeben, also ging ich um 7 Uhr, als es hell wurde, nachsehen. Die Lösung war wieder einmal ein Hard-Reset. Ich fing an, das Frühstück vorzubereiten, während Lisa duschte. Danach räumten wir alles weg. Lisa wusch das Geschirr während ich duschte. Obwohl die Tagestemperaturen bei 32–33 °C lagen, waren die Nächte überraschend kühl und feucht. Um 08:00 Uhr verabschiedeten wir uns von unseren neuen französisch-kanadischen Freunden und fuhren vom Wohnmobilstellplatz los. Eine Tankstelle, nur ein paar Blocks entfernt, an der wir tankten, war der erste Halt des Tages. Die ersten 6 Kilometer führte eine gute zweispurige Straße aus der Stadt hinaus, doch schon bald endete sie, und die Straße verengte sich wieder zur vertrauten zweispurigen Landstraße, die sich in die Berge schlängelte. Die Fahrt erforderte die volle Aufmerksamkeit. Es gab ständig Kurven, steile Abgründe, und die meisten Abschnitte hatten überhaupt keine Leitplanken. Hin und wieder kam man an einem kleinen Wegkreuz, einem einfachen Schrein oder einem verblühten Blumenstrauß vorbei, die die Stelle markierten, an der jemandes Reise geendet hatte. Am besten denkt man nicht zu lange über solche Dinge nach und konzentriert sich einfach auf die Straße vor einem. Nach ein paar Stunden wechselten wir uns beim Fahren ab. Zur Mittagszeit war die Temperatur auf 36 °C gestiegen – Gott sei Dank gab es die Klimaanlage im Wohnmobil. Unser heutiges Ziel war die kleine Küstenstadt La Ventana, wo wir hofften, ein paar Nächte auf einem der sehr empfohlenen Wohnmobilstellplätze zu übernachten. Unterwegs hielten wir in La Paz an, um erneut zu tanken und in einem großen Supermarkt am Straßenrand unsere Vorräte aufzufüllen. Der Laden war nicht besonders beeindruckend, aber wir konnten dort etwas Tiefkühlfisch und Gemüse kaufen. Leider gab es dort weder Trinkwasser noch eine anständige Auswahl an Wein, also hielten wir später bei einem OXXO-Supermarkt an und kauften eine große Flasche Wasser. Eine Stunde später kamen wir im Ort La Ventana an und fuhren direkt zum ersten, wärmstens empfohlenen Wohnmobilstellplatz. Innerhalb weniger Minuten war klar, dass das nichts werden würde. Der Platz war voller dicht gedrängter Wohnmobile, von denen viele offensichtlich Langzeitbewohner waren. Die besten Stellplätze, jene mit Meerblick, waren längst vergeben. Einige Wohnmobile standen so dicht beieinander, dass man kaum Platz hatte, um dazwischen durch zu gehen. Der Platz selbst wirkte heruntergekommen und schmutzig und für so viele Leute gab es viel zu wenige Toiletten und Duschen. Es gab kein Büro, keinen Verwalter und niemanden, den man hätte fragen können. Wir fuhren hinein, sahen uns kurz um und fuhren direkt wieder hinaus. Der zweite empfohlene Campingplatz lag nur 3 Kilometer weiter an der Küstenstraße, aber leider war es dort genauso. Auch hier gab es weder einen Verwalter noch ein Büro und die Wohnmobile standen dicht gedrängt wie Sardinen. Diese Gegend ist bei Kitesurfern sehr beliebt und obwohl wir wegen der Reihen von Wohnmobilen das Meer nicht sehen konnten, sahen wir den Himmel darüber. Er war voller bunter Drachen, so viele, dass sie aus der Ferne wie ein Schwarm Mücken aussahen. Lisa und ich sahen uns an und sagten genau dasselbe: „Auf keinen Fall“. In diesem Moment verwarfen wir die Idee, zwei Nächte in Ventana zu verbringen, und beschlossen spontan, weiter nach Las Barriles zu fahren, dem Wohnmobilpark, in dem wir die ersten Nächte unseres Abenteuers verbracht hatten. Manchmal ist der Teufel, den man kennt, einfach besser als der, den man nicht kennt! Bevor wir den Campingplatz verließen, machte Lisa uns schnell ein Sandwich, das wir im Wohnmobil aßen. Wir nutzten auch die sanitären Anlagen. Die Toiletten waren dreckig, was uns bestätigte, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten, abzureisen. Bald darauf waren wir wieder unterwegs. Die Fahrt nach Las Barriles dauerte etwa anderthalb Stunden und wir kamen um 17:15 Uhr an. Der Verwalter war noch im Dienst und erkannte uns sofort von unserem früheren Besuch wieder. Er hieß uns herzlich willkommen und führte uns zu einem ruhigen Stellplatz. Es war ein langer Tag, wir waren über neun Stunden unterwegs gewesen. Nachdem wir geparkt hatten, schlugen wir unser Lager auf und genossen eine lange, heiße Dusche. Danach saßen wir draußen an unserem kleinen Tisch mit einem kühlen Bier in der Hand und sahen zu, wie die Sonne langsam hinter den fernen Bergen versank. Als es dunkel wurde, schaltete ich die Lampe an der Wohnmobiltür ein, um uns etwas mehr Licht zu verschaffen, und wir bereiteten die andere Hälfte des Seebarsches zu, den wir zuvor gekauft hatten. Es war ein langer Tag auf der Straße, aber ein erfüllter. 05. März 2026 Der heutige Tag erwies sich als wunderbar entspannt. Nach fast drei Monaten des Reisens und Entdeckens beschlossen wir, dass es Zeit für eine Pause war, um einfach mal zu entspannen. Wir übernachteten auf dem Campingplatz Playa Norte RV, der direkt an einem langen, wunderschönen Sandstrand liegt. Unser Wohnmobil war mit einem brandneuen Sonnenschirm ausgestattet, also trugen wir ihn zum Strand hinunter und fanden nur wenige Meter vom Meer entfernt einen perfekten Platz. Bei Temperaturen um die 36 °C und kaum einem Lüftchen spendete der Schirm sehr willkommenen Schatten, und dort blieben wir mehrere Stunden lang. Es war Ebbe, was bedeutete, dass wir einige Felsen überwinden mussten, wenn wir schwimmen wollten. Bei Flut hätte das Wasser sie bedeckt, und es wäre viel einfacher gewesen, ins Meer zu gelangen. Der Strand selbst erstreckt sich über etwa 5 km und den größten Teil des Nachmittags waren wir die Einzigen, die sich sonnten. Es gab jedoch viele Leute, die mit ihren Hunden am Strand entlang spazierten. Diese Gegend ist bei Amerikanern sehr beliebt. Hin und wieder rollte ein Dünenbuggy am Strand entlang, meist mit Hunden auf der Ladefläche. Dieser Küstenabschnitt ist bekannt für Windsurfen und Kitesurfen, aber heute wehte fast gar kein Wind. Das Meer lag völlig ruhig und flach da – ein zu ruhiger Tag für Kitesurfer und Windsurfer. Wir blieben bis etwa 15:00 Uhr am Strand, bevor wir gemächlich zum Campingplatz zurückgingen. Zurück beim Wohnmobil kochten wir uns eine Tasse Tee und saßen im Schatten unseres Wohnmobils, um uns über die neuesten Nachrichten zu informieren, insbesondere über den anhaltenden Konflikt mit Trump/Netanjahus Privatkrieg gegen den Iran. Es fühlte sich seltsam weit entfernt von unserer friedlichen Strandkulisse an. Nach einer Dusche öffneten wir ein paar Flaschen Bohemia Obscuro-Dunkelbier, saßen vor unserem Camper und sahen zu, wie die Sonne langsam hinter den fernen Bergen versank. Als sie verschwand, begann die Temperatur auf Werte um die 25 °C zu sinken. Obwohl wir von der Wüste umgeben sind, sinkt die Temperatur im Laufe des Abends allmählich und erreicht gegen 05:00 Uhr ihren Tiefpunkt. Bis dahin ist es kühl genug, um eine zusätzliche Decke über uns zu ziehen. Auch tagsüber war es in Loreto heiß, doch dort fühlte sich die Hitze feuchter an, während hier eine viel trockenere Bergwüstenhitze herrscht. Abends ist es ratsam, lange Hosen, Socken und ein T-Shirt anzuziehen, da es viele kleine stechende Insekten gibt, die auf der Jagd nach europäischem Blut sind. Sobald es dunkel wurde, schalteten wir unsere Außenlampe ein und kochten unser Abendessen: Tiefkühlgemüse und den Fisch, den wir gestern gekauft hatten. Das ist der magische Teil des Tages: draußen sitzen, das Abendessen essen und dabei zusehen, wie die Sterne nach und nach den Wüstenhimmel erhellen. Nach dem Abwasch machten wir es uns im Wohnmobil gemütlich und schauten uns eine Weihnachts-Sonderfolge von „All Creatures Great and Small“ an. Wie die meisten Leute auf dem Campingplatz schliefen wir schon um 21:45 Uhr tief und fest. 06. März 2026 Wir haben noch zwei volle Tage auf dem Campingplatz „Playa Norte RV“ vor uns und genießen die Ruhe und Stille in vollen Zügen. Nach fast drei Monaten auf Reisen tat es gut, einen Gang herunterzuschalten und einfach am Meer zu entspannen. Der Campingplatz erstreckt sich über ein weitläufiges, mit Bäumen bewachsenes Wüstengebiet. Größere Wohnmobile können an Strom-, Wasser- und Abwasseranschlüsse angeschlossen werden, aber wir sind völlig autark. Unser Wohnmobil wird mit Solarenergie betrieben und verfügt über alles, was wir brauchen: eine Dusche, ein Waschbecken, einen Abwassertank und unseren bewährten Coleman-Zweiflammenkocher. Wir stehen im Bereich für Selbstversorger zwischen ein paar Bäumen, wo unser auf dem Dach montiertes Solarpanel noch reichlich Sonne einfangen kann. Praktischerweise sind wir auch ganz in der Nähe eines der makellos sauberen Dusch- und Toilettengebäude. Da nur noch zwei Tage bis zur Rückgabe des Wohnmobils blieben, beschlossen wir, frische Meeresfrüchte zu genießen, solange wir noch konnten. Fisch ist in Mexiko-Stadt überraschend teuer, daher ist die Küste der richtige Ort, um ihn in vollen Zügen zu genießen. Ein Nachbar erzählte uns von einem Mann, der neben einem Lebensmittelladen an der Hauptstraße Fisch aus Kühlboxen verkaufte. Wir fuhren dorthin und füllten zuvor unseren Wassertank auf dem Campingplatz mit einem Schlauch auf. Der Fischverkäufer hatte drei große Kühlboxen voller Fisch und Eis. Wir kauften eine Tüte Riesengarnelen und ein großes Stück Heilbutt. Im Laden kauften wir eine große Flasche Bier, sechs Eier, eine Flasche Wein und eine kleine Flasche dunklen Bacardi-Rum. Wir hatten gestern so viel Spaß an unserem faulen Strandtag, dass wir beschlossen, ihn zu wiederholen. Wir zogen uns um und machten uns mit unserem Sonnenschirm bewaffnet auf den Weg zum Strand. Heute wehte eine willkommene Brise, und die Kitesurfer waren in voller Stärke unterwegs; ihre bunten Drachen tanzten über den Himmel. Wir ließen uns am langen Sandstrand nieder, um einen weiteren Nachmittag damit zu verbringen, so gut wie nichts zu tun. Die größte Unterhaltung bot der Anblick von Pelikanen, die tief über dem Wasser schwebten, bevor sie plötzlich nach Fischen tauchten. Am Abend teilten wir uns die große Flasche Bier, während wir zusahen, wie die Sonne hinter den Bergen versank. Das Abendessen war einfach, aber köstlich: gebratene Riesengarnelen, gefolgt von Heilbutt. Nach dem Abwasch beendeten wir den Tag so, wie es viele andere auf dem Campingplatz taten: indem wir uns in unserem Wohnmobil entspannten. Wir hatten Internet, also schauten wir uns einen Film auf Netflix an. Aus irgendeinem Grund hatte Lisa Schwierigkeiten, Empfang mit ihrem Handy zu bekommen, und wenn doch, verschwand er nach wenigen Sekunden wieder. Das WLAN war nicht ausreichend stark, um am Blog zu arbeiten. 07. März 2026 Nach einem gemütlichen Start in den Tag machten wir uns mit unserem Sonnenschirm auf den Weg zum Strand und verbrachten dort bis 15:30 Uhr den größten Teil des Tages entspannt. Nach fast drei Monaten Sonnenschein zogen am späten Nachmittag Wolken auf und die Temperatur sank auf angenehmere 20 Grad. Zurück beim Wohnmobil begannen wir, uns auf die morgige Abreise vorzubereiten, packten unsere Koffer und räumten das Wohnmobil auf, damit wir am Morgen schnell losfahren konnten. Wolken hüllten die Berge ein und verdarben den Sonnenuntergang, also gingen wir zurück zum Strand, um einen letzten Blick über das Meer von Cortez zu werfen, während die Dämmerung langsam in die Nacht überging. Später kochten wir die zweite Hälfte unserer Riesengarnelen und des Heilbutts – eine sehr befriedigende letzte Mahlzeit. Die wenigen Reste packten wir in einen leeren Joghurtbecher, um sie morgen als Mittagessen mit zum Flughafen zu nehmen. Leckerer Fisch! 08. März 2026 Wir hatten geplant, um 06:00 Uhr aufzustehen, um zu duschen und ein einfaches Frühstück aus unserer letzten Avocado und drei Eiern zu essen. Tatsächlich wachten wir um 03:00 Uhr auf und dösten unruhig vor uns hin, bevor wir schließlich um 05:45 Uhr im Dunkeln aufstanden. Nach meiner Dusche kochte ich Wasser für Tee und kochte die Eier, was viel einfacher war, als sie zu braten und danach die Pfanne abwaschen zu müssen. Nach dem Frühstück packten wir unsere letzten Sachen weg und verstauten den kleinen Tisch, die Stühle und unseren bewährten Coleman-Gaskocher hinten im Wohnmobil unter dem Bett. Unser Plan war, um 07:00 Uhr abzureisen, aber wir verließen den Campingplatz ein paar Minuten später als geplant. Die Straßen waren am Sonntagmorgen ruhig und unser TomTom schätzte die Fahrzeit auf etwa 1 Stunde und 15 Minuten, auch wenn es auf diesen Straßen manchmal etwas länger dauern konnte. Während wir nach Süden fuhren, waren die umliegenden Berge in dichte Wolken gehüllt, und es sah so aus, als hätte es über Nacht geregnet. Kurz vor unserem Ziel hielten wir an, um zu tanken, da das Wohnmobil mit vollem Tank zurückgegeben werden musste. Wir kamen um 08:45 Uhr im VanBaja-Büro an, knapp vor der Rückgabefrist um 09:00 Uhr. Wären wir später gekommen, hätte uns ein zusätzlicher Miettag berechnet werden müssen. Julian traf um 08:55 Uhr mit dem Taxi ein, weil sein Roller unterwegs eine Panne gehabt hatte. Er überprüfte das Wohnmobil und alles war in Ordnung. Wir erwähnten das verstopfte Grauwasserrohr und den Kühlschrank, der ein paar Mal komplett zurückgesetzt werden musste, wie er es mir ja gesagt hatte. In unseren drei Wochen hatten wir etwas mehr als 2.300 Kilometer (1.430 Meilen) zurückgelegt. Nachdem der Papierkram erledigt war, fuhr uns Julian freundlicherweise mit dem Wohnmobil zum Flughafen und setzte uns kurz vor 10:00 Uhr ab. Wir verabschiedeten uns endgültig und sahen zu, wie er in unserem zuverlässigen Wohnmobil zurück zu seinem Büro fuhr. Am Check-in-Schalter fragten wir, ob es möglich sei, einen früheren Flug zu bekommen. Leider gab es nur zwei Flüge pro Tag nach Mexiko-Stadt: einen mit Abflug um 16:08 Uhr und einen viel späteren. Also machten wir es uns bequem und warteten geduldig. Die erste Stunde verbrachten wir vor dem Terminalgebäude und aßen unser Mittagessen: die von gestern übrig gebliebenen Riesengarnelen und den Heilbutt vom Vorabend. Köstlich! Danach gingen wir durch die Sicherheitskontrolle und betraten den internationalen Flughafen von Los Cabos (SJD). Drinnen gab es einen Starbucks, also bestellten wir Kaffee und suchten uns einen Tisch, an dem wir die nächsten paar Stunden damit verbrachten, mithilfe des Flughafens-WLANs unseren Blog und mein Tagebuch auf den neuesten Stand zu bringen. Um 15:33 Uhr begann das Boarding und wir starteten pünktlich um 16:08 Uhr. Das Flugzeug war voll, und wir hatten während des Fluges starke Turbulenzen. Da es eine Zeitverschiebung von einer Stunde gibt, rechneten wir diese Stunde unserer Flugzeit hinzu. Wir landeten um 19:00 Uhr am Terminal 1 des Flughafens von Mexiko-Stadt, 10 Minuten früher als geplant. ------------------
- Vamos Amigos! Kommt mit uns nach Mexiko! Teil 3 unseres Travelblogs.
Verfolgt unsere Reise auf Teil 3 unseres Reiseblogs. Nach zwei Monaten unserer Reise haben wir bereits viel gesehen und folglich ist der Beitrag mit Texten und Fotos überladen. Daher fangen wir hier einen dritten Teil unseres Blogs an. Viel Freude beim Lesen. 7. Baja Kalifornien 15. Februar bis 8. März 2026 Lieber Leserinnen und Leser, leider ist der Blog wieder mal voll und wir müssen für die restlichen Berichte einen neuen Blog einrichten, Teil 4. Dort, unter 7b, gibt es Berichte über den Rest unseres Baja-Kalifornia Aufenthalts (28. Februar bis 8. März) und unsere letzten Tage in Mexiko Stadt. Siehe Link: https://www.rememberrelatereflect.com/post/vamos-amigos-komm-mit-uns-nach-mexico-teil-4-unseres-travelblogs 7a. Baja Kalifornien: 15. - 27. Februar 2026 Lisa: 15. Bis 18. Februar 2026 Am Sonntag, dem 15. Februar, holten wir unseren gemieteten Camper bei Vanbaja in San José del Cabo ab. Wir erhielten eine hilfreiche Einweisung von Julian, unserem Ansprechpartner bei Vanbaja, mit dem wir von London aus in Kontakt gestanden hatten. Er zeigte uns, wie alles im Camper funktioniert, und wies uns auf einige der interessantesten Sehenswürdigkeiten in Baja hin. Wir machten uns sofort auf den Weg – zuerst zu einem nahe gelegenen Supermarkt, um uns einzudecken, dann zu unserem ersten Übernachtungsort in Los Barriles, etwa zwei Stunden nördlich von Los Cabos. Es ist ein großer Campingplatz mit sauberen Duschen und Toiletten. Das Erste, was uns auffiel, war, wie entspannt alle wirkten – und dass der Campingplatz fest in nordamerikanischer Hand war, ob amerikanisch oder kanadisch. Viele kommen schon seit Jahren hierher. Sie kennen sich untereinander, kennen die besten Orte und Restaurants und scheinen alles zu wissen. Einige sind freundlich und unterhalten sich mit uns, die meisten bleiben jedoch unter sich. Sie kommen in großen "Lastwagen" mit Anhängern an und cruisen in gemieteten Strandbuggys oder Quads am Strand und in der Stadt herum. Wir beschlossen, ein paar Tage hier zu bleiben, um uns an das Wohnmobil und Baja zu gewöhnen und das letzte Kapitel unseres Blogs über Nordmexiko fertig zu schreiben und hochzuladen. Das WLAN-Signal ist unzuverlässig, daher verbringe ich Stunden in der „Bibliothek“, einem kleinen Gebäude mit ein paar Schreibtischen und Bücherregalen. Dort ist die Verbindung am stärksten und ich sehe regelmäßig andere Leute, die an ihren Laptops arbeiten – vermutlich im Homeoffice. An unseren Camper mussten wir uns erst gewöhnen. Es ist ein RAM 2500 mit einem leistungsstarken Motor. Er hat keinen Allradantrieb, aber solange wir vorsichtig sind, sollte das kein Problem sein. Wir haben ihn gewählt, weil er kurz und schmal ist – ideal für kurvige Straßen. Innen ist er winzig. Es gibt nur einen Sitz und einen kleinen Tisch, aber der Fahrersitz ist drehbar, sodass wir beide am Tisch sitzen können. Das Bett ist fest eingebaut, anders als in Australien, wo wir jeden Abend eine komplizierte Prozedur durchlaufen mussten, um es aufzubauen. Hier ist es immer bereit – aber es ist hoch, sodass wir mit einem kleinen Hocker hinein- und herausklettern müssen. Es ist jedoch bequem. Wir schlafen seitlich, und obwohl ich nicht groß bin, stoße ich oft mit den Füßen – oder dem Kopf – gegen die Holzwände. Unter dem Bett befindet sich ein kleiner Kühlschrank und Stauraum für Lebensmittel und Getränke. Daneben liegt der Küchenbereich mit einer Spüle und Unterschränken, gegenüber befinden sich Regale und Schubladen für Küchenutensilien und Vorräte. Wir haben ein recht schickes Stanley-Küchenset mit Töpfen, Pfannen, Tellern und Schüsseln. Der Herd ist ein tragbarer Gasherd mit zwei Kochstellen und drei kleinen Gasflaschen. Jede Flasche soll mindestens eine Woche reichen, aber die erste war schon nach zwei Tagen leer – wir vermuten, dass sie von Anfang an nicht voll war. Der Kocher nimmt viel Platz weg, daher kochen wir meistens draußen, wenn das Wetter es zulässt und es nicht zu windig ist. Wir essen auch meistens draußen, da es drinnen sehr eng ist. Wenn es kalt und windig ist, ziehen wir einfach mehrere Pullover und einen Anorak an. Strom ist kein Problem – zumindest solange die Sonne scheint und wir nicht unter einem Dach parken –, da wir Sonnenkollektoren auf dem Dach haben. Das bedeutet, dass wir keinen teuren Campingplatzanschluss benötigen. Wir sind (fast) autark. Es gibt auch eine Dusche – allerdings handelt es sich dabei lediglich um einen Duschkopf im hinteren Teil des Campers. Um sie zu benutzen, öffnet man die hinteren Türen und duscht unter freiem Himmel. Für ein bisschen Privatsphäre können wir einen kleinen Duschvorhang aufhängen. Das Wasser kommt aus einem 80-Liter-Tank. Und wir haben sogar eine Toilette: eine tragbare Toilette, die unter dem Sitz neben dem Tisch verstaut ist. Um sie zu benutzen, schiebt man sie heraus, öffnet sie, verrichtet sein Geschäft, spült und schiebt sie wieder darunter. Das ist genial – aber man muss sich schon ein wenig daran gewöhnen, die Toilette im Wohnzimmer/Küche/ Schlafzimmer ohne viel Privatsphäre zu benutzen. Wir haben beschlossen, sie nur nachts und nur für das kleine Geschäft zu benutzen. Trautes Heim, Glück allein - ohne und mit tragbarer Toilette. In Los Barriles sind wir in die Stadt gelaufen, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Ein Nachteil von Campingplätzen ist, dass sie oft außerhalb von Städten liegen, und ohne Fahrräder oder ein Auto, das man hinter dem Wohnmobil herziehen kann – wie viele unserer nordamerikanischen Nachbarn –, kann das ein ziemlicher Fußmarsch sein. Wir sind in der Mittagshitze etwa zwei Meilen hin und zurück gelaufen. Es gibt einige nette Cafés und Restaurants, aber wir haben keinen richtigen Bezug zur Stadt oder ihren Einwohnern gefunden. Wir haben kaum Spanisch gehört und haben nicht den Eindruck, in Mexico zu sein. Dieses Gefühl wird uns während unserer gesamten Reise in Baja begleiten – aber dazu später mehr. Am Strand von Los Barriles. 18. Februar 2026 Nach ein paar Tagen in Los Barriles fuhren wir weiter nach Norden, um Wale zu beobachten. Wir brachen früh, kurz vor Sonnenaufgang, auf und machten unterwegs irgendwo Halt, um zu frühstücken. Unser Ziel war die Magdalena-Bucht, der erste von drei Orten, an denen wir hofften, Wale zu sehen. Es war eine lange Fahrt von La Paz, besonders nach Ciudad Constitución. Wir kamen an nur wenigen Dörfern vorbei und fuhren endlos durch eine karge, öde Landschaft aus Wüstengebüsch und Kakteen. Der Zustand der Straße verschlechterte sich zusehends: Sie war schmal, voller großer Schlaglöcher und an vielen Stellen bröckelte der Asphalt an den Rändern ab. Man musste besonders auf die weiße Linie auf der rechten Seite achten – vor allem, wenn es keine gab und die Straße einfach abfiel. Die vielen Kreuze am Straßenrand erzählten ihre eigene Geschichte darüber, wie gefährlich diese Straßen sein können. Um 15:30 Uhr kamen wir endlich in Magdalena Bay an und waren von der kleinen Stadt zutiefst enttäuscht. Sie sah schmutzig, vernachlässigt und verlassen aus. Wir hatten keinen Mobilfunkempfang und keine Ahnung, wo wir uns befanden. Schließlich fanden wir die Tourismusagentur. Als wir aus dem Camper stiegen, hätte uns ein heftiger, eisiger Wind fast umgeworfen, und es sah so aus, als würde es bald regnen. Die nächste Walbeobachtungstour war am nächsten Morgen um 6:30 Uhr – so früh, weil der Wind später am Tag tendenziell stärker wird. Es würde eine sechsstündige Bootsfahrt werden. Keine Toiletten – sorry. Die Kosten betrugen 120 Dollar pro Person oder 560 Dollar für eine private Tour für uns beide. Nein, danke. Angesichts der hohen Wellen, der Regenwahrscheinlichkeit, sechs Stunden auf See und ohne Toilette entschieden wir uns dagegen. Wir gingen zurück zum Van, sahen uns an und sagten: „Lass uns schnell von hier verschwinden.“ Es war mittlerweile 16 Uhr und wir hatten noch zwei Stunden und fünfzehn Minuten Tageslicht. Ohne eine richtige Karte in der Hand – und ohne Google Maps, sondern nur mit unserem TomTom-Navigationsgerät – fuhren wir zurück nach Ciudad Constitución und überquerten dann die Berge in Richtung Ostküste und zum Golf von Kalifornien, der zwischen dem mexikanischen Festland und der Halbinsel Baja California liegt. Wie immer auf unseren Reisen hatten wir uns sorgfältig auf die Reise vorbereitet – aber wir waren nicht darauf vorbereitet, komplett von der Außenwelt abgeschnitten zu sein: kein WLAN, kein Mobilfunkempfang, kein Signal, nicht einmal in den Städten. Nichts. Auf dem mexikanischen Festland hatten wir uns oft auf öffentliches WLAN in den Stadtzentren oder Mobilfunkempfang verlassen, aber hier gab es absolut nichts. Wie in alten Zeiten, könnte man sagen – nur dass wir nicht einmal eine Papierlandkarte hatten. Erschwerend kam hinzu, dass die Beschilderung extrem schlecht ist – praktisch nicht vorhanden. Man musste sich darauf verlassen, Leute zu fragen, aber es waren nur sehr wenige Menschen unterwegs. Baja California ist abgelegen, abgesehen von einigen wenigen ausgewählten Touristenorten, wo Hotels, Restaurants und schicke Wohnmobilstellplätze WLAN anbieten. Dort, wo wir hinwollten, gab es nichts. Es ist eine arme Gegend, wirklich am Ende der Welt – obwohl uns das vorher nicht ganz bewusst war. Wir hatten abgelegene Gegenden erwartet, aber wir waren tausend Meilen gereist und in 999 davon gab es kein Internet. Wären wir in Lebensgefahr geraten, hätten wir keine Möglichkeit gehabt, Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen. Theoretisch hätten wir Starlink nutzen können, aber als wir unseren Wohnwagen abholten, gab es keinen zu mieten. Zurück zu unserer Reise an diesem Tag: Wenn wir gut vorankamen, würden wir vielleicht noch vor Einbruch der Dunkelheit die Stadt Loreto erreichen. Wenn nicht, waren wir zuversichtlich, dass wir irgendwo in einem Bergdorf einen Platz zum Übernachten finden würden. Es war eine lange Fahrt, die sich endlos hinzog. Die Straßen waren in einem furchtbaren Zustand, der Asphalt war an den Seiten oft abgeplatzt. Ich geriet jedes Mal in Panik, wenn ein großer Lkw an uns vorbeirauschte, aber die Fahrer verhielten sich vernünftig und blieben wie durch ein Wunder auf ihrer Spur. Es wurde dunkel und wir suchten die Straße nach einem geeigneten Platz zum Anhalten ab. Es gab keine Dörfer oder Städte, nicht einmal eine Tankstelle entlang der langen Strecke. Die Straßenränder waren mit Steinen oder dichtem Gebüsch gesäumt, sodass es unmöglich war, sicher anzuhalten. Wir hatten keine andere Wahl, als weiterzufahren. Wir waren noch nie nachts mit diesem Camper gefahren und wussten nicht einmal, wo sich der Scheinwerferschalter befand. Ich versuchte, die Bedienungsanleitung zu entziffern, aber mein Spanisch reicht nicht aus, um so komplizierte technische Anweisungen zu verstehen. Schließlich fand Dave den Schalter, aber die Scheinwerfer waren schwach und kaum ausreichend, um die kurvigen, tückischen Bergstraßen zu befahren. Auf jeden Fall wird generell davon abgeraten, in Mexiko nachts zu fahren. Was sollten wir tun? Als wir dann um eine weitere Kurve bogen, sahen wir einen kleinen Parkplatz neben einem Rastplatzcafé – einer kleinen Hütte – mit einem Haus gegenüber. Dave bremse schnell, bog ab und hielt an. Es schien ein sicherer Ort zu sein, um die Nacht zu verbringen. Das Café war geschlossen und sah aus, als wäre es das schon seit einiger Zeit. Wir waren die einzigen dort. Ich bereitete etwas zu essen zu, und da wir erschöpft waren und nichts anderes zu tun hatten – kein Internet, keine Ablenkungen –, gingen wir früh schlafen. Abgesehen von den Lastwagen, die die ganze Nacht über vorbei rauschten, schliefen wir recht gut. Bei Tagesanbruch machten wir uns wieder auf den Weg. Im Tageslicht konnten wir sehen, wie gefährlich die Straße gewesen war, und wir waren unheimlich erleichtert, dass wir unseren Übernachtungsplatz rechtzeitig gefunden hatten. 19. Februar 2026 Wir setzten unsere Reise fort. In Loreto tankten wir den Camper voll. Entlang der Straße gibt es nur sehr wenige Tankstellen – wie wir am Vorabend festgestellt hatten –, daher schien es sinnvoll, immer dann zu tanken, wenn wir eine sahen und der Tank nur noch halb voll war. Um 10 Uhr morgens hatten wir Hunger und hielten an einem der wenigen Parkplätze mitten im Nirgendwo an, um Frühstück zu machen. Wir hatten noch eine lange Fahrt vor uns und erreichten Guerrero Negro erst um 15 Uhr. Dies ist ein weiterer Ort, der für Walbeobachtungen bekannt ist. Frühstück in ungemütlicher Umgebung. Aber Stärkung muss sein. Unser TomTom-Navigationsgerät führte uns zu der Adresse, die ich eingegeben hatte, aber wir landeten mitten im Nirgendwo: einer weiten, trockenen Fläche, die sich bis zum Meer erstreckte. Die Flut war gerade vorbei und hatte riesige Wattflächen freigelegt, die bis zum Horizont zu reichen schienen. Wir kehrten um und fragten einige Einheimische nach dem Weg, wurden aber in verschiedene Richtungen geschickt. Wieder einmal schien es, als würden die Leute lieber irgendwohin – egal wohin – zeigen, nur um hilfreich zu sein, anstatt zuzugeben, dass sie es nicht wussten. Schließlich erwies sich eine Wegbeschreibung als richtig und wir kamen zu einem Hotel mit einem Wohnmobilstellplatz dahinter und einer kleinen Tourismusagentur nebenan. Wir buchten eine Bootstour für den nächsten Tag und sicherten uns einen Stellplatz auf dem Wohnmobilstellplatz hinter dem Hotel und Restaurant. Die heiße Dusche war nach zwei Tagen auf der Straße – wir waren verschwitzt, staubig und klebrig – eine wahre Wohltat, und wir schätzten die Einrichtungen der Campingplatzanlage, die nur 200 Pesos (£8.50) pro Nacht kosteten, sehr. Danach gingen wir schnell in einen Supermarkt, um etwas Hähnchen zu kaufen – trotz der Lage am Meer gab es keinen Fisch – und kochten uns ein leckeres Essen. Wir aßen drinnen, da ein starker Wind aufgekommen war und es deutlich abgekühlt hatte. 20. Februar 2026 Es war eine kalte Nacht. Wir standen früh auf und verschoben unsere Duschen auf nach der Tour, da wir darauf hingewiesen worden waren, dass es während der Fahrt zu starken Spritzern kommen würde. Wir zahlten 1.030 mexikanische Pesos pro Person (44 £) für einen vierstündigen Ausflug, der um 8 Uhr morgens begann. Mit unseren Schwimmwesten bekleidet brachen wir pünktlich auf. Zusammen mit dreizehn anderen Personen wurden wir mit einem Minibus zum Ausgangspunkt gebracht, von wo aus unser Boot zur Lagune Ojo de Liebre fuhr. An der nordwestlichen Pazifikküste von Baja Sur gibt es drei große Lagunen: die Magdalena-Bucht, die wir am Vortag besucht hatten, Ojo de Liebre in Guerrero Negro und Laguna San Ignacio, die wir am nächsten Tag besuchen wollten. Wir stiegen in unsere Boote und rasten durch Wind und Regen, über hohe Wellen hinweg auf dem Weg zur Lagune. Selbst als wir dort angekommen waren, blieb der Wind stark und es war bitterkalt. Ich war dankbar für die beiden Pullover unter meiner Anorakjacke und für meine Kapuze, die ich mir fest über den Kopf gezogen hatte. Das Boot hob und senkte sich heftig, aber zumindest hatte es inzwischen aufgehört zu regnen. Es dauerte nicht lange, bis wir von Walen umgeben waren, die unter dem Boot schwammen und gelegentlich auftauchten, um ihren Kopf oder ihre Schwanzflosse zu zeigen. Einige kamen ganz nah, verschwanden aber schnell wieder, bevor jemand sie berühren konnte. Uns war gesagt worden, dass Grauwale für ihre Freundlichkeit bekannt sind – dass sie sich Booten nähern, mit Menschen interagieren, sich gerne streicheln lassen und manchmal sogar ihre Kälber zu den Touristen schubsen, als wollten sie sie der Welt vorstellen. Nichts davon geschah auf unserer Reise. Wir erfuhren, dass die Mütter nach einer Schwangerschaft von etwa zwanzig Monaten gebären und dann in den ruhigen Gewässern der Lagunen bleiben, um ihre Jungen zu säugen und zu beschützen. Sobald die Kälber stark genug sind, müssen sie durch die starken Strömungen aus den Lagunen schwimmen. Dies geschieht in der Regel Mitte März, rechtzeitig bevor der Wanderung nach Norden in Richtung des arktischen Eises, die Anfang April beginnt. Uns wurde auch erzählt, dass sich einst bis zu 6.000 Wale in der Lagune Ojo de Liebre versammelten. Heute sind die Zahlen deutlich geringer, da viele aufgrund der schwindenden Nahrungsvorräte im Zusammenhang mit dem schmelzenden arktischen Eis nicht überleben. Die Auswirkungen des Klimawandels sind hier deutlich sichtbar. Nach der Bootsfahrt schätzten wir die heiße Dusche auf dem Campingplatz. Um 13 Uhr brachen wir wieder auf und machten uns auf den Weg nach San Ignacio, unserem nächsten Ziel. Es war erneut eine lange und eher eintönige Fahrt, die teilweise der Route des Vortags folgte. Wir kamen um 16 Uhr in San Ignacio an und schlenderten über den charmanten Platz neben der Kirche, die einst Teil einer Mission war – wie viele Kirchen in Mexiko bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Wir unterhielten uns mit einem Paar aus South Carolina, das uns den nahe gelegenen Wohnmobilpark wärmstens empfahl, der gleich um die Ecke und nur wenige Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt lag. Wir fuhren dorthin, schlugen unser Lager auf und buchten über den Besitzer des Wohnmobilstellplatzes eine Walbeobachtungstour. Danach suchten wir nach einem Supermarkt, der Hähnchen oder Fisch verkaufte, aber ohne Erfolg. Am Ende bereitete ich ein Gericht aus Gemüse mit Heringskonserven in Tomatensoße und Dosenmais zu. Überraschend lecker. Wir feierten unsere sichere Ankunft mit einem Bier und schlossen uns später einer kleinen Gruppe von Leuten an, die Gitarre und Mundharmonika spielten und gemeinsam sangen. Es war eine schöne Atmosphäre, nur von ein paar Fackeln beleuchtet. Allmählich wurde es ruhig auf dem Campingplatz. Sogar die Kinder, die zuvor noch um das Lagerfeuer herumgetobt hatten, waren ruhig geworden. Auf Campingplätzen gehen die Leute meist früh schlafen – normalerweise kurz nach 20 Uhr, zumindest verschwinden sie dann in ihren Wohnmobilen oder Zelten. 21. Februar 2026 Am nächsten Morgen standen wir früh auf, da eine lange Fahrt vor uns lag. Die Entfernung von San Ignacio zur Laguna San Ignacio beträgt etwa 59 Kilometer. Die Fahrt dauert in der Regel zwischen anderthalb und zwei Stunden, da sie je nach Zielort innerhalb des Lagunengebietes aus etwa 40 Kilometern asphaltierter Straße und anschließend 15 bis 20 Kilometern unbefestigter Straße besteht. Wir machten uns auf den Weg zu Antonio's Eco Tours, dem südlichsten der Anbieter von Walbeobachtungstouren entlang der Lagune. Wir beeilten uns, da uns gesagt worden war, dass die Tour um 10 Uhr beginnen würde. Bei unserer Ankunft wurde uns jedoch mitgeteilt, dass das Boot erst um 11 Uhr ablegen würde. Tatsächlich fuhren wir erst um 11.30 Uhr los. Die Laguna San Ignacio ist ein Biosphärenreservat und beeindruckend gut organisiert. Die verschiedenen Reiseveranstalter arbeiten zusammen, um die Wale zu schützen. Boote dürfen nur für begrenzte Zeit in die Lagune einfahren, und es darf sich jeweils nur eine bestimmte Anzahl gleichzeitig darin aufhalten. Die Fahrt vom Ufer zum Walbeobachtungsgebiet dauert etwa fünfzehn Minuten. Vor der Einfahrt muss sich der Kapitän des Bootes bei einem Sheriff melden, der den Zugang zur Lagune überwacht. Jedes Boot darf nur eineinhalb Stunden bleiben, bevor es wieder auslaufen muss, um Platz für ein anderes zu machen. Es sind maximal fünfzehn Boote gleichzeitig zugelassen. Die Lagune selbst ist riesig und in verschiedene Zonen unterteilt: Brutgebiete, Gebiete, die für Mütter und Kälber reserviert sind (die sich mit dem Wachstum der Kälber vergrößern), und eine ausgewiesene Zone, in der autorisierte Walbeobachtungstouren stattfinden dürfen. Dort befanden wir uns. Mit etwas Glück nähern sich die Wale den Booten, spielen und zeigen sich. An diesem Tag gab es keinen Wind und keinen Wellengang; es war heiß, während wir auf Anzeichen von Bewegung warteten. Leider hatten wir kein Glück. Anscheinend sind die Wale bei Wind und rauerem Wasser aktiver. Wir sahen nur sehr wenig aus der Nähe. In der Ferne sahen wir gelegentlich eine Wasserfontäne oder die Wölbung eines Körpers, der die Oberfläche durchbrach, aber nie nah genug, um ein gutes Foto zu machen. Eine junge, dicke Amerikanerin war jedes Mal außer sich vor Aufregung, wenn sie einen Wal erblickte. Sie sprang von Sitz zu Sitz und trampelte dabei auf Daves Rucksack herum, den er zu seinen Füßen abgestellt hatte. Sie war immer die Erste, die ihre Kamera nach vorne streckte, und auf vielen meiner Fotos ist ihr Rücken zu sehen, der die Sicht versperrt. Danach hatte sie sogar die Frechheit zu fragen, ob wir ihr unsere Bilder schicken könnten. Etwas enttäuscht kehrten wir zum Ufer zurück, wo wir uns mit einem ausgezeichneten Essen aus Fisch- und Garnelentacos trösteten, bevor wir uns wieder auf den Weg machten. Wir hatten noch einen langen Weg vor uns. Unser Ziel war Mulegé an der Ostküste. Das bedeutete, dass wir die schreckliche Schotterstraße zurück nach San Ignacio nehmen und dann auf der Carretera 1 durch die Berge in Richtung Meer weiterfahren mussten. Wir hatten fast zwei Stunden Verspätung und standen unter Zeitdruck, da wir hofften, unseren Wohnmobilstellplatz noch vor Sonnenuntergang zu erreichen. Es war eine lange Fahrt durch karge Wüstenberge und dann entlang der Küste, wo sich atemberaubende Ausblicke boten – die der Fahrer jedoch aufgrund der vielen scharfen Kurven auf der schmalen Straße kaum genießen konnte. Wir kamen durch Santa Rosalía, einst eine Missionssiedlung, heute eine eher trostlose und windige Stadt, in der Müll durch die Straßen wehte. Sie wirkte von Armut und Vernachlässigung geprägt. Wir hielten Ausschau nach einem Supermarkt oder Fischhändler, um etwas Frisches für das Abendessen zu kaufen, aber ohne Erfolg. Die kleinen Läden, die wir fanden, verkauften Getränke, Chipstüten und Tortillas – kein frisches Gemüse, Obst oder Fisch. Wir hatten auf etwas Substanzielleres gehofft. Kurz vor 18 Uhr erreichten wir Mulegé. Das TomTom funktionierte gut genug, führte uns jedoch über eine Abkürzung einen alarmierend steilen Hügel hinunter, wo ich überzeugt war, dass wir jeden Moment umkippen könnten. Unser Fahrzeug blieb jedoch beruhigend stabil. Auf dem Weg zum Wohnmobilpark entdeckten wir einen größeren Supermarkt. Dave parkte, während ich hineinstürmte, um Butter und Fisch zu suchen. Es gab keinen Fisch – nur gefrorenes Hähnchen, das für diesen Abend nicht in Frage kam. Inzwischen war Dave zu mir gestoßen, um mich daran zu erinnern, eine Flasche Rum zu kaufen, um die lange Fahrt zu feiern. Als ich bezahlte, kam ein Einheimischer hereingestürzt und sagte, dass die Polizei draußen die Nummernschilder von einem falsch geparkten Fahrzeug entfernte. Dave rannte hinaus, um zu sehen, ob es unser Camper war. Es war unser Camper. Ich eilte ihm hinterher. Eine Polizistin stand vor unserem Wohnmobil und schrieb einen Strafzettel, unsere Nummernschilder waren bereits entfernt worden. Ohne sie konnten wir natürlich unsere Reise nicht fortsetzen. Wir hatten auf einer roten Linie geparkt, sagte uns die Polizistin und das sei verboten. Erst da bemerkte ich die schwache Spur roter Farbe entlang des Bordsteins – sie war so abgenutzt, dass sie kaum noch zu sehen war. Man musste schon wissen, dass sie da war. Wir waren weniger als fünf Minuten im Supermarkt gewesen. Ich versuchte zu erklären, dass wir den ganzen Tag gefahren waren und nur etwas zum Abendessen kaufen wollten. Das milderte ihre Haltung jedoch nicht. Wenn wir unsere Nummernschilder zurückhaben wollten, müssten wir sofort zur Polizeistation gehen und die Strafe bezahlen. Sie zeigte uns den Weg zur Station, obwohl ironischerweise vor dieser ebenfalls eine rote Linie war. Wir zögerten, dort zu parken, aus Angst vor einer weiteren Geldstrafe, aber sie versicherte uns, dass es für polizeiliche Zwecke erlaubt sei. In der Wache zahlten wir 700 Pesos (30 £, 34.40 Euros) und bekamen unsere Kennzeichen zurück. Dave fragte, ob wir uns einen Schraubenzieher ausleihen könnten, um sie wieder anzubringen, aber es gab keinen, und niemand sprach Englisch. Es schien, als würden ihre Werkzeuge perfekt zum Entfernen von Kennzeichen funktionieren – weniger jedoch zum Wiederanbringen. Mittlerweile war es fast dunkel und wir mussten noch unseren Campingplatz finden. Wir fuhren aus der Stadt heraus und fanden ihn nach etwa zwei Kilometern – gerade als es dunkel wurde – am Flussufer. Glücklicherweise war ein Stellplatz frei, sogar mit einer kleinen überdachten Küchenecke, einem Waschbecken, einem Tisch und Bänken. Perfekt. Wir parkten, öffneten ein wohlverdientes Bier und feierten unsere trotz aller Widrigkeiten sichere Ankunft. Ich kochte ein einfaches, aber leckeres Gericht aus Gemüse und der letzten Dose Sardinen. Allmählich beruhigten wir uns und die Frustrationen des Tages begannen zu verblassen. 22. Februar 2026 Am nächsten Tag erkundeten wir die Stadt Mulegé und gingen zum Supermarkt, um Vorräte zu kaufen – diesmal zu Fuß, um kein weiteres Parkplatzproblem zu riskieren. Wieder einmal konnten wir keinen frischen Fisch finden, aber wir schafften es, einige gefrorene Hähnchenbrüste und -keulen zu kaufen, die bis zum Abend aufgetaut sein würden. Tatsächlich konnten wir seit unserem ersten Tag in Los Cabos, als wir gefrorenen Tintenfisch kauften, keinen Fisch mehr im Supermarkt bekommen. Seitdem haben wir Fisch nur in Restaurants oder an Taco-Ständen gefunden. Die wenigen Einheimischen, die wir fragten, sagten, sie wüssten nicht, wo man Fisch kaufen könne. Essen sie keinen Fisch? Soweit ich weiß, ist Fisch – insbesondere in Form von Fisch-Tacos, Ceviche und anderen lokalen Fischgerichten – ein Grundpfeiler der regionalen Küche. Wenn man auf einer vom Meer umgebenen Halbinsel lebt, würde man erwarten, dass Fisch leicht erhältlich ist. Dennoch scheinen die Menschen mehr Hähnchen als Fisch zu essen. Ich bin mir sicher, dass es dafür gute wirtschaftliche Gründe gibt. Frühstück auf der Campsite von Don Chavo - es ist kalt aber der Tee wärmt auf. Eine kleine Recherche ergab mehrere Faktoren, die den Zugang zu Fisch vor Ort beeinflussen. Ein Großteil des Fangs – insbesondere hochwertige Arten wie Hummer und bestimmte begehrte Fischsorten – wird zunehmend für den Export oder für Restaurants reserviert, die Touristen bewirten. Dies macht ihn für den täglichen lokalen Verbrauch teuer oder weniger zugänglich. Während Meeresfrüchte also kulturell nach wie vor eine wichtige Rolle spielen, wird die traditionelle Ernährung von den wirtschaftlichen Realitäten geprägt. Lokal gefangener Fisch kann zu einem Luxusartikel werden, was die Einwohner dazu veranlasst, auf andere Proteinquellen zurückzugreifen. Darüber hinaus übersteigt die Nachfrage nach beliebten Arten manchmal das Angebot, was zu einer Substitution durch alternative Fischsorten führt. Eine Studie in Baja California Sur ergab, dass etwa 42 Prozent des in Restaurants servierten Fisches durch andere Arten ersetzt wird – das bedeutet, dass Gäste zwar für hochwertigen Fisch wie Marlin bezahlen, aber stattdessen eine billigere lokale Alternative erhalten. Das werden wir bedenken, wenn wir das nächste Mal in einem Restaurant Fisch bestellen. Am nächsten Tag stießen wir beim Tanken jedoch auf einen Straßenstand, an dem eine Vielzahl von frisch gefangenem – wenn auch gefrorenem – Fisch verkauft wurde. Die Frau, die uns Tintenfisch verkaufte, erklärte, dass sie jeden Tag von 10 bis 15 Uhr dort sei und mittwochs auch frischen (nicht gefrorenen) Fisch anbiete. Später in der Woche kam regelmäßig ein lokaler Fischer zu unserem Campingplatz, um Fisch, Hummer und Garnelen zu verkaufen – allerdings zu deutlich höheren Preisen, fast so hoch wie in Großbritannien. Zurück zum Sonntagnachmittag in Mulegé: Wir fanden ein reizendes Restaurant mit einem schattigen Garten, wo wir CocaCola und Kräutertee tranken und unsere Tagebücher schrieben. Danach schlenderten wir am Fluss entlang zurück zum Campingplatz und fühlten uns mit der Welt wieder etwas versöhnt. Am Abend lasen wir Berichte über eine groß angelegte Polizeiaktion im Bundesstaat Jalisco, in Puerto Vallarta, wo wir erst vier Wochen zuvor gewesen waren. Einer der weltweit meistgesuchten Drogenbosse– der mexikanische Kartellchef „El Mencho“ – war laut Angaben des mexikanischen Verteidigungsministeriums von Sicherheitskräften getötet worden. Die Operation löste eine Welle der Gewalt aus: Fahrzeuge wurden in Brand gesetzt, Bewaffnete blockierten Autobahnen in mehr als einem halben Dutzend Bundesstaaten, und sogar Supermärkte wurden angegriffen. Die Behörden in mehreren betroffenen Regionen forderten die Einwohner auf, in ihren Häusern zu bleiben; Schulen wurden geschlossen, und den Menschen wurde geraten, sich zurückzuhalten und zu Hause zu bleiben, bis die Ordnung wiederhergestellt sei. Auch Baja California, wo wir derzeit unterwegs sind, war betroffen, allerdings hauptsächlich im Norden nahe der US-Grenze, in der Umgebung von Tijuana und Mexicali. Die derzeitige mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum stand unter dem Druck der US-Regierung, die Maßnahmen gegen die Drogenkartelle zu verstärken. Berichten zufolge war sie vorsichtig, um vor der bevorstehenden Weltmeisterschaft keine gewalttätigen Reaktionen zu provozieren, da sie um die Stabilität und den Ruf Mexikos als Gastgeberland besorgt war. Sie wurde jedoch von den US-Behörden überrollt, die eine sofortige Umsetzung forderten. Die Situation dauert an. —————- Weitere Informationen: Hier ein Link zu einem Artikel von The Guardian vom 22. Februar 2026: https://www.theguardian.com/world/2026/feb/22/mexican-security-forces-reportedly-kill-drug-cartel-boss-el-mencho?CMP=Share_iOSApp_Other Hier ein Link zu einem Artikel von ZDF Heute: Wie „El Mencho” zum mächtigsten Drogenboss Mexikos wurde https://www.zdfheute.de/panorama/kriminalitaet/el-mencho-portrait-aufstieg-drogenboss-mexiko-100.html? at_medium=Social%20Media&at_campaign=ZDFheuteApp&at_specific=ZDFheute&at_content=iOS Und in der Tagesschau: https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/mexiko-kartelle-100.html ———- In unserem früheren Beitrag über unsere Reisen im Norden von Chihuahua und Sinaloa habe ich auf die Auswirkungen der Gewalt der Sinaloa-Drogenkartelle auf die lokale Bevölkerung hingewiesen. Wir waren froh, dass wir keine Probleme mit ihnen hatten. Hier ist ein Link zu interessanten Hintergrundinformationen aus Wikipedia über die Sinaloa-Drogenkartelle. https://de.wikipedia.org/wiki/Sinaloa-Kartell https://en.wikipedia.org/wiki/Sinaloa_Cartel ————— 23. Februar 2026 Heute Morgen haben wir unseren Campingplatz und Mulegé verlassen und sind weiter nach Süden gefahren. Nach nur etwa einer halben Stunde auf einer wunderschönen Bergstraße mit Blick auf das tiefblaue Meer kamen wir im Santispac RV Park an. Wir planen, hier zwei oder drei Tage zu bleiben, um uns zu erholen, bevor wir langsam weiter nach Süden in Richtung Loreto fahren. Der Campingplatz erstreckt sich über eine ganze Bucht und ist voller Camper und Wohnwagen. Einige Leute bleiben nur ein paar Tage, andere – wie unser Nachbar – bleiben drei Monate oder länger. Wir sehen auch Autos, die für einen Tag ankommen, damit die Leute schwimmen oder Kajak fahren können, und dann am späten Nachmittag wieder abfahren. Es ist ein einfacher Campingplatz. Wir haben einen Stellplatz mit einer Palapa gewählt – einem kleinen Unterstand mit einem Palmblattdach neben unserem Camper, der uns etwas Schatten vor der sengenden Sonne spendet. Es gibt keine Duschen. Zwei Toilettenblöcke sind über den Campingplatz verteilt; die Toiletten sind einfach und etwas rustikal, aber (einigermaßen) sauber. Es gibt kein fließendes Wasser – man spült mit einem Eimer, den man aus einem großen Fass füllt. Der einzige Nachteil ist, dass man einen ziemlichen Fußmarsch zurücklegen muss, um dorthin zu gelangen. Es gibt zwei Restaurants, die Frühstück, Mittag- und Abendessen servieren. Wir kochen lieber selbst, aber gelegentlich kehren wir auf ein Erfrischungsgetränk ein, um das einzige verfügbare WLAN zu nutzen. Zumindest ist das der Plan – derzeit ist das WLAN „ausgefallen“. Angeblich. Vielleicht kommt es morgen wie durch Zauberhand wieder. Wie bereits erwähnt, gibt es in weiten Teilen der Baja keine Mobilfunkverbindung, was es schwierig macht, in Kontakt zu bleiben, an unserem Blog zu arbeiten oder die Nachrichten zu verfolgen – insbesondere die jüngsten Entwicklungen nach der Ermordung des Drogenbarons. Dennoch kommen wir ein paar Tage lang auch ohne aus. Wir sind wegen der wunderschönen Buchten und Strände hierhergekommen, also werden wir uns daran anpassen. Wasser ist ein weiterer Faktor, mit dem wir sorgfältig umgehen müssen. Es gibt keine Wasserleitung vor Ort. Wir haben einen 10-Liter-Kanister mit Trinkwasser, dazu Vorräte in unserem Küchentank, Toilettentank und sogar genug im Duschtank für jeweils zwei sehr kurze Duschen. Deshalb gehen wir sparsam damit um, besonders beim Abwasch. Zum Glück haben wir auf unserem letzten Campingplatz einen zusätzlichen Behälter gefüllt, was sehr hilfreich ist. Der nächste Ort mit richtigen Duschen wird in etwa fünf Tagen in Loreto sein. Gut, dass ich eine Packung Feuchttücher gekauft habe. Wir haben jedoch inzwischen erfahren, dass täglich ein Pick-up vorbeikommt, der Wasser verkauft. Ich würde es nicht unbedingt trinken, aber zum Abwaschen ist es in Ordnung. Ein weiterer Truck taucht regelmäßig auf und verkauft frisch gefangenen (wenn auch gefrorenen) Fisch und Garnelen. Hinter dem Restaurant gibt es auch einen kleinen Laden mit Grundnahrungsmitteln. Wir gewöhnen uns langsam daran, wie die Dinge hier funktionieren. Sonnenaufgang auf dem Santispac Campingplatz Ich habe etwa 50 bis 60 Camper, Wohnwagen und Wohnmobile gezählt. Unseres gehört zu den kleinsten. Eine Gruppe von Freunden aus Florida ist mit vier fantastischen silbernen Airstream-Wohnwagen hier. Wir haben uns mit einem von ihnen unterhalten, während er mit seinem Hund im Wasser spielte. Er ist ehemaliger Soldat und jetzt im Ruhestand. Er hat sein Haus verkauft, alles eingelagert und reist seit Mai letzten Jahres mit seinem Airstream. Derzeit bereist er mit Freunden Mexiko, aber nächste Woche geht es zurück nach Florida und dann mit anderen Freunden weiter nach Kanada und Alaska, um dort den Sommer zu verbringen. Kein schlechtes Leben. Zu unserer Linken campen zwei freundliche Männer in einem Zelt. Wir haben sie zum ersten Mal im Restaurant getroffen, als ihnen statt Garnelen Hühnchen serviert wurde – aber sie haben einfach gelacht und es trotzdem genossen. Wir waren nur auf einen Drink (und wegen des WLANs) dort. Wir vermuten, dass das WLAN für Gäste, die etwas essen, besser funktioniert als für diejenigen, die nur etwas trinken – aber egal, die beiden netten Männer haben uns das Passwort gegeben. Einer von ihnen ist ebenfalls ehemaliger Soldat und war in den 1990er Jahren in der Nähe von Heidelberg stationiert. Beide kommen aus Los Angeles und reisen oft nach Baja. Bald werden sie nach Hause zurückkehren – eine zweitägige Reise. Unser Nachbar auf der anderen Seite hat einen riesigen Wohnwagen mit ausziehbaren Seitenwänden und sogar einem ausklappbaren Balkon auf der Rückseite (für die beiden Chihuahua Hunde), der von einem riesigen Ford Pick-up-Truck gezogen wird. Er und seine Frau sind seit drei Monaten hier, sie haben ihr Haus verkauft, diesen Wohnwagen gekauft und bereisen nun den Kontinent. Während Covid saßen sie in Europa fest, mieteten einen Wohnwagen und bereisten Europa, insbesondere den Balkan, bis Covid vorbei war und sie sicher nach Hause zurückkehren konnten. Er ist ebenfalls ehemaliger Soldat und arbeitet jetzt als Mechaniker für Motorradrennteams. Er arbeitet etwa 60 Tage im Jahr; wenn er gebraucht wird, fliegt er für drei oder vier Tage hin und kehrt dann zu dem Ort zurück, an dem sie ihren Wohnwagen geparkt haben. Sie scheinen eine gute Balance gefunden zu haben. Der Campingplatz ist auch bei Motorradfahrern beliebt. Gerade sind etwa vierzehn von ihnen an unserem Wohnmobil vorbeigerauscht, auf dem Weg zur anderen Seite der Bucht, wo sie in Zelten campen. Am Rande der Bucht leben offenbar Langzeitbewohner, mit kleinen Gärten, Blumen und Teppichen, die um ihre Wohnwagen herum ausgelegt sind. Am Dienstagnachmittag gibt es offenbar eine Happy Hour und Disco im Restaurant, wo sich alle zum Plaudern, Trinken und Tanzen treffen. Die Musik war eine Mischung aus Rock, Country und Blues. A few people had Cowboy hats and boots on. Wir haben auch kurz vorbeigeschaut. Man konnte kein einziges Wort Spanish hören. Heute fuhr eine Militärpatrouille langsam durch den Campingplatz, schwer bewaffnet und wachsam, aber sie fuhren bald weiter. Ansonsten ist es friedlich. Die Nachbarn, mit denen wir gesprochen haben, sind nicht allzu besorgt über die Unruhen anderswo. Sie glauben, dass die Gewalt der Kartelle den Süden von Baja kaum erreichen wird – es gibt hier nur eine Hauptstraße, und die ist in schlechtem Zustand. „Zu viel Aufwand“, wie jemand sagte. Wir sollten also sicher sein. Das Beste hier ist, dass unser Nachbar uns freundlicherweise sein Starlink zur Verfügung gestellt hat. Wir sind wieder mit der Welt verbunden – zumindest solange wir neben ihm parken. Gerade kam eine Gruppe auf 10 Motorrädern an unseren Strand. Wir kamen ins Gespräch: Sie (die Motorradfahrer mit ihren Frauen) kommen aus ganz Mittelamerika und aus Argentinien, und machen eine zweiwöchige Tour durch Baja California. Wir unterhielten uns mit jemandem aus Mexiko, Guatemala und einem sehr netten Paar aus Costa Rica. Sie fuhren alle BMW-Motorräder, die von den Tourveranstaltern gemietet waren. Nur die Mexikaner hatten ihre eigenen Bikes dabei. Es war eine lebendige Truppe. Sie bevölkerten unseren Strand und feierten den Geburtstag eines ihrer Freunde. Die Musik war laut, es wurde getanzt und getrunken. Die Latinos wissen halt wie man feiert. Es war eine gute Stimmung. Endlich fühlten wir uns wieder in Mexiko. Danach fuhren die Männer die Motorräder zu einem nahen Hotel wo die Gruppe untergebracht war. Die Frauen wurden mit einem Kleinbus transportiert. Wir hoffen, dass die Truppe gut angekommen ist angesichts der vielen Kurven. So verbringen wir hier ein paar glückliche Tage: Wir sonnen uns, spazieren am Strand entlang, arbeiten am Blog (dank Starlink), kochen abends Tintenfisch oder Garnelen, genießen ein Bier bei Sonnenuntergang und betrachten die Sterne. Das Leben fühlt sich wunderbar einfach an. Morgen fahren wir weiter südlich zum Requesón Beach Campground – einem weiteren wunderschön gelegenen, aber sehr einfachen Strandcampingplatz. Hoffen wir, dass dort auch jemand bereit ist, sein Starlink mit uns zu teilen. 27. Februar 2026 Wir haben seit Langem wieder einmal wunderbar geschlafen. Um 6 Uhr morgens machten wir es uns in unseren Liegestühlen näher am Wasser gemütlich, um den Sonnenaufgang über der Bucht zu beobachten. Kaum jemand war schon wach. Es war einfach magisch. Nach dem Frühstück unternahmen wir einen Spaziergang auf einem sandigen Pfad durch die Wüstensträucher zur nächsten Bucht und hielten dabei vorsichtig Ausschau nach Skorpionen oder Klapperschlangen. Wir fanden keine, nur Hundekot. Die Bucht war völlig abgelegen und nicht mit dem Auto erreichbar. Ein paar Stachelrochen glitten durch das flache Wasser, was uns vom Schwimmen abhielt. Schade. Auf dem Rückweg kamen wir an der mexikanischen Familie vorbei, die neben uns zeltete. Ihr Teenager-Sohn blieb etwas zurück, um zu telefonieren, vermutlich mit seiner Freundin. Wir konnten ihre Stimme hören und sagten ihm, er solle sie von uns grüßen. Er kicherte nur. Später begegneten wir einem VW-Camper aus Fulda. Das Paar hatte seinen Van – neuer und größer als das klassische California-Modell, eher ein Mercedes Sprinter – von Hamburg nach Baltimore verschiffen lassen. Von dort aus bereisten sie den Sommer über die USA und besuchten ihren Sohn, der im Rahmen eines Schüleraustauschs in Iowa war. Jetzt verbringen sie einen Monat in Baja California und sind begeistert, bevor sie weiter nordwärts durch die USA nach Kanada reisen. Im Juli nehmen sie die Fähre von Halifax zurück nach Hamburg. Was für eine wunderbare Art, ein Jahr Auszeit zu nehmen! Ihre Englischkenntnisse waren begrenzt und sie sprachen überhaupt kein Spanisch, was ihre Möglichkeiten natürlich einschränkte – aber es gibt ja immer andere Wege der Kommunikation. Zurück in unserem Wohnmobil kam ich mit unserer amerikanischen Nachbarin ins Gespräch, die Wasser geliefert bekommen hatte und ihre Küchen- und Duschwassertanks fachmännisch und ohne einen Tropfen zu verschütten befüllte. Sie hatte sechs Jahre auf einem Segelboot vor San Francisco gelebt und dort gelernt, Wasser zu sparen. Eine interessante und welterfahrene Frau. Sie kam auf einer Segelreise nach Baja California, es gefiel ihr, und sie blieb. Sie ist ehemalige Soldatin und war einst auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Lakenheath in England stationiert. Sie kritisiert einige der US-Amerikaner, die mit ihren riesigen Wohnmobilen anreisen, monatelang viel Platz auf den Campingplätzen einnehmen und selten Kontakt zu den Einheimischen suchen. Sie bleiben hier, weil es günstig und warm ist. Viele verlassen ihr Wohnmobil nicht, weil sie kein Spanisch sprechen oder verstehen, also bleiben sie unter sich. Sie können sich nur auf Englisch verständigen, was viele Mexikaner hier in Baja nicht verstehen. Also bleiben sie unter sich. Technisch gesehen erhalten US-Bürger ein 180-Tage-Visum, aber Überschreitungen der Aufenthaltsdauer sind sehr verbreitet und werden weitgehend toleriert. Unsere Nachbarin sagte auch, dass viele der Campingplätze in Baja voller Trump-Anhänger sind. Sie erwähnte, dass vor einigen Jahren einige der Campingplätze voller Pro-Trump-2020-Flaggen waren, diese aber weitgehend verschwunden sind. Wir fragten uns, warum. Es sind wahrscheinlich immer noch dieselben Leute, aber vielleicht sind sie nicht mehr so zuversichtlich oder enttäuscht, weil sich für sie nichts zum Besseren verändert hat? Wir überlegten gerade, welche Parallelen es zum Brexit in Großbritannien gibt, als der Fischlieferwagen kam und Ceviche zum Mittagessen anbot. Unsere Bemühungen, die Welt in Ordnung zu bringen, mussten verschoben werden, da das Mittagessen wartete. Ich wollte immer noch wissen, wie sie ihren Lebensunterhalt verdient, aber bestimmte Dinge fragt man nicht, wenn sie nicht von selbst zur Sprache kommen. Am Nachmittag rollten drei riesige Wohnmobile heran, jedes mit einem großen Pick-up im Schlepptau. Sie parkten im Kreis, um ihr eigenes Gelände zu schaffen, stellten Kegel auf, um ihr Territorium zu markieren, und blockierten damit effektiv den Zugang zu dieser Seite des Strandes. Es tauchten Tische und Stühle auf, zusammen mit großen braunen Flaschen, und sie richteten sich ein. Das erinnerte mich an alte Westernfilme, in denen Siedler ihre Wagen zu ihrem Schutz vor den Indianern im Kreis aufstellten. Wir machten einen Spaziergang und hofften, dass der Wind nachlassen würde, damit wir duschen konnten. Bei diesem Wind hätte unsere Außendusche jedoch unser Bett durchnässt. Das konnten wir nicht riskieren. Zu diesem Zeitpunkt träumten wir schon von der nächsten Station in Loreto – mit einer heißen Dusche und sogar WLAN. Als wir im Windschutz unseres Campers das Abendessen zubereiteten, kam unser chilenischer Nachbar Antonio vorbei. Ich fragte ihn, ob er heute einen Fisch gefangen habe. Ja, einen großen, aber er habe ihn zurückgeworfen, da sie erst noch die drei Fische essen müssten, die er gestern gefangen hatte. Wir erinnerten uns an Chile und das fantastische Silvesterfeuerwerk in Valparaiso, das Dave und ich gesehen hatten. Antonio wuchs in dem Küstendorf Algarrobo auf, wohin ich häufig sonntags mit Freunden von Santiago aus mit dem Bus einen Tagesausflug unternahm. Nach Pinochets Polizeieinsatz floh sein aktivistischer Onkel nach Spanien, während seine eigene Familie bis zu ihrem Umzug nach Valparaiso polizeilichen Schikanen ausgesetzt war. Vor zwanzig Jahren wanderten Antonio und seine Frau nach Toronto aus. Er ist Zimmermann; anfangs war es schwer, als lateinamerikanischer Handwerker Vertrauen zu gewinnen, aber jetzt leitet er ein erfolgreiches Bauunternehmen und kann sich jedes Jahr zwei Monate Urlaub leisten. Wir sprachen über Einwanderung – darüber, hart zu arbeiten, sich ein Leben im Ausland aufzubauen, wie er in Kanada oder ich in England, und über die Vorteile, die Migranten mit sich bringen. Bald eilte er zu seiner Frau, um kurz darauf mit heißen chilenischen Käse-Empanadas zurückzukehren, die er zuvor zubereitet hatte. Wir boten ihm dafür Rotwein an und unterhielten uns weiter. Das Abendessen war spät, aber gute Gesellschaft ist wichtiger. Danach sahen wir zu, wie die mexikanische Familie ihr Holzfeuer mit Benzin anzündete. Einer der Jungen unterschätzte die Dämpfe und es kam zu einer dramatischen Stichflamme – glücklicherweise wurde niemand verletzt. Wir gesellten uns zu ihnen ans Feuer. Sie kommen aus Tijuana, der mexikanischen Grenzstadt zu den USA, und verbringen seit sechs Jahren jedes Jahr ihren Urlaub in Baja Sur. Der Vater liebt es die Wale zu beobachten und zeigte uns stolz Fotos, auf denen er einen Grauwal streichelt, der bei ihrem Boot verweilte, um sich erneut von ihm streicheln zu lassen. Ein wahrer Walflüsterer. Morgen fahren sie nach Norden und machen noch für eine Nacht in San Felipe Halt, bevor sie nach Hause kommen. Wir wünschten ihnen eine gute Reise und zogen uns nach einem langen, erfüllten und unvergesslichen Tag schließlich in unseren Van zurück. —————- Dave: 15. Februar 2026 Der Wecker klingelte um 7 Uhr und wir hatten einen anstrengenden Tag vor uns. Lisa arbeitete am Blog, während ich endlich die Karte von Baja California Sur auf unser TomTom herunterladen konnte. Das Frühstück um 8 Uhr war im Zimmerpreis inbegriffen und ausgezeichnet. Nachdem wir unsere Sachen gepackt hatten, gaben wir unseren Schlüssel ab und ich bestellte einen Uber zu der Firma, bei der wir unseren Campervan gemietet hatten: VanBaja. Zehn Minuten später kamen wir an und fanden ihn frisch gewaschen und poliert in der Einfahrt stehen. Wir trafen unseren VanBaja-Kontakt, Julian, der ursprünglich aus Buenos Aires stammt, erledigten den Papierkram, bezahlten den Restbetrag in bar, 45.000 MX$ (1.925,55 £), und hinterließen eine Kaution für den Campervan auf meiner Wise-Karte. Der Van basiert auf einem sechs Jahre alten Ram 2500-Chassis. Der ursprüngliche Motor war durch einen kleineren 2,5-Liter-Benziner ersetzt worden, der bergauf langsamer, aber wesentlich sparsamer ist. Ich war zufrieden. Im Innenraum gab es einen effizienten Kühlschrank und einen tragbaren Coleman-Gasherd mit zwei Kochstellen und einem dreiseitigen Windschutz, perfekt für das Kochen im Freien. Wir hatten auch eine tragbare Toilette gemietet, die sich ordentlich aus einem Schrank herausziehen ließ. Ideal mitten in der Nacht, sobald man sich daran gewöhnt hat, dass man in seinem Wohnzimmer auf die Toilette geht! Unser erster Halt war ein Supermarkt in der Nähe, um Vorräte zu kaufen. Das Essen für die nächsten zwei Abende würde aus gebratenem Tintenfisch mit Gemüse bestehen, begleitet von Bier und Wein. Nachdem wir (endlich) unsere Vorräte verstaut hatten, machten wir uns auf den Weg zu unserem ersten Campingplatz: dem Playa Norte RV Park in der Nähe von Los Barriles, etwa 75 km entfernt. Wir waren beeindruckt davon, wie bergig Baja California Sur ist, mit karger Wüstenlandschaft, kurvigen schmalen Straßen, steilen Abhängen und ohne Leitplanken. Sobald man die Autobahn verlässt, ist alles sandig. Man muss jederzeit voll konzentriert sein. Der Wohnmobilpark erstreckt sich über sandigen Boden, der mit Bäumen und Toilettenhäuschen übersät ist. Es gibt eine kleine Bibliothek, einen Waschsalon, eine lebhafte Strandbar für Sundowner und lokale WLAN-Zonen, die etwas unzuverlässig sind. Es ist eindeutig ein Ort für längere Aufenthalte von Amerikanern und Kanadiern, denn viele der Wohnwagen waren eingezäunt und mit Dachkonstruktionen beschattet. Der Manager war nirgends zu finden und eine etwas unklare Telefonansage wies uns an, uns einen Platz in Reihe F auszusuchen und am nächsten Tag einzuchecken. Das taten wir dann auch. Wir verbrachten den Nachmittag damit, auszupacken, Stauraumlösungen zu finden und unsere Kleidung zu sortieren, die glücklicherweise in Nylontaschen mit Reißverschluss verpackt war. Unsere Koffer stehen jetzt unter dem Bett in einem Stauraum, der über die hinteren Türen zugänglich ist. Später bearbeiteten wir E-Mails, Fotos und unseren Blog. Bei Sonnenuntergang (18:18 Uhr) gingen wir zum Strand hinunter und schauten über den Golf von Kalifornien, bevor wir über den DoDo's Beach Club zurückkehrten, wo laute Musik spielte und kurze Shorts angesagt waren. _______________________________________________ Hintergrundinformation: Der Golf von Kalifornien, auch bekannt als das Meer von Cortez, ist ein 750 Meilen (1.200 km) langes Randmeer des Pazifischen Ozeans, das die Halbinsel Baja California vom mexikanischen Festland trennt. Mit einer Fläche von rund 160.000 km² ist er eines der biologisch reichsten Meeresgebiete der Erde. Jacques Cousteau bezeichnete ihn oft als „das Aquarium der Welt”, und die UNESCO hat ihn zum Weltkulturerbe erklärt. In seinen Gewässern leben mehr als 900 Fischarten und rund 39% der weltweiten Meeressäugetierarten, darunter Wale, Delfine und Seelöwen. Eine bemerkenswerte Anzahl von Arten ist endemisch und kommt nirgendwo sonst auf der Welt vor. Die Kombination aus Wüstenlandschaften und abgelegenen Inseln schafft ein Ökosystem von außergewöhnlicher Vielfalt – ein seltener Treffpunkt zwischen kargem Trockenland und äußerst produktivem Meer. Quelle: Wikipedia. ________________________________________________ Zurück in unserem Wohnmobil öffneten wir ein Bier und begannen zu kochen. Lisa bereitete das Gemüse vor, während ich mich um den Pulpo kümmerte. Es kam zu einer Katastrophe, als der Griff der Bratpfanne brach und Zwiebeln, Knoblauch und Öl in den Sand fielen. Nach einigen deutlichen Worten und einer Reparatur fingen wir erneut an, mit einer Lektion gelernt: Fange früher an und besorge dir ordentliche Töpfe und Pfannen. Alles dauert nämlich beim ersten Mal doppelt so lange. Der Camper wird vollständig mit Solarenergie betrieben, sodass wir völlig autark sind und keinen Stromanschluss benötigen. Wasser wird über Schläuche rund um den Stellplatz nachgefüllt und solange wir die Toilette nur nachts benutzen (und „großes Geschäft“ vermeiden), muss sie nur alle paar Tage geleert werden. Um 21:00 Uhr hatten wir alles verschlossen. Der Wind, der den ganzen Nachmittag geweht hatte, war vollständig abgeflaut. Der Campingplatz war still, die Sterne strahlten klar am Himmel. Das Beste war, dass wir „The Lincoln Lawyer“ streamen konnten, also schauten wir uns noch eine Folge an, bevor wir das Licht ausschalteten und uns auf unsere erste Nacht im Wohnmobil einrichteten. 16. Februar 2026 Wir verbrachten den Tag damit, unseren riesigen Wohnmobilstellplatz zu erkunden und den Manager des Platzes ausfindig zu machen. Eine äußerst schwer fassbare Person. Schließlich gelang es uns, ihn in seinem Büro aufzuspüren und unsere Campinggebühren zu bezahlen. Wir bekamen auch die WLAN-Passwörter. Es gab zwei, eines in der Nähe der Waschküche und ein weiteres in der Bibliothek. Ja, der Platz hatte auch eine Bibliothek! Lisa verbrachte die meiste Zeit in der kühlen Bibliothek, um Tanja zu kontaktieren und Fotos und Tagebucheinträge für unseren Blog hochzuladen. Der Tag ging zu Ende und wir tranken ein Bier, bevor wir das Abendessen zubereiteten. 17. Februar 2026 Wir wollten einen Supermarkt finden, um ein paar wichtige Dinge einzukaufen, also gingen wir nach dem Frühstück in die nächste Stadt, Los Barriles. Uns wurde gesagt, dass es nicht weit sei, aber bei dieser Hitze muss es doppelt so weit gewesen sein, als der Manager unseres Wohnmobilstellplatzes gesagt hatte. Das Erste, was mir auffiel, war die Unfreundlichkeit der Menschen. Es handelte sich um Amerikaner im Urlaub und keiner von denen, denen wir begegneten, grüßte uns. Die Minimärkte, die wir fanden, hatten kein frisches Obst, Gemüse, Fisch oder Fleisch. Wir gingen bis zum anderen Ende der Stadt zu einem angeblich großen Supermarkt, aber dort war es genauso. Verstaubte Fischkonserven, abgelaufenes Gemüse und kein frisches Fleisch. Sehr enttäuschend. Wir gingen in der Hitze zurück, machten Halt in einer Hütte am Straßenrand, um eine kalte Dose Cola zu trinken, nahmen dann eine Abkürzung entlang des ausgetrockneten Flussbettes zurück zum Strand und von dort zurück zum Strandzugang zu unserem Campingplatz. Wir nahmen eine ausgiebige heiße Dusche und tranken anschließend ein kaltes Bier vor unserem Wohnmobil, bevor wir mit dem Abendessen begannen. Ein gemütlicher Ausklang eines gemütlichen Tages. 18. Februar 2026 Wir verließen den Campingplatz in Los Barriles um 07:25 Uhr und fuhren über La Paz in Richtung Norden zur Magdalena-Bucht, um Wale zu beobachten. Unterwegs hielten wir an einem schäbigen Supermarkt am Rande einer ebenso schäbigen Stadt, deckten uns mit ein paar grundlegenden Gemüsesorten und einer Kiste Bier ein und fanden keinen geeigneten Ort, um einen Kaffee zu trinken. Eine Stunde später waren wir erleichtert, als wir ein nettes Restaurant am Straßenrand fanden, wo ich ein Croissant und Kaffee und Lisa einen Tee bestellten. Die Fahrt zur Magdalena-Bucht war lang. Als wir endlich ankamen, waren wir enttäuscht. Wir hielten neben einer Reihe von Ferienhäusern. Es war Ebbe, die Bucht war nur noch eine Schlammfläche, und ein heftiger, eisiger Wind hätte uns fast umgeworfen, als wir aus dem Wagen stiegen. Wir mussten sofort unsere Fleecejacken anziehen. Wir fuhren in die Stadt, die schon bessere Tage gesehen zu haben schien, um uns nach Walbeobachtungstouren zu erkundigen. Wegen des Windes und der rauen See war die Tour für morgen vorverlegt worden, um schlechter werdendes Wetter zu vermeiden. Die Tour würde 120 US-Dollar (89 Pfund) pro Person kosten, um 6:30 Uhr vor Sonnenaufgang beginnen, dann würden sechs Stunden auf einem kalten, sehr schwankenden Boot folgen, wobei eine komplette Regenbekleidung unerlässlich und Kameras aufgrund der Gischt nicht zu empfehlen waren. Wir sahen uns an, schüttelten den Kopf und fuhren weiter. Unser Ziel war Loreto vor Sonnenuntergang. Die Bergstraße war schmal und kurvenreich, schwere Lastwagen donnerten auf uns zu und es gab keine Leitplanken am Straßenrand – definitiv kein Ort, an dem man sich nach Einbruch der Dunkelheit aufhalten sollte. Etwa 60 km vor Loreto, um 18:25 Uhr, als die Sonne unterging, hielten wir an einer Raststätte neben einem geschlossenen Straßencafé und machten Feierabend. Es war eine lange, anstrengende Fahrt gewesen. Lisa machte Guacamole, während ich ein kaltes Bier öffnete, und wir waren beide erleichtert, einen sicheren Platz in den Bergen gefunden zu haben. Wir hatten zuvor 50 Liter für 1.062 MX$ (46 £) getankt. Auch wenn die Anzeige noch halb voll war, wollten wir in Loreto wieder tanken. In Baja California Sur sind Tankstellen rar gesät und es lohnt sich, kein Risiko einzugehen. 19. Februar 2026 Wir standen bei Tagesanbruch um 06:45 Uhr auf und waren nicht die Einzigen, die sich für die Nacht für den Rastplatz entschieden hatten. Ein müder Lastwagenfahrer hatte sein Fahrzeug gegenüber von uns geparkt. Das schmierige Café neben uns zeigte keine Anzeichen von Leben und da keine Einrichtungen geöffnet waren, griffen wir auf eine diskrete Wildcamping-Etikette zurück, bevor wir uns wieder auf den Weg machten. (Eine Müllhalde neben unserem Wohnmobil). Es war eine lange, kurvenreiche Fahrt durch die Berge, bevor wir endlich die Küste des Golfs von Kalifornien erreichten. Von dort aus fuhren wir nach Norden durch Loreto und Mulegé, kletterten wieder in die Berge und überquerten dann die Pazifikseite. Um 16:30 Uhr rollten wir in die Stadt Guerrero Negro an der Grenze zwischen Baja California Sur und Norte. Wir fuhren durch die Stadt und informierten uns über Möglichkeiten zur Walbeobachtung, bevor wir uns für einen kleinen, sicheren Stellplatz für Wohnmobile hinter einem Hotel entschieden. Dort gab es saubere Toiletten, warme Duschen und, als Luxus des Luxus, Internet! Nebenan befand sich ein Buchungsbüro für Walbeobachtungstouren, also reservierten wir dort eine Tour für morgen, für 1.020 MX$ (43,70 £) pro Person. Der Fahrservice würde uns um 08:00 Uhr vor dem Hotelparkplatz abholen. Nachdem wir unsere Pläne gemacht hatten, kochten wir Abendessen, öffneten ein kaltes Bier und entspannten uns nach einem weiteren langen Fahrtag in Baja. Wir schafften es sogar, die letzte Folge von „The Lincoln Lawyer“ zu Ende zu streamen. Was für ein Luxus! 20. Februar 2026 Wir hatten eine organisierte Walbeobachtungstour mit Malarrimo Eco Tours gebucht und wurden gewarnt, uns auf alles vorzubereiten: warme Kleidung gegen die Kälte, Stiefel und wasserdichte Kleidung gegen die Gischt, sowohl vom Meer als auch von den mächtigen Fontänen der Wale. Um 07:45 Uhr wurden wir dreißig Teilnehmer auf zwei Boote verteilt und zur Lagune gefahren. Eine steife Brise peitschte die See auf und unser Boot hüpfte energisch über die Wellen. Wir waren dankbar für unsere wasserdichten Jacken, da wir immer wieder von Spritzwasser getroffen wurden. Einmal fuhren wir durch einen kurzen Regenschauer und wurden kurz darauf mit einem leuchtenden Regenbogen belohnt, der sich über den grauen Himmel spannte. Im Walgebiet kreuzten auf dem Wasser mehrere Boote. Es gab viele zu sehen und wir konnten einige gute Fotos mit unseren Handys machen, obwohl es aufgrund der ständigen Gischt viel zu riskant war, unsere teuren Sony-Kameras mitzunehmen. Wale sind außergewöhnliche Lebewesen. Als sie in der Nähe des Bootes auftauchten, spritzten die Leute mit den Händen Wasser und erstaunlicherweise reagierten die Wale darauf, indem sie spielerisch und neugierig direkt neben uns herglitten, als wäre das alles Teil eines Spiels. Wir verbrachten über zwei Stunden unter ihnen, bevor wir zurückfuhren. Auf der Rückfahrt kamen wir an einer Gruppe von Seelöwen vorbei, die sich auf einem großen Metallponton ausstreckten. Unser Skipper stupste sie sanft mit dem Bug an und weckte einen besonders großen Seelöwen, der prompt mit einem Platschen ins Meer glitt. Um 12:30 Uhr waren wir zurück. Nach dem Duschen, Packen und Auffüllen unseres Wassertanks brachen wir um 13:00 Uhr nach San Ignacio auf, das etwa zwei Stunden entfernt lag. Unterwegs mussten wir tanken und Lebensmittel einkaufen. Ein Supermarkt sah von außen vielversprechend aus, entpuppte sich aber als Enttäuschung, sodass wir weiterfuhren. San Ignacio ist ein charmantes kleines Städtchen, dessen Mittelpunkt die schöne alte Missionskirche Misión San Ignacio Kadakaamán bildet, aber leider gab es keinen anständigen Supermarkt. Eine Amerikanerin, die wir trafen, empfahl uns einen Wohnmobilstellplatz, den Paraiso Misional RV Park, der nur wenige Gehminuten vom Platz entfernt liege. Er war freundlich und einladend, mit sauberen Toiletten, heißen Duschen und zuverlässigem Internet. Mit 300 MX$ (12,91 £) pro Nacht schien es ein Schnäppchen zu sein, obwohl die Anzahl der Camper darauf hindeutete, dass es vielleicht nicht der ruhigste Abend werden würde. Wir buchten auch eine weitere Walbeobachtungstour für den nächsten Tag bei Antonio's Ecotours Whale Watching, 140 US-Dollar (125,98 £) für uns beide für eine zweistündige Tour. Um bis 10:00 Uhr ihre Basis neben der Lagune von San Ignacio zu erreichen, würden wir um 08:30 Uhr losfahren und eine 90-minütige Fahrt auf einer unbefestigten Straße in Kauf nehmen müssen. Der Plan war, danach zur Stadt San Ignacio zurück zu kehren und weiter nach Mulegé an der Küste des Golfs von Kalifornien zu fahren, wo wir im Huerta Don Chano RV Park am Flussufer übernachten wollten. An diesem Abend kochte Lisa ein köstliches Essen mit Sardinen und Gemüse. Wir schlenderten über den Campingplatz und lauschten der Musik, die von einer fröhlichen Gruppe aus Kansas herüber wehte. Gar nicht schlecht. Später gingen wir ins Bett und schauten uns vor dem Schlafengehen noch etwas auf Netflix an. 21. Februar 2026 Wir standen um 05:45 Uhr auf und machten uns um 08:30 Uhr auf den Weg zu Antonio's Ecotours. Die erste Stunde der Fahrt war gut zu bewältigen, wenn man die bröckelnden Ränder mied; die letzten dreißig Minuten waren eine langsame Ratterfahrt über eine holprige Schotterstraße. Wir sahen keine anderen Fahrzeuge, die in diese Richtung fuhren. Nach der Tour wollten wir den ganzen Weg zurück nach San Ignacio fahren und dann auf den Highway 1 in Richtung Süden nach Mulegé abbiegen, in der Hoffnung, einen Platz im Huerta Don Chano RV Park zu finden. Als wir um 10:00 Uhr bei Antonio's ankamen, war es 16 °C warm, mit einem schneidenden Wind unter einem wolkenlosen blauen Himmel. Wir bezahlten unsere Tour in US-Dollar, tranken Tee und Kaffee und warteten auf die Rückkehr der vorherigen Bootstour, die 45 Minuten später eintraf. Sieben von uns stiegen an Bord. Die Lagune war spiegelglatt und dank unserer Schwimmwesten und dem ruhigen Wasser gab es fast keine Spritzer. Wir sahen Wale aus nächster Nähe, wenn auch weniger als bei unserer vorherigen Tour. Unser Guide vermutete, dass dies an den ruhigen Bedingungen lag, da Grauwale offenbar unruhiges Wasser und eine leichte Brise bevorzugen. Ich war fasziniert, als unser sachkundiger Guide die strengen Regeln erklärte, die befolgt werden müssen, um innerhalb des ausgewiesenen Bereichs der Lagune zu bleiben, damit er seine Walbeobachtungstouren durchführen kann. Von den Sanddünen auf der anderen Seite der Lagune bis zur entfernten Landzunge markiert eine imaginäre Linie den Beginn der Walbeobachtungszone. Es dauert 15 Minuten bei voller Geschwindigkeit, um die imaginäre Linie zu erreichen. Sobald wir uns innerhalb der Zone befanden, funkte der Kapitän des Bootes den „Sheriff” an, der die Ankunft und Abfahrt jedes Bootes protokollierte. Nur sechzehn Boote dürfen sich gleichzeitig in der Walbeobachtungszone aufhalten, wobei jedes Boot neunzig Minuten Zeit hat, bevor es Platz für das nächste Boot machen muss. Insgesamt sind das etwas mehr als zwei Stunden auf dem Wasser. Es ist noch früh in der Saison und es gibt etwa 120 Grauwale in der Lagune, darunter eine Handvoll Mütter mit Kälbern. Diese Mütter und Kälber bleiben im ruhigeren oberen Teil der Lagune, da die Kälber mit sehr wenig Fett geboren werden. Die Gezeiten sind stark, besonders um den Neumond herum, und der schmale Kanal in der Lagune kann wie ein Fluss fließen. Später im März werden die Mütter nach Süden ziehen, um ihre Kälber zu stärken, bevor sie die lange Wanderung nach Norden zu den arktischen Nahrungsgründen im Beringmeer antreten. Diese Grauwale legen jedes Jahr Tausende von Kilometern zurück. Die meisten Weibchen kommen bereits trächtig an und gebären in der relativen Wärme und Geborgenheit der Lagunen von Baja. Grauwale werden im Alter zwischen acht und zwölf Jahren geschlechtsreif und können alle zwei Jahre ein Kalb zur Welt bringen, werden jedoch nicht jedes Mal schwanger. Sie können alle zwei Jahre ein Kalb bekommen, bis sie sterben. Niemand weiß es genau, aber man schätzt, dass sie zwischen achtzig und hundert Jahre alt werden. Es gibt andere Walarten, wie den Grönlandwal, die ein hohes Alter von 250 Jahren erreichen können. Die Population der Grauwale ist jedoch stark zurückgegangen, von etwa 27.000 vor einem Jahrzehnt auf heute nur noch etwa 13.000. Die Ursache dafür liegt weit im Norden. Grauwale ernähren sich von winzigen, fettreichen Amphipoden, die von Algen leben, die unter dem arktischen Meereis wachsen. Da sich weniger Eis bildet, gibt es weniger Nahrung. Selbst ein geringer Anstieg der Meerestemperatur kann sich auf das gesamte Ökosystem auswirken. Schuld daran ist der Klimawandel. Orcas sind die Feinde der Grauwale und warten direkt außerhalb der Lagune, um die Grauwale anzugreifen. Einige wenige sind einmal in die Lagune eingedrungen und haben ein Kalb und einen Delfin getötet, aber seitdem wurden sie nicht mehr gesehen. Vorerst sind die Wale noch hier, also genießen wir sie, solange wir können. Als wir vom Boot stiegen, wartete bereits das im Voraus bezahlte Essen auf uns. Wir waren verschwitzt und hungrig, nachdem wir in unseren Schwimmwesten geschwitzt hatten, und eine kalte Coca-Cola stärkte uns für die 90-minütige Fahrt zurück nach San Ignacio. Wir hätten kurz nach Mittag aufbrechen sollen. Tatsächlich war es wegen der verspäteten Abfahrt unserer Tour und dem Essen fast 14:00 Uhr. Ich fuhr die schreckliche Waschbrett-Schotterstraße entlang und wir wechselten uns ab, als wir die Asphaltstraße erreichten, und wechselten eine Stunde später in der Stadt erneut. Die Highway 1 führte durch die Berge und über das Rückgrat von Baja California Sur und fiel dann in Richtung des Golfs von Kalifornien ab. Wir passierten eine schreckliche Staubwüste namens Santa Rosalia. Um 18:22 Uhr ging die Sonne unter und wir hatten noch viele Kilometer vor uns, aber wir konnten auf den holprigeren Straßenabschnitten nicht die Geschwindigkeit halten. Um 17:55 Uhr rollten wir endlich unter dem Steinbogen hindurch und kamen nach Mulege. Wir hatten unterwegs keinen anständigen Supermarkt gefunden, und ich hielt beim ersten Supermarkt an, den wir sahen. Ein paar Minuten nachdem wir im Supermarkt waren, rief ein Kunde: „Wem gehört der weiße Lieferwagen, da steht eine Polizistin davor?“ Wir eilten hinaus, aber sie hatte bereits das vordere Nummernschild entfernt und schrieb einen Strafzettel. Anscheinend war es illegal, neben einem Bordstein zu parken, auf dem verblasste rote Farbe zu sehen war. Kein noch so großes Feilschen konnte sie umstimmen. Ich musste ihr in ihrem Polizeipickup zur Polizeistation folgen. Sie wollte, dass ich neben einem anderen Bordstein mit roter Farbe parke. Ich sagte, das sei illegal, da wir gerade wegen des Parkens neben einem solchen Bordstein mit einem Bußgeld belegt worden waren. Keine Sorge, das sei Polizeiarbeit. Gegen die mexikanische Polizei kommt man nicht an! Wir mussten 700 MX$ (30 £) Strafe zahlen und erst dann bekamen wir unser Nummernschild zurück. Meine Bitte um einen Schraubenzieher, um das Nummernschild wieder anzuschrauben, stieß auf Unverständnis. Wir waren nicht gerade glücklich und es war sicherlich nicht einer unserer schönsten Momente auf dieser Reise. Zum Glück war der Huerta Don Chano RV Park am Flussufer weniger als fünf Minuten entfernt und als wir dort ankamen, hatten sie noch Platz. Stellplatz 16 war mit ausgezeichnetem WLAN, Wasser, Waschbecken und einem Tisch mit Tischböcken ausgestattet. Lisa kochte ein einfaches Essen aus Kartoffeln, Zucchini, Zwiebeln, schwarzen Bohnen und Sardinen, und ein paar kalte Biere verbesserten unsere Laune. Wir montierten die Thermoscheiben gegen die Kälte, da die letzten Nächte besonders kalt gewesen waren, und beendeten den Tag mit einem Film auf Netflix. 22. Februar 2026 Wir hatten wieder eine schlechte Nacht. Ich war um 5:30 Uhr wach und setzte mich dann mit meinem Tagebuch hin, während Lisa im Bett weiter an ihrem schrieb. Es war eine sehr kalte Nacht gewesen und es blieb auch so, bis die Sonne endlich über den umliegenden Hügeln aufging und unseren Stellplatz erwärmte. Das Frühstück war einfach, aber zufriedenstellend: Spiegeleier, gebratene Bohnen, Brot und Käse, dazu mehrere Tassen Tee. Der Fischverkäufer tauchte nicht auf, obwohl unser Gastgeber gesagt hatte, er würde zwischen 10:00 und 12:00 Uhr vorbeikommen. Am frühen Nachmittag gaben wir das Warten auf, duschten und gingen in die Stadt, um den empfohlenen Supermarkt in der Nähe des Steinbogens am Ortseingang zu suchen. Die Straße vom Campingplatz in die Stadt war schmal, hatte zwei Kurven und keine Gehwege, sodass wir vorsichtig sein mussten, da mexikanische Autos groß und unnachgiebig sind. Der Supermarkt war eine weitere Enttäuschung, da es nur sehr wenige frische Produkte gab. Es gab auch kein Hähnchenfleisch im Angebot. Wir mussten danach fragen, wonach eine Verkäuferin aus einem Raum nebenan eine Plastiktüte mit gefrorenen Stücken, zwei Keulen und einem Stück Brust, holte. Allerdings hatten sie chilenischen Wein im Sortiment, also kauften wir vier Flaschen Rotwein. Auf dem Rückweg machten wir Halt im Histórico Las Casitas, direkt am Hauptplatz, dem Parque Miguel Hidalgo. Es war ein charmantes, traditionelles Hotel im mexikanischen Stil mit rustikalem, altmodischem Flair, vielleicht etwas veraltet, aber voller Charakter. Wir fanden einen Tisch im Schatten eines alten Baumes im Garten und bestellten Getränke. Ich nahm eine Dose Coca-Cola, während Lisa mutig Tee bestellte. Wie in Mexiko üblich, kam er lauwarm. Ich brachte ihn zurück, tauchte einen Finger hinein, um zu demonstrieren, was ich meinte, und bat um einen heißen. Wir verbrachten dort sehr angenehme neunzig Minuten, genossen den Schatten und holten Nachrichten und E-Mails nach. Ein wirklich sehr schöner Ort. Danach schlenderten wir durch die verschlafene Stadt zurück zu unserem Wohnmobil-Campingplatz und verbrachten einen faulen Nachmittag, machten uns noch eine Tasse Tee, lasen und beantworteten Emails, bis die Sonne hinter den Hügeln verschwand. Später kochten wir ein entspanntes Abendessen mit den inzwischen aufgetauten Hühnerteilen und schauten den Film weiter, den wir auf Netflix angefangen hatten. 23. Februar 2026 Es war wieder eine kalte Nacht im Wohnmobil, aber sobald die Sonne über den umliegenden Hügeln aufging, ließ die Kälte schnell nach. Wir standen um 6 Uhr auf, schrieben still unsere Tagebücher und genossen dann ein entspanntes Frühstück mit Spiegeleiern, Käse und Brot. Nach einer heißen Dusche machten wir den Camper bereit, um Mulegé zu verlassen und nach Playa Santispac zu fahren, das nur 22 km entfernt und in 24 Minuten zu erreichen war. Nach unseren letzten langen Fahrten fühlte sich das wunderbar einfach an. Wir hielten an, um zu tanken und in einem kleinen Laden neben der Straße Fisch aus einer Kühlbox zu kaufen. Wir kauften 2 kg gefrorenen Tintenfisch für 250 MX$ (10,68 £), den ich an zwei Abenden zubereiten will. Playa Santispac liegt an der Bahia Concepcion, an der Küste des Golfs von Kalifornien. Es ist ein wunderschöner, abgelegener Sandstrand, umrahmt von Wüstenbergen und ruhigem, türkisfarbenem Wasser. Er ist bei Wohnmobilisten beliebt, bekannt für sicheres Schwimmen, Kajakfahren und Schnorcheln und bietet eine Handvoll Palapas (schattige Hütten) als Sonnenschutz. Es handelt sich um einen klassischen „Boondocking”-Trocken-Campingplatz mit minimaler Ausstattung, der 200 MX$ (8,54 £) pro Nacht kostet. Verkäufer kommen vorbei und bieten frisches Brot und Fisch an, aber ansonsten ist man auf seine eigenen Vorräte angewiesen. Wir zahlten 600 MX$ für drei Nächte, einschließlich Palapa, und fuhren rückwärts auf unseren Stellplatz, nur wenige Meter vom Wasser entfernt. Wohnmobile standen am Ufer, alle mit Blick auf die ruhige Bucht. Unser Wohnmobil war eines der kleinsten. Das Wohnmobil unseres Nachbarn war riesig, mit Auszügen, einer hinteren Plattform und einer Markise, perfekt für Sundowner mit Blick auf das Meer. Er und seine Frau waren seit drei Monaten dort und wollten bis Ostern bleiben. Das war ihr Zuhause. Wir verstanden uns gut mit ihm und einem seiner beiden Chihuahuas. Er mochte uns wohl, denn er war so freundlich, uns sein Starlink-WLAN-Passwort zu geben. So konnten wir nicht nur Nachrichten und E-Mails abrufen, sondern auch Netflix schauen. Er arbeitete als Motorradmechaniker für ein amerikanisches Top-Rennteam, und wenn die Saison begann, fuhr seine Frau ihn zum Flughafen Loreto, damit er zu den jeweiligen Rennstrecken fliegen konnte. Wassertankwagen fuhren auf dem Gelände herum und boten Nachfüllungen für die größeren Fahrzeuge an. Wir nutzten einen davon, um unsere beiden 10-Liter-Plastikwasserflaschen aufzufüllen. Es gibt vor Ort Entsorgungsstationen, die jedoch kostenpflichtig sind, obwohl das Manövrieren einiger dieser Wohnmobile nicht einfach sein dürfte. Da es keine Stromanschlüsse gab, waren alle auf Solarenergie angewiesen. Überall standen Sonnenkollektoren, die alle zur Sonne ausgerichtet waren. Unser Nachbar zog sein Wohnmobil mit einem großen Ford-Pickup, der selbst einen großen abschließbaren Container transportierte. Wie ich später herausfand, befanden sich in dem Container eine Pumpe und eine Entsorgungsstation. Er schloss die Pumpe an den Abfluss seines Wohnmobils an, saugte den Abfall in die Entsorgungsstation seines Pickups und fuhr, wenn diese voll war, mit seinem Pickup zur Entsorgungsstation des Campingplatzes und leerte sie dort. War all diese Umständlichkeit die Mühe wert? Nun, er war auch schon seit über drei Monaten auf dem Campingplatz. Außerdem hatte er etwas mitgebracht, das wie ein Zodiac-Gummiboot aussah, ein Motorrad und zwei hochwertige Fahrräder. Eine ziemlich umfangreiche Reiseausrüstung. Lisas Büro Arbeitsplatz. Der Strand fällt sanft ab, sodass man ein Stück hinauswaten muss, bevor man richtig schwimmen kann. Der größte Nachteil für uns war die Toilettensituation. Ein kleines Restaurant vor Ort hatte angemessene Einrichtungen, die jedoch nur zugänglich waren, wenn man dort etwas aß oder trank. Es öffnete erst gegen 11:00 Uhr und schloss zwischen 19:00 und 20:00 Uhr. Es gibt drei Toilettenblöcke auf dem Campingplatz, aber sie sind sehr einfach: keine Türen, keine Beleuchtung, keine Sitze und keine Spülung. Nach Einbruch der Dunkelheit ist eine Taschenlampe unerlässlich, und es ist ratsam, vor dem Betreten vorsichtig mit den Füßen zu stampfen – nur für den Fall. Wenn man sein Geschäft erledigt hat, füllt man einen Plastikeimer aus einem der Wasserfässer draußen und schüttet ihn in die Toilette. Ganz einfach, aber nicht gerade luxuriös. Dennoch, als die Sonne über der Bucht unterging und das Wasser sich in einem tieferen Blauton färbte, schien es ein geringer Preis dafür zu sein, einen so friedlichen, schönen Ort genießen zu können. Es war Nachmittag, als wir uns eingerichtet hatten. Nachdem wir unsere Tagebücher aktualisiert hatten, machten wir einen langen Spaziergang entlang beider Seiten unseres Strandes. Wir befinden uns in den Wüstenbergen und wenn die Sonne hinter ihnen untergeht, werfen sie lange Schatten und dann sinkt die Temperatur merklich. Ich bereitete die ganze 2-kg-Packung Tintenfisch zu. Am Nachmittag hatten wir ein Kilo gefrorene Riesengarnelen von einem Mann, der im Camp Fisch verkaufte, erstanden und tauten einige davon auf, um sie als Vorspeise zu unserem Tintenfisch zu servieren. Die Zubereitung des Tintenfischs war keine leichte Aufgabe, sondern ziemlich chaotisch, und ich musste sparsam mit unserem kostbaren Wasser umgehen, also wusch ich ihn im Meer. Es war viel Tintenfisch, also schnitt ich ihn in kleine Stücke und teilte ihn in zwei Portionen auf. Die andere Hälfte heben wir für das Abendessen morgen auf. Wir bereiteten uns auf den Abend vor und stellten unseren Campingtisch und unsere Stühle hinter unserem Wohnmobil mit Blick auf die Bucht auf. Ein kaltes Bier um 18:00 Uhr läutete unseren Abend ein. Hier inmitten der Berge wird es schnell dunkel und wir begannen mit in der Pfanne gebratenen Riesengarnelen. Köstlich! Als nächstes gab es Tintenfisch. Einige waren etwas zäh, was meine Schuld war, da ich sie bei der Zubereitung nicht geklopft hatte. Trotzdem waren die meisten davon perfekt. Wir aßen auf dem Schoß, nippten an unserem Wein und blickten über die Bucht, die nun vom Viertelmond beleuchtet wurde. Danach wuschen wir ab und schauten dank unseres Nachbarn etwas auf Netflix im Bett, und um 21 Uhr schliefen wir schon tief und fest. 24. Februar 2026 Es war ein wunderbar fauler Tag. Wir taten kaum mehr, als die Ruhe zu genießen und unter unserer Palapa zu faulenzen, während unsere Stühle fest im Sand steckten. Lange, gemächliche Spaziergänge entlang der Küste füllten die Stunden, während das ruhige Wasser der Bahía Concepción neben uns glitzerte. Am Abend wandte ich meine Aufmerksamkeit dem restlichen Tintenfisch zu. Entschlossen, den Fehler des vergangenen Abends nicht zu wiederholen, legte ich ihn in unsere Metallpfanne und schlug ihn gründlich mit einem großen Stein, den ich früher am Tag vom Strand mitgenommen hatte. Einige der dickeren Tentakel schnitt ich in kleinere Stücke, bevor ich sie mit Zwiebeln und Tomaten in der Pfanne briet. Das Ergebnis war köstlich, zart, aromatisch und umso besser, da wir es bei einer Flasche Wein genossen, während das Licht über Playa Santispac langsam verblasste. Lektion gelernt: Nie wieder werde ich vergessen, den Tintenfisch vor dem Kochen zu klopfen. Wie wir hier festgestellt haben, gehen die meisten Menschen früh schlafen und stehen früh auf. Egal, wie früh wir unseren Wecker stellen, um den Sonnenaufgang zu sehen, es gibt immer jemanden, der schon wach ist und still beobachtet, wie das erste Licht über den fernen Wüstenhügeln erscheint. 25. Februar 2026 Wir hatten kaum noch Wasser und brauchten Vorräte, idealerweise Fisch, sonst Huhn. Da wir wussten, dass die Tankstelle auf dem Weg zurück nach Mulegé Wasser vorrätig hatte, fuhren wir nach dem Frühstück von Playa Santispac los. Wir kauften zwei 5-Liter-Plastikflaschen Wasser, aber es gab weder gefrorenen Fisch noch Hähnchen oder Gemüse. Auf der anderen Straßenseite befanden sich zwei kleine Läden, ein OXXO und ein lokaler Minimarkt. Wir kauften Saft im OXXO, da wir bereits wussten, dass dort selten Tiefkühlkost oder frische Produkte vorrätig sind, und probierten es dann im kleineren Laden. Dort kauften wir sechs Eier und ein Stück gefrorenes Hähnchenfleisch. Als Lisa die Eier in eine kleine Plastiktüte packte, zerbrach eines davon, aber die Besitzerin ersetzte es freundlicherweise, wusch die anderen und lehnte die Bezahlung für das zerbrochene Ei ab. Lächelnd sagte sie, sie würde es zu Mittag essen. Zurück im Camp machten wir uns auf zu einem weiteren langen Spaziergang entlang beider Seiten der Bucht von Bahía Concepción und genossen die Hitze und Stille des Nachmittags. Später traf eine Gruppe Motorradfahrer ein und versammelte sich im Restaurant. Wir kamen ins Gespräch und stellten schnell fest, wie irreführend Stereotypen sein können. Weit entfernt vom Klischee der in Leder gekleideten Outlaws waren sie eine freundliche, gebildete Gruppe von Freunden aus Mittel- und Südamerika, die gemeinsam mit ihren Frauen und Freundinnen durch Baja California tourten. Sie sprachen ausgezeichnetes Englisch und hatten jede Menge Geschichten zu erzählen. Wir machten Fotos für sie mit ihren Kameras, während die Frauen am Strand schwammen und sich entspannten. Mit ihnen reiste ein großer Begleitwagen, der das Gepäck und bei Bedarf auch ein kaputtes Motorrad transportierte. Als der Nachmittag in den Abend überging, begann eine andere Gruppe im Restaurant, einen Geburtstag zu feiern. Es wurde getrunken, Musik gespielt, und schon bald hatten sich die beiden Gruppen zu einer fröhlichen Runde zusammengeschlossen, während der Tag langsam zur Nacht wurde. Vernünftigerweise verzichteten die Motorradfahrer auf Alkohol, aber der Begleitwagen erwies sich als nützlich, als das Restaurant schloss und die ausgelassenen Nicht-Motorradfahrer, Ehefrauen und Freundinnen zurück zu ihrem Hotel brachte, wo sie singend in der Dunkelheit verschwanden. Wir zogen uns in unseren Wohnwagen zurück, da das WLAN des Nachbarn zu schwach für Netflix war, und schauten uns stattdessen ein Musikvideo an, bevor wir schlafen gingen. 26. Februar 2026 Wir hatten einen gemütlichen Start, saßen um 06:30 Uhr hinter dem Wohnmobil und beobachteten den Sonnenaufgang über Bahía Concepción. Unsere Freunde ein paar Buchten weiter waren bereits aufgestanden, brachen ihr Lager ab und bereiteten sich darauf vor, nach Norden zu fahren, um langsam nach Los Angeles zurückzukehren. Auch wir machten uns auf den Weg, in unserem Fall Richtung Süden, nach Playa El Requesón, nur 18 km entfernt. Wie Playa Santispac ist auch dieser Strand in der Bucht ein beliebter Ort für Trockencamping. Nach einem Frühstück mit Brot, Käse und Spiegeleiern brachen wir um 10:00 Uhr auf, in der Hoffnung, unterwegs frisches Gemüse, insbesondere Avocados, zu finden. Nach etwa 10 km bogen wir in Richtung eines kleinen Dorfes ab. Dort gab es ein bescheidenes Hotel, in dem unsere Motorradfreunde vom Vortag übernachtet hatten, und wir begrüßten sie erneut, als sie auscheckten, um ihr Baja-Abenteuer fortzusetzen. An das Hotel angeschlossen war ein winziges Restaurant/Geschäft, in dem wir etwas widerwillig drei Avocados für 70 MX$ (3,50 £) kauften. In Oaxaca hatten wir 40 MX$ pro Kilo bezahlt, aber Not kennt kein Gebot. Am späten Vormittag kamen wir in Playa El Requesón an und zahlten 500 MX$ (21,20 £) für zwei Nächte, inklusive Palapa. Wir parkten rückwärts ein, mit dem türkisfarbenen Wasser der Bahia vor uns und den Wüstenbergen dahinter. Eine steife Brise hatte jedoch andere Pläne und blies unsere Stühle um, sodass ich sie zusammenklappte und den Tisch auf den Kopf stellte, bis sich die Lage beruhigt hatte. Bei 34 °C, wobei die Hitze sowohl vom Sand als auch vom Wasser reflektiert wurde, war der Wind zumindest eine kühlende Wohltat. Bald kam ein Reisebus mit einer Reisegruppe aus Mexiko-Stadt für einen Tagesausflug an den Strand. Ihr Nachmittag nahm eine dramatische Wendung, als der Bus eine Reifenpanne hatte und sie auf die Reparatur warten mussten. Die Stimmung blieb gut und sie genossen das seichte Wasser, bis einer aus der Gruppe auf einen Stachelrochen trat. Er wurde mit blutendem Fuß zurück an den Strand getragen, während ein vorbeifahrender Pickup, der Ceviche verkaufte, glänzende Geschäfte machte. Wir kauften eine Portion für 300 MX$ (ca. 13 £) und sie war ausgezeichnet. Obwohl der Strand für Schwimmen und Schnorcheln bekannt ist, muss man mehr als 100 Meter waten, um tieferes Wasser zu erreichen. Später hörten wir, dass Stachelrochen hier häufig vorkommen und dass am Vortag drei Menschen gestochen worden waren, was uns davon abhielt, uns ins Wasser zu wagen. Der Bus fuhr schließlich gegen 16:30 Uhr los, nachdem das Rad repariert worden war. Um 17:15 Uhr war die Sonne hinter den Bergen verschwunden. Es war immer noch heiß und windig, also öffneten wir ein kaltes Bier, bevor wir das Abendessen zubereiteten, unsere letzten Riesengarnelen. Ich wusch sie in Meerwasser, während Lisa Knoblauch hackte. Ich nutzte den Wohnwagen als Windschutz, befestigte unsere Außenlampe an der Motorhaube unseres Fahrzeugs und kochte die Riesengarnelen in zwei Portionen. Als das Tageslicht fast vollständig dem Mondlicht wich, fühlte es sich magisch an, am Wasser zu sitzen, unter dem Sternenhimmel über die Bahia zu blicken und unsere köstlichen Riesengarnelen und unsere Flasche Wein zu genießen. Nachdem wir aufgeräumt hatten, was beim Trockencamping keine leichte Aufgabe ist, gingen wir ins Bett und schauten uns auf meinem iPad den Anfang des Films „Yesterday“, eine Beatles-Komödie, an, die ich auf meinem IPad hatte. Um 21:15 Uhr schalteten wir das Licht aus und schliefen ein. Der Rest des Wohnmobilstellplatzes war totenstill, da alle anderen bereits tief und fest schliefen. 27. Februar 2026 Wir standen um 06:15 Uhr auf und trugen unsere Stühle zum Wasser hinunter, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Der starke Wind hatte nachgelassen und die feurige Kugel der aufgehenden Sonne stieg langsam hinter den Wüstenbergen auf und wärmte uns, während sie höher stieg. Danach kochten wir Tee und aßen unser übliches Frühstück mit Spiegeleiern, heute mit Toast und Oaxaca-Käsestreifen. Wir folgten einem steinigen Pfad neben unserem Strand, der zur nächsten Sandbucht führte, die nur zu Fuß erreichbar war. Das Wasser war wunderschön klar, aber wer weiß, was darunter schwamm. Wir gingen zurück und entlang des Sandes auf der anderen Seite unseres Stellplatzes und trafen ein deutsches Paar aus Fulda. Sie hatten ihr Wohnmobil von Hamburg nach Baltimore verschifft und verbrachten ein Jahr damit, Nordamerika und Baja Kalifornien zu bereisen. Sie waren auf dem Weg nach Loreto, unserem Ziel für morgen, also würden wir sie vielleicht wiedersehen. Zurück im Camp war eine nervige Familie angekommen, die zu nah geparkt hatte und ihr Auto als Windschutz benutzte, wodurch sie teilweise unsere Aussicht versperrte. Am Nachmittag besiegten die Hitze und der Staub sie und sie fuhren zur Erleichterung aller wieder weg. Unsere anderen Nachbarn waren weitaus umgänglicher: eine mexikanische Familie aus Tijuana, die ordentlich unter einer Palapa campte, und auf der anderen Seite ein chilenischer Zimmermann aus Toronto und seine Frau, die in seinem Lieferwagen schliefen, um dem kanadischen Winter zu entfliehen. Die Brise hielt die Temperaturen unter 30 °C, machte es uns aber unmöglich zu duschen, da wir die hinteren Türen offen lassen mussten und der Wind das Wasser direkt auf unser Bett geweht hätte. Wir stellten unseren Kocher vor unserem Wohnmobil auf, um ihn als Windschutz zu nutzen, und kochten die Hälfte des Hähnchens, das wir zuvor gekauft hatten. Der Chilene aus Toronto kam auf einen Plausch vorbei, blieb 30 Minuten und fragte, ob wir ein paar warme Empanadas mit Käse und Sahne möchten, die seine Frau gerade zubereitet hatte. Ja, bitte! Als er zurückkam, nahm er gerne eine Tasse Wein als Gegenleistung an. (Wir haben keine Gläser.) Später am Abend zündete die mexikanische Familie eine der Feuerstellen am Strand mit einem dramatischen Zischen an, nachdem sie etwas Benzin darauf gegossen hatte. Wir gesellten uns zu ihnen und der Vater zeigte uns Fotos von einer ihrer Walbeobachtungstouren. Es fiel uns schwer, uns schließlich zu verabschieden. Zuvor waren drei riesige US amerikanische Wohnmobile angekommen, deren Seiten ausgefahren und mit Kegeln umgeben waren. Sie dominierten den Campingplatz und standen in starkem Kontrast zu unseren bescheidenen Unterkünften und der unkomplizierten Großzügigkeit unserer Freunde aus Mexico und Chile. Ein weiterer Tag in Baja: Wüstenmorgendämmerung, wechselnde Winde und das gesamte Spektrum des Campervan-Lebens. Nachgedanken: Am Nachmittag kamen wir auf einem unserer Spaziergänge am Strand an diesen riesigen Wohnmobilen vorbei. Zwischen zwei Wohnmobilen hatten sie Tische aufgestellt und sie und einige ihrer Freunde tranken reichlich Alkohol. Es war wie in den alten Wildwestfilmen, nur mit einem modernen Touch. Wohnmobile statt Pferde und Wagen, die am Ende des Tages eine Wagenburg bildeten. Was für ein Unterschied zu unseren neu gewonnenen Freunden. Je größer das Wohnmobil und je größer und leistungsstärker der Pick-up, desto höher der Status. Es war, als würden sie mit ihrem Reichtum prahlen. Diese Wohnmobile sind riesig und die Straßen entlang der bergigen kalifornischen Baja im Norden und Süden sind so schmal. Ich verstehe nicht, warum zwei Personen und der unvermeidliche Hund (sie scheinen alle Hunde zu haben) Tausende von Kilometern in solch riesigen Wohnmobilen herumfahren wollen. Apropos Hunde: Sie lassen diese Hunde vor Ort laufen und viele von ihnen entfernen die Hinterlassenschaften ihrer Hunde nicht, sodass man aufpassen muss, wo man hintritt. Wir wurden zuverlässig informiert, dass Amerikaner praktisch in ihren Wohnmobilen leben, weil sie kein Spanisch sprechen oder verstehen können. ----------------------------------------- Lieber Leserinnen und Leser, leider ist der Blog wieder mal voll und wir müssen für die restlichen Berichte einen neuen Blog einrichten, Teil 4. Dort gibt es Berichte über den Rest unseres Baja-Kalifornia Aufenthalts und unsere letzten Tage in Mexiko Stadt. Siehe Link: https://www.rememberrelatereflect.com/post/vamos-amigos-komm-mit-uns-nach-mexico-teil-4-unseres-travelblogs Der Norden, 7. bis 14. Februar 2026 Chihuahua und Copper Canyon 7. bis 10. Februar 2026 Lisa: 7. Februar 2026 Als wir am Flughafen in Chihuahua ankamen, herrschte eine unheimliche Atmosphäre. Der Himmel war von schwarzen Wolken bedeckt, die jeden Moment zu platzen drohten. Wir schafften es gerade noch mit dem Taxi zum Hotel, bevor es zu nieseln begann. Es war sehr kalt. Wir checkten bei einem mürrischen Rezeptionisten ein. Wir wussten nicht, was mit ihm los war, wahrscheinlich war er zutiefst von seinem Leben gelangweilt oder unzufrieden. Es war auch sehr ruhig – niemand im Restaurant, niemand sprach, nur der Fernseher lief laut. Wir hatten schon einmal in diesem Hotel übernachtet und hatten es in guter Erinnerung. Damals blieben wir nur ein paar Stunden, da wir spät in der Nacht mit dem El Chepe-Zug aus Los Mochis angekommen waren und früh am Morgen zum Flughafen aufbrachen. Dieses Mal wollten wir die Tour umgekehrt machen, in Chihuahua beginnen und mehr von der Stadt kennenlernen, die uns gefallen hatte, bevor wir mit dem Bus nach Creel fahren, um den Copper Canyon zu erkunden und schließlich mit dem El Chepe-Zug nach Los Mochis zu reisen. Das war der Plan. Als wir uns am Samstagabend auf die Suche nach einem Restaurant machten, war es eiskalt. In der Gegend, in der unser Hotel lag, war am Samstagabend nicht viel los und wir hatten keine Lust, in der Kälte weit zu laufen. Wir kehrten zum Hotel zurück und aßen im Restaurant eine köstliche Hühnersuppe – genau das Richtige, um uns aufzuwärmen. Wir waren müde und gingen auf unser Zimmer. 8. Februar 2026 Am nächsten Morgen standen wir früh auf und arbeiteten an unserem Blog. Es hatte über Nacht geregnet und die Straßen waren nass und voller Pfützen. Der Himmel war grau und es schien kein Tageslicht zu geben. Um 10 Uhr gingen wir frühstücken. Das Frühstück im Hotel sah nicht besonders einladend aus. Auch in der Umgebung fanden wir nichts Passendes. Es gab ein paar Stände, an denen Frauen Essen verkauften, aber das sah auch nicht besonders einladend aus. Ein paar Männer drängten sich um das Feuer der Frauen, um sich aufzuwärmen, zu essen und ein heißes Getränk zu trinken. Sie sahen aus, als hätten sie auf der Straße geschlafen oder zumindest an einem Ort, der weder bequem noch warm war. Kein Wunder, dass ihnen kalt war, denn um 10 Uhr morgens betrug die Temperatur etwa 10 Grad, in der Nacht war sie auf 2 Grad gefallen. Die Stadt ist in den letzten Jahren gewachsen und hat mehr Einwohner, aber auf uns wirkte sie vernachlässigt und heruntergekommen. Zumindest in den Gegenden, die wir gesehen hatten, waren viele Geschäfte geschlossen und mit Brettern vernagelt, Häuser waren unbewohnt und die Straßen und Gehwege waren schmutzig und voller Müll. Um 11 Uhr an einem Sonntagmorgen waren die Straßen leer; kaum jemand war unterwegs. Nur ein paar ältere Autos fuhren herum. Schließlich fanden wir ein nettes Café. Eine junge Frau war gerade dabei, den Boden zu wischen. Sie machte uns Paninis mit Schinken und Käse zum Frühstück mit Cappuccino und hatte sogar Twinings-Grüntee (keinen Schwarztee). Wir genossen unser Frühstück und ließen die Atmosphäre des Cafés auf uns wirken. Es gab Regale mit Büchern, die die Kunden lesen konnten, und Brettspiele zum Spielen. In der Ecke stand ein Klavier, das zum Spielen bereitstand. Es war eine sehr geschmackvolle Einrichtung. Wir waren froh, es gefunden zu haben. Wir waren die einzigen Gäste. Ich unterhielt mich mit der netten jungen Dame und sie erzählte uns, dass wir vielleicht sogar die einzigen Gäste an diesem Tag sein würden. Sie hatte das Café vor etwa drei Monaten eröffnet, aber bisher lief das Geschäft sehr schleppend. Wir wünschten ihr viel Erfolg für ihr Geschäft und viele zukünftige Gäste und setzten dann unseren Spaziergang durch Chihuahua fort. Ein paar Blocks weiter befand sich der Bahnhof El Chepe, und wir wollten unbedingt Fotos von dem berühmten Zug machen. Leider sind der Bahnhof und sein Museum sonntags geschlossen. Wir konnten den Zug nur durch die Gitterstäbe eines riesigen Zauns sehen. Wir setzten unsere Erkundung fort und kamen am örtlichen Gefängnis, der Penitenciaria del Estado, vorbei. Das Gefängnis ist überfüllt und voller Gangmitglieder, die oft in gewalttätige Kämpfe verwickelt sind. In den Jahren 2024 und 2025 wurden nach gewalttätigen Vorfällen viele hochgefährliche Häftlinge und Gangmitglieder in Hochsicherheitsgefängnisse verlegt, um die Überbelegung und Gewalt zu reduzieren. Das berühmte Gefängnis in Chihuahua Ein paar Häuser weiter vom Gefängnis entfernt befindet sich die berühmte Kirche Sagrado Corazón de Jesús. Es war mittlerweile 13 Uhr, und als ich hineinging, warteten die Gläubigen auf den Beginn der Sonntagsmesse. Einige Leute in blauen T-Shirts verteilten Plastiktüten an die Gläubigen; soweit ich sehen konnte, enthielten sie Lebensmittel. Mir wurde gesagt, dass es sich nicht um eine besondere Veranstaltung handelte, sondern einfach um eine Gemeinschaft, die sich um andere kümmert. Draußen auf der Straße wurde es plötzlich lebhafter, als Autos mit Kirchgängern vorfuhren, während andere ihre Familien zum Sonntagsessen in Restaurants fuhren. Ältere Autos wurden durch neuere und größere Autos ersetzt. Es war also offensichtlich, dass nicht ganz Chihuahua arm und heruntergekommen war. Wir kamen auch an schönen Häusern vorbei. Dave musste auf die Toilette, also gingen wir in ein Happy Chicken Restaurant (Feliz Pollo) und tranken ein Erfrischungsgetränk. Außer uns saß nur noch eine andere Frau dort und aß zu Mittag. Auch dort lief das Geschäft schleppend. Es schien, als gäbe es eine klare Trennung zwischen den noblen Restaurants, die von Menschen mit teuren Autos und schönen Häusern frequentiert wurden, und dem Rest der Bevölkerung. Wir beschlossen, mit dem Bus zurück zum Hotel zu fahren, weil Daves Fuß schmerzte. Er hatte sich in Sayulita verletzt, als er barfuß auf einen scharfen Stein am Strand getreten war, und seine Schuhe rieben an der Wunde. In einer Apotheke um die Ecke kauften wir einige große Pflaster, um die Wunde abzudecken. Dann nahmen wir den Bus, der uns am historischen Zentrum mit der Plaza de Armas vorbeifuhr, nach der wir gesucht hatten. Nach weiteren 10 Minuten hielt der Bus gleich um die Ecke von unserem Hotel. Mittags kam die Sonne heraus und es wurde etwas wärmer, aber um 16 Uhr war der Himmel mit schweren Regenwolken bedeckt und es war wieder kalt geworden. Den Rest des Nachmittags verbrachten wir damit, am Blog zu arbeiten. Am Abend machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant, konnten aber wieder einmal keines in Laufnähe finden, sodass wir zur Hühnersuppe im Hotel zurückkehrten. 9. Februar 2026 Es hatte wieder die ganze Nacht geregnet und am Montagmorgen verdunkelten dunkle Wolken den Himmel. Wir standen früh auf, arbeiteten am Blog, packten dann unsere Sachen und machten uns um 8 Uhr auf die Suche nach einem Frühstück. Wir hatten gehofft, dass am Montagmorgen das Leben in der Stadt wieder seinen gewohnten Gang nehmen würde und die Cafés geöffnet wären, damit die Berufstätigen vor der Arbeit frühstücken könnten. Aber nichts davon war der Fall. Das einzige Café, das geöffnet hatte, war ein Drive-in, was für uns nicht in Frage kam, da wir kein Auto hatten. Wir versuchten auch, an einem Geldautomaten einer der nahe gelegenen Banken Geld abzuheben, aber es gab keine Geldautomaten und es wurde auch kein Geld gewechselt. Frustriert kehrten wir zum Hotel zurück, da ich mich daran erinnerte, an der Rezeption Sandwiches gesehen zu haben. Also aßen wir Sandwiches in unserem Hotelzimmer mit einer Tasse Tee aus dem Heißwasserautomaten. Wir hatten genug von dieser Stadt und riefen ein Taxi, das uns zum zentralen Busbahnhof brachte. Wir hatten Bustickets für eine fünfstündige Fahrt nach Creel. Im Aufzug auf dem Weg zur Rezeption trafen wir einen freundlichen jungen Kanadier aus British Columbia. Er war mit einem in Japan hergestellten kompakten Toyota-Wohnmobil unterwegs. Er war bereits seit 6 Monaten allein auf Reisen und würde ab der folgenden Woche auch in Baja sein. Er wollte uns sein Wohnmobil zeigen, aber unser Taxi kam und wir mussten gehen. Wir werden in Baja nach ihm Ausschau halten und hoffen, ihn wiederzusehen. Es war sehr kalt am Busbahnhof. Sogar Dave fühlte die Kälte und packte eine Jacke aus seinem Koffer, behielt aber die Shorts an. Sogar Dave ist kalt. Er holt sich eine Jacke aus dem Koffer, aber behält die Shorts an. Während wir am Busbahnhof auf unseren Bus warteten, kam einer der älteren Gepäckträger auf mich zu und fragte mich, welche Musik ich mag. Ich dachte, er wolle über mexikanische Musik sprechen. Es stellte sich heraus, dass er ein Fan von Heavy Metal und Rock war, insbesondere von Judas Priest und anderen englischen Bands. Er kannte sie alle und hatte sie bei Konzerten in El Paso, Texas, gesehen. El Paso liegt etwa 380 km von Chihuahua entfernt, und die Busfahrt dauert etwa sieben Stunden. Ich war wirklich überrascht, da ich nicht erwartet hatte, dass ein Gepäckträger so viel über Rockmusik und Bands wusste. Aber warum eigentlich nicht? Wieder einmal hatte ich aufgrund des Aussehens Vorurteile gehabt und das gab mir zu denken, was wissen wir wirklich über andere Menschen? Dann kam unser Bus und wir stiegen ein. Ich hatte die Plätze 3 und 4 in der ersten Reihe reserviert, aber sie waren mit den Taschen des Busfahrers belegt. Ich ging wieder nach draußen, um nachzufragen, und mir wurde gesagt, dass es keine Sitzplatzzuweisung gäbe, sondern man sich einfach irgendwo hinsetzen könne. Als ich jedoch zurückkam, waren die besten Plätze bereits besetzt und wir mussten weiter nach hinten gehen. Der Bus hatte eindeutig schon bessere Tage gesehen. Die Sitzpolster rutschten, die Sitze wackelten, der Stoff war zerrissen, aber zumindest gab es eine Toilette an Bord. Darauf hatte ich bei der Online-Buchung besonders geachtet, da fünfeinhalb Stunden eine lange Zeit sind, um sie im Bus zu verbringen. So konnte ich mich ganz entspannt auf die Busfahrt freuen. Erst nach viereinhalb Stunden, als Dave auf die Toilette gehen wollte, stellte er fest, dass die Tür zugeschraubt war. Also doch keine Toilette! Gut, dass ich das nicht schon früher gewusst hatte – ich wäre vielleicht in Panik geraten. Jetzt hatten wir nur noch eine Stunde Fahrt vor uns. Wir waren froh, Chihuahua hinter uns zu lassen. Wir hatten das Gefühl, dass die Stadt eine trostlose Atmosphäre hatte. Ich konnte nicht ganz verstehen, warum, also suchte ich online nach Informationen über die jüngsten Entwicklungen in der Stadt und der Region. Das habe ich gefunden: ———- Hintergrundinformation: Eine der Erklärungen, die ich gefunden habe, war, dass Drogenkartelle in der Region Chihuahua operieren, ebenso wie in anderen Teilen Nordmexikos, beispielsweise in Sinaloa, Jalisco, Michoacán und Guerrero. Die hohe Zahl verlassener Häuser in Chihuahua-Stadt und dem umliegenden Bundesstaat ist in erster Linie das Ergebnis einer Kombination aus extremer Gewalt, schlechter Stadtplanung und wirtschaftlichen Faktoren. Viele Menschen sind aus ihren Häusern geflohen, weil die anhaltende Gewalt, die durch Konflikte zwischen rivalisierenden Drogenkartellen ausgelöst wurde, ganze Stadtteile und Gemeinden in Chihuahua in Geisterstädte verwandelt hat. Die Bewohner verlassen ihre Häuser oft aufgrund von Entführungen, Erpressungen und Drohungen. Viele der verlassenen Häuser waren Teil großer Wohnsiedlungen, die am Rande der Stadt gebaut wurden, weit entfernt von Arbeitsplätzen, Schulen und öffentlichen Verkehrsmitteln. In diesen Gebieten fehlen oft grundlegende Versorgungsleistungen, was es den Bewohnern erschwert, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sodass viele von ihnen wegziehen. Sobald einige Häuser in einer Siedlung verlassen sind, werden sie häufig geplündert und verwüstet, was eine Kettenreaktion auslöst, die die Umgebung zunehmend unsicher macht und noch mehr Menschen dazu veranlasst, wegzuziehen. ————- Ein paar Stunden nach Beginn unserer Busfahrt begann es zu regnen und wurde sehr kalt. Die Menschen, die draußen auf der Straße standen, trugen dicke Jacken, einige sogar Handschuhe und Wollmützen. Die Passagiere, die in den Bus einstiegen, zitterten vor Kälte. Das war ziemlich beunruhigend, aber im Bus war es warm und gemütlich, da der Fahrer die Heizung eingeschaltet hatte. Als wir jedoch in Creel aus dem Bus stiegen, traf uns die volle Wucht der Kälte. Es war eiskalt. Es gab kein Internet und kein GPS-Signal, und wir hatten keine Ahnung, wo wir waren und wie wir unser Hotel finden sollten. Eine freundliche Dame in einem Süßwarenladen zeigte uns den Weg zum Valle Hotel. Als wir an der Adresse ankamen, konnten wir jedoch kein Hotel sehen – nur einen großen Kunsthandwerks- und Souvenirladen. Also ging ich hinein, um zu fragen, wo das Hotel sei. Die Regale waren vollgestopft mit einer Mischung aus traditioneller Kleidung, Schals, Handschuhen, Mützen, Souvenirs und allen möglichen Dingen, die man nicht wirklich braucht – eher schäbige Artikel. Hinter der Theke saßen ein paar Frauen, die Handschuhe, Schals und Wollmützen trugen, weil es drinnen so kalt war. Es stellte sich heraus, dass dies unser Hotel war. Es hatte angefangen, stark zu regnen. Eine junge, kräftige Frau trug unsere Koffer nach draußen und schleppte sie durch den Regen und Schlamm die Straße entlang bis zur Balkonplattform im ersten Stock, wo sich eine Reihe von Zimmern befand. Sie zeigte uns unser Zimmer. Es war eiskalt. Ein eisiger Wind wehte durch einen Spalt unter der Tür und durch die schlecht schließenden Fenster herein. Wir sahen uns entsetzt an. Das Zimmer hatte zwei Doppelbetten und ein Badezimmer – ebenfalls kalt –, aber keinen Kleiderschrank. Wir hatten es über booking.com gebucht und es hatte begeisterte Kritiken erhalten. Das Zimmer hatte keine Ähnlichkeit mit den Fotos auf der Website. Es war Montag, und wir hatten das Zimmer für vier Nächte als Ausgangspunkt für Touren zu verschiedenen Teilen des Copper Canyon gebucht. Am Donnerstag wollen wir dann mit dem El Chepe-Zug nach Los Mochis fahren. Außerdem sagte die Wettervorhersage für die ganze Woche weiteren Regen voraus. Wir mussten einen Weg finden, mit der Situation umzugehen. Dave bastelte an der Klimaanlage herum, in der Hoffnung, dass sie vielleicht warme Luft ausblasen könnte. Und – es gelang ihm: Warme Luft strömte heraus, und wir drängten uns um das Gerät, um uns aufzuwärmen. Das machte es etwas erträglicher. Nach einer Weile ließ der Regen nach und wir beschlossen, einen Spaziergang zu machen, um die Gegend zu erkunden und ein Restaurant und ein Geschäft zu finden. Außerdem mussten wir zum Bahnschalter, um Fahrkarten für Donnerstag zu kaufen. Der Schalter war bis 18 Uhr geöffnet, also mussten wir uns beeilen. Vor unserer Abreise hatte ich den Fahrplan von El Chepe recherchiert und wir hatten unsere Reise so geplant, dass wir am Donnerstag mit dem Zug nach Los Mochis fahren würden. Neun Jahre zuvor waren wir einfach morgens zum Fahrkartenschalter gegangen, hatten unsere Fahrkarten gekauft und waren zehn Minuten später in den Zug gestiegen. Jetzt war alles viel komplizierter. Es gibt den El Chepe Express, der sich an Touristen richtet; er bietet Touristen-, Erste- und Business-Klasse, hat eine Bar und eine Aussichtsplattform und ist oft ausverkauft. Wir wollten wie zuvor den Regionalzug nehmen und mit der lokalen Bevölkerung reisen. Das war billiger und obwohl die Aussicht vielleicht nicht ganz so spektakulär war, passte es besser zu uns. Der Zug am Donnerstag war als Regionalzug aufgeführt. Als ich in den letzten Tagen online nachgeschaut hatte, fand ich widersprüchliche Informationen zu Reisetagen und -zeiten. Daher schien es klug, dies zu klären und unsere Tickets für Donnerstag im Voraus zu kaufen. Wir wateten durch Schlammpfützen – der Regen hatte die Straßen überflutet – und innerhalb weniger Minuten waren unsere Schuhe und Hosen durchnässt. Als wir am Bahnhof ankamen, war der Fahrkartenschalter geschlossen. Ich sprach einen Mann in einer gelben Weste an, der so aussah als ob er am Bahnhof arbeitete. Er sagte mir, dass der Fahrkartenschalter am nächsten Morgen um 7 Uhr öffnen würde. Er sagte auch, dass es weder am Donnerstag noch am Mittwoch einen Zug gebe. Morgen, Dienstag, gebe es einen Zug um 11.47 Uhr und einen weiteren am Freitag – aber das sei der El Chepe Express, der oft ausverkauft sei, und er wisse nicht, ob noch Plätze frei seien. Mist! Das hatte ich nicht erwartet und meine Recherchen hatten auch nichts Derartiges ergeben. Der Fahrplan hatte sich seit meiner letzten Überprüfung im Dezember, bevor wir unsere Reise antraten, geändert, und ich hatte davon nichts mitbekommen. Was sollten wir nun tun? Wir mussten warten, bis der Fahrkartenschalter am nächsten Morgen öffnete, und dann entscheiden. Frustriert verließen wir den Bahnhof im Regen und machten uns auf die Suche nach einem Supermarkt, um ein paar Dosen Bier zu kaufen. Allerdings verkaufte keiner der Supermärkte Alkohol. Später stellten wir fest, dass auch viele Restaurants keinen Alkohol ausschenkten. Nach meinen Recherchen liegt das an strengen Lizenzbestimmungen, die den Verkauf auf spezialisierte Spirituosengeschäfte beschränken und eine Sondergenehmigung erfordern. Diese Beschränkungen dienen im Allgemeinen dazu, die Verfügbarkeit zu kontrollieren und alkoholbedingte Probleme im Bereich der öffentlichen Gesundheit anzugehen. Solche Vorschriften variieren zwischen den Bundesstaaten und Gemeinden in Mexiko. Schließlich fanden wir einen Spirituosenladen am Rande der Stadt. Es fühlte sich ziemlich seltsam an, einen Spirituosenladen zu betreten, als würden wir verbotene Waren kaufen. Als wir jedoch eintraten, bediente uns eine sehr freundliche junge Frau. Sie sprach gut Englisch und wir kamen ins Gespräch. Wir baten sie, uns ein gutes Restaurant zu empfehlen, und sie schrieb uns sogar den Namen des Lokals und ihr Lieblingsgericht auf, das aus gehacktem Fleisch bestand. Wir bedankten uns bei ihr und machten uns auf die Suche nach dem Restaurant Ice-Creel. Es dauerte eine Weile und wir mussten mehrere Leute fragen, bevor wir es endlich fanden. Als wir hineingingen, sah es aus wie eine Eisdiele. Ich zeigte die kleine Notiz und fragte, ob wir hier richtig seien. Ja, das waren wir. Also bestellten wir das empfohlene Gericht und freuten uns auf ein gutes Bier. Tut mir leid – kein Alkohol. Na gut, dann eben Fanta. Bald kam das wärmstens empfohlene Gericht. Es war eine Tortilla, gefüllt mit kleinen Stücken gehacktem Fleisch und einigen Bohnen. Es war lecker, aber nicht das, was wir erwartet hatten. Wir überlegten kurz, noch eine zu bestellen, aber dann wurde uns klar, dass wir wahrscheinlich auch nach einer zweiten Tortilla noch hungrig sein würden. Also bezahlten wir und machten uns auf die Suche nach einem anderen Restaurant, das richtiges Essen servierte – und Bier. Wieder draußen im Regen fanden wir bald ein Restaurant namens La Cabaña. Mit seinen Holzwänden sah es aus wie eine Skihütte. Wenn ich so darüber nachdenke, hatte die ganze Stadt die Architektur und Atmosphäre eines Skiresorts, gemischt mit der einer Westernstadt. Creel - nach dem Regen, aber neue Regenwolken ziehen sich bereits zusammen. Das Restaurant war voll mit Leuten, die aßen und Bier tranken, und wir suchten uns einen Tisch weit weg von der zugigen Tür war. Wir bestellten Hühnersuppe, um uns aufzuwärmen. Obwohl ich zwei Pullover und meine Regenjacke trug, war mir so kalt, dass meine Hände zitterten und ich etwas von der Suppe verschüttete, als ich den Löffel zum Mund führte. Danach gingen wir die kurze Strecke zurück zu unserem Hotel. Zu diesem Zeitpunkt waren unsere Schuhe durchnässt und schlammig, unsere Hosen und Jacken nass; ich konnte meine durchnässten Socken auswringen. Dave schaltete die Klimaanlage auf Heizbetrieb und wir hängten unsere Schuhe und Kleidung über Nacht zum Trocknen auf. Dann legten wir uns ins Bett, um uns warm zu halten. Es war noch nicht einmal 20 Uhr. Der große Fernseher funktionierte nicht richtig – das Bild war verschwommen und tat unseren Augen weh. Wir hatten jedoch WLAN und konnten uns auf Daves iPad eine weitere Folge von „The Lincoln Lawyer“ auf Netflix ansehen, während wir uns allmählich aufwärmten. Wir ließen die Heizung die ganze Nacht über an, da durch den Spalt unter der Tür eisige Zugluft hereinkam. 10. Februar 2026 Früh am Morgen stand ich auf und arbeitete an unserem Blog. Um 7:30 Uhr machten wir uns dann auf den Weg durch die überfluteten Straßen zum Bahnhof. Wir hatten spontan beschlossen, die Stadt so schnell wie möglich zu verlassen, anstatt zu warten und zu hoffen, dass am Freitag vielleicht ein Zug fahren würde. Wir wollten sofort abreisen und machten uns keine Gedanken über die zwei Hotelübernachtungen, die wir bereits bezahlt hatten. Es war noch dunkel, eiskalt und absolut miserabel. Obwohl es aufgehört hatte zu regnen, zogen am Horizont schwarze Wolken auf, die den ganzen Tag über weiteren Regen ankündigten. Teile der Straße und des Gehwegs, die nicht überflutet waren, waren mit Eis bedeckt. Als wir uns dem Bahnhof näherten, strömten Massen von Menschen mit Gepäck zu einem wartenden Zug. Um 8 Uhr morgens fuhr ein Zug ab – doch erst am Vortag hatte man uns gesagt, dass es nur einen Zug um 11.47 Uhr gebe. Was war los? Wir drängten uns durch die Touristenmassen und ich fragte jemanden, wohin der Zug fuhr. „Ich weiß es nicht“, lautete die Antwort. Sie fragten andere: „Wohin fahren wir?“ – „Ich weiß es nicht.“ Schließlich konnte uns jemand sagen, dass es der 8-Uhr-Zug nach Los Mochis war. Ich schüttelte den Kopf über die Touristen, die wie Schafe ihrem Schäfer folgten, ohne eine Ahnung zu haben wo sie waren und wohin sie gingen. Es war unmöglich, zum Hotel zurückzukehren, zu packen und rechtzeitig zurückzukommen. Außerdem versuchten Hunderte von Menschen, in den Zug einzusteigen, und es gab keine Garantie, dass noch Plätze frei waren. Wir machten uns stattdessen auf den Weg zum Fahrkartenschalter. Eine sehr freundliche Dame teilte uns mit, dass der 8 Uhr Zug voll sei, verkaufte uns aber Fahrkarten für den Regionalzug um 11:47 Uhr. Puh – zumindest waren wir sicher. Der El Chepe Express, der Touristenzug, befördert je nach Konfiguration zwischen 340 und 540 Passagiere. Er verfügt über sechs Personenwagen, eine Bar, ein Restaurant und eine Terrasse mit Aussichtsplattform. Es gibt drei Klassen – Touristenklasse, Executive-Klasse und Erste Klasse – und die Ticketpreise reichen von 1.200 bis 5.400 mexikanischen Pesos (51 bis 230 Pfund). Wir zahlten 1.030 Pesos (43 £) für unsere Plätze im Regionalzug. Der Regionalzug braucht länger, da er an viel mehr Orten entlang der Strecke hält. Entspannt beobachteten wir die Touristen, die sich um die Plätze im Zug stritten, und gingen neben dem El Chepe her, um ein paar Fotos zu machen. Wir wurden ständig von ein paar Hunden verfolgt, die zwischen unseren Beinen hin und her rannten und uns fast zum Stolpern brachten. Wir konnten sie einfach nicht abschütteln. Sie störten nicht die Einheimischen, nur die Touristen. Vermutlich hatten sie zu viele rührselige Filme gesehen, in denen arme kleine streunende Hunde von Touristen mit nach Hause genommen werden und dann glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben. Tut mir leid, Kumpel – nicht mit uns. Verschwinde. Nein - wir reisen nicht Executive Klasse - wir nehmen den Regionalzug! Während wir auf die Abfahrt des Zuges warteten, um ihn zu photographieren, kamen viele Autos in die Stadt – wahrscheinlich aus den umliegenden Hügeln –, die mit Schnee bedeckt waren. Kaum zu glauben: Schnee und Eis in Mexiko. Schließlich rollte der riesige El Chepe an uns vorbei und wir machten unsere Fotos. Danach gingen wir zum Frühstück ins Restaurant Las Cabañas. Ich war begeistert, als ich eine große Schachtel mit einer Auswahl an Teebeuteln sah. Es gab keinen schwarzen Tee, aber ich entschied mich für den letzten Beutel Earl Grey, der dem am nächsten kam. Ich bestellte ein Pilzomelett und Dave entschied sich für Spiegeleier. Nach einem guten Frühstück fühlt sich die Welt viel besser an. Zurück im Hotel packten wir unsere Sachen und arbeiteten noch ein wenig am Blog, bevor wir abreisten und den Schlüssel an die Besitzer zurückgaben, die wieder mit Handschuhen und Mützen in ihrem Souvenirladen saßen. Wir waren erleichtert, diese eher unwirtliche Stadt verlassen zu können. Wir kamen früh am Bahnhof an. Ein eisiger Wind fegte über den Bahnsteig, obwohl es im Fahrkartenschalterraum etwas wärmer war. Plötzlich fiel mir siedendheiss ein, dass in der Hektik des Vormittags vergessen hatte, ein Hotel in Los Mochis zu buchen. Wir würden dort gegen 21:30 Uhr ankommen und hatten keine Unterkunft. Panik. Ich versuchte, mit meinem Handy online zu suchen, aber es gab kein Signal. Was sollten wir tun? Wir konnten nicht einmal ein Hotel anrufen, da wir keines in Los Mochis kannten. Ich wandte mich an die freundliche Schalterangestellte, und wie durch ein Wunder gab sie mir Zugang zu ihrer privaten Internetverbindung. Wie unglaublich großzügig von ihr. Wir hatten nur noch wenige Minuten, bevor der Zug einfuhr. Ich suchte schnell und fand ein Hotel mit guten Bewertungen, buchte es für die nächsten vier Nächte und teilte ihnen mit, dass wir spät mit dem Regionalzug El Chepe ankommen würden. Puh – das war knapp, aber zumindest hatten wir eine Unterkunft. Wir werden uns immer daran erinnern, was bei unserem letzten Besuch in Los Mochis passiert ist. Unser Flug hatte Verspätung, und obwohl ich vom Flughafen in Mexiko-Stadt aus das Hotel angerufen hatte, um mitzuteilen, dass wir später kommen würden, hatten sie unser Zimmer weitervergeben, und als wir ankamen, war das Hotel geschlossen und wir hatten kein Zimmer. Das löste eine ziemlich interessante Kette von Ereignissen aus, die ich später als Geschichte aufgeschrieben habe. Siehe hier… De: https://www.rememberrelatereflect.com/post/auf-dem-weg-zum-copper-canyon-in-nordmexiko En: https://www.rememberrelatereflect.com/en/post/on-the-way-to-the-copper-canyon-in-northern-mexico Der Zug kam an. Ich bedankte mich bei der freundlichen Schalterangestellten und wir stiegen ein. Alles war sehr gut organisiert. Der Zug hatte Chihuahua um 6 Uhr morgens verlassen und hatte bereits Passagiere an Bord. Mehrere Schaffner waren vor Ort und wiesen den Leuten Plätze zu. Es gab eine Economy-Klasse sowie eine Social-Economy-Klasse mit günstigeren Tarifen. Eine große Gruppe von überwiegend indigenen Passagieren, die sich mit umfangreichem Gepäck am anderen Ende des Bahnsteigs versammelt hatte, stieg in diese Waggons ein. Wir betraten den Wagen der Economy-Klasse. Dave hatte Mühe mit unserem Gepäck, weil eine Frau versuchte, sich vorbeizudrängen – sehr aufdringlich, obwohl wir alle zugewiesene Plätze hatten. Als wir unsere Plätze erreicht hatten, versuchte Dave, unser Handgepäck sicher auf dem Boden neben unseren Füßen zu verstauen. Dieselbe Frau saß auf dem Platz vor ihm und lehnte ihren Sitz abrupt nach hinten. Da es Widerstand gab – Daves Knie und Hüfte waren im Weg – drückte sie noch stärker. Ich musste sie bitten, damit aufzuhören. Daraufhin drehte sie sich um und forderte uns auf, unser Handgepäck in das Gepäckfach über uns zu legen, damit sie mehr Platz hätte. Genau das wollten wir aber nicht, da sich darin unsere teure Kameraausrüstung befand (was ich allerdings nicht erwähnte). Ich fragte einen der Schaffner, der die Sitzplätze zugewiesen hatte, ob wir andere Plätze bekommen könnten, da unsere eine eingeschränkte Sicht hatten. Kein Problem – und wir waren weit weg von dieser sehr unangenehmen Dame. Schließlich richteten wir uns alle ein und der Zug fuhr mit einer halben Stunde Verspätung ab. In unserem Waggon war viel Platz, und viele Sitze waren zunächst leer, füllten sich aber im Laufe der Fahrt allmählich. Der Chepe Express hatte seine Reise bei Regen und Nebel begonnen, aber jetzt, vier Stunden später, hatte der Regen aufgehört und zu unserer Überraschung kam sogar die Sonne heraus. Wir hatten Glück und genossen die schöne Aussicht. Leider waren die Fenster gesprungen und nicht ideal zum Fotografieren, aber am Ende des Waggons gab es eine kleine Plattform, auf der die Fahrgäste stehen und die Landschaft bewundern und Fotos machen konnten. Viele taten dies, obwohl ein großes Schild darauf hinwies, dass es verboten war, auf dieser Plattform zu stehen, da es nicht sicher war. Wir verbrachten einige Zeit dort. Die Reise war großartig. Die Landschaft war atemberaubend. Ein Mann bot mir an, ein Foto von mir zu machen, wie ich mich mit meinem Handy aus dem Fenster lehnte, von einem Fenster zum nächsten, aber ich lehnte ab. Er hätte mein Handy beim Herauslehnen fallen lassen können – oder schlimmer noch, damit davonlaufen können. Wer weiß? Sicher ist sicher. Großartige Aussicht von Divisadero über den Cooper Canyon. An der Haltestelle in Divisadero durften wir für fünfzehn Minuten aus dem Zug aussteigen. Wir erinnerten uns an den Ort von unserer letzten Reise und eilten zu dem Aussichtspunkt, von dem aus man einen spektakulären Panoramablick auf die Berge des Copper Canyon hat, um ein paar Fotos zu machen. Dann kehrten wir zum Zug zurück und setzten unsere Reise durch Berge und Wälder und über Brücken fort. Relaxte Atmosphäre im Regionalzug - der Schaffner klönt mit den weiblichen Passagieren. Es war eine lange Reise – insgesamt elf Stunden –, obwohl wir einen Teil der Verspätung wieder aufholen konnten. Wir waren erleichtert, als wir endlich gegen 21 Uhr in Los Mochis ankamen. Wir suchten nach einem Taxi, aber niemand wollte uns mitnehmen – möglicherweise, weil das Stadtzentrum nicht weit genug entfernt war, um die Fahrt lohnenswert zu machen. Schließlich erklärte sich ein Fahrer, Ernesto, bereit, uns mitzunehmen, aber um die kurze Strecke zu kompensieren, nahm er unterwegs noch ein anderes Paar mit. Innerhalb von zehn Minuten erreichten wir das Hotel Central Americano im Stadtzentrum. Wir wurden zu unserem Zimmer geführt und waren schockiert. Es gab ein winziges Fenster, das so hoch angebracht war, dass man nicht hinaussehen konnte. Der Kühlschrank war schmutzig. Aus der Klimaanlage hingen lose Kabel herunter, die mit Klebeband befestigt waren. Die Badezimmerlampe über dem Waschbecken war locker und die Glühbirne lag frei – wenn man sie mit nassen Fingern berührte, konnte man einen Stromschlag bekommen. Es gab keinen Kleiderschrank, keinen Platz für unsere Kleidung und keinen Platz für Toilettenartikel im Badezimmer. Und das war ein Hotel mit einer Bewertung von 9,0? Auch dieses Zimmer hatte keine Ähnlichkeit mit den Fotos auf booking.com . Wir konnten es einfach nicht glauben. Wir gingen zur Rezeption und baten um ein anderes Zimmer, aber es gab keine freien Zimmer. Das Hotel war ausgebucht – vielleicht würde am nächsten Tag etwas frei werden. Höchstwahrscheinlich hatten sie alle besseren Zimmer vermietet und dieses als Reserve behalten, für den Fall, dass wir nicht auftauchen würden. Wir waren wütend und schliefen in dieser Nacht schlecht, obwohl wir völlig erschöpft waren. Los Mochis, 11. bis 14. Februar 2026 11. Februar 2026 Am nächsten Morgen sprach ich mit einer der Reinigungskräfte, die uns freundlicherweise mehrere bereits geräumte Zimmer zeigte. Diese waren viel schöner – nicht perfekt, aber auf jeden Fall besser als unseres. Wir vereinbarten einen Zimmerwechsel und gingen dann hinunter ins Restaurant, um ein sehr leckeres Frühstück zu genießen. Mit dem neuen Zimmer waren wir viel zufriedener. Es war sauberer, besser organisiert und die Beleuchtung war sicher. Es gab sogar einen kleinen Schreibtisch und einen Stuhl. Das war für uns völlig ausreichend. Nachdem wir einige Zeit an unserem Blog gearbeitet hatten, gingen wir hinaus, wechselten etwas Geld, erkundeten die Stadt und fanden einen Waschsalon. Das Leben begann sich zum Besseren zu wenden. Wir kehrten in einem Café ein, um eine Coca-Cola zu trinken, aber die Besitzerin verkaufte keine kohlensäurehaltigen Getränke. Sie hatte sich auf gesunde Getränke spezialisiert und überredete uns, stattdessen Proteinshakes zu probieren. Daves war leuchtend pink. Und das soll gesund sein? Wir unterhielten uns eine Weile und schließlich fragte sie uns, wie alt wir seien. Sie schien sehr überrascht und sagte, wir sähen so jung und fit aus. Vielen Dank. Sie selbst war 64 und sah deutlich älter aus (trotz der Proteinshakes). In den letzten Wochen hatten uns mehrere Leute nach unserem Alter gefragt und schienen erstaunt zu sein, dass wir noch fit genug zum Reisen waren. In Mexiko gelten Menschen mit 60 oft als alt, was zum Teil an den härteren Lebensbedingungen liegt. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei etwa 75 Jahren – 72 für Männer und 77 für Frauen. Dave hat dieses Alter bereits weit überschritten und ist immer noch kräftig und in ausgezeichneter Verfassung. Wir gingen weiter, brachten unsere Wäsche in einen Waschsalon und suchten dann ein Restaurant für das Abendessen später. Wir konnten keines finden. Als wir nachfragten, wurde uns gesagt, dass es kaum eigenständige Restaurants gebe und dass sich die meisten Restaurants in Hotels befänden. Schließlich fanden wir ein Restaurant im Hotel Fénix und studierten die Speisekarte. Dave entdeckte, dass es dort Pozole gab – eine herzhafte Suppe mit Bohnen und großzügigen Portionen Schweinshaxe. Das passte perfekt. Allerdings gab es keinen Alkohol. Macht nichts. Wir kehrten zu unserem Hotel zurück, arbeiteten eine Weile an unserem Blog und gingen dann zum Abendessen zurück ins Fénix. Die Suppe war köstlich. Das Fleisch fiel vom Knochen. Für mich war es etwas zu viel Fleisch, aber es war trotzdem sehr lecker. Das schmeckt! Mit vollen Mägen gingen wir zurück zu unserem Hotel, wo ein Bier im Kühlschrank auf uns wartete. Wir schauten uns eine weitere Folge von „The Lincoln Lawyer“ auf Netflix an und fielen dann in einen tiefen Schlaf. 12. Februar 2026 Los Mochis ist kein Touristenziel im herkömmlichen Sinne und für Besucher gibt es wenig zu sehen oder zu unternehmen. Es gibt keine Plaza de Armas, auf der sich die Menschen versammeln. Die Stadt fungiert eher als Geschäftszentrum und Verkehrsknotenpunkt. Sie ist relativ jung, wurde 1903 gegründet und hat sich zur drittgrößten Stadt im Bundesstaat Sinaloa entwickelt. Sie ist der westliche Endpunkt der Chihuahua-Pazifik-Eisenbahn (El Chepe), die durch den malerischen Copper Canyon führt. Die Eisenbahnkonzession wurde zwischen 1897 und 1902 von Präsident Porfirio Díaz genehmigt und gefördert, um eine Handelsroute zwischen den Viehmärkten in Kansas City und dem nächstgelegenen Pazifikhafen Topolobampo zu schaffen. Heute ist die nordpazifische Region Mexikos das wichtigste Agrargebiet von Sinaloa, in dem Zuckerrohr, Baumwolle, Reis, Blumen und eine Vielzahl von Gemüsesorten angebaut werden. Die Verkehrsanbindung erfolgt auf dem Luftweg über den Flughafen Los Mochis oder auf dem Seeweg über den nahe gelegenen Hafen von Topolobampo. Von Topolobampo aus befördert eine Nachtfähre Autos und Passagiere über die schmale Meerenge nach Baja California. Heute wollten wir den Hafen und den Strand von Topolobampo erkunden. Wir packten unsere Badesachen ein und fuhren mit dem lokalen Bus in 40 Minuten nach Topo, wie die Einheimischen den Ort nennen. Taxifahrer in Los Mochis bieten Ausflüge zu den Marviri-Inseln in der Bucht von Topolobampo an, die sehr schön sein sollen. Es ist eine lange und teure Reise, die wir heute nicht unternehmen wollten, da wir bald in Baja California sein werden und dort viel Zeit haben werden, um die Strände zu genießen. In Topo schlenderten wir durch die Straßen und besuchten ein kleines lokales Museum, in dem eine Nachbildung des ersten Kampfflugzeugs ausgestellt war, das 1914 in der Gegend im Einsatz war – eine faszinierende Geschichte, auf die Dave sicher noch näher eingehen wird. Anschließend spazierten wir am Malecón entlang. Es war nicht ganz das, was wir erwartet hatten. Das Wasser war grün und roch nach Algen. Pelikane saßen auf Booten oder wateten im Wasser und jagten nach Fischen. Ein paar Fischer warteten im Schatten und boten Touristenausflüge zu den umliegenden Inseln an – obwohl zu dieser Zeit keine Touristen zu sehen waren. Ein paar Gruppen von Menschen saßen auf Bänken und tranken Bier. Es gab keinen richtigen Strand und das Schwimmen im grünen Wasser war überhaupt nicht einladend. Wir gingen zum Hafen, um die Fähre zu sehen, aber sie war nicht da, vermutlich noch auf See. Wir hatten ursprünglich überlegt, mit der Fähre nach Baja California überzusetzen, aber es gab widersprüchliche Informationen im Internet bezüglich der Fahrttage und -zeiten, und die Buchung erwies sich als kompliziert. Wir wollten nicht riskieren, mehrere Tage auf eine Fähre mit freien Plätzen warten zu müssen, da wir bereits ein Wohnmobil in La Paz gebucht hatten und einen engen Zeitplan hatten. Letztendlich entschieden wir uns für den Flug – eine ziemlich komplizierte Route über Mexiko-Stadt nach San José del Cabo. Überraschenderweise war der Flug nur geringfügig teurer als die elfstündige Fährfahrt. Am anderen Ende des Malecón gab es ein paar nette Restaurants und Cafés, die wahrscheinlich Touristen versorgten, die mit der Fähre ankamen oder abfuhren. Wir machten in einem hübschen Café Halt, um Tee und Kaffee zu trinken, wo uns die freundliche Kellnerin versicherte, dass die Gegend abends vor der Abfahrt der Boote richtig lebendig werde. Bald darauf machten wir uns mit dem Bus auf den Rückweg. Wir waren müde und statt uns erneut mit Schweinshaxensuppe zu voll zu stopfen, blieben wir den Abend über zu Hause und begnügten uns mit einer Tüte Erdnüsse und einem Bier zum Abendessen. 13. Februar 2026 Ich schlief bis 5:30 Uhr morgens durch – ich muss völlig erschöpft gewesen sein. Heute standen wir vor der kniffligen Aufgabe, eine ziemlich große Summe Geld aus Geldautomaten abzuheben. Morgen fliegen wir nämlich nach Baja California und am Sonntagmorgen holen wir unser Wohnmobil ab. Als Teil der Vereinbarung mit VanBaja, dem Wohnmobilvermieter, und um Steuern für die zweite Zahlung zu sparen, hatten wir vereinbart, diese zweite Rate bar zu bezahlen. Da wir nicht so viel Bargeld lange Zeit in Mexiko mit uns herumtragen wollten, mussten wir es kurz vor Fälligkeit der Zahlung abheben. Angesichts unserer bisherigen Erfahrungen mit Geldautomaten in Sayulita hofften wir, dass dies in einer Geschäftsstadt wie Los Mochis einfacher sein würde. Gestern hatten wir die Lage – oder besser gesagt den Geldautomaten – in der Bank gegenüber dem Hotel getestet, und es hatte funktioniert. Nach dem Frühstück gingen wir also über die Straße zur gleichen Bank. Um 48.000 mexikanische Pesos (2.035 £) abzuheben, mussten wir das Tageslimit von jeder unserer Karten ausschöpfen. Drei unserer Karten funktionierten einwandfrei, aber die letzte wurde an mehreren Automaten abgelehnt. Zurück im Hotel rief Dave unsere Bank in England an. Dort versicherte man uns, dass die Karte nicht manipuliert worden sei und einwandfrei funktionieren sollte. Wir versuchten es bei einer anderen Bank und hatten endlich Erfolg! Jetzt sind wir für morgen früh bereit. Das Geld ist sicher versteckt. Der Taxifahrer wird um 5 Uhr morgens kommen, um uns zum Flughafen zu bringen, was bedeutet, dass wir heute packen und um 4 Uhr morgens aufstehen müssen. Ist Reisen nicht toll! Wir haben auch ein Hotel in La Paz, Baja California, für morgen Nacht gebucht, in der Nähe des Flughafens, da VanBaja, wo wir das Wohnmobil abholen, in der Nähe ist. 14. Februar 2026 Heute war ein anstrengender Reisetag. Wir standen um 4 Uhr morgens auf, das Taxi holte uns um 5 Uhr ab. Die Fahrt zum Flughafen dauerte zu dieser Tageszeit nur 25 Minuten. Der Flughafen war noch dunkel, aber wir sahen einige Leute im Inneren und gelangten durch eine Schiebetür hinein. Gestern hatte ich eine E-Mail von der Fluggesellschaft Volaris erhalten, in der wir aufgefordert wurden, mindestens 3 Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. Die Abflugzeit war 8 Uhr morgens. Als wir um 5:25 Uhr ankamen, war noch alles geschlossen, auch das Starbucks-Café. Kurz nach 6:15 Uhr kam langsam Leben in den Flughafen. Wir checkten ein und hatten noch Zeit, etwas zu frühstücken. Dann gingen wir durch die Sicherheitskontrolle, wo ich mein Schweizer Taschenmesser abgeben musste, da ich vergessen hatte, es in meinen Koffer zu packen. Mist! Der Flug hatte eine Stunde Verspätung, aber das machte uns nichts aus, da wir einen langen Zwischenstopp in Mexiko-Stadt hatten, bevor unser Flug nach Baja weiterging. Als wir landeten, erhielt die Frau neben mir einen Anruf und brach plötzlich in Tränen aus. Sie schluchzte laut, verzweifelt und untröstlich. Ein paar weibliche Nachbarinnen reichten ihr Papiertaschentücher. Zwei Flugbegleiterinnen versuchten, sie zu beruhigen. Unter Tränen sagte sie, sie müsse sofort zurück nach Los Mochis. Die Flugbegleiterinnen boten ihr ihre Hilfe an und führten sie vor allen anderen aus dem Flugzeug. Wir anderen Passagiere waren schockiert, als wir ihre Verzweiflung miterlebten. Nicht wenige werden sich an eine verzweifelte Situation erinnert haben, die sie selbst durchlebt hatten. Ich denke immer noch an sie, was wohl passiert sein mag und was sie jetzt wohl macht. Der Flughafen in Mexiko-Stadt befindet sich noch im Umbau, und es wird viel gearbeitet, um alles für die Fußballweltmeisterschaft vorzubereiten. Überall Staub, Lärm und der Geruch von Klebstoff. Aber egal. Bald stiegen wir in unseren nächsten Flieger und kamen in Baja California an. Wir übernachteten im Airport Hotel, da Vanbaja, die Wohnmobilvermieter, in der Nähe des Flughafens waren. Das Hotel war eine angenehme Abwechslung zu den Hotels der letzten Tage: Ein großer großzügig geschnittener Raum und ein Bett, das so gross war wie unser Schlafzimmer zuhause. Wir hatten unser Abendessen ebenfalls im Hotel (kein anderes Restaurant in der Nähe) und das Essen, Fischfilets in Knoblauchsoße war großartig. Danach war ich so müde und erschöpft, dass ich im Autopilot agierte: Das hatte zur Folge, dass ich beim Zähneputzen merkte, dass die Zahnpasta nicht schäumt und scheußlich schmeckte. Ohne Brille hatte ich die falsche Tube erwischt und statt der neuen blauen Mexikanischen Zahnpastatube die Anti-Mückencreme (auch blau) genommen hatte. Schnell spülte ich mir den scheußlichen Geschmack aus dem Mund und putzte meine Zähne extra lange und sorgfältig mit der richtigen Zahnpasta. Daves Kommentar: Ich sollte doch froh sein, dass nun zumindest mein Mund eine Mosquito-freie Zone war! Dave: 08. Februar 2026 Endlich eine erholsame Nacht, nur unterbrochen von ein paar Toilettengängen. Ich war um 06:00 Uhr auf und schrieb nach dem Duschen mein Tagebuch, während Lisa um 06:30 Uhr bequem vom warmen Bett aus mit ihrem begann. Das Frühstück im Hotel war ein Reinfall, das Restaurant war voll, es gab nur einen freien Tisch, also machten wir uns auf die Suche nach Alternativen. Da wir in der Nähe nichts Offenes fanden, gingen wir zum berühmten Bahnhof El Chepe. Unterwegs fanden wir in einer eher heruntergekommenen Gegend ein kleines Café, das Paninis und, was noch wichtiger war, Tee für Lisa servierte. Der Weg zum Bahnhof war lang und leider war der Bahnhof am Sonntag geschlossen, aber dennoch sehenswert. Auf dem Rückweg machten wir gegenüber dem Staatsgefängnis Halt, um etwas Kaltes zu trinken, wo ich sehr dankbar für eine willkommene Toilettenpause war. Während ich anderweitig beschäftigt war, ging Lisa online und buchte den Bus für morgen von Chihuahua nach Creel: 400 MX$ (16,50 £) mit 50 % Seniorenrabatt. Wir machten Halt an der Kathedrale, Lisa wagte sich hinein, dann nahmen wir den Bus zurück zum Hotel für 22 MX$ (93 p). Ich war erschöpft und döste ein, während Lisa mit der Übersetzung des deutschen Blogs weitermachte. Die Aufgabe für morgen: Foto-Updates vom 28. Januar bis 7. Februar. Zum Abendessen gab es wieder die ausgezeichnete Hühnersuppe im Hotel Restaurant, allerdings ohne Cracker und mit nur einem Gewürzbehälter. Die Standards sanken eindeutig! Wir waren die einzigen Gäste im Restaurant. Zurück in unserem Zimmer gingen wir ins Bett, um mit der vierten Staffel von „The Lincoln Lawyer“ zu beginnen, die gerade erschienen war, aber nach zehn Minuten rief Beverley an. Sie genossen ihre letzten Tage in Mexiko-Stadt und hatten ebenfalls eine Erdbebenwarnung erhalten. Terry entging nur knapp dem Verlust seiner Brieftasche durch eine dreiköpfige Ablenkungsbande, dank seiner schnellen Reaktion und einer Verfolgungsjagd mussten sie sie fallen lassen. Das war wirklich Glück im Unglück. 09. Februar 2026 Eine weitere unruhige Nacht, ob wegen der Antibiotika oder einer leichten Grippe, weiß ich nicht genau. Ich wachte auf und fühlte mich deutlich unterdurchschnittlich: Kopfschmerzen, Augen wie Spiegeleier und abwechselnd heiß und kalt. Um 07:40 Uhr war es noch dunkel und nur 12°C warm, Sonnenaufgang erst um 07:48 Uhr. Während einer kurzen Regenpause machten wir uns auf die Suche nach einem Frühstück, aber selbst kurz vor 9 Uhr war noch alles geschlossen. Bei OXXO gab es nur Chips und Kekse, also kehrten wir zum Ibis zurück und wählten die beiden frischesten der vier verfügbaren Sandwiches aus. Chihuahua scheint größer zu sein als bei unserem letzten Besuch, aber auch heruntergekommener. Es wird gemunkelt, dass Familien wegen der Gewalt der Kartelle wegziehen, und der Ort wirkt vernachlässigt und gedämpft. Wir packten unsere Sachen, gingen hinunter und bestellten einen Uber zum Busbahnhof für 87 MX$ (3,67 £). Draußen trafen wir den jungen Kanadier mit seinem Wohnmobil aus British Columbia. Er war seit sechs Monaten auf einem zehnmonatigen Abenteuer und ebenfalls auf dem Weg nach Creel. Wir verabschiedeten uns und hofften, dass sich unsere Wege vielleicht wieder kreuzen würden. Unser Bus um 11:00 Uhr, der angeblich eine 4½-stündige Fahrt vor sich hatte, geriet schnell ins Chaos. Obwohl auf unseren Tickets die Plätze 3 und 4 angegeben waren, erklärte der Fahrer, dass die Sitzplätze frei wählbar seien. Glücklicherweise konnten wir uns zwei Plätze nebeneinander sichern. Der Bus hatte schon bessere Tage gesehen: Einige Sitze waren kaputt und klemmten in der vollständig zurückgelehnten Position. Einige Fahrgäste mussten im Gang stehen. Ich will auf die Toilette gehen, aber die einzige Toilettentür ist mit 5 Schrauben fest verschlossen. Kaputte Sitze, keine Sitzplatzzuweisung und eine Toilette, die sicherer verschlossen ist als Fort Knox. Ich bin froh, dass wir in der 1. und nicht in der 2. Klasse reisen! Unser Fahrer gibt uns keine Informationen, daher wissen wir nicht, wann er anhält, ob nur, um Fahrgäste aufzunehmen oder abzusetzen, oder vielleicht etwas länger, damit wir schnell auf die Toilette gehen können. Eines ist sicher: Niemand wagt es, es zu versuchen, da unser Fahrer kein Interesse daran hat und einfach mit unserem Gepäck weiterfahren und uns zurücklassen würde. Also sitzen wir einfach da und leiden, in der Hoffnung, dass unsere Tortur bald vorbei ist. Gegen 17:00 Uhr erreichen wir schließlich Creel, wo es kalt ist und regnet und wir schnell durchnässt sind. Das Wasser steht auf den Straßen. Das Hotel Los Valles hatte wenig Ähnlichkeit mit den Fotos im Internet und das Zimmer war eiskalt, obwohl ich es schaffte, die Klimaanlage so einzustellen, dass sie warme Luft produzierte. Entschlossen, die Fahrzeiten des El Chepe-Zugs vor der Schließung um 18:00 Uhr zu klären, machten wir uns bei strömendem Regen auf den Weg zum Zug. Noch bevor wir den Fahrkartenschalter erreichten, waren Lisas Schuhe und Socken durchnässt, und als wir um 17:30 Uhr dort ankamen, war der Schalter bereits geschlossen. Ein Angestellter in einer gelben Weste sagte uns, dass er um 07:00 Uhr wieder öffne, aber es herrscht weiterhin Verwirrung zwischen den Fahrzeiten des Express und der regulären El Chepe-Verbindungen. Auf dem Rückweg vom Ticketschalter in die Stadt werden wir von Hunden umzingelt, die uns ziemlich nerven. Sie laufen ständig um unsere Füße herum und bringen uns zum Stolpern. Es handelt sich um gechipte Straßenhunde, die Touristen für leichte Beute halten und nur diese belästigen, während sie die Einheimischen in Ruhe lassen. Das sind wirklich gewiefte Hunde. Hungrig, durchgefroren und durchnässt fanden wir schließlich Wärme und eine gute Mahlzeit im reizenden Restaurant La Cabaña, das schräg gegenüber unserem Hotel liegt. Wir aßen Hühnersuppe und tranken dazu Modelo Negro Bier. Zurück in unserem kalten Zimmer, wo die Socken auf der Klimaanlage trockneten, stellte ich die Temperatur auf 26 °C ein. Wir krochen unter die dicke Teddybär-Decke, sahen uns eine weitere Folge von „The Lincoln Lawyer“ an und schliefen zu den unerbittlichen Regentropfen auf dem Dach ein. 10. Februar 2026 Dank der Zentralheizung haben wir gut geschlafen, obwohl ich um 02:30 Uhr mit schmerzenden Zehennägeln aufwachte. Aber ein Schneiden meiner Zehennägel löste das Problem und ich konnte noch ein paar Stunden schlafen. Kurz vor 07:00 Uhr machten wir uns bei klarem, aber eisigen 2 °C auf den Weg zum Bahnhof, um den Regionalzug El Chepe um 11:47 Uhr nach Los Mochis zu buchen. Auf dem Bahnsteig herrschte bereits Chaos, da der El Chepe Express um 8:00 Uhr abfahren sollte und die Passagiere sich drängelten, um einzusteigen. Dieser El Chepe Express war uns neu, aber er war ohnehin ausgebucht. Die hilfsbereite Schalterbeamtin sicherte uns Plätze im 11:47 Uhr Regionalzug für 2.068 MX$ (87,87 £) für uns beide (der Express hätte 2.364 MX$ gekostet). Wir gingen vorsichtig über die vereisten Schwellen zurück und frühstückten im La Cabaña, vorbei an Autos, die mit Schnee bedeckt in die Stadt fuhren. Der berühmte El Chepe Express bevor er Creek verlässt. Schnee auf den Autos und vereiste Straßen und Bürgersteige. Es ist sehr kalt in Creel. Lisa ist überglücklich mit der Auswahl von Teesorten. Zurück in unserem „Hotel” schrieben wir an unseren Blogbeiträgen, checkten dann um 11:00 Uhr aus, holten uns unsere 50 MX$ Kaution für den Schlüssel zurück und verzichteten auf die beiden verbleibenden Nächte, was angesichts der Diskrepanz zu den Online-Fotos kein großer Verlust war. Eine weitere Beschwerde für später. Passagiere warten im Warteraum auf den Regionalzug. Am Bahnhof warteten wir in der kühlen Sonne (immer noch nur 2 °C) auf die Ankunft des Zuges um 11:47 Uhr. Als er kam, gab es ein wildes Gedränge beim Einsteigen, aber nachdem uns Plätze mit eingeschränkter Sicht zugewiesen worden waren, bezirzten wir unseren Zugbegleiter, einen Fußballfan, mit Geschichten über den FC Liverpool, und er versetzte uns auf bessere Fensterplätze, trotz des zerbrochenen Fensters. Der Zug fuhr mit einem traurigen Hupen davon. Wir fühlen uns sicher und beschützt im Zug. Um 13:30 Uhr hielten wir kurz in Divisadero für eine 15-minütige Pause, um uns die Beine zu vertreten und die dramatischen Schluchten zu fotografieren. Wir stiegen mit unseren Rucksäcken aus dem Zug, denn man weiß ja nie, wozu manche Leute in diesem Zug fähig sind. Der Wagen war voll, als wir einstiegen, daher war es eine gute Idee, unser Revier mit unseren Mützen und Jacken zu markieren, bevor wir ausstiegen. In Temoris gab mir ein Mitreisender einen Tipp, dass der Zug bald eine 100 Meter hohe Brücke überqueren würde. Trotz der großen Warnschilder an der Wand mit der Aufschrift „Stehen in diesem Bereich verboten” versammelten sich die Fotografen am offenen Fenster. Nach langem Gedränge um die besten Plätze und einigen Beinahe-Zusammenstößen mit vorbeiziehenden Ästen erwies sich die Brücke selbst als enttäuschend, und wir hatten sie in 20 Sekunden überquert. Wir stellten fest, dass es in Mexiko-Stadt eine Stunde Zeitunterschied zu Los Mochis gibt, was für unseren Weiterflug am Samstag über Mexiko-Stadt nach Baja California Sur wichtig war, wo wir unseren Wohnwagen abholen wollten. Bei Einbruch der Dunkelheit passierten wir El Fuerte, von wo aus wir vor neun Jahren nach Creel gereist waren, und später Sufragio, bevor wir um 20:45 Uhr im warmen Los Mochis ankamen. Das Aussteigen aus dem Zug war chaotisch und noch chaotischer war es, ein Taxi zu bekommen. Ein Taxiparkdienst nahm unsere Koffer und brachte sie zu einer Gruppe von Taxifahrern, wo uns zusammen mit einem jungen Paar ein Fahrer zugewiesen wurde. Wir setzten uns auf den Rücksitz, das junge Paar musste sich auf den Beifahrersitz quetschen. Um 21:30 Uhr erreichten wir unser Hotel, das ziemlich pompös benannte Hotel America Centro, und bezahlten unserem Fahrer den festgelegten Fahrpreis von 150 MX$ (6,34 £). Das uns zugewiesene Zimmer war enttäuschend, aber das Hotel war voll, sodass bis zum nächsten Tag kein Zimmerwechsel möglich war. Nach einer Dusche und einer weiteren Folge von „The Lincoln Lawyer“ gingen wir müde, aber zufrieden nach einem unvergesslichen und ereignisreichen Tag auf der Schiene zu Bett. 11. Februar 2026 Um 04:30 Uhr war ich wach, dank eines Busses, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite bei laufendem Motor im Leerlauf stand. Neben der Kreuzung versammelte sich eine Gruppe von Fahrern, die offenbar vor der Arbeit noch eine Zigarette rauchten. Um 05:15 Uhr fuhren sie endlich los, aber nicht ohne zuvor einen Höllenlärm zu veranstalten – ein weiterer guter Grund, das Zimmer zu wechseln. Ich arbeitete an meinem Tagebuch, bis Lisa gegen 06:00 Uhr aufwachte und mit ihrem begann. Um 06:30 Uhr war ich müde genug, um eineinhalb Stunden zu dösen. Wir duschten und frühstückten. Die Zimmermädchen zeigten uns freundlicherweise ein paar Zimmer, die heute morgen frei geworden waren. Und wir entschieden uns für Zimmer 81, ein Innenzimmer mit Blick auf einen Innenhof. Wir gingen zur Rezeption, bereit, uns über die Mängel in unserem ursprünglichen Zimmer zu beschweren. Wir hatten eine Liste erstellt: eine kaputte Badezimmerlampe ohne Lampenschirm, ein fehlender Tisch, eine beschädigte Klimaanlagenverkleidung, ein loses, mit Klebeband befestigtes Stromkabel, ein schmutziger Kühlschrank und ein lautes Zimmer mit Blick auf die Straße. Zu ihrer Ehre muss man sagen, dass das Personal sofort zustimmte und uns ohne Umstände umquartierte. Trotzdem haben wir uns Notizen gemacht und werden nach unserer Rückkehr nach England eine Beschwerde an Booking.com schreiben. Dieses Hotel hat keine Ähnlichkeit mit den Fotos auf booking.com , weder innen noch außen. Das Foto von der Aussenansicht wurde mit Photoshop bearbeitet, damit die hässlichen Stromposten samt Kabelverhau nicht zu sehen sind. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, arbeiteten wir weiter an unserem Blog. Gegen Mittag machten wir uns auf die Suche nach einer Wäscherei, damit wir für unseren Flug nach Baja California Sur am Samstag über Mexiko-Stadt saubere Kleidung hätten. Wir fanden eine nur wenige Blocks entfernt. Ein kurzer Stopp auf dem Rückweg zu unserem Hotel in einem ziemlich intensiven Gesundheitscafé endete mit einer höflichen Flucht. Wir gaben unsere 3,9 kg schmutzige Wäsche ab, was 160 MX$ (6,78 £) kostete. Ein vollbeladenes Auto - mehr geht nicht mehr. Wir hatten bereits die Speisekarte im Hotel Fenix studiert, Pozole entdeckt und damit unsere Pläne für das Abendessen festgelegt. Um 19:30 Uhr gingen wir die zwei Blocks zum Hotelrestaurant. Das Pozole war ausgezeichnet, der Service jedoch quälend langsam. Als wir zurückgingen, war es bereits kühl geworden. Zurück in unserem Zimmer tranken wir einen Rum als Schlummertrunk und sahen uns eine weitere Folge von „The Lincoln Lawyer“ an. Danach fielen wir erschöpft ins Bett. 12. Februar 2026 Ich stand um 05:45 Uhr auf, um weiter an meinem Tagebuch zu schreiben, und beendete drei Stunden später endlich den Eintrag für Mittwoch. Nach dem Frühstück, das genauso gut war wie gestern, checkten wir unsere E-Mails, bevor wir uns auf den Weg zum Bus nach Topolobampo machten, mit Badehosen im Gepäck, für alle Fälle. Die 40-minütige Fahrt endete am Malecón, wo uns freundliche Einheimische den Weg zeigten. Wir besuchten das bescheidene, aber interessante Museo Comunitario Juan Noriega Valdivia. Dieses Gemeindemuseum zeigt: Die erste Seeschlacht der Geschichte (1914) während der mexikanischen Revolution, die in der Bucht von Topolobampo stattfand. Historische Fotos und Dokumente. Ein maßstabsgetreues Modell eines frühen Doppeldeckers. Die maritime und bahntechnische Geschichte des Hafens. Es ist ein bescheidenes Museum, aber aufgrund seiner Verbindung zur Luftfahrt historisch interessant. Eine Replica des ersten Kampfflugzeuges in 1914. Die Uferpromenade selbst war weniger attraktiv, mit stark riechenden Algen, trübem Wasser und ohne Möglichkeit zum Schwimmen. Viele Pelikane patrouillierten in der Bucht oder faulenzten auf den Fischer- und Touristenbooten, die in der sanften Brise und bei 30 °C Hitze vor sich hin schaukelten. Wir machten eine Pause am anderen Ende des Malecón, um im Café Alma de Mar etwas zu trinken. Wir gingen den Malecon entlang zurück, bevor wir den Minibus zurück nach Los Mochis nahmen (120 MX$ für beide). Nachdem wir unsere Wäsche abgeholt hatten, zogen wir uns in unser klimatisiertes Zimmer zurück, um uns auszuruhen, und sortierten dann die Fotos aus Creel und unserer El Chepe-Reise. Um 18:00 Uhr genossen wir ein kaltes Bier, während wir eine Dokumentation über die Entstehung von „Rumours” von Fleetwood Mac sahen. Wir gingen nicht zum Abendessen aus, Erdnüsse reichten uns, und beendeten den Abend mit zwei Folgen von „The Lincoln Lawyer”, bevor wir um 22:15 Uhr das Licht ausmachten. 13. Februar 2026 Ich war um 6 Uhr morgens wach und stellte schnell fest, dass ich etwas gelöscht hatte, was ich nicht hätte löschen sollen, was bedeutete, dass ich den 11. Februar neu schreiben musste. Wie ärgerlich! Während ich damit kämpfte, arbeitete Lisa an der deutschen Version unseres Blogs. Um 10 Uhr machten wir endlich Pause, um zu frühstücken. Ich kämpfte auch mit dem TomTom und versuchte, die Mexiko-Karte herunterzuladen, aber das WLAN des Hotels leitete mich hartnäckig auf seine IP-Adressseite weiter. Ein Problem für einen anderen Tag. Wir bekommen einen Sonderpreis für die Anmietung des Wohnmobils und mussten daher 48.000 MX$ (2.035,68 £) zur Cashzahlung abheben. Am Nachmittag gingen wir zur Bank gegenüber. Lisas Karten funktionierten einwandfrei, aber eine meiner Karten wurde wiederholt abgelehnt. Zurück im Zimmer rief ich First Direct an; dort konnte man keine Abhebungsversuche erkennen und schlug vor, es bei einer anderen Bank zu versuchen. Das tat ich, und es funktionierte sofort. Das Problem lag eindeutig bei der ersten Bank. Die Krise war abgewendet. Wir buchten auch ein Hotel für Samstagabend in der Nähe des Wohnmobilvermieters und des Flughafens, das Hotel Aeropuerto Los Cabos, das günstig zu Fuß vom Abflugbereich zu erreichen ist. Unser Flug zum internationalen Flughafen Los Cabos führt über Mexiko-Stadt und startet um 07:57 Uhr vom internationalen Flughafen Los Mochis. Uns wurde empfohlen, drei Stunden früher anzureisen, daher haben wir den Wecker auf 04:00 Uhr gestellt und ein Taxi für 05:00 Uhr bestellt. Wir arbeiteten bis 18:30 Uhr und machten uns dann auf den Weg zu einer lokalen Fiesta, bevor wir im Restaurant des Hotels Fenix zu Abend aßen. Die Fiesta war wenig beeindruckend: Fast-Food-Stände am Rand, Kleidung und Schmuck im Inneren und in der Mitte eine Musikbühne, umringt von glücklichen Eltern, die ihre Smartphones hochhielten und Fotos von einer 7-Jährigen machten, die sehr schlecht sang und so falsch, dass mir die Ohren bluteten. Wir machten uns auf den Weg zum Restaurant Fenix. Das Abendessen ging schnell, Lisa hatte Flautas, ich entschied mich für Tacos, bevor wir zurückkehrten, um das Packen zu beenden. Wir schafften eine halbe Folge von „The Lincoln Lawyer“, da wir früh schlafen gehen mussten, um für den Start vor Sonnenaufgang bereit zu sein. 14. Februar 2026 Am Valentinstag klingelte unser Wecker um 04:00 Uhr. (XX). Wir duschten, packten unsere Sachen und trafen um 05:00 Uhr unser Taxi. 25 Minuten später waren wir am internationalen Flughafen Los Mochis und zahlten 300 MX$ (12,69 £) für die Fahrt. Der Flughafen öffnete offiziell erst um 06:00 Uhr, aber die Türen standen bereits offen und ein paar frühe Reisende waren schon drinnen. Wir setzten uns in die Nähe von Starbucks, wo uns die in den Topfpflanzen lauernden Mücken beim Frühstück mit Kaffee, Tee und einem halben Baguette überfielen. Bald füllte sich der Terminal. Wir checkten unser Gepäck bis zum internationalen Flughafen von Los Cabos ein und begaben uns zur Sicherheitskontrolle, wo Lisas Schweizer Taschenmesser beschlagnahmt wurde, das sie aufgrund des frühen Starts vergessen hatte, in den Koffer zu packen. Unser Flugzeug kam mit 23 Minuten Verspätung an, aber das Boarding verlief schnell, sobald das Flugzeug angekommen war, und um 08:10 Uhr saßen wir auf unseren Plätzen und waren startbereit. Nichts war kostenlos, selbst eine kleine Packung Apfelsaft hatte ihren Preis, ganz ähnlich wie bei EasyJet oder Ryanair. Wir fliegen über Mexiko City mit Smog. Wir landeten um 11:10 Uhr in Mexiko-Stadt, wurden aber aufgrund eines nicht näher bezeichneten Notfalls kurz auf dem Rollfeld festgehalten. Fünf Minuten später rollten wir zum Gate. Die Frau neben Lisa brach plötzlich in Tränen aus, sie hatte eine schlimme Nachricht am Telefon erhalten und musste sofort nach Los Mochis zurückkehren. Die Crew schien unsicher, wie sie ihr am besten helfen konnte; es war eine unangenehme und emotionale Szene. Im Terminal sorgten die Vorbereitungen für den Sommerfußball weiterhin für Verwirrung und viel Staub. Wir wurden an das eine Ende des Flughafens geschickt und dann wieder zurück, was zumindest gut für den Schrittzähler war. Der Weiterflug nach Baja California Sur dauerte etwa 1 Stunde und 45 Minuten, wir landeten um 15:15 Uhr Ortszeit (wir hatten eine Stunde gewonnen) am Aeropuerto de Los Cabos. Das Aussteigen über die hintere Treppe bei warmen 29 °C war nach Creel eine angenehme Abwechslung. Wir dachten das Los Cabos ein winziger Flughafen ist - aber schaut mal wieviele Flugzeuge dort andocken. Unsere Koffer waren unter den ersten auf dem Gepäckband. Nachdem wir die Sicherheitskontrolle passiert hatten, riefen wir den kostenlosen Shuttlebus des Hotels an. Der Empfang war schlecht und der schnelle lokale Akzent war auch nicht gerade hilfreich, aber glücklicherweise entdeckte ich das Hotel-Shuttle draußen. Außer uns beiden war nur noch ein Pilot an Bord. Wir checkten im Hotel Aeropuerto Los Cabos ein, Zimmer 226, das eine willkommene Verbesserung gegenüber einigen unserer letzten „Hotel”-Aufenthalte darstellte. Endlich gelang es mir, die Karte von Baja California Sur auf das TomTom herunterzuladen, da dieses Hotel ein besseres WLAN hatte. Danach verbrachten wir einige Stunden damit, unseren Blog auf den neuesten Stand zu bringen. Das Abendessen wird heute im Hotelrestaurant stattfinden.
- Vamos Amigos! Kommt mit uns nach Mexiko! Teil 2 unseres Travelblogs.
Verfolgt unsere Reise auf Teil 2 unseres Reiseblogs. Nach einem Monat unserer Reise haben wir bereits viel gesehen und folglich ist der Beitrag mit Texten und Fotos überladen. Daher fangen wir hier einen zweiten Teil unseres Blogs an. Viel Freude beim Lesen. —————————— Liebe Leser und Leserinnen, In den letzten zwei Monaten haben wir so viel über unsere Abenteuer berichtet, dass der Blog keinen weiteren Text und Fotos mehr aufnehmen kann. Wir werden daher einen Teil 3 unseres Reiseblogs einrichten und dort mit der Berichterstattung fortfahren. Dort könnt ihr über unsere Reise in den Norden lesen, einschließlich Chihuahua, die Zugfahrt mit dem El Chepe Zug durch den Cooper Canyon und Los Mochis an der Pazifikküste. Wir werden dort auch über die letzte Etappe unserer Reise schreiben wenn wir mit dem Wohnmobil durch Baja California touren. Schaut doch mal rein. Viel Spass. https://www.rememberrelatereflect.com/post/vamos-amigos-kommt-mit-uns-nach-mexiko-teil-3-unseres-travelblogs Pazifikkueste: Sayulita vom 2. Februar bis 7. February 2026 Lisa: Sayulita 2. Februar 2026 Am Montagmorgen standen wir früh auf, um unseren Flug nach Puerto Vallarta zu erreichen. Um 7:15 Uhr waren wir alle vier bereit und warteten auf Fernando, den Taxifahrer, der uns nach Teotihuacan gebracht hatte, um uns zum Flughafen zu fahren. Das kostete 900 Pesos (38 £)!! (Das Uber, das Dave bei unserer Ankunft bestellt hatte, kostete nur 215 Pesos/9 £, aber mit vier Personen und Gepäck brauchten wir ein größeres Auto.) Wir rasten an diesem Feiertagsmorgen durch die leeren Straßen von Mexiko-Stadt und kamen früh an. Dennoch war der Flughafen bereits voller Reisender. Wir drängten uns durch die Menschenmassen, bis ich eine hilfsbereite Mitarbeiterin von Aeromexico fand, die uns unter ihre Fittiche nahm, unsere Bordkarten ausdruckte und unser Gepäck eincheckte. Mit der richtigen Hilfe war alles ganz einfach. Wir kamen schnell durch die Sicherheitskontrolle und hatten noch Zeit für ein Frühstück. Beverley erinnerte sich an ihre HSBC Global-Mitgliedschaft, die ihr Zugang zur Lounge gewährte (keine Gäste erlaubt), also gingen sie und Terry dorthin. Dave und ich gingen ins Cafe nebenan: heiße Schokolade und Bananenpfannkuchen für mich (es gab keinen schwarzen Tee), Cappuccino und Croissant für ihn. Wir waren gerade rechtzeitig fertig, um zum Gate zu gehen. Der Flug hatte Verspätung, holte diese aber wieder auf und landete pünktlich in Puerto Vallarta. Ich hatte mich mit Laura, unserer Kontaktperson in Sayulita, abgesprochen, die draußen in ihrem Auto wartete, um uns abzuholen. Da es keine Parkplätze gab, fuhr sie um die Ecke und hoffte, dass wir bald herauskommen würden. Als wir endlich draußen waren, fiel mein Internet aus, sodass ich sie nicht erreichen konnte. Aber dann hielt sie doch mit ihrem weißen Honda vor uns. Wir packten zwei Koffer in den Kofferraum – dann war er voll. Kein Problem: Laura holte ein Seil heraus, wir hievten die anderen beiden auf das Dach, banden sie fest und fuhren los. Die einstündige Fahrt kostete weitere 900 Pesos. Ich verspürte ein leichtes Unbehagen in Bezug auf Sayulita und das Haus, das ich der Gruppe empfohlen hatte. Freunde hatten uns vor unserem letzten Besuch auf Sayulita aufmerksam gemacht und wir waren begeistert gewesen – besonders nach Thanksgiving, als die amerikanischen Touristen nach Hause gefahren waren und es ruhiger wurde. Unser altes Hotel war allerdings zu einem teuren Boutique-Hotel geworden, daher war es für unsere vierköpfige Gruppe besser, ein Haus zu mieten. Abseits vom lauten Zentrum und am Strand gelegen, versprach es (laut Fotos auf Booking.com ) eine atemberaubende Aussicht von der Terrasse. Ich hoffte, dass es allen gefallen würde. Wir kamen an und schleppten unsere Koffer die steilen Treppen hinauf. Das Anwesen hat zwei Wohnungen: Boho 1 unten mit Swimming Pool und unser Boho 2 oben. Es verfügt über zwei Schlafzimmer mit eigenem Bad, eine Küche/Wohnzimmer und eine schöne Terrasse mit Blick auf den Wald – als wäre man in den Baumwipfeln. Die Küche ist mit allem Nötigen ausgestattet. Ich atmete erleichtert auf, als die anderen diese Unterkunft ebenfalls gut fanden. Der Strand, der laut Google Maps nur wenige Schritte entfernt war, war nicht durch den Wald, sondern über das Dorf zu erreichen und lag 10 Minuten entfernt. Auch das war kein Problem. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, machten wir einen Spaziergang, um die Gegend zu erkunden und die Geschäfte zu checken, um die besten Orte zum Einkaufen und für das Abendessen und Frühstück zu finden. Da wir eine Küche zur Verfügung hatten, planten wir, in den nächsten Tagen selbst zu kochen. Ich erinnerte mich an die Lage des Lebensmittel- und Gemüsemarktes, wo wir Avocados, Kartoffeln, Zwiebeln, Tomaten, Zucchini, Knoblauch und eine Ananas kauften. Beverley hatte auch Avocados in einem anderen Laden gekauft – davon kann man ja nie genug haben! Außerdem kauften wir Olivenöl, Brot, Käse, Bier und Eis für Getränke. Auf dem Weg ins Dorf entdeckten wir ein Restaurant, in dem Hähnchen gegrillt wurden, und nahmen uns vor, dort später ein Hühnchen fürs Abendessen mitzunehmen. Als wir aber später vorbeikamen, gab es keine Hähnchen mehr und der Kellner sagte, dass Hähnchen nicht auf der Speisekarte stünden. Hatten wir uns geirrt? Nein – es stellte sich heraus, dass die gegrillten Hähnchen nur für das Personal waren, eine Aufmerksamkeit der Großmutter eines Kellners. Bon appétit! Leider war es zu diesem Zeitpunkt schon zu spät, um noch frisches Hähnchen oder Fisch zu bekommen, also begnügten wir uns mit Sardinen in Tomatensoße aus der Dose zum Abendessen. Keine große Sache. Viele Bars boten Happy-Hour-Specials an – zwei Cocktails zum Preis von einem –, so holten wir uns eine Margarita und einen Pomelo-Cocktail, bevor wir nach Hause gingen, um zu kochen. Während wir auf unsere Getränke warteten, eilte Dave zu einem empfohlenen Laden auf der anderen Seite des Dorfes, um Rum für unseren Sundowner auf der Terrasse zu kaufen. Zum Abendessen gab es zunächst Guacamole, gefolgt von Sardinen aus der Dose in Tomatensoße mit Kartoffeln. Lecker! Wir genossen unser Abendessen auf der Terrasse und lauschten den Geräuschen um uns herum. 3. Februar 2026 Wir haben gut geschlafen, obwohl es im Zimmer etwas heiß war – aber ich beschwere mich nicht. Nach der Kälte in Mexiko-Stadt war es schön, wieder Wärme zu spüren. Dave und ich standen kurz nach 6 Uhr morgens auf, setzten uns auf die Terrasse, lasen die Nachrichten, schrieben unseren Blog und lauschten dem Zwitschern der Vögel und dem Krähen der Hähne. Es war herrlich! Erst etwas später wurden wir durch jemanden gestört, der eine Kettensäge anwarf. Grrrh. Später gab es Frühstück mit Avocados, Toast, Käse, Eiern und Butter. Nach dem Frühstück machten Dave und ich uns auf den Weg ins Dorf, um beim Fischhändler frischen Fisch fürs Abendessen zu kaufen. Gestern Nachmittag war alles ausverkauft gewesen, aber heute gab es reichlich Red Snapper und einen großen Stapel Dorado-Filets. Wir sahen zu, wie der Fischhändler die Dorados filetierte – sehr geschickt mit einem großen, scharfen Messer. Wir wollten zwei mittelgroße Red Snapper, aber sie hatten nur große oder kleine, also kauften wir vier kleinere Fische und ließen sie ausnehmen und säubern. Vier Fische kosteten etwa 200 Pesos (8 £). Als wir zum Haus zurückkamen, trafen wir zwei mexikanische Frauen, die den unteren Teil unseres Hauses gemietet hatten. Mutter und Tochter, sie lebten in Oklahoma und waren für eine Woche Urlaub gekommen. Sie besaßen auch ein Haus in Guadalajara, wo sie noch für ein paar Tage hinfahren wollten, bevor sie wieder nach Hause flogen. Die jüngere Frau hatte einen kleinen Chihuahua dabei. Sie erklärte, dass es ihr Assistenzhund sei. Sie sei Diabetikerin und es handle sich um einen ausgebildeten Diabetiker-Warnhund (DAD), der anhand ihres Atems und Körpergeruchs einen hohen oder niedrigen Blutzuckerspiegel erkenne und sie warne oder sogar wecke, wenn sie ohnmächtig werde. Sie sei selbst Hundetrainerin und auf medizinische Assistenzhunde spezialisiert. Wir waren fasziniert davon, wie geschickt diese kleinen Hunde sein können. Wenn ihr Hund im Dienst war, trug er eine spezielle Weste; sobald sie diese abnahm, war er außer Dienst und konnte sich entspannen. Am Strand tobte er sich aus – er rannte im Kreis, grub Löcher und so weiter. Man würde nicht glauben, dass so ein kleiner Hund so viel Verantwortung trägt! Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg zurück ins Dorf. Sayulita ist ein schöner Ort mit vielen Bars und Restaurants, deren Tische sich auf die Straße erstrecken, sowie Geschäften, die Kleidung, Schmuck und Kunsthandwerk verkaufen. Es herrscht eine sehr angenehme, entspannte Atmosphäre. Touristen lieben es, Golfbuggys zu mieten. Viele davon rasten durch die Stadt. Uns wurde auch einer angeboten, aber wir lehnten ab. Dave sagte dem Mann, dass wir lieber zu Fuß gehen, woraufhin er uns lachend „Chevro-Legs” nannte. Terry und Beverley wollten die Geschäfte durchstöbern, also gingen Dave und ich zum Strand. Wir kamen an Reihen von Zelten und Sonnenschirmen vorbei, unter denen sich Menschen drängten, die die Sonne, das Meer, Getränke und Massagen genossen, und schlenderten dann den langen Strand entlang bis zum Ende der Bucht. Es war wunderbar, die warme Sonne auf unseren Schultern und Körpern zu spüren, gekühlt von der Meeresbrise. Pelikane schwebten hoch in der Luft und tauchten nach Fischen, während Schwimmer in die Wellen sprangen. Dave ging auch ins Wasser und liebte die Brandung, obwohl man wegen der starken Strömung aufpassen musste, nicht hinausgetrieben zu werden. Wir kamen an der Stelle vorbei, an der wir unser altes Hotel vermuteten, konnten es aber nicht entdecken. Entlang des Strandes waren so viele neue Hotels entstanden, dass sie wahrscheinlich die Sicht versperrten. Wir waren froh, dass wir unser Haus gefunden hatten, weit weg vom Trubel. Wir mussten immer noch auf die Sonne achten, also machten wir uns um 17:30 Uhr auf den Heimweg und tranken mit Terry und Beverley Tee und Kaffee auf der Terrasse. Wir sahen zu, wie unsere Nachbarin mit ihrem Hund im Swimmingpool badete. Ich nahm mir vor, keine privaten Pools mehr zu benutzen – man könnte sich dort Hundeflöhe und andere unhygienische Dinge einfangen. Oder bin ich einfach zu pingelig? Dave hatte die Aufgabe übernommen, das Abendessen zu kochen. Das stellte sich als ziemliche Herausforderung heraus, da wir einen Elektroherd mit zwei Kochplatten, eine Mikrowelle und einen elektrischen amerikanischen Oster-Heißluftofen hatten. Laura, die sich um die Wohnung kümmert, sagte, dass der Ofen hauptsächlich als Toaster und nicht als richtiges Kochgerät verwendet wird. Unbeeindruckt davon suchte Dave auf YouTube nach Informationen darüber, wie dieses Monster funktioniert. Laut YouTube konnte der Ofen auch zum Backen verwendet werden, und der Fisch sollte bei 400 °F nur 20 Minuten brauchen. Die Realität sah jedoch anders aus. Zusätzlich zum Fisch auf einem Blech hatten wir Kartoffeln, Zucchini und Karotten auf einem anderen Blech. Dieses Blech war zu groß, um auf die untere Ebene zu passen, sodass es über den Fisch gestellt werden musste. Um die Sache noch interessanter zu machen, hörte der Ofen immer wieder auf zu funktionieren, schaltete sich aus und musste neu gestartet werden. Dadurch dauerte alles etwas länger – aber wir hatten Zeit. Wir genossen ein Bier auf der Terrasse, ganz ohne Eile. Als das Abendessen endlich fertig war, schmeckte es köstlich. 4. Februar 2026 Wir hatten gut geschlafen, obwohl es etwas heiß war (ich beschwere mich nicht). Dave sagte, er habe Zahnschmerzen und wolle zum Zahnarzt gehen. Beverley und Terry bereiteten das Frühstück zu: Obstsalat und Joghurt, Toast mit Käse und Rührei. Es war sehr lecker. Nach dem Frühstück machten Dave und ich uns auf die Suche nach einem Zahnarzt. Eine Google-Suche ergab mehrere Zahnärzte im Dorf. Wir wählten einen mit guten Bewertungen – hauptsächlich von US-amerikanischen Familien, die angaben, regelmäßig nach Sayulita zu kommen und immer zum selben Zahnarzt zu gehen. Möglicherweise liegt das daran, dass Zahnbehandlungen hier für Ausländer günstiger sind als in ihren eigenen Ländern. Die Zahnarztpraxis befand sich auf der anderen Seite des Dorfes, hinter der Brücke an der Avenida Revolución. Wir konnten noch am selben Nachmittag einen Termin für Dave vereinbaren, allerdings nur für eine Röntgenaufnahme, um festzustellen, was mit dem Zahn nicht in Ordnung sei. Der Zahnarzt erklärte, dass er ihn an diesem Tag nicht bohren oder reparieren könne, da es im Dorf kein Wasser gebe (nur wir Touristen hatten Wasser). Das war auch der Grund, warum die Frau in der Wäscherei unsere Kleidung an diesem Tag nicht waschen konnte. Wasser ist sehr knapp. Leitungswasser wird montags, mittwochs und freitags geliefert und in Zisternen gespeichert. Wenn man mehr Wasser als diese Standardlieferungen benötigt – wie es bei den meisten Hotels oder Airbnbs der Fall ist –, muss man zusätzliches Wasser bestellen, das mit einem Lkw angeliefert und in die Zisternen gepumpt wird. Das ist sehr kostspielig. Wir hatten dieses System bereits in anderen Städten wie Mexiko-Stadt, Puebla, Oaxaca, Querétaro und nun auch hier in Sayulita gesehen. In den letzten Jahren ist das Dorf enorm gewachsen. Es gibt viele neue Häuser und Hotels, aber die Wasserversorgung wurde nicht entsprechend ausgebaut. Lange Zeit war Strom der teuerste Versorgungsdienst, jetzt hat Wasser ihn in puncto Kosten überholt. Wir gingen wieder zum Zahnarzt und die Röntgenaufnahmen zeigten, dass Dave eine massive Infektion im rechten oberen Zahnfleischbereich hatte. Der Zahnarzt erklärte uns verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und wir entschieden uns dafür, dass Dave sieben Tage lang Antibiotika nehmen sollte, in der Hoffnung, dass die Infektion so weit abklingen würde, dass er den Rest unserer Reise ohne Beschwerden überstehen würde, bis er unseren Zahnarzt zu Hause aufsuchen könnte. Die Kosten für alles? 500 Pesos (21,26 £) für die Röntgenaufnahme und 324 Pesos (13,78 £) für die Antibiotika. Nicht schlecht. Apotheken hier verkaufen neben der Abgabe von ärztlichen Rezepten auch alle Arten von Medikamenten rezeptfrei – Schmerzmittel, Antibiotika, Viagra, Steroide und vieles mehr. Ich schaudere bei dem Gedanken, wie viele Menschen sich selbst diagnostizieren und starke Medikamente ohne angemessene ärztliche Beratung kaufen, sondern sich stattdessen auf Gerüchte von Nachbarn, Apothekern oder früheren Erfahrungen verlassen. Ein Arztbesuch ist vielleicht einfach zu teuer oder die Wartezeiten zu lang. Laura erklärte uns, dass Menschen wie sie, die arbeiten, die Möglichkeit haben, in eine Art Versicherungssystem einzuzahlen und dann Zugang zu öffentlichen Gesundheitseinrichtungen wie Ärzten, Krankenhäusern und Hebammen zu erhalten. In diesem Fall ist auch die ganze Familie versichert und hat Zugang zur Gesundheitsversorgung. Die öffentliche Gesundheitsversorgung ist jedoch schlecht: Es gibt zu wenige Ärzte und zu wenige Einrichtungen für die Zahl der Menschen, die medizinische Versorgung benötigen, und die Wartezeiten für einen Arzttermin sind lang. Andererseits hat Lauras jüngere Tochter Typ-1-Diabetes und benötigt eine spezielle Betreuung, die in ihrem Fall ausgezeichnet ist, da es in ihrer Gegend Diabetes-Spezialisten gibt. In anderen Regionen oder bei anderen Erkrankungen kann die Situation ganz anders sein, wenn es keine Spezialisten gibt. Wer nicht berufstätig ist, kann nicht in eine Krankenversicherung einzahlen und muss daher entweder privat bezahlen oder hat überhaupt keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung, da er sich diese nicht leisten kann. Sayulita ist ein Feriendorf mit vielen Touristen und Ausländern, die hier ihre Zeit verbringen oder sich entschieden haben, sich dauerhaft niederzulassen. Uns wurde erzählt, dass einige langjährige US-amerikanische Bewohner des Dorfes großzügige Spenden an lokale Gesundheitseinrichtungen geleistet haben, zum Beispiel für einen neuen Krankenwagen. Nach unseren erfolgreichen Besuchen beim Zahnarzt und in der Apotheke gingen wir nach Hause, um eine Tasse Tee zu trinken, und Dave wollte so schnell wie möglich mit seiner Antibiotikabehandlung beginnen. Am Nachmittag gingen wir mit Terry zum örtlichen Strand und sahen zu, wie die hohen Wellen brachen und einige mutige Surfer auf den Wellen ritten – oder ins Wasser fielen. An diesem Tag gab es eine Windwarnung und die Strömung war stark. Terry ging ins Wasser und wurde sofort von der Strömung mitgerissen. Glücklicherweise ist er ein guter Schwimmer und kam nicht zu Schaden. Am Abend gab es Hühnchen. Beverley und Terry hatten gegrilltes Hühnchen mit Reis und Tortillas gekauft. Wir mussten es nur noch aufwärmen und schon war das Abendessen fertig. Es schmeckte sehr gut. 5. Februar 2026 Heute Morgen saßen Dave und ich wieder um 6 Uhr auf der Terrasse und schrieben unsere Blog-Tagebücher. Es war kühl und frisch und es war schön, die Vögel, die Hähne und die bellenden Hunde zu hören – bis um 7 Uhr wieder eine Kettensäge ansprang. Später erfuhren wir, dass in der Nähe einige Äste abgeschnitten wurden. Terry gesellte sich zu uns auf die Terrasse, um ein bisschen zu plaudern. Um 8 Uhr gingen wir zur Wäscherei, in der Hoffnung, dass über Nacht Wasser gekommen war und die junge Frau unsere Kleidung waschen konnte. Das Wasser war noch nicht da, aber sie war optimistisch, dass im Laufe des Tages zumindest etwas Wasser kommen würde. Wir ließen unsere Wäsche bei ihr und gingen ins Dorf zum Fischhändler, um Dorado für das Abendessen zu kaufen. Leider hatte der Fischhändler noch geschlossen. Die Gemüsehändlerin gegenüber sagte uns, dass sie in einer halben Stunde, um 9 Uhr, öffnen würden. Wir warteten eine Weile, aber 9 Uhr kam und ging, und kein Fischhändler erschien. Wir gingen nach Hause und frühstückten mit Terry und Beverley: Müsli mit Obst und Joghurt. Danach kehrten wir zum Fischhändler zurück und kauften ein Kilo frisch filetierten Dorado für 370 Pesos und machten uns auf den Heimweg. Zu diesem Zeitpunkt schmerzten Daves Füße. Der Grund: Terry war zuvor hinausgegangen, um ein paar Fotos vom Strand zu machen, und hatte versehentlich Daves Schuhe angezogen. Sie waren von derselben Marke und Farbe, aber zwei Nummern größer, was bedeutete, dass Dave seine Füße in viel kleinere Schuhe zwängen musste. Glücklicherweise war Terry wieder da, als wir nach Hause kamen, und sie konnten die Schuhe tauschen. Später kontaktierte mich Laura und teilte mir mit, dass sie einen Taxifahrer gefunden hatte, der uns vier mit unserem Gepäck am Samstagmorgen für 1.600 Pesos in bar zum Flughafen bringen konnte. Das waren 600 Pesos mehr, als wir erwartet hatten, aber es war ein großes Auto, in das unser gesamtes Gepäck passte, also stimmten wir zu. Da wir bar bezahlen mussten, mussten wir etwas Geld abheben. Meine Internetrecherche ergab, dass es in Sayulita zwei Banken sowie eine Reihe von Geldautomaten gibt. Wir wurden jedoch gewarnt, keine Geldautomaten auf der Straße zu benutzen, da diese oft manipuliert werden und Betrügern ausgesetzt sind. Nein, danke. Viele der anderen Geldautomaten, die wir fanden, waren außer Betrieb, wurden gerade repariert oder waren ganz aufgegeben worden. Wir beschlossen, keine Geldautomaten zu benutzen und nicht zu riskieren, dass unsere Karte eingezogen wird – wir sind erst auf halber Strecke unserer Reise und brauchen sie noch. Stattdessen gingen wir zu einer der Banken auf der anderen Seite des Dorfes. Nach einem langen Fußmarsch erklärte uns eine freundliche Frau dort, dass es sich nicht um eine Bank handele, die über einen Geldautomaten verfüge, Bargeld auf Karten ausbezahle oder sogar Geld wechsle. Sie schlug uns vor, mit dem lokalen Bus eine halbe Stunde zum nächsten Dorf zu fahren, wo es mehr Banken und Geldautomaten gebe. Nein, danke. An einem so schönen Tag wollten wir nicht stundenlang unterwegs sein, in der Hoffnung, etwas Bargeld zu bekommen. Wir gingen zur anderen Bank, nur um dort dasselbe zu hören. Die Bankangestellten stimmten sogar zu, dass die Banksituation in Sayulita, obwohl es ein Touristenziel ist, erschreckend ist. Wir hatten genug. Wir beschlossen, am nächsten Morgen in einer der Wechselstuben einige US-Dollar zu wechseln. Es ist immer gut, einen Plan B zu haben – und etwas Bargeld in Dollar –, um Probleme zu vermeiden. Dann gingen wir zum Strand, wo wir Beverley und Terry trafen und ein paar Stunden lang die Sonne genossen und die Wellen und Surfer beobachteten. Danach spazierten wir gemächlich zurück und kauften unterwegs Kartoffeln und Gemüse für das Abendessen. Das Abendessen war köstlich. Der Fisch war sehr leicht und zart. Allerdings brauchte der Oster-Ofen wieder einmal länger als erwartet, und während wir warteten, gönnten wir uns Guacamole und Tortilla-Chips. Als das Essen fertig war, waren wir schon ziemlich satt. Beverley und ich tranken Piña Coladas – Dave leider nicht, weil er Antibiotika nahm –, während er und Terry bei Bier blieben. (Der Zahnarzt hatte Dave eine kleine Menge Bier erlaubt, aber keine Spirituosen.) Wir waren müde von der Sonne und gingen früh ins Bett. 6. Februar 2026 Wir standen früh auf (Dave um 5:30 Uhr, ich um 6 Uhr) und saßen im Dunkeln auf der Terrasse – die Sonne geht erst um 7:30 Uhr auf –, tranken Tee, lasen die Nachrichten und schrieben unseren Blog. Ich liebe diese Tageszeit, wenn das Dorf noch ruhig ist, abgesehen von den Hähnen, und gerade erst aufwacht. Ich habe für unseren Rückflug nach Mexiko-Stadt eingecheckt, unsere Bordkarten erhalten und sie per E-Mail an alle verschickt. Morgen früh müssen wir um 6 Uhr mit dem Taxi losfahren, was bedeutet, dass wir unsere Koffer die Treppe hinunter zum Eingangstor schleppen müssen. Ich habe mir vorgenommen, vorher die Lichtschalter zu suchen, um Unfälle zu vermeiden – oder dass wir die Hälfte unseres Gepäcks zurücklassen. Heute wollten wir einen langen Spaziergang am Strand entlang zur nächsten Bucht machen. Wir hatten diese Wanderung schon einmal gemacht und wussten, wie schön sie ist, wenn man sich durch den Dschungel und einen Hügel hinaufschlängelt, bevor man in eine Bucht mit einem langen Strand gelangt. Bei unserem letzten Besuch waren wir auf etwas zugegangen, das wir für ein Restaurant hielten, um uns zu erfrischen, nur um festzustellen, dass es sich um ein Privathaus handelte, in dem etwa zehn Personen etwas feierten. Sie waren sehr freundlich und gaben uns etwas Wasser. Dieses Mal waren wir besser vorbereitet: Es gibt kein Restaurant und keine Bar, also mussten wir Wasser mitnehmen. Nach einem kurzen Frühstück machten wir uns auf den Weg. Wir hatten unsere US-Dollar dabei, aber so früh am Morgen war noch keine Wechselstube geöffnet, also mussten wir damit bis später warten. Wir gingen bis zum Ende unserer Bucht und kletterten dann über Felsen in den Dschungel, wo wir schmalen Pfaden durch dichte Bäume und Büsche folgten. Es gab viele freiliegende Baumwurzeln, sodass wir vorsichtig sein mussten, um nicht auszurutschen oder zu stolpern. Wir waren auch vorsichtig, wenn wir nach Ästen griffen, ohne vorher nachzuschauen, ob sich dort Schlangen oder Spinnen befanden. Wir trafen nur wenige andere Wanderer, da sich nicht viele Touristen so weit vom Strand entfernen. An einer Stelle bogen wir falsch ab, was uns zu einer schönen kleinen Bucht führte, in der außer uns niemand war – und zwei haarige, stachelige tote Fische. Das Wasser sah verlockend zum Schwimmen aus, aber es gab viele Felsen in der Bucht und möglicherweise noch mehr unter Wasser, sodass wir nach einer kurzen Pause wieder zum Dschungelpfad hinaufstiegen und zur nächsten großen Bucht weitergingen. Als wir dort ankamen, waren zwei Yoga-Gruppen gerade mitten in ihrer Sitzung. Wir gingen weiter zum Meer und beobachteten die riesigen Wellen, die sich brachen. Wir gingen kurz ins Wasser, aber der Strand fiel steil ab und die Wellen waren stark, sodass man immer weiter ins Wasser gezogen wurde und es schwierig war, wieder herauszukommen. Eine Gruppe junger Männer schwamm hinter den brechenden Wellen, wo das Meer ruhiger war, aber dorthin und wieder zurück zu kommen, war eine Herausforderung. Ich hatte zu viel Angst, es zu versuchen. Dennoch war es ein großartiger Anblick, und wir genossen es, Zeit an diesem weitläufigen Strand mit nur wenigen Menschen zu verbringen. Nach einer Weile wurde es zu heiß, also machten wir uns langsam auf den Rückweg, überquerten die nächste Bucht und kamen an den vielen Menschen am Dorfstrand vorbei, die die Sonne, die Wellen und ihre Biere und Cocktails genossen. Wir bemerkten Gruppen von bewaffneten Polizisten, die einige der Verkäufer kontrollierten und die Papiere derjenigen überprüften, die Massagen anboten. Es war das erste Mal, dass wir in Sayulita bewaffnete Polizisten sahen; in den großen Städten hatten wir viele gesehen, aber hier nicht. Wir verließen den Strand, wechselten unsere US-Dollar in mexikanische Pesos und gingen dann zum Strandrestaurant Maika, wo wir eine Coca-Cola tranken und einen Tisch für den Abend reservierten. Terry und Beverley hatten uns freundlicherweise angeboten, uns an unserem letzten gemeinsamen Abend zum Essen einzuladen, als Dankeschön dafür, dass ich die Reise für sie organisiert hatte. Das war sehr nett. Wir entschieden uns für Maika, weil es die besten Bewertungen im Dorf hatte. Da wir am Meer waren, wollten wir Fisch essen, aber wir waren vorsichtig, wo wir das tun würden. Bei unserem letzten Besuch hatte Dave eine Lebensmittelvergiftung erlitten, möglicherweise durch ein Ceviche in einem der Dorfrestaurants. Dieses Mal fühlte ich mich dafür verantwortlich, dass wir alle vier sicher waren – Fisch und Meeresfrüchte können in der Hitze leicht verderben, und ich wollte kein Risiko eingehen. Maika schien die vertrauenswürdigste Option zu sein, und andere Gäste, mit denen wir sprachen, bestätigten, dass das Essen ausgezeichnet sei. Leider schloss es um 19 Uhr, sodass wir um 18 Uhr essen mussten. Wir gingen nach Hause, um zu duschen und uns umzuziehen. Terry und Beverley hatten auch ein anderes Restaurant gefunden, das ihnen gefiel, im Obergeschoss eines Gebäudes mit Aussicht und Live-Musik. Da wir jedoch bereits einen Tisch reserviert hatten, beschlossen wir, bei Maika zu bleiben. Als wir ankamen, war lautes Trommeln vom Strand zu hören, sodass wir den Tisch wechselten. Dann begann auch noch Live-Musik in der Bar nebenan. Es war nicht ideal und es war unmöglich, sich richtig zu unterhalten, zumal Terrys Gehör beeinträchtigt ist. Aber aus Erfahrung wussten wir, dass es an einem Freitagabend in einem Dorf wie diesem überall laut sein würde. Zumindest hatten wir hier gute Chancen auf ausgezeichnetes Essen. Dave und ich bestellten Tintenfisch – den besten, den wir je gegessen haben. Absolut köstlich. Terry hatte in Orangensaft marinierten Lachs und Beverley entschied sich für Pasta mit Meeresfrüchten. Beide fanden ihr Essen sehr gut. Glücklicherweise hörte die Live-Musik nebenan irgendwann auf; die Band war wahrscheinlich zu einem anderen Veranstaltungsort weitergezogen. Es war dennoch eine Erleichterung, das Restaurant zu verlassen und durch die Stadt zurückzulaufen. Überall war Musik zu hören. Wir hielten eine Weile an, um einem Solomusiker zuzusehen, der beeindruckend viel Lärm machte, sang und zu Begleitmusik aus einer Blechdose spielte. Auf dem Platz sang ein Sänger traditionelle mexikanische Ranchera-Lieder. Er war ausgezeichnet. Es gab Tische, Stühle und viele Menschen, und wir wurden eingeladen, mit ihnen zu essen. Wir erfuhren, dass die Gemeinde Sayulita einen Abend mit Essen und Musik organisiert hatte, um Geld für einen ihrer Freunde, Rafa, zu sammeln, der mit Krebs im Krankenhaus lag und Geld für eine dringend notwendige Operation brauchte. Es war wunderbar zu sehen, wie in Zeiten der Not ein so starkes Gemeinschaftsgefühl entstand. Wir setzten unseren Spaziergang fort, genossen die lebhafte Atmosphäre und machten Fotos von den wunderschön beleuchteten Bars, Restaurants und Geschäften – so anders als tagsüber. Schließlich gingen wir nach Hause und tranken einen letzten Schlummertrunk mit dem restlichen Fruchtsaft und Rum, während sich Dave mit einem Bier begnügen musste. Wir gingen früh ins Bett, da wir um 5 Uhr morgens aufstehen mussten, um um 6 Uhr mit dem Taxi zum Flughafen zu fahren. 7. Februar 2026 Dave wachte vor dem Wecker auf und riss mich aus dem tiefsten Schlaf. Ich war eigentlich ganz froh darüber, denn ich befand mich gerade mitten in einem meiner schrecklichen wiederkehrenden Träume, in denen ich meine Abiturprüfungen noch einmal ablegen muss, völlig unvorbereitet und kurz vor dem Durchfallen. Was für ein Albtraum! Also war es besser, aufzustehen und loszulegen. Heute war wieder ein Reisetag und der würde lang werden. Wir machten uns schnell fertig und hatten sogar noch Zeit für eine Tasse Tee. Dann, zehn Minuten vor 6 Uhr morgens, kam José Martinez, der Taxifahrer, mit einem Auto, das groß genug war, um unser gesamtes Gepäck aufzunehmen, und wir begannen, unsere Koffer die Treppe hinunterzuschleppen. Die Bewegungsmelder funktionierten nicht richtig, sodass es an einigen Stellen überhaupt kein Licht gab und wir sehr vorsichtig sein mussten. Dennoch schafften wir es, mit unserem Gepäck sicher zum Eingang zu gelangen. Die Fahrt zum Flughafen verlief reibungslos, und wir kamen kurz vor 7 Uhr morgens am Flughafen von Puerto Vallarta an, wo es noch dunkel war. Da wir so früh dran waren, war der Schalter von Aeroméxico noch nicht geöffnet, also gingen wir zuerst frühstücken. Als wir uns später in die Schlange stellten, waren nicht viele Leute vor uns – nur ein paar Familien –, aber es dauerte lange, bis das Personal am Schalter sie abgefertigt hatte. Sie mussten alle für ihr Gepäck extra bezahlen. Vermutlich hatten sie bei der Buchung ihrer Flüge den günstigsten Tarif ohne aufgegebenes Gepäck gewählt, da das Hinzufügen von Gepäck recht kompliziert war, und hofften, dies am Flughafen regeln zu können. Leider ist dies viel teurer. Ich hatte all dies bei der Buchung der Flüge für uns vier mühsam erledigt, was mich fast um den Verstand gebracht hätte, aber am Ende war alles geregelt und viel billiger. Die Familien zuckten nur mit den Schultern und reichten ihre Kreditkarten – weniger Aufwand für sie. Jedem das Seine. Der Rückflug nach Mexiko-Stadt war schnell, etwas mehr als eine Stunde. Dann war es Zeit, sich von Terry und Beverley zu verabschieden, die noch ein paar Tage in Mexiko City bleiben wollten, bevor sie nach London zurückkehrten, während wir in den Norden nach Chihuahua weiterreisten, um unsere Reise durch den Copper Canyon fortzusetzen. Wir begleiteten Terry und Beverley zum Gepäckausgabebereich, um sicherzustellen, dass es keine unerwarteten Probleme gab, und winkten ihnen dann zum Abschied. Als Dave und ich die Treppe hinaufgingen, um zum Inlandsanschlussbereich zu gelangen, wurden wir von einer ziemlich hochnäsigen Sicherheitsbeamtin aufgehalten, die uns mitteilte, dass wir nicht nach oben gehen dürften und zurück durch den Hauptterminal gehen und erneut die Sicherheitskontrolle passieren müssten. Ich konnte es nicht glauben. Wir waren nur etwa fünf Meter vom Inlandsanschlussbereich entfernt. Ich versuchte zu erklären, dass wir gerade Freunde an der Gepäckausgabe verabschiedet hatten und nun unsere Reise nach Chihuahua fortsetzen würden, dass wir nicht hinausgegangen waren, sondern im Transitbereich geblieben waren, aber sie bestand darauf, dass wir zurückgehen mussten. Wir gerieten in einen Streit. Ich entschied mich, sie zu ignorieren und ging weiter die Treppe hinauf. Sie rief um Hilfe und ein weiterer Sicherheitsbeamter kam hinzu. Jetzt dachte ich, wir würden verhaftet werden. Aber dieser Mann, der eine gelbe Weste trug, war ruhig, höflich und hörte sich tatsächlich an, was ich zu sagen hatte. Er erklärte, dass aufgrund umfangreicher Bauarbeiten am Flughafen im Vorfeld der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft zusätzliche Sicherheitsbeschränkungen galten. Diese Erklärung konnte ich akzeptieren – sie wurde mir respektvoll mitgeteilt und nicht in mich hineingeschrien. Also kehrten wir um und gingen wieder hinunter, vorbei an der unangenehmen Frau, die weiterhin herumschrie und Leute herumkommandierte und sichtlich Freude an der kleinen Macht hatte, die ihr ihre Position verlieh. Auf dem Weg nach draußen verirrten wir uns, da überall Baustellen waren und viele Bereiche abgesperrt waren. Die meisten Sicherheitsbeamten, die wir fragten, entschuldigten sich für das Chaos am Flughafen und die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen. Das konnten wir verstehen. Warum die Frau nicht die gleiche Höflichkeit an den Tag legen konnte, bleibt uns ein Rätsel. Es dauerte eine Weile, bis wir wieder hineinkamen und erneut die Sicherheitskontrolle passieren konnten. Erschöpft beschlossen wir, Tee und Kaffee zu trinken und kehrten in das Café zurück, in dem wir fünf Tage zuvor gefrühstückt hatten. Ich ging auf die Toilette, während Dave unser Handgepäck ins Café brachte und uns einen Platz suchte. Er geriet in einen Streit mit einer Kellnerin, die ihm wiederholt die Speisekarte unter die Nase hielt und darauf bestand, dass er sofort etwas bestellte. Er wollte auf mich warten, damit wir gemeinsam bestellen konnten. War dies der Tag der übermäßig aufdringlichen Frauen? Wir bestellten unsere Getränke und sagten, wir bräuchten noch etwas Zeit, um uns die Speisekarte anzusehen. Das gefiel ihr offensichtlich nicht, sie knallte unsere Getränke mit wütendem Gesichtsausdruck auf den Tisch und verschwand für eine Weile, ohne unsere Essensbestellung aufzunehmen. Service mit einem Lächeln! Natürlich bekam sie kein Trinkgeld. Die nächsten Stunden verbrachten wir damit, durch den Flughafen zu schlendern und auf unseren Flug zu warten. Ich buchte ein Hotel für vier Nächte in Creel, unserem nächsten Aufenthaltsort nach Chihuahua, aber der Kauf der Bustickets nach Creel wurde abgebrochen, kurz nachdem ich unsere Kreditkartendaten eingegeben hatte. Ich habe nachgesehen, es war noch nicht abgebucht worden. Außerdem habe ich es geschafft, Tickets für das Frida Kahlo Haus zu bekommen, für unseren Rückbesuch in Mexiko-Stadt am 10. März, einen Tag vor unserem Rückflug. Wir hatten Glück, denn die Tickets sind sehr begehrt und es werden nur wenigeTickets für eine Woche im Voraus verkauft! Schließlich wurde zum Einsteigen aufgerufen. Am Gate bat mich ein Aeromexico Angestellter, „meinen Kopf abzunehmen”. Ich lachte – er meinte meinen Hut. Ich erklärte ihm den Unterschied zwischen Kopf und Hut im Englischen, und wir brachen alle in Gelächter aus. Was für einen Unterschied es macht, wenn Menschen mit einem Lächeln und ein bisschen Humor kommunizieren. Wir stiegen in das Flugzeug, und die zweieinhalbstündige Flugzeit verging wie im Flug. Wir holten sogar einen Teil der früheren Verspätung auf und landeten vorzeitig in Chihuahua. ——————- Dave: 02. Februar 2026 Wir standen um 06:00 Uhr auf und trafen Terry und Beverley um 07:15 Uhr in der Lobby. Fernando, der uns zu den Pyramiden gefahren hatte, brachte uns für die atemberaubende Summe von 800 MX$ (33,58 £) zum Flughafen. Der Flughafen war chaotisch und überraschend kalt, draußen waren es nur 5 °C – und drinnen war es nicht viel wärmer. Wir trennten uns zum Frühstück: Lisa und ich aßen im Covina Urbana – heiße Schokolade und Pfannkuchen für sie, Croissant und Cappuccino für mich, während T&B ihre HSBC Premier Lounge-Karten nutzten (keine Gäste erlaubt). Unser Flug nach Puerto Vallarta war für 10:30 Uhr geplant, aber da der Flughafen aufgrund der Vorbereitungen für die Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko später in diesem Jahr in Unordnung war, starteten wir schließlich um 11:10 Uhr. Trotz der Verspätung kamen wir pünktlich an. Als wir aus dem Flughafen in den strahlenden Sonnenschein traten, war das ein Schock, denn die Temperatur war auf schwüle 30 °C gestiegen. Laura, mit der Lisa wegen unserer Airbnb-Unterkunft zu tun hatte, traf uns vor der Pacific Bar, nachdem sie wegen des starken Verkehrs einige Runden um den Abholbereich gedreht hatte. Ein Teil unseres Gepäcks passte nicht in den Kofferraum ihres Hondas, also wurden zwei Koffer auf den Dachgepäckträger geladen, und wir machten uns auf den Weg nach Sayulita. Die erste halbe Stunde ging es langsam durch belebte Urlaubsgebiete, aber sobald wir im Landesinneren waren, schlängelte sich die Straße durch üppig grüne Hügel. Bald kamen wir in Sayulita an, einem kleinen, farbenfrohen Ferienort mit engen Kopfsteinpflasterstraßen. Eine Rechtskurve auf einen noch schmaleren Weg brachte uns zu unserem Airbnb, das auf einem grünen Hügel thronte. Das Gepäck mehrere steile Treppen in der schwülen Hitze hinaufzutragen, war harte Arbeit, und wir waren bald verschwitzt und klebrig. Die Wohnung hat zwei Schlafzimmer, jedes mit eigenem Bad, eine Gemeinschaftsküche und einen schönen Balkon mit Blick auf den gegenüberliegenden Hügel. Obwohl sie nach Westen ausgerichtet ist, versperrte dichtes Laub den Blick auf den Sonnenuntergang. Laura musste gleich nach unserer Ankunft zu einem Termin, aber ihre Tochter führte uns herum, bevor wir uns kurz ausruhten und eine Tasse Tee tranken. Später gingen wir in die Stadt, um sie zu erkunden und etwas zu essen zu kaufen. Der Strand war voll und das Meer mit Surfern übersät. Die Straßen waren belebt und gesäumt von Bars und Restaurants, die Happy-Hour-Angebote hatten, die wir gegen 17:30 Uhr gerne in Anspruch nahmen. Während wir auf unsere Cocktails warteten, schaute ich in einem empfohlenen Laden vorbei und kaufte einen Liter Bacardi Dark Rum für 310 MX$ (12,96 £). Ein Saxophonist spielte zwischen den Bars und trug zur entspannten Atmosphäre bei. Wir kauften ein paar Bier in einem Laden an der Ecke und machten uns auf den Rückweg. Leider hatte der Stand mit Brathähnchen, den wir für unser Abendessen vorgesehen hatten, bereits geschlossen, sodass Lisa und Beverley improvisierten und Sardinen aus der Dose mit Gemüse zubereiteten. Zurück in der Wohnung genossen wir auf dem Balkon ein kühles Bier und Rum, während es langsam abkühlte. Zum Abendessen gab es eine köstliche Guacamole-Vorspeise, gefolgt von Gemüse und Sardinen: Morgen Abend sind wir mit dem Kochen dran. Um 21:30 Uhr machten sich der frühe Start, die Reise und die Hitze bemerkbar, und wir gingen alle ins Bett, bereit, uns morgen in das Leben in Sayulita zu stürzen. 03. Februar 2026 Wir standen um 06:00 Uhr auf und schrieben auf dem Balkon unseren Blog. Der Sonnenaufgang in Sayulita ist erst um 07:37 Uhr, deutlich später als in Mexiko-Stadt. Irgendwo in der Ferne heulte eine Kettensäge auf, aber das trübte den Moment nicht. Auch die umliegenden Hügel erwachten zum Leben, erfüllt vom Zwitschern der Vögel in den Bäumen, dem Zirpen der Zikaden und dem Krähen der Hähne, die sich im dichten Laub versteckten. Die Zeit vor Sonnenaufgang ist hier magisch. Nach dem Frühstück gingen Lisa und ich in die Stadt zum Fischhändler, da ich mich freiwillig bereit erklärt hatte, heute Abend zu kochen. Wir kauften vier frische Red Snapper für 205 MX$ (8,63 £), ein absolutes Schnäppchen. Zurück am Eingang der Wohnung unterhielten wir uns mit der Nachbarin, einer Diabetikerin aus Oklahoma mit einem Chihuahua als medizinischem Alarmhund (DADs). Der kleine Hund war darauf trainiert, Veränderungen ihres Blutzuckerspiegels zu erkennen und sie durch Pfötchen geben, Anstupsen oder Bellen zu alarmieren: faszinierend. Zurück in der Wohnung putzte und bereitete ich den Fisch zu und legte ihn in den Kühlschrank. Das kleine Drama am Morgen betraf den Safe in unserem Kleiderschrank, der sich nicht öffnen ließ. Laura kam zehn Minuten später mit einem Hauptschlüssel und schlug Lisa vor, ihn auf den Kleiderschrank zu legen. Leider gab es einen schmalen Spalt zwischen dem Kleiderschrank und der Türzarge, in den der Schlüssel prompt verschwand. Nach einigem vorsichtigen Hebeln gelang es mir, ihn wieder herauszuholen – die Krise war abgewendet. Dann machten wir uns wieder auf den Weg in die Stadt und spazierten am Strand entlang, während Terry und Beverley planten, später in die Stadt zu gehen. Da wir nur einen Satz Schlüssel hatten, mussten sie diese im Schlüsselsafe für denjenigen hinterlassen, der zuerst zurückkam. Wir liefen barfuß bis zum anderen Ende des Strandes, machten eine Pause, um uns zu sonnen, und ich ging im Meer schwimmen. Es war wunderbar – warmer Sand, Sonnenschein und Salzwasser. Auf dem Rückweg fotografierten wir eine Hochzeit durch den Drahtzaun eines Hotels, die Fotografen und eine Band, die hinter dem glücklichen Paar spielte. Ich konnte nur hoffen, dass die Fotografen besser waren als die Band. Nach dem Duschen entspannten wir uns auf dem Balkon. Ich ging online, um herauszufinden, wie der ziemlich komplizierte amerikanische Oster-Heißluftofen tatsächlich funktioniert. Der Fisch kam in eine Auflaufform mit geschnittenen Kartoffeln und Zwiebeln, das restliche Gemüse in eine separate Pfanne. Im Ofen war nicht genug Platz für alles, daher mussten ein paar Kartoffeln und Karotten gekocht werden. Ich hatte die Ofenanweisungen sorgfältig in meine iPhone-Notizen kopiert. Dort stand, dass der Fisch 20 Minuten backen sollte. In Wirklichkeit dauerte alles fast 50 Minuten. So viel zu amerikanischen Heißluftöfen. Dennoch hat sich die zusätzliche Zeit gelohnt, denn der Fisch war (hoffentlich) perfekt. Wir tranken ein paar Bier, und Terry hatte die geniale Idee, sowohl die Gläser als auch das Bier für fünfzehn Minuten in den Gefrierschrank zu stellen. Beschlagene Gläser, perfekt gekühltes Bier: eine hervorragende Idee. Später gab Terry uns etwas von seinem Tequila als Schlummertrunk. Um 21:50 Uhr, satt, entspannt und müde, machten wir Schluss für diesen Abend und gingen zu Bett. 04. Februar 2026 Wir hatten beide eine unruhige Nacht hinter uns. Meine Zahnschmerzen, die mich schon seit Tagen plagten, wurden schlimmer und hielten mich stundenlang wach. Das heiße, feuchte Schlafzimmer trug auch nicht gerade zur Besserung bei. Um 6:30 Uhr gaben wir es auf, weiter zu schlafen, gingen auf den Balkon und arbeiteten leise an unseren Tagebüchern, während der Tag begann. Terry war bereits auf und checkte neben uns seine E-Mails. Nach dem Frühstück machten wir uns um 10:30 Uhr auf den Weg in die Stadt, um einen Zahnarzt zu suchen. Lisa hatte online drei gefunden, einen mit besonders guten Bewertungen, und dorthin wollten wir. Unterwegs hielten wir bei unserem örtlichen Waschsalon, um uns nach deren Service zu erkundigen. Obwohl er um 8:00 Uhr öffnet, ist er von der Wasserknappheit in Sayulita betroffen. An Tagen, an denen das Wasser abgestellt ist, müssen die Kunden warten, bis die Versorgung wiederhergestellt ist, um ihre Kleidung abzuholen – eine der Wachstumsschmerzen einer Stadt, die bei Touristen sehr beliebt geworden ist. Wir fanden den Zahnarzt und vereinbarten einen Termin für 14:30 Uhr, schlenderten dann zurück in Richtung Zentrum und machten Halt für eine Cola in der Maika Bar mit Blick auf das Meer. Die Bar ist auch ein Restaurant mit einer verlockenden Auswahl an Meeresfrüchten, darunter Tintenfisch, und wir dachten, dass dies eine gute Wahl für unser letztes Essen am Freitag sein könnte. Es schließt um 19:00 Uhr, was für uns perfekt passt, da wir am Samstag um 06:00 Uhr zum Flughafen müssen. Später gingen wir zum linken Ende des Strandes, wo Fischer ihre Boote mit einem Traktor über die Hochwassermarke hinausziehen. Pelikane ernährten sich von Fischresten und wir verbrachten einige Zeit damit, sie zu fotografieren. Ich unterhielt mich auch mit einer Gruppe von Amerikanern, die gerade von einem Angelausflug zurückgekommen waren. Sie waren zu viert und waren von 8:00 Uhr bis Mittag unterwegs gewesen. Der Ausflug hatte 350 US-Dollar plus 10% Trinkgeld gekostet (256,30 £). Um 14:30 Uhr waren wir wieder beim Zahnarzt. Er war gründlich und beruhigend, machte mehrere Röntgenaufnahmen und diagnostizierte ein Problem mit dem Wurzelkanal sowie Zahnfleischentzündungen an zwei Stellen. Seine Beratung und die Röntgenaufnahmen kosteten 500 MX$ (21,01 £), was mir wie ein Schnäppchen vorkam. Er verschrieb mir Amoxicilina, drei Tabletten pro Tag für eine Woche. Wir gingen direkt zu einer Apotheke, an der wir zuvor vorbeigekommen waren, und zahlten 324 MX$ (13,62 £), einschließlich eines willkommenen Rabatts von 10%. Zurück im Airbnb tranken wir eine Tasse Tee und ich nahm meine erste Antibiotika-Tablette ein. Um 16:00 Uhr kehrten wir zum Strand zurück, um zu schwimmen und uns zu sonnen. Terry kam auch mit, Beverley blieb jedoch zurück. Der Strand war voll und laut, mit tosenden Wellen, Musik, Bier und Cocktails, die überall getrunken wurden. Wir hatten gelesen, dass in Puerto Vallarta wegen starker Brandung rote Flaggen gehisst waren, und hier war es sicherlich genauso. Terry und ich gingen beide ins Wasser, aber Vorsicht war geboten, da jede zehnte Welle deutlich größer war und einen leicht umwerfen konnte. Um 17:45 Uhr gingen wir zurück und kauften unterwegs noch ein paar Bier. Mein Zahnfleisch war zu diesem Zeitpunkt sehr empfindlich, also nahm ich mein zweites Antibiotikum. Beverley kochte an diesem Abend. Sie und Terry hatten zuvor zwei halbe Hähnchen in einem kleinen Kiosk in der Nähe gekauft, die nur noch im Ofen aufgewärmt werden mussten. Außerdem hatte sie Kartoffelsalat und Guacamole gemacht. Ich beschränkte mich auf zwei kleine Bier – drei pro Tag waren das Maximum, das ich angesichts der Infektion und der Medikamente für vernünftig hielt. Ich fühlte mich müde und etwas seltsam und ging um 20:45 Uhr früh ins Bett. Die anderen folgten mir kurz darauf und machten etwa zehn Minuten später ebenfalls Schluss für diesen Abend. 05. Februar 2026 Es war wieder eine schlechte Nacht. Meine Zahnschmerzen und meine schmerzende rechte Schulter, die durch meinen Tennisarm noch verschlimmert wurde, bedeuteten, dass ich auf keiner Seite schlafen konnte, ohne Schmerzen zu haben. Um 05:30 Uhr gaben wir auf und standen auf, um unsere Tagebücher auf den Balkon mitzunehmen. Während wir arbeiteten, hörten wir, wie die Hähne und der umliegende Wald im Licht der Morgendämmerung langsam zum Leben erwachten. Um 8 Uhr gingen wir in die Stadt, um zuerst unsere schmutzige Wäsche in der nahe gelegenen Waschküche abzugeben und dann beim Fischhändler Dorado für das Abendessen zu kaufen. Sayulita leidet unter akutem Wassermangel und die Wasserversorgung wird jeden Tag für mehrere Stunden unterbrochen. Die Waschküche hatte kein Wasser, aber die Dame versicherte uns, dass sie unsere Kleidung waschen würde, sobald das Wasser wieder da sei. Als wir beim Fischhändler ankamen, hatte er geschlossen und sollte erst um 10:00 Uhr öffnen. Wir warteten bis kurz nach 09:00 Uhr, in der Hoffnung, dass er vielleicht früher öffnen würde, aber das tat er nicht, also gingen wir zurück. Wir frühstückten gemütlich mit Beverley und Terry. Danach machten wir uns wieder auf den Weg in die Stadt, da wir wussten, dass der Fischhändler bis Mittag ausverkauft sein würde. Terry ging etwas früher los, um die Wäsche abzuholen und Fotos vom Strand zu machen, nahm aber versehentlich meine Sandalen mit. Wir tragen beide Sandalen von Keen, seine haben Größe 9, meine Größe 11, also machte ich mich mit leicht eingeklemmten Zehen auf den Weg. Wir kauften ein langes 1 kg schweres Stück Dorado, auch bekannt als Delfinfisch oder Mahi-Mahi. Eine nützliche Entdeckung: Mein nächstes Paar Keens wird Größe 10 haben, da Größe 11 etwas zu groß ist. Wir kamen kurz vor Terry zurück, tauschten die Sandalen und buchten dann online zwei Nächte im Ibis Hotel in Chihuahua, in dem wir vor neun Jahren schon einmal übernachtet hatten. Danach machten wir uns auf den Weg zurück in die Stadt, um einen Geldautomaten zu suchen, und verabredeten uns mit Terry und Beverley für später am Strand. Wir sind vorsichtig, wenn es darum geht, Geldautomaten in kleinen Touristenorten zu benutzen, denn wenn unsere Karten eingezogen würden, hätten wir ein ernstes Problem. Deshalb beschlossen wir, stattdessen die beiden örtlichen Banken aufzusuchen. Die erste, in der Nähe des Busbahnhofs und fast außerhalb der Stadt, hatte überhaupt keinen Geldautomaten. Wir konnten auch kein Geld am Schalter abheben oder US-Dollar umtauschen. Ich wurde immer wütender. Was für eine Bank macht denn keine Geldgeschäfte? Die zweite Bank, näher am Zentrum, hatte zwar einen Geldautomaten, aber der war außer Betrieb, wie die meisten anderen in der Stadt auch. Es gab auch keinen Schalter, nur zwei Frauen an einem kleinen Tisch, von denen eine uns sagte, wir müssten eine halbe Stunde mit dem Bus in die nächste Stadt fahren, wenn wir eine Bank wollten, die Bargeld ausgibt. Wahnsinn! Heiß, verschwitzt und müde nach dem Spaziergang bei 29 °C und hoher Luftfeuchtigkeit machten wir in einem Café in der Nähe Halt, um uns abzukühlen, und gingen dann weiter zum Strand. Terry und Beverley waren bereits dort. Wir setzten uns zu ihnen unter ihren Sonnenschirm und entspannten uns ein paar Stunden lang, bis der Wind auffrischte und der Sonnenschirm zusammenbrach. Um 16:00 Uhr machten wir uns getrennt auf den Rückweg, da wir Kartoffeln brauchten und unsere Wäsche abholen mussten, während sie Geschenke einkaufen gingen. Zurück in der Wohnung saßen wir mit einer Tasse Tee auf der Terrasse. Ich duschte, packte teilweise meinen Koffer für unsere frühe Abreise am Samstag und bereitete den Dorado für das Abendessen vor. Während wir darauf warteten, dass er gar wurde, tranken wir ein paar kalte Bier. Wie ich bereits festgestellt hatte, ist unser Ofen nicht der beste. Was eigentlich 20 Minuten hätte dauern sollen, zog sich auf 45 Minuten hin, aber das Warten lohnte sich, denn der Fisch war perfekt gegart. Als wir mit dem Abendessen fertig waren, waren wir alle erschöpft. Ich kündigte an, dass ich um 21:10 Uhr ins Bett gehen würde, woraufhin alle anderen zugaben, dass sie genauso müde und bereit waren, sich ebenfalls zurückzuziehen, was sie dann auch taten. 06. Februar 2026 Wir standen um 05:15 Uhr auf und saßen im Dunkeln auf dem Balkon, wo wir still an unserem Blog arbeiteten, während die Welt noch schlief. Nach ein paar friedlichen Stunden machten wir uns um 09:30 Uhr auf den Weg, um am rechten Strand entlang zu spazieren, eine Route, die wir zuletzt vor neun Jahren genommen hatten. Es dauerte nicht lange, bis es interessant wurde. Sand war in meine Sandalen gelangt, also wollte ich mich auf einen Felsen setzen, um ihn herauszuschütteln. Leider war der Felsen, auf dem ich stand, messerscharf. Ich rutschte aus, als ich versuchte, mich nicht in die Füße zu schneiden, und verletzte stattdessen Knöchel und Zehen. Ich murmelte ein höfliches „Mist“ und ging weiter. Nachdem wir über Felsen neben einem Hotel geklettert waren, folgten wir einem schmalen Dschungelpfad über die mit dichtem Laub bewachsene Landzunge und gelangten zur nächsten Bucht. Wir gingen weiter zu einer weiteren Bucht mit wunderschönem goldenen Sand und machten auf halbem Weg Halt, um hoffentlich schwimmen zu können. Das Meer hatte jedoch andere Pläne. Der Strand war steil, die Brandung rau, und nach wenigen Schritten reichte uns das Wasser bis zur Hüfte. Die Wellen brachten uns aus dem Gleichgewicht und die Strömung zog uns aufs Meer hinaus. Wir versuchten es kurz, entschieden dann aber vernünftigerweise, dass es zu gefährlich war. Sicher ist sicher. Es war fast Mittag und es wurde langsam heiß, also kehrten wir über die Landzunge und den Strand entlang zurück. Wir hatten kaum noch Pesos und brauchten Bargeld für unser Taxi am nächsten Morgen. Da es keine Banken in der Nähe gab und die Geldautomaten in den Städten ausgesprochen unzuverlässig waren, gingen wir zu einer Wechselstube und tauschten 200 US-Dollar zu einem Kurs von 16,7 MX$ pro Dollar, was kein besonders guter Kurs war, aber unvermeidlich. An diesem Abend bestanden Terry und Beverley darauf, uns zum Essen einzuladen, um sich für die Organisation ihres Aufenthalts bei uns zu bedanken. Wir entschieden uns für das Maika, ein hübsches Fischrestaurant mit Blick auf den Strand. Nachdem wir zuvor auf einen kühlen Drink vorbeigekommen waren, reservierten wir einen Tisch für 18:00 Uhr und kehrten dann zum Airbnb zurück, um eine leichte Mahlzeit zu uns zu nehmen. Wir wuschen einige Kleidungsstücke, ich wusch unsere stinkenden Sandalen und stellte sie in die Sonne, in der Hoffnung, dass sie trocknen würden. Um 17:30 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Maika. In der Strandbar nebenan spielte eine Live-Band, die Musik drang laut vom Strand herüber, aber es war Freitagabend in einem sehr beliebten Badeort, und es war nicht schlimmer als in der Headbanger-Bar, in der wir in der Nähe unseres Hotels in Mexiko-Stadt ein Bier getrunken hatten. Lisa und ich wählten beide perfekt zubereiteten Tintenfisch und genossen ein paar Bier. Das Restaurant schloss um 19:00 Uhr, aber bis dahin waren wir fertig. Terry und Beverley übernahmen die Rechnung, und wir bedankten uns herzlich bei ihnen. Nach dem Abendessen schlenderten wir durch die Stadt und machten Fotos von der lebhaften Freitagabendstimmung. Menschen und Musik strömten aus den Bars, ein mexikanischer Sänger spielte mit voller Lautstärke auf dem Stadtplatz, Autos und Golfbuggys fuhren langsam durch die Straßen. Wir hatten genug gesehen und machten uns langsam auf den Rückweg. Wir saßen ein letztes Mal auf unserem Balkon. Ich trank ein Bier, die anderen Cocktails, und ich stellte meinen Wecker auf 04:55 Uhr. Unser Taxi, das Laura organisiert hatte, würde uns um 06:00 Uhr abholen. Es würde noch dunkel sein, und die steilen Stufen hinunter zur Straße bedeuteten, dass wir mit den Koffern vorsichtig sein mussten. Ich ging ins Bett, und die anderen folgten kurz darauf. 07. Februar 2026 Ich hatte schlecht geschlafen und war mehrmals mit einem Völlegefühl und Verstopfung aufgewacht – zweifellos dank der Antibiotika. Obwohl ich den Wecker auf 04:55 Uhr gestellt hatte, war ich schon um 04:45 Uhr wach. Ich kochte ein paar Tassen Tee, klopfte an Terrys und Beverleys Tür, duschte und packte meine Sachen fertig. Unser Taxi kam um 05:45 Uhr. Wir luden unser Gepäck vorsichtig ein, achteten besonders auf die unbeleuchteten Stufen und machten uns um 06:00 Uhr auf den Weg. Die Fahrt zum Flughafen verlief reibungslos und wir kamen um 06:50 Uhr im Dunkeln an. Der Fahrpreis betrug 1.600 MX$ (67,68 £), den wir uns teilten. Im Flughafen war es eiskalt. Wir fanden ein Café und kauften Kaffee und Croissants. Das Einchecken verlief reibungslos, wurde jedoch durch zwei Familien mit kleinen Kindern etwas verlangsamt. Unsere Koffer wurden mit Etiketten versehen und verschwanden in den Tiefen des Flughafens. Als Nächstes kam die Sicherheitskontrolle, die wir problemlos passierten, abgesehen von einer Beamtin, die meine Uhr auf den Boden fallen ließ (dumme Gans!). Um 08:30 Uhr saßen wir alle am Gate 4 und warteten auf unseren Flug, der um 09:56 Uhr abfliegen sollte. Wir kamen 15 Minuten zu früh in Mexiko-Stadt an, konnten aber nicht sofort aussteigen, weil wir zu früh dran waren. Terry und Beverley blieben für die letzten drei Tage ihres Mexiko-Abenteuers in Mexiko-Stadt. Wir begleiteten sie zum Gepäckband, verabschiedeten uns und sahen ihnen nach, wie sie gingen. Unsere eigene Weiterreise verlief weniger reibungslos. Als wir versuchten, wieder nach oben zu gehen, um unseren Transit fortzusetzen, verweigerte uns eine Sicherheitsbeamtin den Durchgang, sodass wir den ganzen Weg durch den Flughafen zurücklegen und erneut die Sicherheitskontrolle passieren mussten. Mit einer langen Wartezeit vor uns und zunehmendem Hunger fanden wir uns wieder in demselben eiskalten Restaurant wieder, das wir auf dem Flug nach Puerto Vallarta ertragen hatten, komplett mit denselben mürrischen, aufdringlichen Kellnerinnen. Kein Trinkgeld, tut mir leid. Die Zeit verging überraschend schnell, obwohl ein gelangweiltes junges Mädchen in der Nähe auf dem Boden lag und wiederholt eine halbvolle Wasserflasche auf den Boden warf. Unser Flug startete schließlich um 15:40 Uhr, 25 Minuten verspätet, sollte aber um 17:25 Uhr landen, 20 Minuten früher als geplant, was auch geschah. Während unseres dreistündigen Zwischenstopps am Flughafen von Mexiko-Stadt waren wir produktiv und buchten Tickets für das Frida Kahlo Museum für den 10. März, wenn wir nach Mexiko-Stadt zurückkehren würden, und sicherten uns ein günstiges Hotel in Creel für drei Nächte, von Montag, dem 9. bis Mittwoch, dem 11. Februar. Wir landeten in Chihuahua unter einem tief hängenden Himmel, die umliegenden Berge waren in Regenwolken gehüllt. Wir kamen schnell durch den Flughafen und nahmen ein offizielles Taxi, für das wir 286 MX$ (12,10 £) für die 25-minütige Fahrt zu unserem Hotel, dem Ibis Chihuahua, bezahlten. 4. Zentralmexiko, 25. Januar bis 2. Februar 2026 Mexiko-Stadt vom 28. Januar bis zum 2. Februar 2026 Lisa: 28. Januar 2026 Nach einer dreistündigen Busfahrt von Querétaro kamen wir am Nordbusbahnhof in Mexiko-Stadt an. Mit dem Taxi brauchten wir über eine halbe Stunde bis zu unserem Hotel im Stadtteil Roma, nahe dem Stadtzentrum. Die Fahrt zeigte uns einmal mehr, wie riesig diese Stadt ist. Wir kamen an Slums am Stadtrand vorbei, die organisch auf den Hügeln gewachsen sind. Als wir uns dem Zentrum näherten, war der Verkehr in Mexiko-Stadt furchtbar. Zu viele Autos, zu viel Verkehr auf den riesigen zwei- und vierspurigen Straßen, und bald steckten wir im Stau fest und kamen im Stop-and-Go-Modus endlich im Hotel an. Später trafen wir unsere Freunde Terry und Beverley und spazierten durch das Viertel Roma auf der Suche nach einem Restaurant für das Abendessen. Zuerst tranken wir etwas in einer Bar, dann fanden wir einen Taco-Laden, der beliebt und gut zu sein schien, da viele Leute Schlange standen und der Laden voll war. Wir stellten uns in die Schlange und bestellten dann eine Auswahl an Tacos (kleine Tortillas mit einer Füllung nach Wahl aus Hähnchen, Fleisch, Käse usw.). Sehr lecker. Nach dem Abendessen besprachen wir bei einem Drink unsere Pläne für die nächsten Tage und feierten ihre Ankunft. 29. Januar 2026 Heute besuchten wir das Anthropologische Museum im Stadtteil ... Es liegt in Laufnähe zu unserem Hotel und bot uns die Gelegenheit, durch den wunderschönen Bosque de Chapultepec zu spazieren. —————- Hintergrundinformation: Der Chapultepec-Park (Bosque de Chapultepec) ist einer der größten und historisch bedeutendsten Stadtparks der Welt und erstreckt sich über 650 Hektar im Herzen von Mexiko-Stadt. Seine Geschichte reicht bis in die vorspanische Zeit zurück, als er den Azteken als heiliger Ort und Erholungsort diente, und seitdem ist er eng mit dem politischen und kulturellen Leben Mexikos verbunden. Das bekannteste Wahrzeichen des Parks ist das Schloss Chapultepec, das einzige königliche Schloss in Amerika. Es wurde im 18. Jahrhundert erbaut und diente später als Militärakademie und kaiserliche Residenz, bevor es in das Nationalmuseum für Geschichte umgewandelt wurde, das die Vergangenheit Mexikos zeigt und einen Panoramablick über die Stadt bietet. Der Chapultepec Park ist auch ein wichtiges Kulturzentrum, in dem renommierte Institutionen wie das Nationalmuseum für Anthropologie, das Museum für Moderne Kunst und das Tamayo-Museum beheimatet sind. Neben seinen kulturellen Attraktionen bietet der Park weitläufige Grünflächen, Seen, Gärten und Spazierwege, was ihn zu einem beliebten Ziel für Erholung, Bootfahren, Picknicks und Bewegung im Freien macht. Hier befindet sich auch der Zoo von Chapultepec, einer der meistbesuchten Zoos Lateinamerikas. Insgesamt verbindet der Chapultepec-Park Natur, Geschichte und Kultur und ist damit ein wesentlicher und ikonischer Teil des Lebens in Mexiko-Stadt. ——————- Der Park ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel für mexikanische Familien, insbesondere an Wochenenden, wenn Tausende von Besuchern hierher kommen. Der Sonntag ist der beliebteste Tag für einen Besuch, da die Museen dann kostenlos sind und die Besucher den ganzen Tag in einem oder mehreren Bereichen verbringen können, um sich die Sehenswürdigkeiten anzusehen, zu picknicken oder zu grillen. Trotz seiner lokalen Beliebtheit sehen ausländische Besucher jedoch in der Regel nur den kleinen Teil des Parks in der Nähe der Museen. Im Chapultepek Park auf dem Weg zum Anthropologischen Museum Dies ist auch der Teil, den wir auf unserem Weg zum Museum durchquert haben. Wir schlenderten an den vielen Ständen vorbei, an denen Süßigkeiten, Getränke, Essen und viele Handwerksartikel verkauft wurden, und hielten an, um einer Gruppe indigener Jungen in ihrer traditionellen Kleidung zuzusehen, wie sie sich wie in Cholula an einem Pfahl spiralförmig nach unten schwangen. ———— Hintergrundinformation: Das Museo Nacional de Antropología in Mexiko-Stadt – eines der bedeutendsten anthropologischen Museen der Welt – zeigt die reiche Geschichte Mexikos, von den frühen Menschen über die großen Zivilisationen des alten Mesoamerikas bis hin zu den vielfältigen indigenen Kulturen, die bis heute bestehen. Die Sammlungen des Museums sind in archäologische und ethnografische Bereiche unterteilt, die das kulturelle Erbe Mexikos abdecken: Das Nationale Museum für Anthropologie bietet einen umfassenden Überblick über die Kulturgeschichte Mexikos, von den frühesten menschlichen Siedlungen bis zu den modernen indigenen Gemeinschaften. In seinen berühmtesten Galerien werden vorspanische Zivilisationen vorgestellt, darunter der Sonnenstein der Azteken, die monumentale Coatlicue-Skulptur, kolossale Steinköpfe der Olmeken und reichhaltige Maya-Artefakte wie Jade-Masken und eine Rekonstruktion des Grabes von König Pakal. Es gibt auch bedeutende Sammlungen aus den Kulturen der Teotihuacan, Zapoteken, Mixteken und Tolteken, die deren Kunst, Religion und Alltag zeigen. Die ethnografischen Säle im Obergeschoss beleuchten die lebenden indigenen Völker Mexikos und zeigen traditionelle Kleidung, Handwerkskunst, Werkzeuge, Rituale und Glaubensvorstellungen. Zusammen bieten die Exponate ein klares und spannendes Bild des archäologischen Erbes Mexikos und seiner anhaltenden kulturellen Vielfalt. Das Museum veranstaltet auch wechselnde Ausstellungen, kulturelle Veranstaltungen und Bildungsprogramme, die verschiedene Themen aus den Bereichen Anthropologie und Geschichte behandeln. Insgesamt bietet das Museum eine umfassende, eindringliche Reise durch die Geschichte und kulturelle Vielfalt Mexikos – von seinen frühesten Bewohnern bis zu den reichen Traditionen, die bis heute fortbestehen. ————- Es war mein dritter Besuch im Nationalmuseum für Anthropologie in Mexiko-Stadt, der erste war 1988, dann 2016 und jetzt 2026. Jedes Mal bin ich überwältigt von der Komplexität und dem Umfang der Ausstellung. Ich finde es sehr interessant, und jedes Mal haben sich die Ausstellungen verändert. Ich entdecke immer etwas Neues. Leider sind die bereitgestellten Informationen nicht gut dokumentiert. Ich hätte mir zu vielen der ausgestellten Objekte mehr Hintergrundinformationen gewünscht, aber es scheint mir, dass die Kuratoren von den Besuchern gewisse Vorkenntnisse über die Geschichte Mexikos erwarten. Außerdem gibt es nur wenige Informationstafeln, die auch ins Englische übersetzt sind, sodass Ausländer, die kein Spanisch sprechen, auf der Strecke bleiben. Wir werden später auf Wikipedia nachlesen müssen, um die Komplexität der Ausstellung besser zu verstehen. Ein Grund, wiederzukommen, vielleicht dieses Mal mit mehr Vorwissen. Nach unserem Museumsbesuch fuhren wir mit der U-Bahn in den Stadtteil Coyacan, wo sich das Haus von Frida Kahlo befindet. Wir wollten uns über die Ticketsituation informieren. Bei unserem letzten Besuch standen Dave und ich vor dem Haus in der Schlange, um unsere Tickets zu kaufen. Als die Mitarbeiter erkannten, dass wir ältere Menschen waren, luden sie uns ein, uns an den Anfang der Schlange zu stellen, um unsere reduzierten Seniorentickets zu kaufen, und wir gingen hinein. Das ist jetzt nicht mehr so. Spätestens seit dem Film „Frida Kahlo” mit Selma Hajek aus dem Jahr 2002 sind die Besucherzahlen enorm gestiegen. Viele Reiseveranstalter bieten Touren an, oft in Kombination mit anderen Ausflügen zu näher oder weiter entfernten Sehenswürdigkeiten. Als wir online beim Kahlo-Museum selbst nachschauten, waren die Tickets bis Mitte Februar ausverkauft. Leider ist das zu spät für unsere Freunde, die dann schon wieder in London sein werden. Also fuhren wir dorthin, um uns persönlich über die Ticketsituation zu erkundigen. Als wir am blauen Haus ankamen, stand dort eine lange Schlange, in die wir uns einreihten. Mitarbeiter gingen die Schlange entlang und kontrollierten die Tickets. Ein Paar vor uns wurde weggeschickt, weil ihr Ticket seit einer Stunde abgelaufen war, und es gab keine Möglichkeit, sich in die nächste Gruppe einzuschleichen. Die Gruppen werden in halbstündigen Zeitfenstern organisiert. Uns wurde gesagt, dass vor Ort keine Tickets mehr erhältlich seien, sondern nur noch online, wo jedoch nur noch wenige verfügbar seien, und zwar frühestens für den 19. Februar. Im Internet gibt es viele Angebote für Tickets und Führungen zum Frida-Kahlo-Haus, aber die sehr hilfsbereite Mitarbeiterin warnte uns, dass in den letzten Jahren gefälschte Agenturen ein Geschäft daraus gemacht haben, teure Last-Minute-Tickets zu verkaufen, die jedoch wertlos und ungültig sind. Als ich sie um weitere Informationen bat, nannte sie mir zwei Agenturen, von denen sie Tickets gesehen hatte, die akzeptiert wurden, und von denen sie keine Beschwerden von verärgerten Besuchern gehört hatte. Gut zu wissen. Wir haben es später noch einmal versucht, aber ohne Erfolg. Leider müssen Terry und Beverley nach Hause fahren, ohne das Haus von Frida Kahlo gesehen zu haben. Wir können versuchen, zu einem späteren Zeitpunkt zu buchen, da von Zeit zu Zeit einige Termine für Tickets verfügbar sind. Wir werden es jeden Tag versuchen, bevor wir nach London zurückkehren. Leider gab es keine Tickets für das Frida Kahlo Haus, aber zumindest ein Blick von außen. Anschließend schlenderten wir durch die grünen Straßen des Stadtteils Coyoacán, einem reizenden Viertel mit Bohème-Flair und einer langen Geschichte. Coyoacán war ursprünglich eine vorspanische Siedlung und existierte bereits vor der Gründung von Mexiko-Stadt. Nach der spanischen Eroberung wurde es zu einer der ersten spanischen Kolonialstädte im Tal von Mexiko. Sein historisches Zentrum bewahrt koloniale Architektur, Kopfsteinpflasterstraßen, Plätze und Kirchen und hat eine malerische, fast dörfliche Atmosphäre innerhalb der geschäftigen Metropole. Coyoacán ist als Boheme-, Kunst- und Intellektuellenzentrum von Mexiko-Stadt bekannt: Viele berühmte Künstler, Schriftsteller und Denker lebten dort, darunter Frida Kahlo, Diego Rivera, José Juan Tablada, Salvador Novo, Octavio Paz sowie Historiker und Maler aus der Kulturgeschichte Mexikos. Dies hat dem Viertel eine lebendige kreative und kulturelle Identität verliehen, die bis heute fortbesteht. Wir schlenderten durch die Kopfsteinpflasterstraßen, bewunderten die koloniale Architektur und genossen die lebhafte Atmosphäre auf dem Platz. Wir fanden ein Restaurant, in dem wir zu Abend aßen. Gruppen von Musikern kamen vorbei und boten ihre Dienste gegen ein Trinkgeld an. Wir einigten uns darauf, dass zwei Gitarristen für uns spielen sollten, und sie spielten das alte berühmte Lied: Besame mucho (Küss mich viel). Ich hatte es schon so oft gehört, in vielen verschiedenen Interpretationen, aber diese beiden älteren Herren sangen es nicht wirklich mit der Leidenschaft, die dieses übertrieben sentimentale (kitschige) Lied verdient hätte. Terry gab ihnen ein Trinkgeld. Das Essen war gut. Ich hatte eine mexikanische Spezialität, Hähnchenschenkel mit Soße. Die Hähnchenkeule stellte sich als Brust heraus, und die Soße war nicht die gelbbraune Soße, die mir der Kellner versprochen hatte, sondern die braune Mole aus Oaxaca auf Schokoladenbasis mit Chili. Ich beschwerte mich nicht und aß es, da ich hungrig war. Es war gut, aber wieder einmal zu viel Fleisch und zu schwer für meinen empfindlichen Magen. Wie ich bereits sagte, muss ich eine Strategie finden, um leichter verdauliche Speisen zu finden. Nach dem Abendessen beschlossen wir faul, statt den langen Weg zurück zur U-Bahn zu laufen, ein Uber-Taxi nach Hause zu nehmen. Die Taxifahrt dauerte etwa 40 Minuten, und der freundliche Taxifahrer war sehr gesprächig und erzählte uns vom Verkehr in der Stadt, den Veränderungen im Laufe der Zeit bei den Autos usw. Er wies uns auch darauf hin, dass nicht die Autos und Omnibusse die Luft so stark verpesten würden, sondern die größten Verpester seien die Stromerzeuger, z.B. die weit verbreiteten mit Benzin betriebenen Generatoren die in Industriebetrieben sowie Privathaushalten Strom erzeugen. Die lange Fahrt verging schnell, und bald waren wir wieder im Hotel. 30. Januar 2026 Am nächsten Tag fuhren wir nach Teotihuacan, zu den Pyramiden nördlich von Mexiko-Stadt. Über das Hotel engagierten wir einen Fahrer namens Fernando. Er war auch unser Reiseleiter für diesen Ausflug. Er sprach sehr gut Englisch und war sehr sachkundig. Wir fuhren in den Norden der Stadt, vorbei am nördlichen Busbahnhof, wo wir einige Tage zuvor aus Querétaro angekommen waren. Dann kamen wir in die Außenbezirke von Mexiko-Stadt, wo auf den Hügeln favelaähnliche Häuser errichtet worden waren. Fernando wies darauf hin, dass kürzlich vier verschiedene Seilbahnen gebaut wurden, um diese Siedlungen mit der Stadt und ihrer Infrastruktur wie der U-Bahn und der Metrobus-Station „Indios Verde” zu verbinden, damit die Menschen zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen usw. gelangen können, was die Armut der Bevölkerung lindert. Ein brilliantes Projekt, das wir bereits in Medellín, Kolumbien, erfolgreich umgesetzt gesehen hatten. Etwa 20 Minuten später kamen wir in Teotihuacan an. Bevor wir jedoch die Pyramiden besichtigten, setzte uns Fernando an einem Ort ab, wo uns eine Frau von den Obsidiansteinen und Kakteen erzählte, für die die Gegend bekannt ist. Nachdem sie uns eine Auswahl an Mescal, Tequila und lokalen Spirituosen angeboten hatte, führte sie uns in einen Laden, in dem viele Handwerksartikel ausgestellt waren, in der Hoffnung, dass wir etwas kaufen würden. Wir mögen es nicht, zum Kauf von Dingen gedrängt zu werden, und waren enttäuscht, dass wir bei einer Tour, die wir für privat gehalten hatten, in einer Touristenfalle gelandet waren. Wie auch immer, wir machten das Beste daraus, sahen uns um und fanden einen Stapel mexikanischer Hüte und hatten Spaß daran, uns gegenseitig mit einem dieser Hüte auf dem Kopf zu fotografieren. Dann war es Zeit, zu den Pyramiden weiterzugehen. Que viva Mexiko. Fernando führte uns herum und erzählte uns etwas über die Geschichte des Ortes, seine Bedeutung und die verschiedenen Phasen der Ausgrabungen. Ich war bereits zum dritten Mal in Teotihuacan, und dieses Mal gab es mehr zu sehen und Bereiche zu besichtigen, die damals wegen der laufenden Ausgrabungen noch abgesperrt waren. ———— Teotihuacan – Geschichte in Kürze Teotihuacan war eine der größten und mächtigsten Städte der Antike und erlebte ihre Blütezeit zwischen etwa 100 v. Chr. und 550 n. Chr. In ihrer Blütezeit hatte sie über 100.000 Einwohner und war damit größer als das damalige Rom. Es ist nicht bekannt, wer sie erbaut hat – selbst die Azteken, die Jahrhunderte später eintrafen, fanden sie verlassen vor und nannten sie Teotihuacan, was „der Ort, an dem die Götter erschaffen wurden” bedeutet. Die Stadt war ein wichtiges religiöses, politisches und wirtschaftliches Zentrum, das den Handel (insbesondere mit Obsidian) in weiten Teilen Mesoamerikas kontrollierte. Um 550 n. Chr. brach Teotihuacan zusammen – wahrscheinlich aufgrund innerer Unruhen, politischer Konflikte und Bränden, die möglicherweise durch Dürre verschlimmert wurden. Es wurde nie wieder aufgebaut, aber sein Einfluss prägte spätere Zivilisationen wie die Maya und Azteken. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten: Die Sonnenpyramide ist eine der größten Pyramiden der Welt und wurde um 200 n. Chr. erbaut. Sie stand wahrscheinlich in Verbindung mit der Sonnenanbetung und den heiligen Höhlen unter dem Bauwerk und war damit das symbolische Herzstück der Stadt. Die Mondpyramide dominiert das nördliche Ende der Stätte und wurde für Rituale und Opferungen genutzt. Der große Platz davor veranschaulicht, wie öffentliche Zeremonien stattgefunden haben könnten, und bietet außerdem einen hervorragenden Blick über die gesamte Stadt. Die Allee der Toten diente als Hauptachse der Stadt und verband alle wichtigen Monumente miteinander. Ihr Grundriss wurde eher nach kosmischen Prinzipien als nach einfachen städtebaulichen Gesichtspunkten entworfen. Der Tempel der gefiederten Schlange (Quetzalcóatl) ist ein reich verziertes Bauwerk. Archäologen fanden hier Massenopfergräber, die die militärische Macht der Stadt offenbaren. Die Wohnpaläste und Wandmalereien zeigen farbenfrohe Wandmalereien von Göttern, Tieren und rituellen Szenen. Diese Komplexe geben Einblick in das tägliche Leben und die soziale Organisation. Teotihuacan war nicht nur groß, sondern auch sorgfältig geplant, religiös symbolisch und international einflussreich. Spätere Zivilisationen betrachteten es als einen heiligen Ort und glaubten, dass die Götter selbst hier geboren wurden. ————- Nach Fernandos Erklärungen stellte er uns einen Mann vor, der uns zeigte, wie die Farben hergestellt wurden, die für die Bemalung der Wände und der Töpferwaren verwendet wurden. Fernando empfahl uns auch die Waren dieses Mannes, da sie von guter Qualität waren und er uns einen guten Preis machen würde, und ließ uns dann allein, damit wir die Stätte erkunden konnten. Wir stiegen auf die Mondpyramide, aber der Zugang war nur bis zur Mitte der Basis erlaubt. Die Sonnenpyramide ist aus Sicherheitsgründen nicht zugänglich, da die Steine zu rutschig sind. Es war heiß an diesem Tag und die Sonne brannte. Die Stätte war interessant, die Aussicht großartig, wir machten viele Fotos und stiegen dann müde, aber glücklich in Fernandos Taxi, das uns nach Hause fuhr. Nach einer Pause trafen wir uns wieder, um die Gegend unseres Stadtteils, die Zona Rosa, zu erkunden. Was für ein Unterschied zu der ruhigen Weihnachtszeit. Die Straßen sind nun voller Autos, Fußgänger eilen nach der Arbeit nach Hause oder gehen etwas essen. Wir kamen an vielen Restaurants, Geschäften, Bars und Sexshops vorbei. Schließlich fanden wir das Restaurant Casa Tono, in dem wir bei unserer Ankunft unser erstes mexikanisches Essen hatten. Leider ähnelt dieses Restaurant eher einem Fastfood-Restaurant, in dem die Leute schnell etwas zu essen holen, bevor sie zu ihren weiteren Plänen oder Verpflichtungen für den Abend aufbrechen. Das Personal erwartet daher eine schnelle Bestellung und Abfertigung. Wir brauchten jedoch eine Weile, um die uns unbekannten mexikanischen Gerichte auf der Speisekarte zu übersetzen und uns für etwas zu entscheiden. In der Zwischenzeit wurde eine große Platte mit Guacamole, gebratenen Kochbananen, Creme, Käse und Chicharon (besser bekannt als Schweineschwarten) serviert. Es wurde uns als Vorspeise angeboten, und obwohl wir überrascht waren, nahmen wir es an, um uns etwas Zeit zu verschaffen, und aßen es hungrig. Schließlich beschlossen wir, eine Auswahl an Gerichten zu bestellen, die wir uns teilen konnten, um die mexikanische Küche kennenzulernen. Das Essen war in Ordnung und günstig, aber als die Rechnung kam, waren wir überrascht, dass die Vorspeise das teuerste Gericht war. Macht nichts. Wir bezahlten die Rechnung und machten uns auf den Weg, um die Zona Rosa weiter zu erkunden. Es war Freitagabend und die Gegend war voller Menschen, die einen Abend unterwegs waren. Überall gab es Musik, Diskotheken, Menschen, die in Restaurants oder Fastfood-Lokalen aßen. In einer Bar tranken wir etwas. Dave und ich bestellten Mochito, Beverley hatte eine Margarita, die sich allerdings als übermäßig süß herausstellten, nur Terry war vernünftig und blieb bei Bier. Danach machten wir Schluss für diesen Tag und gingen zurück zum Hotel. 31. Januar 2026 Heute ist Samstag und wir sind zum berühmten Sabado Bazar auf der Plaza San Jacinto im Stadtteil San Angel gegangen. San Angel liegt im Süden der Stadt, in der Nähe von Coyoacan. Es ist kompliziert, dorthin zu gelangen, aber zum Glück gibt es den Metrobus, der direkt dorthin fährt. Ein Metrobus ist ein langer Schnellbus, der eine eigene Spur hat und sich zügig durch die Stadt bewegt. Wir nahmen den Metrobus in der Nähe unseres Hotels von Hamburgo nach Bambilla, was etwa 38 Minuten dauert. Dann gingen wir zu Fuß zur Plaza San Jacinto, vorbei an vielen Kunsthandwerksläden und Cafés. Dieser Samstagsbasar ist ein bekannter Kunsthandwerksmarkt, vielleicht der berühmteste des Landes, und wird von vielen Besuchern frequentiert. Ein Teil des Marktes befindet sich in einem schönen Haus im Kolonialstil, aber es gibt auch viele Stände draußen und in benachbarten Häusern. Der Markt bietet eher Produkte der gehobenen Preisklasse mit besserer Qualität, als man sie normalerweise an Straßenständen oder Märkten findet, darunter handgefertigter Schmuck, Kleidung, Seifen und Körperöle sowie traditionelles und stilvolles mexikanisches Kunsthandwerk verschiedener Art. Dave und ich fanden einen Jaguar, ähnlich dem, den wir in der Galerie in Oaxaca gesehen hatten. Der Jaguar ist für bestimmte religiöse Autoritäten in vielen mesoamerikanischen Kulturen von Bedeutung, die den Jaguar oft als Geistbegleiter assoziieren, der die religiösen Figuren vor bösen Geistern schützt, während sie sich zwischen der Erde und der Geisterwelt bewegen. Wir haben uns beide in ihn verliebt und überlegten, wie wir ihn nach Hause transportieren könnten. Rodrigo, der Besitzer, versprach, ihn in Luftpolsterfolie einzuwickeln und für uns aufzubewahren, bis wir im März nach Mexiko-Stadt zurückkehren, und ihn dann persönlich zu unserem Hotel zu liefern. Abgemacht. Wir kauften ihn. Vielleicht werde ich es bereuen, wenn ich ihn den ganzen Flug von Mexiko-Stadt nach London und dann in der U-Bahn nach Hause auf dem Schoß halten muss. Aber egal. Wir machten ein Foto von ihm, wir werden ihn Max nennen, verabschiedeten uns von ihm und dem Besitzer und hoffen, dass der Deal tatsächlich klappt. Auf dem Markt gab es noch viele weitere interessante Dinge zu sehen. Es gab ein paar Schmuckstücke, die mir gefielen. Sie waren handgefertigt, und ich unterhielt mich gut mit dem Designer. Aber sie waren zu teuer (schließlich hatten wir gerade Max gekauft). Dave gefiel eine Ecke, in der ein Mann wunderschöne Lampen und andere Dinge aus Metall, Glas und anderen ungewöhnlichen Materialien herstellte. Ich bin sicher, er wird darüber noch mehr schreiben. Wir unterhielten uns mit dem Designer, einem sehr freundlichen älteren Herrn (etwa in unserem Alter), und machten ein paar Fotos von ihm. Dave versprach, ihm die Fotos zu schicken. Ich unterhielt mich lange mit ihm über die politische Lage in Mexiko, Nicaragua und weltweit. Leider verging die Zeit wie im Flug, und es bleibt nie genug Zeit, um zu einer Lösung zu kommen. Wir verabschiedeten uns freundschaftlich. Als Nächstes gingen wir in das Nachbarhaus, wo schöne Gegenstände ausgestellt waren. Schön anzusehen, aber unmöglich, sie alle mit nach Hause zu nehmen. Später trafen wir uns wieder mit Beverley und Terry, die erfolgreich einige Gegenstände gekauft hatten, um sie als Geschenke mit nach Hause zu nehmen. Wir tranken Kaffee/Tee und aßen Croissants und andere Leckereien in einem Café und machten uns dann mit dem Metrobus auf den Rückweg. Wir stiegen an der Station Campeche aus und gingen in Richtung des Stadtteils Candesa, der für seine schönen, von Bäumen gesäumten Gassen und schönen Häuser bekannt ist, die von kolonialen bis zu eleganten Gebäuden aus den 1920er- und 1930er-Jahren mit Art-déco-Charme reichen. Er ist wegen seiner entspannten, stilvollen Atmosphäre beliebt. Es gibt dort viele ausgezeichnete Cafés, Bäckereien, Restaurants und gemütliche Bars. Auf der Suche nach einem geeigneten Restaurant setzen wir uns in eine Bar, um uns auszuruhen und ein Bier zu trinken. Der Besitzer saß mit einigen Familienmitgliedern am Tisch neben uns vor einer halbvollen Flasche Tequila. Er bezahlte eine Blumenverkäuferin, damit sie Beverly und mir eine Rose schenkte, und lud dann Dave und Terry ein, mit ihnen ein Glas Tequila zu trinken, das Dave freundlicherweise mit mir teilte. Wir unterhielten uns gut, ich übersetzte, und Terry und der Sohn des Besitzers, Antonio, verstanden sich ausgezeichnet. Die Zeit verging schnell, wir bedankten uns und gingen, da wir noch ein Restaurant zum Essen suchen mussten. Wir kamen an einem argentinischen Restaurant vorbei und entschieden uns, zur Abwechslung mal etwas anderes als mexikanisches Essen zu probieren. Beverly bestellte Pizza, ich wählte Pasta, um meinen empfindlichen Magen zu beruhigen. Die Jungs wollten argentinische Steaks probieren. Und es gab eine große Auswahl. Der Kellner brachte einen großen Teller mit verschiedenen Fleischstücken, um uns die Auswahl an Steaks zu erklären. Dave wählte ein Churrasco-Steak und Terry entschied sich für eine halbe Portion Filet (400 g), die er kaum aufessen konnte und uns um Hilfe bitten musste. Wir halfen ihm gerne. Es war köstlich und sehr zart. Wir teilten uns auch eine Flasche Rotwein und speisten stilvoll. Für ein Dessert war jedoch kein Platz mehr. Zum Glück lag das Restaurant in der Nähe unseres Hotels, sodass wir nicht mehr weit gehen mussten. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Lecker! Guten Appetit! 1. Februar 2026 Heute ist Sonntag und wir hatten einen gemütlichen Morgen. Mittags fuhren wir mit der U-Bahn ins Stadtzentrum, um Terry und Beverley die historische Innenstadt mit dem Zócalo, der Kathedrale und dem Nationalpalast zu zeigen. Hinter der Kathedrale boten einige Indigene in traditionellen Gewändern mit Masken und Federn Reinigungsrituale an. Wir hatten das schon ein ein paarmal gesehen, aber noch nie selbst ausprobiert. Also beschlossen Beverley und ich, es zu versuchen. Was wir für ein kurzes Ritual gehalten hatten, nahm jedoch viel mehr Zeit in Anspruch, als wir gedacht hatten. Wir wurden zu einer von vielen Warteschlangen geführt, in denen viele Menschen, hauptsächlich Mexikaner, geduldig auf ihre Reinigung warteten. Wir mussten über eine halbe Stunde lang anstehen und hatten reichlich Zeit, das Geschehen zu beobachten. Neben unseren Warteschlangen führten einige Indigene zu Trommelklängen Tänze auf; ein kleiner 3-jähriger Junge schloss sich ihnen an und tanzte fröhlich mit ihnen. Es gab Geräusche von heulenden Affen, brüllenden Löwen und allen möglichen Vögeln, die von Indigenen erzeugt wurden, die in Muscheln bliesen. Die drei Mädchen vor uns kamen aus Mazatlán und besuchten die Hauptstadt für ein paar Tage. Sie erzählten mir, dass sie diese Reinigungsprozedur regelmäßig durchführen lassen und dass es sehr entspannend sei. Dann waren wir an der Reihe. Die Reinigung bestand darin, dass wir mit einem Reinigungswasser (das aussah wie Spülmittel oder Desinfektionsmittel, wie wir es in Zeiten von Covid verwandten) besprüht wurden, frisch duftende Öle auf Stirn und Nacken einmassiert wurden, Rauch von Weihrauch um Gesicht und Körper gewirbelt wurde und einige Gebete gemurmelt wurden. Der junge Mann, der meine Reinigung durchführte, war freundlich und machte die Prozedur persönlich, indem er nach meinem Namen, meiner Herkunft und meinem Beruf fragte. Er wirkte bereits etwas müde und hatte noch eine lange Schlange vor sich. Danach gingen wir weiter durch die Menschenmenge und suchten das Hotel, das Terry und Beverley für ihre Rückkehr von der Küste gebucht hatten. Wir tranken einen Kaffee/Tee in deren Dachrestaurant. Es war ein Boutique-Hotel in einem alten, schönen Kolonialgebäude; das Personal war freundlich, es gefiel uns und wir beschlossen, das Hotel für die letzten paar Tage zu buchen, die wir Mitte März in Mexiko Stadt verbringen würden, bevor wir nach London zurückkehren. Danach schlenderten wir über einen Handwerksmarkt auf dem Platz neben dem Hotel und spazierten durch die Straßen, um die Atmosphäre des historischen Zentrums zu genießen. Skorpione und Schlangen im Tequila sollen Gesundheit und Stärke geben. Am Ende der Straße Republica de Cuba stießen wir auf einige weiße Zelte. Ein Mann mittleren Alters kam auf uns zu und erzählte uns, dass sie die Mieter des Hauses Cuba 11 seien. Sie lebten seit Generationen in diesem alten Kolonialgebäude und zahlten Miete an ihren Vermieter. Als der Vermieter starb, übernahm eine Immobilienagentur das Haus, ging jedoch in Konkurs. Sie verkauften das Haus an zwei Personen, die es renovieren wollten, um AirBnBs zu schaffen und damit Geld zu verdienen. Ohne weitere Ankündigung vertrieben sie die 19 Familien aus dem Gebäude. Nun standen diese 19 Familien mit Kindern, älteren Menschen, ihrem gesamten Hab und Gut, Möbeln und Küchenutensilien auf der Straße. Der Vater eines Sohnes starb nach wenigen Tagen an einem Herzinfarkt. Sie errichteten Zelte auf der Strasse vor ihrem ehemaligen Heim und schrieben Beschwerden an die Regierung – bislang ohne Erfolg. Sie gaben Interviews in lokalen und internationalen Zeitungen, um ihre Geschichte zu erzählen und Druck auf die Regierung auszuüben, damit diese handelt. Die Räumung war Ende August erfolgt und noch immer war keine Lösung gefunden worden. In der Zwischenzeit leben sie in Zelten auf der Strasse mit ihren Möbeln, Betten, Sofas und Kleiderschränken; sie haben verschiedene Küchen, in denen sie abwechselnd kochen. Sie müssen nach Orten suchen, an denen sie zur Toilette gehen oder Waschräume benutzen dürfen. Das Haus in der Strasse Republica de Cuba 11 - wo 19 Familien ausquartiert worden sind und nun auf der Strasse leben. Es ist eine schreckliche Situation, aber sie bleiben stoisch dort in der Hoffnung, dass die Regierung dem Druck nachgibt und eine Lösung findet und, wenn sie nicht in ihre Wohnungen zurückkehren können, eine geeignete Unterkunft für sie findet. Wie mutig diese Menschen sind. Für alle, die mehr wissen möchten, füge ich einen Link zu einem Artikel bei, der im September 2025, 10 Tage nach ihrer Räumung, geschrieben wurde. https://share.google/uacGDctvEoXMQ0nPt Zurück im Hotel ruhten wir uns aus und trafen uns um 19:30 Uhr zum Abendessen. Das Restaurant „Casa de los Abuelos“, das wir ausgewählt hatten, bot keinen Alkohol an, also gingen wir in die Kellerbar Santa Leyenda nebenan. Dort herrschte eine lebhafte Atmosphäre. Gruppen von überwiegend jungen Leuten genossen Cocktails oder tranken Bier aus 5-Liter-Glasbehältern mit mehreren Zapfhähnen. Sie hatten viel Spaß. Eine Band spielte. Ich machte ein Foto von der Gruppe von Freunden am Nebentisch und sie luden mich ein, mit ihnen ein Foto zu machen. Die Zeit verging schnell und wir mussten gehen, um etwas zu essen. Das Restaurant nebenan war ein schönes, helles Lokal, eher im Stil eines Cafés, mit Gemälden an den Wänden und riesigen Lampen an der Decke. Zum Glück gab es eine Speisekarte mit Bildern, sodass wir genau sehen konnten, was wir bestellten. Dave bestellte Hühnersuppe und ich Quesillos, die wir uns teilten, da wir nicht wieder so viel essen wollten. Die Suppe war sehr lecker, mit viel Hühnerfleisch, weißen Bohnen und verschiedenen Gemüsesorten; dazu gab es eine Beilage aus Chicharon (Schweineschwarten), Avocados, Tortillas und Bohnen, sodass es sehr sättigend war. Es hätte für uns beide gereicht. Dave war daher nicht sehr daran interessiert, mir mit meinen Quesillas zu helfen. Also hatten wir wieder einmal das Gefühl, zu viel gegessen zu haben. Auf dem Rückweg zum Hotel kamen wir an vielen Bars vorbei, in denen die Leute plauderten, tranken und feierten. Am nächsten Tag war ein Feiertag und für viele Menschen arbeitsfrei. Daher die festliche Stimmung. ———— Dave: 28. Januar 2026 Der Bus kam um 15:50 Uhr, 10 Minuten früher als geplant, am Nordterminal von Mexiko-Stadt an, und es war ein kurzer Fußweg vom Bus mit unserem Gepäck zum Taxistand. Wir zahlten 180 MX$ (7,56 £) am Taxibuchungskiosk für ein Taxi zu unserem Hotel. Die Straßen waren ziemlich voll, und die Fahrt dauerte etwa 30 Minuten. Wir checkten in Zimmer 332 ein, wo wir schnell duschten. Lisa rief unsere Freunde Terry und Beverley in ihrem Zimmer an und wir trafen uns mit ihnen in der Lobby. Von der Lobby aus spazierten wir durch die Straßen, schauten uns die Restaurants an und zeigten ihnen Sevilla, unsere nächstgelegene U-Bahn-Station. Wir schlenderten herum und machten in einer Bar in Cozumel Halt, um ein Bier zu trinken. Wir setzten unseren Spaziergang fort und landeten schließlich in einem einfachen, aber sehr lauten und belebten lokalen Restaurant, das von jungen Mexikanern frequentiert wurde. Das Essen war einfach, aber gut. Das Restaurant lag an der Florencia, einen Block von unserem Hotel entfernt. Um 20:10 Uhr gingen wir zurück zu unserem Hotel und setzten uns in die Bar, um bei einem Drink unsere Pläne für die nächsten vier Tage zu besprechen. 29. Januar 2026 Ich hatte schlecht geschlafen, wachte gegen 02:00 Uhr auf und konnte einige Stunden lang nicht mehr einschlafen. Ich wachte um 07:30 Uhr auf, schrieb mein Tagebuch und dann duschten wir und gingen hinunter ins Café unseres Hotels, um ein Croissant und eine Tasse Kaffee zu uns zu nehmen und auf Terry und Beverley zu warten, die gerade frühstückten. Ihr Hotelangebot beinhaltete Frühstück, unser Angebot war günstiger und beinhaltete kein Frühstück. Der Plan für heute war, zu Fuß zum nahe gelegenen Anthropologischen Museum von Mexiko-Stadt, dem Museo Nacional de Antropología, zu gehen. —————- Hintergrundinformation: Das Nationale Museum für Anthropologie in Mexiko-Stadt ist eines der wichtigsten Museen des Landes und ein absolutes Highlight. Es befindet sich im Chapultepec-Park und zeigt die indigenen Kulturen und vorspanischen Zivilisationen Mexikos, von den Olmeken und Maya bis zu den Mexica (Azteken). Das Museum ist berühmt für den Azteken-Sonnenstein und seine beeindruckende moderne Architektur, deren Mittelpunkt der ikonische Regenschirmbrunnen im Innenhof bildet. Es gibt 22 Dauerausstellungsräume, aber schon ein kurzer Besuch vermittelt einen eindrucksvollen Einblick in die Geschichte und kulturelle Identität Mexikos. Der Eintritt ist günstig, für Mexikaner sonntags kostenlos, und das Museum ist in der Regel von Dienstag bis Sonntag geöffnet. Man sollte mindestens zwei bis drei Stunden für einen Besuch der Highlights einplanen – mehr, wenn man dem Museum gerecht werden wollte. —————— Wir trafen uns um 11:30 Uhr in der Hotellobby und spazierten langsam durch einen Park zum Museum, wo wir um 13:30 Uhr ankamen. Der Eintritt kostete 210 MX$ (8,78 £). Wir verließen das Museum um 15:00 Uhr und fuhren mit der Metro zum Frida Kahlo Museum, in der Hoffnung, trotz verwirrender Informationen im Internet Tickets für den nächsten Tag zu kaufen. Nach zwei Metro-Linien und einem 20-minütigen Fußmarsch durch einige heruntergekommene Straßen erreichten wir das Museum und fanden eine lange Schlange vor. Uns wurde gesagt, dass Tickets nur online gekauft werden könnten und der früheste verfügbare Termin der 18. Februar sei, was für Terry und Beverley besonders enttäuschend war, da sie vor diesem Datum nach Hause fliegen. Wir wurden zum nahe gelegenen Museo Casa Kahlo weitergeleitet, das im September 2025 eröffnet wurde und 270 MX$ (11,28 £) kostet, aber wir wollten unbedingt das Originalmuseum besuchen. Müde und durstig gingen wir zu einem nahe gelegenen Platz und fanden um 17:40 Uhr eine laute Bar, in der wir etwas trinken konnten, da die meisten Lokale darauf bestanden, dass wir etwas essen. Terry und Beverley versuchten mit Lisas Hilfe lange Zeit online, Tickets für Frida Kahlo zu kaufen, aber der Vorgang schien zweifelhaft und sie gaben schließlich auf. Es sieht nicht so aus, als würden sie das Museum besuchen können. Hungrig schlenderten wir über den Platz und entschieden uns um 19:20 Uhr für ein Restaurant namens Ave Maria. Wir begannen mit einem Cocktail für Beverley und Bier für Terry, Lisa und mich. Terry trank ein paar Gläser Rotwein, eines davon von mir, da der Kellner Terrys und meinen Teller verwechselt hatte und ich einige von Terrys Kartoffeln gegessen hatte, bevor ich es bemerkte! Das Essen war gut, aber wieder einmal war es zu viel. Die Rechnung belief sich auf 2300 MX$ (96,19 £). Wir waren zu müde für die Metro, also bestellte ich ein Uber zurück zum Hotel für 210 MX$ (8,78 £), eine 40-minütige Fahrt. Wir planten, morgen die Pyramiden von Teotihuacan zu besuchen, und fragten an der Rezeption nach einem Taxi, das uns dorthin bringt, zwei Stunden wartet und uns zurückfährt. Nach einiger Verzögerung wurde uns mitgeteilt, dass der Fahrer erst am Morgen verfügbar sein würde. Wir informierten Terry und Beverley darüber und machten schließlich um 22:15 Uhr das Licht aus. 30. Januar 2026 Nach einer weiteren schlechten Nacht waren wir beide um 5:30 Uhr wach und arbeiteten an Fotos und dem Blog. Nach unserem üblichen Croissant, Kaffee und Tee bei Starbucks um 9:00 Uhr trafen wir T&B um 10:00 Uhr und bestellten über den Hotelconcierge ein Taxi, um die Pyramiden von Teotihuacan zu besuchen. Im Taxi auf dem Weg zu den Teotihuacan Pyramiden. ————— Wo liegt Teotihuacán und was sind die Pyramiden von Teotihuacan? Teotihuacan war eine antike mesoamerikanische Stadt, die etwa 40 km nordöstlich von Mexiko-Stadt lag und zwischen 100 und 550 v. Chr. ihre Blütezeit erlebte. Ihr Name, der später von den Azteken vergeben wurde, bedeutet „der Ort, an dem die Götter erschaffen wurden”. Seit 1987 gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Es gibt zwei Hauptpyramiden. Die Sonnenpyramide ist eine der größten Pyramiden der Welt. Sie wurde um 200 v. Chr. erbaut und ist auf astronomische Ereignisse ausgerichtet, die möglicherweise religiöse oder rituelle Bedeutung hatten. Die Mondpyramide ist älter als die Sonnenpyramide und befindet sich am nördlichen Ende der Allee der Toten. Sie wird mit Wasser, Fruchtbarkeit und der Großen Göttin in Verbindung gebracht. Wer war die Große Göttin? Zu den auffälligsten Figuren in Teotihuacan gehört die Große Göttin, eine mächtige weibliche Gottheit, deren richtiger Name im Laufe der Geschichte verloren gegangen ist. Sie war eng mit Wasser, Fruchtbarkeit und Erneuerung verbunden und möglicherweise die wichtigste Gottheit der Stadt. Auf Wandmalereien, insbesondere denen in Tepantitla, wird sie mit Wasser, Samen und Pflanzen dargestellt, die aus ihren Händen fließen, und sie trägt einen aufwendigen Kopfschmuck mit Vögeln und Spinnen. Die Bildsprache wirkt nährend und doch kosmisch und suggeriert eine Göttin, die sowohl das Leben auf der Erde als auch die Zyklen darüber hinaus aufrechterhielt. Wenn man durch die Anlage spaziert, kann man sie zwischen den riesigen Pyramiden leicht übersehen, aber sobald man ihre Geschichte kennt, wirken die Wandmalereien weniger dekorativ und eher wie eine stille Erinnerung daran, dass die Macht von Teotihuacan nicht nur monumental, sondern auch spirituell war. Der Tempel der gefiederten Schlange (Quetzalcoatl) befindet sich im Zitadellenkomplex. Im Inneren ist er mit geschnitzten Köpfen der gefiederten Schlange und des Regengottes (Tlaloc) verziert, und es gibt Hinweise auf groß angelegte rituelle Menschenopfer. Die Stadt beherbergte einst 100.000 bis 200.000 Menschen und war in einem Rastersystem angelegt. Sie war eine der größten Städte der Antike. Die zentrale Achse der Stadt war die Allee der Toten. Was geschah mit der Stadt? Sie wurde um 550 v. Chr. auf mysteriöse Weise verlassen. Zu den Ursachen könnten interne Unruhen, Dürre oder ein politischer Zusammenbruch gehört haben. ————— Fernando, unser Fahrer und Reiseführer, kam um 10:30 Uhr an und kurz darauf machten wir uns auf den Weg. Der Verkehr aus der Stadt heraus war sehr dicht, aber er hatte dies einkalkuliert und wir kamen kurz nach 11:30 Uhr an. Wie erwartet wurden wir zunächst zu einem „fünfminütigen” Stopp in einem Souvenirladen mitgenommen – Maguey, Obsidian, Mezcal-Verkostungen –, der sich auf fast eine Stunde ausdehnte. Nicht gerade unser Lieblingsprogramm. Auf dem Gelände erwies sich Fernando als sachkundiger Reiseführer und zeigte uns Bereiche, die bei unserem Besuch vor neun Jahren noch geschlossen waren. Leider ist das Besteigen der Sonnenpyramide nicht mehr erlaubt, da es nach jahrelanger Abnutzung als zu gefährlich gilt. Bei der Mondpyramide ist das Besteigen der ersten Ebene mit Hilfe eines zentralen Kabels noch erlaubt – steile, gnadenlose Stufen, die den Abstieg ebenso anspruchsvoll machten. Beverley blieb vernünftigerweise auf Bodenhöhe. Wir spazierten die Allee der Toten entlang, machten Fotos an der Sonnenpyramide und kauften ein paar kleine aztekische Musikinstrumente als Souvenirs. Um 15:00 Uhr machten wir uns auf den Rückweg zum Hotel, wo wir um 16:20 Uhr ankamen. Wir bezahlten Fernando 5.000 MX$, einschließlich eines wohlverdienten Trinkgeldes, da er ein sicherer Fahrer und ein ausgezeichneter Führer gewesen war. Nach einer kurzen Pause und weiterer Arbeit an den Fotos und dem Blog trafen wir uns um 18:00 Uhr wieder und machten uns auf den Weg zur La Casa de Toño in der Zona Rosa. Das Essen und das Bier waren gut, aber der Service war blitzschnell – essen und weiterziehen. Um 19:45 Uhr hatten wir gegessen und erkundeten wieder die Straßen. Die Zona Rosa war in voller Freitagabend-Euphorie: überfüllte Bars, ohrenbetäubende Musik und überall Menschenmassen – ach, wäre man doch wieder jung! Wir landeten versehentlich kurz in einem Stripclub (interessant), probierten dann eine Cocktailbar mit klebrigen Sitzen und übermäßig süßen Drinks aus, bevor wir beschlossen, dass wir genug hatten. Die Straßen waren verstopft, Polizeiautos fuhren mit Blaulicht herum und die Gehwege waren so überfüllt, dass man auf der Straße gehen musste. Irgendwann bot mir ein freundlicher Fremder sogar einen Schluck aus seiner Flasche Mezcal an; ich lehnte höflich ab. Um 22:00 Uhr waren wir zurück im Hotel, sagten uns in der Lobby Gute Nacht und verabredeten uns für 10:00 Uhr morgens bei Starbucks, um den Samstag zu planen. 31. Januar 2026 Ich habe gut geschlafen und bin um 06:45 Uhr aufgewacht. Nachdem ich mir einen Kaffee und eine Tasse Tee für Lisa gemacht hatte, machten wir uns an die Arbeit für den Blog. Wir schrieben bis 09:30 Uhr, duschten und gingen um 09:45 Uhr zu Starbucks, um wie üblich Croissants, Tee und Kaffee zu holen. Wir warteten dort auf Terry und Beverley, damit wir den Tag planen konnten, und verabredeten uns für 11:30 Uhr in der Hotellobby. Die Wettervorhersage war nicht besonders gut: bewölkt, möglicherweise Regenschauer und eine Höchsttemperatur von 16 °C. Wir wollten mit dem Metrobus zum berühmten Samstagsmarkt El Bazar Sábado auf der San Jacinto Plaza in San Ángel fahren. Wir gingen mehrere Blocks die Hamburgo entlang bis zur Kreuzung mit der Avenida Sonora und stiegen in den Metrobus, der auf einer eigenen Spur in der Mitte der Straße fährt und dessen Haltestellen sich ebenfalls in der Mitte des Verkehrs befinden. Die Fahrt dauerte ziemlich lange und wir kamen gegen 13:00 Uhr an. El Bazar Sábado befindet sich in einem alten Gebäude, und Beverley war sofort in ihrem Element und schlenderte zwischen den vielen Geschäften und Ständen umher. Der Ort war voller Touristen, und während wir uns durch die Menschenmassen schlängelten, stießen wir auf eine Jaguarsculptur, in die wir uns beide sofort verliebten. Der Preis betrug 6.500 MX$ (270,46 £), aber nach ein wenig Verhandeln einigten wir uns auf 6.000 MX$ (249,66 £) und sparten so 20,80 £. Wir bezahlten mit Kreditkarte. Da wir am Ende unserer Reise nach Mexiko-Stadt zurückkehren werden und noch kein endgültiges Hotel ausgewählt haben, ist Teil der Vereinbarung, dass sie den Jaguar – sorgfältig verpackt – zu dem Hotel liefern, für das wir uns entscheiden. Der Markt selbst war absolut faszinierend. Ich hatte ein interessantes Gespräch mit einem silberbärtigen Designer, der Lampen, Lampenschirme und Ornamente aus Nockenwellen und anderen Motorteilen herstellt. Ich hatte mich in eine seiner Lampen verliebt. Das Design stellte eine Qualle dar. Sie war etwa 38,5 cm hoch, der Glaskopf enthielt die Lichtquelle und daran hingen viele dünne Metalltentakel. Leider war sie viel zu teuer. Ganz am Ende unseres Besuchs fanden wir ein Gebäude, das vollständig mit Ton-Skelettkreationen gefüllt war, darunter Menschen, verschiedene Fahrzeuge und sogar kleine Skelett-Fußballer, die von der Decke hingen. Die Künstler schienen sich darüber zu freuen, dass wir Fotos von ihren wunderbaren Objekten, Kreationen und Gemälden machten. Es war unmöglich, alles als Gruppe zu erkunden, also hatten wir uns aufgeteilt und verabredet, uns mit Terry und Beverley um 15:15 Uhr an einem bestimmten Ort zu treffen. Da wir uns nun ausruhen mussten, suchten wir uns ein Café namens Lego El, wo wir Tee, Kaffee und etwas zu essen bekamen. Es hätte eigentlich die wärmste Zeit des Tages sein sollen, aber es war immer noch bewölkt und windig, sodass die Temperatur auf 15 °C sank. Es war kühl genug, dass ich meine Fleecejacke anzog. Um 16:30 Uhr machten wir uns auf den Weg und nahmen den Metrobus zurück in Richtung Condesa, einem Viertel in der Nähe unseres Hotels, wo wir an der Haltestelle Campeche ausstiegen, um die Gegend zu erkunden. Innerhalb weniger Minuten stießen wir auf einen weiteren Basar. Ich hatte mittlerweile genug von Basaren, also setzte ich mich draußen auf einen Pfosten, schrieb mein Tagebuch und wartete auf die anderen. Wir schlenderten weiter durch die Straßen und machten schließlich in einer Bar namens Guardatiempos (etwa: Pass auf deine Zeit auf) Halt, um ein Bier zu trinken. Als wir hereinkamen, lehnten wir das Angebot des Barbesitzers, uns einen Tequila anzubieten, ab und setzten uns mit unseren Bieren an einen Ecktisch. Am Nebentisch saßen der Besitzer und ein paar Freunde um eine Literflasche Tequila herum, die halb voll oder vielleicht auch halb leer war. Eine Frau erschien und reichte Beverley und Lisa jeweils eine einzelne Rose. Sie lehnten zunächst ab, weil sie einen Haken vermuteten, aber der Barbesitzer versicherte ihnen, dass es sich um ein Geschenk handelte, das er als Geste der Freundschaft bezahlt hatte. Als wir gehen wollten, wurden Terry und mir vom Besitzer und seinen Freunden große Gläser Tequila angeboten. Wir stießen miteinander an, unterhielten uns, machten Fotos und verabschiedeten uns herzlich, wobei Beverley und Lisa ihre Rosen fest umklammerten. Zum Abendessen wählten wir ein argentinisches Restaurant in der Nähe unseres Hotels, das Quebracho. Das Essen war gut und wir teilten uns eine Flasche Wein. Als wir gingen, füllte sich das Restaurant allmählich. Die Rechnung belief sich auf 2.300 MX$ (95,70 £), die wir uns teilten, zuzüglich 10 % Trinkgeld. Terry übernahm das Trinkgeld, da er das teuerste Steak gegessen hatte. Wir gingen um 21:35 Uhr und waren um 21:50 Uhr zurück im Hotel. Wir verabredeten uns für den nächsten Morgen um 11:00 Uhr. 01. Februar 2026 Wir standen kurz nach sechs Uhr auf und verbrachten den Vormittag bis zehn Uhr damit, am Blog und an den Fotos zu arbeiten. Nach dem Duschen gingen wir hinunter, um wie üblich Croissants und Kaffee zu frühstücken, und trafen uns um 11:00 Uhr mit Terry und Beverley, um den Tag zu planen. Wir vereinbarten, uns um 12:30 Uhr wieder zu treffen. Es war ein schöner sonniger Tag mit etwa 20 °C, obwohl die Temperatur heute Nacht auf 3 °C fallen soll. Wir gingen zur Metro Insurgentes, stiegen um und stiegen in Zócalo aus. Lisa und Beverley standen etwa 30 Minuten lang in der Schlange, um sich von einem der einheimischen Seelenreiniger auf dem Platz reinigen zu lassen, was jeweils 100 MX$ kostete. Anschließend gingen wir zum Hotel Santo Domingo, wo Terry und Beverley nach ihrer Rückkehr aus Sayulita übernachten werden. Man zeigte uns ein Zimmer, und das Hotel gefiel uns so gut, dass wir drei Nächte buchten – unsere letzten Nächte in Mexiko. Bevor wir gingen, machten wir eine Kaffeepause im überdachten Dachrestaurant. Vor dem Hotel befand sich ein kleiner Markt. Ich setzte mich hin und schrieb mein Tagebuch, während die anderen sich umschauten. Später gingen wir zurück zur Metrostation Balderas und dann zurück nach Sevilla, wobei wir uns unterwegs Restaurants ansahen. Obwohl Beverley kein Fan von mexikanischem Essen ist, entschieden wir uns für ein mexikanisches Restaurant, mussten jedoch feststellen, dass dort kein Alkohol ausgeschenkt wurde, sodass wir zunächst einen Stopp in einer nahe gelegenen Bar einplanten. Wir gingen in die Bar, die sich als sehr lauter Headbanger-Treffpunkt mit mexikanischem Wrestling auf den Bildschirmen herausstellte. Während wir unser Bier tranken, kam eine Heavy-Metal-Band auf die Bühne, sehr zur Freude der Gäste in der überfüllten Bar. Wir tranken unser Bier aus und gingen weiter. Das Abendessen nahmen wir im La Casa de los Abuelos ein. Ich probierte zum ersten Mal Pozole (Suppe) mit Huhn und Schweinefleisch, die ausgezeichnet war, und teilte sie mir mit Lisa, zusammen mit drei Quesadillas. Die anderen aßen Huhn, und Terry schaffte sogar noch einen Pudding. Auf dem Rückweg humpelte Terry, nachdem er zuvor beim Hinuntergehen der Treppe zur Bar der Bangers eine Stufe verpasst hatte, und Beverleys Erkältung beeinträchtigte ihre Nebenhöhlen, sodass wir bei einer Apotheke anhielten, um Nasensticks zu kaufen. Obwohl wir geplant hatten, früh schlafen zu gehen, war es bereits 22:15 Uhr, als wir zum Hotel zurückkehrten und uns gute Nacht sagten. Querétaro, 25. bis 28. Januar 2026 Lisa: Januar 2026 Am Sonntagnachmittag kamen wir über Mexiko-Stadt in Querétaro an. Querétaro liegt in Zentralmexiko auf dem mexikanischen Plateau auf einer Höhe von 1.860 Metern. Die Stadt ist bekannt für ihr prächtiges koloniales Zentrum, die belebte Plaza de Armas und ihre lebhaften Restaurants und Fußgängerzonen. Das gut erhaltene historische Zentrum wurde 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Querétaro ist tief in der Geschichte Mexikos verwurzelt, und seine Einwohner sind sehr stolz auf dieses Erbe. Hier sind ein paar interessante historische Fakten für alle, die sich dafür interessieren. ————— Hintergrundinformationen: Querétaro wurde vom Volk der Otomí gegründet und 1446 in das Aztekenreich eingegliedert. Bis 1531, als es unter spanische Herrschaft kam, diente es als Vorposten gegen Feinde aus dem Norden. Querétaro wurde dann zu einer wichtigen Basis für die Missionsarbeit der Franziskaner in Nordamerika und diente als Zwischenstation und Versorgungszentrum für die reichen Bergbaugebiete von Guanajuato und Zacatecas. Im Jahr 1810 war es Schauplatz einer Verschwörung gegen die spanische Herrschaft, die zu einem Aufstand unter der Führung von Miguel Hidalgo y Costilla führte, einem römisch-katholischen Priester und Revolutionsführer, der als Vater der mexikanischen Unabhängigkeit bekannt ist, obwohl die ursprüngliche Bewegung die Unabhängigkeit nicht erreichen konnte. Schließlich besiegten die Truppen von Benito Juárez 1867 die Truppen von Kaiser Maximilian in Querétaro. Maximilian aus dem Hause Habsburg und seine Generäle wurden auf einem nahe gelegenen Hügel durch ein Erschießungskommando hingerichtet. Die mexikanische Verfassung von 1917 wurde in Querétaro verfasst, und die Stadt wurde später 1929 zum Geburtsort der Institutional Revolutionary Party Mexikos. ————— Es ist faszinierend, durch das Zentrum von Querétaro zu spazieren. Wir bewunderten die farbenfrohen Kolonialhäuser – einige majestätisch, andere kleiner – sowie die vielen Kirchen, Klöster, Plätze und Denkmäler. Es ist ein Vergnügen, hier herumzuspazieren und an jeder Ecke etwas Interessantes zu entdecken. Wir stießen auf ein Kulturzentrum, das Informationen über Unabhängigkeitskämpfe auf der ganzen Welt, einschließlich Mexiko, ausstellt. Der Eintritt ist frei und wir schafften es noch zu einem kurzen Besuch, bevor es schloss. Die Straßen und Plätze waren voller Menschen, die ihren Sonntagnachmittag und -abend genossen. Auf einem Platz gab es eine Karaoke-Veranstaltung, bei der die Leute abwechselnd ihre mexikanischen Lieblingslieder sangen, während andere tanzten. Wir machten mit und erhielten Applaus von den Zuschauern. Um die Ecke auf der Plaza de Armas legte ein DJ auf und die Leute tanzten – einige davon ziemlich professionell. Die Atmosphäre war fröhlich und entspannt. Dann bekamen wir Hunger und es gab eine riesige Auswahl an Restaurants, aber einige sahen besser aus als andere. Wir entschieden uns für das Restaurant San Miguel gegenüber dem Unabhängigkeitsmuseum. Und es stellte sich als gute Wahl heraus. Zu Daves Freude gab es dort Bier, und wir bestellten ein Gericht zum Teilen, das in einem heißen Topf aus Vulkangestein serviert wurde, mit einer Auswahl an Schweinefleisch, Rindfleisch, Hähnchen und Würstchen in einer Sauce mit Maisblättern, Avocado und Paprika. Es war eine Menge Essen, selbst für zwei Personen. Es war zwar sehr lecker, aber als wir nach Hause gingen, waren wir pappsatt. Für ein Dessert war kein Platz mehr. Dave verlässt zufrieden das Restaurant. Querétaro liegt etwa 700 Meter höher als Oaxaca und die Abende sind eiskalt. Das Hotelzimmer war kalt, natürlich ohne Heizung, also bat ich um zusätzliche Decken und wir saßen in Decken eingewickelt da. 26. Januar 2026 Dieses Hotel bietet rund um die Uhr warmes Wasser. An der Rezeption gibt es einen Wasserspender mit einem Warmwasserhahn, sodass ich jederzeit heißes Wasser für meinen Teebeutel haben kann. Als wir morgens das Hotel verließen, saßen wir eine Weile auf einer Bank in der Sonne, um uns aufzuwärmen. Dann fanden wir ein schönes Café zum Frühstücken. Auf dem Rückweg fiel uns eine Statue eines Akkordeonspielers in einem Innenhof auf. Neugierig gingen wir hinein, wo uns ein Mann begrüßte und uns einlud, uns umzuschauen. Es stellte sich heraus, dass das Gebäude das Kulturinstitut der örtlichen Universität beherbergt und er der Leiter der Abteilung ist. Sie hatten gerade eine kleine Ausstellung über ihre Arbeit eröffnet, und er führte uns stolz herum. Das Institut bietet Musikkurse für eine Vielzahl von Instrumenten an. Die Statue dieses Akkordeonspielers ist über 400 Jahre alt. Immer wieder sahen wir Innenhöfe wie diesen – äußerlich unscheinbare Häuser verbargen wunderschöne Räume voller Überraschungen. Mittags fuhren wir mit einem Uber zur Cervecería Hércules, die uns der Hotelrezeptionist wärmstens empfohlen hatte, ein weiteres faszinierendes Projekt, das tief in der Geschichte verwurzelt ist. ————— Hintergrundinformation: Die Cervecería Hércules wurde 2011 in Querétaro von Luis und Carlos González gegründet. Es handelt sich um eine bekannte Craft-Brauerei, die in einer ehemaligen Textilfabrik aus dem 19. Jahrhundert im Stadtteil Hércules untergebracht ist. Der Komplex würdigt seine 173-jährige industrielle Vergangenheit (1846–2019), indem er die ehemalige Textilfabrik in einen lebhaften Biergarten und ein Kulturzentrum verwandelt hat. Der Standort wurde ursprünglich als Mühle namens El Colorado betrieben, bevor er 1846 zu einer Textilfabrik unter der Leitung von Cayetano Rubio wurde. Damals lebten die Arbeiter und ihre Familien auf dem Fabrikgelände. Sie teilten sich Küchen und andere Einrichtungen, und jeder Familie wurde ein einziges Schlafzimmer zugewiesen. Viele Jahre lang dauerte der Arbeitstag bis zu 19 Stunden, bis durch gesetzliche Regelungen eine Verkürzung auf acht Stunden erreicht wurde. Die Textilfabrik blieb bis zu ihrer Schließung am 30. September 2019 ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region. Als billige Stoffe aus Asien auf den Markt kamen, war die mexikanische Textilindustrie nicht mehr rentabel. Es wurde ein neues Geschäftskonzept entwickelt und 2011 wurde eine Brauerei mit dem Ziel gegründet, hochwertiges Craft Beer herzustellen und gleichzeitig traditionelle Brauverfahren wiederzubeleben. Heute hat sich das Unternehmen auf klassische europäische Sorten und Lagerbiere spezialisiert und verwendet lokale Zutaten wie einheimischen Mais. Die Cervecería Hércules bewahrt ihre industrielle Architektur und bietet ein Erlebnis, das die Geschichte der Arbeiterklasse auf wunderschöne Weise mit der modernen Bierkultur verbindet. ————— Die bestehenden Fabrikgebäude wurden für die Nutzung durch die Brauerei umgebaut. Andere Teile wurden ebenfalls renoviert und werden nun an lokale Kleinunternehmen vermietet, die Seife, Textilien und ähnliche Waren herstellen. Die ehemaligen Schlafzimmer, in denen einst die Familien der Arbeiter lebten, werden heute vom neu gegründeten Boutique-Hotel Hércules genutzt. Es ist jetzt alles sehr schick – obwohl wir es eher steril fanden. Eine Frau, mit der ich in der Cervecería Hércules sprach, erzählte mir, dass die Menschen, die heute die Brauerei betreiben, die Kinder und Enkelkinder derjenigen sind, die über Generationen hinweg in der Textilfabrik gearbeitet haben. Sie versuchen, das einstige Gemeinschaftsgefühl zu bewahren, indem sie den Ort als lebendigen Kulturraum, Biergarten und Veranstaltungsort für Konzerte und Filmvorführungen erhalten. Als ich die Sicherheitsbeamtin fragte, ob es nicht praktisch wäre, direkt am Arbeitsplatz zu wohnen, wie es die Menschen in den alten Tagen der Textilfabrik taten, widersprach sie mir. Nein, sagte sie – sie würde nicht an ihrem Arbeitsplatz wohnen wollen, weil man dort nie wirklich abschalten könne. Sie erklärte, dass sich die Fabrikarbeiter darüber beschwert hätten, dass sie während ihrer Schichtarbeit nicht schlafen konnten, weil der ständige Lärm der Webmaschinen sie wach hielt. Das leuchtet ein – dagegen kann man nichts sagen. Ein Taxi brachte uns zurück ins Zentrum, und der freundliche Fahrer hielt sogar an, damit wir das beeindruckende Aquädukt von Querétaro bewundern konnten – ein technisches Meisterwerk und unverkennbares Wahrzeichen der Stadt. Es wurde im 18. Jahrhundert erbaut und ist mit einer Länge von 1,28 Kilometern und 74 Bögen mit einer durchschnittlichen Höhe von 28,5 Metern eines der größten Aquädukte Mexikos. Es wurde gebaut, weil die Stadt kein zuverlässiges und gesundes Trinkwassersystem hatte; die alten Kanäle und Rohre lieferten schmutziges und unhygienisches Wasser, das durch die Metzgereien verunreinigt war. Danach schlenderten wir weiter durch Querétaro, erkundeten die vielen Kirchen und ehemaligen Klöster, die heute Museen sind, und bewunderten die wunderschöne Architektur. Am Abend machten wir uns auf den Weg zu einem empfohlenen Restaurant, aber zuerst wollten wir Querétaro bei Nacht sehen und Fotos von beleuchteten Häusern, Kirchen und allem anderen machen, was uns ins Auge fiel. Leider war es kalt und windig – 12 Grad, aber es fühlte sich eher wie 1 Grad an –, sodass unser nächtliches Fotoabenteuer vorzeitig beendet wurde und wir uns ins Restaurant Tikua begaben, um uns am Gasofen aufzuwärmen. Wie so oft, wenn eine Speisekarte voller unbekannter Gerichte ist, waren wir völlig ratlos. Also überließen wir unsere Wahl wieder einmal dem Kellner. Dave bestellte einen großzügigen Teller Schweinerippchen mit einer köstlichen Sauce und Tortillas. Ich entschied mich für etwas „Leichteres“ (theoretisch): Tacos mit Schweinefleisch und Sauce. Das Essen war sehr gut – aber wieder einmal extrem sättigend. Wir hätten wirklich nicht so viel von den kostenlosen Dips essen sollen, die man uns während der Wartezeit gebracht hatte ... aber wir waren hungrig, und kostenlose Dips sind gefährlich. 27. Januar 2026 Für heute hatten wir einen Tagesausflug in die nahe gelegene Stadt San Miguel de Allende geplant, ein weiteres Weltkulturerbe, das für seine wunderschöne Kolonialarchitektur und seine bezaubernden Kopfsteinpflasterstraßen bekannt ist. Wir entschieden uns jedoch gegen einen Besuch, da es in Querétaro noch so viel mehr zu entdecken gab und wir nicht noch eine weitere Stadt im Eiltempo abhaken wollten. Nach dem Frühstück machten wir uns zunächst auf den Weg zum alten Bahnhof, der heute ein Museum ist, mussten jedoch feststellen, dass er heute geschlossen war. Der Bahnhof wurde am 1. Mai 1903 in Betrieb genommen und später durch einen Präsidialerlass vom 17. März 1986 zum historischen Denkmal erklärt. Er wurde nach den Prinzipien der britischen Eisenbahntechnik gebaut. Das alte Queretaro Bahnhofsgebäude - heute ein Museum. Der Personenverkehr in Querétaro, insbesondere auf der Strecke Mexiko-Stadt–Querétaro, wurde 1996 eingestellt, nachdem Präsident Ernesto Zedillo beschlossen hatte, die staatliche Eisenbahngesellschaft Ferrocarriles Nacionales de México zu privatisieren und den größten Teil des Personenverkehrs im ganzen Land einzustellen. In der Zwischenzeit wurden Pläne zur Wiederbelebung der Personenverkehrsstrecke Mexiko-Stadt–Querétaro diskutiert, aber bisher sind solche Initiativen zweimal gescheitert. Auf dem Rückweg ins Zentrum kamen wir an einem Restaurant mit einer faszinierenden Bar vorbei, die mit Spiegeln und Flaschen geschmückt war. Als wir näher kamen, um Fotos zu machen, lud uns das Personal herein und schlug sogar vor, Fotos von uns hinter der Bar zu machen. Was für nette Leute! Den Rest des Nachmittags verbrachten wir damit, tiefer in die Geschichte der Stadt einzutauchen, indem wir ehemalige Klöster besuchten, die inzwischen zu Museen umgebaut worden waren. Querétaro war einst eine Hochburg der spanischen Macht, weshalb überall in der Stadt Kirchen, Klöster und Konvente gebaut wurden. Während der Reformperiode von 1861 bis 1864 führte eine landesweite Bewegung zur Trennung von Kirche und Staat zur Schließung dieser religiösen Einrichtungen und Mönche und Nonnen wurden nach Hause geschickt. Viele der Gebäude wurden anschließend als Regierungsbüros oder für militärische Zwecke umgenutzt. Ein bemerkenswertes Beispiel ist das Convento de las Capuchinas, das besonders dafür bekannt ist, dass es 1867 als letztes Gefängnis für Maximilian von Habsburg diente, kurz bevor er und seine Generäle hingerichtet wurden. Nach Jahren des Verfalls und der Vernachlässigung wurde das Gelände nun restauriert und in einen Kulturraum umgewandelt, in dem eine Kunstgalerie und das Stadtmuseum untergebracht sind. Nach so viel Kultur brauchten wir eine Pause und beschlossen, einen der offenen Stadtbusse zu nehmen. Wir waren die einzigen Fahrgäste. Die Tour dauerte etwa eine Stunde und führte durch das Zentrum von Querétaro. Aber wir müssen zugeben, dass diese Touren in der Regel enttäuschend sind. Die verzerrten Lautsprecher machen es fast unmöglich, die Kommentare zu verstehen, die nur auf Spanisch sind, und es bleibt nie genug Zeit, um etwas genauer zu erkunden. Man kann sich zwar vornehmen, zu den Orten zurückzukehren, die das Interesse geweckt haben, aber am Ende sind es so viele, dass es unmöglich ist, sie alle zu besuchen. Wir stellen immer wieder fest, dass es zu interessanteren Entdeckungen und unerwarteten Überraschungen führt, wenn wir auf eigene Faust ziellos durch die Stadt schlendern und offen sind für alles, was uns begegnet. Am Abend aßen wir in einem anderen Restaurant im Freien, begleitet von einer Live-Band. Auch diesmal war die Portion viel zu groß für mich – sehr sättigend –, obwohl wir diesmal keine Dips als Vorspeise hatten. In Zukunft werden wir entweder ein Gericht teilen oder ich werde mich an etwas Leichteres halten, wie Suppe oder Guacamole. So oder so werde ich eine Lösung finden. 28. Januar 2026 Heute fahren wir mit dem Bus zurück nach Mexiko-Stadt. Wir werden voraussichtlich am späten Nachmittag ankommen, gerade rechtzeitig, um unsere Freunde Terry und Beverley zu treffen, die heute angekommen sind und uns die nächsten zwei Wochen begleiten werden. Bitte beachtet, dass wir in der nächsten Woche nicht viel Zeit zum Schreiben haben werden, aber wir werden ein paar Fotos hochladen und das Schreiben später nachholen. ——————— Dave: 25. Januar 2026 Vom Busbahnhof in Querétaro nahmen wir ein offizielles Taxi zum Hotel Madero, unserem Zuhause für die nächsten drei Nächte. Unser Zimmer war klein, ansehnlich und kalt. Wir stellten unser Gepäck ab, machten uns frisch und gingen mit unserer Kamera los, um die Gegend zu erkunden. Querétaro ist eine Stadt, die sich über ein recht großes Gebiet erstreckt. Wir suchten nach einem Restaurant für den Abend und entschieden uns für eines, in dem viele Mexikaner zu Abend aßen. Wir erkundeten die Gegend weiter und wurden hungrig, also kehrten wir zum Restaurant San Miguelito zurück und teilten uns ein typisch mexikanisches Gericht, ein Molcajete por Mexico, das kochend heiß in einer ebenso heißen grauen Vulkanlava-Schüssel serviert wurde, die auf drei stämmigen Beinen stand. Bevor das Hauptgericht kam, brachten sie uns gebratene Tortillas und mehrere scharfe Dips, die gut zu dem kalten Bier passten. Das Molcajete por Mexico war genau das Richtige, aber Lisa meinte, dass zu viel Wert auf das Fleisch und zu wenig auf das Gemüse gelegt wurde. Ich war beeindruckt vom Fleisch und noch mehr von der Vulkanlava-Schale, in der das Essen serviert wurde und die selbst dann noch unberührbar war, als sie die leere dreifüßige Schale abräumten. Nach dem Essen machten wir uns langsam auf den Weg zurück zum Hotel. 26. Januar 2026 Wir standen früh auf und arbeiteten am Blog, bevor wir zum Frühstück aufbrachen. Wir entdeckten ein hübsches kleines Café namens Croissanto und machten unterwegs Halt, um interessante Straßenszenen und die Speisekarte des Restaurants zu fotografieren, in dem wir am Abend zuvor gegessen hatten – ich wollte mir den Namen des Gerichts merken, das wir geteilt hatten. Zurück im Hotel holten wir unsere Kameras. Unser Rezeptionist hatte uns die Cervecería Hércules empfohlen, eine ehemalige Textilfabrik, die zu einer Brauerei umgebaut worden war. Ein Uber holte uns direkt vor dem Hotel ab und brachte uns zwanzig Minuten später für 90 MX$ (3,76 £) zum Eingang. Die Cervecería Hércules ist weit mehr als nur eine Brauerei. Sie wurde um 2011–2012 gegründet und produziert eine große Auswahl an frischen, nicht pasteurisierten Bieren, von traditionellen Sorten bis hin zu experimentelleren Kreationen. Sie befindet sich in einem Teil der alten Textilfabrik El Hércules, deren industrieller Charakter unverkennbar geblieben ist – dicke Mauern, hohe Decken, rostige Maschinen und riesige Räume, die jetzt mit glänzenden Edelstahltanks gefüllt sind. Der Komplex wirkt wie ein kleines Dorf mit Kunsthandwerksläden, Werkstätten und dem Hotel Hércules, das sich in den ehemaligen Unterkünften der Fabrikarbeiter und ihrer Familien befindet. Lisa war sehr enttäuscht, da es keine Informationen über die Sozialgeschichte der Menschen gab, die in der Textilfabrik El Hércules arbeiteten und lebten. Dieser Aspekt scheint ausgelöscht worden zu sein, und alle Informationen und Führungen drehen sich ausschließlich um die Herstellung der Hercules-Biere. Da es keine Schilder gab, mussten wir etwas suchen, um den Biergarten zu finden. Wir kamen an kleinen Kunsthandwerksläden vorbei, darunter einem, der Seifen auf Olivenölbasis aus Spanien verkaufte, bevor wir schließlich den belebten Biergarten im hinteren Bereich erreichten. Die Hälfte davon war im Freien, die andere Hälfte überdacht, und an einem Ende war die Küche zu sehen. Es herrschte eine entspannte Atmosphäre. Die Speisekarte war einfach und passte gut zu den angebotenen Bieren – Würstchen, Pizza und mexikanische Gerichte. Wir teilten uns Guacamole, Kochbananen und ein halbes Pint Hércules-Bier, das ausgezeichnet war. Trotz ihrer modernen Nutzung hat die alte Fabrik ihren Charakter bewahrt, was die Cervecería Hércules zu einem der interessantesten Orte in Querétaro macht, wenn man Craft-Bier und Industriegeschichte mag. Aufgrund des schlechten WLAN-Signals hatten wir Probleme, ein Uber für die Rückfahrt zu bekommen, aber stattdessen hielten wir ein vorbeifahrendes Taxi an. Wir zahlten 110 MX$ und nahmen das Angebot unseres Fahrers an, an einem Mirador anzuhalten, um das beeindruckende Aquädukt der Stadt zu besichtigen, was die zusätzlichen 20 MX$ durchaus wert war. Ein shard Foto von dem Aquädukt mit einer Dampflokomotive. Er setzte uns an der Plaza de Armas ab, wo wir in der Sonne saßen und einem Geiger lauschten, der für die Gäste unter den Markisen im Freien spielte. Nachdem wir im Hotel noch etwas gebloggt und Fotos bearbeitet hatten, machten wir uns erneut auf den Weg zu einem Restaurant namens Tikua. Das Restaurant war besser als die üblichen Restaurants in der Gegend. Ich hatte Schweinerippchen und Lisa hatte Schweinefleisch-Tacos mit Sauce, und beides war ausgezeichnet. Wir saßen neben einem dieser großen industriellen Grillheizungen und waren sehr froh darüber, denn drinnen war es kalt und die Außentemperatur war auf 1 °C gefallen, was wir auf dem kurzen Weg zurück zu unserem Hotel deutlich zu spüren bekamen. Wir waren auch mehr als froh, dass wir um zusätzliche Decken für das Bett gebeten hatten, denn unser Zimmer war kalt. 27. Januar 2026 Wir standen früh auf, um unseren Blog zu aktualisieren, und gingen dann in unserem Lieblingscafé Croissanto frühstücken. Nach einer so kalten Nacht war es nicht verwunderlich, dass die Menschen um 10:30 Uhr morgens noch immer mit Schals und Wintermänteln auf den Straßen unterwegs waren. Zurück im Hotel buchten wir unseren Prima Plus-Bus zurück nach Mexiko-Stadt (Terminal México Norte) für den nächsten Tag um 13:00 Uhr, machten uns ein paar Notizen, was wir uns am Nachmittag ansehen wollten, darunter eine Fahrt mit der Touristenstraßenbahn durch das Zentrum, und gingen dann zum alten Bahnhof der Stadt. Die Antigua Estación del Ferrocarril, die Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut und 1904 eingeweiht wurde, ist heute ein Kulturzentrum und Museum, das das Eisenbahnkulturerbe von Querétaro bewahrt. Leider war es geschlossen, aber eine Bürotür stand offen und ein Mann, der darin arbeitete, ließ uns freundlicherweise hinein, um uns die alten Fotos an den Wänden anzusehen. Der Bahnhof wurde 1986 zum historischen Denkmal erklärt und ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes der Stadt. Auf dem Rückweg ins Zentrum kamen wir an der Cantina La Casa Verde (eröffnet 1928) vorbei. Wir machten Fotos durch die offene Tür, bevor wir hereingebeten wurden, um uns mit einer Flasche Mezcal hinter die Bar zu stellen. Der Barkeeper war gerne bereit, ein Foto von uns zu machen. Wir setzten unseren Spaziergang zurück ins historische Zentrum fort und machten Halt am Templo de San José de Capuchinas und dem nahe gelegenen Stadtmuseum. Warum ist der Eintritt in die meisten mexikanischen Museen kostenlos? Weil in Mexiko der freie oder fast freie Zugang seit Jahrzehnten in der Kulturpolitik verankert ist. Kultur und Bildung werden als etwas angesehen, zu dem jeder Zugang haben sollte, nicht nur diejenigen, die sich eine Eintrittskarte leisten können. Viele Museen werden von der Bundesregierung oder den Bundesstaaten betrieben, sodass der Eintritt aus öffentlichen Mitteln subventioniert wird. Die Philosophie dahinter ist einfach: Man hat bereits mit seinen Steuern dafür bezahlt, also geht man hinein und lernt etwas. England könnte viel von Mexiko lernen. Es macht Spaß, durch das historische Zentrum von Querétaro mit seinen engen Gassen, schattigen Parks und fußgängerfreundlichen Straßen zu schlendern. Nackte Dame ruht im Park aus. Wir machten in einem Café Halt, um eine Pause einzulegen. Lisa trank eine Tasse Tee und ich eine Coca-Cola, und wir genossen die Sonne trotz der kühlen Brise. Nach einem kurzen Besuch im Kunstmuseum gegenüber dem Tikua Sur Este, wo wir gestern Abend gegessen hatten, machten wir uns auf den Weg zur Plaza de Armas, um die Touristenstraßenbahn zu finden. Wir erreichten die Plaza und mussten eine Polizistin fragen, ob sie wisse, wo die Haltestelle sei. Sie griff sofort zu ihrem Telefon und innerhalb von Sekunden kam ein Mann auf uns zu. Er brachte uns zum Ausgangspunkt und wir zahlten ihm 300 MX$ (12,61 £) für uns beide. Es war keine Straßenbahn, sondern ein moderner kleiner offener Eindeckerbus, und wir waren die einzigen Teilnehmer der Tour. Kurz nach 16:00 Uhr fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein los. Wir hatten eine 55-minütige Tour zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten mit kurzen Stopps in Santa Rosa de Viterbo, am Aquädukt und am Mirador. Es war ganz nett, wenn auch etwas enttäuschend. Wir beendeten den Nachmittag im Jardín Zenea, wo wir die späte Sonne genossen, bevor wir zum Hotel zurückkehrten, um ein paar Stunden am Blog zu arbeiten. Nach dem üppigen Essen am Vorabend wollten wir etwas Einfaches speisen und hatten vor, in dem kleinen Restaurant neben unserem Hotel zu essen. Leider gab es dort keinen Alkohol, also gingen wir wieder. Wir landeten schließlich im schicken Restaurant Meson de Chucho El Roto an der Plaza de Armas. Es war viel los und vor dem Restaurant spielte eine dreiköpfige Band mit Keyboard, Schlagzeug und Geige. Das war auch gut. Wir wählten etwas Einfaches und dazu eine Flasche Bier. Danach gingen wir zurück in unser Hotel, um weiter James Bond in Goldfinger auf Netflix zu schauen. 28. Januar 2026 Ich habe gut geschlafen, bin aber um 5:15 Uhr aufgestanden, um unseren Blog zu schreiben, da ich die Beiträge der letzten zwei Tage nachholen musste. Um 8:00 Uhr war ich fertig, und dann packten wir unsere Koffer, denn kurz vor Mittag mussten wir das Hotel verlassen. Wir frühstückten im Croissanto und bestellten wie immer ein Croissant und einen Cappuccino. Lisa trank Tee statt Kaffee. Wir schlenderten gemütlich zurück zum Hotel, setzten uns an den kleinen Tisch vor unserem Zimmer und bearbeiteten die Fotos und unseren Blog bis Mittag. Wir verabschiedeten uns von der Rezeption und gingen dann zur Kreuzung rechts, wo ich ein Uber für 107 MXN (4,49 £) bestellte. Wir mussten nur zwei Minuten warten, dann kam es. 25 Minuten später erreichten wir den Busbahnhof von Premier Plus. Der Check-in verlief problemlos, und um 11:45 Uhr stiegen wir ein, bereit für unsere Abfahrt um 13:00 Uhr. Die Sicherheitskontrollen waren wieder einmal streng, und wir mussten unsere Rucksäcke durch den Scanner schicken. Dort wurden sie von Sicherheitsbeamten geöffnet, um sicherzustellen, dass sich nichts Verbotenes darin befand. Wir haben es wieder geschafft, die vorderen Plätze zu ergattern, diesmal sogar nebeneinander auf den Plätzen 3 und 4. Die Fahrt wird voraussichtlich drei Stunden dauern, je nach Verkehrslage. Nach unserer Ankunft nehmen wir ein Taxi zurück zu unserem Hotel in Mexiko-Stadt, der Galeria Plaza Reforma. Es ist dasselbe Hotel, in dem wir auch bei unserer Ankunft in Mexiko am 25. Dezember 2025 übernachtet haben. Unsere Freunde, Beverley und Terry, sind heute Morgen um 5:00 Uhr aus Heathrow angekommen, und wir werden sie später treffen. Wir werden vermutlich so gegen 17:00 Uhr im Hotel sein. Fortsetzung - Oaxaca, 18. – 25. Januar 2026 Oaxaca, 18.–25. Januar Hier ist der Bericht über die letzte Woche unseres Aufenthaltes in Oaxaca . Die anderen Berichte über die vorherigen zwei Wochen sind im Teil 1 unseres Travel Blogs zu finden. Lisa: 18. Januar 2026 Wir beginnen die letzte unserer drei Wochen in Oaxaca. Die Zeit vergeht wie im Flug, und es gibt noch so viel zu sehen und zu tun. Allerdings sind wir auch erschöpft und müssen etwas langsamer machen und uns schonen. Schließlich sind wir noch zwei Monate unterwegs. Der heutige Sonntag war ein ruhiger Tag, den wir der Kunst gewidmet haben. Wir besuchten eine Fotoausstellung, die uns wärmstens empfohlen worden war. Das Centro Fotográfico Manuel Álvarez Bravo wurde zu Ehren des renommierten mexikanischen Fotografen gegründet, einer der wichtigsten Persönlichkeiten der lateinamerikanischen Fotografie des 20. Jahrhunderts. Seine Karriere erstreckte sich von den späten 1920er bis in die 1990er Jahre, und er wurde sowohl von der mexikanischen Wandmalerei-Bewegung als auch von breiteren kulturellen und politischen Bestrebungen zur Neudefinition der mexikanischen Identität beeinflusst. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und starb 2002 im Alter von 100 Jahren – eine wahrhaft bemerkenswerte Persönlichkeit. Wir freuten uns sehr darauf, seine Werke zu sehen. Leider zeigte die Galerie keine Fotografien von Álvarez Bravo, sondern die Arbeiten einer jungen mexikanischen Fotografin. Von Anfang an waren wir nicht beeindruckt. Viele der Fotos waren unscharf und verschwommen – Bilder, die wir normalerweise löschen würden. Außerdem fiel es uns schwer, die Botschaft oder Absicht hinter den Werken zu verstehen, da es keine Informationskarten gab, die erklärten, wie die Fotos entstanden waren oder was sie vermitteln sollten. Wir gingen kurz darauf ziemlich enttäuscht wieder. Das war besonders frustrierend, weil diese Galerie, die den Namen eines so renommierten Fotografen trägt, unseres Wissens nach die einzige reine Fotogalerie in Oaxaca ist. Es scheint eine verpasste Gelegenheit zu sein, da es so viel Potenzial gibt, einem nationalen und internationalen Publikum sowohl historische als auch zeitgenössische Fotografien dieser pulsierenden Stadt zu präsentieren. Das Glück war uns and diesem Tag nicht hold. Die andere Ausstellung, die wir besuchen wollten – ein privates Kunstmuseum, das ebenfalls sehr empfohlen wurde, das Belber Museum – erwies sich als leer, abgesehen von einer einzigen großen Engelsstatue. Wir hatten zuvor auf der Website nachgesehen, wo stand, dass das Museum geöffnet sei. Vielleicht ist es umgezogen oder hat ganz geschlossen und die Website wurde nie aktualisiert. Das schmeckt fein! Um uns aufzumuntern, gingen wir in ein Café gegenüber der Santo Domingo Kirche, wo Dave einen Eiskaffee mit Schokolade und viel Sahne genoss. Das tat sehr gut. In der Nacht zuvor hatten wir nicht gut geschlafen, da in der Nähe bis 3 Uhr morgens ein Musikfestival stattfand. Es war nicht unser Musikgeschmack; es klang eher wie Heulen und drang trotz unserer normalerweise recht wirksamen Silikon-Ohrstöpsel an unsere Ohren. Daher waren wir den ganzen Tag etwas müde, was möglicherweise auch unsere Stimmung beeinträchtigt hat. 19. Januar 2026 Für diesen Tag war geplant, den Botanischen Garten auf dem Gelände des ehemaligen Klosters der Santo Domingo-Kirche zu besuchen. Auf dem Weg zum Garten nahmen wir eine andere Route und erkundeten eine weitere schöne Gegend, die uns bisher unbekannt war, mit hübschen kleinen Läden und Cafés. Wir setzten uns auf eine Bank im Schatten und beobachteten das Treiben. Der Botanische Garten hat derzeit verkürzte Öffnungszeiten und eine begrenzte Besucherzahl, und uns wurde gesagt, dass wir noch zwei Stunden bis zum nächsten Einlass um 17 Uhr warten müssten. Wir nutzten die Zeit, um mit einem der offenen Touristenbusse durch Oaxaca zu fahren. Leider waren die Lautsprecher, aus denen Informationen zu den Sehenswürdigkeiten auf Spanisch dröhnten, übersteuert und knisterten, was unseren Ohren wehtat. Ich gab es bald auf, zu verstehen, was gesagt wurde, und genoss es einfach, bei Sonnenschein durch die Stadt gefahren zu werden. Normalerweise haben diese Hop-on-Hop-off-Busse mehrere Haltestellen, damit Touristen Fotos machen können, aber die einzige Haltestelle auf dieser Tour war eine Eisdiele, wo wir aufgefordert wurden, Eis zu kaufen – möglicherweise gehörte sie einem Familienmitglied des Fahrers (wir haben es nicht getan). Danach kehrte der Bus schnell zum Ausgangspunkt zurück. Die „einstündige” Tour endete nach nur 40 Minuten, was angesichts der halbstündigen Verspätung beim Start angemessen erschien. Dennoch schafften wir es rechtzeitig zurück, um uns in die Warteschlange für den Botanischen Garten einzureihen. ———- Hintergrundinformationen: Der Botanische Garten wurde 1994 gegründet. Er war ursprünglich Teil des Dominikanerklosters, und die Dominikanermönche begannen in den 1570er Jahren mit dem Bau von Santo Domingo. Sie zogen 1608 in das Kloster ein und blieben dort bis in die 1860er Jahre. Die Dominikaner wurden Anfang der 1860er Jahre vertrieben – zu einer Zeit, als landesweit alle Kirchengüter enteignet und verstaatlicht wurden. Die Bundesregierung übernahm den gesamten Komplex und übergab ihn dem Militär, und Santo Domingo diente bis 1993 als Kavallerie-Stützpunkt. Das Militär nutzte diesen Raum, um Truppen zu trainieren, militärische Übungen durchzuführen und Militärfahrzeuge zu parken. Sie zerstörten einen Großteil des Dominikanergartens, der einst für seine große Vielfalt an Pflanzen, darunter Algarve, Kakteen und Heilpflanzen, berühmt war. Als das Militär 1993 abzog, begannen die neuen Eigentümer mit dem Wiederaufbau der Gebäude, aber mit dem Garten geschah zunächst nichts, bis sie schließlich 1998 damit begannen, den Boden vorzubereiten, den Garten zu planen und mit der Bepflanzung zu beginnen. Ende 1999 wurde der Garten dann für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. ———— Uns wurde gesagt, dass ein Wechsel in der Verwaltung der Grund für die verkürzten Öffnungszeiten und die begrenzte Kapazität sei. Der Eintritt war frei und es sollten nur bis zu 30 Personen gleichzeitig eingelassen werden, um eine Überfüllung zu vermeiden. Ich zählte 44 Personen in unserer Gruppe, aber als wir eintraten, beendete gerade eine andere Gruppe ihren Besuch. Wie diese Gruppe eingelassen worden war, während der Rest von uns zuvor abgewiesen worden war, bleibt ein Rätsel – offenbar gelten für verschiedene Personen unterschiedliche Regeln. Wir wurden von zwei Führern in einen bestimmten Bereich des Botanischen Gartens geführt und durften nicht in die anderen Bereiche gehen. Also machten wir Fotos von der schönen Auswahl an Kakteen und Agaven im schwindenden Nachmittagslicht und achteten dabei sorgfältig darauf, die scharfen Stacheln zu vermeiden. Nach 20 Minuten war unsere Zeit um. Ich hatte angenommen, dass diese Einschränkungen auf fehlende Finanzmittel zurückzuführen wären, aber als ich mit einem unserer Betreuer, Jesús, sprach, erklärte er mir, dass das Problem bei der neuen Leitung liege, die sich noch nicht auf eine klare Strategie geeinigt habe und noch nicht entschieden habe, was sie mit dem Botanischen Garten machen und wie sie ihn verwalten wolle. Wie schade, denn dies ist ein wunderschöner Garten, der gepflegt werden muss und es verdient, für die Öffentlichkeit zugänglich zu sein. Ich hoffe sehr, dass sie sich bald einigen. 21. Januar 2026 Gestern haben wir einen dringend benötigten faulen Tag mit Einkaufen, Ausruhen und Vorausplanen verbracht. Heute ist Markttag im Tal von Etla, also fuhren wir zum Abasto-Markt, um ein Colectivo-Taxi zu nehmen, das uns dorthin brachte. Mittlerweile kennen wir uns in der Stadt gut aus. Es wartete bereits ein Taxi mit zwei Passagieren, also stiegen wir ein und los ging's. Unser Fahrer war jung, energiegeladen und sehr freundlich. Dave hatte das Glück, wegen seiner langen Beine den Beifahrersitz zu bekommen, während ich mich mit einem mexikanischen Paar auf den Rücksitz quetschen musste. Als wir losfuhren, bemerkte ich, dass Daves Sicherheitsgurt hinter seinem Sitz befestigt war, also reichte ich ihm den Gurt, damit er ihn anlegen konnte. Der Fahrer sagte, dass das so nicht funktioniere, aber statt sich über mein Beharren zu ärgern, hielt er an und befestigte den Sicherheitsgurt ordnungsgemäß. Dave war wegen meiner Aufregung etwas verlegen, aber dem Fahrer machte das überhaupt nichts aus. Er drehte laute, mitreißende mexikanische Musik auf und sang mit. Als ich ihn danach fragte, erzählte er mir, dass es sich um eine bekannte Band aus Oaxaca handle, die auf Hochzeiten und Beerdigungen spiele. Die Musik war lebhaft und unser Fahrer sang begeistert mit, während er auf das Lenkrad trommelte und schnell die Spur wechselte, um langsamere Fahrzeuge zu überholen. Er fuhr schnell und bremste nur im allerletzten Moment, um Zusammenstöße mit anderen Autos zu vermeiden. Gut dass er sich vor Abfahrt noch schnell dreimal bekreuzigt hat. Trotzdem war ich froh, dass ich darauf bestanden hatte, dass Dave seinen Sicherheitsgurt anlegte. Ich selbst saß so fest eingeklemmt auf dem Rücksitz, dass ich mich sowieso nicht bewegen konnte. Die Fahrt nach Etla dauerte etwa eine halbe Stunde, und ich muss zugeben, dass ich erleichtert war, als wir sicher ankamen. Die anderen Passagiere schienen jedoch völlig unbeeindruckt zu sein und schliefen die ganze Fahrt über. Das Dorf Etla liegt etwa 17 km nordwestlich von Oaxaca. Obwohl es als Dorf bezeichnet wird, ist es in Wirklichkeit eine Kleinstadt, die vor allem für ihren wöchentlichen Mittwochsmarkt bekannt ist. Hier finden Besucher traditionelle lokale Speisen wie den weißen Käse von Etla, Tamales und in einem Lehmofen zubereitetes Ziegenfleisch. Tamales werden aus Maisteig hergestellt und mit Fleisch, Käse, Obst, Gemüse, Kräutern oder Chilischoten gefüllt – ganz nach Geschmack. Sie werden in Maisblättern oder Bananenblättern gedämpft; die Hülle wird entweder vor dem Verzehr weggeworfen oder als provisorischer Teller verwendet. Ziegen-Barbacoa ist ein typisches Gericht aus Oaxaca, bei dem eine ganze Ziege, gewürzt mit Zwiebeln, Koriander und anderen Kräutern und Gemüsesorten, etwa acht Stunden lang unter der Erde gebacken wird. Wir haben es in Zaachila probiert. Der weiße Käse aus Etla ist in ganz Oaxaca bekannt. Er wird als Quesillo bezeichnet und ist eine Art Streichkäse, der zu einer Kugel gerollt wird. Er wird noch immer von einigen Familien in der Region Etla in einem überraschend komplexen Verfahren von Hand hergestellt. Traditioneller Quesillo wird aus einer geronnenen Mischung aus frischer Milch und Sauermilch hergestellt. Sobald der Käsebruch fest geworden ist, wird er in Würfel geschnitten, die dann durch Übergießen mit kochendem Wasser geschmolzen werden. Der geschmolzene Käsebruch wird gezogen, bis sich die charakteristischen Käsedrähte bilden. Dann wird Wasser hinzugefügt, um den Schmelzvorgang zu stoppen, und die Drähte werden zu den bekannten Käsebällchen gerollt, die man häufig auf Märkten in ganz Mexiko sieht. Es gibt eine Legende, dass dieser Käseherstellungsprozess zufällig erfunden wurde. Der Geschichte zufolge überließ eine Familie im Jahr 1886 ihrer 14-jährigen Tochter Leobarda Castellanos García die Aufgabe, den traditionellen Käse des Haushalts herzustellen. Wie es Teenager manchmal tun, wurde sie abgelenkt und ließ die Milch über den üblichen Punkt hinaus gerinnen. Um die Milch zu retten, goss sie heißes Wasser über den Käsebruch und schuf so versehentlich die dehnbare, gummiartige Masse, die die Grundlage für den heute als Oaxaca-Käsegarn bekannten Käse bildete. Als wir in Etla ankamen, gingen wir direkt zum Markt im Stadtzentrum. Dort herrschte eine lebhafte, aber dennoch sehr entspannte Atmosphäre. Wir fühlten uns beide sicher und die Menschen waren äußerst freundlich. Hierher kommen nur wenig Touristen. Wir schlenderten durch die Gänge des Außen- und Innenmarktes und waren neugierig, was es dort zu sehen gab. Der Außenmarkt ähnelte anderen, die wir gesehen hatten, aber auf dem Innenmarkt wurden alle regionalen Spezialitäten angeboten. Wir hielten an einem Käsestand an, um mit einer Frau darüber zu sprechen, wie der Käse hergestellt wird. Jeden Abend stellt sie den Käse her, ein Prozess, der die ganze Nacht dauert, und am nächsten Tag verkauft sie ihn auf dem Markt. Der Käse kommt in langen, dünnen Strängen – etwa einen halben Zentimeter dick und einen Zentimeter breit –, die zu einer Kugel gerollt werden. Man kann ihn nach Länge kaufen; wir kauften einen Meter, der zu einer handtellergroßen Kugel gerollt wurde. Anschließend schlenderten wir durch die verschiedenen Bereiche des Marktes und nahmen die Gerüche und Farben der Produkte in uns auf: den riesigen Fleisch- und Wurstbereich, die Obst- und Gemüsestände und den Bereich mit Brot, Tortillas und Tacos. Wir kauften einige Tamales, gefüllt mit Zucchiniblüten und etwas Fleisch. Sie waren köstlich und würzig. Wir beobachteten das lebhafte Treiben der Einheimischen, die ihren Geschäften nachgingen und sich bei dieser wöchentlichen Veranstaltung mit Freunden und Familie trafen. Nach einer Weile verließen wir den Markt und schlenderten durch die Stadt, um einen guten Ort zu finden, von dem aus wir die umliegenden Berge fotografieren konnten. Allerdings wurden sie immer von Häusern, Bäumen oder Stromleitungen verdeckt. Dann kam ein Mann mittleren Alters auf einem Fahrrad auf uns zu, sprach perfekt Englisch und wollte sich einfach nur unterhalten. Es stellte sich heraus, dass er 30 Jahre lang in den Vereinigten Staaten gelebt hatte, wo er als Mechaniker für Wohnmobile gearbeitet und eine Familie gegründet hatte. Vor etwa sieben Monaten wurde er von der Einwanderungsbehörde ICE aus dem Land ausgewiesen, in dem er sich ein Leben für sich und seine Familie aufgebaut hatte. Jetzt war er zurück in seinem Heimatland, aber es fiel ihm schwer, sich wieder einzuleben, und es war schwierig, Arbeit zu finden, da er sein gesamtes Erwachsenen- und Berufsleben im Ausland verbracht hatte. Am meisten vermisst er seine Familie – seine Frau und seine Tochter, die noch immer in Utah leben. Was für ein Chaos. Wir unterhielten uns eine Weile, wünschten ihm alles Gute und er radelte weiter. Wir setzten unseren Spaziergang fort und machten in einem kleinen Restaurant Halt, um eine Coca-Cola zu trinken. Zu unserer Überraschung wurden die Getränke mit einer Schüssel Erdnüssen und einigen Chicken-Tacos in scharfer Sauce serviert. Lecker. Dann beschlossen wir, eines der vielen dreirädrigen Fahrzeuge – Tuk-Tuks – für eine Stunde zu mieten, um noch mehr von der Umgebung zu sehen, bevor wir nach Oaxaca zurückkehrten. Der Fahrer, ein junger Mann, hatte sichtlich Spaß daran, uns die Hügel hinauf und durch die gepflasterten Dorfstraßen zu fahren, bis wir San Agustín Etla erreichten, das auf einem Hügel thront und einen herrlichen Blick auf die umliegenden Berge bietet. Wir machten ein paar Fotos, und ehe wir uns versahen, war es Zeit für die Rückfahrt. Wir genossen dieses kleine Abenteuer sehr, während wir in dem winzigen Fahrzeug durchgeschüttelt wurden und die Landschaft auf uns wirken ließen. Der junge Mann setzte uns wieder in Etla ab, wo die Colectivo-Taxis nach Oaxaca warteten. Es gab eine lange Warteschlange für die Taxis, aber bald waren wir an der Reihe und quetschten uns mit fünf anderen Leuten hinein – drei hinten und Dave und ich vorne neben dem Fahrer. Es war ziemlich eng und nach der rasanten Fahrt waren wir froh, aussteigen zu können, um Beine, Arme und Rücken zu strecken und alles wieder in die richtige Position zu bringen. Es war ein toller Ausflug gewesen. 22. Januar 2026 Die nächsten Tage verbrachten wir damit, uns zu entspannen und Orte wieder zu besuchen, die uns zuvor gefallen hatten. Wir stiegen zu einem Aussichtspunkt hinter unserem Haus hinauf. Der Aufstieg war steil, weshalb wir ihn bis dahin gemieden hatten, obwohl er wegen seiner Aussicht sehr empfohlen wurde. Die Aussicht war in der Tat fantastisch: ein weites Panorama der Stadt mit den Bergen im Hintergrund. Der Weg dorthin war jedoch unangenehm, da wir durch ein schmutziges, vernachlässigtes, slumähnliches Gebiet laufen mussten, um den Gipfel zu erreichen. Wir werden nicht wiederkommen. Ich hatte in der Nähe unseres Hauses eine Tortillamühle gefunden und Tortillateig (Masa) gekauft, der perfekt zu den schwarzen Bohnen passte, die ich den ganzen Tag eingeweicht hatte und zum Abendessen kochen wollte. Also versuchten Dave und ich, Tortillas zu backen, indem wir eine kleine Menge Teig zu einer Kugel formten, sie zu einer dünnen, runden Tortilla flach drückten und sie in einer Pfanne rösteten. Wir hatten viel Spaß dabei, auch wenn unsere Tortillas nicht so rund und flach waren wie die, die man auf dem Markt kaufen kann – aber sie schmeckten großartig. Wir hatten genug Teig (und schwarze Bohnen) übrig für das Frühstück am nächsten Morgen. Lecker! Übrigens haben wir endlich herausgefunden, warum unsere Duschen in den letzten Tagen morgens so kalt waren. Unsere neue junge Nachbarin nebenan duscht abends immer sehr lange und verbraucht dabei das gesamte Warmwasser. Da das Warmwasser durch die Sonnenkollektoren auf dem Dach erzeugt wird und es nachts keine Sonne gibt, um es zu erwärmen, bleibt das Wasser einfach kalt. Nicht gerade ideal, wenn die Temperaturen morgens bei 5–7 °C liegen! Wie rücksichtslos von ihr. Hinzu kommt, dass in Mexiko Dürre herrscht und alle – auch Touristen – aufgefordert sind, Wasser zu sparen. Außerdem ist sie nicht sehr kommunikativ: Sie spricht nie mit uns und rennt meist vorbei, ohne auch nur Hallo zu sagen oder zu nicken. Ich verstehe, dass junge Leute nicht ständig mit ihren Nachbarn im „Großelternalter” plaudern wollen, aber ein kurzer Gruß oder ein Nicken, um die Anwesenheit von jemandem zu bestätigen, wenn wir auf der Terrasse sitzen, buchstäblich nur wenige Meter von ihr entfernt, scheint mir eine grundlegende Höflichkeit zu sein. Erwarten wir zu viel? Nun, wir haben unsere Routine angepasst: Wir duschen abends warm (inklusive Haare waschen) und springen morgens nur kurz unter die kalte Dusche, um wach zu werden. Jetzt hat sie auch kein warmes Wasser mehr – also hat sie zumindest einen Grund, sich über uns zu ärgern! Das sind die kleinen Herausforderungen unseres Lebens hier. Es ist nicht so schlimm, solange es nicht noch schlimmer wird. Und - wir haben nur noch ein paar Tage hier in Oaxaca. 24. Januar 2026 In den letzten Tagen sind wir mit der Kamera in der Hand durch Oaxaca gewandert, haben unsere Lieblingsorte wieder besucht und Fotos gemacht. Wir haben auch alte Bekannte besucht. Der Jaguar in der Galerie ist immer noch da und wartet geduldig darauf, dass wir ihn mit nach Hause nehmen. Tut uns leid, Kumpel, wir können dich nicht mitnehmen. Du würdest beim Transport bestimmt kaputt gehen. In den letzten drei Wochen haben wir Oaxaca fast ausschließlich zu Fuß erkundet. Laut unserem Schrittzähler sind wir durchschnittlich etwa 8.000 Schritte pro Tag gelaufen – das sind ungefähr 6,4 km. Das ergibt insgesamt etwa 128 km, die wir durch die Straßen von Oaxaca spaziert sind. Gar nicht schlecht, auch wenn das leider unsere einzige Form von Bewegung war. Jetzt neigt sich unser Besuch dem Ende zu. Wir haben sorgfältig geplant: Der Kühlschrank ist leer, die Vorräte sind aufgebraucht, und heute Abend war unser letztes Abendessen außer Haus – in einem Dachrestaurant, um unsere Zeit in Oaxaca stilvoll zu feiern. Bevor wir dorthin gingen, machten wir einen letzten Spaziergang durch die Innenstadt, um Oaxaca im Abendlicht zu fotografieren. Unterwegs kamen wir an zwei Hochzeitsfeiern vorbei – Musik und traditionelle Tänze erfüllten die Straßen, während die Paare noch in der Kirche waren. Schließlich siegten Hunger und Durst. Wir kamen im Restaurant an und träumten bereits von einem kühlen Bier auf der Terrasse. Als wir bestellten, schüttelte der sehr nette junge Kellner Sally den Kopf. „Tut mir leid – trockenes Wochenende.“ Trocken ... was jetzt? Es stellte sich heraus, dass am Sonntag in Oaxaca Kommunalwahlen stattfinden und für das gesamte Wochenende der Verkauf von Alkohol im gesamten Bundesstaat Oaxaca verboten ist. Keine Restaurants, keine Geschäfte, keine Spirituosenläden. Nichts bis Montagmorgen. Eine Katastrophe! Eine Tragödie! Wir hätten uns keinen schlechteren Abend für unser festliches Abschiedsessen aussuchen können. Dennoch war Weggehen keine Option – die Situation war überall dieselbe, und wir hatten zu Hause absolut nichts mehr. Also akzeptierten wir unser Schicksal, bestellten Essen und Wasser und machten das Beste daraus. Und ehrlich gesagt? Das Essen war ausgezeichnet – wirklich köstlich. Letztendlich war es doch eine ziemlich gute Art, sich von Oaxaca zu verabschieden. Auch ohne Bier. Morgen fahren wir nach Querétaro. Sicherheitshalber habe ich vorher im Internet recherchiert, ob dort ebenfalls Wahlen stattfinden. Gute Nachrichten: Im Bundesstaat Querétaro gab es die letzten Kommunalwahlen bereits 2024. Die Chancen stehen also gut, dass wir dort wieder ganz legal ein Bier trinken dürfen. 🍺 ——————- Dave: 18. Januar 2026 Wir hatten eine laute Nacht hinter uns, in der viel Geheule und Gekreische durch die Dunkelheit hallte. Es klang, als käme es aus einer nahe gelegenen Kirche, aber später stellten wir fest, dass die Quelle das große zeltartige Gebäude des Auditorio Guelaguetza war. Das Open-Air-Amphitheater befindet sich auf dem Cerro del Fortín, direkt hinter und über uns, und ist berühmt für das lebhafte Guelaguetza-Festival, bei dem die Kultur, der Tanz und die Musik von Oaxaca gefeiert werden. Tatsächlich hatte es am Samstagabend eine Großveranstaltung gegeben, die bis in den Sonntagmorgen hinein dauerte. Es war nicht das Guelaguetza-Festival selbst, das im Juli stattfindet, sondern ein großes Musik-Event mit den beliebten mexikanischen Sängern sowie der Banda La Prestigiada. Der unerträgliche Lärm weckte uns um 01 Uhr morgens und dauerte bis nach 03 Uhr an. Da wir jedoch schon seit zwei Wochen hier waren und dies das erste Mal war, dass Lärm unseren Schlaf störte, konnten wir uns kaum beschweren. Wir frühstückten gemütlich und genossen die Sonne auf unserer Terrasse. Mittags wurde unser 20-Liter-Plastikwasserbehälter ausgetauscht. Am Nachmittag wollten wir eine Fotoausstellung und ein weiteres Museum in der Nähe besuchen, das unser Interesse geweckt hatte. Den ganzen Vormittag und frühen Nachmittag über zündeten die Leute Knallkörper, die mit gewaltigen Detonationen explodierten. Ob dies mit dem Musikereignis auf dem Hügel hinter uns zusammenhing, wussten wir nicht, aber die Hunde in der Nachbarschaft waren jedenfalls nicht begeistert und bellten und heulten protestierend. Was die Ausstellungen anging, war es ein erfolgloser Nachmittag. Der erste Veranstaltungsort war geschlossen und als wir durch das Fenster spähten, sahen wir, dass die Räumlichkeiten völlig leer waren. Wir gingen weiter zur Fotoausstellung. Es war der Eröffnungstag der Ausstellung. Unbeeindruckt verließen wir sie nach zehn Minuten. Wir machten eine Kaffeepause im Café „The Italian Coffee Company” gegenüber der Kirche Santo Domingo in der Calle Macedonio Alcalá. Ein kalter Wind war aufgekommen und vom offenen Fenster im Obergeschoss aus schauten wir leicht zitternd auf die Kirche, bezahlten unsere Rechnung und gingen. Als wir zurückkamen, war es immer noch kühl. Wolken verdeckten die Sonne, sodass es nicht in Frage kam, auf unserer Dachterrasse zu sitzen. 19. Januar 2026 Wir verbrachten den Vormittag und einen Teil des Nachmittags damit, Fotos für den Blog zu sortieren, bevor wir uns entschlossen, den Botanischen Garten von Santo Domingo de Guzmán zu besuchen. Auf dem Weg dorthin schlenderten wir durch die touristischen Seitenstraßen rund um die Calle Macedonio Alcalá und machten eine Pause, um uns auf eine Bank neben einer gespenstisch weißen weiblichen Figur zu setzen. Im Botanischen Garten fanden wir das Eisentor mit einer Kette verschlossen vor. Der Eintritt war kostenlos, aber streng auf geführte Gruppen von 30 Personen beschränkt. Die Führungen dauerten nur 20 Minuten, ohne dass man sich frei bewegen durfte, und der nächste freie Termin war erst um 17 Uhr. Man riet uns, um 16:30 Uhr wiederzukommen, um uns anzustellen, also beschlossen wir, die Wartezeit woanders zu verbringen. Wir entschieden uns für eine der offenen Touristenbus-Touren durch die Stadt und buchten Tickets für jeweils 100 MX$ (4,50 £). Der Bus kam verspätet und fuhr schließlich gegen 15:30 Uhr los. Auf dem Oberdeck war es heiß, aber es war angenehm, bei Sonnenschein durch die Straßen zu fahren. Die Tour, die für fünf Minuten für ein Eis unterbrochen wurde, dauerte nur 45 Minuten, aber das kam uns entgegen, da wir so rechtzeitig zum Garten zurückkamen. Während wir in der Schlange standen, unterhielt ich mich mit einem Mexikaner, der gut Englisch sprach, und seiner gehörlosen Frau und erntete Gelächter, als ich scherzhaft mit meinen Händen „Bullshit” zu den Anweisungen des Sicherheitsbeamten in Gebärdensprache sagte. Der Botanische Garten von Santo Domingo de Guzmán in Oaxaca zeigt die reiche Pflanzenwelt der Region mit sorgfältig angeordneten Kakteen, Agaven und einheimischen Arten aus dem gesamten Bundesstaat. Der Garten liegt neben dem ehemaligen Dominikanerkloster und verbindet natürliche Schönheit mit Geschichte. Er bietet einen ruhigen, lehrreichen Spaziergang, der die Artenvielfalt und die traditionelle Verwendung von Pflanzen in Oaxaca hervorhebt. Im Inneren gaben zwei Führer eine kurze Einführung, bevor sie unsere Gruppe durch den Garten neben dem ehemaligen Dominikanerkloster führten. Die untergehende Sonne warf lange Schatten, was das Fotografieren erschwerte, und wir mussten uns strikt an den Weg halten, was aber angesichts der vielen gefährlichen Stachelkakteen auch nicht weiter schlimm war. Die Sammlung von Kakteen und Agaven war beeindruckend, aber abgesehen davon und einem kleinen Teich in der Nähe des Eingangs gab es nicht viel zu sehen, außer den hohen Steinmauern des ehemaligen Klosters. Die Gärten waren gut gepflegt, wirkten aber etwas renovierungsbedürftig. Wir gingen im schwindenden Licht nach Hause und kauften in der guten Bäckerei Brot für die nächsten Tage. Zurück in unserem Airbnb tranken wir gemeinsam ein Bier auf der Terrasse und beobachteten den Nachglanz des Sonnenuntergangs. Später kochten wir die dritte Portion unserer Schweinerippchen und aßen draußen, wo es gerade warm genug war, um den Abend ausklingen zu lassen. 20. Januar 2026 Ich bin heute Morgen um 6 Uhr aufgestanden und habe das Tagebuch für gestern fertig geschrieben. Wir haben gemütlich gefrühstückt, dann hat Lisa weiter am Blog gearbeitet, Fotos hinzugefügt und sowohl die englische als auch die deutsche Version hochgeladen. Wir haben den ganzen Vormittag damit verbracht. Lisa war besonders damit beschäftigt zu übersetzen, Fotos hochzuladen und auch die deutsche Version zu veröffentlichen. Das ist nicht einfach, da die iPads nicht so reibungslos funktionieren wie der Mac. Danach sind wir zum guten Supermarkt Chedraui am oberen Ende der Calle Niños Héroes zum Einkaufen. Wir machten uns um 13:45 Uhr auf den Weg und mussten 50 Minuten in der prallen Sonne auf den Bus warten. Außerdem funktionierte die Gesichtserkennung des Supermarkts trotz wiederholter Versuche bei mir nicht. Vielleicht hätte ich mir die Haare kämmen sollen! Wir kauften zwei Dosen Bier, eine Flasche Wein, ein paar Nüsse für heute Abend und ein paar Avocados und nahmen dann den Bus zurück. Diese Busfahrer sind lebensgefährlich und scheinen sich nicht um die Sicherheit ihrer Fahrgäste zu kümmern, da sie ständig ausweichen oder auf die Bremse treten und uns Fahrgäste durchschütteln. Mexikanischer Kabelsalat - aber es funktioniert. Wir verbrachten eine entspannte Stunde in der späten Nachmittagssonne auf unserer Terrasse, danach tranken wir ein Bier, und um 18:45 Uhr war es Zeit, die letzten Schweinerippchen für das Festmahl am Abend im Ofen zu garen. Norbert, unser Freund, der in El Salvador lebt, rief an und wir plaudern mit ihm eine Weile. Heute Abend wird es 1 °C wärmer sein als gestern, sodass die Temperatur um 21:00 Uhr nur auf 13 °C fallen wird – geradezu tropisch! So schnell sinkt die Temperatur hier, und bis zum Morgengrauen wird sie auf 7 °C fallen. 21. Januar 2026 Nach dem Frühstück gingen wir auf unseren lokalen Markt, um weitere Schweinerippchen und etwas Gemüse zu kaufen, damit wir bis Samstag versorgt sind. Der Plan für heute war ein Ausflug nach Etla, einem Dorf nördlich von Oaxaca-Stadt, wo mittwochs Markt ist. Etla liegt im Etla-Tal, einem der drei Täler, die die Hauptstadt umgeben, und ist von der Stadt aus leicht zu erreichen. Da es schwierig und verwirrend sein kann, den richtigen Bus zu finden, nahmen wir wie die meisten Leute ein Colectivo-Taxi. Der Taxistand befindet sich in der Nähe des Marktes Central de Abasto, und die Colectivos sind leicht zu erkennen, da sie rot und weiß lackiert sind und ihre Ziele auf der Windschutzscheibe stehen. Es saßen bereits zwei Passagiere darin. Lisa stieg hinten zu ihnen ein, und ich nahm den Vordersitz neben dem Fahrer ein. In diesem Taxi funktionierte nichts. Das Armaturenbrett war komplett kaputt – kein Tacho, keine Instrumente – und als ich versuchte, meinen Sicherheitsgurt anzulegen, musste der Fahrer anhalten und unter meinem Sitz herumkramen, um ihn zu finden. Ich fragte mich kurz, ob es eine gute Idee gewesen war, vorne zu sitzen, aber zumindest hatte ich jetzt einen funktionierenden Sicherheitsgurt. Etwas eingeengt in der hinteren Reihe. Aus den Lautsprechern dröhnte Musik einer lokalen Band in voller Lautstärke. Der Fahrer sang aus voller Kehle mit, während er auf der Suche nach der schnellsten Route zwischen den Fahrspuren hin und her schwenkte. Der Mann in der Mitte des Rücksitzes schlief unterdessen tief und fest. Er war offensichtlich daran gewöhnt. Eine halbe Stunde später wurden wir am Marktplatz von Etla abgesetzt. Die Fahrt kostete uns beide 40 MX$ (1,80 £). —————- Hintergrundinformationen: Was ist das Besondere an Etla? Etla ist ruhiger und ländlicher als Oaxaca-Stadt, umgeben von offenen Feldern und niedrigen Hügeln, mit einem langsameren, gleichmäßigeren Lebenstempo. Es ist kein Ort, den man wegen seiner Sehenswürdigkeiten besucht, sondern ein Ort, an den man geht, um zu verstehen wie die Stadt Oaxaca in die Berge und Täler ringsum eingebettet ist. Hier gibt es wenig, was einen zur Eile drängt; die Landschaft fühlt sich nah an, und das tägliche Leben folgt seinem eigenen Rhythmus. Das Dorf ist vor allem für sein Essen bekannt, insbesondere für Quesillo, den Oaxaca-Käse. Ein Großteil des in der Stadt verkauften Käses stammt aus diesem Tal und wird noch immer von kleinen Familienbetrieben nach traditionellen Methoden hergestellt. Das Essen hier wird eher von dem geprägt, was in der Nähe wächst, als von Modetrends. Das Zentrum des Dorfes ist eher funktional als schön. Es wurde nicht für Besucher hergerichtet und wirkt bewohnt und zweckmäßig. Es gibt einen kleinen Zócalo, eine Kirche und eine Handvoll Straßen, in denen sich das tägliche Leben abspielt. Markttag ist Mittwoch, wenn Stände mit Gemüse, Brot und einfachen Lebensmitteln auftauchen und die meisten Menschen eher damit beschäftigt sind, ihren Tag zu verbringen, als sich um Touristen zu kümmern. ————— Wir schlenderten durch die Innen- und Außenmärkte und machten Fotos von den Fleischständen – vorsichtig, da die Standbesitzer es nicht mögen, wenn sie fotografiert werden. Danach gingen wir an den Dorfrand, vorbei an der Kirche, auf der Suche nach guten Aussichtspunkten auf die umliegenden Berge. Leider versperrten Gebäude und Stromleitungen den größten Teil der Aussicht. Auf dem Rückweg hielt ein Mann, der sein Fahrrad schob, an, um mit uns zu sprechen. Er war Mexikaner und sprach gut Englisch und wir unterhielten uns eine Weile. Er erzählte uns, dass er 30 Jahre lang in Utah gelebt hatte, wo seine Frau und sein Kind noch immer leben. Aufgrund der ICE-Politik von Trump war er abgeschoben worden und nun zurück in seiner Heimatstadt in Mexiko, in der Hoffnung, eines Tages zurückzukehren und mit seiner Familie wiedervereint zu sein. Wir nahmen an, dass seine Papiere nicht in Ordnung waren, vielleicht war er illegal in den USA gewesen. Kurz darauf machten wir in einer wunderbaren kleinen Café-Bar Halt, um eine Coca-Cola zu trinken. Im hinteren Bereich befand sich eine Tanzfläche, umgeben von Tischen und Stühlen, die Wände waren mit Wandmalereien bedeckt, und auf zwei Flachbildfernsehern liefen Musikvideos. Fünf andere Leute tranken und aßen dort. Als unsere Getränke kamen, wurden sie mit einem Teller Erdnüsse, Zitronenscheiben und unerwarteterweise mit zwei kleinen Tacos mit Hähnchen und Tomaten serviert. Die Rechnung belief sich auf 70 MX$ (2,97 £). Zurück im Zentrum sprachen wir einen Tuk-Tuk-Fahrer an und fragten ihn, was er dafür verlangen würde, uns eine Stunde lang herumzufahren, vielleicht in die Berge, um die umliegenden Dörfer zu sehen. Wir einigten uns auf einen Preis: 100 MX$ (4,24 £) und machten uns auf den Weg. Das Tuk-Tuk hatte auf den steileren Anstiegen zu kämpfen, aber das langsame Tempo kam uns entgegen. Wir hielten ein paar Mal an, um Fotos von der beeindruckenden Landschaft zu machen. Der Höhepunkt war San Agustín Etla mit seiner beeindruckenden Kirche und seinem Kunstzentrum. Leider hatten wir keine Zeit, das Zentrum selbst zu besuchen. Unsere Fahrt endete wieder am Taxistand in Etla. Die Rückfahrt nach Oaxaca war genauso haarsträubend und auch etwas unbequem, da Lisa und ich uns den Beifahrersitz teilen mussten. Zumindest hatte dieses Taxi einen funktionierenden Tacho, auch wenn es keine Sicherheitsgurte hatte, und wir machten einen Zwischenstopp, um zu tanken. Bevor wir das Ziel unserer Reise erreichten, gerieten wir in einen Stau, also sprangen wir an einer Ampel aus dem Taxi und gingen den Rest des Weges zu unserem Airbnb zu Fuß. Als wir zurückkamen, war unsere Putzfrau gerade mit dem Putzen und dem Wechseln unserer Handtücher und Bettwäsche fertig. Nach dem Duschen brachte Lisa unsere Wäsche zur Wäscherei um die Ecke, während ich unsere stinkenden Sandalen wusch. Später schrieben wir E-Mails und informierten uns über die Nachrichten, während wir eine Tasse Tee in der späten Nachmittagssonne auf unserer Terrasse genossen. Es war warm genug, um draußen zu Abend zu essen – Schweinerippchen, Gemüse und Lisas spezielle schwarze Bohnen. 22. Januar 2026 Das Schreiben unserer Tagebücher nimmt viel Zeit in Anspruch, und normalerweise stehen wir um 6 Uhr morgens auf, um genau das zu tun. Wir sind jetzt seit etwas mehr als vier Wochen in Mexiko und müde; es erfordert echte Konzentration, um die Fakten richtig wiederzugeben. Auf dem Rückweg von der Wäscherei gestern Abend kam Lisa an einer Maismühle vorbei, wo sie Maisteig kaufte, damit wir unsere eigenen Tortillas zum Frühstück backen konnten. Das taten wir auch und aßen sie zusammen mit gekochten Eiern, Avocado und schwarzen Bohnen auf unserer sonnigen Terrasse. Nach unserem Frühstück um 10:00 Uhr schalteten wir ab, chillten auf unserer Terrasse unter dem Sonnenschirm und lasen die neuesten Nachrichten auf unseren iPads. Für den Nachmittag hatten wir uns vorgenommen, zum Mirador zu laufen – dem Aussichtspunkt hoch über und hinter uns –, seit uns ein kanadisches Paar, das wir getroffen hatten, erzählt hatte, dass sie jeden Morgen dorthin laufen und wie schön es dort sei, mit Blick auf das ganze Tal. Um 16:00 Uhr machten wir uns auf den Weg und gingen die gepflasterte Straße direkt vor dem Eingang unseres Airbnb hinauf. Nachdem wir die Route auf dem iPhone überprüft und einige Kurven und Wendungen genommen hatten, kamen wir zu einer steilen Steintreppe, die sich im Zickzack nach oben schlängelte. Der letzte Teil war ziemlich unangenehm. Wir verbrachten mehr Zeit damit, nach unten zu schauen, da der Bereich mit Hundekot übersät und der Geruch alles andere als angenehm war. Dies war der Rand der Stadt – völlig heruntergekommen – mit Müll überall, sogar einer alten Waschmaschine, die über einen Maschendrahtzaun geworfen worden war. Die letzten Stufen waren besonders steil, da sie die Stützmauer einer zweispurigen Straße hinaufführten, die sich um das riesige, zeltartige Auditorio Guelaguetza schlängelte. Dieses Wahrzeichen befindet sich auf dem Hügel hinter unserem Airbnb und ist kilometerweit sichtbar. Am Fuße der Mauer spielten eine junge Frau und ihr Kleinkind im Dreck vor einer Wellblechhütte – ein ernüchternder Anblick. Oben gab es einen Parkplatz, wo die Leute kurz anhielten, um die Aussicht zu bewundern und Fotos vom Mirador zu machen. Offensichtlich hatte es einmal große Pläne gegeben: Stufen führten hinunter zu ein paar längst verlassenen Restaurants, deren Träume nun ebenso verfallen waren wie die Ruinen selbst. Nein, es war kein schöner Ort. Man konnte das weite Oaxaca-Tal vor sich sehen, aber der Blick wurde durch die Gerüche, die Bäume, die die Sicht versperrten, den Schmutz und die zwischen hohen Masten gespannten Stromkabel getrübt. Wir machten ein paar Fotos und machten uns dann wieder auf den Weg nach unten, erneut durch die Gerüche hindurch und Hundehaufen ausweichend. Benito Juarez - der Mexikanische President aus Oaxaca ragt vom Mirador aus über die Täler von Oaxaca, Die Zeit verging und wir hofften, noch einen Kaffee trinken zu können, aber nichts, an dem wir vorbeikamen, sprach uns an. Wir hielten kurz an, um die Guzmán-Kirche zu fotografieren, aber selbst das wurde durch die über die Straße gespannten Kabel beeinträchtigt. Wir gaben die Idee mit dem Kaffee ganz auf und machten uns auf den Heimweg, wobei wir nur anhielten, um eine Flasche Saft zu kaufen. Später saßen wir auf unserer Terrasse, um den Sonnenuntergang zu beobachten, tranken ein kaltes Bier und kochten dann die letzten Schweinerippchen mit Gemüse und schwarzen Bohnen. Es war gerade warm genug, um draußen zu essen. 23. Januar 2026 Drei Tage vor dem Ende unseres dreiwöchigen Aufenthalts in Oaxaca und unserer Weiterreise nach Querétaro genießen wir jede Minute der Sonne und Wärme – besonders das Frühstück und Abendessen auf unserer Terrasse. Während ich das Frühstück vorbereitete, ging Lisa hinunter, um unsere saubere Wäsche abzuholen und frische Tortillas in unserer örtlichen Maismühle zu kaufen. Lisa hat ein Problem mit ihrer Sony-Kamera, das durch ein kürzlich veröffentlichtes Firmware-Update behoben werden sollte. Ich habe online recherchiert und mehrere vorgeschlagene Lösungen ausprobiert, darunter das Herunterladen des Updates auf eine formatierte Speicherkarte, aber nichts hat funktioniert. Nach weiteren Recherchen stellte ich fest, dass die Firmware nur über die Anwendung „Sony Creators' Cloud“ aktualisiert werden kann. Als wir die Kameras gekauft hatten, hatten wir die App auf unsere Smartphones heruntergeladen und uns als Mitglieder registriert. Die App ist für professionelle Fotografen konzipiert und fungiert als Drehscheibe für das gesamte Sony Creators' Cloud-Ökosystem, einschließlich eines webbasierten Content-Management-Systems – ideal für Profis, aber nicht wirklich für uns. Wir bevorzugen das viel einfachere Adobe Lightroom. Wenn man jedoch die Firmware einer Sony-Kamera aktualisieren möchte, hat man keine andere Wahl, als Sony Creators' Cloud zu verwenden. Die Kamera muss mit einem Smartphone gekoppelt werden, und das Update wird direkt über die App verwaltet. Als wir das endlich verstanden hatten, war es ganz einfach: Wir verbanden Lisas Kamera mit ihrem Telefon und folgten den Anweisungen der App. Nachdem die Firmware heruntergeladen war, führten wir das Update auf der Kamera selbst durch. Zehn Minuten später war die Kamera vollständig aktualisiert und das Problem behoben – allerdings hatte der gesamte Vorgang über zwei Stunden gedauert. Um das zu feiern, gingen wir ins Zentrum und kehrten in einem Café gegenüber dem Eingang zum Jardín Etnobotánico ein. Wir saßen in deren kühlem, offenem Innenhof – Lisa mit Tee und Kuchen, ich mit einer Coca-Cola und Kuchen. Anschließend gingen wir zurück und kauften in einem OXXO-Supermarkt noch ein paar Nüsse, die wir später knabbern wollten, während wir uns auf meinem iPad einen James-Bond-Film auf Netflix ansahen. Um 18:00 Uhr tranken wir wie üblich unser kaltes Bier auf der Terrasse und aßen später unser letztes Abendessen hier: die letzten ofengebackenen Schweinerippchen und Gemüse, begleitet von unserer letzten Flasche Rotwein. 24. Januar 2026 Morgen fahren wir nach Querétaro, also müssen wir später noch packen. Ich konnte nicht schlafen und war um 6:30 Uhr auf, um die Probleme mit dem gestrigen Firmware-Update von Lisas Kamera aufzuschreiben. Vor dem Frühstück wuschen wir ein paar Kleidungsstücke und packten unsere Koffer teilweise. Wir aßen die Reste aus unserem Kühlschrank zum Frühstück und checkten unsere E-Mails. Am Abend gingen wir ins Zentrum, um Nachtfotos zu machen, und danach zu dem Restaurant mit Dachterrasse, das wir für unser letztes Abendessen in Oaxaca ausgesucht hatten. Auf dem Weg dorthin hielten wir bei Galeria Romeo an, um uns noch einmal den prächtigen Jaguar anzusehen, den sie zum Verkauf anbieten. Es gab zwei davon, aber jemand aus Chicago hat einen gekauft. Wir machten ein paar Fotos, um uns an ihn zu erinnern. Er kostete 10.000 MX$ (419,60 £). Der Versand wäre teuer gewesen, ebenso wie die Einfuhrsteuer in Großbritannien. Als es dunkel wurde, gingen wir weiter ins Zentrum und folgten einer Prozession. Zwei große, wirbelnde Pappmaché-Puppen, gefolgt von einer lauten Blaskapelle, wirbelnden, traditionell gekleideten Damen reifen Alters und einer riesigen Menschenmenge, die sich auf den Weg zur Guzmán-Kirche machte. Wir mischten uns unter die Menge und machten viele Fotos. Allerdings waren wir ein wenig enttäuscht, denn wir erinnerten uns daran, dass wir das Gleiche vor 9 Jahren gemacht hatten und die Straßen damals farbenfroher und stimmungsvoller waren. Jetzt schien die Begeisterung verflogen zu sein und es war nur noch eine Samstagnacht-Veranstaltung für Touristen. Danach gingen wir zur Casa Abuela Maria und ihrem wunderbaren Dachrestaurant, um unseren letzten Abend in Oaxaca zu feiern. Wir wählten einen Tisch mit Blick auf die Straße und bestellten zwei Bier, aber man sagte uns, dass sie keinen Alkohol verkaufen dürfen, da an diesem Wochenende Kommunalwahlen stattfänden. Bis Montag, bis die Wahlen vorbei sind, darf nirgendwo in der Stadt Alkohol verkauft werden! Also saßen wir dort und tranken Wasser zu unserem Essen, an einem Samstagabend, um unseren letzten Abend in Oaxaca zu feiern. Kommunalwahlen – „Cheers“ ist nicht das Wort, das mir dabei in den Sinn kommt! Wir machten uns auf den Heimweg und fragten in den Läden an der Ecke nach, ob es stimmt, dass der Verkauf von Alkohol an diesem Wochenende verboten ist. Das ist der Fall. Zum Glück hatten wir noch ein wenig Rum und etwas Saft übrig, also setzten wir uns auf unsere Terrasse und teilten uns, was noch da war. 25. Januar 2026 Heute Morgen gab es ein kleines Durcheinander. Wir standen um 5:30 Uhr auf und waren um 7:00 Uhr startklar, als das Uber-Taxi, das ich zum Flughafen bestellt hatte, eine Nachricht schickte, dass es leider kein Taxi geben würde und ich es später noch einmal versuchen solle. Das löste leichte Panik aus. Lisa ging nach unten, um mit Emma, der Miteigentümerin des Airbnb, zu sprechen. Zum Glück ist sie auch eine Frühaufsteherin. Sie kontaktierte ihren zuverlässigen Taxifahrer, der nur 15 Minuten später in seinem neuen gelben Taxi vorfuhr. Der Fahrpreis betrug 350 MX$, etwa doppelt so viel wie normal – grrr! Um 8 Uhr standen wir in der Check-in-Schlange am Schalter von Aeroméxico am internationalen Flughafen von Oaxaca. Wir mussten nur kurz warten, um unsere Koffer aufzugeben, und kamen dann schnell durch die Passkontrolle und die Sicherheitskontrolle. Wir hatten genug Zeit, um vor dem Boarding noch etwas zu essen und zu trinken. Unser planmäßiger Abflug war um 9:40 Uhr, und wir starteten nur acht Minuten später. Die Flugzeit nach Mexiko-Stadt sollte 1 Stunde und 20 Minuten betragen, aber wir kamen um 10:40 Uhr an – gut 20 Minuten zu früh. Wir mussten 20 Minuten auf unser Gepäck warten, aber die frustrierendste Verzögerung war Lisas Wartezeit in der Schlange vor der Damentoilette. Als Nächstes mussten wir den Bus vom Flughafen nach Querétaro buchen. Glücklicherweise befindet sich der Busbahnhof direkt neben dem Flughafenausgang. Wie wir es erwartet hatten, verlief der Kauf der Fahrkarten schnell und effizient. Wir zahlten jeweils 625 MX$ (26,20 £). Zehn Minuten später wurden unsere Koffer abgeholt, unsere Rucksäcke durchliefen Scanner wie am Flughafen, und um 11:40 Uhr stiegen wir in den Bus und machten uns auf den Weg nach Querétaro. Die Fahrt würde je nach Verkehrslage etwa drei Stunden dauern. Wir reisen mit Primera Plus. Was für ein Unterschied zu den Bussen vor neun Jahren! Der Bus war sehr modern, mit getrennten Toiletten für Männer und Frauen. Jeder Passagiersitz hatte einen großen 40-cm-LCD-Bildschirm, viel Beinfreiheit, vollständig verstellbare Sitze und sogar Beinstützen. Der einzige Nachteil war, dass alle, die einen Fensterplatz hatten, ihre Verdunkelungsvorhänge geschlossen hatten. Wir saßen auf den vorderen Innenplätzen Nr. 2 und 3 auf gegenüberliegenden Seiten des Ganges, aber auch die Glaswand, die den Fahrer von den Passagieren trennt, war verdunkelt. Zum Glück öffnete die junge Frau neben mir freundlicherweise ihren Vorhang ein wenig, sodass ich zumindest hinaussehen konnte. Wir kamen gut voran und erreichten nach drei Stunden den Busbahnhof in Querétaro.
- Vamos Amigos! Kommt mit uns nach Mexiko! Teil 1
Verfolgt unsere Reise auf unserem Mexiko Travel-Blog! Wie schon in den vergangenen Jahren möchten wir auch diesen Winter an einem warmen exotischen Ort verbringen. Dieses Mal ist unser Ziel Mexiko. Wir waren bereits mehrmals in Mexiko, zuletzt im Jahr 2016. Es hat uns sehr gut gefallen und wir wollten schon immer wieder zurückkehren, mit mehr Zeit, um dieses faszinierende Land weiter zu erkunden. Dieses Mal versuchen wir, große Menschenmengen und Touristenattraktionen zu vermeiden und uns so weit wie möglich abseits der ausgetretenen Pfade zu bewegen. Impressionen von vorherigen Reisen durch Mexiko Wir werden an Heiligabend nach Mexiko-Stadt aufbrechen und von dort weiterreisen. Wer möchte, kann uns auf unserer Reise über unseren Reiseblog begleiten. Zu den Höhepunkten gehören der Besuch des hervorragenden Anthropologischen Museums, Frida Kahlos Blauem Haus und Diego Riveras Malereien im Nationalpalast in Mexiko-Stadt sowie Spaziergänge durch die malerischen kolonialen „magischen Städte“ Querétaro, San Miguel de Allende, Zacatecas und Puebla, wo wir in Geschichte und Kultur eintauchen werden. In Oaxaca nehmen wir an Kochkursen teil, um zu lernen, wie man köstliche mexikanische Gerichte und Schokoladensoße mit Chili zubereitet. Wir werden nahegelegene Dörfer besuchen, um die Käseherstellung, das Weben und die Tequila-Produktion zu beobachten. Weiter nördlich erkunden wir den Copper Canyon mit El Chepe, der berühmten Eisenbahn der Region. In den letzten drei Wochen reisen wir mit dem Wohnmobil durch Baja California, in der Hoffnung, nicht nur Kakteen, sondern auch Wale und andere exotische Tierarten zu sehen. Das ist zumindest der Plan – mal sehen, welche Abenteuer uns auf dieser Reise erwarten. Wie in früheren Reiseblogs werden wir beide hier unsere Erlebnisse berichten. Obwohl wir beide die gleichen Orte besucht haben, sind unsere Eindrücke und Erinnerungen doch recht unterschiedlich. Liebe Leserinnen und Leser, in den letzten vier Wochen haben wir hier so viel über unsere Abenteuer berichtet, dass der Blogbeitrag keinen Text und keine Fotos mehr aufnehmen kann. Wir werden einen Teil 2 des Reiseblogs eröffnen und dort mit der Berichterstattung über unsere letzte Woche in Oaxaca (18. - 24. Januar) fortfahren. Schaut doch mal rein! https://www.rememberrelatereflect.com/post/vamos-amigos-kommt-mit-uns-nach-mexiko-teil-2-unseres-travelblogs 3. Oaxaca, 4. bis 17. Januar 2026 (ab 18. bis 25. Januar Oaxaca in Teil 2) Lisa 04. Januar 2026 Inzwischen sind wir in Oaxaca angekommen. Unser Airbnb ist wunderschön: hell, mit einer Terrasse, die einen Blick auf die Berge bietet – ein perfekter Ort, um die nächsten drei Wochen zu verbringen. Wir sind am Sonntag gegen Mittag in Puebla aufgebrochen und fünf Stunden lang mit dem Bus durch eine beeindruckende Berglandschaft gefahren. Oaxaca liegt 1.500 Meter über dem Meeresspiegel und ist von Bergen umgeben. Tagsüber steigen die Temperaturen auf bis zu 30 °C, nachts fallen sie jedoch auf 8 bis 10 Grad. Eine karge Berglandschaft auf dem Weg von Puebla nach Oaxaca. Wir kamen am späten Nachmittag an und gingen, nachdem wir uns in unserem schönen neuen Zuhause eingerichtet hatten, essen. Unsere Wohnung liegt direkt im Stadtzentrum, nur sieben Blocks vom Zócalo, dem Hauptplatz, entfernt. Wir waren vor neun Jahren schon einmal hier und langsam kommen die Erinnerungen zurück. Trotz der Weihnachtsdekoration und der Weihnachtsmärkte erkannten wir einige Straßen und Gebäude wieder. Unter den vielen Restaurants mit Außenbereich rund um den Zócalo wählten wir eines, in dem wir schon einmal gewesen waren, und wurden auch dieses Mal nicht enttäuscht. Das Essen war ausgezeichnet und wir teilten uns einen Krug (1,7 Liter) dunkles Fassbier. Nach unserer Busfahrt waren wir durstig und hungrig – und glücklich, nach all den Jahren wieder in dieser Stadt zu sein. Prosit! Dieses kühle Bier haben wir uns verdient nach der langen Busfahrt. Wir schlenderten über den Platz und schlossen uns einer Gruppe von Menschen an, die zu Cumbia- und Salsa-Musik tanzten, die von einem DJ gespielt wurde – ein regelmäßiges Ereignis auf dem Platz, an das wir uns von unserem letzten Besuch erinnerten. Es tat gut, sich zur Musik zu bewegen und zu tanzen. Jemand machte sogar ein Video von uns alten Leuten beim Tanzen und sagte uns, wir seien in großartiger Form. Dann gingen wir gemächlich nach Hause. Es tat gut, wieder hier zu sein. 05.Januar 2026 Am nächsten Morgen brachten wir unsere Wäsche in einen Waschsalon um die Ecke und kauften auf dem nahe gelegenen Markt einige wichtige Lebensmittel für Frühstück und Abendessen ein. Nach einem sehr leckeren Frühstück mit regionalen Produkten auf unserer sonnigen Terrasse überlegten wir, was wir in den nächsten Tagen und Wochen in dieser Stadt unternehmen wollten. Zunächst einmal brauchten wir dringend eine Pause und wollten es ganz ruhig angehen lassen, da wir seit unserer Abreise aus London vor zehn Tagen nonstop unterwegs gewesen waren. Bevor wir uns jedoch ausruhen konnten, mussten wir noch Texte fertigstellen und zusammen mit sorgfältig ausgewählten, relevanten Fotos auf unseren Reiseblog hochladen. Freunde hatten bereits angefangen, sich zu erkundigen, ob wir „okay“ oder vielleicht „verloren“ seien, da seit mehreren Tagen nichts Neues online erschienen war. Kein Druck also! Hier stellte ich erneut die Grenzen meines relativ neuen iPad fest. Es eignet sich zwar hervorragend für viele Dinge – Fotos, Nachrichten, allgemeine Lebensverwaltung und Reisen aufgrund seiner praktischen, kleinen Größe –, aber es stellte sich heraus, dass es aufgrund seiner iPad-Eigenschaften nicht ideal ist, um unterwegs einen Blog zu schreiben. Viele Bearbeitungs- und Fotobearbeitungsfunktionen funktionieren einfach nicht. Daher wird ein Großteil der Bearbeitung nun großzügig an meine geduldige Blog-Begleiterin Titanja in München ausgelagert. Glücklicherweise behauptet sie, dass sie das Bearbeiten liebt und darauf besteht, dass es ihr nichts ausmacht. Ich entscheide mich, ihr zu glauben. Dennoch entdeckte Dave, der immer auf der Suche nach etwas Computerbezogenem ist, einen Apple Store am Stadtrand von Oaxaca und schlug vor, dass wir uns „einfach mal anschauen“ sollten, was dort angeboten wurde. Dieser harmlose Vorschlag erwies sich jedoch als alles andere als einfach. Google Maps zeigte uns den Standort und empfahl uns öffentliche Verkehrsmittel bis zu einer Haltestelle, an der die Straße nach Atzompa – einem Dorf nördlich von Oaxaca – beginnt. Wir wurden umgeleitet, weitergeleitet und im Allgemeinen an verschiedene Orte geschickt, von denen aus angeblich Carros (Sammeltaxis) abfuhren, da offenbar keine Busse dorthin fahren. Mehrmals schlug ich vor, aufzugeben, ein richtiges Taxi zu nehmen oder einfach nach Hause zu gehen. Aber Dave versicherte mir, dass dies alles „Teil des Abenteuers“ sei. Na gut. Schließlich fanden wir ein Carro, das uns für jeweils 13 mexikanische Pesos (1,08 £ / 1,24 €) an unser Ziel bringen wollte. Drei Frauen saßen bereits auf dem Rücksitz dieses alten Toyotas und warteten geduldig darauf, dass das Auto voll wurde, damit es losfahren konnte. Unsere Ankunft wurde mit sichtbarer Erleichterung begrüßt – endlich war das Auto voll. Dave und ich quetschten uns neben den Fahrer auf den Vordersitz, wobei jeder von uns etwa eine Hälfte des Sitzes einnahm. Meine andere Hälfte lag auf dem Schalthebel. Jedes Mal, wenn der Fahrer schalten musste, musste ich meinen ganzen Körper anheben, während Dave mein Knie packte und es zu sich hin drehte, damit der Fahrer den Schalthebel bedienen konnte. Dann sank ich wieder darauf zurück. Teamwork. Aus dem Radio dröhnte romantische Latino-Musik. Die Frauen auf dem Rücksitz schliefen friedlich. Wir fuhren weiter. Die Fahrt dauerte länger als erwartet, und als ich auf Google Maps nachschaute, waren wir bereits weit über unseren geplanten Halt hinaus und fast in Atzompa. Mitten im Nirgendwo auszusteigen erschien mir sinnlos, also fuhren wir weiter bis zum Ziel. Kurz vor unserer Ankunft kam uns eine Kolonne von 30 oder 40 hellgrünen dreirädrigen Motorrädern entgegen – ähnlich wie Tuk-Tuks, mit Blumen geschmückt und festlich – aus Atzompa. Es stellte sich heraus, dass das Dorf sein 200-jähriges Jubiläum feierte. Die Häuser und der Platz waren geschmückt, und die Menschen versammelten sich in Vorfreude auf die Feierlichkeiten. Nach einem kurzen Spaziergang durch das Dorf und seinen Markt beschlossen wir, dass wir genug Kultur für heute hatten und nach Oaxaca zurückkehren wollten. Wir schauten wieder auf Google Maps und genau in diesem Moment hielt ein Tuk-Tuk vor uns und der Fahrer fragte, ob er uns helfen könne. Ich zeigte ihm die Karte und fragte, ob er uns an unser Ziel bringen könne. „Plaza Bella? Kein Problem.“ Wir stiegen ein. Er setzte noch seinen bisherigen weiblichen Fahrgast da ab, wo sie hin wollte und fuhr los. Ein kühler Wind wehte, das Leben war plötzlich viel einfacher. Zwölf Minuten später hielt er vor einem riesigen Einkaufszentrum: Plaza Bella. Wir zahlten ihm jeweils 10 Pesos (0,83 £ / 0,96 €) und machten uns auf die Suche nach dem Apple Store. Mit einem Tuck-Tuk unterwegs. Apple hatte tatsächlich das MacBook Air, das Dave online als beste Option für mich recherchiert hatte. Ich probierte es aus und fand es gut. Der junge und hilfsbereite Verkäufer versicherte uns, dass Apple als internationales Unternehmen eine weltweite Garantie anbiete. Leider war der Laptop teurer als in Großbritannien, und der Laden akzeptierte mein iPad nicht als Tauschobjekt – nur Laptop gegen Laptop. Das machte den Kauf völlig unrealistisch. Ich fand mich mit meinem iPad ab, da ich wusste, dass es zu Hause bessere Optionen geben würde. Dave, immer voller Optimismus, hat online bereits generalüberholte Geräte zu einem viel günstigeren Preis gefunden. Wir bedankten uns bei dem Verkäufer, der uns den Weg zu einer Bushaltestelle mit hervorragender Anbindung ins Zentrum zeigte. Es stellte sich heraus, dass das Einkaufszentrum sehr gut angebunden war. Man musste nur wissen, wo man suchen musste – oder wonach man suchen musste. Damit endete unser erstes von vielen kleinen Abenteuern in Oaxaca. 06.Januar - 09. Januar 2026 In den nächsten Tagen schrieben wir unsere Tagebücher, lasen Bücher und erkundeten das Stadtzentrum, wobei wir versuchten, die Wege unseres letzten Besuchs nachzuvollziehen: Dazu gehörte die Kirche Santo Domingo, vor der wir einst viele glückliche Paare an ihrem Hochzeitstag fotografiert hatten. Hier, im obersten Stockwerk eines Cafés, hatten wir an einem Sonntagmorgen eine mexikanische Rockband beobachtet und fotografiert, die gerade ihr Werbevideo drehte. Die Stadt schien belebter zu sein, voller Einheimischer und Touristen, mit mehr Hotels, Restaurants, Galerien und Handwerksmärkten für Touristen. Wir fanden das schöne Hotel, in dem wir beim letzten Mal übernachtet hatten, La Case del Sotano. Es war zu einem teuren Boutique-Hotel geworden – für uns unerschwinglich, wenn wir drei Wochen in dieser Stadt bleiben wollten. Eine fast dreimonatige Reise erfordert eine andere Herangehensweise und andere Anforderungen an die Unterkunft – idealerweise eine Unterkunft mit Küche, wenn wir zahlungsfähig bleiben wollten. Wir besuchten einige der vielen Galerien und Kunsthandwerksläden. Einige boten schöne Artikel an, aber zu recht hohen Preisen, vor allem im Vergleich zu den preiswerten – und oft billig hergestellten – Waren, die an Straßenständen verkauft wurden. Die Sonne brannte, also machten wir uns auf den Weg, um Dave einen Strohhut mit breiterer Krempe zu kaufen – seine Baseballkappe schützte seine Ohren nicht, die bereits eine Besorgnis erregende rote Färbung annahmen. Wir fanden sofort einen schönen Hut, aber er war zu teuer. Dann probierten wir viele andere Läden aus, alle ohne Erfolg: Die Hüte waren aus den unterschiedlichsten Gründen ungeeignet. Am Ende kehrten wir zum ersten, teureren Stand zurück. Dave ist jetzt glücklich. Später brannte die Sonne auch auf meinen Nacken, also kaufte ich mir ebenfalls einen Strohhut mit breiter Krempe. Jetzt kann jeder schon von weitem erkennen, dass wir Touristen sind. Müde von unseren Spaziergängen ruhten wir uns oft in diversen Cafés aus. Wir wollten unbedingt ein Café finden, an das wir uns von unserem letzten Besuch vor neun Jahren erinnerten. Es lag in einem schönen Innenhof einer Universitätsbibliothek, in der Nähe eines Gebäudes, das vor über einem Jahrzehnt während Studentenprotesten teilweise niedergebrannt war und bei unserem letzten Besuch noch immer mit Brettern vernagelt war. Wir suchten ausgiebig. Niemand, den wir fragten, hatte eine Ahnung, wovon wir sprachen. Wir gaben auf. Am nächsten Tag versuchten wir es erneut. Diesmal erinnerte sich eine junge Frau daran und führte uns dorthin. Es war ganz in der Nähe. Wir mussten unzählige Male daran vorbeigelaufen sein. Und da war es: ein schattiger Innenhof, umgeben von Bäumen und Häusern, kleiner als wir es in Erinnerung hatten, aber friedlich und einladend, mit Tischen, Stühlen und Bildern an den Wänden. Ich bestellte einen Eiskaffee für Dave, der seit seiner Abreise aus Oaxaca vor all den Jahren von diesem Moment geträumt hatte. Ich bestellte schwarzen Tee, nur um zu erfahren, dass sie keinen Tee servierten, weil sie auf Kaffee spezialisiert waren. Ich entschied mich für eine heiße Schokolade, die Kaffeespezialisten offenbar auch zubereiten. Daves Eiskaffee kam – lauwarm, mit ein paar Eiswürfeln darin. Früher war er mit Crushed Ice und cremig gewesen. Manchmal ist es besser, Träume unberührt zu lassen. Trotzdem genossen wir es, in dem ruhigen Innenhof zu sitzen, dem Trubel der Straßen zu entfliehen und – was immer wichtig ist – die sauberen Toiletten zu benutzen. Auf unseren Spaziergängen durch die Straßen bewunderten wir viele der farbenfrohen Wandmalereien, von denen einige eher künstlerisch waren, andere eine tiefere Bedeutung hatten. Eine Kampagne zur die Legalisierung von Abtreibung Wir gingen auch zu verschiedenen Touristenzentren, um uns nach den angebotenen Touren zu erkundigen. Als wir das letzte Mal für fünf Tage in Oaxaca waren, hatten wir verschiedene Touren in die benachbarten Dörfer unternommen, eine Mezcal-Brennerei besucht, das Weben, Teppichknüpfen und Töpfern gelernt, besichtigten die archäologischen Stätten von Monte Alban und Mitla sowie die Wasserfälle von Hierve el Agua. Jetzt wollten wir uns nicht wiederholen, sondern etwas Neues lernen. Wie wäre es mit einem Kochkurs? Ich hatte diese Idee schon seit einiger Zeit und versuchte Dave sanft zu überreden, einen mit mir zu machen. Schließlich willigte er ein (ganz ohne Druck), und wir wählten einen aus den vielen Angeboten aus. „Qué Rico es Oaxaca” ist ein familiengeführter Kochkurs. Alfonso, der Sohn, lernte das Kochen von seiner Großmutter und seiner Mutter und absolvierte später eine Ausbildung zum Koch, um anschließend in mexikanischen Restaurants in der Stadt zu arbeiten. Heute besteht seine Hauptbeschäftigung darin, den Kochkurs für Touristen zu leiten – mit praktischer Unterstützung seiner Eltern. Wir sechs Teilnehmer wurden von einem nahe gelegenen Markt abgeholt, wo Alfonso uns die beeindruckende Auswahl an Gewürzen und Chilis vorstellte, die für die Zubereitung von Mole verwendet werden, der berühmten mexikanischen Sauce, die so ziemlich alles zu enthalten scheint. Wir hielten auch an einem Stand, um Masa zu kaufen, den Teig, aus dem Tortillas hergestellt werden, ein Grundpfeiler der mexikanischen Küche. Tortillas kann man überall kaufen – auf Märkten oder in Supermärkten –, aber wie uns feierlich mitgeteilt wurde, sind die aus frisch zubereitetem Teig hergestellten Tortillas weitaus besser. Der Teig selbst wird aus ganzen getrockneten Maiskörnern (Maíz) hergestellt, die in Kalkwasser eingeweicht werden, um sie weich zu machen, und die dann auf einer Steinmühle gemahlen werden, um einen frischen, feuchten Teig zu erhalten. Diese Masa muss sofort für die Zubereitung von Tortillas verwendet werden, da sie sonst hart und brüchig wird. Danach brachte uns Alfonso zu seinem Haus, wo der Kochkurs offiziell begann. Wir zogen unsere Schürzen an und erhielten jeweils ein Holzschneidebrett und ein großes, sehr scharfes Messer. Heute, so wurde uns gesagt, würden wir lernen, zwölf verschiedene Gerichte zuzubereiten. Zunächst jedoch wurde Fernando, dem Vater, die wichtige Aufgabe übertragen, nämlich uns aufzulockern und in Stimmung zu bringen. Dies gelang ihm mit einem Schluck Mezcal und ein paar gut einstudierten Witzen. Zum Glück hatten wir reichlich gefrühstückt. Dann wurde uns das Menü vorgestellt und Aufgaben zugewiesen: Gemüse und Zwiebeln schneiden, Reis braten, Kochbananen rösten, Gewürze mahlen, Tortillateig zu kleinen Kugeln formen und zu ordentlichen kleinen Tortillas pressen, die Mole umrühren, Kondensmilch mit Eiern für das Dessert verquirlen und vieles mehr – alles unter Alfonsos ruhiger Anleitung und den wachsamen Augen seiner Mutter. Alles diente der Vorbereitung eines Drei-Gänge-Menüs. Zwischen den Aufgaben tauchte Fernando mit einer weiteren Flasche Mezcal zur Verkostung auf, und wir lernten auch, wie man Margaritas zubereitet. Dave und ich gingen sparsam mit dem Alkohol um. Tagsüber zu trinken macht müde, und angesichts der vielen großen Messer hielten wir Vorsicht für angebracht. Das Essen, das wir zubereitet hatten, war fantastisch: Guacamole mit gebratenen Tortillas; frische Tortillas gefüllt mit schwarzem Bohnenpüree und garniert mit einem Salat aus Kohl, Karotten, Zwiebeln und Oaxaca-Käse als Vorspeise. Als Hauptgericht gab es Hähnchen mit Mole-Sauce, serviert mit gebratenem Reis und Gemüse. Zum Nachtisch gab es Lechesilla (eine Art Vanillepudding) mit Oaxaca-Schokolade. Nach dem Essen gab es natürlich eine weitere Mezcal-Verkostung – diesmal drei verschiedene Sorten. Zu diesem Zeitpunkt waren alle entspannt, satt und hatten wie durch ein Wunder noch alle Finger. Die Zutaten für unser mexikanisches Menu. Insgesamt war es ein gelungener Kochkurs – auch wenn ich persönlich gut mit weniger Mezcal und mit weniger der gelegentlich eher ermüdenden als amüsanten Witze ausgekommen wäre, die ich zudem noch für die nicht spanischsprachigen Teilnehmenden übersetzen sollte. Kaum etwas trägt schließlich so sehr zur allgemeinen Begeisterung bei wie das Erklären eines mittelmäßigen Witzes nach mehreren Gläsern Mezcal. Es war interessant, die anderen Teilnehmer kennenzulernen: Alle waren jünger als wir, wahrscheinlich Ende zwanzig – zwei kamen aus Deutschland (Stuttgart) und zwei aus den Niederlanden (Amsterdam). Sie erzählten uns von den Touren, die sie gemacht hatten oder noch machen wollten. An diesem Abend wollten sie zurück in ihr Hostel, um an einem Salsa-Kurs teilzunehmen, gefolgt von Tanzen und Trinken bis in die frühen Morgenstunden. Das klang aufregend. Es klang aber auch sehr anstrengend. Im Vergleich zu ihnen kamen wir uns wie langweilige alte Knacker vor. Andererseits hatten wir genau das Gleiche gemacht, als wir jünger waren – und offenbar überlebt –, aber im Moment hatte das absolut keinen Reiz mehr. Weisheit oder Alter? Möglicherweise beides. Auf dem Heimweg machten wir uns ernsthaft Gedanken: Was wollten wir eigentlich von unserer Zeit in Mexiko, und was wollten wir wirklich in Oaxaca sehen und erleben? Das ist keine einfache Frage, und wir haben noch keine Antwort darauf gefunden. Was wir definitiv nicht wollen, ist, von einem desinteressierten Reiseleiter in einer Reisegruppe herumgeschleppt zu werden, zum Kauf von Dingen gedrängt zu werden und in Restaurants gebracht zu werden, in denen der Reiseleiter bequem eine Provision verdient. Wir verspüren auch nicht das Bedürfnis, an einem heißen Tag 30 verschiedene Mezcal-Sorten zu probieren, wie das auf der Mescal Tour der Fall ist. Wir ziehen es vor, die Dinge selbst zu erkunden, in unserem eigenen Tempo und nach unseren eigenen Vorstellungen. Mehr dazu später. —————————- Dave: 04. Januar 2026 Heute verlassen wir Puebla und machen uns auf den Weg nach Oaxaca. Der Busbahnhof wirkt wie ein Flughafen mit Bussen, die mit der Nase voran einfahren, dicht an dicht stehen und ständig ankommen und abfahren. Um 11:35 Uhr, 10 Minuten vor unserer geplanten Abfahrt, ist die Abfahrtstafel noch leer. Lisa fragt einen Schaffner, der uns zu unserem Bus führt. Unser Gepäck wird entgegen genommen, wir erhalten eine Quittung und steigen ein, auf die Plätze 1 und 2, die vorderen Sitze. Um 12 Uhr, als wir losfahren, hole ich mein Handy heraus und schalte die Heizung zu Hause ein, da London von einer Kältewelle heimgesucht wird und die Temperaturen über Nacht auf -3 °C fallen werden. Wir fahren durch eine ausgedörrte, karge Bergwildnis, die mit hohen, spindeldürren Kakteen bewachsen ist. Die steile, zweispurige Bergstraße schlängelt sich nach oben, und unser Fahrer braucht einige Zeit, den richtigen Moment zu wählen, um die voll beladenen Lastwagen zu überholen, die sich die steileren Abschnitte hinaufquälen. Brücken überspannen tiefe Schluchten, unter denen man weit unten ausgetrocknete Flussbetten sehen kann. Auf Kreta fahren die Autofahrer auf den Seitenstreifen, um schnelleren Fahrzeugen das Überholen zu ermöglichen und Platz für den Gegenverkehr zu schaffen. In Mexiko scheint es ein ähnliches System zu geben, und die langsameren Autos fahren auf den Seitenstreifen, um den schnelleren Verkehr vorbeizulassen. Wir kommen um 17:10 Uhr in Oaxaca an, und das Wetter ist deutlich wärmer als in Puebla. Wir nehmen ein Taxi zu unserer Unterkunft für die nächsten drei Wochen. Unser Airbnb in Puebla war günstig und gemütlich, dieses hier ist geradezu luxuriös. Wir sind ganz oben im Haus und haben auch eine nach Süden ausgerichtete Terrasse. Da wir ganz oben im Haus sind, gibt es viele Treppen, sodass es ziemlich anstrengend ist, unsere Koffer die schmalen Treppen hinaufzuschleppen. Als wir ausgepackt haben, ist es bereits dunkel und wir machen uns auf den Weg, um die Gegend zu erkunden und ein Restaurant zu suchen. Unsere Airbnb-Unterkunft liegt vier Blocks vom Stadtzentrum, dem Zócalo, entfernt. Als wir dort ankommen, ist der Hauptplatz mit Weihnachtsdekoration beleuchtet, und in der Mitte steht ein riesiger Weihnachtsbaum. Wir waren vor neun Jahren schon einmal hier, und das Einzige, woran ich mich erinnern konnte, war eine Hochzeit in der Kathedrale von Oaxaca neben dem Zócalo und die extravaganten Tänzer, die auf das Brautpaar warteten, als es die Kathedrale verließ. Wir waren hungrig und durstig und entschieden uns nach einem kurzen Rundgang über den Zocalo für das Restaurant Terrazza Nova. Es war eine gute Wahl, das Essen war ausgezeichnet und wir bestellten einen 1,7-Liter-Krug Bier. Ja, wir waren durstig! Nachdem wir die Rechnung bezahlt hatten (40 Euros), überquerten wir den Platz und in einer Ecke spielte ein DJ laute Musik und eine große Gruppe von Menschen tanzte. Wir schlossen uns ihnen an und hatten 15 Minuten lang viel Spaß. Vielleicht war das nach dem Bier und dem üppigen Essen keine so gute Idee, und das Bier in unseren Mägen schäumte auf! Von dort aus gingen wir zu Fuß nach Hause. 05. Januar 2026 Wir müssen müde gewesen sein, denn wir wachten erst um 7 Uhr auf. Als ich die Vorhänge öffnete, ging gerade die Sonne auf und tauchte die Häuser auf der anderen Seite des Tals in ein orangefarbenes Licht. Von unserem Balkon aus hatten wir eine herrliche Aussicht, und in der Nähe ragten die beleuchteten Türme der Basilika Nuestra Señora de la Soledad empor. Vor dem Frühstück mussten wir noch einkaufen, also gingen wir zur Hauptstraße hinunter. Direkt gegenüber lag der Mercado IV Centenario, ein typisch mexikanischer Markt, der sich über eine große Fläche erstreckte und in unzählige kleine Stände unterteilt war. Jeder Verkäufer bietet seine eigenen Produkte an, sodass die Käufer sich aussuchen können, wer ihrer Meinung nach das frischeste Gemüse oder Fleisch hat. Neben Obst, Gemüse und Fleisch gab es Stände, an denen Brot, Kuchen, Eier, Käse, Süßigkeiten und sogar Töpfe und Pfannen verkauft wurden. Im Inneren gab es einen Café-Bereich, in dem Arbeiter vor Beginn ihres Arbeitstages frühstücken konnten. Wenn man etwas brauchte, wurde man hier garantiert fündig. Zurück in der Wohnung machte ich ein Omelett aus drei Eiern mit Frühlingszwiebeln und Pilzen. Wir nahmen das Frühstück mit auf die Terrasse und aßen in der warmen Sonne unter dem Sonnenschirm. Es war der 13. Tag unseres Abenteuers und uns gingen die sauberen Kleider aus. Also suchten wir eine Wäscherei und wurden gleich um die Ecke fündig. Wir gaben zwei Plastiktüten voller schmutziger Wäsche ab. Es war ihr erster Tag nach den Weihnachtsferien und der Laden war brechend voll, sodass unsere Wäsche erst am Mittwoch nach 20 Uhr fertig sein würde. Der Mercado verkaufte weder Bier noch Wein, also gingen wir zum nahe gelegenen Soriana Mercado. Es war der chaotischste Supermarkt, den wir je gesehen hatten. Während ich mir die Bierangebote ansah, stahl jemand meinen Einkaufswagen. Ich schnappte mir einen anderen und hielt diesen fest im Griff! Die Bierauswahl war in Ordnung, der einzige Wein war überteuerter Lambrusco, und Lisas Schwarztee hatten sie nicht vorrätig. Wir fanden jedoch eine kleine Metallauflaufform, die in unserer Wohnung fehlte. Zu Hause angekommen, packten wir aus und arbeiteten eine Weile an unseren iPads. Später beschlossen wir, den Chedraui-Supermarkt auszuprobieren, der etwas weiter entfernt lag und mit dem lokalen Bus erreichbar war. Die Bushaltestelle zu finden war nicht einfach, da es keine Schilder gab. Unser erster Versuch, einen Bus anzuhalten, schlug fehl, aber nachdem Lisa ein paar Leute gefragt hatte, erfuhren wir, wo die Bushaltestellen waren. Wir zahlten jeweils 8 MX$ (etwa 38 Cent) und stiegen zehn Minuten später aus. Der Chedraui-Supermarkt war das genaue Gegenteil von Soriana: sauber, übersichtlich und gut sortiert. Es gab eine ausgezeichnete Auswahl an Weinen, und Lisa war begeistert, als sie Twinings-Teebeutel entdeckte. Wir kauften auch ein kleines Messer und einen Kartoffelschäler, da die Messer in der Wohnung stumpf waren. Die Rückfahrt verlief auf einer anderen Schnellstraße. Lisa verfolgte unsere Route über Google Maps auf ihrem Handy, und wir schätzten, wo wir aussteigen mussten. Wir lernten auch, dass man zum Anhalten des Busses eine Klingel am hinteren Ausgang drücken muss. Wir stiegen zu früh aus und mussten über die parallel verlaufende Straße zurücklaufen, aber es war nicht weit. Wir feierten unseren Erfolg – endlich Wein und Teebeutel – indem wir auf der Terrasse saßen und den Sonnenuntergang beobachteten. Zum Abendessen gab es gekochte Kartoffeln und Karotten mit Hähnchen, Frühlingszwiebeln und grünem Paprika, gebacken in unserer neuen Auflaufform. Wir aßen draußen mit einem Glas Wein, während die Wärme der Sonne, die sich in den Wänden gespeichert hatte, uns angenehm warm hielt. London befand sich mitten in einer Kältewelle. Die Temperatur betrug -4 °C und die Brunnen am Trafalgar Square waren zugefroren. Ich stellte meinen Wecker auf 01:00 Uhr Ortszeit, 07:00 Uhr Londoner Zeit, da ich den Timer unserer Zentralheizung übersteuern musste, da sie sich zu dieser Zeit automatisch ausschaltet. 06. Januar 2026 Heute machten wir uns auf den Weg zum MacStore in der Plaza Bella am nordwestlichen Stadtrand von Oaxaca. Lisa fällt es schwer, mit ihrem iPad an unserem zweisprachigen Blog zu arbeiten, da die iPad-Version weitaus eingeschränkter ist als die Vollversion für Mac. Online-Informationen deuteten darauf hin, dass mehrere Busse an dem Einkaufszentrum vorbeifuhren, also gingen wir nach dem Frühstück zur Haltestelle einen Block vom Jardín Morelos entfernt. Dort angekommen, stellten wir fest, dass keiner der Busse tatsächlich zu unserem Zielort fuhr: dorthin, wo die Straße nach Atzompa beginnt, und weder die Fahrer noch die Ladenbesitzer konnten uns weiterhelfen. Schließlich versuchten wir unser Glück mit einem Sammeltaxi und hatten Glück, denn der Fahrer fuhr in diese Richtung. Drei stämmige mexikanische Damen saßen hinten, sodass wir uns den Beifahrersitz teilen mussten. Ein Ellbogen ragte aus dem Fenster, der andere Arm lag um Lisas Beine, damit der Fahrer schalten konnte. Es war sehr eng und kostete uns beide 26 MX$ (1,24 Euros). Wir wurden in Atzompa abgesetzt, aber nicht an der Plaza Bella, wo wir hin mussten. In der Nähe befanden sich eine Kirche und ein Gemeinschaftsbereich, in dem Feierlichkeiten zum 200-jährigen Jubiläum der Stadt stattfanden. Eine Prozession von ungefähr 50 dieser wunderschön geschmückten Tuk-Tuks feierte den 200. Jahrestag der Gründung von Atzompa. Es war nicht der Mescal, dass wir mehr als ein Tuk-Tuk sahen. Von dort aus hielten wir ein dreirädriges Tuk-Tuk an, in dem bereits ein Fahrgast saß. Ja, er würde uns zur Plaza Bella bringen. Die Dame im Inneren rückte zur Seite, damit wir einsteigen konnten, und los ging es. Einen Block später stieg die Frau aus, und wir ratterten über die holprigen Seitenstraßen, nahmen unterwegs einen weiteren Passagier mit und erreichten schließlich die Plaza Bella. Das Einkaufszentrum war riesig und voller Menschen. Nach einer Coca-Cola fanden wir den MacStore, wo ein hilfsbereiter junger Mann Lisa das MacBook Air erklärte. Es war teurer als in Großbritannien und sie beschloss, zu warten und erst zu Hause eines zu kaufen. Der junge Mann sagte uns, wo die nächste Bushaltestelle sei, um zurück in die Stadt zu fahren. Die Rückfahrt verlief reibungslos, bis wir die Stadt erreichten und dann im Stau stecken blieben. Wie viele andere stiegen wir aus und gingen den letzten Abschnitt zwischen den stehenden Autos und den Abgasen zu Fuß, bis wir 5 Minuten später den Jardín Morelos erreichten. Von dort waren es noch 5 Minuten zu Fuß durch den Mercado zu unserer Wohnung. Zu Hause angekommen, kochten wir Tee und arbeiteten weiter an unserem Blog. Das Hochladen und Einfügen der Fotos in den englischen Blog dauerte Stunden, und Lisa würde morgen dasselbe mit der deutschen Version vor sich haben. Zum Abendessen gab es im Ofen gebackene Hähnchenkeulen, Zucchini und Zwiebeln mit gekochtem Gemüse, das wir auf unserer Terrasse aßen, wo es deutlich kühler war als am Abend zuvor. 07. Januar 2026 Wir begannen den Tag gemächlich, erschöpft davon, unseren Blog auf den neuesten Stand gebracht zu haben, der nun bis einschließlich Puebla vollständig ist. Nach dem Frühstück machten wir uns auf die Suche nach dem Hotel, in dem wir bei unserem letzten Besuch in Oaxaca Ende 2016 übernachtet hatten. Laut meinem alten Tagebuch war es das Hostal Casa del Sótano in der Calle Tinoco y Palacios, nur wenige Blocks von unserer aktuellen Unterkunft entfernt. Fünfzehn Minuten später standen wir vor dem Gebäude. Eine ziemlich hochnäsige junge Dame ließ uns widerwillig in den Empfangsbereich, wo wir den vertrauten zweistöckigen Innenhof sehen konnten, der nun in ein edles Boutique-Hotel verwandelt worden war. Das Restaurant im ersten Stock war noch da, aber der neue Pool und der Wellnessbereich waren für uns strengstens tabu. Wir bedankten uns bei ihr und gingen weiter. Wir schlenderten die Calle Macedonio Alcalá entlang und hielten an, um uns die Kirche Santo Domingo anzusehen, die lebhafte Erinnerungen an eine spektakuläre Hochzeit weckte, die wir vor all den Jahren fotografiert hatten. Wir kehrten in einem Café gegenüber ein, um ein kaltes Getränk zu genießen, und bewunderten die Aussicht auf die Kirche, genau wie vor neun Jahren vom Fenster im ersten Stock aus. Der Templo de Santo Domingo de Guzmán in Oaxaca ist eine prächtige Kirche und ein ehemaliges Kloster, keine Kathedrale. Sie ist ein beeindruckendes Beispiel für barocke Architektur und berühmt für ihr unglaublich reich verziertes, vergoldetes Inneres, insbesondere die Rosenkranzkapelle, und gehört zu den meist besuchten historischen Sehenswürdigkeiten von Oaxaca. Weiter oben in der Straße befand sich ein trendiger Markt, auf dem ich widerwillig einen Strohhut für 250 MX$ (12 Euros) kaufte, um meinen Kopf und meine Ohren vor der sengenden 30 °C heißen Sonne zu schützen, die von einem wolkenlosen blauen Himmel herabstrahlte. Auch Lisa spürte die Hitze und kaufte sich kurz darauf ebenfalls einen Strohhut mit breiter Krempe. Effektiver Sonnenschutz gegen die brennende Sonne ist ein Muss in Oaxaca. Eine Erinnerung an ein bezauberndes Café im Innenhof eines ausgebrannten Gebäudes trieb uns an, eine stundenlange Suche zu veranstalten. Wir konnten das ausgebrannte Gebäude, das während einer Phase studentischer Unruhen in Brand gesetzt worden war, nicht finden. Wir hatten uns in den Kopf gesetzt, genau in diesem Café, das wir vor 9 Jahren so geliebt hatten, eine Pause zu machen. Statt einer Kaffeepause verbrachten wir Stunden damit, durch die immer voller werdenden Straßen zu schlendern und dieses Gebäude und das Innenhofcafé zu suchen, während wir die lebhafte Atmosphäre von Oaxaca in uns aufnahmen. Der Zócalo war noch weihnachtlich geschmückt, ebenso wie der hell erleuchtete riesige Weihnachtsbaum. Eine indigene Großmutter mit ihrer Enkelin. Was denkt sie wohl über den Tourismus in ihrer Stadt? Der Hitze überdrüssig machten wir uns unverrichteter Dinge auf den Rückweg, liefen kurz in die falsche Richtung (meine Schuld) und kauften dann ein halbes Dutzend Eier in einem Laden an der Ecke, nachdem wir festgestellt hatten, dass der Lebensmittelmarkt geschlossen war. Zu Hause angekommen, kochten wir Tee und entspannten uns auf der Terrasse, wo wir unsere neuen Nachbarn aus Earls Court, London, begrüßten, die gerade angekommen waren. Sobald die Sonne unterging, sank auch die Temperatur. Wir bereiteten das Abendessen zu, im Ofen gebackenes Hähnchen und Gemüse, dazu Kartoffeln und Karotten. Wir öffneten eine Flasche Wein und aßen unser köstliches Abendessen in unseren Fleecejacken auf der Terrasse. 08. Januar 2026 Wir standen früh auf, da wir zum Markt mussten, um Vorräte und Brötchen für das Frühstück zu kaufen und unsere Wäsche abzuholen. Um 9 Uhr waren die Menschen auf der Straße in dicke Mäntel und Mützen gehüllt, und selbst im Markt war es kalt. In der Sonne zu stehen war angenehm, aber im Schatten war es ausgesprochen kühl. Nach 10 Uhr wurde es angenehmer. Um etwas Abwechslung zum Hähnchen zu haben, kauften wir bei zwei Frauen, die Schweinefleisch verkauften, Schweinerippchen. Die waren etwa 60 cm lang und kosteten 200 MX$ (10 Euros), genug für vier Abendessen. Wir kauften auch Kartoffeln, Zucchini, Tomaten, Zwiebeln, Paprika und Karotten bei verschiedenen Gemüsehändlern und schließlich vier Brötchen. Auf dem Rückweg holten wir unsere Wäsche ab. Wir frühstückten in Ruhe und entspannten uns dann bis Mittag auf unserer Terrasse, bevor wir uns aufmachten, um durch die Straßen des Zentrums von Oaxaca zu schlendern. Wir fanden das Bibliotheca Café, das wir vor neun Jahren besucht hatten, gegenüber einem alten Gebäude im Kolonialstil, in dem einst eine Universitätsfakultät untergebracht war. Am Vortag hatten wir vergeblich versucht, es zu finden, aber heute hatten wir Glück. Damals hatte es Studentenunruhen gegeben und der Universitätskomplex war in Brand gesteckt worden. Das Gebäude war mit Brettern vernagelt worden, und man konnte noch sehen, wo die Flammen das Mauerwerk über den Außenfenstern geschwärzt hatten. Heute war von alledem nichts mehr zu sehen. Um unsere Rückkehr in dieses wunderbare Café zu feiern, setzten wir uns draußen in den offenen Innenhof und bestellten Getränke. Da es keinen Tee gab, entschied sich Lisa für eine heiße Schokolade, während ich einen Eiskaffee bestellte. Ich erinnerte mich noch lebhaft an den, den ich beim letzten Mal getrunken hatte – mit zerstoßenem Eis und wirklich eiskalt. Dieser hier wurde mit Eiswürfeln serviert und war nicht ganz so kalt. Aber es kann ja nicht alles perfekt sein. Bevor wir Großbritannien verlassen haben, haben wir darüber gesprochen, einen mexikanischen Kochkurs zu besuchen. Bei einer Tasse Kaffee schaute Lisa nach, was es gibt und fand jede Menge Optionen. Wir buchten mit unserer Wise-Karte für 3.100 MX$ (148 Euros) einen Platz im „Qué Rico Es“, einem traditionellen Kochkurs aus Oaxaca, bei dem ein Drei-Gänge-Menü zubereitet wird. Der Kurs sollte am nächsten Tag um 10:30 Uhr stattfinden, Treffpunkt ist der Parkplatz des Mercado Sánchez Pascuas neben dem großen Baum in der Porfirio Díaz Straße. Das ist nur fünf Gehminuten von unserem Airbnb entfernt, also werden wir kurz nach 10:00 Uhr losgehen. Anschließend machten wir uns auf den Weg zur Macedonio Alcalá, der belebten Fußgängerzone mit zahlreichen Restaurants, Bars und Cafés. Die meisten Gebäude sind zweistöckig und fast alle haben überdachte Dachterrassen. Ohne konkretes Ziel schlenderten wir einfach durch die Straßen, machten Fotos, da das Licht am späten Nachmittag perfekt war, und beendeten unseren Spaziergang mit einem Besuch des Templo de Santo Domingo de Guzmán und der umliegenden Anlage. Wir schauten auf die Karten auf unseren Handys und nahmen eine Abkürzung über schmale Kopfsteinpflastergassen zurück zu unserem Airbnb. An den Wänden waren viele Wandmalereien zu sehen, und wir hielten an, um die schönsten davon zu fotografieren. Zurück in unserer Wohnung, schrieben wir unsere Tagebücher und verfolgten die neuesten Entwicklungen in Trumps größenwahnsinnigem, scheinbar endlosem Marsch zur Eroberung der Welt. Danach garten wir die Schweinerippchen und das Gemüse im Ofen und aßen auf unserer Terrasse zu Abend. Adam aus unserem Fitnessstudio hatte uns das Buch „Unter dem Vulkan“ empfohlen, das in diesem Teil Mexikos spielt. Lisa kaufte es, fand es aber schwer zu lesen denn der Druck war zu klein, und zu unserer Überraschung entdeckten wir die Verfilmung auf Amazon Prime. Der Film ist mit Albert Finney, der einen ehemaligen britischen Konsul darstellt, der in Mexiko mit schwerem Alkoholismus kämpft. Es war eine hervorragende Leistung von Albert Finney, der den betrunkenen englischen Konsul sehr überzeugend spielte, aber es war ein sehr verstörender Film. 09. Januar 2026 Heute hatten wir unseren Kochkurs und wir machten uns auf zu unserem Abholpunkt am großen Baum auf dem Parkplatz des Mercado Sánchez Pascuas. Um 10:30 Uhr warteten wir zu sechst am großen Baum. Die Anweisungen hätten klarer sein können, da es zwei Parkplätze gab – einen vorne und einen hinten. Wir warteten vorne, aber der Treffpunkt war eigentlich der hintere Parkplatz. Alfonso kam kurz nach 10:30 Uhr, begrüßte uns und führte uns dann über die Straße zu einer kleinen Mühle. Dort erklärte er uns, wie Mais zu Masa verarbeitet wird, aus der Tortillas, ein mexikanisches Grundnahrungsmittel, hergestellt werden. Wir überquerten die Straße wieder und betraten den Markt, wo wir durch die große Gemüseabteilung gingen, um unsere Zutaten zu kaufen. Alfonso erklärte uns bei jedem Gemüse, wozu es beim Kochen verwendet wird. Dasselbe tat er mit den verschiedenen Paprikasorten, nannte jede einzelne und beschrieb ihre Schärfe, von mild bis feurig. Alfonso fuhr uns dann etwa 20 Minuten zu seinem Elternhaus, das er mit seinen Eltern, seinem Vater Fernando und seiner Mutter, teilt. Nachdem Alfonso uns in der großen Küche vorgestellt hatte, holte Fernando sofort eine Flasche Mezcal hervor. Er füllte unsere Gläser – aber nicht sein eigenes – und wir stießen auf die nächsten Stunden an. Fernando war klein, gedrungen und rundlich, und ich hatte den Eindruck, dass Alfonso und seine Mutter ihn bereits gewarnt hatten, sich vom Mezcal fernzuhalten. Wir bekamen jeweils ein Holzbrett und ein sehr scharfes Messer. Ich drückte die Daumen, dass niemand einen Finger verlieren würde, nachdem wir diese großzügigen Gläser mit purem Mezcal getrunken hatten. Dann begann die Arbeit, angefangen damit, Gemüse sehr dünn zu schneiden und zu erfahren, in welche Schüssel jede Portion gehörte. Nach einer Weile machten wir eine Pause, und es kam eine weitere Flasche Mezcal auf den Tisch, zusammen mit Orangenlikör, Zitronensaftsirup und Eis. Uns wurde gezeigt, wie man die Zutaten für eine Margarita mischt, indem man sie in einen Cocktail-Shaker gibt und kräftig schüttelt. Die Ränder unserer Gläser wurden mit Salz und Chilipulver bestreut. Es folgte ein weiterer Toast, und dann ging es zurück zum Schneiden, bevor das eigentliche Kochen begann, wobei jeder in verschiedenen Phasen mithalf. Wir machten Guacamole als Vorspeise, bereiteten die Tortilla-Beläge selbst aus Mais-Masa zu und kochten das Hauptgericht, Hähnchen mit einer köstlichen mexikanischen Sauce. Sogar das mexikanische Dessert, bei dessen Zubereitung wir alle halfen, gelang perfekt. Zum Abschluss brachte Fernando drei verschiedene Flaschen Mezcal zum Verkosten. Nach mehreren weiteren Toasts folgte eine kurze Ansprache, bei der auch die Trinkgeldbox zum Einsatz kam. Wir verabschiedeten uns von Fernando und seiner Frau und um 16 Uhr fuhr Alfonso uns zurück zum Supermarktparkplatz. Normalerweise bin ich kein Fan von touristischen Aktivitäten, aber Lisa wollte unbedingt die mexikanischen Rezepte ausprobieren, (die Alfonso uns freundlicherweise per E-Mail geschickt hat), wenn wir nach London zurückkehren. Allein dafür hat es sich gelohnt. Trotzdem hat es mir sehr gut gefallen – auch wenn ich immer noch nicht bereit bin, für ein mexikanisches Restaurant quer durch die Stadt zu fahren. Außerdem trinken wir normalerweise tagsüber keinen Alkohol und essen auch nicht so viel. Wir schlenderten gemächlich durch die touristischen Straßen in der heißen Sonne zurück. —————————— Lisa 10. Januar 2026 Am Samstag machten wir uns auf zu unserem wöchentlichen Trip zum beeindruckend gut sortierten Chedraui-Supermarkt. Mit neuem geschulten Blick – dank unseres Kochkurses mit neuem Wissen über die Küche von Oaxaca – inspizierten wir die Regale mit der Zuversicht von Menschen, die nun ihre Chilis und ihre Moles kennen. Noch bevor wir den Laden betraten, wurden wir jedoch mit moderner Technologie konfrontiert. Wie in allen Supermärkten hier, müssen Rucksäcke weggeschlossen werden, um Gelegenheitsdiebstähle zu verhindern. Aber statt der bekannten münzbetriebenen Schließfächer werden diese durch Gesichtserkennung gesteuert und von einer asiatischen Frauenstimme mit starkem Akzent auf Englisch angeleitet. Da zu diesem Zeitpunkt nicht viele Leute diese Schließfächer benutzten, konnte ich nicht herausfinden, ob die Gesichtserkennung uns als englischsprachige Ausländer identifizierte oder ob diese englische Anleitung für alle gilt. Ich werde beim nächsten Mal genauer darauf achten. Es dauerte einen Moment, bis wir herausfanden, wie das System funktioniert. Man stellt sich vor die Maschine, drückt einen Knopf, um ein Schließfach anzufordern, und hält dann sein Gesicht an den Scanner. Für kleinere Kunden gibt es sogar eine kleine Stufe. Sobald das Gesicht erkannt wird, öffnet sich ein Schließfach. Man verstaut seine Tasche und schließt die Tür. Das Abholen ist ebenso futuristisch: Man drückt auf „Release“, hält erneut sein Gesicht vor den Scanner und – wie durch Zauberhand – öffnet sich die Schließfachtür. Wir waren ziemlich stolz auf uns, dass wir den Vorgang gemeistert hatten. Sogar der Wachmann, der unsere Bemühungen interessiert verfolgt hatte, belohnte uns mit einem Daumen hoch. Gut gemacht! Nach dem Einkaufen schlenderten wir durch die Innenstadt, fotografierten schöne Häuser und ihre versteckten, aber ebenso schönen Innenhöfe. Wir hielten inne, um der Band einer Prozession zuzuhören, schlenderten durch mehrere Kunstgalerien und kamen schließlich mit dem Besitzer einer neu eröffneten Galerie ins Gespräch. Er ist ein junger mexikanischer Architekt, der in New York lebt und arbeitet und sich dafür einsetzt, die Kultur von Oaxaca einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Zusammen mit seinem lokalen Partner hat er fünf Jahre lang an der Entwicklung dieser Galerie gearbeitet, die vor drei Wochen eröffnet wurde. Sie reisen durch die Region, sammeln Werke lokaler Künstler und katalogisieren diese nun, um sie international zu verkaufen, mit dem Ziel, einen Fonds zur Förderung lokaler Künstler zu schaffen. Wir waren von der Qualität der Werke beeindruckt. Wir beide verliebten uns in eine etwa 70 Zentimeter große Jaguarsculptur (gemessen ohne Schwanz). Das einzige Problem: Wie sollten wir sie nach Hause transportieren? Im Handgepäck für den Rest unserer Reise schien unpraktisch. Dennoch wünschten wir der Galerie viel Erfolg. Später saßen wir auf einer niedrigen Mauer vor einer Kirche und sahen einer Gruppe von Tänzern zu, die auf dem Platz probten. In traditionellen schwarzen und roten Kostümen bereiteten sie sich offensichtlich auf eine lokale Veranstaltung vor – ohne Beleuchtung, ohne Publikum, nur wir und eine Handvoll Kinder. Zu Hause briet ich als Vorspeise Kochbananen, gefolgt von Schweinerippchen mit Gemüse, was Dave im Ofen zubereitet hatte. Wir aßen auf der Terrasse mit Blick auf die Berge, weit entfernt vom Lärm und der Hektik der Straßen unter uns. - Glücklich und zufrieden, hier zu sein! 11. Januar 2026 Am nächsten Tag, einem Sonntag, machten wir uns auf den Weg zum La Merced Markt am anderen Ende der Stadt. Auf diesem Markt wird absolut alles verkauft: frisches Obst und Gemüse, Fleisch, Käse, Gewürze, Plastikeimer und -schüsseln, Körbe, Kunsthandwerk – und vor allem Mole, die legendäre Sauce aus Oaxaca. Es gibt sieben verschiedene Sorten, jede mit ihrer eigenen Farbe und ihrem eigenen Charakter. Wir hatten in unserem Kochkurs eine gelbliche Variante zubereitet, die ausgezeichnet schmeckte. Die berühmten Mole Saucen aus Oaxaca - fertig zum Mitnehmen. Die Zubereitung von Mole ist jedoch bekanntermaßen sehr arbeitsintensiv, weshalb findige Einheimische sie fertig zubereitet auf den Märkten verkaufen. Auf dem La Merced Markt wird sie sogar attraktiv für Touristen verpackt und mit einer Zubereitungsanleitung versehen angeboten. Das war zu verlockend, um es zu ignorieren. Für das Abendessen wählte ich eine schwarze Mole aus, und wir freuten uns schon darauf, sie am Abend zu probieren. Ein weiterer Teil des Marktes ist ausschließlich Heilkräutern gewidmet. Neben bekannten Namen wie Kamille und Thymian stehen Körbe mit geheimnisvollen Mischungen aus Zweigen und Blättern. Diese sollen mindestens fünfzehn Minuten lang gekocht und dann als Tee getrunken werden. Ich bin immer wieder fasziniert davon, obwohl ich mich noch lebhaft an das bittere Gebräu erinnere, das mir ein nicaraguanischer Curandero in den 1980er Jahren gegen Magenbeschwerden gegeben hatte. Der Geschmack hielt stundenlang an; ob es geholfen hat, ist weniger klar. Kleine handgeschriebene Kärtchen erklären, wofür jede Mischung gut ist: Verdauung, Entgiftung von Leber und Nieren, Brustinfektionen, Blasenprobleme, Inkontinenz, Impotenz – und fast alles andere, woran man leiden könnte. Dave tut all das als Unsinn ab. Ich bin jedoch mit einer Mutter aufgewachsen, deren Küchenschrank voller Kräutertees für jede erdenkliche Krankheit war, daher glaube ich weiterhin daran. Ich kaufte ein kleines Stück Kurkumawurzel. Sie sieht aus wie ein großer Wurm, ist innen rot und färbt alles gelb. Meine Kollegen aus Myanmar haben sie mir einmal bei Magenproblemen empfohlen (sie nennen sie Turmeric), und sie hat geholfen. Hier versicherte mir die Frau, dass sie auch bei Halsschmerzen hilft – genau zum richtigen Zeitpunkt, da ich über Nacht eine Erkältung bekommen hatte. Später zu Hause überredete ich Dave, ein kleines Stück zu kauen, da er auch etwas erkältet war. Er war nicht begeistert, und als er später im Spiegel seine gelbe Zunge und die gelben Borsten auf seiner Zahnbürste sah, geriet er fast in Panik. So zimperlich! Auf dem Heimweg trafen wir ein kanadisches Paar in unserem Alter und kamen ins Gespräch. Sie lieben Mexiko – besonders Oaxaca – und kommen schon seit Jahren. Früher fuhren sie mit ihrem Wohnmobil den ganzen Weg von Kanada hierher, aber jetzt fliegen sie wie wir und bewegen sich mit lokalen Bussen fort. Sie gaben uns viele Tipps und erzählten uns Geschichten, darunter auch über die Beobachtung von Walmüttern und -kälbern in Baja California, wo wir im März hinfahren werden. Die Zeit verging wie im Flug. Es kommt heutzutage selten vor, dass wir gleichgesinnte Reisende treffen, aber wenn es doch einmal passiert, genießen wir es, uns zu unterhalten. Sie fahren in drei Wochen nach Hause, und wir wünschten ihnen alles Gute. An diesem Abend bereitete ich voller Vorfreude unsere Mole Negro (Schwarze Soße) zu und folgte dabei genau den Anweisungen auf der Verpackung. Wir freuten uns darauf, es großzügig über unsere frisch gegrillten Schweinerippchen zu gießen. Ein Bissen genügte. Wir sahen uns an, sagten nichts und kratzten es sofort von unseren Tellern – in die Toilette. Ohne Mole Negro schmeckte das Abendessen unendlich viel besser. Wir kamen zu dem Schluss, dass man nicht alles mögen muss, nur weil es mexikanisch ist. 12. Januar 2026 Am Montag, dem 12. Januar, verbrachte ich den ganzen Vormittag damit, Texte und Fotos in den Blog hochzuladen. Das war auch gut so, denn kurz darauf fiel das Internet aus. Laut unserem Vermieter handelte es sich um einen regional begrenzten Ausfall, der „sicherlich sehr bald behoben sein würde”. Damit konnten wir leben. Zum Glück blieb der Strom an, was sich wie ein Lottogewinn anfühlte, da mittlerweile alles in unserem Leben aufgeladen werden muss: iPads, iPhones, Uhren, Akkus – unsere Existenz scheint von einer Steckdose abzuhängen. Da uns kein Internet ablenkte, machten wir uns auf den Weg zum nahe gelegenen Markt Central de Abastos. Er ist riesig und auf jeden Fall einen Besuch wert. Praktischerweise liegt er auch neben einem Busbahnhof und den Collectivo-Taxis, sodass wir die Gelegenheit nutzten, um herauszufinden, wohin diese eigentlich fahren. Das stellte sich als Übung in Geduld und Rätselraten heraus. Es gibt keine Anzeigetafel. Stattdessen muss man die Vorderseite jedes Busses oder Taxis inspizieren und hoffen, dass das Ziel irgendwo lesbar geschrieben steht. Nach einigem Herumirren und Schielen entdeckten wir zumindest Verbindungen nach Atzompa und Plaza Bella, die wir bereits kannten. Um sich hier mit den Verkehrsmitteln zurechtzufinden, braucht man entweder Zeit, Ausdauer oder Insiderwissen – oder idealerweise alles drei. Der Central de Abastos gilt als der größte Markt in Oaxaca, und das spürt man auch. Es ist ein Großhandelsmarkt, auf dem riesige Lastwagen vor die Markthalle fahren und Berge von Waren abladen. Starke Männer schleppen riesige Säcke mit Obst und Gemüse auf Handkarren, die von anderen starken Männern gezogen werden, und alle bewegen sich mit beeindruckender Geschwindigkeit. Der Ort summt vor geschäftiger Betriebsamkeit. Wir bahnten uns vorsichtig unseren Weg durch die Menge, machten Fotos, versuchten, nicht überfahren zu werden und den Arbeitenden nicht zu sehr im Weg zu stehen, und kauften schließlich selbst Obst und Gemüse. Auf dem Heimweg hielten wir an unserem lokalen Markt, wo ich schwarze Bohnen und getoastete Tortillas kaufte, die ich später als Vorspeise mit gebratenen Kochbananen zubereitete. Leider war es zu kalt und windig, um draußen zu essen. Die Abendtemperatur lag im einstelligen Bereich. Oaxaca kann voller Überraschungen sein. 13. Januar 2026 Am nächsten Tag, dem 13. Januar, gingen wir früh zum lokalen Markt, um frisches Fleisch zu kaufen. Früh aufzustehen ist wichtig, da die meisten Verkäufer keine Kühlschränke haben und das Fleisch den ganzen Tag über stolz ungekühlt präsentiert wird. Da das Internet immer noch nicht funktionierte, beschlossen wir, etwas Kulturelles zu unternehmen und besuchten das Museum der Kultur von Oaxaca neben der Kirche Santo Domingo. Wir waren schon einmal dort gewesen und waren so beeindruckt, dass wir es noch einmal sehen wollten. Es gilt als eines der besten Regionalmuseen Mexikos und behandelt die Geschichte und die vielfältigen Kulturen von Oaxaca, wobei es die Kontinuität zwischen dem vorspanischen und dem heutigen Leben hervorhebt. Die Eintrittskarte beinhaltete auch eine Ausstellung mit Werken des berühmten mexikanischen Holzschnitzers Manuel Jiménez Ramírez. Wir bewunderten seine farbenfrohen Holztiere, bevor wir zum Hauptmuseum weitergingen, das im riesigen ehemaligen Kloster Santo Domingo untergebracht ist. Allein schon das Gebäude ist atemberaubend: endlose Korridore, von denen unzählige kleine Räume abgehen, und große Fenster an den Enden, die einen Blick auf die Gärten und die dahinter liegenden Berge bieten. Die Mönche lebten offensichtlich sehr gut. Wir verbrachten zwei Stunden damit, durch die Ausstellungen zu schlendern. Einige Stücke kannten wir bereits, andere waren neu, und einige suchten wir vergeblich – insbesondere die Abschnitte über die spanische Inquisition und den Revolutionär, Emiliano Zapata, die uns bei unserem letzten Besuch fasziniert hatten. Sie waren verschwunden. Selbst die Mitarbeiter schienen nicht zu wissen, dass es sie jemals gegeben hatte, obwohl sie in Reiseführern noch immer aufgeführt sind. Enttäuschend. Insgesamt wirkte die Ausstellung dünner, weniger anspruchsvoll – oder vielleicht waren wir einfach nur müde. So oder so, es erinnerte uns daran, dass es manchmal besser ist, nicht zurückzukehren und stattdessen die Erinnerung zu bewahren. Emiliano Zapata ist nicht im Museum ausgestellt, aber in der Ausstellung des mexikanischen Künstlers Manuel Jimenez Rodriguez wird er geehrt. Im alten Kloster war es eiskalt und mein Hals begann zu brennen – möglicherweise wegen des Staubs von den Büchern und anderen Exponaten. Ich überredete Dave, dass wir uns draußen auf eine sonnenbeschienene Steinmauer setzen sollten, um uns aufzuwärmen. Erholt überquerten wir die Straße zu einem Café und tranken Kaffee (Dave) und Zitronen-Ingwer-Tee (ich) auf der Dachterrasse mit Blick auf den Santo-Domingo-Komplex. Wir unterhielten uns mit der netten jungen Kellnerin, die uns erzählte, dass dort freitagabends eine Band spielt – ein guter Grund, vor unserer Abreise aus Oaxaca noch einmal zurückzukommen. Wir blieben nicht lange, da der Wind wieder auffrischte. Auf dem Heimweg entdeckten wir eine Bäckerei, die Brot verkaufte, das beim Schneiden nicht zu Bröseln zerfällt – ein seltener und wertvoller Fund. Wir kauften zwei Laibe, um sie zu testen. Wir stießen auch auf ein weiteres Restaurant mit Dachterrasse; schauten es uns an und der Geruch von gebratenem Schweinefleisch ließ mir sofort das Wasser im Mund zusammenlaufen. Ein weiterer Ort, den wir vor unserer Abreise unbedingt besuchen müssten. Zu Hause bereitete ich eine weitere Vorspeise aus schwarzen Bohnen und Tostadas zu, gefolgt von Schweinekoteletts mit Lauch und Kichererbsen vom Markt. Es war eine Freude, mit den lokalen Produkten zu kochen, die wir auf unseren Markttouren gefunden hatten. Wir probieren immer gerne neue Dinge aus und fragen die Verkäufer wie man sie zubereitet. Und schließlich kehrte das Internet zurück. Unser Abendprogramm war gerettet. 14. Januar 2026 Am nächsten Tag, Mittwoch, dem 14. Januar, funktionierte das Internet einwandfrei, sodass wir unserer üblichen Morgenroutine nachgehen konnten: Nachrichten lesen, E-Mails beantworten und Tagebuch schreiben. Als die Sonne endlich auf unserer Terrasse erschien, war es warm genug, um dort zu frühstücken. Unser ursprünglicher Plan war, mit einem Colectivo-Taxi zum Markt in Etla zu fahren, einem Dorf nördlich der Stadt. Da die Wettervorhersage jedoch für den Nachmittag Regen und starken Wind prophezeite, verschoben wir dieses Abenteuer auf den nächsten Mittwoch und blieben stattdessen in Oaxaca, um weitere Indoor-Märkte der Stadt zu erkunden. Wir dachten, wir würden sie von früheren Besuchen kennen. Wir hatten uns getäuscht. Sie sahen deutlich anders aus – sogar bemerkenswert hygienisch. Wir begannen im Mercado Benito Juárez, benannt nach Mexikos erstem indigenen Präsidenten, einem in Oaxaca geborenen Zapoteken. Der Markt wurde 1894 eröffnet und ist einer der ältesten Märkte der Stadt. Er ist reichlich mit Obst und Gemüse, Chilis, Tortillas, Tamales, Käse, Fleisch, Fisch, Schokolade, Chapulines (frittierte Heuschrecken), Gusanos de Maguey (Agavenwürmer), unzähligen Mezcal-Sorten und einer beeindruckenden Auswahl an traditionellen Getränken bestückt. Man kann dort auch Haarbürsten, Messer, Scheren, Elektronikzubehör, Ledergürtel und -taschen sowie traditionelles Kunsthandwerk kaufen. Kurz gesagt: alles. Diese vielseitige Mischung macht ihn sowohl bei Touristen als auch bei Einheimischen beliebt. Es gibt auch einen Bereich für Kräutermedizin, wo ich mit großem Interesse die handgeschriebenen Karten studierte. Auch hier scheint es für jede bekannte Krankheit ein Heilmittel zu geben. Zwischen den Kräutern stand die Statue eines indigenen Mannes, der sich eine grüne Salbe ins Gesicht schmierte. Ich habe keine Ahnung, was das heilen sollte, aber ich vermute, dass es hauptsächlich dazu diente, Salbe zu verkaufen. Ich entschied mich für die sicherere Option und kaufte Honig gegen meine Halsschmerzen. Gegen alles ist ein Kraut gewachsen. Direkt gegenüber befindet sich der ebenso berühmte 20.-November-Markt, benannt nach der Straße, in der sich das Gebäude befindet. Hier gibt es hauptsächlich Oaxaca Spezialitäten zum Essen und Brot. Es wimmelt von Bäckereien und kleinen Restaurants, die oaxacanische Klassiker wie Tlayudas servieren – riesige Tortillas mit Fleisch oder Wurst. Wir schlenderten an Reihen von Ständen vorbei, an denen Einheimische und Touristen gleichermaßen zufrieden aßen. Ein Bereich war besonders einladend: warm, rauchig und voller Holzkohlegrills, auf denen Fleisch und Würstchen brutzelten, begleitet von scharfen Saucen und gegrillten Zwiebeln. Sehr verlockend. Beide Märkte waren beeindruckend und es war ein Vergnügen, sie zu besichtigen. Alle Sinne wurden angesprochen. Und doch fehlte etwas. Wir erinnerten uns deutlich an einen großen Bereich, der Werkzeugen und Elektroteilen gewidmet war, aber er war verschwunden. Nach einigen Nachfragen erfuhren wir, dass diese Waren nun auf dem Abastos-Markt zu finden seien, den wir am Tag zuvor besucht hatten. Aber wir hatten nichts dergleichen gefunden. Widerwillig – aber neugierig – beschlossen wir, noch einmal dorthin zu gehen, da es nicht weit war. Auf dem Weg kamen wir am Artisania-Markt (Kunsthandwerksmarkt) vorbei und schauten kurz hinein, wurden aber enttäuscht. Wir hatten in kleinen Läden rund um den Zócalo weitaus bessere Handwerkskunst gesehen. Den Abastos-Markt betraten wir durch einen anderen Eingang – und da war es: ein weitläufiges Wunderland voller Werkzeuge. Landwirtschaftliche Geräte, Autoreparaturwerkzeuge, Haushaltswaren, Elektrokabel, Schrauben, Schraubendreher – alles, was man sich vorstellen kann, gab es dort. Dave war im Paradies. Wir verbrachten viel Zeit damit, durch diesen Bereich zu schlendern. Wir entdeckten sogar mehrere große Metallschüsseln, wie wir sie einige Tage zuvor gesehen hatten, was Dave dazu veranlasste, zwei Beinen hinterherzulaufen, die eine solche Schüssel trugen, nur um ein gutes Foto zu machen. Uns wurde gesagt, dass diese Schüsseln zum Kochen von Schweine- oder Ziegeneintöpfen oder zum Abschaben der Borsten von Schweinehaut verwendet werden. Vielseitige Gegenstände. Wie wir diesen ganzen Bereich bei unserem letzten Besuch übersehen konnten, bleibt ein Rätsel. Schließlich machten wir uns, völlig überwältigt, auf den Heimweg. In einer Seitenstraße entdeckten wir einen kleinen Laden, der mechanische Schreibmaschinen in allen Formen und Größen verkaufte. Ich musste anhalten und ein Foto machen. In diesem Zeitalter der totalen Digitalisierung schien es außergewöhnlich, dass noch jemand mechanische Schreibmaschinen verkaufte – oder kaufte. Aber angesichts der dicken Staubschicht auf den Plastikabdeckungen boomte das Geschäft offenbar nicht gerade. Die mechanische Schreibmaschine ist immer noch am Leben - aber das Geschäft läuft wohl nicht gut. Übrigens blieb der vorhergesagte Regen aus. Tatsächlich haben wir seit unserer Ankunft zu Weihnachten keinen einzigen Tropfen gesehen – trotz der beharrlichen Warnungen der BBC. 15. Januar 2026 Am nächsten Tag, Donnerstag, stiegen wir in einen Bus zum Dorf Zaachila, etwa 19 Kilometer südlich von Oaxaca-Stadt. Die Fahrt dauerte 45 Minuten und kostete uns insgesamt 20 mexikanische Pesos – weniger als ein Pfund. Es war gerade Markttag und die Stadt war voller Leben. Bauern und Händler aus der Umgebung kommen in die Stadt, um ihre Waren zu verkaufen, und da nur sehr wenige Touristen den Weg hierher finden, ist der Ort auf angenehme Weise authentisch geblieben. Der Markt ist riesig – man könnte leicht Stunden damit verbringen, durch ihn zu schlendern. Ein kleiner Teil befindet sich im Marktgebäude neben der Kirche, aber die meisten Stände erstrecken sich bis auf die Straßen. Einige Verkäufer legen ihre Waren einfach auf einer Plastikplane auf dem Boden aus, während andere Tische unter Planen aufstellen, um sich und ihre Waren vor Sonne oder Regen zu schützen. Wir betraten den Markt durch den Bereich für lebende Tiere, wo lebende Hühner, Küken, Hähne, Perlhühner, Truthähne und sogar Kaninchen und Meerschweinchen zum Verkauf angeboten wurden. Ich war fasziniert von dieser Szene: Eine Verkäuferin griff nach jungen Hühnern und warf sie mit beeindruckender Geschicklichkeit nacheinander in einen Karton, den sie direkt einer Kundin reichte. Währenddessen trugen andere Hähne oder Truthähne mit gefesselten Füßen und gesenkten Köpfen nach Hause. Gackern, Geschwätz und gelegentliches Kreischen erfüllten die Luft. Weiter ging es über den Markt, der buchstäblich alles bot: Hüte, Kleidung, Schuhe, Kämme, Scheren, Blumen, Honig, Körbe, Plastikschüsseln, Werkzeuge – was auch immer man sich vorstellen kann. Es gab Verkostungen von traditionellem Pulque und Mezcal, ordentlich gestapelte Berge von frischem Obst und Gemüse und Imbissstände, an denen Frauen riesige Kessel mit Ziegeneintopf über Holzkohlefeuern umrührten. Eine freundliche Verkäuferin bot uns eine Kostprobe an. Das Fleisch war zart und schmolz auf der Zunge. Neugierig fragte ich sie nach dem Geheimnis. Sie erklärte mir, dass das Ziegenfleisch über acht Stunden lang unter der Erde gegart worden war – nach traditioneller Oaxaca-Art. Das bedeutet, dass das marinierte Fleisch in Blätter gewickelt, in einer mit einem großen Feuer erhitzten Grube vergraben und langsam gegart wird, bis es perfekt zart und voller Geschmack ist. Zartes Ziegenfleisch in der Erde 8 Stunden lang gekocht. Alle Sinne wurden überflutet: die Gerüche, die Farben, das Brutzeln, das Geschwätz. Zahlreiche Musiker, einige gut, andere furchtbar, unterhielten die Marktverkäufer und Käufer in der Hoffnung auf ein paar Pesos. Nach mehreren Stunden, in denen wir uns durch das Labyrinth der Stände geschlängelt hatten, waren wir erschöpft. Die Busfahrt mit dem alten wackligen Bus zurück nach Oaxaca kam uns nach all dem Trubel wie der Himmel auf Erden vor. Ein erfüllender, aber ehrlich gesagt auch anstrengender Tag. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in den nächsten Tagen eine Pause brauchen und zumindest für eine Weile keinen weiteren Markt mehr sehen wollen. 17. Januar 2026 Gestern hatten wir einen faulen, gemütlichen Tag, an dem wir außer Einkaufen im Supermarkt und auf unserer Terrasse sitzen nicht viel unternommen haben. Heute sind wir jedoch nach Xochimilco, einem der ältesten Viertel von Oaxaca. Es liegt im Norden der Stadt und blickt auf eine reiche Geschichte zurück, die bis in die vorspanische Zeit reicht. Sein Name stammt aus dem Nahuatl und bedeutet „Ort der Blumen”. Wir schlenderten über die Kopfsteinpflasterstraßen und bewunderten die vielen Gemälde an den Wänden und Häusern. Xochimilco hat eine lebendige Atmosphäre mit seinen bunten Kolonialhäusern, Kunstgalerien und Cafés, seinem alten Viadukt und seinen Bögen. Wir können gar nicht genug davon bekommen. Wir machten in einem Café mit einem hübschen Innenhof eine Rast und tranken Coca Cola. Wir machen das zuhause sonst nie, nur wenn wir reisen und es sehr heiß ist und wir durstig und müde sind, hilft Coca Cola unsere Energie zurückzugewinnen. Wir folgten den gepflasterten Straßen einen Hügel hinauf, von dem aus man einen wunderschönen Blick über Teile von Oaxaca und die umliegenden Berge hat. Dort kamen wir mit einem freundlichen Amerikaner ins Gespräch. Er ist vor neun Jahren nach Xochimilco gezogen und liebt es hier – die Menschen, das Klima und die Atmosphäre des Viertels. Er sieht keinen Grund, in die USA zurückzukehren. Warum sollte er auch? Als wir uns an seinem hübschen Haus von ihm verabschiedeten, wünschten wir ihm alles Gute für seine Zukunft in Xochimilco. Als Nächstes besuchten wir den General Panteón, einen alten, traditionellen Friedhof im Osten der Stadt. Es war heiß und wir waren bereits mehrere Kilometer gelaufen, also nahmen wir für einen Teil der Strecke den Bus und gingen den Rest von der Bushaltestelle aus zu Fuß. Kurz bevor wir den Friedhof erreichten, kamen wir an einer Volkswagen-Werkstatt vorbei, in der viele alte Käfer standen. Der in Mexiko produzierte VW Käfer ist nach wie vor sehr beliebt, und wir sahen viele davon auf den Straßen. Der Werkstattbesitzer und sein Sohn – der früher Rennfahrer in einem etwas modifizierten Käfer gewesen war – zeigten uns stolz ihre Sammlung und erzählten uns ihre Geschichte. Ich erzählte ihnen, dass mein erstes Auto, als ich 18 war, ein VW Käfer von 1957 war und dass ich einige Jahre später ein Modell von 1959 besaß. Sie waren sichtlich beeindruckt und schenkten mir am Ende unseres Besuchs einen kleinen Schlüsselanhänger in Form eines alten VW-Tachometers. Ich werde ihn in Ehren halten. Anschließend betraten wir den Friedhof General Panteón. Er wurde 1829 gegründet, um Opfer von Epidemien wie Pocken und Cholera zu bestatten, und ist heute für seine vielfältigen Grabstätten bekannt, darunter riesige Mausoleen, Gräber und Nischengräbergalerien. Ein Spaziergang durch den Friedhof ist beeindruckend. Er ist dicht bebaut, mit kaum Platz zwischen den einzelnen Gräbern, und wir achteten darauf, nicht auf die Ruhestätten zu treten. Riesige Mausoleen überschatteten kleinere Gräber. Einige waren kitschig, andere total überzogen. Wir konnten noch bunte Girlanden und Überreste der Feierlichkeiten zum Tag der Toten am 1. November sehen, an dem sich Familien versammeln, um das Leben ihrer Angehörigen zu ehren. Vor vielen Gräbern lagen Flaschen mit Rum oder Bier und Zigarren – Opfergaben für die Toten. Natürlich waren die Flaschen leer. Außer uns und ein paar Arbeitern war niemand in diesem riesigen Friedhof. Als wir gehen wollten waren alle Türen verschlossen. Ich geriet fast in Panik, denn ich wollte nicht hier auf diesem Friedhof übernachten. Schließlich fand Dave nach einer Weile doch noch eine Tür die offen war. Dort machten sich die Arbeiter gerade daran, nach Hause zu gehen. Was für ein Glück! Wir verließen den Friedhof zügig. Danach fuhren wir mit dem Bus zurück zu unserem Haus. Wir hatten eigentlich vor, noch eine Kunstausstellung zu besuchen, aber nachdem wir an diesem Tag mehr als 10 Kilometer gelaufen waren, beschlossen wir, darauf zu verzichten. Morgen ist auch noch ein Tag. —————- Dave: 10. Januar 2026 Wir haben kaum noch Wein und nur noch ein paar Grundnahrungsmittel, außerdem brauchen wir einen vernünftigen Kartoffelschäler. Nach einem gemütlichen Frühstück nehmen wir also den Bus von der nahe gelegenen Avenida José María Morelos zum Chedraui-Supermarkt am oberen Ende der Calle Niños Héroes. Auf dem Weg zurück steigen wir am Jardín Morelos aus. Von dort aus steigen wir die Treppen zwischen dem Municipio de Oaxaca und dem Mercado Centenario hinauf, zu dem Markt, auf dem wir unser Fleisch und Gemüse kaufen. Den Nachmittag verbringen wir gemütlich damit, die Nachrichten zu verfolgen und unsere E-Mails zu checken. Ich stelle meinen Wecker auf 14:00 Uhr (20:00 Uhr britischer Zeit), damit ich unsere Zentralheizung zu Hause aus der Ferne einschalten kann – denn die Temperatur heute Nacht in Belsize Park wird unter den Gefrierpunkt fallen. Um 16:30 Uhr machen wir uns auf den Weg in die Stadt, um gemütlich durch die Straßen zu schlendern. An der Avenida José María Morelos halten wir bei einer kleinen Kunstausstellung an und unterhalten uns eine Weile mit dem Besitzer, einem jungen mexikanischen Unternehmer, der sein Leben zwischen Oaxaca und New York aufteilt. Er ist ausgebildeter Innenarchitekt und macht sich nun einen Namen in der mexikanischen Kunstszene. Obwohl die Galerie erst seit wenigen Wochen geöffnet ist, hat er bereits einen beeindruckenden Kundenstamm, darunter eine Frau aus Arizona, die ihn beauftragt hat, ihr neues Haus zu gestalten und mit mexikanischer Kunst auszustatten. Zwei Terrakotta-Jaguare fallen mir ins Auge – aber nicht ihr Preis: 10.000 MX$ (412,80 £) pro Stück. Totenköpfe in einer Gallerie Von dort aus schlendern wir über den Zócalo, schauen in verschiedenen Galerien vorbei und fotografieren eine langsam voranschreitende lokale Hochzeitsprozession. Sie wird von riesigen Puppen angeführt, gefolgt von einer sehr lauten Band und einer langen Schlange von Menschen. Beamte sperren die Straße vor der Prozession und öffnen sie wieder, sobald sie vorbeigezogen ist. Ich bemerke einen Wachmann auf dem Dach eines nahe gelegenen Gebäudes, der mit einem Fernglas auf die Straße darunter schaut. Als die Sonne untergeht, kühlt es schnell ab, also machen wir uns auf den Rückweg und halten kurz an, um einer Gruppe von Tänzern in traditionellen Kostümen zuzusehen, die auf dem offenen Platz vor einer nahe gelegenen Kirche auftreten. Zu Hause angekommen, trinken wir gemeinsam ein kaltes Bier auf der Terrasse, bevor wir mit dem Kochen des Abendessens beginnen: die letzten Schweinerippchen mit einer Auswahl an Gemüse. Lisa brät eine der beiden Kochbananen als Vorspeise, und trotz des kühlen Abends essen wir draußen und teilen uns eine Flasche Wein. 11. Januar 2026 Wir haben den Tag heute ganz gemütlich angefangen. Es war nicht so heiß wie gestern, es war bewölkt und es wehte eine angenehme Brise. Für die nächsten Tage ist möglicherweise auch Regen angesagt. Wir haben bis 10 Uhr gewartet, bevor wir Frühstück gemacht haben, denn dann wird es hier in Oaxaca langsam warm und die Sonne scheint endlich auf unsere Terrasse. Die beiden Leute, die neben uns wohnen und aus Earl's Court kommen, reisen heute Nachmittag ab, um von Mexiko-Stadt aus zurück nach Großbritannien zu fliegen, sodass wir morgen neue Nachbarn bekommen werden. Wir beschlossen, heute zu La Merced zu laufen, einem berühmten Markt am anderen Ende unserer Straße, der Avenida José María Morelos. La Merced bezieht sich nicht nur auf den Markt, sondern auch auf eines der traditionsreichsten zentralen Barrios von Oaxaca. Es hat einen starken lokalen Gemeinschaftssinn und wirkt eher wie ein lebendiger Stadtteil als wie eine gepflegte Touristengegend. Es bietet einen guten Einblick in das alltägliche Leben in Oaxaca. Der Markt wurde 1973 eröffnet, ist ein traditioneller öffentlicher Markt und bei Einheimischen für den täglichen Einkauf sehr beliebt. An den Ständen werden frisches Obst und Gemüse, Fleisch, Brot, Gewürze und Haushaltswaren verkauft, und der Markt ist besonders für seine authentischen oaxacanischen Lebensmittel bekannt. Wir schlenderten gemütlich herum und blieben an einem Stand mit Kräutern und Gewürzen stehen, dessen Regale mit Gläsern voller Wer-weiß-was gefüllt waren. Lisa unterhielt sich mit der Verkäuferin, die selbstbewusst behauptete, sie habe Heilmittel für jede nur erdenkliche Krankheit. Mich faszinierten eher die Reihen von Stromzählern, die an den Wänden des Marktes aufgereiht waren, Dutzende auf jeder Seite, von denen jeder einzelne Stand mit Strom versorgt wird. Die Menge an komplizierten Kabeln, die erforderlich ist, um einen so großen Raum zu versorgen, muss enorm sein. Stromzähler versorgen die Marktstände in La Merced Markt Danach gingen wir zurück in Richtung unserer Unterkunft. In der Nähe unseres Airbnb gibt es eine Fotogalerie, die uns empfohlen wurde, also schauten wir dort vorbei. Es gab nur einen kleinen Raum mit einer Handvoll alter Fotos, die Menschen bei der Zuckerrohrernte zeigten. Wir fragten den Mann an der Tür, wo der Rest der Ausstellung sei. Er erklärte uns, dass sie eine neue Ausstellung vorbereiten würden, und schlug vor, dass wir nächsten Sonntag wiederkommen sollten, wenn sie eröffnet wird. Wir gingen weiter entlang einer Parallelstraße und kamen mit einem kanadischen Ehepaar aus Saskatchewan ins Gespräch, das gerade aus einem kleinen Hotel kam. Sie teilten viele unserer Ansichten und müssen um die achtzig gewesen sein. Sie sind regelmäßige Besucher von Oaxaca und fuhren früher mit ihrem Wohnmobil den ganzen Weg von Kanada hierher. Heute fliegen sie stattdessen. Sie luden uns ein, ihr Hotel anzusehen, in dem sie im Laufe der Jahre sechs oder sieben Mal übernachtet hatten. Es war ein kleines, familiengeführtes Hotel – schön und gemütlich –, aber ohne Kochgelegenheit. Wir verabschiedeten uns und hofften, dass wir uns noch einmal sehen würden, bevor sie am nächsten Sonntag abreisten. Zurück bei uns schrieben wir ein paar E-Mails, und als wir fertig waren, war es zu kalt, um draußen bei einem Bier zu sitzen. Die Sonne war untergegangen und ein kühler Wind war aufgekommen. Wir kochten und aßen die letzten Schweinerippchen drinnen und schauten uns eine weitere Folge von Dark Winds auf Netflix an. 12. Januar 2026 Wir standen früh auf, um die neueste Folge unseres Blogs fertig zu schreiben und zusammen mit Fotos hochzuladen. Für Lisa bedeutete das doppelte Arbeit, da sie auch alles für die deutsche Website übersetzen und dann die Fotos erneut hochladen musste. Keine schwierige Aufgabe (Das denkst du, Kumpel!! – Anmerkung von Lisa), aber eine zeitaufwändige. Die Wolken und die Brise sorgten dafür, dass die Temperatur bei etwa 20°C blieb, deutlich kühler als in den letzten Tagen. Trotzdem war es um 10 Uhr warm genug, um auf unserer Terrasse zu frühstücken. Die Sonne brach durch die Wolken, aber als sie das tat, war sie sehr stark, sodass der Sonnenschirm unverzichtbar war. Nach dem Frühstück arbeiteten wir bis weit nach Mittag weiter an unserem Blog. Wir hatten beschlossen, einige der umliegenden Städte und Dörfer an ihren Markttagen zu erkunden. Dazu fuhren wir nach Süden zu einem nahe gelegenen Busbahnhof, der sich neben dem riesigen Markt Central de Abastos befindet. Der Plan war, zuerst den Busbahnhof zu besuchen um geeignete Busse zu finden und dann den Markt zu erkunden, da wir auch mehr Gemüse und Obst brauchten. Der Busbahnhof war verwirrend und es war fast unmöglich, Informationen zu bekommen, selbst mit Lisas Spanischkenntnissen. Vielleicht liegt das daran, dass es ein zweitklassiger Busbahnhof ist? Er war schmutzig, schlecht geführt, und mehrere Fahrkartenschalter hatten unzureichende Beschilderungen oder es war niemand im Dienst, den man fragen konnte. Außerhalb des Busbahnhofs befand sich ein Sammeltaxi-Standplatz, an dem die Ziele der Städte und Dörfer auf die Windschutzscheiben gemalt waren. Sobald ein Taxi voll ist, fährt es los. Wir hatten schon einmal eines benutzt, um nach Atzompa zu gelangen; es war spottbillig, aber nicht gerade die bequemste Erfahrung. Danach überquerten wir die belebte Straße und betraten den überdachten Markt, der riesig war. In einer Ecke wurden voll beladene Lastwagen entladen, und dies war eindeutig eine Männerdomäne. Es brauchte Muskelkraft, um die Produkte zu entladen und zu den unzähligen Ständen in diesem riesigen Raum zu transportieren. Trotz des Chaos war alles gut organisiert und effizient, ohne unnötigen Aufwand. Hohe, offene Lastwagen standen vollgepackt mit Kisten und Säcken mit Obst und Gemüse bereit. Muskelmänner standen oben drauf, hoben schwere Kisten hoch und ließen sie in die wartenden Arme der Muskelmänner darunter fallen. Weitere Muskelmänner verschwanden in den Tiefen der Lastwagen und tauchten mit Säcken wieder auf, die auf Muskelmänner gehievt und weggetragen wurden. Die Produkte wurden hoch auf Metallwagen gestapelt, die dann von Muskelmännern – mit gekrümmten Rücken und angespannten Sehnen – zu den Verkäufern gezogen wurden. Keiner dieser Muskelmänner sah älter als dreißig aus. Die Muskelmänner trugen und holten, die Frauen, Mütter und Großmütter verkauften. Ja, Mexiko fühlt sich immer noch sehr wie eine Männerwelt an. Ich habe noch keine Frau gesehen, die einen Bus oder einen Lastwagen fährt. Wir erkundeten weiter, kauften unser Obst und Gemüse und machten viele Fotos von diesem hektischen, machohaften Großhandelsmarkt. Langsam machten wir uns auf den Rückweg. Um 18 Uhr kam eine kühle Brise auf, sodass wir nicht mit einem kühlen Bier auf der Terrasse sitzen konnten und es auch nicht angenehm genug war, um draußen zu essen. 13. Januar 2026 Als ich aufstand, war es kühler als in den letzten Tagen, mit einigen Wolken am Himmel. Aber um 10 Uhr war es warm genug, um auf unserer Terrasse zu frühstücken. Danach gingen wir zum lokalen Markt, da wir kein Fleisch mehr hatten, und kauften Schweinekoteletts, Tomaten, Eier und etwas Obst. Als wir gegen Mittag zurückkamen, funktionierte das Internet nicht mehr. Unser Vermieter versuchte, den Router neu zu starten, jedoch ohne Erfolg. Wir ruhten uns eine Weile aus, bevor wir in die Stadt gingen, um das Museum der Kulturen von Oaxaca neben der Kirche Santo Domingo de Guzman zu besuchen. Der Eintrittspreis war seit der Drucklegung unseres Reiseführers stark gestiegen. Statt 45 MX$ zahlten wir 420 MX$ (17,38 £) für uns beide, einschließlich einer Fotogenehmigung. Die Sicherheitsvorkehrungen waren sehr streng: Rucksäcke und mein Kamerastativ mussten in Schließfächer, unsere Taschen wurden kontrolliert und wir mussten durch Scanner wie am Flughafen gehen. Das Museum ist in einem ehemaligen Kloster untergebracht und beherbergt eine der schönsten regionalen Sammlungen Mexikos. Man braucht mindestens zwei Stunden, um es angemessen zu besichtigen. Zuerst besuchten wir die faszinierende Ausstellung von Manuel Jimenez, dem berühmten mexikanischen Holzschnitzer, Bildhauer und Maler, und dann das eigentliche Museum. ———— Der größte Schatz ist der Mixteken-Schatz aus Grab 7 in Monte Albán, zu sehen in Raum III (der erste Raum rechts im Obergeschoss). Dieser stammt aus dem 14. Jahrhundert, als die Mixteken ein altes Zapoteken-Grab in Monte Albán wiederverwendeten, um einen ihrer Könige und seine geopferten Diener zu begraben, zusammen mit einem Vorrat an wunderschön gearbeiteten Silber-, Türkis-, Korallen-, Jade-, Bernstein- und Perlenstücken, fein geschnitzten Knochen, Kristallkelchen, einem mit Türkis bedeckten Schädel und viel Gold. Der Schatz wurde 1932 von Alfonso Caso entdeckt. Die Säle I bis IV sind der vorspanischen Zeit gewidmet, die Säle V bis VIII der Kolonialzeit, die Säle IX bis XIII Oaxaca der Zeit der Unabhängigkeit und danach und der letzte Raum (XIV) dem Kloster Santo Domingo selbst. Am Ende des langen Korridors hinter Saal IX bieten Glastüren einen Blick auf den wunderschön verzierten Chor des Templo de Santo Domingo. ————- Als wir das letzte Mal hier waren, widmete das Museum dem berühmten Mexikaner Emiliano Zapata einen Bereich, obwohl er nicht aus Oaxaca stammte. Wer war er? ————- Emiliano Zapata (1879–1919) war einer der wichtigsten Anführer der mexikanischen Revolution. Als Verfechter der Rechte der Bauern und indigenen Gemeinschaften kämpfte er gegen Großgrundbesitzer und forderte unter dem Motto „Tierra y Libertad” (Land und Freiheit). Zapata führte die Befreiungsarmee des Südens an und veröffentlichte den Plan de Ayala, in dem er die Umverteilung von Land an Dorfgemeinschaften forderte. Er wurde 1919 ermordet, nachdem er von Regierungstruppen in einen Hinterhalt gelockt worden war, bleibt aber ein starkes Symbol für soziale Gerechtigkeit und Widerstand in Mexiko. ————— Das Foto an der Wand ist der einzige Hinweis auf Emiliano Zapata in diesem Museum. Wir erreichten das Ende der Ausstellung, konnten aber den Bereich, der dem berühmten mexikanischen Revolutionär Zapata gewidmet war, nicht finden. Wir fragten, wo er sei, und erhielten die verwirrende Antwort, dass er nicht dabei sei. Die Person, die wir fragten, zuckte mit den Schultern und sagte, dass die Ausstellung manchmal geändert würde. Seltsam, dass sie nichts davon wussten, obwohl in Reiseführern steht, dass es einen Bereich gibt, der ihm gewidmet ist. Wir erinnern uns noch lebhaft an die Ausstellungsstücke über ihn vor neun Jahren und haben noch Fotos davon. Im Museum war es kalt, deshalb setzten wir uns draußen auf eine Mauer, um uns aufzuwärmen. Danach gingen wir in ein Dachcafé gegenüber der Kirche Santo Domingo de Guzman. Wir blieben nicht lange, da ein kalter Wind wehte. Auf dem Rückweg hielten wir bei einer Bäckerei, um ein Baguette zu kaufen, und schauten uns ein weiteres Dachrestaurant für zukünftige Besuche an. 14. Januar 2026 Ich war früh wach und stand auf, um über den vergangenen Tag zu schreiben. Um 10 Uhr frühstückten wir in der Sonne auf unserer Terrasse, bevor wir in die Stadt gingen, um die drei berühmten Märkte von Oaxaca südlich des Zócalo zu erkunden: Benito Juarez, 20 de Noviembre und Artesanías (Kunsthandwerk). Benito Juarez war geschäftig und farbenfroh und verkaufte alles, was man sich vorstellen kann – von Kleidung und Kochgeschirr bis hin zu Lebensmitteln, Getränken und angeblich allheilenden Kräutern –, während Reiseleiter Gruppen von Touristen durch die dicht gedrängten Stände führten und ihnen dabei Erklärungen gaben. Auf der anderen Straßenseite war der Markt 20 de Noviembre noch lebhafter und ganz auf Lebensmittel ausgerichtet. In einem kleinen Bereich standen Tische dicht gedrängt wie Sardinen. Auf der anderen Seite dieser schmalen Insel standen mehrere Grillstellen, an denen jeweils ein Koch dünne Fleischstreifen auf die heißen Holzkohlegrills warf. Im überdachten Markt war es heiß, aber die Köche vor den glühenden Grillstellen, über denen der Rauch des brutzelnden Fleisches aufstieg, schienen die Hitze nicht zu spüren. Die Tische waren mit Touristen überfüllt, Kellner huschten mit Tellern voller brutzelndem Fleisch von der Grillstelle zum Tisch. Andere Kellner schwebten umher und hielten uns beim Vorbeigehen Speisekarten unter die Nase, um uns zum Essen zu verleiten. Es war auf jeden Fall faszinierend, sich durch die sich vermischende Menschenmenge zu drängen, die Hitze der Grills zu spüren und durch den Rauch und die Gerüche des brutzelnden Fleisches und der Würste zu gehen. In einem anderen Gang saßen einheimische Arbeiter Schulter an Schulter und genossen traditionelle Gerichte. Lisa machte Fotos von mehreren Verkäufern und versprach, ihnen Kopien per E-Mail zu schicken. Der Artesanías-Markt war enttäuschend, also gingen wir weiter zum Central de Abasto Markt. Unterwegs machten wir in einem kleinen Café Halt, um uns kurz auszuruhen und eine Kaffeepause einzulegen. Auf den Straßen waren Polizisten zu sehen, um uns Touristen zu versichern, dass die Gegend sicher war. Eine Frau kam ins Café und setzte sich neben uns, ihre Pistole war deutlich in ihrem Holster zu sehen. Sie trank ihren Kaffee und las ihre E-Mails. Nachdem sie ihren Kaffee ausgetrunken hatte, ging sie und schloss sich einer Gruppe von Menschen auf dem Bürgersteig an. Es handelte sich offensichtlich um Polizisten in Zivil, und sie war ihre Chefin. Ja, diese Touristenmärkte sind ein Magnet für bestimmte Elemente der Gesellschaft. Der Central de Abasto Markt war bei weitem der interessanteste aller Märkte, die wir besucht hatten. Ich könnte Tage damit verbringen, durch das Labyrinth aus engen Gassen zu schlendern, die mit allerlei Köstlichkeiten vollgestopft sind. Hier gab es alles zu kaufen, von Kleidung bis hin zu Kompressoren. Wir schlenderten gemütlich herum und unterhielten uns eine Weile mit jemandem, der industrielle Küchengeräte, Utensilien und Töpfe und Pfannen verkaufte. Er verkaufte riesige Metallpfannen, die groß genug waren, um ein ganzes Schwein darin zu kochen! Wir machten uns auf den Rückweg und hielten unterwegs an, um Kaffee und schwarze Bohnen zu kaufen. Als wir zuhause waren, schien noch immer die Sonne. Ich wusch Lisas Sandalen, während sie Tee kochte, den wir in der Sonne auf der Terrasse tranken. Ich kochte die letzten Schweinekoteletts mit Gemüse. Wir teilten uns eine Flasche Wein und aßen auf unserer Terrasse zu Abend. 15. Januar 2026 Heute war es kühler und viel bewölkter als in den letzten Tagen. Nach dem Frühstück gingen wir zum Markt auf der anderen Straßenseite und kauften etwas Hähnchenfleisch und ein paar Avocados. Als wir zurückkamen, machten wir uns fast sofort auf den Weg zum Zócalo. Sechs Blocks südlich befindet sich nämlich der Busbahnhof Villa de Zaachila, zu dem wir einen Tagesausflug planten, um dort über den Donnerstagsmarkt zu schlendern. Ein Bus wartete bereits. Wir stiegen ein und zahlten dem Fahrer 20 MX$ (84 Pence) für uns beide. Um 11:15 Uhr fuhren wir los. Unser Bus hatte schon bessere Tage gesehen. Die Sitze waren locker und wir rutschten hin und her, während er durch die verstopften Straßen der Stadt, über Bremsschwellen und Schlaglöcher manövriert wurde. Der Zustand der Straßen außerhalb der Stadt ist nicht besser und der dichte Verkehr verlangsamte unsere Fahrt auf ein Schneckentempo. Zu unserer Linken konnten wir in der Ferne den internationalen Flughafen von Oaxaca sehen. Wir kamen um 12 Uhr mittags am zentralen Busbahnhof von Villa de Zaachila an, die Fahrt hatte 45 Minuten gedauert. Der Donnerstagsmarkt (tianguis) oder Freiluftmarkt ist das wöchentliche Hauptereignis in Zaachila. Er zieht Menschen aus dem gesamten Tal von Oaxaca an, darunter viele Zapotekisch sprechende Menschen aus ländlichen Gebieten. Diese Markttradition reicht bis in die vorspanische Zeit zurück und hat sich seitdem kaum verändert. Der Markt ist in drei Bereiche unterteilt. Der erste, bekannt unter seinem zapotekischen Namen Logueguindan, was „Platz der Menschen aus den Hügeln” bedeutet, ist hauptsächlich dem Verkauf von Brennholz und Holzkohle für den Wochenbedarf gewidmet. Wir konnten diesen Bereich nicht finden, vielleicht kamen wir zu spät. Direkt vor dem Busbahnhof begann der Markt, und dort starteten wir auch, im zweiten Bereich, der dem Verkauf von Tieren wie Hühnern, Küken, Hähnen, Truthähnen, Kaninchen, Enten und Meerschweinchen gewidmet ist, von denen viele in Käfigen oder an den Beinen zusammengebunden waren. Wir bahnten uns langsam einen Weg durch die Menschenmassen und machten Fotos, wo es möglich war. Einige Leute ließen sich gerne fotografieren, andere nicht. Dann gelangten wir in den dritten Teil des Marktes, der eine völlige Reizüberflutung darstellte: der Lärm, die Gerüche, die leuchtenden Farben und die Geschmäcker, wenn man sich traute. Wir trauten uns und bekamen Ziegeneintopf aus einem riesigen Topf angeboten. Er war köstlich. Es war viel los, sehr viel los, und wir stießen ständig mit Menschen oder Tischen zusammen oder duckten uns, um den niedrig hängenden Schnüren auszuweichen, die die bunten Planen über uns hielten. Hier wurde alles verkauft: Obst, Gemüse, Fertiggerichte und Zutaten zum Kochen, billige Waren, Kleidung und alle Arten von Kunsthandwerk. Sänger und Musiker, einige gut, andere schlecht, mischten sich unter die Menschenmenge und spielten für wenig Geld, vor allem in den zahlreichen Essensbereichen. Wir schlenderten stundenlang über den Markt und beschlossen dann, ein Café zu suchen, um uns hinzusetzen. Wir verließen den Markt und erkundeten die Seitenstraßen der Stadt, konnten aber kein Café finden. Also kehrten wir zum Markt zurück, fanden einen Kiosk und kauften eine kleine Flasche Coca-Cola und eine Tüte Nüsse. Wir setzten uns auf einen Bordstein in die Sonne, um zu essen und zu trinken, während wir die Welt an uns vorbeiziehen sahen. Um 15 Uhr packten die Verkäufer zusammen, also machten wir uns auf den Weg zurück zum Busbahnhof und traten die Rückreise an. Als wir zurückkamen, kochten wir das Abendessen: Ofengebackenes Hähnchen mit Gemüse. Es war viel zu kalt, um auf unserer Terrasse zu essen. 16. Januar 2026 Wir hatten eine schlechte Nacht, weil um 00:42 Uhr plötzlich unsere Uhren und iPhones zu piepen begannen. Es war eine Erdbebenwarnung der Regierung, unsere zweite, die erste hatte es in Puebla gegeben. Das Epizentrum lag erneut in der Nähe von Acapulco. Wir spürten nichts, zogen uns aber schnell an und gingen hinaus auf die Terrasse. In der Nachbarschaft bellten Hunde, während die Menschen auf die Warnung auf ihren Handys reagierten und ihre Häuser verließen. Hier sind die offiziellen Anweisungen der Regierung für Erdbebenwarnungen: Wenn Sie eine Erdbebenwarnung auf Ihrem Handy erhalten, haben Sie möglicherweise nur wenige Sekunden Zeit, bevor die Erschütterungen beginnen. Sofortiges, automatisiertes Handeln ist entscheidend. 1. Führen Sie das Protokoll „Drop, Cover, and Hold On” (Hinlegen, Schutz suchen und festhalten) aus. Die wichtigste Sicherheitsmaßnahme ist, sofort Ihren Kopf und Ihren Nacken zu schützen. Drop: Gehen Sie auf allen Vieren, um nicht umgeworfen zu werden. Cover: Suchen Sie Schutz unter einem stabilen Tisch oder Schreibtisch. Wenn kein Schutz in der Nähe ist, begeben Sie sich zu einer Innenwand, fern von Fenstern, hängenden Gegenständen oder hohen Möbeln. Hold On: Bleiben Sie an Ort und Stelle und halten Sie sich an Ihrem Schutz fest, bis die Erschütterungen vollständig aufgehört haben. 2. Befolgen Sie die Anweisungen entsprechend Ihrem Standort Wenn Sie sich in einem Gebäude befinden: Bleiben Sie drinnen. Laufen Sie nicht nach draußen oder in andere Räume, da die meisten Verletzungen auftreten, wenn Menschen versuchen, sich während des Bebens zu bewegen. Vermeiden Sie die Benutzung von Aufzügen. Wenn Sie sich im Freien befinden: Begeben Sie sich auf eine freie Fläche, fern von Gebäuden, Stromleitungen, Straßenlaternen und Bäumen. Wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind: Halten Sie sicher an einer freien Stelle an, vermeiden Sie es, unter Brücken oder Überführungen anzuhalten, und bleiben Sie mit angelegtem Sicherheitsgurt im Fahrzeug, bis das Beben aufgehört hat. Es gab keine Nachbeben, sodass wir nach zehn Minuten wieder ins Bett gingen. Ich stand um 6:30 Uhr auf, Lisa folgte kurz darauf. Ich trug meinen Fleecepullover, als ich mich mit meinem iPad hinsetzte, da die Temperatur über Nacht auf 5 °C gefallen war. Heute war ein R&R-Tag: Ruhe und Entspannung. Wir verbrachten einen gemütlichen Morgen damit, die Nachrichten zu lesen und dabei die Sonne auf unserer Terrasse zu genießen. Die einzige Aufgabe auf dem Programm war, mit dem Bus zum Chedraui-Supermarkt zu fahren, um Wein und Bier zu kaufen, also machten wir uns mittags auf den Weg. In den Supermärkten hier darf man keinen Rucksack tragen, man muss ihn in einem Schließfach lassen. Das System, das dieser Supermarkt verwendet, muss hochmodern sein, da es auf Gesichtserkennung basiert. Man schaut in eine Kamera und erhält Anweisungen, die sich wie Englisch anhören, aber mit einem chinesischen Akzent gesprochen werden. Die Kamera ist nicht niedrig genug positioniert, daher gibt es für kleinere Mexikaner eine Holzpalette in der Nähe, auf die man sich stellen kann. Zurück angekommen, lasen und schrieben wir weiter unter dem Sonnenschirm auf unserer Terrasse. Um 18 Uhr tranken wir draußen gemeinsam ein Bier, bis um 19 Uhr die Sonne hinter den Bergen verschwand. Wir bereiteten das Abendessen zu, Hähnchenschenkel und -keulen, und aßen auf der Terrasse, da es an diesem Abend wärmer war. 17. Januar 2026 Der Grund für unser spätes Frühstück ist einfach: Die Sonne erreicht unseren Terrassentisch erst um 10 Uhr. So können wir beim Frühstücken in der Sonne sitzen. Da uns das Fleisch ausgegangen war, gingen wir nach dem Frühstück zum lokalen Markt und kauften Schweinerippchen, Eier und ein paar Zucchini. Anschließend sind wir zum Barrio de Xochimilco spaziert. Es war ein langsamer, sanfter Aufstieg, und je näher wir kamen, desto schmaler und kurviger wurden die Straßen, desto skurriler wurden die Fassaden und desto dramatischer wurde die Aussicht. Wandmalereien mit Kolibris und historischen Persönlichkeiten schienen aus den Wänden der Kopfsteinpflasterstraßen zu sprießen. ————- Das Barrio de Xochimilco gilt als eines der ältesten Viertel der Stadt Oaxaca. Lange vor der spanischen Kolonialisierung war es eine Siedlung der Zapoteken. Im Gegensatz zu anderen Stadtvierteln, die nach und nach von den kolonialen Bräuchen übernommen wurden, hat Xochimilco bis heute seine besonderen indigenen kulturellen und religiösen Traditionen bewahrt. Das wirft eine naheliegende Frage auf: Warum hat dieses Stadtviertel, das etwa 300 Meilen und mehrere Gebirgsketten von der Hauptstadt des Landes entfernt liegt, denselben Namen wie Xochimilco in Mexiko-Stadt? Die Antwort liegt in der Invasion der Mexica (Azteken) im heutigen Oaxaca im Jahr 1486, als Soldaten aus Xochimilco nach Süden gebracht wurden und die Siedlung ganz natürlich nach ihrer Heimatstadt benannten. Als Teil des historischen Zentrums von Oaxaca-Stadt steht Xochimilco unter dem Schutz des Bundesgesetzes als historische Denkmalzone. Viele der hier befindlichen Denkmäler wurden während der spanischen Kolonialzeit erbaut, darunter das Aquädukt San Felipe aus dem 18.Jahrhundert. ———— Wir überquerten eine belebte zweispurige Straße, stiegen eine Steintreppe hinauf und gelangten auf eine Straße mit bunt gestrichenen Häusern, von denen einige mit Bougainvillea-Kaskaden gekrönt waren, die von den Dächern herabfielen. Wir folgten der farbenfrohen Hauptstraße und hielten häufig an, um die Wandmalereien zu fotografieren, während die Seitenstraßen im Vergleich dazu eher langweilig wirkten. Bald erreichten wir einen offenen Platz mit Kopfsteinpflaster, im Vordergrund Blumen und Bougainvillea und weit dahinter wolkenverhangene Berge. Dort gab es ein Café mit einem schönen Innenhof, wo wir eine Pause einlegten, um uns mit einem erfrischenden Kaltgetränk zu stärken. Danach gingen wir weiter zum berühmten Aquädukt und stiegen eine Steintreppe hinunter, um eine bessere Aussicht zu haben. Dem Geruch am Fuß der Treppe nach zu urteilen, würde eine öffentliche Toilette hier nicht schaden. Wir schlenderten noch ein paar Straßen weiter, bevor wir umkehrten, da wir zu unserem nächsten Ziel, dem Panteón General, besser bekannt als Stadtfriedhof, aufbrechen mussten. Auf dem Weg nach draußen kam ein Amerikaner mit uns ins Gespräch. Er stammte aus Colorado und war vor neun Jahren hierher gezogen. Kaum hatte er angefangen zu reden, drehte er sich um, verabschiedete sich und verschwand wie ein Kaninchen in seinem Bau durch eine Holztür. Wir gingen zurück zur zweispurigen Straße, nahmen einen Bus und stiegen ein paar Kilometer später aus. Von dort aus gingen wir ein paar Blocks weiter, um zum Friedhof zu gelangen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Haupteingangs zum Friedhof befand sich eine Garage, in der wir mehrere VW-Käfer sehen konnten. Als wir hineinschauten, kam der Besitzer heraus und lud uns ein, hereinzukommen. Es war eine Fundgrube für alles, was mit VW-Käfern zu tun hatte. In einer Ecke stand ein Stock-Car-Käfer mit Überrollkäfig. In einer anderen Ecke befand sich ein Käfer-Hot-Rod, der gerade zusammengebaut wurde. Käfermotoren in verschiedenen Reparaturzuständen lagen auf dem Boden verstreut. Wir machten mehrere Fotos und unterhielten uns lange mit dem Besitzer, seinem Vater und zwei Mechanikerlehrlingen, da Samstag in dieser Garage ein Arbeitstag war. Nach 30 Minuten überquerten wir die Straße und betraten den von hohen Mauern umgebenen Friedhof. —————— Der Panteón General (Stadtfriedhof) ist nicht wegen seiner Größe ungewöhnlich und interessant, sondern weil er bewohnt ist. Familien besuchen ihn regelmäßig, um Gräber zu säubern, Namen neu zu streichen, Blumen zu bringen, zu reden, zu essen oder einfach nur still zu sitzen. Der Tod ist hier eher Teil des Alltags als ein besonderes oder zeremonielles Ereignis. Die Gräber sind sehr persönlich gestaltet: Viele sind bunt bemalt, mit Fliesen, religiösen Bildern, Lieblingsgegenständen oder handgeschriebenen Botschaften verziert und werden im Laufe der Jahre immer wieder aufgefrischt und neu gestrichen. Es herrscht ein starkes Gefühl von geschichtsträchtiger Vergangenheit. Einige Gräber sind alt und verfallen, andere frisch gestrichen und sorgfältig gepflegt. Bei einem langsamen Spaziergang kann man Zeugnisse des sozialen Wandels, der Migration und der langen Kontinuität der Familien sehen. Die Geräusche und die Atmosphäre sind unverwechselbar. Man hört vielleicht leise Gespräche, Vögel oder entfernten Verkehr. Der Friedhof wirkt eher ruhig und heimelig als feierlich oder bedrückend. Am auffälligsten ist, dass er nicht inszeniert ist. Im Gegensatz zu Friedhöfen, die sich während des Tages der Toten in Touristenattraktionen verwandeln, wirkt der Panteón General authentisch und ungeschönt. Es gibt nur wenige Besucher, und die lokalen Familien stehen nicht „zur Schau”. Was man hier vorfindet, ist das normale Leben, das in der Gegenwart der Toten weitergeht, still und ohne Spektakel. ——————- Wir verbrachten etwa zwanzig Minuten damit, durch diesen überfüllten Bereich zu schlendern, eine etwas kitschige Mischung aus religiösen Steinen und Reliquien. Einige Gräber sind völlig übertrieben, und eines, das einem Gartenschuppen ähnelt, hätte auch in einem Hinterhof nicht fehl am Platz gewirkt. Einen Block vom Friedhof entfernt gibt es eine Bushaltestelle, von der aus wir zurück zu unserer Airbnb-Unterkunft fahren können. Wir sind müde und verschwitzt und daher dankbar, dass uns der Bus die Anstrengung abnimmt und uns nach Hause bringt. Liebe Leserinnen und Leser, in den letzten vier Wochen haben wir hier so viel über unsere Abenteuer berichtet, dass der Blogbeitrag keinen Text und keine Fotos mehr aufnehmen kann. Wir werden einen zweiten Teil des Reiseblogs eröffnen und dort mit der Berichterstattung über unsere letzte Woche in Oaxaca fortfahren. Schaut doch mal rein. 2. Puebla 28.12.2025-4.1.2026 Interessantes und Informatives: Puebla, offiziell Heroica Puebla de Zaragoza , ist eine historische Stadt und ein Bundesstaat im Zentrum Mexikos, etwa 130 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt gelegen. Sie gehört zu den kulturell und architektonisch bedeutendsten Regionen des Landes und ist bekannt für ihr koloniales Erbe, ihre unverwechselbare Küche und ihre zentrale Rolle in der mexikanischen Geschichte. Puebla ist mit rund 1,7 Millionen Einwohnern die fünftgrößte Stadt Mexikos. Der Bundesstaat Puebla hat eine Bevölkerung von 6,7 Millionen Menschen. Obwohl Puebla immer noch recht groß ist, herrscht hier eine entspannte Atmosphäre, die sich von der Hektik der Hauptstadt unterscheidet. Puebla wurde 1531 gegründet und entwickelte sich dank seiner Lage an der Route zwischen Veracruz und Mexiko-Stadt zu einer wichtigen spanischen Kolonialstadt. Am bekanntesten ist sie für die Schlacht von Puebla im Jahr 1862, die jedes Jahr als Cinco de Mayo gefeiert wird. Die historische Innenstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, ist berühmt für ihre gut erhaltenen Kolonialgebäude, darunter die reich verzierte Capilla del Rosario und die farbenfrohe Architektur mit Talavera-Fliesen, die spanische und indigene Stile miteinander verbindet. Puebla spielte eine wichtige Rolle in der kulturellen und intellektuellen Geschichte Mexikos und pflegt noch immer stark Traditionen in den Bereichen Handwerk, religiöses Leben und öffentliche Feste. Die Stadt gilt auch als eine der kulinarischen Hauptstädte Mexikos und ist bekannt für Gerichte wie Mole Poblano, Chiles en Nogada und Cemitas. Umgeben von Tälern und Vulkanen verfügt die Region über eine vielfältige Wirtschaft, die Fertigung, Landwirtschaft, Tourismus und Kunsthandwerk umfasst. Heute ist Puebla eine lebendige Universitätsstadt, die eine lange Geschichte mit moderner Entwicklung verbindet. Lisa: 29. Dezember 2025 Puebla ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Die meisten Touristen bleiben ein oder zwei Tage, entweder als organisierter Tagesausflug von Mexiko-Stadt aus oder als Zwischenstopp auf dem Weg nach Oaxaca. Wir beschlossen, uns eine Woche Zeit zu nehmen, um die Gegend genauer zu erkunden und die Atmosphäre zu genießen. Am Sonntag kamen wir nach einer zweieinhalbstündigen Busfahrt in Puebla an. Unsere Airbnb-Gastgeberin Esmeralda wartete im Cafe Me Barrio,das sie und ihre Schwester betreiben, im Stadtzentrum auf uns, um uns in das Studio zu führen, das sich direkt neben dem Cafe befindet. Wir betraten das Gebäude durch eine große Holztür und gelangten in ein sehr altes, großes Haus mit Treppen und mehreren Stockwerken. Es sah etwas vernachlässigt aus, der obere Teil des Gebäudes war verlassen und aus Sicherheitsgründen abgesperrt. Wir gingen überquerten den Innenhof und gingen am Ende durch einen Durchgang, der furchtbar nach Katzenurin und -kot roch, was auch durch das Verbrennen von Räucherstäbchen nicht zu überdecken war. Dort lebt nämlich eine alte Dame mit vielen (niemand weiß genau wie vielen) Katzen. Am Ende des Durchgangs war es endlich soweit: unser Studio. Es war hübsch, freundlich, aber winzig. Esmeralda erzählte, dass sie vor drei Jahren erfahren habe, dass diese winzige Wohnung frei geworden sei. (Wohnungen sind rar.) Sie sei in einem desolaten Zustand gewesen, aber günstig gelegen, direkt neben dem Café. Sie und ihr Vater hätten sie lange renoviert und wir müssen sagen, dass sie großartige Arbeit geleistet haben. Jetzt vermiete sie es als AirBnB-Studio. Die Wohnung ist 1,90 m breit und 8,62 m lang, inklusive Badezimmer. (Dave hat sie mit dem digitalen Messgerät seines Smartphones ausgemessen). Klein, aber es ist alles da, was man braucht. Schlafbereich, Wohnzimmer mit Schreibtisch und einer Sitzbank, eine voll ausgestattete Küche mit Esstisch, Herd, Mikrowelle und Kühlschrank und das Badezimmer. Was will man mehr für 26 £ pro Nacht? Aber selbst für uns, die wir es gewohnt sind, in einer kleinen Wohnung in London zu leben, braucht es etwas Zeit und Toleranz, um sich daran zu gewöhnen, dass sich zwei Personen auf diesem begrenzten Raum bewegen. Die Fenster gehen auf den dunklen Innenhof hinaus. Ein Blick in unsere gemütliche Mini Wohnung. Esmeralda wies auch darauf hin, dass es schon lange nicht mehr geregnet habe, daher sei das Wasser knapp und wir sollten bitte sparsam damit umgehen. Kein Problem. Das Licht in der Küche ist mit einer Alexa verbunden, die spanische und englische Befehle versteht, aber noch lernt. Es erfordert also Geduld, ihr verständlich zu machen, dass wir möchten, dass sie das Licht ein- oder ausschaltet. Aber wir kommen langsam voran. Puebla liegt auf 2.200 m Höhe und die Nächte sind kalt, besonders in den Wintermonaten Dezember und Januar. In unserer Unterkunft gibt es keine Heizung, wie in den meisten Häusern in Mexiko. Nur in einem schicken Restaurant haben wir elegante Feuerstellen zwischen den Tischen gesehen, um die Gäste warm zu halten. An anderen Orten müssen die Leute einfach einen zusätzlichen Pullover anziehen und früh ins Bett gehen, um sich warm zu halten. Ich schreibe dieses Tagebuch früh am Morgen im Bett, weil es in der Wohnung sehr kalt ist. Später am Tag, wenn die Sonne herauskommt, wird es heiß werden, mit Temperaturen um die 25 °C. Allerdings brauchen diese großen alten Häuser lange, um sich aufzuwärmen. Puebla ist berühmt für seine traditionelle Küche. Es gibt viele Cafés, Restaurants und eine Vielzahl von Lokalen in der Stadt. Unsere Gastgeberin Esmeralda gab uns viele Tipps, wo wir in der Stadt essen können. In ihrem Café bekommen wir 10 % Rabatt, was sehr nett ist. Wir haben dort gestern früh gefrühstückt und es gab typische Speisen aus Puebla, Huevos Santos (Spiegeleier, Tortillas mit grüner und roter Chilisauce und einigen exotischen Früchten und Gemüsesorten); das andere Gericht waren Chilaquiles Barrocos (gebratene Tortilla mit Ei und der traditionellen Mole aus Puebla, einer Schokoladensoße mit Chili, ebenfalls mit Obst und Gemüse). Leckeres Frühstück mit Chilaquiles Barrocos Die Portionen waren groß, sehr lecker und auf jeden Fall ein Genuss, aber auf Dauer würde es zu teuer werden, wenn wir jeden Tag dort essen würden. Wenn wir die Möglichkeit haben, unser Frühstück selbst zuzubereiten, werden wir das auch tun. Als wir durch die Straßen gingen, kamen wir an vielen Restaurants und anderen Lokalen vorbei. Street Food ist bei Einheimischen und Touristen sehr beliebt. An fast jeder Ecke steht jemand mit einem Kohleofen und bietet Speisen wie Churros, Tacos, Enchiladas, Chalupas, Molotes, aber auch Hamburger und Sandwiches und vieles mehr an. Angesichts der langen Schlangen fragt man sich, ob überhaupt noch jemand zu Hause kocht, wenn es auf der Straße so viel billiges Essen gibt. Wir haben uns auch gefragt, wie es um die Qualität der Lebensmittel steht, die die Menschen essen, da die Supermärkte in der Stadt keine frischen Lebensmittel wie Gemüse, Käse oder Obst anbieten. Allerdings kann man solche Lebensmittel auf vielen Märkten kaufen. Gestern waren wir auf einem lokalen Bauernmarkt, dem Mercado El Parral, und waren von der Qualität der angebotenen Lebensmittel beeindruckt. Es macht einen deutlichen Unterschied, ob man nur durch einen Markt schlendert, um sich umzuschauen, oder ob man, wie wir jetzt, seine eigenen Lebensmittel auswählt und kauft. Wir deckten uns mit Eiern, Tortillas, Käse, Gemüse und Obst ein, unterhielten uns mit den Verkäufern und erhielten Tipps, worauf man beim Kauf von Avocados oder Papayas achten muss, damit sie reif genug zum Verzehr sind. Wir stellten uns an der Fleischtheke an und beobachteten, wie die Verkäuferin gekonnt mehrere riesige Hähnchenbrüste in sehr dünne Scheiben schnitt, für eine Kundin, die entweder eine sehr große Familie oder ein Restaurant hatte. Begeistert kauften wir auch Hähnchenbrust (genug für drei Tage) und als ich sie am Abend zubereitete, war sie sehr lecker. Die Eier zum Frühstück, das Guacamole aus Avocados und Tomaten und die mit Käse gefüllten Tortillas schmeckten ebenfalls sehr lecker. Auf dem Mercado de Sabores (dem Markt der großen Geschmäcker) schlenderten wir durch die Reihen der Stände, an denen köstliche, frisch zubereitete Speisen angeboten wurden. Dazwischen standen Tische und Stühle für Kunden und wir sahen viele Familien, die mit großem Appetit ihr Essen verspeisten. Wir entschieden uns dagegen, da wir uns gerade mit Hähnchen und Gemüse versorgt hatten, aber ich kaufte frisch gekochte schwarze Bohnen in einer Plastikbox zum Mitnehmen als Beilage zu unserem Abendessen. Wir spazierten weiter durch die Straßen, und es war faszinierend zu sehen, dass einige Straßen Optikern gewidmet sind (obwohl man nicht viele Menschen mit Brillen sieht), andere Süßigkeiten, Mode, Babyartikeln, Schreibwaren; mehrere Straßen waren gesäumt von Geschäften, die ausgefallene Brautkleider und Abendkleider verkauften. In anderen Straßen befanden sich nur Sanitärgeschäfte, wieder andere Straßen boten Läden für Elektroteile, Computer und Mobiltelefone an, daneben gab es Straßen mit Autowerkstätten. Fast wie die Zünfte in den deutschen Städten des Mittelalters. Einer der vielen Süßigkeiten-Läden in der Sweet Street Schicke Ballkleider in eine Straße mit vielen Läden, die Hochzeitskleider verkaufen Der alte und einst berühmte Victoria Market war kürzlich renoviert worden und hatte sich hinter seiner schönen historischen Fassade zu einem modernen, eher langweiligen Einkaufszentrum entwickelt. Hier konnten wir endlich eine dringend benötigte Pause einlegen und einen Cappuccino und einen Kräutertee (Hierba Buena) trinken, eine Art Pfefferminztee. Der Laden war voll, aber schnell tauchten zwei kleine Hocker auf und ein alter Mann machte Platz für uns an seinem kleinen Tisch. Bald kamen wir ins Gespräch, und er zeigte uns auf seinem Handy viele Fotos von Sehenswürdigkeiten in Puebla, die wir unbedingt sehen müssten. Zuerst dachte ich, diese fantastischen Bilder stammten aus dem Internet, aber es stellte sich heraus, dass sie von ihm waren und er Fotograf war. Er zeigte mir auch ein Foto von ihm mit Rigoberta Menchu, der berühmten guatemaltekischen Menschenrechtsaktivistin, die ich persönlich kennengelernt und in den 80er Jahren auf einer Menschenrechtskonferenz in Deutschland interviewt hatte. 1981 war sie ins Exil gegangen und nach Mexiko geflohen, von wo aus sie weiterhin den Widerstand gegen die Unterdrückung in Guatemala und den Kampf für die Rechte der Indigenen organisierte. Im Café wurden traditionelle mexikanische Lieder gespielt, von denen ich einige auch kannte, und wir sangen alle zusammen mit. Sogar Dave sang mit. Wir hatten eine schöne Zeit, mussten aber weiterziehen. Wir bedankten uns bei unserem neuen Freund und verabschiedeten uns. Es ist erstaunlich, wie freundlich viele Mexikaner sind, besonders wenn sie erfahren, dass wir Engländer und keine Amerikaner sind. Viele waren sehr hilfsbereit, wenn wir uns verlaufen haben. In Mexiko-Stadt zum Beispiel zeigte uns eine Frau beim Kauf der Metro-Karte, wie das geht, und wechselte sogar unsere großen Scheine in kleinere, die besser geeignet waren. In Puebla wollte uns immer, wenn wir auf unsere Karte schauten, jemand den Weg zeigen. Es war nicht immer die richtige Richtung, aber zumindest wollten sie helfen. Wir trafen einen Mann namens Ricardo, einen Wissenschaftler, der in Großbritannien studiert hatte. Er erzählte uns ausführlich, was wir uns ansehen sollten und warum es wichtig sei. Wir konnten uns nicht von ihm lösen, aber schließlich gelang es uns, uns freundschaftlich zu verabschieden, mit seiner Telefonnummer in der Tasche, für den Fall, dass wir noch einmal Hilfe brauchen sollten. Dave: 28. Dezember 2025 Wir verließen unser Hotel in Mexiko-Stadt mittags mit einem Uber-Taxi für 150 MX$ und kamen um 12:25 Uhr am Busbahnhof TAPO an. Taxis dürfen nicht in den Busbahnhofkomplex fahren, aber unser Ausstiegsort war nur einen kurzen Fußweg entfernt, den wir mit unseren Rollkoffern zurücklegten. Um 13:00 Uhr fuhr unser Bus ab. Die Straßen aus Mexiko-Stadt hinaus waren verstopft, aber sobald wir außerhalb waren, gab es nur noch Verzögerungen an den Mautstellen der Autobahn. Die Straßen waren gut, aber an vielen Stellen holprig. Um 15:30 Uhr kamen wir am Busbahnhof von Puebla an. Die Taxifahrt zu unserem Airbnb im Zentrum von Puebla kostete 113 MX$. Wie in den meisten großen Städten Mexikos gibt es auch in Puebla ein Rastersystem mit Einbahnstraßen. Die Fahrt in die Stadt verlief gut, bis wir das Zentrum erreichten, dann kamen wir zum Stillstand, da die Straßen verstopft waren. Da es nur noch zwei Blocks waren, stiegen wir aus und rollten unsere Koffer über die belebten, unebenen Gehwege zu unserem Airbnb-Treffpunkt, dem Café der Schwester der Vermieterin, das neben unserer Ferienwohnung liegt. Wir tranken einen Kaffee, während wir auf die Eigentümerin warteten. 15 Minuten später bekamen wir eine Führung zu unserem gemieteten Studio. Sie schloss die riesige Holztür auf, die in einen langen Innenhof führte. Am anderen Ende befanden sich drei Wohnungen. Eine auf der rechten Seite und etwas weiter links und gegenüber von uns eine Treppe, die zu einem anderen Airbnb führte. Unsere Wohnung misst 1,9 m x 8,62 m, inklusive Badezimmer. Sie ist etwas eng für uns und unsere 2 Koffer und Rucksäcke. Dennoch sind wir mitten im Stadtzentrum und unsere Wohnung hat alles Notwendige, einschließlich eines riesigen Flachbildfernsehers, der über dem Bett an der Wand befestigt ist. In Puebla hat es seit Oktober nicht mehr geregnet, daher ist Wasser ein kostbares Gut. Die Vermieterin führte uns zurück in den Innenhof und zeigte uns den Wassertank. Wenn unsere Wasservorräte zur Neige gingen, sollten wir die Wasserpumpe für 15 Minuten einschalten. Sie muss bemerkt haben, wie wir etwas ratlos den nassen Boden und das Räucherstäbchen betrachteten, das auf einem Holzschrank auf der rechten Seite brannte. Sie erklärte uns, dass auf der linken Seite des Innenhofs eine Katzenfrau lebe. Sie habe mehrere Katzen, und uns wurde versichert, dass wir weder die Tiere noch die Katzenfrau selbst jemals zu Gesicht bekommen würden. Das mochte ja stimmen, aber den Gestank von Katzenkot und Katzenurin mussten wir dennoch ertragen, wenn wir durch den Innenhof zu unserer Wohnung gingen. Wir nahmen uns vor, unsere Schuhe abzuwischen, bevor wir die Wohnung betraten. Nachdem die Formalitäten erledigt waren, machten wir uns auf den Weg, um die Gegend zu erkunden und einen Supermarkt für Lebensmittel zu finden. Das Zentrum war sehr überfüllt und die Straßen immer noch verstopft. Pueblas Zocola (Hauptplatz) ist das Zentrum der Stadt und daneben befindet sich die Kathedrale von Puebla. Es gab eine lange Schlange von Menschen, die sich vom Haupteingang der Kathedrale über das Haupttor bis hinüber zum Park schlängelte. Eine konservative Schätzung der Länge der Schlange würde 500 Meter betragen. Uns wurde gesagt, dass die Menschen wegen der Feierlichkeiten zum 38. Jahrestag der Aufnahme in das Weltkulturerbe Schlange stehen würden. Die Kathedrale im warmen Licht der Nachmittagssonne Wir gingen weiter durch die Menschenmenge in den Park, der wie ein Jahrmarkt aussah, mit Künstlern, die die Massen unterhielten. Der Zocola ist von Gebäuden im Kolonialstil umgeben, in deren Erdgeschoss sich Restaurants und Geschäfte befinden. Wir gingen um drei Seiten herum und machten uns auf den Rückweg über einen OXXO-Supermarkt, um uns mit dem Nötigsten zu versorgen. Wir brachten unsere Einkäufe unter und machten uns auf den Weg zu einem sehr empfehlenswerten typisch mexikanischen Restaurant, Antojitos Tomy, das gleich um die Ecke liegt. Das Lokal war voll, aber wir bekamen einen Tisch im hinteren Bereich. Das Restaurant war nicht auf Touristen ausgerichtet, alle anderen Gäste waren Einheimische. Das Essen war nicht besonders raffiniert, ebenso wenig wie die Tische und Stühle, aber es gab reichlich, mit sehr scharfen Soßen. Um 21 Uhr schloss das Restaurant und wir waren die letzten Gäste, die gingen. Sie Speisekarte im Antojitos Tomy 29. Dezember 2025 Ich bin heute Morgen um 5 Uhr aufgestanden und habe mich hingesetzt, um mein Tagebuch zu schreiben und mich über die Nachrichten und E-Mails zu informieren. Um 10 Uhr sind wir zum Frühstücken ins Café Me Barrio gegangen, das direkt nebenan liegt. Das Frühstück war ziemlich schick und kostete 320 Pesos, aber wir haben 10 % Rabatt bekommen. Um 11:45 Uhr machten wir uns mit unseren Rucksäcken auf den Weg zu einem nahe gelegenen Bauernmarkt, dem Mercado El Parral. Der überdachte Markt war ausgezeichnet und bot absolut alles an. Wir kauften Hähnchenbrust, Avocados, Frühlingszwiebeln, Tomaten, Kartoffeln, Zucchini und Eier, was uns für die nächsten Tage versorgen sollte. Auf dem Markt El Parral Wir kehrten zu unserem kompakten Palast zurück, luden unsere Einkäufe aus und machten uns auf den Weg zum Busbahnhof nach Cholula, da wir in den nächsten Tagen die berühmte Große Pyramide von Cholula besuchen wollten. Die Sonne schien von morgens bis abends und die Temperatur war auf 23 °C gestiegen. Ich hatte zuvor die Wettervorhersage gecheckt, das Risiko auf mich genommen und zum ersten Mal seit meiner Abreise aus Großbritannien Shorts und Sandalen angezogen. Ja, ich trug auch mein T-Shirt, hatte aber für alle Fälle meine Fleecejacke im Rucksack dabei. Wir hielten oft an, um uns auf unseren Handys und der Karte des Fremdenverkehrsamtes zu orientieren, und bei einem Halt wurden wir von jemandem angesprochen, der uns helfen wollte. Er war Akademiker, sehr freundlich und sprach gut Englisch. In den nächsten 40 Minuten gab er uns Ratschläge und Tipps, wo wir in Puebla und Umgebung hingehen sollten. Es gelang uns, uns zu verabschieden, aber unsere Ohren bluteten noch, als wir weitergingen. Wir fanden den Busbahnhof nach Cholula und stellten fest, dass es dort noch weitere Busbahnhöfe zu anderen Orten und Städten gab. Von dort aus überquerten wir die Hauptstraße zum Mercado de Sabores, um ein Café zu suchen. Dies war ein riesiger, U-förmiger Innenbereich, der dem Essen gewidmet war, aber nicht für eine Kaffeepause geeignet war. Lisa kaufte eine kleine Styropor-Dose mit schwarzen Bohnen zum Mitnehmen als Vorspeise für das Abendessen. Wir gingen zurück zum Zócalo und kauften in einem OXXO-Supermarkt zwei Flaschen Rotwein im Sonderangebot. Weinhandlungen sind in Puebla schwer zu finden, aber die Einwohner müssen sehr schlechte Augen haben, denn jedes zweite Geschäft schien ein Optiker zu sein. Wir kamen zum Victoria-Markt, einem riesigen, imposanten Bauwerk, und gingen hinein. Ich war überrascht, denn im Inneren war der Raum offen, die imposante Außenfassade war nur eine Fassade. Ich war fasziniert von den Abflussrohren für das Dach/die Brüstung, die etwa alle 2 Meter entlang der gesamten Innenfassade angebracht waren. Zu unserer Linken befand sich ein sehr gemütliches kleines Café. Ein älterer Herr saß allein an einem Tisch und winkte uns zu sich herüber, um seinen Tisch mit uns zu teilen. Es dauerte nicht lange, bis er ein Gespräch mit uns begann. Wieder einmal hatten wir einen sehr freundlichen Menschen getroffen, der uns auf seinem Handy Fotos von Orten zeigte, die wir während unseres Aufenthalts in Puebla unbedingt besuchen sollten. Die Fotos waren gut, und er erzählte uns schüchtern, dass er Fotograf sei. Wir blieben länger als geplant, aber wie wir es erwartet hatten, waren die Einheimischen sehr freundlich und erzählten uns voller Stolz von ihrem Land Mexiko. Wir verabschiedeten uns von unserem neuen Freund, machten einen kurzen Rundgang über den Markt und gingen zurück zu unserem Airbnb, vorbei an der Kathedrale. Die Zocola war voller Menschen und Stände, an denen alle möglichen Waren verkauft wurden, und die Straßen waren voller Autoschlangen. Fast gegenüber unserem Airbnb befand sich ein sehr schickes Hotel namens Quinta Real. Die Tür stand offen, also gingen wir hinein, um uns umzusehen. Es war beeindruckend, da das Hotel um einen Innenhof herum gebaut war. Der gesamte Innenhof war überdacht und konnte elektronisch geöffnet werden. In der Mitte des Innenhofs stand ein riesiger Weihnachtsbaum, der vollständig mit kleinen weißen LED-Lämpchen beleuchtet war. Rote und weiße Wimpelketten waren von der Spitze des Weihnachtsbaums um den gesamten Innenhof herum gespannt. Der Weihnachtsbaum im Patio des Hotels Quinta Real Wir überquerten die Straße, öffneten die Holztür zu unserem Airbnb, durchquerten unseren duftenden Innenhof und betraten unsere Wohnung. Wir verbrachten einige Zeit damit, online die Nachrichten und unsere E-Mails zu lesen. Während ich mein Tagebuch schrieb, briet Lisa Hähnchen in einer Pfanne mit Frühlingszwiebeln und Zucchini, füllte Tortillas mit Käse und als Vorspeise hatten wir die köstlichen schwarzen Bohnen, die wir im Mercado de Sabores gekauft hatten. Lisa: 30. Dezember 2025 Es gibt so viel zu unternehmen und zu sehen in Puebla mit seiner reichen Geschichte, den vielen Kirchen, der berühmten Architektur und Kultur, dass wir die Qual der Wahl haben. Es ist bewölkt und kalt, daher ist es am besten, einen Tag mit Museen- und Kirchenbesuchen zu verbringen. Das erste Museum, das wir besuchten, war das Museo de Automovil Puebla, das Automuseum. Daves Priorität offensichtlich und ich bin mir sicher, dass er darüber schreiben wird. Danach, nach einer dringend benötigten Pause für Kaffee/Tee, machten wir uns auf den Weg zum Zócalo (der wichtigste Platz im Zentrum) und begannen mit unserer Tour durch die berühmtesten Kirchen. Hier in Mexiko gibt es übrigens viele Kirchen. Die Stadt Cholula, in die wir morgen fahren werden, hat 365 Kirchen, eine für jeden Tag, und zwischen Cholula und Puebla gibt es etwa 3.000 Kirchen! Die Spanier bauten zahlreiche Kirchen als Teil ihrer Mission, die einheimische Bevölkerung nach der Eroberung zum Christentum zu bekehren. Zuerst besuchten wir die Basilika-Kathedrale von Puebla, direkt am Zócalo. Es ist eines der wichtigsten Gebäude im historischen Zentrum von Puebla und wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die Kathedrale wurde über eine lange Zeit gebaut und 1649 eingeweiht. Sie hat eine atemberaubende Architektur, viele Altäre und ist reich an Goldschmiedekunst. Was mich auch erstaunt hat, war, dass es 10 Beichtstühle gab, alle mit offenen Bereichen für die Beichtwilligen, so dass es keine Privatsphäre gibt, wenn Sünder ihre Sünden bekennen. Zwei waren zum Zeitpunkt unseres Besuchs im Einsatz und es gab eine Warteschlange für die Beichte, während die Touristen durch die Kirche zogen. Ein nach allen Seiten offener Beichtstuhl bietet nicht viel Privatsphäre f ür die Beichtenden. Als nächstes besuchten wir im St. Dominiques Tempel die Kapelle des Rosenkranzes, das achte Weltwunder. Diese Kapelle ist fast vollständig mit 24-karätigen Goldplatten bedeckt und gilt als Meisterwerk des neuen spanischen Barocks. Es wurde im 17. Jahrhundert zur Zeit des Vizekönigreichs errichtet, um Spanien und dem Rest der Welt die Pracht, den Reichtum und die Fülle Mexikos zu zeigen. Es wurde auch mit dem Ziel gebaut, der indigenen Bevölkerung in der Region den Rosenkranz nahezubringen. Die Kapelle wurde mit einheimischer Arbeitskraft gebaut, was die koloniale Machtdynamik widerspiegelt, bei der die Ureinwohner gezwungen waren, große religiöse Strukturen für die Spanier unter harten Formen von Zwangsarbeit zu bauen. Die Rosenkranzkapelle - ein Meisterwerk mit Gold überladen. Mehrere Busladungen von Touristen marschierten durch die Kapelle und bewunderten die goldenen Mauern und Ornamente. Wir hatten genug von Kirchenbesuchen. Obwohl die Kapelle des Rosenkranzes als Meisterwerk gilt, waren wir der Meinung, dass überladen war. Die katholische Kirche zeigte pompös so viel Gold und Reichtum, während viele ihrer Gläubigen litten und noch leiden. 31. Dezember 2025 ————- Pyramide von Cholula Hier einige Hintergrundinformationen Die Pyramide von Cholula befindet sich in Cholula, Mexiko, etwa 6 km westlich der Stadt Puebla. Sie wurde über viele Jahrhunderte hinweg ab etwa 300 v. Chr. von verschiedenen indigenen Kulturen erbaut, die sie veränderten und Schicht für Schicht aufbauten, wodurch sie zur größten Pyramide der Welt wurde. Die Pyramide war ein wichtiges religiöses Zentrum, das hauptsächlich dem mesoamerikanischen Gott Quetzalcoatl gewidmet war. Als die Spanier ankamen, waren die Pyramiden längst verlassen und von Erde und Gras bedeckt, sodass sie wie ein natürlicher Hügel aussahen. Die Spanier bauten ihre eigene Kirche (Nuestra Seniora de los Remedios) darauf, ohne zu wissen, dass sich darunter eine Pyramide befand. Im 20. Jahrhundert entdeckten Archäologen die Pyramide, indem sie Tunnel gruben. Heute ist die Pyramide von Cholula eine Mischung aus indigener Geschichte und Kulturgeschichte, die zeigt, wie verschiedene Kulturen im Laufe der Zeit denselben Ort geprägt haben. Quelle für Hintergrundinformationen: Chat Gpt und Wikipedia. ——————- An Silvester fuhren wir mit dem Bus nach Cholula, um die berühmten Pyramiden und die darauf erbaute Kirche zu besichtigen. Bevor wir die Stätte betraten, tranken wir eine Tasse Kaffee und eine Kanne weißen Tee in einem netten Café in der Nähe. Wir saßen an einem Tisch am Fenster und beobachteten das Treiben auf der Straße. Das Café war voll mit überwiegend einheimischen Touristen, viele saßen an Tischen auf der Terrasse, wo Gasheizungen für angenehme Wärme sorgten. Nach dieser kurzen Erfrischung machten wir uns auf den Weg zu den Sehenswürdigkeiten. Wir kamen an einem Handwerksmarkt vorbei, auf dem wollene Ponchos verkauft wurden. Ich war sehr versucht, einen zu kaufen und mich darin einzuwickeln, da es mit 10 Grad um 11 Uhr morgens sehr kalt war. Aber das ging nicht, da ich keinen Platz in meinem Gepäck hatte und ich aus der Wettervorhersage wusste, dass es später bis zu 23 °C warm werden würde. Ich musste die Kälte einfach noch ein wenig länger aushalten. Viele der Touristen besuchten die Kirche auf der Spitze der Pyramide. Wir wollten uns zuerst die Pyramiden ansehen. Wir machten uns auf den langen Weg dorthin. Unterwegs sahen wir einen Pfad, der den Hügel hinauf zur Kirche führte, und beschlossen, hinaufzugehen. Wir hatten im Internet ein Bild dieser Kirche mit dem Vulkan Popocatepetl im Hintergrund gesehen und wollten dieses Bild selbst nachstellen. Nach einem steilen Aufstieg und nachdem wir wieder zu Atem gekommen waren, gingen wir um die Kirche herum und versuchten, den genauen Ort zu finden, von dem aus das Foto aufgenommen worden war. Unmöglich! Wir hatten auf der einen Seite einen Blick auf den Vulkan Malinche und auf der anderen Seite auf die Vulkane Popocatepetl und Itzaccihuatl. Aber die Kirche passte zu keinem der Vulkane im Hintergrund. Das Foto musste mit einer Drohne aufgenommen und aus zwei verschiedenen Aufnahmen zusammengesetzt worden sein. Was für eine Täuschung! Wir waren auch enttäuscht, dass trotz des klaren Himmels die Gipfel aller drei Vulkane von Nebel und Wolken bedeckt waren. Unsere Sicht auf die Kirche Unserer Lieben Frau von den Heilmitteln - aber kein Vulkan in Sicht. Es gibt zu den Vulkanen eine schöne Legende mit einer Liebesgeschichte ähnlich wie Romeo und Julia: Iztaccíhuatl war eine Prinzessin, die sich in einen der Krieger ihres Vaters, Popocatepetl, verliebte. Der Kaiser schickte Popocatépetl in den Krieg nach Oaxaca und versprach, ihm Iztaccíhuatl zur Frau zu geben, wenn er zurückkehrte (wobei Iztaccíhuatls Vater davon ausging, dass er nicht zurückkehren würde). Iztaccíhuatl wurde fälschlicherweise erzählt, dass Popocatépetl im Kampf gefallen sei, und da sie diese Nachricht glaubte, starb sie vor Kummer. Als Popocatépetl zurückkehrte und seine Geliebte tot vorfand, brachte er ihren Leichnam zu einer Stelle außerhalb von Tenochtitlan und kniete sich neben ihr Grab. Die Götter bedeckten sie mit Schnee und verwandelten sie in Berge. Nach diesem Ausflug machten wir uns auf den Weg zur archäologischen Stätte der Pyramide. Die Hitze war nun unerträglich und wir schleppten uns über das weite, schattenlose Gelände. Nur ein Teil der Grabungsstätte ist freigelegt, doch es ist bereits sichtbar, wie verschiedene Kulturen die Pyramide im Laufe der Zeit erweitert hatten. Entlang des Weges gab es Info-Tafeln. Wir hatten gehofft, die Erkundungstunnel besuchen zu können, aber diese waren seit fünf Jahren geschlossen. Nach fast drei Stunden waren wir erschöpft und machten uns auf den Weg zurück. Auf dem Handwerksmarkt machten wir Halt, um einheimischen indigenen Jugendlichen in traditioneller Kleidung zuzusehen, die einen 20 Meter hohen Pfahl erklommen und sich an Taue gebunden dann kopfüber zu den Klängen von Trommeln und Flöten spiralförmig nach unten schwangen – ein unvergesslicher Anblick. Der fliegende Vogelmann - kopfüber Es war Zeit, den Bus zurück nach Puebla zu nehmen, was sich als schwieriger als erwartet herausstellte. Mit Google Maps und den Tipps einer Kellnerin im Café gingen wir aus der Stadt hinaus zu der Stelle, an der sich der Busbahnhof befinden sollte – nur um festzustellen, dass es in Cholula keinen Busbahnhof gibt. Stattdessen steht man an der Straße und winkt einen Bus heran. Wir versuchten dies eine Weile ohne Erfolg, bis uns eine Einheimische sagte, dass die Bushaltestelle etwa 20 Meter weiter war. An der richtigen Stelle hielt sofort ein Minibus. Ich nahm den letzten Platz ein, während Dave sich unbeholfen neben eine ältere Frau quetschte, die ein wenig Platz für ihn machte. Nur auf einer Pobacke sitzend und sich festklammernd wartete er, bis an der nächsten Haltestelle jemand ausstieg und endlich ein Platz für ihn frei wurde. Zurück in Puebla wollten wir Silvester mit einem Essen in einem schönen Restaurant feiern. Es war nicht leicht, ein schönes Restaurant zu finden. Die Restaurants, die ich im Internet ausgewählt hatte, waren entweder geschlossen, hatten private Feiern oder eine lange Warteliste. Die anderen waren nicht einladend. Schließlich fanden wir ein Restaurant in der Nähe des Theaterviertels. Es war in einem wunderschönen Kolonialgebäude mit Balkonen und hatte diesen etwas morbiden Charme. Und es war nicht nur ein Restaurant, sondern auch eine Karaoke-Bar. Die Atmosphäre war angenehm, aber es waren kaum Gäste da. Trotz der Kälte nahmen wir auf einem der Balkone Platz und bestellten Essen und Bier. Wir genossen unseren Aufenthalt und hofften, dass später, zur Feier des neuen Jahres, mehr Gäste kommen würden. Doch so lange konnten wir nicht warten. Wir waren sehr müde, gingen nach Hause, legten uns um 21:30 Uhr ins Bett und schliefen friedlich ins neue Jahr hinein. 01. Januar 2026 Wir wachten erfrischt auf und begannen, unsere Tagebücher zu schreiben. Unser Kolonialhaus ist dunkel und kalt. Als wir mittags hinausgingen, wurden wir von der Sonne geblendet und setzten uns auf eine Bank in die Sonne, um uns bei 23 °C aufzuwärmen. Himmlisch! Wir genossen die Wärme und die Sonne. Später schlenderten wir durch die Altstadt, machten Fotos, saßen auf Bänken in der Sonne und beobachteten das Treiben um uns herum. Auf der Suche nach einem Café, das am Neujahrstag geöffnet hatte, gingen wir ins Theaterviertel. Dort fanden wir eine goldene Statue eines Malers und eine Gruppe Mexikaner, die um sie herum für Fotos posierten. Das Theatercafé war geschlossen, ebenso wie viele andere. Wir bewunderten die schönen bunten Kolonialhäuser mit kleinen Balkonen und Geschäften mit Antiquitäten und Kunsthandwerk, aber es gab keine geöffneten Cafés. Dave machte ein Foto von mir vor einer Ausstellung mit Engelsflügeln. Das wird wahrscheinlich das einzige Mal sein, dass ich Engelsflügel trage, also wollte ich das Beste daraus machen. Schließlich fanden wir um die Ecke ein kleines Restaurant mit einer schönen Terrasse. Der Besitzer sagte, er habe die beste Auswahl an mexikanischem Kaffee. Und er hatte Recht, der Kaffee war ausgezeichnet, ebenso wie der Tee. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte uns, dass es an den Wochenendabenden lateinamerikanische Live-Musik auf der Terrasse seines Restaurants gebe. Also werden wir unseren letzten Abend in Pueblo in seinem Restaurant Rehilete verbringen. Der Besitzer brachte uns dann Mezcal-Proben zum Probieren. Sehr lecker, aber stark, und es stieg mir direkt in den Kopf. Wir verabschiedeten uns, setzten unseren Spaziergang fort und stießen auf einen Flohmarkt. Für jeden etwas auf diesem Flohmarkt Dort gab es viele interessante Dinge zu sehen: Schallplatten aller berühmten Rock- oder Latino-Bands, Schmuck, Edelsteine, Kameras und Objektive, Kunsthandwerk, Werkzeuge und vieles mehr, für jeden etwas. Ich kaufte einen blauen Achatstein, der, wie mir gesagt wurde, traditionell als Stein der Ruhe, Kommunikation und Harmonie gilt, der Stress reduziert und inneren Frieden fördert. Genau das, was ich brauche! Es wurde langsam spät und einige begannen bereits, zusammenzupacken. Und wir machten uns auf den Heimweg. 02. Januar 2026 Ich saß warm eingepackt im Bett und las die Nachrichten und meine E-Mails auf meinem iPad, als um 7:58 Uhr Daves Wecker klingelte. Warnung vor einem seismischen Notfall! Ein Erdbeben! Ich sprang schnell aus dem Bett und spürte, wie sich der Boden unter meinen Füßen bewegte. Beim Gehen schwankte ich wie betrunken hin und her. Es dauerte nur etwa 20 Sekunden. Wir gingen hinaus auf den Hinterhof, wo wir unsere Vermieterin trafen, und zusammen gingen wir auf die Straße, um andere zu treffen und zu erfahren, was los war. Höchstwahrscheinlich war aber zu dem Zeitpunkt schon alles vorbei. Nachdem eine Weile lang nichts passiert war, gingen wir zurück in unsere Wohnung, um Frühstück zu machen. Wie wir später erfuhren, hatte ein Erdbeben der Stärke 6,5 den Süden Mexikos in der Nähe dieser Pazifikküste im Bundesstaat Guerrero, etwa 400 km von uns entfernt, in der Nähe von Acapulco, erschüttert. Es gab keine unmittelbaren Berichte über Verletzte und Schäden. – Was für ein Glück! An diesem Tag gingen wir zur Aussichtsplattform im Park Los Fuertes de Loreto. Wir stiegen unter der brennenden Sonne einen langen Weg den Hügel hinauf (unsere einzige Bewegung im Moment). Bei einer Apotheke hielten wir an, um Sonnencreme zu kaufen. Die Aussichtsplattform ist Teil eines Vergnügungsparks und umfasst auch ein Stadion, das einst bei den Olympischen Spielen 1968 genutzt wurde. Wir waren sehr enttäuscht, da es keine Aussicht gab, da die umliegenden Bäume zu großen, mächtigen Bäumen herangewachsen waren, die die gesamte Aussicht versperrten. Wir konnten einen Teil der riesigen Stadt Puebla sehen, aber keinen Blick auf den Popocatepetl erhaschen. Laut Touristinformation gibt es auch eine Seilbahn, die zwischen zwei hohen Türmen verkehrt und mit einer großartigen Aussicht wirbt, aber diese Seilbahn war vor drei Jahren bis zum Abschluss der Reparaturarbeiten außer Betrieb genommen worden. Wir waren zutiefst enttäuscht und wollten zurücklaufen. Doch dann sprach ich mit einem der Fahrer der offenen Hop-on-Hop-off-Touristenbusse, und er sagte mir, er würde mit seinem Bus höher zum Mirador de Fuertes de Guadalupe fahren. Dort gebe es eine bessere Aussicht. Wir stiegen in den Bus und tatsächlich hatten wir einen besseren Blick auf Puebla, aber immer noch keinen Blick auf den Popocatepetl. Macht nichts! Wir genossen die kostenlose Fahrt hinunter in die Stadt und fuhren an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei, die wir zuvor zu Fuß besucht hatten. Nun sahen wir sie aus einer anderen Perspektive. Danach besuchten wir das Museum de la Revolución . Das Revolutionsmuseum in Puebla ist im Grunde das Familienhaus der Familie Serdan. Es ist ein großes Kolonialhaus mit einem Erdgeschoss, einem Obergeschoss und einem riesigen Innenhof in der Mitte. In den Räumen im Erdgeschoss sind noch die Originalmöbel der Familie aus der Zeit der Ereignisse ausgestellt, zum Beispiel im Wohnzimmer, in den Schlafzimmern, in der Küche und in den Badezimmern. In den anderen Räumen sind auf Plakaten die Ereignisse dargestellt, die zu dem Angriff führten, bei dem die beiden Brüder Serdan getötet und ihre Schwester Carmen verletzt wurden, sowie weitere Informationen über die politische Situation in Mexiko, die zum Aufstand und zum Beginn der Revolution im Jahr 1910 führte. Dieses Gemälde zeigt den Moment in dem die Militärs das Haus der Familie Serdan stürmen, Maximo Serdan erschossen wird und seine Schwester Carmen die Nachbarn zu Hilfe ruft. Es war sehr interessant, etwas mehr Einblick in die politische Situation Mexikos zu der Zeit zu bekommen, insbesondere anhand der Geschichten dieser einzelnen Familie, die Anhänger des Oppositionsführers Madero waren, der um den Wahlsieg betrogen wurde. Sie gelten auch heute noch als Helden der mexikanischen Bevölkerung. In Puebla sind wichtige Straßen nach ihnen benannt und Denkmäler halten ihre Erinnerung lebendig. Wir waren von der Ausstellung beeindruckt. Daves Bericht enthält weitere Informationen zum politischen und historischen Hintergrund der Ereignisse. 03. Januar 2026 Der Plan für heute war, nach Atlixco zu fahren, einer der magischen Städte Mexikos, etwa eine Stunde mit dem Bus von Puebla entfernt. Atlixco ist in der Tat eine reizende Stadt. Das Gemälde an der Seite des unten abgebildeten Hauses soll Kunden in eine Bar/Restaurant locken. Dieses Mal beschlossen wir, nicht zu Fuß durch die Stadt zu spazieren, sondern mit einem der offenen Touristenbusse zu fahren, um die interessantesten Sehenswürdigkeiten zu sehen. Für 150 mexikanische Pesos pro Person genossen wir die 90-minütige Fahrt. Wir cremten uns mit Sonnencreme ein, da die Sonne sehr stark schien, und los ging es. Die Fahrt auf dem Oberdeck ist schön, da man mehr sieht und eine andere Perspektive hat als zu Fuß. Allerdings ist es auch gefährlich, da viele Stromkabel tief hängen und wir größer sind als die meisten Mexikaner im Bus. Man musste die ganze Zeit aufmerksam sein und wir lernten schnell, wie man es vermeidet, von den Kabeln, Bäumen und Büschen geköpft zu werden, indem wir uns rechtzeitig duckten. Atlixco ist berühmt für seine riesigen Blumenarrangements bei Festlichkeiten. Abgesehen von der Weihnachtsbeleuchtung gab es in der Stadt nicht viele Blumenarrangements zu sehen, aber die erste Station unserer Tour war eine der vielen Gärtnereien, in denen Pflanzen gezüchtet und verkauft werden. Viele unserer mexikanischen Mitreisenden kauften Pflanzen, um sie mit nach Hause zu nehmen. Die nächste Station war ein Ort, an dem Schmuck aus Avocadokernen hergestellt wurde. Der Schmuck war nicht wirklich mein Geschmack, aber ich nahm mir Zeit, um einem der jungen Mädchen zuzusehen, wie sie Avocadokernstücke polierte, um sie für die Schmuckherstellung vorzubereiten. An diesem Ort wurde auch Mezcal (mexikanischer Schnaps) verkauft und wir durften ihn probieren. Er war gut und stark, und am Boden der Flasche war ein Skorpion, der durch sein Protein Kraft verleihen soll. Der Skorpion am Boden der Flasche gibt dem Mezcal das gewisse Etwas Danach gingen wir zu einem Ort, an dem eine Reihe riesiger Weihnachtsdekorationen für Veranstaltungen ausgestellt waren. Das war nicht wirklich unser Ding, aber es war ziemlich lustig und wir posierten für Fotos und genossen die Fahrt mit dem offenen Bus durch die Straßen von Atlixco. Weihnachten im mexikanischen Stil Danach gingen wir einen Kaffee/Tee trinken und aßen ein Stück frisch gebackenes Pan de Elote (ein Kuchen aus frischem Mais, nicht aus Maismehl). Lecker! Etwas Neues, auf das man achten sollte! Dann war es Zeit, den Bus nach Puebla zurück zu nehmen. Wenn wir dieses Jahr dem ganzen Weihnachtsrummel entfliehen wollten, ist uns das nicht gelungen. Ich hätte es besser wissen müssen, denn Mexiko ist, wie auch die anderen lateinamerikanischen Länder, sehr religiös und Weihnachten wird dort groß gefeiert. Überall gab es funkelnde Weihnachtsdekorationen. In einigen Geschäften konnte man lebensgroße Figuren von Maria und Josef und einem Esel kaufen. Ein Geschäft hatte kleine Jesuskinder in allen Größen und Hautfarben im Angebot. Such dir dein Jesuskind aus! Für jeden war etwas dabei. Selbst jetzt, Anfang Januar, standen auf vielen Plätzen Männer, die als Weise (die drei Heiligen Könige) verkleidet waren. Sie brachten keine Geschenke mit, sondern ließen sich gegen eine kleine Gebühr mit Kindern oder anderen Interessierten fotografieren. Ich fragte mich, was Micky Maus und Elefanten mit Bethlehem zu tun hatten, aber wer weiß das schon. Micky Maus und Elefant in Bethlehem? Anscheinend ist das Fest der Heiligen Drei Könige sehr wichtig. Es markiert das Ende der Weihnachtszeit. Kinder bekommen Geschenke, es gibt Paraden mit vielen funkelnden Lichtern und Menschen mit glitzernden Kronen ziehen durch die Straßen der Innenstadt. Das wird noch bis zum 6. Januar so weitergehen. Ich persönlich werde froh sein, wenn der Weihnachtsrummel vorbei ist und wieder Ruhe und Frieden einkehren. Es war unser letzter Abend in Puebla und wir gingen zurück ins Rehilete Restaurant, um in seinem schönen Innenhof zu Abend zu essen. Der Besitzer empfahl uns als Vorspeise Guacamole mit Chapulines (das sind frittierte Heuschrecken), offenbar eine lokale Delikatesse. Sie waren lecker, ebenso wie der Rest des Essens. In der Zwischenzeit hatte die Band, bestehend aus zwei Gitarristen, begonnen, bekannte lateinamerikanische Musik zu spielen und zu singen. Die beiden spielten sehr gut zusammen, die Atmosphäre im Innenhof war auch sehr angenehm, wir haben uns sehr wohl gefühlt. Es war ein perfekter Abschluss unseres Aufenthalts in Puebla. Am nächsten Tag wollen wir nach Oaxaca weiterreisen, eine fünfstündige Busfahrt. —————— Dave 30. Dezember 2025 Da es draußen kalt und bewölkt war, verbrachten wir den Vormittag mit Recherchen und der Arbeit an unserem Blog. Auch drinnen war es kalt, und wir hatten unsere Fleecejacken an. Am Nachmittag gingen wir zu Fuß zum Automobilmuseum Puebla (Museo del Automóvil Puebla), einem Museum, das sich der Geschichte und Entwicklung des Automobils widmet, mit Schwerpunkt auf Oldtimern und Klassikern sowie der sozialen und technologischen Entwicklung der Automobilkultur. Die Dame am Eingang war unfreundlich und nicht sehr zuvorkommend. Als ich nach dem Seniorenrabatt fragte, von dem ich im Internet gelesen hatte, erhielt ich eine knappe Antwort. Nein! Der Eintrittspreis von 70 MX$ hatte sich mehr als verdoppelt. Die Ermäßigungen für Studenten und Kinder gab es nicht mehr. Außerdem wurde in der Werbung mit dem Eintrittspreis ein herrlicher Ausblick vom Dach über Puebla und auf die entfernten Vulkane geworben. In Wirklichkeit musste man jedoch eine zusätzliche Eintrittskarte kaufen, wenn man auf das Dach wollte. Auch wenn man Fotos machen wollte, selbst mit dem Handy, kostete das zusätzlich 100 MX$. Wir entschieden uns für das Basispaket. Das 1996 gegründete Museum entstand aus der jahrzehntelangen Begeisterung der Einheimischen für Automobile. Seine Aufgabe ist es, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Automobilbaus zu präsentieren und dabei die Rolle Pueblas in der Entwicklung der mexikanischen Automobilindustrie hervorzuheben. Das Museum arbeitet mit lokalen Sammlern und Clubs zusammen, um eine wechselnde Ausstellung historischer Fahrzeuge zu präsentieren. Das Museum beherbergt 66 Fahrzeuge, von einer Pferdekutsche aus dem 19. Jahrhundert bis hin zu modernen Autos. Zu den bemerkenswerten Exponaten gehören ein gut erhaltenes Ford Model T und ein seltener Opel Kapitän von 1939 – ein Modell im Art-Déco-Stil, das als einzigartig gilt, da seine Produktionsstätte während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde. Ein 1953er MG TF - ein Traumauto Wir betraten das Museum und folgten der gelben Linie durch die Ausstellung. Alle Fahrzeuge standen dicht gedrängt und waren mit Seilen abgesperrt, sodass man nicht um sie herumgehen konnte, da ohnehin kein Platz dazwischen war. Es gab viele alte amerikanische Autos, die jede Menge Erinnerungen an amerikanische Filme der 1940er und 1950er Jahre weckten. Besonders interessant war ein alter MG TF und daneben zwei alte Austin Cooper S. Es gab auch einen Ford Ka Rennwagen, der für Lisa besonders interessant war, da sie das Basismodell besessen hatte. Als wir uns dem Ende unserer Tour näherten, sahen wir eine Dame mit einem Staubtuch, die einige Exponate abstaubte. Es war sicher eine ziemlich große Aufgabe, all diese Fahrzeuge abzuwischen und auf Glanz zu halten. Wir verließen das Museum, um andere Sehenswürdigkeiten im Stadtzentrum zu erkunden. Wir stießen auf eine Bibliothek, die auch ein Café war, und setzten uns in den offenen Innenhof, um einen Kaffee zu trinken. Da es ziemlich kalt und zugig war, blieben wir nicht lange. Anschließend besuchten wir die berühmtesten Kirchen der Stadt. Die erste war die Kathedrale von Puebla. Die Kathedrale von Puebla (Catedral de la Inmaculada Concepción) wurde ab 1575 erbaut und 1649 geweiht. Sie befindet sich auf dem Zócalo und ist eine Kathedrale im Renaissancestil mit barocken Elementen, die sich durch ihren schlichten grauen Stein, ihre beiden 69 Meter hohen Glockentürme und ihren neoklassizistischen Hauptaltar von Manuel Tolsá auszeichnet. Sie ist das architektonische und spirituelle Zentrum der historischen Innenstadt von Puebla, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Eine imposante Kathedrale scheint angesichts der Besucherzahlen sehr beliebt zu sein. Puebla muss eine Stadt der Sünder sein, denn wir haben 10 Beichtstühle gezählt. Außerdem gibt es große gelbe Fußabdrücke, die vom Haupteingang zum Zentrum der Kathedrale führen, vermutlich um eine ordentliche Schlange für die Beichtwilligen zu bilden. Ein paar Blocks von der Kathedrale entfernt befindet sich die Rosenkranzkapelle (Capilla del Rosario) in der Kirche Santo Domingo in Puebla, Mexiko, die als eines der größten Meisterwerke der mexikanischen Barockkunst gilt und oft als „das achte Weltwunder” bezeichnet wird. Goldkarat zum Exzess Sie wurde von 1650 bis 1690 erbaut, 1690 geweiht und der Jungfrau Maria vom Rosenkranz gewidmet, was die Verehrung der Dominikaner widerspiegelt. Im Inneren wurden großzügig 24-karätiges Blattgold, Onyx, Marmor und polychromer Stuck verwendet. Warum ist sie berühmt? Das Innere ist vollständig mit aufwendigen vergoldeten Verzierungen mit Säulen, Engeln, Blumenmotiven und symbolischen Darstellungen bedeckt, die alle mit dem Rosenkranz in Verbindung stehen. Die Decke stellt den Himmel dar, wobei Licht und Gold ein überwältigendes Gefühl von Strahlkraft und Bewegung erzeugen. Sie markierte einen Wendepunkt in der Kolonialkunst und zeigte den Reichtum und den künstlerischen Ehrgeiz Neuspaniens. Ich bin kein religiöser Mensch, aber diese Kapelle ist einfach übertrieben prunkvoll. Sie wurde von den Ureinwohnern erbaut, die so viel Mühe in das Schnitzen und Formen solch aufwendiger Symbole und religiöser Artefakte gesteckt haben, um sie dann mit 24-karätigem Blattgold zu überziehen, dass man es kaum glauben kann. Die Azteken glaubten, dass Gold der Kot der Sonne und Silber der Kot des Mondes sei, also nur ein wertloses Nebenprodukt. Warum legte die Kirche so viel Wert auf Gold? In ganz Mittel- und Südamerika ist die katholische Kirche allgegenwärtig. Die indigene Bevölkerung wurde in die Kirche gedrängt, wird dabei aber ausgebeutet. Es erscheint heuchlerisch, dass die katholische Kirche den Gläubigen so viel abverlangt, während der Vatikan, der als spirituelles und administratives Zentrum der römisch-katholischen Kirche dient, so viel Reichtum besitzt. Von dort aus machten wir einen gemütlichen Spaziergang um den Zocalo auf dem Weg zurück nach Hause, wo wir das Abendessen kochten. Die Tage sind warm, aber die Nächte sind kühl. Unsere Wohnung wäre ideal, um uns in den Sommermonaten kühl zu halten, aber zu dieser Jahreszeit ist es kalt, sehr kalt. 31. Dezember 2025 Es ist Silvester und wir sind auf dem Weg nach Cholula. Die Sonne scheint, es sind 11 °C und um 10:45 Uhr fahren wir vom Busbahnhof in Puebla in einem ziemlich holprigen alten Bus los. Die Busfahrt kostet 10 mexikanische Pesos pro Person, etwa 41 Pence, und dauert etwa 30 Minuten. Wir stiegen aus dem Bus und gingen 15 Minuten zu Fuß, um den Pyramidenkomplex zu erreichen. Bevor wir den Komplex betraten, tranken wir einen Kaffee in einem sehr schönen Café. Von dort aus gingen wir um den Sockel der Pyramide herum zum Eingang. Wir kamen zu einer Steintreppe, die zu der auf der Spitze der Pyramide erbauten Kirche Nuestra Señora de los Remedios, der Kirche Unserer Lieben Frau von den Heilmitteln, führt. Es gab viele Steinstufen, die nach oben führten, und in der Sonne war es heiß, so heiß wie noch nie seit unserer Ankunft in Mexiko. Wir hatten aus dem Internet ein Foto heruntergeladen, auf dem im Vordergrund die Kirche und im Hintergrund ein Vulkan zu sehen war. Wir suchten nach dem Ort, von dem aus das Foto aufgenommen worden war. Wir konnten ihn nicht finden. Das Foto musste eine Fälschung sein, eine Kombination aus zwei Fotos, einem von der Kirche und einem vom Vulkan! Dies ist das gefälschte Foto, das vom Fremdenverkehrsamt zu Werbezwecken verwendet wird. Nachdem wir die Aussicht auf die umliegenden Vulkane, die nun in Wolken gehüllt waren, und auf Puebla in der Ferne bewundert hatten, gingen wir die Stufen wieder hinunter zum Eingang der archäologischen Stätte. Es war heiß und die Sonne schien stark, sodass wir Hüte tragen mussten. Diese Stätten in Mexiko sind beeindruckend, aber nach einer Weile werden die Augen müde und man kann nichts mehr aufnehmen. Die archäologische Stätte der Pyramide mit der Kirche im Hintergrund. Wir erreichten das Ende, verließen die archäologische Stätte und gingen die kurze Strecke zum Kunsthandwerksmarkt, wo wir uns mit einem Fotografen und seiner Frau unterhielten. Er war ein pensionierter Pilot und seine Frau eine Flugbegleiterin bei AeroMexico. Wir blieben länger als geplant, weil wir eine Gruppe traditionell gekleideter Indigener fotografierten. Es gab einen 20 Meter hohen Pfahl mit einem Holzrahmen an der Spitze und vier herunterhängenden Seilen. Sechs der Indigenen, von denen einer einen Vogelschnabel und einen Federkranz an jedem Arm trug, küssten die Basis des Pfahls, kletterten dann über Metallsprossen den Pfahl hinauf und setzten sich auf den Holzrahmen. Der Vogelmann stand ganz oben auf dem Pfahl zwischen den anderen fünf, die auf dem Rahmen saßen, und tanzte. Was auch immer du tust, schau nicht nach unten! Der Vogelmensch kletterte von der Spitze des Pfahls herunter, dann befestigten er und drei andere Seile an ihren Knöcheln und hängten sich kopfüber a den Holzrahmen. Der Rahmen begann sich langsam zu drehen, und dabei senkte sich das Seil, und als das Seil länger wurde, schwangen sie nach außen, bis sie den Boden erreichten, und als sie das taten, rutschten die beiden übrigen an den Seilen hinunter. Die anderen Mitglieder der Gruppe, die nicht auf den Pfahl geklettert waren, drängten sich in der Menge und hielten ihre Hüte für Geld hin. Wir gaben ihnen etwas: Es war ein beeindruckendes Spektakel. Danach machten wir uns auf den Weg um einen Bus zu finden, der uns zurück nach Puebla bringen würde. Später gingen wir aus, um Silvester auf mexikanische Art zu feiern. Es war 19:00 Uhr, als wir uns auf die Suche nach einem Restaurant machten. Es war kalt und wir mussten unsere Fleecejacken anziehen. Alle Restaurants, in die wir gehen wollten, waren voll, geschlossen oder hatten Warteschlangen von Leuten, denen gesagt worden war, dass die Wartezeiten zwischen 30 Minuten und einer Stunde betragen würden. Wir schlenderten herum, aber die Lokale, die wir fanden, gefielen uns nicht, wie zum Beispiel chinesische oder koreanische Restaurants – schließlich waren wir in Mexiko – oder die vielen Straßenimbisse und Fastfood-Läden. Schließlich fanden wir einen Ort mit wenigen Gästen, der aber eine gewisse Atmosphäre hatte. Wir gingen hinein und saßen im ersten Stock, auf einem eigenen Balkon mit Blick auf den Platz darunter. Das Bier war gut, das Essen mittelmäßig, aber essbar. Nachdem wir fertig waren, schlenderten wir durch die Straßen, aber der Wind hatte aufgefrischt und es wurde noch kälter, also gingen wir nach Hause. 01. Januar 2026 Wir verließen unser Airbnb gegen 12:30 Uhr, da wir den Vormittag damit verbracht hatten, an unseren Computern zu arbeiten. Drinnen war es eiskalt, und als wir nach draußen kamen, waren wir erstaunt, wie warm sich die Sonne auf unseren Körpern anfühlte, und wir saßen etwa 15 Minuten lang auf einer Bank und wärmten uns bei 23 °C auf. Wir schlenderten weiter durch den Zocalo, nahmen einfach die Atmosphäre in uns auf und kehrten an die Orte zurück, an denen wir in den letzten Tagen gewesen waren. Es war eine wahre Freude, in der warmen Sonne herumzulaufen, interessante Orte zum Fotografieren zu finden und die Atmosphäre zu genießen. Es wird kalt nachts in Puebla bis dann so gegen 11 Uhr die Sonne das Land aufwärmt. Da das Herumschlendern anstrengend ist, machten wir eine Kaffeepause und fanden ein wunderbares Café/Restaurant namens Rehilete. Wir unterhielten uns mit dem Besitzer, der uns erzählte, dass es am Wochenende abends Musik gibt. Unsere letzte Nacht in Puebla ist Samstag, also reservierten wir einen Tisch im Restaurant für 19:30 Uhr. Das Rehilete war zwar klein, aber es hatte eine tolle Atmosphäre und wir fühlten uns dort wohl. Der Besitzer gab uns kleine Gläser Mescal (mexikanischer Schnaps) zum Probieren. Auch wenn die Gläser klein waren, machte der Mescal uns in der Nachmittagshitze ein wenig schwindelig. Dann schlenderten wir noch durch die Seitenstraßen, bevor wir nach Hause gingen. 02. Januar 2026 Ich war um 6 Uhr aufgestanden und saß an meinem iPad, um mich über die Nachrichten und E-Mails zu informieren und dann mein Tagebuch zu schreiben. Mein Telefon begann zu piepen, weil es einen Erdbebenalarm empfing. Es war eine Erdbebenwarnung. Aus einer Nachrichtenseite von India Today: Um 7:58 Uhr erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,3 den mexikanischen Bundesstaat Guerrero und versetzte die Bewohner in Panik, die aus den Gebäuden stürmten. Beamte gaben an, dass weder in Guerrero noch in der Hauptstadt Mexiko-Stadt größere Schäden gemeldet wurden. Wir gingen auf den Hinterhof und die Eigentümerin unserer Wohnung riet uns, auf die Straße zu gehen, bis es wieder sicher war, zurückzukehren. 5 Minuten später erhielten wir Entwarnung und kehrten alle zurück. Wir verließen unser kaltes Airbnb um 11:15 Uhr und gingen zum Zócalo, um uns aufzuwärmen, wo wir etwa 20 Minuten lang auf einer Bank in der Sonne saßen. Dann gingen wir etwa zwei Meilen zum Aussichtspunkt Mirador de los Fuertes. Auf dem Weg dorthin war es sehr heiß; wir stiegen einen steilen Hügel hinauf und erreichten den Mirador de los Fuertes, aber es war enttäuschend, da die Aussicht auf die beiden Vulkane größtenteils durch Bäume versperrt war, und wo war der dritte Vulkan? Lisa fragte einen der vielen Touristenbusfahrer, wo man am besten Fotos von den Vulkanen machen könne. Er sagte uns, dass der Bus noch etwas höher fahren würde und es dort eine bessere Aussicht gebe. Also stiegen wir in seinen Bus, setzten uns oben auf den offenen Doppeldecker, und der Bus fuhr uns zurück in die Stadt, wobei er an verschiedenen Sehenswürdigkeiten hielt, damit die Leute Fotos machen konnten. Der Bus hielt neben dem Zocola, und wir mischten uns unter die anderen, die ausstiegen. Ein kostenfreier Trip! Keine Aussicht auf die Vulkane, aber eine kostenlose Fahrt im offenen Doppeldecker Touristenbus zurück in die Stadt. Danach besuchten wir das Museum der Revolution. ——- Museo de la Revolucion von Puebla . Museum der Revolution, Puebla. Das Haus liegt nur ein paar Blocks vom Zócalo von Puebla entfernt. Die mexikanische Revolution begann am 18. November 1910 im Haus der Familie Serdán in Puebla. Aquiles und Máximo Serdán, ihre Schwester Carmen und eine kleine Gruppe von Anhängern erhoben sich wenige Tage vor dem geplanten nationalen Aufstand gegen die Diktatur von Porfirio Díaz. Nachdem ein versehentlicher Schuss die Behörden alarmiert hatte, wurden sie von der Polizei umzingelt. Máximo wurde bei den Kämpfen getötet, Aquiles wurde verwundet, versteckte sich unter dem Haus, wurde später gefunden und erschossen. Carmen kämpfte vom Balkon aus und rief die Nachbarn dazu auf, sich ihnen anzuschließen. Obwohl der Aufstand scheiterte, markierte er den Beginn der Revolution. Die Motivation der Serdáns lag nicht nur in politischen Idealen (Aquiles war ein Anhänger des Oppositionsführers Madero), sondern auch in ihren Lebenserfahrungen. Einst wohlhabend, war ihre Familie durch Betrug (Veruntreuung durch ihren Buchhalter) ruiniert und in Armut gestürzt worden, was Aquiles' Sympathie für die Armen prägte. Unter Díaz litten weite Teile der Bevoelkerung Mexikos – insbesondere Arbeiter und indigene Völker – unter extremer Ausbeutung, darunter Zwangsarbeit, Landenteignungen und blutige Unterdrückung von Streiks. In diesem Zusammenhang spiegelte das Opfer der Serdáns eine breitere Revolte gegen die Ungerechtigkeit in einer Gesellschaft wider, in der für viele die Freiheit wirklich mehr wert schien als das Leben. Dank an: Los Serdán, eine Broschüre von Donato Cordero Vázquez. —————— Dieses Gemälde zeigt, wie Aquiles Serdan von Soldaten erschossen wurde als er aus seinem Versteck heraus kam. Die Einschusslöcher in der Fassade des Hauses der Familie Serdan sind noch immer vorhanden und eine eindringliche Erinnerung an die Vergangenheit. 03. Januar 2026 Heute ist unser Ziel Atlixco. Wir sind um 10 Uhr aufgebrochen und waren froh, aus unserer kalten Wohnung in die warme Sonne zu kommen, sodass wir unsere Fleecejacken ausziehen konnten. Gestern Abend gab uns das freundliche Personal im Tourismusbüro eine Karte und markierte die Kreuzung, an der wir den Minibus 25 anhalten sollten, der uns zum Busbahnhof von Atlixco bringen würde. Wir gingen dorthin, warteten und hielten drei Minibusse der Linie 25 an, aber jeder Fahrer sagte, dass er nicht dorthin fahre. 25 Minuten später versuchte ich, einen Uber zu rufen, und als ich gerade dabei war, zu buchen, kam ein Taxi vorbei, das ich anhielt. Es kostete 100 MX$. An der Bushaltestelle kauften wir zwei Einzelfahrkarten für 90 MX$. Die meisten Mexikaner reisen mit dem Bus, und ihre Busbahnhöfe sind modern und funktionieren effizient. Innerhalb von fünf Minuten kam unser Bus. Es gab keine Sitzplatzreservierungen, nur eine geordnete Warteschlange, und jetzt um 10:30 Uhr sind wir unterwegs. Wir stiegen am Busbahnhof aus und schlenderten durch die Straßen dieser geschäftigen Stadt. Die Straßen waren mit Blumen und bunten Weihnachtsgirlanden geschmückt. Wir machten Fotos, tranken den schlechtesten Kaffee, den ich je in einem Café getrunken habe, und gingen dann zurück zum Zocalo. Flower Power in Atlixco Wir nahmen einen Touristenbus, der uns zu einigen Sehenswürdigkeiten bringen sollte für 150 MX$ pro Person. Wir sitzen auf dem Oberdeck eines offenen Oldtimer-Touristenbusses. Die Tour ist ein bisschen kitschig. Trotzdem ist es schön, durch die Stadt chauffiert zu werden. Die Aussicht von oben ist großartig, aber man muss vorsichtig sein, da wir Stromkabel, Äste und verschiedene Weihnachtsdekorationen wegschlagen müssen, die an den Spitzen der Masten befestigt sind, zwischen denen die Stromkabel gespannt sind. Wir halten zuerst bei einer Gärtnerei namens Xalpatlaco. Als Nächstes halten wir erneut, um einen Hersteller von Kosmetika und Schmuck aus Avocadokernen zu besuchen. Wir hören uns die unvermeidliche Lobeshymne auf die Vorzüge ihrer Produkte an und bekommen fingerhutgroße Gläser mit Mezcal serviert. Im Flaschenboden befindet sich ein Skorpion. Wir fahren weiter, schieben erneut Äste und Kabel aus dem Weg und steigen an einem Ort aus, den ich für einen Weihnachtsmarkt halte. Allerdings handelt es sich nicht um einen Weihnachtsmarkt im eigentlichen Sinne, sondern um eine Weihnachtsfeier, die sich an Kinder richtet. Es ist auch eine Werbeaktion für das Unternehmen, das die Stadt mit Weihnachtsdekorationen versorgt. Im Inneren gibt es alle möglichen Weihnachtsfiguren und Tiere. In einem Bereich gibt es ein Thema, das auf dem mexikanischen Tag der Toten basiert, aber mit einem weihnachtlichen Touch. Wir sind etwa 30 Minuten lang drinnen, und es gab auch eine Warteschlange, um hineinzukommen. Von dort aus ist es nur eine kurze Fahrt zurück zu unserem Ausgangspunkt, dem Zócalo. Wir sitzen auf den hinteren Sitzen des Busses und ich bin fasziniert davon, wie die Leute vor uns sich ducken und dann wieder aufrichten, ähnlich wie bei einer Mexiko-Welle, um nicht von den Stromkabeln und Lichterketten, die über die schmalen Straßen gespannt sind, geköpft zu werden. Schnelle Reaktion und ducken ist angesagt, sonst kann es bitter werden. Nach unserer Tour trinken wir einen Kaffee auf dem Zócalo und werden regelmäßig von „Gitarristen” und „Sängern” unterhalten, denen man gerne Geld zahlen würde, damit sie verschwinden. Um 15:00 Uhr betrug die Temperatur 27 °C und es fühlte sich wärmer an als in Puebla, vielleicht weil Atlixco 400 m tiefer liegt als Puebla mit seinen 2200 Metern. Wir tranken unseren Kaffee aus und schlenderten gemächlich durch die belebten Straßen zum Busbahnhof, wo wir den Bus 1600 zurück nach Pueblo nahmen. Wir dachten, der Bus würde uns an der Busstation absetzen, von der aus wir gestartet waren, aber er setzte uns an der Endhaltestelle ab, an der wir aus Mexiko-Stadt angekommen waren, sodass wir ein Taxi zurück nehmen mussten. Leider gab es eine lange Warteschlange und wir mussten 30 Minuten warten. Es war das Ende der Weihnachtsferien, und im Zentrum von Puebla fanden Prozessionen statt, sodass Taxis Mangelware waren. Als unser Taxifahrer unser Ziel erfuhr, weigerte er sich zunächst, uns zu fahren, weil er sagte, das Zentrum würde im Stau stecken. Lisa gelang es jedoch, ihn zu überreden, uns so weit wie möglich in die Nähe des Zentrums zu bringen. Wir stiegen am Mercado de Sabores aus, den wir gut kannten, da Lisa dort die schwarzen Bohnen gekauft hatte, aber das bedeutete einen langen Fußmarsch zurück zu unserer Wohnung über überfüllte Gehwege und verstopfte Straßen. Der Zocalo war absolut überfüllt mit Menschen, die das Ende der Feiertage feierten und auf den Beginn der Prozessionen warteten. Später am Abend gingen wir ins Restaurant Rehilete und bestellten Bier. Die Biersorte hieß Rivadavia. Das Musikduo kam und begann zu spielen. Wir saßen draußen unter großen Sonnenschirmen und bestellten typisch mexikanisches Essen und Guacamole mit kleinen Heuschrecken. Uns wurde gesagt, dass die jungen Heuschrecken am leckersten seien. Das Essen war gut, ebenso wie die Musik. Ein schöner Abschluss unseres Aufenthalts in Puebla. 1. Mexico City 25.-28.12.2025 Lisa: 25. Dezember 2025 Nach einem turbulenten, aber ansonsten ereignislosen Flug kamen wir am Weihnachtsmorgen um 3 Uhr morgens sicher am internationalen Flughafen von Mexiko-Stadt an – 90 Minuten vor der geplanten Ankunftszeit. Die Einreise verlief reibungslos und während wir auf unser Gepäck warteten, kam eine Grenzbeamtin mit einem Spürhund vorbei, der seine Runde drehte. Der Hund blieb vor einer Mutter stehen, die ihr Baby mit einer Banane fütterte. Der Hund fixierte die Banane mit seinem Blick, saß ruhig da, leckte sich die Lippen und hoffte offensichtlich auf einen Bissen. Für einen kurzen Moment schien es, als stünden sein beruflicher Instinkt und sein persönliches Interesse im Widerspruch zueinander. Aber es wurde ihm keine Banane angeboten. Er wurde ruhig, aber bestimmt weggeführt und an seine Aufgabe erinnert. Das Uber-Taxi brachte uns schnell zu unserem Hotel. Während wir darauf warteten, dass unser Zimmer vorbereitet wurde, machten wir um 5 Uhr morgens einen Spaziergang durch die dunklen, verlassenen Straßen des Stadtteils Roma. Es tat gut, sich zu bewegen, nachdem wir stundenlang in der „Grasshopper-Klasse” des Flugzeugs festgesessen hatten. Wir fanden einen 24-Stunden-Supermarkt von 7/Eleven und gönnten uns eine dringend benötigte Tasse Kaffee bzw. Tee. Es scheint, als könnten wir den Jetlag nicht mehr so gut überwinden wie früher. Müde, aber stoisch schleppten wir uns die nächsten Tage durch Mexiko-Stadt, entschlossen, die Atmosphäre dieser riesigen Metropole in uns aufzunehmen, ob unser Körper nun mitmachte oder nicht. Es tat gut, wieder hier zu sein. Das letzte Mal waren wir vor neun Jahren hier, was gerade lang genug ist, um fast alles zu vergessen. Die nächsten Tage verbrachten wir damit, neu zu lernen, wie diese Stadt tatsächlich funktioniert. Wir fuhren mit der Metro, dem Metrobus und gingen zu Fuß. Wir schlenderten durch das historische Zentrum mit seinen vielen Museen, Galerien und Fotogalerien, schoben uns durch die Menschenmassen auf den belebten Straßenmärkten hinter dem Nationalpalast und spazierten durch die attraktiven Viertel Roma und Condesa. Wir besuchten sogar den TAPO-Busbahnhof, um Tickets für unsere Weiterfahrt nach Puebla am Sonntag zu kaufen, und führten eine vollständige Probefahrt durch, um sicherzustellen, dass sowohl wir als auch unser Gepäck am Tag unserer Reise eine reibungslose Fahrt haben und pünktlich ankommen würden. Unterwegs fiel uns auf, dass viele der Familien, die wie wir unterwegs waren, warme, bunte Weihnachtspullover trugen. Natürlich – es war Weihnachten, und schließlich ist hier Winter. Die Nachttemperaturen fallen auf etwa fünf Grad, während die Tagestemperaturen mittags auf 15 Grad und am Nachmittag auf 20 Grad steigen. Sich angemessen zu kleiden, ist eine Herausforderung und erfordert Vorbereitungen für fast alle vier Jahreszeiten an einem Tag: Zwiebelsystem ist angesagt. Zum Glück müssen wir uns jetzt nicht stressen, um so viele Sehenswürdigkeiten wie möglich zu sehen, da wir in den nächsten Monaten mehrmals nach Mexiko-Stadt zurückkehren werden – mit mehr Zeit und entspannter. 27. Dezember 2025 Heute war ein Tag, an dem nichts geklappt hat. Zuerst sind wir zum Café/Bibliothek "Liberia El Pendulo" gegangen, um uns die Musikband anzuhören, die dort samstags vormittags immer spielt, nur um zu erfahren, dass sie heute erst ab 11 Uhr auftritt. Wir konnten nicht so lange warten und sind zum Palacio Nacional gegangen, um Diego Riveras Wandgemälde anzusehen und zu fotografieren, nur um zu erfahren, dass die Tickets für heute ausverkauft sind. Das war schon das zweite Mal, am Vortag waren sie auch ausverkauft gewesen. Der Palacio Nacional öffnet um 10 Uhr, und um 10.30 Uhr gibt es schon keine Tickets mehr für den Tag? Lächerlich! Es gibt keine Online-Vorbestellung von Tickets. Die Leute stehen schon ab 7 oder 8 Uhr morgens Schlange, um Tickets zu bekommen. Nachdem ich mich beruhigt hatte, sprach ich noch einmal mit der Ticketverkäuferin. Anscheinend ist es in der Weihnachtszeit besonders voll, ab Mitte Januar soll es besser werden, aber sie empfahl mir, am besten unter der Woche von Dienstag bis Donnerstag zu kommen. Da das historische Zentrum überfüllt war, beschlossen wir, das "Museum der Erinnerung und Toleranz" zu besuchen. Wir hatten erwartet, dass heutzutage nicht mehr viele Menschen an der Thematik dieses Museums interessiert wären, aber wir wurden eines Besseren belehrt. Viele Menschen hatten die gleiche Idee wie wir. Die Ausstellung war interessant und regte zum Nachdenken an. Der Abschnitt über Völkermorde zeigte detailliert die Gräueltaten, die Nazi-Deutschland an Menschen begangen hatte, die in irgendeiner Weise als „anders“ galten: Juden und andere Minderheiten, körperlich oder geistig behinderte Menschen, Homosexuelle und andere. In der Ausstellung wurde deutlich, dass diese Gräueltaten nur geschehen konnten, weil viele Menschen entweder aktiv daran teilnahmen, gleichgültig blieben oder aus anderen Gründen nichts dagegen unternahmen. Die Message dieses Displays: Viele Menschen kehren solchen Graueltaten den Rücken zu oder sind indifferent. Nur wenige sehen der Realität ins Auge und unternehmen etwas dagegen. Die Ausstellung umfasste auch neuere Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Beispiele für religiöse, ethnische und andere Formen der Intoleranz, unter anderem in Armenien, Guatemala, Kambodscha, Ex-Jugoslawien, Darfur und Myanmar. Es wäre sehr interessant gewesen, mehr über diese neueren Ereignisse zu erfahren, aber diese Informationen waren knapp und zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits überfordert. Die Ausstellung ging auch noch weiter. Der letzte Teil war der Toleranz und Vielfalt gewidmet. Er behandelte verschiedene Formen der Diskriminierung, die Macht der Medien und Hassreden sowie die Vorteile der Vielfalt. Wir verbrachten fast vier Stunden in diesem Museum. Es war eine ernüchternde, aber dennoch tief bewegende Ausstellung, und wir waren froh, dass wir uns die Zeit für den Besuch genommen hatten. Auf dem Heimweg besuchten wir, obwohl uns noch der Kopf schwirrte, eine interessante Fotoausstellung im "Centro de Imagen" und erfuhren etwas über „100 Jahre Leica und ihre Verbindung zu Lateinamerika”. Danach waren wir erschöpft und machten uns auf die Suche nach typisch mexikanischem Essen und Trinken, um uns von den Stunden des Herumlaufens zu erholen. Prosit! Ein wohlverdientes Bier nach dem anstrengenden Tag. Dave 25. Dezember 2025 Unsere Flugzeit betrug 12 Stunden und unsere geplante Landezeit am Terminal T2 in Mexiko-Stadt war 04:30 Uhr. Der Flug war ausgebucht, das Essen ließ zu wünschen übrig und wir landeten um 03:00 Uhr, 90 Minuten früher als geplant. Es gab ein Problem beim Aussteigen, dessen Behebung 30 Minuten dauerte. Der Flughafen wird gerade renoviert, sodass der Weg zur Passkontrolle ziemlich chaotisch und lang war. Vielleicht lag es an der frühen Stunde, aber wir kamen dennoch schnell durch. Bei unseren Koffern dauerte es etwas länger. Ich bestellte ein Uber-Taxi für 215 Pesos (ca. 9 £) und 20 Minuten später wurden wir vor unserem Hotel, dem "Galeria Plaza Reforma", abgesetzt. Wir checkten ein und nahmen gerne das Angebot eines Zimmer-Upgrades an, das den Zugang zum Zimmer bereits um 7 Uhr statt um 15 Uhr ermöglichte, für 80 US-Dollar, etwa 59 £. Wir hatten knapp zwei Stunden Zeit, bis wir unser Zimmer beziehen konnten, also machten wir einen Spaziergang durch die leeren Straßen, um einen Ort zu finden, an dem wir uns hinsetzen und eine Tasse Tee trinken konnten. Die Temperatur betrug 10 °C. Außer einem 24-Stunden-7/11-Laden war zu dieser Zeit kein Café geöffnet. Dort gab es eine Kaffeemaschine und heißes Wasser, also nahmen wir unsere Tassen Tee und Kaffee zum Mitnehmen und tranken sie in der Lobby unseres nahe gelegenen Hotels und warteten darauf, dass unser Zimmer bezugsfertig wurde. Das Zimmer war kalt. Ich drehte die Temperatur hoch, aber ohne Erfolg, das Zimmer wurde sogar noch kälter. I ch ging zur Rezeption, um mich zu beschweren. Das Problem war, dass es Winter in Mexiko ist, aber die Klimaanlage des gesamten Hotels das ganze Jahr hindurch so eingestellt ist, dass die Zimmer kühl und nicht warm gehalten werden. Sie hatten Mitleid mit uns und brachten uns einen großen Heizlüfter. Später verließen wir das Hotel, um mit der Metro in die Stadt zu fahren und den "Zocalo" (Plaza de la Constitucion) und seine Umgebung zu erkunden. Zuerst machten wir Halt in einer kleinen Bäckerei, um einen Snack und eine Tasse Tee zu kaufen. Das Wetter war angenehm mit einer Temperatur von etwa 14 °C und einer vorhergesagten Höchsttemperatur von 21 °C für später. Wir fuhren weiter zur U-Bahn-Station Insurgentes. Dort kauften wir wiederaufladbare Integrated Mobility Cards an einem Fahrkartenautomaten für 60 Pesos, von denen 15 Pesos für die Karte und der Rest für die Fahrtkosten waren. Jede Fahrt kostet 5 Pesos (0.23 Euros) und kann in den meisten Verkehrsmitteln genutzt werden. Diese U-Bahn-Stationen sind riesig und ihre Wegweiser verwirrend, sodass wir eine Weile brauchten, um das System zu verstehen. Unter anderem besuchten wir die Plaza de la Constitucion, auch Zocalo genannt, die von den Konquistadoren über der ursprünglichen Aztekenstadt Tenochtitlan erbaut wurde. Heute steht dort die Metropolitankathedrale, der Nationalpalast, das Regierungszentrum Mexikos, und die umliegenden Straßen sind voller Museen und Geschäfte. Die Kultur der Azteken ist am Leben - für die Touristen am Zócalo. Ich erinnere mich, dass wir bei unserem letzten Besuch in Mexiko-Stadt vor fast 9 Jahren einen Kaffee mit Blick auf den Nationalpalast im Restaurant auf dem Dach des Best Western Hotels getrunken haben. Wir beschlossen, dorthin zurückzukehren. Also fuhren wir mit dem antiken Aufzug nach oben und bestellten Kaffee und Tee. Während wir warteten, machte ich ein Foto von Lisa an derselben Stelle, an der ich sie auch vor all den Jahren fotografiert hatte. Danach gingen wir die sehr alte und sehr elegante Treppe mit Balustrade hinunter, Stockwerk für Stockwerk, bis hinunter zum Empfangsbereich. Aussicht auf die Kathedrale und den Zócalo. 27. Dezember 2025 Nach dem Frühstück gingen wir zu Fuß zu einer nahe gelegenen Musikbar, wo ab 10 Uhr eine Band spielen sollte. Als wir dort ankamen, sagten sie uns, dass die Band erst um 11 Uhr anfangen würde. Also fuhren wir stattdessen mit der Metro zum Nationalpalast, um die Diego Rivera Malereien zu sehen. Wir kamen um 10:45 Uhr dort an, aber die Karten für heute waren bereits ausverkauft. Also gingen wir zum Museum der Erinnerung und Toleranz. Die ermäßigten Eintrittskarten kosteten 230 MX$ (10 Euros) für zwei Senioren. Kopfhörer in englischer Sprache waren im Preis inbegriffen. Die Ausstellung war informativ und visuell ansprechend, aber es wurde viel zu viel Wert auf Hitler und die Nazis gelegt. Die Gräueltaten anderer Länder wurden zwar auch dargestellt, aber in geringerem Maße. Der Erinnerungsbereich endet in einem Raum, in dem eine künstlerische Installation aus umgekehrten Galgen zu sehen ist, die sich jedes Mal bewegen, wenn Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen werden. Sie erinnert uns daran, was heute geschieht. Beispielsweise werden weltweit jede Stunde 1.484 Mädchen und junge Menschen vergewaltigt und gleichzeitig werden 1.369 Kinder versklavt. Die Galgen als Erinnerung an fortlaufende Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wir waren müde, unsere Füße taten weh und wir mussten auf die Toilette, also machten wir eine Pause und fuhren mit dem Aufzug zur Cafeteria. Nach 40 Minuten Wartezeit kam endlich der Kaffee und eine Tasse Tee. Das Warten hatte sich nicht gelohnt, denn ich musste meinen Cappuccino zurückgehen lassen, da der Milchschaum oben drauf eine harte, klumpige, geronnene Masse war. Fünf Minuten später kam mein Ersatz-Cappuccino, zusammen mit einem Kännchen Milch für Lisas Tee. Anscheinend hatte die Milchmaschine eine Fehlfunktion gehabt. Danach beendeten wir unsere Tour, gaben unsere Kopfhörer zurück, holten unsere Rucksäcke und verließen das Museum. Die Zeit verging, wir waren es leid, im Zentrum herumzulaufen, und es war mittlerweile nach 16 Uhr, also beschlossen wir, uns langsam auf dem Weg nach Hause zu machen. Entlang der Hauptstraße stießen wir auf eine kostenlose Fotoausstellung im "Centre de Imagen". Teile davon waren gut, insbesondere die Fotos, die im Laufe der Jahre mit Leica-Kameras aufgenommen worden waren, der Rest weniger. Von dort aus gingen wir zur Metrostation und stiegen in "Sevilla" aus, von wo aus es ein schöner Spaziergang zu unserem Hotel war. Wir überlegten, wo wir essen sollten, und schlenderten durch die Gegend auf der Suche nach einem geeigneten Lokal. Da stießen wir auf eine Menschenmenge, die vor einem Restaurant namens "La Casa de Tono" wartete. Wir dachten, dass es gut sein muss, wenn so viele Leute Schlange stehen, also gingen wir hin, um uns umzusehen. Die Speisekarte sah gut aus und die Leute, mit denen wir in der Schlange sprachen, sagten, es lohne sich, dort einzukehren. Eine junge Frau verteilte Nummern, ähnlich wie im Royal Free Krankenhaus, wenn man zur Blutuntersuchung geht, und wir bekamen die Nummer 91. 20 Minuten später saßen wir an unserem Tisch. Wir bestellten zwei Bier und eine Auswahl typisch mexikanischer Gerichte, Enchiladas und Quesadillas. Sie hatten Recht, das Essen war ausgezeichnet, die Tische sauber und der Service gut. Danach kehrten wir zu unserem Hotel zurück. 28. Dezember 2025 Ich stand kurz vor 5 Uhr morgens auf und begann, mein Tagebuch zu schreiben. Dann brach Chaos aus. Ich muss wohl die falsche Taste gedrückt haben, denn ich verlor den gesamten Inhalt meines Tagebuchs. Wir versuchten stundenlang, die letzte Version wiederherzustellen, an der ich gestern gearbeitet hatte. Wir konnten eine ältere Version finden und durch Kopieren und Einfügen von Notizen und anhand meiner Erinnerung, an das, was ich geschrieben hatte, gelang es uns, eine aktualisierte Version zusammenzustellen. Wir müssen in Zukunft daran denken, unsere Dokumente zu speichern und sie jedes Mal, wenn wir fertig sind, auf iCloud hochzuladen – und zur Sicherheit auch per E-Mail aneinander zu schicken.
- Bus-Geschichte 9: Es ist alles meine Schuld
Stansted, September 2017 (UK) Wir kamen von einem Besuch bei Freunden in München zurück und waren am Flughafen Stansted gelandet. Es war 23 Uhr und wie immer um diese Zeit war viel los. Die Flugzeuge aus ganz Europa landen möglichst kurz bevor das Nachtflugverbot in Kraft tritt. National Express Airport Bus Station Golders Green Wie wir auch waren die meisten Urlauber oder Wochenendreisenden, die um diese Zeit nach London zurückkehrten, müde und wollten nur noch nach Hause und sich ausruhen. In der Schlange vor dem Bus wurde viel geschubst und gedrängelt, aber es war eher unbeschwert als aggressiv. Vor uns in der Schlange brachten zwei irische Männer Anfang 40 mit ihren Witzen alle zum Lachen. Sie hatten wohl an Bord oder vor dem Einsteigen am Flughafen ordentlich gebechert und waren nun gut gelaunt und etwas beschwipst. Sie scherzten und lachten und richteten ihre Aufmerksamkeit auf zwei junge Engländerinnen, die sie galant umwarben. Sie halfen ihnen mit ihrem Gepäck, als sie in den Bus stiegen, ließen sich neben ihnen nieder und versuchten, einen kleinen Kuss als Belohnung für ihre Hilfe zu bekommen. Die beiden Frauen waren durchaus angetan und kicherten. Sie schienen den harmlosen Flirt zu genießen und hatten ihren Spaß. Die vier setzten sich auf die Sitze vor uns und plauderten und lachten weiter, als der Bus vom Flughafen Stansted losfuhr. Bis zu unserer Haltestelle in Golders Green im Norden Londons würde die Fahrt um diese Zeit nur etwa eine Stunde dauern und daher sahen wir der Charmeoffensive der beiden Männer und den kichernden Reaktionen der beiden jungen Frauen gelassen entgegen. Wir stellten uns also auf eine unterhaltsame und kurzweilige Fahrt ein. Aber es kam anders. Wenige Minuten nachdem der Bus auf die Autobahn M11 aufgefahren war, erhielt der ältere der beiden Iren (ich glaube mich zu erinnern, sein Freund nannte ihn Paddy - von Patrick) einen Telefonanruf. Paddy lachte, grinste die Mädchen an und warf ihnen einen Kuss zu, als er den Anruf entgegennahm. Doch dann veränderte sich sein Gesichtsausdruck schlagartig. Sein Gesicht wurde aschfahl und er schrie in den Hörer: "Was? Kannst du das nochmal sagen?" Und nach einigen Sekunden: "Oh nein! Ist er tot? Er ist tot oder? Oh mein Gott, oh mein Gott!" Im Bus war nun alle Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet. Alle Gespräche verstummten. Jeder wollte erfahren, was passiert war. Aber vorerst war von dem unter Schock stehenden Mann nur unverständliches Gemurmel am Telefon zu hören. Schließlich legte er auf und rief völlig verzweifelt hintereinander viele Leute an, immer in der Hoffnung, Genaueres zu erfahren. Eine der beiden Frauen auf der anderen Seite des Ganges, die nur wenige Minuten zuvor noch seine ganze amouröse Aufmerksamkeit gehabt hatte, versuchte, ihn zu beruhigen, indem sie seinen Arm und seine Schulter berührte. Er stieß ihren Arm wütend mit einem schroffen "Verpiss dich!" weg und machte sich wieder daran, herauszufinden, was passiert war. Auch wir anderen waren nun wirklich daran interessiert, zu erfahren, welch böser Schicksalsschlag den fröhlich frechen Mann in eine bestürzte, verängstigte und schockierte Person verwandelt hatte. "Oh mein Gott! Oh mein Gott!", war aber alles, was wir von ihm hören konnten. Im Laufe der nächsten Stunde unserer Fahrt und etliche Telefonate später konnten wir uns ein ungefähres Bild von dem Ereignis machen, das unseren Mitreisenden so erschüttert hatte. Wie es schien, war sein jüngerer Bruder mit einem Freund nach einem sonntäglichen Treffen mit Freunden auf der Heimfahrt mit dem Auto verunglückt. Der Freund hatte am Steuer gesessen. Der Bruder war verletzt in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht worden, wo einige Freunde und Familienmitglieder auf weitere Nachrichten von den Ärzten, die ihn operierten, warteten. Jeder Telefonanruf konnte also Aufschluss darüber geben, ob sein kleiner Bruder noch am Leben war. Die Passagiere hielten den Atem an, fühlten mit ihm und hofften, dass der junge Mann überleben würde. Wir alle konnten die Angst, Panik und Hilflosigkeit nachvollziehen, die Paddy in diesem Moment durchlebte. Zwischen den Anrufen stammelte er immer wieder, “Oh mein Gott!“, oder flehte in Stoßgebeten die heilige Maria um Hilfe an. Er schluchzte laut und rief immer wieder: „Es ist alles meine Schuld! Oh mein Gott, es ist alles meine Schuld!“ Zeuge dieses Alptraums zu sein, ohne helfen zu können, war schwer zu ertragen. Die beiden Frauen neben ihm schwiegen und wagten nicht einmal, ihn anzusehen, um ihn nicht erneut zu verärgern. Alle im Bus hatten großes Mitgefühl. Niemand sprach oder lachte. Es herrschte eine düstere Atmosphäre in diesem National Express Airport Bus nach London. Sicherlich fragte sich der eine oder andere, wie wir auch, worin denn die Schuld bestehen könnte, von der Paddy beständig redete. Wir waren froh, als wir endlich an unserer Haltestelle in Golders Green ankamen. Aber der erste, der sich von seinem Sitz erhob, war Paddy. Er stürmte nach vorne, aber nicht um auszusteigen. Vielmehr hatte er unter den Fahrgästen in der ersten Reihe einen katholischen Priester in Soutane, mit Kutte und Kragen entdeckt, der während der Fahrt friedlich in seinem Sitz eingeschlafen war. Paddy rüttelte den armen Mann wach, kniete vor ihm nieder und bat um seinen Segen und um die Vergebung seiner Sünden. Der erschrockene Priester willigte ein, erkundigte sich aber nach dem Grund. Der von Angst geplagte Paddy weinte nur untröstlich und murmelte zwischen den Schluchzern: "Es ist alles meine Schuld, denn ich habe gesündigt. Gott hat mich für meine Sünden bestraft, indem er mir meinen kleinen Bruder weggenommen hat. Deshalb hatte er diesen Unfall und wird sterben - wegen mir." Wie schrecklich! Was für eine Lebenseinstellung war das und mit welchen Schuldgefühlen musste man leben wenn man davon überzeugt war dass man durch einen sündigen Lebensstil schuldig am Tod eines geliebten Menschen werden konnte?! Im Moment dieses absoluten emotionalen Tiefpunktes hielt plötzlich der Freund des verzweifelten Paddy sein Telefon hoch und rief: „Er wird leben! Sie haben gerade gesagt, dass er durchkommen wird." Und durch die Tränen hindurch kehrten Hoffnung, Erleichterung und das Lächeln in das Gesicht des Mannes zurück. Als schließlich immer mehr Passagiere zum Ausgang drängten, gab Paddy den Weg frei und auch wir konnten den Bus verlassen. Auf dem Heimweg und noch lange danach ging mir diese Szene durch den Kopf. Ich hörte immer noch sein verzweifeltes lautes Klagen: "Es ist alles meine Schuld, denn ich habe gesündigt!“ (LL) The National Express Airport Bus
- Auf dem Weg zum Copper Canyon in Nordmexiko
Mexiko, November 2016 Mein Mann Dave und ich sind erfahrene Reisende in fernen Ländern, besonders aber in den Ländern des südamerikanischen Kontinents. Im Herbst/Winter 2016 unternahmen wir eine zweimonatige Reise durch Mexiko und Guatemala. Wir hatten die Reise sorgfältig geplant und selbstverständlich auch einen Plan B und C… in Reserve, denn aus Erfahrung wussten wir, dass Flexibilität auf solchen selbst organisierten individuellen Reisen unbedingt erforderlich ist. Wir fühlten uns gut vorbereitet und auch gegen unerwartete Eventualitäten gewappnet. Und dennoch wurden wir überrascht auf dem Weg zum Copper Canyon in Nordmexiko. Die Anreise hatte wunderbar geklappt und wir verbrachten ein paar erholsame Tage am Strand von Sayulita, in der Nähe von Puerto Vallarta, an der Pazifikküste. Langsam ließen wir das nasskalte Londoner Winterwetter hinter uns und gewöhnten uns an das warme Klima und die Lebensart Mexikos. Wir lebten uns ein und fühlten uns bereit für das Reisen im Land. Wir hatten schon lange die Idee, mit dem alten El Chepe-Zug zur Barranca Cobre (auch Copper Canyon genannt) zu fahren, dem mexikanischen Gegenstück zum Gran Canyon (nur viel schöner, sagen die Mexikaner). Reiseberichte über diese Zugreise, die überall sehr empfohlen wurde, hatten unser Interesse geweckt. Das wollten wir auch erleben! El Chepe - der Zug von Los Mochis nach Barranca de Cobre (Copper Canyon) Unser Reiseführer bot zwei Alternativen an, wo und wann man in den Zug El Chepe einsteigen könnte: Um 6 Uhr morgens in Los Mochis oder zwei Stunden später in El Fuerte. Eigentlich ganz einfach! Aber noch waren wir nicht in Los Mochis oder El Fuerte! Die Entfernung zwischen unserem momentanen Aufenthaltsort Puerto Vallarta und Los Mochis betrug 691 km (429 Meilen) mit dem Flugzeug und 866 km (538 Meilen) mit dem Bus. Für den Flug musste man 40 Minuten einplanen, für die Busfahrt 14 Stunden 47 Minuten und mit einem Auto hätte man, laut Internet, 9 Stunden und 37 Minuten gebraucht. Spontan hätten wir uns für eine umweltfreundlichere und oft auch interessantere Busfahrt entschieden, wenn uns unsere mexikanischen Freunde nicht gewarnt hätten. Busfahren oder eine Autoreise seien in diesem Teil Mexikos, insbesondere in der Nacht, äußerst gefährlich. Kriminelle Banden würden häufig Busse und Autos überfallen und die Fahrgäste ausrauben. Das wollten wir doch nicht riskieren und entschieden uns daher für das Fliegen. Aber auch das war nicht ganz einfach zu bewerkstelligen. Es gab ein paar Direktflüge, die uns aber, weil als Privatflüge relativ kostspielig, zu teuer waren. Wir hatten ein knappes Budget und mussten damit zwei Monate auskommen. Keinesfalls wollten wir schon zu Beginn unserer Reise einen erheblichen Teil unseres Geldes ausgeben. Und von da an wurde es richtig kompliziert. Die einzige Alternative zu den Direktflügen war, über Mexiko City zu fliegen, eine Strecke von 1.885 km (812 Meilen), was einen Umweg von etwa 1.200 km (743 Meilen) bedeutete. Verrückt, aber nur so ging’s! Landkarte von Mexico: Die Entfernung zwischen Puerto Vallarta and Los Mochis sind 691 k aber der Flug nach Los Mochis muss über Mexico City führen. Die Flugdistanz von Puerto Vallarta nach Mexiko-City betrug nur 651 km (405 Meilen) und sollte 45 Minuten dauern. Der Anschlussflug in Mexiko City nach Los Mochis (Entfernung 1.234 km, 767 Meilen) würde dann 90 Minuten dauern, fanden wir heraus. Keine große Sache also - eigentlich. Die Flugpläne zeigten jedoch, dass die Anschlussflüge nicht optimal aufeinander abgestimmt waren und jedermann weiß außerdem, dass der Flughafen von Mexiko-Stadt zusätzlich chronisch überlastet ist. Aus diesem Grund rechneten wir damit, dass der Flug statt gut zwei Stunden wohl eher sechs bis neun Stunden dauern würde. Und anschließend müssten wir ja noch mit einem Taxi eine oder zwei Stunden, je nachdem, ob wir in Los Mochis oder in El Fuerte den Zug nehmen wollten, fahren. Und auch eine Übernachtung musste noch gebucht werden. Wir hatten also einen langen und langweiligen Reisetag vor uns, an dem wir unsere Weiterreise wunderbar planen und organisieren konnten. So dachten wir! Als wir am Flughafen von Mexiko-City auf unseren Anschluss warteten, hatten wir reichlich Zeit sowie kostenloses WLAN. Also machten wir uns an die Arbeit. Die Wahl der Unterkunft für die kommende Nacht hing davon ab, wo und wann wir den El Chepe-Zug nehmen wollten. Entweder übernachteten wir im Zielort unseres Fluges, in Los Mochis, und bestiegen um 6 Uhr morgens den El Chepe, oder wir fuhren noch am Abend (wegen der späten Ankunft in Los Mochis fuhr kein Bus mehr) mit dem Taxi weiter nach El Fuerte und bestiegen dort am nächsten Morgen um 08:19 Uhr den Zug. Zwei Stunden länger schlafen oder zwei Stunden länger für die Anfahrt in Kauf nehmen? Das war die Frage. Trotz der Zusatzkosten für die Taxifahrt entschieden wir uns für einen längeren Schlaf, auch weil die Hotels in Los Mochis durchgehend eine schlechte Bewertung aufwiesen. Die Buchung eines Zimmers in einem günstigen Hotel, El Guerrero, in El Fuerte klappte und wir erhielten sofort eine Buchungsbestätigung. Wir waren sehr zufrieden mit unserer Reiseplanung. Kurz darauf erfuhren wir, dass sich unser Anschlussflug ein wenig verspäten würde. Sofort verständigte ich das Hotel und teilte ihnen mit, dass wir uns verspäten aber kurz nach 21:30 Uhr mit dem Taxi eintreffen würden. Alles geregelt! Schließlich konnten wir unsere Plätze im Flugzeug einnehmen und erwarteten definitiv keine weiteren Verzögerungen mehr. Aber weit gefehlt! Kurz vor dem Start begann ein Mann drei Reihen vor uns, sich aufgeregt mit der Flugbegleiterin und mit dem Kapitän zu unterhalten. Dann stand er schnell auf und verließ ohne Gepäck das Flugzeug. Sein Sitznachbar lief ihm hinterher, um ihm wenigstens sein Handy zu geben, das er vergessen hatte. Wir dachten, er hätte vielleicht eine Panikattacke gehabt, vielleicht hatte er Flugangst. Wir haben nicht weiter darüber nachgedacht, denn so etwas kommt vor. Kurz darauf betraten jedoch drei Sicherheitskräfte das Flugzeug und nahmen die Sitze auseinander, und zwar nicht nur in der Reihe, in der der Mann gesessen hatte, sondern auch in den beiden Reihen vor und hinter ihm. Sie stoppten erst eine Reihe vor uns ihre Suche nach einer möglichen Bombe. Wahnsinn! Wer hätte das gedacht?! Glücklicherweise fanden sie keine. Aber jetzt musste auch noch das Gepäck im Frachtraum durchsucht werden, um seine Taschen herauszunehmen. Das ist eine übliche Sicherheitsmaßnahme, wenn jemand ein Flugzeug verlässt, bevor es abhebt, und Gepäck aufgegeben hatte. Wir wurden nun doch ziemlich nervös, denn die Zeit verging und wir hatten nach unserer Ankunft in Los Mochis noch eine lange Reise vor uns. Mit über anderthalb Stunden Verspätung machten wir uns schließlich auf den Weg. Wir rechneten aus, dass wir angesichts unserer geschätzten Flugankunftszeit um 21 Uhr und einer laut Reiseführer zweistündigen Taxifahrt nach El Fuerte frühestens um 23 Uhr im Hotel ankommen würden. Vielleicht sollten wir das Hotel in El Fuerte stornieren und stattdessen in Los Mochis bleiben? Wir schauten uns im Internet ein paar alternative Hotels in Los Mochis an, beschlossen aber, erst bei der Ankunft am Flughafen zu entscheiden. Glücklicherweise konnte das Flugzeug etwas Zeit aufholen. Am Taxischalter im Flughafen erfuhren wir, dass die Fahrt nach El Fuerte 45 Minuten kürzer und 50% billiger (1100 Pesos - 50 US-Dollar) wäre als im Internet angegeben. So weit, so gut. Wir beschlossen, mit dem Taxi nach El Fuerte zum Hotel zu fahren, das wir ohnehin schon gebucht hatten. Unser Taxifahrer, César, war freundlich und recht gesprächig. So begannen wir uns zu entspannen. Aber nur kurz! César hielt nämlich schon bald an einem dunklen Parkplatz und verschwand. Ringsherum war es stockdunkel und wir konnten absolut nichts sehen. Was war hier los? Hatte er angehalten, um uns irgendwelchen Verbrecherbanden zu überlassen, die uns ausrauben wollten? Wir machten uns große Sorgen. Aber bald kam er zurück, sprang ins Auto und fuhr weiter. Wir entspannten uns. 20 Minuten später, das Gleiche. Er hielt an, verschwand in der Dunkelheit, kam nach fünf Minuten zurück und fuhr weiter. Nun, vielleicht hatte er Prostataprobleme oder eine schwache Blase oder Durchfall? Wer weiß das schon. Wen kümmert's. Er war fröhlich und gesprächig und wir vertrauten ihm letztendlich. Während der ganzen Fahrt erzählte er uns, wie wunderbar Mexiko sei. Er verurteilte US-Präsident Trump scharf. 12 Jahre lang habe er in den USA in der Dachdeckerbranche gearbeitet. Alle seine Kollegen dort seien hart arbeitende Mexikaner (nicht so faul wie die Schwarzen - seine Worte). Cesar sagte, er wolle zurück in die USA gehen, um dort zu arbeiten und mehr Geld zu verdienen. Aber das sei nicht möglich, solange Trump Präsident sei. Dies stimmte mit dem überein, was wir später auf unserer Reise durch Mexiko oft hörten. Mexikanische Männer und Frauen hatten jahrelang in den USA gearbeitet, um Geld zu verdienen und ihr Leben und das ihrer Familie zu verbessern, sahen aber im Moment keine Möglichkeit, dies fortzusetzen. Als wir uns El Fuerte näherten, rief ich erneut im Hotel an, um Bescheid zu geben, dass wir auf dem Weg seien und in Kürze ankommen würden. Diesmal teilte mir die Stimme am anderen Ende der Leitung jedoch mit, dass das Hotel voll belegt sei und es keinen Platz für uns gebe. Was?! Ich konnte nicht glauben, was ich da hörte. Ich bestand auf unserer Buchung, die schließlich bestätigt worden war. Wir seien auf dem Weg und würden demnächst ankommen, teilte ich dem Rezeptionisten mit. Der Taxifahrer war verärgert über das Geschäftsgebaren des Hotels. Besorgt bot er uns an, dass er uns auf jeden Fall helfen würde, ein Bett für die Nacht zu bekommen. Guter Mann! Als wir am Hotel ankamen, war tatsächlich alles dunkel und die Tore waren geschlossen. César und Dave rüttelten am Tor, bis jemand kam. César sprach in unserem Namen mit dem Hotelangestellten, der nach einer Weile die Managerin rief. Sie sagte, sie habe uns vor einer Weile eine E-Mail geschickt, dass das Hotel leider ausgebucht sei. Ich hatte keine E-Mail erhalten und war mir sicher, dass sie lügen würde. Möglicherweise war sie, als wir nicht zur vereinbarten Zeit ankamen, unruhig geworden, hatte Angst bekommen, Geld zu verlieren, und vermietete daher unser Zimmer schnell an jemand anderen, als sich die Möglichkeit bot. (Übrigens wurde mir ein paar Tage später von booking.com, über das wir das Hotelzimmer gebucht hatten, eine Gebühr für Nichterscheinen berechnet, was meinen Verdacht bestätigt.) Unser netter Taxifahrer César argumentierte mit ihr, bis sie schließlich einwilligte, jemanden anzurufen, der noch ein Zimmer für uns haben könnte. César fuhr uns dorthin. Er wollte sich vergewissern, dass der Ort für uns in Ordnung war und dass es uns gut ging. Wir gaben ihm ein zusätzliches Trinkgeld von 100 Pesos (ca. £4.20 oder 4.80 Euro) für seine Bemühungen, was er gerne annahm. Und so einem Mann hatten wir für einen Moment unterstellt, dass er uns einer Räuberbande ausliefern könnte! Unsere Unterkunft für die Nacht befand sich in einem anderen Ortsteil und war in der Tat furchtbar. Das Zimmer befand sich über etwas, das eine Garage zu sein schien. Es war heiß und winzig, mit nur einem kleinen Bett, einem Kühlschrank, der nicht funktionierte, und einer kleinen Duschkabine. Die Wände bestanden aus roten Industrieziegeln und waren weder verputzt noch gestrichen. Die Übernachtung kostete 500 Pesos (21 £oder 24 Euros). Um diese Zeit hatten wir jedoch keine andere Wahl und nahmen das Zimmer schließlich widerstrebend an. Wir bedankten uns bei unserem stets hilfsbereiten Taxifahrer und wünschten ihm eine gute Fahrt zurück nach Los Mochis. Der Besitzer des Gästehauses, ein junger Mann, bot uns an, uns für 100 Pesos am nächsten Tag um 7.30 Uhr zum Bahnhof außerhalb der Stadt zu bringen. Wir nahmen das Angebot gerne an. Wenigstens diese Frage war gelöst. Aus dem Haus gegenüber hörten wir laute Musik von einigen Betrunkenen, die auf einem Lastwagen saßen und Bier tranken. Viele leere Dosen lagen um den Pickup herum. Sie mussten schon eine ganze Weile gefeiert haben. Es sah nicht so aus, als würden sie bald müde werden. Wir stellten uns also darauf ein, in dieser Nacht nicht allzu viel Schlaf abzubekommen. Aber was blieb uns übrig?! Optimistisch bleiben und das Beste draus machen! Ich fragte unseren Gastgeber, wo wir Trinkwasser für den Abend und Zutaten für ein Frühstück am nächsten Morgen bekommen könnten. Er bot uns an, uns noch zum örtlichen Supermarkt zu fahren. Außerdem schlug er vor, morgens auf dem Weg zum Bahnhof einen Zwischenstopp am Supermarkt einzulegen. Auf diese Weise könnten wir uns mit Kaffee und Essen für die Reise versorgen. Das war nett von ihm und eine gute Idee und wir waren mit der ungemütlichen Unterkunft etwas versöhnt. Auf dem Rückweg vom Supermarkt erhielt er einen Anruf und teilte uns mit, dass unsere Bettwäsche noch gewechselt würde. Er bot uns daher an, uns durch die Stadt zu fahren und uns Sehenswürdigkeiten wie das Rathaus, den Hauptplatz, die Kathedrale und das Fort El Fuerte, wo die Einheimischen die Spanier abgewehrt hatten, sowie die alten Kolonialhäuser zu zeigen. El Fuerte ist eine schöne kleine Stadt und wir genossen die Fahrt und die Geschichtsstunde. Aber im Hinterkopf lauerte wieder das Misstrauen. Wir hatten ja unser Gepäck, einschließlich unserer Wertsachen und unseres Geldes, im Hotel gelassen, und ich machte mir Sorgen, ob unsere Sachen bei unserer Rückkehr noch da sein würden. War diese freundliche Stadtrundfahrt womöglich nur ein Ablenkungsmanöver, um den Dieben im Hotel Zeit zu verschaffen, unsere Habseligkeiten beiseite zu räumen und zu verschwinden? Ich konnte diesen Gedanken nicht ganz verdrängen. Aber als wir zurück kamen, waren alle unsere Sachen noch da, wie wir sie zurückgelassen hatten. Wie schrecklich misstrauisch von uns! Wir befürchteten das Schlimmste und dieser nette junge Mann gab sich so viel Mühe, uns einen Gefallen zu tun und dafür zu sorgen, dass wir uns in seinem Gästehaus wie zu Hause fühlten. Wir gingen schnell ins Bett, krochen unter das frische Laken und versuchten zu schlafen, ohne an Insekten oder andere Tiere zu denken, die an der Ziegelwand entlang krabbeln und uns beißen könnten. Der Lärm der betrunkenen Leute ließ bald nach und schließlich fielen wir in einen tiefen Schlaf, bis wir sehr früh am Morgen von laut krähenden Hähnen, Kirchenglocken und lauten Motoren geweckt wurden. Aber das war in Ordnung, denn wir mussten ohnehin um 6.45 Uhr aufstehen, da wir um 7.30 Uhr zum Bahnhof aufbrechen wollten. Am Morgen schien die Sonne. Der Himmel war blau und alles sah freundlicher aus als in der Nacht. Das Haus schien erst vor kurzem gebaut worden zu sein und war noch nicht ganz fertig, daher der fehlende Putz an der Wand unseres Zimmers. Wir warfen einen Blick auf die Gäste in den Nachbarzimmern, die sich auf den Tag vorbereiteten. Sie begrüßten uns freundlich und neugierig, weil sie in dieser Gegend nicht oft Touristen aus fernen Ländern zu Gesicht bekamen. Unser Gastgeber wartete bereits auf uns, um uns zum Zug zu bringen. Seine Mutter gab uns noch drei große Grapefruits aus ihrem Garten für die Reise mit. Einfach so! Eine Art Abschiedsgeschenk aus reiner Gastfreundschaft. Der junge Mann war jetzt noch gesprächiger als am Abend. Er sei Automechaniker und versuche, mit allen möglichen Arbeiten seinen Lebensunterhalt zu verdienen, erzählte er uns. Auch das neue Gästehaus sei sozusagen als weiteres Standbein gedacht. Auf der Fahrt wies er uns auf ein Rehabilitationszentrum für Alkohol- und Drogenabhängige hin, in dem er als Ehrenamtlicher arbeite. Das weckte natürlich mein Interesse, denn ich war viele Jahre lang in London im Suchtbereich tätig gewesen. Er erzählte uns von dem enormen Ausmaß des Suchtproblems in seiner Heimatstadt El Fuerte und in der gesamten Region Sinaloa. Eine sehr beliebte Droge in dieser Gegend sei Crystal, das die Gesundheit schädigt. Die Menschen, die Crystal konsumieren, verlieren schnell an Gewicht und der Körper verfällt rapide. Er berichtete auch von der hohen Arbeitslosen- und Armutsquote in El Fuerte und dass viele Menschen das Gefühl hätten, keine Perspektive und keine Zukunft zu haben. Daher gebe es keinen Anreiz, von den Drogen loszukommen. Ich bewunderte diesen jungen Mann, der trotz der desolaten Lage in seiner Region optimistisch war und auf ein besseres Leben für seine Familie und Freunde hinarbeitete, egal wie hart und frustrierend es war. Wir kamen am Bahnhof an und wünschten unserem Gastgeber von ganzem Herzen alles Gute für seine Unternehmungen und seine Zukunft und schämten uns insgeheim unseres Misstrauens. Wieder einmal mussten wir uns eingestehen, dass auch in unseren Köpfen Vorurteile tief verankert waren. Und wieder einmal hatten uns die Menschen eines Besseren belehrt. Alle, denen wir auf dieser Reise in Sinaloa begegnet waren, abgesehen von der schnöden Hotelbesitzerin, waren hilfsbereit und freundlich gewesen. Nur wir hatten das Schlimmste von ihnen gedacht. Aber wir hatten unsere Lektion zu Beginn unserer Reise gelernt und konnten nun ohne Vorbehalte durch Mexiko und Guatemala reisen. Hinsichtlich unserer Zugfahrt mit El Chepe hatten wir einen guten Tipp von unserem jungen Gastgeber bekommen, der die Empfehlungen des Internet Lügen strafte. Dort hieß es nämlich, dass man die Plätze im Zug lange im Voraus buchen müsse, da der Zug meist ausgebucht sei. Was nicht erwähnt wurde, war, dass dies nur für die erste Klasse galt. Wir wollten jedoch nicht zwischen Touristen, sondern zwischen Einheimischen sitzen. Wie uns unser freundlicher Gastgeber erklärt hatte, steigen die Fahrgäste der zweiten Klasse normalerweise in den Zug ein und bekommen ihre Plätze vom Schaffner zugewiesen. Er komme dann später vorbei, erklärte uns der junge Mann, und verkaufe die Fahrkarten, sobald der Zug in Bewegung sei. Pünktlich und mit lautem Pfeifen kam der Zug, El Chepe, mit vielen Waggons an, fünf der ersten Klasse und noch mehr der zweiten Klasse. Es war noch viel Platz. Was sollte also die ganze Aufregung im Internet?! Möglicherweise wollte man die unerfahrenen Touristen dazu bringen, die viel teureren Tickets für die erste Klasse online zu kaufen. Oder waren wir vielleicht schon wieder zu misstrauisch?! Wie auch immer, jetzt brauchten wir uns keine Sorgen mehr zu machen. Wir konnten uns entspannen, unser Frühstück essen, uns unsere großen saftigen Grapefruits schmecken lassen und die Fahrt durch die herrliche Landschaft mit dem alten und berühmten El Chepe-Zug zum Copper Canyon genießen. (LL) Mit dem El Chepe durch den Copper Canyon, Nord Mexiko
- Eine gute Tat
(DE) Berlin, Juni 1978 Gerne schmunzelt man über den alten Witz von zwei engagierten jungen Pfadfindern, die ihre Pflicht, jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen, zu ernst nehmen und eine alte Frau über die Straße zerren, ohne zu merken, dass sie die Straße gar nicht überqueren möchte. Tja, übereifrige Leute schießen halt gern mal über das Ziel hinaus. „Mir könnte das eher nicht passieren!“, dachte ich zumindest. Eines Abends wurde ich jedoch eines Besseren belehrt. Ich wollte etwas Gutes tun, aber die gute Tat entwickelte sich anders als gedacht. In einer lauen Sommernacht im Juni 1978 war ich mit einer Studienfreundin gegen 1 Uhr nachts in Berlin- Kreuzberg unterwegs. Wir waren nach einem geselligen Abend gerade aus einer Kneipe gekommen und schoben unsere Fahrräder bis zur nächsten Kreuzung, um noch ein wenig zu reden. Danach würden sich unsere Wege trennen. Da sahen wir am Oranienplatz eine alte Frau zusammengesackt am Bürgersteig sitzen. Sie sah aus, als wäre sie gerade zusammengebrochen. Wir eilten zu ihr, um ihr zu helfen und notfalls einen Krankenwagen zu rufen. Die alte Frau griff sich ans Herz und jammerte: ”Oh, mein Herz! Oh, mein Herz!” Als wir den Notarzt rufen wollten, wehrte sie sich vehement. Sie wohne gleich um die Ecke und wenn sie erst zu Hause wäre, dann wäre alles gut. Sie fragte uns, ob wir sie nach Hause begleiten könnten. Aber natürlich, es war ja gleich um die Ecke und wer wollte schon eine arme alte und gebrechliche Frau nachts auf der Straße allein sitzen lassen. Also machten wir uns auf den Weg. Wir hakten sie von beiden Seiten unter und mit der anderen, freien, Hand schoben wir unsere Fahrräder. Die Adresse, die sie uns nannte, Waldemarstraße, war wirklich nur fünf Minuten entfernt. Das würden wir schon schaffen! Aber wir kamen nur langsam voran, denn die alte Frau musste immer wieder anhalten und verschnaufen und jammern: ”Oh, mein Herz! Oh, mein Herz!” Etwas mulmig war uns schon zumute. Wir hätten lieben einen Krankenwagen gerufen, aber sie beteuerte, sie sei okay, sie wolle nur nach Hause. Endlich, nach langen 20 Minuten, kamen wir bei ihrem Wohnblock an. „Seitenflügel, 3. Stock“, murmelte die alte Frau. Also gut, wir hatten sie so weit geschleppt, nun konnte wir doch diese alte gebrechliche Frau nicht vor der Haustür stehen lassen. Natürlich mussten wir unsere Aufgabe zu Ende bringen. Die Haustür war zum Glück offen und so schleppten wir sie langsam zum Seitenflügel. Als wir jedoch begannen, die alte Frau die Treppe hochzuhieven, stellten wir fest, dass das doch nicht so einfach war. Ihre Beine hatten keine Kraft und die Frau war viel schwerer als wir gedacht hatten. Wir probierten es mit schieben und ziehen und kamen langsam eine Stufe nach der anderen hoch. Eine äußerst Schweiß treibende Tätigkeit. In dem engen Treppenhaus merkten wir dann, dass die gute Frau ziemlich streng nach Alkohol und Urin roch. Naja, wer weiß, was für ein trauriges Leben sie hat! Wir zogen und schoben also weiter. Was hätten wir zu dem Zeitpunkt auch anderes tun sollen! Aber schließlich blieben wir stecken. Keine Chance! Nichts ging mehr! Nun war guter Rat teuer. Da erinnerte ich mich, dass die Kneipe an der Ecke noch offen hatte. Vielleicht konnte ich von dort Hilfe holen! Gesagt, getan. Ich ließ die alte Frau in der Obhut meiner Freundin und lief zur Kneipe. Dort sah ich mich nach möglichen Helfern um. Sie mussten nicht nur stark, sondern auch willig genug sein, sich auf diese ungewöhnliche Aufgabe einzulassen. Schließlich fand ich zwei junge Männer, die sich bereit erklärten, für kurze Zeit ihr Bier unter der Aufsicht von Freunden zurück zu lassen und mir zu helfen, diese hilflose alte Frau nach Hause zu bringen. “Kein Problem, Mädel, das kriegen wir schon hin!” Gutmütig und optimistisch folgten sie mir ins Treppenhaus. Die alte Frau begrüßte sie mit ihrem Oh-mein-Herz-oh-mein-Herz-Jammern, was die beiden hilfreichen Männer auch prompt anspornte und sie machten sich an die Arbeit. Aber auch für diese beiden starken Jungs war es nicht so einfach. Die Frau war wirklich schwer und kaum zu bewegen. Also schoben und zogen wir zu viert, Stufe um Stufe, mit kurzen Verschnaufpausen. Die alte gebrechliche Frau fühlte sich schwerer an als ein Kartoffelsack von 100 kg. Einer der Jungs hatte seine Schulter unter ihr Hinterteil geschoben um einen besseren Hebelansatz zum Schieben zu haben. Als wir wieder gerade schoben und zogen und er mit seiner Schulter hievte, entfleuchte der alten Frau lautstark ein langer Furz. Der junge Mann an ihrem Hinterteil ließ die alte Frau vor Schreck fast nach hinten fallen. Wir hatten Mühe, den Treppensturz zu verhindern. Das enge Treppenhaus füllte sich bald mit fürchterlichem Gestank. Obwohl wir kaum wagten tief einzuatmen, kicherten wir vor uns hin, ob dieser absurden Situation. Gleichzeitig versuchten wir aber auch leise zu sein, um die Nachbarn nicht zu wecken. Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, erreichten wir den dritten Stock. Wir atmeten erleichtert auf. Allerdings hielt die alte Frau eine weitere Schwierigkeit für uns bereit. Sie habe keinen Schlüssel, murmelte sie etwas unverständlich. Während wir noch rätselten, was denn nun zu tun sei, versuchte sie uns zu beruhigen: „Die werden mich schon reinlassen oder?!“ Das war nun definitiv alles andere als beruhigend. Sie hatte zu keinem Zeitpunkt erwähnt, dass sie mit anderen Menschen in der Wohnung lebte. Und wieso war es fraglich, ob sie sie hereinlassen würden? Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht! Besser wir hielten uns von nun an bedeckt. Wir lehnten die alte gebrechliche Frau gegen die Wand, läuteten Sturm und liefen schnell in den zweiten Stock, um von unserem Versteck aus zu beobachten, was nun passieren würde. Und wirklich, nach einer Weile hörten wir Geräusche aus dem Innern der Wohnung. Ein Schlüssel drehte sich im Schloss und die Tür wurde einen Spalt geöffnet. Eine türkische Frau im Nachthemd kam heraus und rief jammernd: “Nein, nicht schon wieder!” Aber dann zog sie resigniert die alte Frau in die Wohnung und machte die Tür hinter ihr zu. Wir vier sahen uns bestürzt an. Ach du meine Güte! Was hatten wir hier nur angestellt? Vermutlich hatte die alte Frau früher in dieser Wohnung gelebt, die nun an eine türkische Familie vermietet worden war. Vielleicht war die alte Frau obdachlos oder in einem Pflegeheim untergebracht, aus dem sie manchmal ausbüxte. Wie auch immer, es gelang ihr offensichtlich hin und wieder gutgläubige Helfer dazu zu überreden, sie in ihr altes Zuhause zu schleppen. Denn wer wollte schon eine alte gebrechliche Frau nachts alleine auf der Straße sitzen lassen? Von diesem Schreck mussten wir uns erst einmal erholen. Wir vier Helfer gingen etwas bedröppelt zurück in die Kneipe, irritiert, verärgert, mit einem schlechten Gewissen der türkischen Familie gegenüber, aber auch amüsiert. Bei einem kühlen Bier bekamen wir langsam wieder einen klaren Kopf und staunten nicht schlecht über die Kaltschnäuzigkeit mit der die gebrechliche alte Frau diese Aktion durchgezogen hatte. (LL)
- Vietnam erkunden
21. Oktober bis 5. November 2023 Schon seit langem wollten wir Vietnam besuchen. David war 1992 schon einmal da, kurz nachdem das Land für Touristen geöffnet worden war. Lisa wird Vietnam nun zum ersten Mal sehen und erleben. Wir entschieden uns für die organisierte Tour "Inside Vietnam" des Veranstalters "Explore", mit dem wir schon mehrere Male gereist sind. In der Regel sind deren Reisen gut organisiert und bisher hatten wir meistens Glück mit unseren Mitreisenden. Vietnam erkunden: Die 15-tägige Tour ist vollgepackt mit der Besichtigung von Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten und wir werden daher sehr beschäftigt sein. Aber wir haben durchaus vor, in diesem Blog über einige unserer Erlebnisse und Eindrücke zu schreiben und hoffen, dass wir Zeit dafür haben werden. Falls nicht, nicht verzweifeln! Wir werden, falls wir eine Weile nicht schreiben können, den Reiseblog vervollständigen, sobald wir wieder zu Hause sind. Unten seht ihr eine Karte von Vietnam (in rot) mit den umliegenden Ländern wie China, Laos, Kambodscha und Thailand. Wir werden in Hanoi starten und über Halang, Hue und Danang nach Hoi An reisen.Von dort gehts nach Ho Chi Minh City (Saigon), wo wir u.a. das Mekong Delta und die Cu Chi Tunnel besuchen werden. Es gibt viel zu sehen. Aber davon mehr, wenn wir erst einmal vor Ort sind. Reiseübersicht: Inside Vietnam Unsere von dem Veranstalter "Explore" organisierte Tour " Inside Vietnam " bietet ein abwechslungsreiches Programm mit einer Vielzahl von Aktivitäten. Es verspricht Fahrten zu spektakulären Landschaften. Wir werden etwas über die alte und moderne Geschichte und die reiche Kultur Vietnams erfahren sowie über die kolonialen Einflüsse. Und selbstverständlich ist vietnamesisches Essen ein Thema wie auch Begegnungen mit Vietnamesen. Wir werden auch viele Gedenkstätten bzw. Schauplätze des Vietnamkrieges besuchen. Der Besuch von Stätten, die mit dem Vietnamkrieg in Verbindung gebracht werden, ist zu einem einträglichen Teil der vietnamesischen Tourismusindustrie geworden. Manche nennen es "dunklen Tourismus" und argumentieren, es sei voyeuristisch und unangemessen, wenn Touristen Kriegsschauplätze, an denen sich Tragödien abgespielt haben, besuchen und örtliche Unternehmen damit Geld verdienen. Die Frage ist also: Warum wollen Menschen diese Stätten besuchen? Mehr noch, warum wollen wir diese Stätten sehen? Für unsere Generation ist der Vietnamkrieg ein besonderer Krieg. Es war der erste Krieg, den die USA verloren haben, was die Wahrnehmung Amerikas als Supermacht dramatisch veränderte. Es war auch der erste Krieg, in dem die Medien Kriegsgräuel und Regierungslügen aufdeckten, wodurch sich die öffentliche Meinung nicht nur zu diesem Krieg grundlegend veränderte. Aus der Auseinandersetzung mit den Gräueln und der Sinnlosigkeit des Vietnamkrieges ging die Antikriegsbewegung der damaligen Jugend oder besser gesagt die Friedensbewegung hervor. "Make Love, not war!", war der Antikriegs-Slogan. Man kann daher mit Fug und Recht sagen, dass der Vietnamkrieg und die Proteste dagegen unsere Generation geprägt hat. Wir wollen diese Gedenkstätten und Kriegsschauplätze besuchen, um zu verstehen, was damals in Vietnam geschah. Wir erwarten eine respektvolle und informative Führung, die sich mit der Zeitgeschichte auseinandersetzt und sich nicht an Sensationslust orientiert. Unser Interesse besteht darin, das Wissen und die Erkenntnisse über die Vergangenheit auch für die Beurteilung bzw. Einordnung gegenwärtiger Ereignisse mit zu nutzen. Einige Hintergrundinformationen zu Vietnam Die längliche Form Vietnams wird durch seine natürlichen Grenzen bestimmt. Im Osten liegt das Südchinesische Meer und im Nordwesten und Westen trennen die Berge das Land von seinen Nachbarn Laos und Kambodscha. Die lange Form Vietnams wird oft als "Bambus mit zwei Reisschalen" bezeichnet, wobei die beiden fruchtbaren Tieflandregionen, das Delta des Roten Flusses im Norden und das Mekong-Delta im Süden, die Reisschalen darstellen und der dünne Bereich dazwischen der Bambusstab ist, der die beiden Reisschalen trägt. Diese Vorstellung bezieht sich auf die Art und Weise, wie Waren wie beispielsweise Lebensmittel oder Wasser traditionell transportiert werden. Vietnams Kampf um Unabhängigkeit In unserem Reiseführer steht: "Die Chinesen, die Franzosen, die Japaner und später sogar die mächtigste Macht der Welt, die USA - sie alle erhoben Ansprüche unterschiedlicher Art auf die kleine Nation in Südostasien. Und alle ihre Bemühungen endeten schließlich in einer Niederlage und einem erzwungenen Rückzug." Das bedeutet, dass Vietnam während seiner gesamten Geschichte um seine Unabhängigkeit von den Chinesen, den Franzosen, den Japanern und später den USA gekämpft hat. Vor unserer Reise nach Vietnam, wollte ich, Lisa, mehr über die schwierige Geschichte Vietnams erfahren, die über den berüchtigten Vietnamkrieg hinausgeht. Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, fasse ich hier für alle Interessierten einige der wichtigsten Punkte zusammen, die ich gefunden habe. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts sah sich Vietnam mit den Machtansprüchen zweier ausländischer Rivalen, China und Frankreich, konfrontiert. In der Mitte des 19. Jahrhunderts besetzte Frankreich ganz Indochina (Kambodscha, Laos und Vietnam). Vietnam wurde in drei Teile geteilt: die Kolonie Cochichina im Süden, das Annamprotektorat in der Mitte und Tonkin im Norden. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich eine antikoloniale Bewegung, initiiert von der gebildeten Oberschicht Vietnams, deren Söhne und Töchter in Frankreich zur Schule gegangen waren. Während des Zweiten Weltkriegs besetzten die Japaner ab 1940 das Land, tolerierten aber weiterhin die französische Verwaltung. 1945 gewährte Japan Vietnam schließlich die Unabhängigkeit. Die Japaner entwaffneten die französische Kolonialarmee und setzten den Nguyen-Kaiser Bao Dai ein, der unter ihrer Aufsicht regieren sollte. Zur gleichen Zeit rief Ho Chi Minh zum bewaffneten Aufstand gegen die Marionettenregierung auf und begann den Kampf um die Unabhängigkeit Vietnams. Am 02. September 1945 rief er die Unabhängigkeit aus. Die Demokratische Republik Vietnam war geboren. Bao Dai musste kapitulieren und im Januar 1946 fanden in Vietnam zum ersten Mal demokratische Wahlen statt. Der erste Indochinakrieg Obwohl Frankreich die Unabhängigkeit Vietnams offiziell anerkannt hatte, besetzte es kurz darauf Saigon und Hanoi. Im November 1946 begann der Erste Indochinakrieg zwischen Frankreich und Vietnam, der mehrere Jahre andauern sollte. Die Regierung Ho Chi Minhs wurde in den Untergrund gedrängt und 1948 wurde der ehemalige Kaiser Bao Dai von den Franzosen als Regent des formell unabhängigen Staates Vietnam wieder eingesetzt. Dieser im Grunde koloniale Konflikt wurde stark überlagert vom Kalten Krieg. China und Russland unterstützten den von Ho Chi Minhs Anhängern dominierten Norden mit Waffen und erkannten dessen Regierung als rechtmäßig an. Die westlichen Staaten stellten sich auf die Seite Frankreichs und der Marionettenregierung Bao Dais. Die französische Armee war erfolglos. In der entscheidenden Schlacht von Dien Bien Phu im Jahr 1954 besiegte die vietnamesische Volksarmee die französischen Truppen. Auf der "Genfer Konferenz" in Paris im April 1954 trafen sich die verschiedenen Kriegsparteien sowie die Nachbarländer Laos und Kambodscha und die vier Weltmächte (USA, Sowjetunion, China und Großbritannien), um über die Zukunft Vietnams zu entscheiden. Man entschied sich für eine provisorische Demarkationslinie bei Dang Ha, um das Land bis zu den für Juli 1956 geplanten gesamtvietnamesischen Wahlen provisorisch aufzuteilen. Doch Dong Ha wurde für die nächsten 21 Jahre zu einer dauerhaften Grenze. Im Norden regierten die Kommunisten unter Ho Chi Minh ihren eigenen Landesteil von der Hauptstadt Hanoi aus. Die städtischen und ländlichen Familienbetriebe wurden unter staatliche Kontrolle gestellt. Die Machthaber säuberten den Norden des Landes, angebliche Verräter wurden denunziert und hingerichtet. Infolgedessen flohen etwa eine Million Nordvietnamesen in den Süden. Die rigoros in Nordvietnam durchgesetzte Landreform 1955/56 verunsicherte die Bevölkerung zusätzlich und führte zu Aufständen im Norden. Im Süden wurde 1955 Saigon zur Hauptstadt der pro-westlichen Republik Südvietnam ausgerufen. Der Antikommunist und Katholik Ngo Dinh Diem wurde Staatsoberhaupt. Er sagte die für 1956 geplanten gesamtvietnamesischen Wahlen ab und erklärte sich selbst zum Präsidenten. Südvietnam und die USA unterzeichneten das Abkommen der Genfer Konferenz nie. Die französische Armee verließ Südvietnam im Jahr 1956. Mitte der 50er Jahre schickten die USA militärische Hilfe und Berater nach Südvietnam, um den Konflikt zwischen Nord- und Südvietnam zu Gunsten des pro-westlichen Südens zu lösen. Unterdessen verwandelte sich die südvietnamesische Regierung in eine Diktatur, die mit rücksichtsloser Gewalt gegen Buddhisten, andere religiöse Gruppen und politische Dissidenten vorging. Im Jahr 1963 verbrannten sich buddhistische Mönche öffentlich selbst und südvietnamesische Studenten demonstrierten auf der Straße. Mehr Lesen https://timesofindia.indiatimes.com/videos/news/burning-monk-vietnamese-monk-who-immolated-himself-against-ngo-dinh-diem/videoshow/69729654.cms Der Vietnamkrieg (der zweite Indochinakrieg) Der Vietcong war eine Guerillaorganisation im Süden, die seit 1956 Teil des Widerstands war und von den Kommunisten Nordvietnams unterstützt wurde. Die politisch verfolgte und in den Untergrund getriebene südvietnamesische Opposition hatte mit Unterstützung der Kommunisten in Hanoi die Nationale Befreiungsfront (NFL) gegründet. Zu Beginn der 60er Jahre schickten die USA immer mehr Militärberater nach Südvietnam, da sie befürchteten, dass ein kommunistischer Sieg in Vietnam einen Dominoeffekt in den Nachbarländern auslösen würde. 1963, nach mehreren gescheiterten Putschversuchen, setzte das Militär mit Unterstützung der CIA und Präsident John F. Kennedys Ngo Dinh Diem als Präsident ab. Der sogenannte Golf von Tonkin-Zwischenfall gilt als offizieller Auslöser des Vietnamkriegs, des zweiten Indochinakriegs. Im August 1964 lieferte sich der US-Zerstörer "Maddox" vor der Küste Nordvietnams ein Feuergefecht mit zwei Torpedobooten. Spätere Untersuchungen ergaben, dass die "Maddox" Teil eines geheimen Manövers mit der südvietnamesischen Marine gewesen war. US-Präsident Johnson nutzte diesen Vorfall als Vorwand, um mit Zustimmung des Kongresses Verstärkungstruppen nach Südvietnam zu schicken und die Bombardierung Nordvietnams anzuordnen. Die Amerikaner haben Nordvietnam nie offiziell den Krieg erklärt. Die Task Force "Operation Rolling Thunder" bildete den Ausgangspunkt für den Einmarsch der USA in Nordvietnam. Im März 1965 gingen 25.000 Soldaten in der Gegend von Da Nang an Land. In den folgenden Jahren wuchs ihre Zahl auf eine halbe Million an. Ziel des US-Militärs war es, mit modernster Waffentechnik die kommunistischen Soldaten aus Südvietnam zu vertreiben und den Norden zu besiegen. Doch der Vietcong ging mit Guerillataktiken gegen die US-Truppen vor, teilweise unterstützt von der Landbevölkerung. Die südvietnamesische Regierung hatte aufgrund ihrer repressiven Regierungsführung die Sympathie vieler Bauern verloren. Um die Unterstützung des Vietcong durch die südvietnamesische Landbevölkerung zu brechen, wurden viele von ihnen in Städte oder befestigte Dörfer umgesiedelt. Die südvietnamesischen Untergrundkämpfer (von den Amerikanern Charlie genannt) fügten den amerikanischen Soldaten durch Landminen, Tigerfallen, Überraschungsangriffe und Sabotageakte Verluste zu. Die Tunnel von Cu Chi halfen dem Vietcong, praktisch unsichtbar zu werden. Diese Tunnel sind heute für die Öffentlichkeit zugänglich. Tagsüber schienen die US-Truppen die Oberhand zu haben, doch in der Nacht schlug der Vietcong zurück und konnte schwere Schläge austeilen. Ein Sieg der kommunistischen Guerilla war jedoch aufgrund der Überlegenheit der Amerikaner, der Südvietnamesen und der Soldaten der anderen verbündeten Nationen nicht möglich. Um dieses militärische Patt zu beenden, forderte der Stabschef der US-Armee, General Westmoreland, sogar den Einsatz von Atomwaffen, konnte sich damit jedoch nicht durchsetzen. Stattdessen ordnete er an, Agent Orange, ein chemisches Pestizid, das Dioxine enthält, über weite Gebiete zu verteilen, um Wälder zu entlauben und somit die Pfade des Vietcong sichtbar zu machen. Bevorzugtes Ziel dieser Entlaubungsaktionen war der so genannte Ho-Chi-Minh-Pfad, ein 16.000 km langes, stark verzweigtes Wegenetz, das teilweise nach Laos und Kambodscha führte. Die US-Streitkräfte warfen auch Napalm und konventionelle Bomben auf diese Pfade ab, um den militärischen Nachschub aus dem Norden in den Süden zu unterbrechen. Ein Wendepunkt des Krieges war die Tet-Offensive. Am 31. Januar 1968, dem vietnamesischen Neujahrstag, Tet genannt, griffen die Kämpfer von Ho Chin Minh und Vietcong trotz des vereinbarten Waffenstillstands die Stellungen der amerikanischen und südvietnamesischen Streitkräfte an. Obwohl die Tet-Offensive kein Erfolg war, da die Vietcong- und Ho-Chi-Minh-Kämpfer schwere Verluste erlitten, änderte sich die öffentliche Meinung in den USA über den Vietnamkrieg. Die Journalisten wiesen nach, dass die amerikanische Kriegspropaganda über das baldige Ende des Krieges auf Lügen basierte. Zusätzlich wurden Bilder über Kriegsgräuel der amerikanischen Truppen veröffentlicht. Amerika stand unter Schock. Die Antikriegsbewegung in Amerika und Westeuropa wuchs exponentiell. Noch im selben Jahr kündigte Präsident Johnson offizielle Friedensverhandlungen an, die im Mai 1968 in Paris begannen. Ein Waffenstillstand, eine Bedingung für die Gespräche, hielt jedoch nur kurz an. Das Ende des Krieges Trotz der Friedensgespräche und Geheimverhandlungen wurde der Krieg mehrere Jahre lang fortgesetzt und Hanoi schwer bombardiert. Am 27. Januar 1973 unterzeichneten die Kontrahenten das Pariser Friedensabkommen, das den Krieg beendete und den Abzug der amerikanischen Streitkräfte garantierte. Eine nationale Aussöhnung lag jedoch in weiter Ferne. Nach dem Abzug des US-Militärs drängte die nordvietnamesische Regierung auf den Sieg über den Süden. Anfang 1975 startete sie einen groß angelegten Angriff. Tausende von südvietnamesischen Soldaten flohen, als die nordvietnamesischen Truppen sich Saigon näherten. Präsident Nguyen trat zurück und floh nach Großbritannien. Am 30. April 1975 marschierten die nordvietnamesischen und kommunistischen Truppen in Saigon ein und eroberten den Präsidentenpalast, ohne dass die südvietnamesischen Truppen Widerstand geleistet hätten. Die Republik Südvietnam kapitulierte bedingungslos. Das Ergebnis des Krieges war entsetzlich. Das ganze Land war in Schutt und Asche gebombt, die Infrastruktur war zerstört. Hunderttausende von Menschen waren verletzt oder behindert. 10 Millionen obdachlose Flüchtlinge und ehemalige Soldaten irrten durch das zerstörte Land. Durch den Einsatz von 80 Millionen Litern Entlaubungsmitteln durch das US-Militär waren große Teile der Tierwelt und der Wälder des Landes vergiftet oder ganz zerstört. Zahlreiche Missbildungen von Neugeborenen in Vietnam gehen auf die exzessive Kontaminierung durch Agent Orange zurück. Dioxine wirken sich langfristig auf die Nahrungskette aus, und noch Jahre nach Kriegsende werden sie als Ursache für zahlreiche Krebserkrankungen genannt. Wiedervereinigung Die ersten vietnamesischen Wahlen fanden im April 1976 statt und wurden von den Kommunisten gewonnen. Mit der Gründung der Sozialistischen Republik Vietnam (SRV) am 2. Juli 1976, mit Hanoi als Hauptstadt, wurden Nord- und Südvietnam wiedervereint. Ho Chi Minh, der 1969 gestorben war, erlebte diesen Sieg nicht mehr. Die Wiedervereinigung ging mit einer rigoros durchgeführten Übernahme, Umstrukturierung und Säuberung des kapitalistischen Südens einher. Wirtschaft und Landwirtschaft wurden verstaatlicht. Intellektuelle und alle politisch Andersdenkenden wurden verfolgt und in Umerziehungslager gesteckt. Die Religionsfreiheit wurde stark eingeschränkt. Die Veränderungen waren einschneidend und führten zu den größten Flüchtlingsströmen dieser Zeit. Etwa 2 Millionen Menschen, vor allem wohlhabende chinesische Geschäftsleute, für die in einem kommunistischen System kein Platz war, flohen zwischen 1975 und 1990 aus Vietnam, hauptsächlich als Bootsflüchtlinge über das Chinesische Meer. Außenpolitisch näherte sich die vietnamesische Regierung der Sowjetunion an, sehr zum Missfallen der chinesischen Verbündeten, die 1978 ihre Hilfe einstellte. Das heutige Vietnam Das Land befand sich nach dem Krieg in einer schwierigen Lage. Die Infrastruktur und die Industrie waren zerstört, die Region hatte unter Naturkatastrophen, enormen militärischen Kosten, der Inflation und der Entscheidung Chinas, die Hilfe einzustellen, zu leiden, was durch ein internationales Embargo, die Flucht gebildeter Teile der Bevölkerung und die zunehmende Korruption noch verschärft wurde. Kein Wunder, dass der Zusammenbruch der vietnamesischen Wirtschaft unmittelbar bevorstand. Tiefgreifende Reformen waren unumgänglich. Auf dem Sechsten Nationalen Parteitag 1986 wurden weitreichende Wirtschaftsreformen beschlossen. Die politischen Machthaber setzten auf Dezentralisierung und Marktwirtschaft. Eine konsequente Umsetzung fand jedoch nicht statt. Nach einer weiteren Hungersnot im Norden Anfang 1988 schaffte die Regierung die landwirtschaftlichen Genossenschaften endgültig ab. Landwirte durften nun Land pachten und ihre Waren selbständig auf dem Markt verkaufen. In den 1990er Jahren kam eine neue politische Generation an die Macht, die das alte kommunistische Regime durch eine "Erneuerung des Denkens" ablöste. In der neuen Verfassung von 1992 wurde schließlich das Recht auf Privateigentum garantiert. Am 3. Februar 1994 ordnete Präsident Bill Clinton die Aufhebung des US-Handelsembargos gegen Vietnam an. Drei Jahre später, im Jahr 1997, erklärte sich die vietnamesische Regierung bereit, die Schulden der südvietnamesischen Regierung in Höhe von etwa 140 Millionen Dollar zu begleichen, um den Handel mit den USA zu ermöglichen. In der Folgezeit stieg das Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern sprunghaft an. Außerdem ernannte Clinton 1997 den ehemaligen Kriegsgefangenen und US-Kongressabgeordneten Pete Peterson zum ersten US-Botschafter in Vietnam seit 1975. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Bill Clinton, stattete Vietnam im November 2000 einen historischen Besuch ab. Er war das erste Staatsoberhaupt der USA, das Hanoi offiziell besuchte, und das erste, das Vietnam seit dem Abzug der US-Truppen im Jahr 1975 einen Besuch abstattete. Seit den tief greifenden Wirtschaftsreformen und der Aufhebung des US-Embargos floriert die Wirtschaft des Landes mit einer zweistelligen Wachstumsrate. Das Land wandte sich von der stark geförderten Schwerindustrie ab und besann sich wieder auf die typisch vietnamesischen Agrarindustrien. Vietnam ist heute einer der weltweit größten Exporteure von Reis. Das Land zog aufgrund seiner enormen Ölvorkommen, seiner liberalen Gesetze, seiner hoch motivierten Arbeitskräfte und des niedrigen Lohnniveaus erfolgreich ausländisches Kapital an. In den letzten Jahren hat sich die Wirtschaft von einer hauptsächlich landwirtschaftlich geprägten zu einer Dienstleistungswirtschaft gewandelt, in der der Tourismus eine immer wichtigere Rolle spielt. Hier könnt Ihr Euer Wissen über den Vietnamkrieg testen: Die Medienberichterstattung veränderte den Krieg In keinem anderen Krieg hatte die unzensierte Medienberichterstattung eine solche Wirkung, ganz anders als es die amerikanischen Militärstrategen geplant hatten. So veränderte beispielsweise die Berichterstattung über das Massaker von My Lai am 16. März 1968 die Einstellung der Öffentlichkeit zum Vietnamkrieg für immer. In einer 90-minütigen Such- und Zerstörungsaktion töteten US-Soldaten 504 Dorfbewohner: ältere Menschen, Frauen und Kinder. Weitere Informationen finden Sie hier. https://www.britannica.com/event/My-Lai-Massacre Die Bilder von Trang Bang im Jahr 1972 hatten eine noch stärkere Wirkung auf die öffentliche Meinung in der Welt. Einige erinnern sich vielleicht noch an die Fotos, die ein nacktes Mädchen zeigten, das weinend aus seinem von Napalmbomben zerstörten Dorf rannte. Dieses Bild wurde zur Ikone der Antikriegsbewegung. Weitere Informationen finden Sie hier. https://www.vanityfair.com/news/2015/04/vietnam-war-napalm-girl-photo-today Tim Page war einer der berühmtesten und furchtlosesten Fotografen während des Vietnamkriegs. Sein spannendes Buch "Page After Page", in dem er seine Geschichte über seine Zeit in Vietnam erzählt, wurde als Miniserie "Frankie's House" verfilmt: https://www.imdb.com/title/tt0104294/ https://www.theguardian.com/media/gallery/2022/aug/24/tim-page-the-vietnam-war-photographers-career-in-pictures https://www.theguardian.com/world/2022/sep/01/tim-page-obituary Dave stand vor seiner ersten Reise nach Vietnam im Jahr 1992 in Kontakt mit Tim Page, der ihm einige Informationen und Empfehlungen zu Sehenswürdigkeiten und Besuchen gab. Dazu gehörten auch die Kontaktdaten eines vietnamesischen Fotografen, Herrn Hoang Van Cuong, der 1992 in Saigon eine Bar namens Cyclo Bar besaß. Er war während des Vietnamkriegs als Fotograf tätig. Nach dem Abzug der Amerikaner und dem Fall des Südens blieb er mit seiner Frau und seiner Familie zurück. Er tauchte unter, um den siegreichen Nordvietnamesen zu entkommen, die Saigon übernahmen und jeden potenziellen politischen Dissidenten verfolgten, insbesondere diejenigen, die für die Amerikaner gearbeitet hatten. Hoang Van Cuong überlebte, indem er Bauer im Mekong-Delta wurde. Nach neun Jahren wurde er gefangen genommen und in die Zwangsarbeitslager geschickt, die euphemistisch als "Umerziehungslager" bezeichnet wurden. Nachdem er fünf Jahre in diesem Lager verbracht hatte, wurde er 1989 entlassen. Nach vierzehn Jahren wurde er schließlich mit seiner Frau und seiner Familie wiedervereint. Glücklicherweise war es ihm gelungen, die Negative der Fotos, die er während des Vietnamkriegs gemacht hatte, bei Mitgliedern seiner Großfamilie zu verstecken. 1992 waren diese Fotos in einer kleinen Galerie auf dem Dach seiner Bar ausgestellt. Er verkaufte sie für 20 US-Dollar pro Stück, um sein mageres Einkommen aus seiner Bar aufzubessern. Alle berühmten Kriegsfotografen der damaligen Zeit besuchten ihn, kamen in seine Bar und hefteten ihre Visitenkarten an die Wand seiner Galerie, um ihrem ehemaligen Kollegen die dringend benötigte Unterstützung zukommen zu lassen. Bei seinem Besuch im Jahr 1992 kaufte Dave zwei seiner Fotografien, die noch immer in unserem Wohnzimmer in London hängen. Dave war kurz vor Weihnachten dort und erfuhr, dass eine Woche zuvor Carol Thatcher, die Tochter der ehemaligen Premierministerin Margret Thatcher, ebenfalls dort war und zehn Fotos von Cuong als Weihnachtsgeschenke für ihre Freunde in der Heimat gekauft hatte. Wenn wir also in Saigon sind, werden wir auf jeden Fall versuchen, die Cyclo Bar zu finden und hoffen, Hoang Van Cuong zu treffen. Hier ist ein Link zu der bemerkenswerten Geschichte von Hoang Van Cuong. https://vivujourneys.com/product/local-legend-mr-hoang-van-cuong-vietnam/ Unser Programm - Jetzt geht`s los: Im Folgenden werden wir für jeden Tag unser von unserem Reiseveranstalter "Explore!" zusammengestelltes Tourprogramm einstellen ( in italic und blau ) , gefolgt von unseren persönlichen Erzählungen und Eindrücken. Genießt die Reise mit uns. Tag 1: Samstag 21. Oktober 2023 Der Flug von Heathrow nach Saigon, Ho Chi Minh City, war problemlos. 13 Stunden Flug für ein bisschen mehr als 10.000 km. Wir waren ziemlich überrascht über Vietnam Airlines, denn die Bewertungen, die wir gelesen hatten, waren ziemlich schlecht gewesen. Aber die normalerweise todlangweilige Einführung in die Regeln an Bord war lustig und erregte unsere Aufmerksamkeit: Es wurde ein Video mit Flugbegleitern gezeigt, die traditionelle vietnamesische Tänze vollführten, während sie erklärten, dass man nicht rauchen darf, wie man sich anschnallt oder wie man seine Sauerstoffmaske oder Sicherheitsweste anlegt. Das Essen war vietnamesisch und sehr gut, auch wenn es für uns gewöhnungsbedürftig war, zum Frühstück Hühnernudelsuppe zu essen. Die Alternative, Hash Brownies, Speck und Rührei und fades Brot, erschien uns nicht so aufregend. Wein und Bier wurden großzügig ausgeschenkt und man wurde nicht nach einem Glas belehrt, dass Alkohol beim Fliegen schädlich ist, wie wir es allzu oft bei British Airways, Virgin Airlines und American Airlines erlebt haben, während es in der First und Business Class Champagner und Wein ohne Ende gab und zwar in richtigen Gläsern. Was für eine Überraschung! Zu all unseren Mahlzeiten gab es echte Messer, Gabeln und Gläser, wie wir sie in der "Cattle Class" anderer Fluggesellschaften seit Jahren nicht mehr gesehen hatten. Auch die Filmauswahl war interessant. Man konnte nur zwischen asiatischen und Hollywood-Krachern wählen. Da ich sowieso nicht schlafen konnte, entschied ich mich für drei vietnamesische Filme, die mehrfach Preise gewonnen hatten, und ich wurde nicht enttäuscht. Besonders gut gefiel mir der Film "Green Papaya" über ein junges vietnamesisches Mädchen vom Lande, das als Hausmädchen bei einer Familie in der Stadt arbeitet. Eine gute Einführung in das Leben in Vietnam, ein Land, das ich noch nie besucht hatte. Tag 2: Sonntag, 22. Oktober 2023 - Beginn der Tour in Hanoi Ankunft in Vietnams Hauptstadt, die für ihre reiche Kultur, ihr pulsierendes Leben und ihre kolonialen Einflüsse auf die jahrhundertealte Architektur bekannt ist. Kleine Seen, die über die Stadt verstreut sind, werden von belebten Straßen und geheimen Gassen umschlossen, die darauf warten, erkundet zu werden. Von Ho-Chin-Minh-Stadt aus mussten wir weiter nach Hanoi reisen (ein weiterer 2-stündiger Flug), wo wir uns mit dem Rest der Reisegruppe trafen, um unsere Tour zu beginnen. Wir sind eine Gruppe von 13 Personen, meist in einem ähnlichen Alter wie wir, ab 60, mit ähnlichen Interessen. Wir beginnen unsere Tour in Hanoi, der "Stadt zwischen den Flüssen", wie die Vietnamesen ihre Hauptstadt nennen. Hanoi gilt auch als eine der schönsten Städte Asiens, mit französischem Charme und typisch vietnamesischem Chaos, sagte man uns. Wir werden sehen. Obwohl Saigon in der Kolonialgeschichte und in den Kriegen der letzten beiden Jahrhunderte eine wichtige Rolle spielte, wird Hanoi, das im Delta des Roten Flusses und an den nahe gelegenen Bergen liegt, mit seiner über 4000 Jahre alten Geschichte als die Wiege Vietnams bezeichnet. Wie an keinem anderen Ort in Vietnam, so heißt es, beeinflussen die verschiedenen Epochen die Atmosphäre dieser Stadt. Könige, Konfuzius, Kolonialherren, das Militär und in jüngster Zeit auch Kapitalisten haben das Stadtbild geprägt. Hier finden sich Hunderte von Tempeln und Pagoden, Fassaden aus der Kolonialzeit, zahlreiche Museen, Art-Deko-Villen und moderne Hochhauskaufhäuser. Es gibt so viel zu sehen, aber wir haben nur wenig Zeit. Wir können nur einen kurzen Blick auf die Sehenswürdigkeiten der Stadt werfen. Tag 3: Montag, 23. Oktober 2023 - Entdecken Sie die Sehenswürdigkeiten von Hanoi, einschließlich des alten Viertels Heute Morgen besichtigen wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Hanoi. Die Stadt ist architektonisch wie eine französische Provinzstadt gestaltet, mit von Bäumen gesäumten Boulevards und soliden, niedrigen Häusern, und hat einen wunderbar nostalgischen Charakter. Zu den interessanten Sehenswürdigkeiten gehören die bezaubernde Ein-Säulen-Pagode, der Konfuzius-Tempel und der Präsidentenpalast. Ho Chi Minh selbst, ein spartanisch lebender und gelehrter Mann, zog es vor, nicht im Präsidentenpalast zu wohnen, sondern in einem einfachen Stelzenhaus aus Teakholz, das eigens für ihn auf dem Gelände errichtet wurde. Heute Nachmittag spazieren wir durch die engen Gassen des faszinierenden alten Viertels, dessen Straßen nach verschiedenen Handwerken oder Spezialitäten benannt sind: Papierstraße, Seidenstraße, Korbstraße und so weiter. Die Läden haben sehr schmale Fassaden, sind aber recht tief; sie sind im Volksmund als Röhrenläden bekannt. Auf den Bürgersteigen verkaufen Lebensmittelverkäufer Nudeln, Snacks und Pfannengerichte aus Umhängetaschen. Der Geruch des Essens vermischt sich mit dem Duft des Weihrauchs aus den kleinen Tempeln, die hier überall stehen. Hanoi ist super interessant. Es gibt so viel zu sehen und so viel zu tun. Zunächst einmal ist das Essen sehr lecker. Unser Reiseleiter findet immer kleine Restaurants und Plätze, wo wir essen können. Am ersten Abend brachte er eine große Coca-Cola-Flasche voll mit selbst gemachtem Reiswein, den sein Vater hergestellt hatte. Der schmeckte auch sehr gut und lockerte die Gruppe auf. Unser Reiseleiter ist sehr kenntnisreich und erzählt uns auch viele Geschichten über die vietnamesische Lebensweise. Ich war sehr erstaunt über die schmalen hohen Häuser in ganz Hanoi. Er erklärte mir, dass Grundstücke sehr teuer sind. Das ist der Grund, warum die meisten Häuser nur 3 Meter breit, aber mehrere Stockwerke hoch sind. Diese Häuser werden auch Röhrenhäuser genannt. Denn obwohl schmal, sind sie lange, manchmal bis zu 60-80 Meter, und beherbergen vielleicht eine Werkstatt, Wohn- und Schlafräume und einen begrünten Hinterhof, wo Gemüse angebaut wird. Jedes Haus hat im Erdgeschoss einen Laden, in dem die Familie etwas verkauft. Und das ist ein weiterer Grund dafür, dass die Häuser schmal sind: Die Steuer für das Geschäft wird nach der Breite der Ladenfront berechnet. Da die Häuser so schmal sind, werden die Waren auf dem Bürgersteig ausgestellt und auch dort verkauft. Es ist also schwierig, sich auf den Bürgersteigen zu bewegen, und oft muss man auf die belebten Straßen ausweichen und riskiert, von den vielen Motorrädern überfahren zu werden. Es gibt viele winzige Restaurants, in denen die Leute auf kleinen Stühlen oder Hockern sitzen. Wir erfahren auch, dass nur wenige Menschen in Vietnam einen Kühlschrank besitzen. Deshalb gehen sie ein paar Mal am Tag Lebensmittel einkaufen. In Hanoi gibt es keine großen Supermärkte, sondern die Menschen kaufen in kleinen Läden auf der Straße ein. Das erklärt, warum wir so viele Lebensmittelgeschäfte auf dem Bürgersteig sehen, die Gemüse, Reisnudeln, Fisch, Meeresfrüchte oder Fleisch anbieten. Die Ladenbesitzer erhalten eine Lieferung von Lebensmitteln und bereiten sie auf dem Bürgersteig für den Verkauf vor. In einer Metzgerei wird beispielsweise morgens ein halbes Schwein (auf einem Motorrad) angeliefert, das die Ladenbesitzerin in Stücke schneidet, damit die Kunden es im Laufe des Vormittags kaufen können. Das Geschäft läuft gut und am Mittag ist das halbe Schwein weg. Ein Kühlschrank ist nicht nötig. Die Straßen sind voll mit Motorrädern, Fahrrädern und Autos. Wir sind beeindruckt, wie schwer beladen manche Motorräder und Fahrräder sind und wie sicher die Fahrer sie durch den Verkehr manövrieren. Wir besichtigen das Ho Chi Minh Mausoleum - aber nur von außen, denn montags ist es für Besucher geschlossen. Hier wurde Ho Chi Minh einbalsamiert - jedoch gegen seinen ausdrücklichen Wunsch, denn er wollte seine Asche in drei Teile aufgeteilt und in drei Keramikurnen aufbewahrt wissen. Die drei Teile sollten den Norden, das Zentrum und den Süden des Landes repräsentieren. Gegenüber dem Mausoleum ist das Gebäude der Nationalversammlung, wo Ho Chi Minh am 2. September 1945 die Unabhängigkeitserklärung verlesen hat. Nicht weit von hier ist der frühere Präsidentenpalast, erbaut von 1900 bis 1908 als Residenz des Generalgouverneurs. Ho Chi Minh wollte nicht in dem protzigen Gebäude wohnen, sondern hat sich ein bescheideneres Haus am See bauen lassen. Im Sommer, wenn es zu heiß war, ist er in eine kleine Hütte auf Stelzen nebenan gezogen. Natürlich besichtigen wir auch Sehenswürdigkeiten wie die Einsäulenpagode und den Literaturtempel, der jahrhundertelang das intellektuelle und spirituelle Zentrum des damaligen Königreiches war. Fotos von links nach rechts: Ho Chi Minh Mausoleum, Präsidentenpalast, Literaturtempel Nachdem wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten angesehen hatten, erkundeten wir das französische Viertel. Hier gibt es viele prächtige, von den Franzosen erbaute Häuser, die heute meist als Regierungsgebäude dienen oder in denen Botschafter wohnen und Botschaften untergebracht sind. Wir sehen häufig mobile Blumenstände, an denen junge hübsche Frauen Blumen für schöne Fotos kaufen oder mieten können. Die Fotos werden entweder von einem der vielen professionellen Fotografen oder von einem Freund oder einem Familienmitglied gemacht. Kurz vor 11 Uhr müssen wir in eine enge Straße einbiegen, um uns in ein Café zu setzen. Wir sind aufgeregt, denn wir warten darauf, dass der Zug aus Saigon, der Reunification Express, durch diese sehr enge Straße fährt. Einige von uns sitzen auf einem Balkon, andere sind unten in der Nähe der Gleise. Wir alle halten unsere Kameras bereit. Dave hat einen besonderen Platz gefunden, von dem aus er die perfekte Aussicht hat, aber die Einheimischen rufen ihm zu, er solle zurück an die Hauswand gehen. Sie bringen ihm sogar einen winzigen Stuhl, auf dem er sitzen kann, warnen ihn aber trotzdem, er solle sein Bein einziehen, weil der Zug bald kommen würde. Und wir hören ihn schon, lange bevor wir ihn sehen. Aber dann taucht er auf und nähert sich sehr schnell. Ein riesiger Zug kommt mit hoher Geschwindigkeit auf uns zu. Wir pressen unsere Körper an die Wand, Dave zieht schnell seine Knie ein. Der Zug ist unglaublich lang und fährt so dicht an uns vorbei, dass wir, eingeklemmt zwischen Zug und Wand, fast klaustrophobisch werden. Aber sehr aufregend! Hier ist Daves Videoclip vom beeindruckenden Reunification Express. Danach essen wir in dem Café zu Mittag, von dem aus wir den Zug beobachtet haben. Es ist alles gut organisiert, geschäftsmäßig. Der Zug fährt etwa vier Mal am Tag durch die Gasse. Die restliche Zeit des Tages und nachts ist die Bahnstrecke leer und wird von Familien genutzt, um den Tisch für alle zu decken und das gemeinsame Essen zu genießen. Der Fahrplan ist bekannt und so ist das Zusammensein auch ganz entspannt. Anschließend spazieren wir stundenlang durch das alte Viertel. Dies ist die historische Altstadt mit einer interessanten Architektur und vielen Geschäften und Märkten. Es gibt Straßen, in denen Seide, Schmuck, Körbe, Schuhe, Seifen, Papier-, Zinn- und Bambusprodukte, Fleisch, Fisch, Gemüse usw. verkauft werden. Es ist faszinierend, durch die Straßen zu schlendern und die Sehenswürdigkeiten und Gerüche in sich aufzunehmen... Später machen wir eine Rikschatour durch die Altstadt. Die Rikschas sind Fahrräder, die von Männern mit starken Beinen angetrieben werden. Das ist eine faule Art, die Stadt kennenzulernen, aber nach vielen Kilometern zu Fuß genießen wir es, faul zu sein. Für fünf Uhr nachmittags haben wir Karten für das Wasserpuppentheater gebucht. Diese Vorführungen, die fünfmal täglich angeboten werden, werden von Massen von Menschen besucht. Eine Gruppe von Musikern und Sängern trägt traditionelle Lieder vor und erzählt dazu Geschichten über das traditionelle Leben in Vietnam, über Wasserbüffel, Drachen, Fischer, Reisbauern usw. Es ist ein großer Spaß, wenn die Drachen Wasser spucken und die Fische aus dem Wasser fliegen. Die Puppen werden hinter einer Leinwand von einer Gruppe von Leuten bedient, die bis zu den Hüften im Wasser stehen. Mit langen Bambusstangen und Fäden bewegen sie die Puppen über das Wasser. Ich kann nur hoffen, dass das Wasser warm ist oder sie Neoprenanzüge tragen. Wir haben ein weiteres köstliches Abendessen in einem kleinen Restaurant. Unser Reiseführer wählt Orte aus, an denen hauptsächlich Vietnamesen speisen. Die Restaurants sehen meist eher bescheiden aus und wir würden sie normalerweise wahrscheinlich nicht besuchen. Wir haben noch kein Touristenrestaurant von innen gesehen. Gut so. Sehr lecker!! Tag 4: Dienstag, 24. Oktober 2023 - Freie Zeit in Hanoi, dann Fahrt zur Halong-Bucht Heute Vormittag haben wir Zeit zur freien Verfügung in Hanoi, vielleicht um eines der zahlreichen Museen oder Ho Chi Minhs strenges Mausoleum zu besuchen, das dem von Lenin in Moskau ähnelt. Anschließend fahren wir in Richtung der berühmten Halong-Bucht im Golf von Tonkin. Tausende von zerklüfteten Kalksteininseln ragen aus dem jadegrünen Wasser wie die haarigen Schuppen eines untergetauchten Drachens. Halong bedeutet so viel wie: "Wo der Drache ins Meer hinabsteigt". Die Legende besagt, dass die zerklüftete Meerlandschaft durch den stampfenden Schwanz eines Drachens entstand, der von den Bergen ins Meer stürzte und die Inseln in seinem Kielwasser mit sich riss. Der heutige Morgen steht zur freien Verfügung. Wir fahren zum Hanoi Hilton. Dabei handelt es sich nicht um ein luxuriöses Hotel, sondern um das berüchtigte Gefängnis Hoa Lo in Hanoi, das von den amerikanischen Kriegsgefangenen, zumeist Piloten und Flugtechniker, die beim Abschuss ihrer Flugzeuge gefangen genommen und festgehalten worden waren, sarkastisch Hanoi Hilton genannt wurde. Der berühmteste von ihnen war John McCain, der spätere demokratische Senator, der vor kurzem verstorben ist und von dem Donald Trump sagte, er sei ein Verlierer, weil er sich hat gefangen nehmen lassen. Er wurde gefangen genommen und gefoltert und fünf Jahre lang in diesem Gefängnis festgehalten, bis er und alle anderen amerikanischen Kriegsgefangenen nach der Unterzeichnung des Pariser Friedensabkommens am 27. Januar 1973 freigelassen wurden. Das Gefängnis wurde ursprünglich 1896 von den französischen Kolonialherren erbaut und 1954 an die vietnamesischen Behörden übergeben. Ein großer Teil des Gefängnismuseums ist der Geschichte und den schlechten und entsetzlichen Bedingungen gewidmet, unter denen die Franzosen die vietnamesischen Gefangenen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts inhaftierten. Die amerikanischen Kriegsgefangenen werden in die US zurückgesandt. Ein anderer Teil berichtet über den amerikanischen Vietnamkrieg und wie gut die Vietnamesen die gefangenen amerikanischen Soldaten behandelten. Der Ausstellung und den Fotos des Museums zufolge erhielten sie gutes Essen, durften Sport treiben, Basketball und Baseball spielen, Weihnachten feiern und Lebensmittelpakete von ihren Familien erhalten. Dies steht in gewissem Widerspruch zu den Berichten amerikanischer Soldaten über Folter und Verhöre, die wir vor unserer Ankunft in Vietnam gelesen hatten. Den Gefangenen wurden auch Filme gezeigt, um sie über das Land Vietnam und die Menschen, gegen die sie gekämpft hatten, aufzuklären. Als die Gefangenen schließlich entlassen wurden, erhielt jeder von ihnen neue Kleidung und eine Tasche voller Geschenke. Das alles ist auf den vielen Fotos zu sehen. Auffallend ist der Teil der Ausstellung, der sich mit der Versöhnung zwischen den beiden Ländern, den USA und Vietnam, befasst. Fotos dokumentieren die Besuche von US-Präsidenten und Diplomaten sowie die Versöhnungsbemühungen der USA, um einen Teil des Schadens wiedergutzumachen, den sie dem Land zum Beispiel durch den Einsatz von Agent Orange zugefügt hatten. Auch amerikanische Soldaten waren zurückgekommen, um das Gefängnis zu besuchen und um Vergebung zu bitten. Der Besuch war lohnenswert und regt zum Nachdenken an. Der US Botschafter in Vietnam, Peterson, und Senator McCain besuchen das Hoa Lo Gefängnis Mehr Informationen auf https://en.wikipedia.org/wiki/Hỏa_Lò_Prison Und https://en.wikipedia.org/wiki/The_Hanoi_Hilton_(Film) Am Nachmittag machen wir uns mit dem Bus auf den Weg nach Ha Long an der Küste. Unterwegs halten wir an einem Gemüsefeld an und beobachten wie die Landarbeiter das Land bearbeiten. Zum Abendessen in Ha Long bestellt unser Reiseleiter, der uns so viele typisch vietnamesische Gerichte wie möglich zeigen will, einen Hot Pot für zehn Personen. Dabei handelt es sich um eine große Metallschüssel mit Suppe auf einem kleinen Gaskocher, die in der Mitte unseres großen Tisches steht. Dann kommen alle möglichen Zutaten, die ebenfalls in der Mitte um den Hot Pot herum platziert werden, auf den Tisch: Rind- und Schweinefleischscheiben, verschiedene Gemüsesorten, Tofu, noch lebende Scampis, die versuchen, vom Teller zu springen. Unser Führer schüttet einen Teller voller Leckereien nach dem anderen in die heiße Brühe im Topf. Nachdem die Zutaten einige Minuten gekocht haben, werden sie auf unsere Teller verteilt. Sehr lecker! Es ist nur etwas unangenehm zu beobachten, wie die Scampis in den Topf geworfen werden und einige von ihnen versuchen, wieder herauszuspringen, um der kochenden Brühe zu entkommen. Trotzdem haben sie sehr gut geschmeckt. Tag 5: Mittwoch, 25. Oktober 2023 - Fahrt durch die Halong-Bucht; von Hanoi Nachtzug nach Hué Heute Morgen genießen wir die romantische Kulisse der Halong-Bucht auf einer Kreuzfahrt zwischen den Inseln. Wir werden die Gelegenheit haben, an einer Grotte unter hoch aufragenden Klippen anzuhalten und vielleicht einen Strand zu besuchen. Es ist interessant, die kuriose Mischung aus Touristenbooten, traditionellen Dschunken und hölzernen Sampans zu sehen, die durch die Gewässer gleiten. Wir genießen ein Mittagessen mit Meeresfrüchten an Bord des Schiffes, bevor wir zu unserem Hotel in Hanoi zurückkehren, um uns frisch zu machen, um dann den Reunification Express nach Hué zu besteigen. Am Morgen machen wir eine Bootsfahrt durch die Halong-Bucht. Wir sind überwältigt von der wunderschönen Bucht, in der über 1900 kleine Inseln aus dem Wasser ragen. Sie haben alle unterschiedliche Formen und werden nach ihrer Gestalt benannt, wie z. B. Hühnerinsel, Schweineinsel, Schildkröteninsel. Auf einer der Inseln, Ti-Top, halten wir an und steigen auf einen höher gelegenen Aussichtspunkt, von wo aus wir eine faszinierende Aussicht haben. Anschließend besuchen wir eine riesige Höhle, Hang Sung Sat genannt, und bewundern die vielen beeindruckenden Stalaktiten und Stalakmiten. Das UNESCO-Weltkulturerbe Ha Long Bay ist eines der beliebtesten Reiseziele in Vietnam und zieht jedes Jahr Millionen von Besuchern an. In den letzten Jahren hat die Zahl der Touristen, die die Halong-Bucht besuchten, drastisch zugenommen, was sie zu einer der meist besuchten Attraktionen des Landes macht. Besonders beliebt ist die Bucht bei Touristen aus dem nahe gelegenen China. Während im Jahr 2010 1,6 Millionen Besucher in die Ha Long-Bucht kamen, waren es im Jahr 2022 bereits 11,5 Millionen Besucher. Leider mit allen negativen Begleiterscheinungen. Entlang des Strandes und in der ganzen Stadt wurden viele Hochhaushotels und Wohnblocks gebaut, die unserer Meinung nach den Blick auf die wunderschöne Bucht verstellen. Dann ist es an der Zeit, nach Hanoi zurückzukehren. Aber wir halten noch kurz an einer Perlenfarm und erfahren, wie Perlen in Austern gezüchtet werden. Interessant! Selbstverständlich gehört zur Perlenfarm auch ein großer Laden, in dem wunderbare Perlenketten, Ringe und Ohrringe ausgestellt werden. Leider ein bisschen zu teuer für uns. Danach geht es zurück nach Hanoi, um unseren Nachtzug nach Hue zu erreichen. Tag 6: Donnerstag, 26. Oktober 2023 - In Hué; Bootsfahrt auf dem Parfümfluss zur Thien Mu-Pagode Wir kommen in Hué an, einem der großen kulturellen und religiösen Zentren Vietnams, einem ruhigen, beeindruckenden Ort. Der Parfümfluss, der die Stadt in zwei Hälften teilt, ist seit Jahrhunderten Inspiration für Dichter und Maler. Heute Nachmittag unternehmen wir eine Bootsfahrt auf dem Parfümfluss von Hué zur Thien Mu-Pagode. Dieser ruhige Tempel ist der älteste in Hué und zugleich das Symbol der Stadt. U m 10.30 Uhr morgens erreichten wir nach einer 13 ½-stündigen Zugfahrt Hue. Wir waren in Kabinen mit Etagenbetten für vier Personen untergebracht. Decken und Kissen wurden zwar zur Verfügung gestellt, aber ich war trotzdem froh über unsere eigenen dünnen Seidenschlafsäcke. Man weiß ja nie, ob das Bettzeug frisch gewaschen ist. Ich konnte beim Rattern dieses alten Zuges überraschend gut schlafen. Vielleicht lag es aber auch am Bier, das einige der "Jungs" unserer Reisegruppe ergattert hatten und es großzügig mit uns teilten, dass wir so gut schliefen. Der Komfort für die Morgentoilette war minimalistisch. Jeder Waggon hatte zwei Toiletten und eine daneben liegenden Nische mit einem Waschbecken, Spiegel, Seife und einem Handtuch. Das Betätigen der Toilettenspülung kam einem Intelligenz- und Geschicklichkeitstest gleich, weil der eigentliche Griff offensichtlich verloren gegangen war. Nur noch ein unscheinbarer Metallstift war zu sehen. Man musste also auf die Idee kommen, dass man diesen Stift mit einiger Mühe herausziehen und ihn dann wieder hinein drücken sollte. Ich habe es hingekriegt, aber wie man nach einer Weile sehen und riechen konnte, muteten sich die meisten so eine Anstrengung nicht zu. Morgens wurden Wägen mit nicht allzu verlockenden Zutaten für`s Frühstück durch den Gang geschoben. Es gab altes Brot mit undefinierbaren Soßen. Da knabberten Dave und ich lieber an unseren Reiskräckern, denn wir wollten uns keinesfalls unterwegs den Magen verderben. Schließlich lagen ja noch viele Unternehmungen vor uns. Ich genoss es jedenfalls sehr, an meiner heißen Tasse Tee zu nippen, langsam aufzuwachen und mich auf unser nächstes Abenteuer zu freuen. Hue, die Kaiserstadt, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, war einst die Hauptstadt Vietnams und wurde zwischen 1802 und 1945 von der Nguyen-Dynastie regiert, bis die kommunistische Regierung unter Ho Chi Minh die Macht übernahm und Hanoi zur Hauptstadt machte. Hue ist eine Offenbarung für alle, die sich für die Kulturgeschichte Vietnams interessieren. Die Kaiserstadt Hue besteht aus der Verbotenen Purpurstadt, Königsgräbern, Pagoden, Tempeln, königlichen Quartieren, einer Bibliothek und einem Museum. Glücklicherweise haben viele der Gräber, Pagoden und Burgen die heftigen Kriege überstanden. In Hue angekommen, nehmen wir eines der Drachenboote, die den Perfum-Fluss entlangfahren. Es bringt uns durch eine wunderschöne Landschaft zur berühmten Thien Mu Pagode, der ältesten Pagode in Hue, die 1601 erbaut wurde. Die Pagode ist das inoffizielle Wahrzeichen von Hue. Sie ist von einem üppigen, gepflegten Garten mit vielen Blumen und Pflanzen umgeben. Die Pagode ist auch deshalb bekannt, weil sie zu einem Brennpunkt der Proteste gegen den rigiden Umgang Präsident Ngo Dinh Diems mit den Buddhisten wurde. Ngo, ein gläubiger Katholik, bevorzugte Katholiken und diskriminierte Buddhisten im öffentlichen Dienst, in der Armee und bei der Verteilung staatlicher Hilfen. Im Sommer 1963 tötete die Armee neun Buddhisten. Im ganzen Land kam es zu Protesten und die Thien-Mu-Pagode wurde zu einem wichtigen Treffpunkt der buddhistischen Bewegung und war häufig ein Ort der Proteste. Die Thien-Mu-Pagode war das Heimatkloster des buddhistischen Mönchs Tich Quang Duc, der die Welt schockierte, als er sich 1963 in Saigon aus Protest gegen die Verfolgung von Buddhisten durch die südvietnamesische Regierung selbst in Brand steckte. Im Garten der Pagode steht das Fahrzeug, mit dem Thich Quang Duc im Juni 1963 nach Saigon fuhr. An der Wand hängt ein Zeitungsartikel, der den brennenden Mönch zeigt. (Siehe unten) Zum Mittagessen hatte unser Reiseleiter einen besonderen Leckerbissen für uns geplant. Jahrhundertelang beschäftigte die königliche Familie ihre speziellen Köche, die für sie die erstaunlichsten Gerichte zubereiteten. Unser Reiseleiter organisierte für uns ein spätes Mittagessen, das von einer Familie zubereitet wurde, die seit Generationen für die königliche Familie gekocht hatte. Erwartungsvoll betreten wir die Zitadelle, um zu ihrem Haus zu gelangen. Und es ist in der Tat ein königliches Essen. Es ist die beste Mahlzeit, die wir in Vietnam hatten, vielleicht sogar die beste überhaupt. Unser königliches Menü: Frühlingsrollen, Marigold, Reis,Tofu, gefüllte Tomaten, gebratener Fisch, grüner Papayasalat, Annanas und noch viele andere Köstlichkeiten. Daneben unsere Gastgeber, die königlichen Chefköche. Am Abend spazieren Dave und ich durch Hue auf der Suche nach einer bestimmten Bar, die Dave im Internet gefunden hat: die DMZ-Bar, was für Demilitarisierte Zone steht. Die Bar wurde 1994 als Treffpunkt für Kriegsveteranen und kriegsinteressierte Reisende eröffnet, um von dort aus Touren durch die entmilitarisierte Zone zu unternehmen, die während des Krieges Nord- und Südvietnam trennte. Die DMZ befand sich nördlich von Hue und war Schauplatz vieler Schlachten. Wir freuen uns, als wir sie tatsächlich finden und gönnen uns einen Drink. Dave kauft sich zur Erinnerung ein T-Shirt mit einer Karte der DMZ auf der Rückseite. Der Kellner fragt schüchtern, ob es uns etwas ausmachen würde, ein wenig mit ihm zu sprechen, denn er wolle sein Englisch üben. So erfahren wir, dass er ein junger Student der Journalistik ist und wie viele andere Studenten auch in Restaurants und Geschäften arbeitet, weil es in Vietnam keine staatliche Unterstützung für Studierende gibt. Aber er will nicht von seinem Leben erzählen, sondern er hat Fragen an uns, Fragen zu unseren Reisen, unseren Erlebnissen und unserer Lebenserfahrung, besonders aber zur Bedeutung von gutem Journalismus und der Berufsethik eines Journalisten. Wir legen unsere Meinung dar, dass ein Journalist immer wahrheitsgetreu berichten müsse. Er bejaht das, gibt aber zu bedenken, dass dies in seinem Land, in Vietnam, nicht immer möglich sei. Tag 7: Freitag, 27. Oktober 2023 - In Hué, Besuch der kaiserlichen Zitadelle; freier Nachmittag Heute Vormittag lernen wir die faszinierende Geschichte von Hué bei einem Besuch der kaiserlichen Zitadelle kennen. Der am linken Flussufer gelegene Palast wurde von der Nguyen-Dynastie erbaut, die von Anfang des 19. Jahrhunderts bis 1945 in Vietnam herrschte. Die Zitadelle verfügt über formale Wassergräben und beeindruckende Festungsmauern, die von 20.000 Männern errichtet wurden, und war eine Kopie der Verbotenen Stadt in Peking. Obwohl der größte Teil der Innenstadt während der einmonatigen Tet-Offensive im Jahr 1968 völlig zerstört wurde, erinnern die gewaltigen Außenmauern und der Westflügel noch heute an den einstigen Glanz des Palastes. Der Rest des Tages steht zur freien Verfügung, um vielleicht einige der umliegenden Kaisergräber zu erkunden. Wir verbringen den Morgen damit, die kaiserliche Zitadelle, das wunderschöne Gelände und den Garten zu erkunden. Leider wird der Palast gerade renoviert, so dass wir ihn nicht von innen sehen können. Mehr Informationen über die Geschichte der Zitadelle und Hue ist hier zu finden. https://de.wikipedia.org/wiki/Zitadelle_von_Hue Am Nachmittag, nach einem üppigen Mittagessen in einem Kloster (nur Gemüse), besuchen wir ein Dorf, in dem Räucherstäbchen produziert werden. Wir lernen, wie man sie herstellt und können üben, Stäbchen mit Zimt-, Zitronengras- und Jasminduft herzustellen. Ich lerne Räucherstäbchen herzustellen während Dave sich zwischen farbenfrohen und duftenden Räucherstäbchen ausruht. Der Rest der Gruppe fährt danach weiter, um einige der Kaisergräber in der Umgebung zu erkunden. Wir passen und beschließen, zurück nach Hue zu fahren, um die Stadt zu erkunden und eine Tasse Kaffee in einem der vielen netten Cafés zu genießen. Tag 8: Samstag, 28. Oktober 2023 - Landschaftlich reizvolle Fahrt über Danang nach Hoi An Wir genießen eine landschaftlich reizvolle Fahrt über den spektakulären Col des Nuages, auch bekannt als Hai-Van-Pass, während der wir an ländlich geprägten Landschaften mit strohgedeckten Holzhäusern und kalkgrünen Reisfeldern vorbei ziehen und schließlich einen Panoramablick auf das Meer genießen können. In Danang, dem ehemaligen Zentrum des Königreichs Champa (2. Jh. n. Chr. - 1720), besuchen wir das Cham-Museum, das eine schöne Sammlung von Cham-Skulpturen beherbergt. Unser nächster Halt ist bei den nahe gelegenen fünf Gipfeln der Marmorberge, die die fünf Elemente Wasser, Holz, Feuer, Gold und Erde darstellen sollen. Natürlich entstandene Grotten wurden in kunstvoll geschnitzte buddhistische Heiligtümer verwandelt. Nicht weit von den Bergen entfernt befindet sich der weiße Sandstrand von My Khe Beach (von den amerikanischen Truppen China Beach genannt) - ein idealer Ort für eine kurze Rast. Schließlich erreichen wir unser Ziel - die UNESCO-Welterbestadt Hoi An. Heute ist ein Tag des Reisens. Also lehnen wir uns entspannt zurück und lassen die schöne Landschaft, die wir auf unserem Weg nach Da Nang durchqueren, auf uns wirken. Das satte Grün dieser Gegend überrascht uns, denn vor 50 Jahren, während des Vietnamkrieges, war hier alles durch Agent Orange und andere chemische Waffen vergiftet und zerstört worden. Erstaunlich, wie sich die Natur wieder erholt! F ahrt an die Da Nang Bucht Das Cham Museum in Da Nang beherbergt einige der bedeutendsten Cham Skulpturen Der China Strand und die Marble Mountains Tag 9: Sonntag, 29. Oktober 2023 - Freier Tag zur Erkundung von Hoi An; fakultativer Besuch in My Lai Die historische Handelsstadt Hoi An hatte sich im 17. und 18. Jahrhundert zu einem der geschäftigsten internationalen Handelshäfen Südostasiens entwickelt. Erstmals von den Portugiesen im 16. Jahrhundert kolonisiert, hat sie sich ihren mittelalterlichen Charme bis heute bewahrt, wobei viele der alten Gebäude hervorragend erhalten sind. Der Tag steht Ihnen für eigene Erkundungen zur Verfügung. Sie können die Japanische Brücke oder einige der chinesischen Tempel und Versammlungshallen in der Altstadt besuchen. In dieser charmanten Stadt gibt es viele Geschäfte, Bars und Restaurants. Hier können Sie Souvenirs kaufen, sich Kleidung schneidern lassen oder einfach in einem Café am Flussufer das Treiben beobachten. Vielleicht möchten Sie einen fakultativen Ausflug zur Gedenkstätte des Massakers im Dorf My Lai unternehmen. Das Massaker war ein wichtiger Wendepunkt im amerikanischen Krieg, und die grausame Geschichte wird in einer sehr emotionalen Fotoausstellung erzählt. Eine andere Möglichkeit wäre ein Angelausflug in das Thu-Bon-Flussdelta, wo wir lernen, wie man mit einem traditionellen Wurfnetz fischt. Wir fahren mit dem Boot hinaus, treffen einheimische Fischer und probieren das Fischen mit dem Wurfnetz sowie die Bambuswinden aus, mit denen die riesigen Fallnetze aus dem Fluss gezogen werden. Wir haben auch die Gelegenheit, in einem vietnamesischen "Korbboot" hinauszufahren - ein rundes Boot aus Bambus, das zu rudern ein wenig Übung erfordert! Hoi An ist eine schöne Stadt. Es gibt so viel zu sehen und so viel zu tun. Unsere Mitreisenden beschließen, mit dem Boot auf dem Fluss zu fahren, zu lernen, wie man Körbe herstellt und wie man fischt und sie wollen eine Fahrradtour machen. Wir entscheiden uns für den Besuch des Dorfes My Lai und machen uns mit einem anderen Ehepaar auf die fünfstündige Rückfahrt im Minibus, um den Ort des Massakers zu besuchen. Als wir My Lai erreichen, sind wir neben einer kleinen Gruppe skandinavischer Touristen die einzigen Besucher. An der Rezeption gibt es eine kleine Fotoausstellung mit Informationen über das Massaker. Einige Fotos sind in der ganzen Welt bekannt. Wir können auch Modelle des Dorfes und seiner Häuser vor und nach der Zerstörung sehen. Zu sehen sind auch Berichte einiger US-Soldaten, die versuchten, einzugreifen, um ihre Kameraden daran zu hindern Gräueltaten zu begehen. Ein Video erklärt die Entstehung des Museums, das von einem der Überlebenden Jahrzehnte nach dem Massaker eingerichtet wurde. Sein Bild ist unten zu sehen (schwarz-weiß mit Regenschirm vor dem Hintergrund von Gräbern). Augenzeugen und Überlebende werden gezeigt, wie sie das Museum besuchen und von ihren Erfahrungen erzählen. Der Film enthält eine berührende und spannungsgeladene Szene, in der ein ehemaliger US-Soldat My Lai Jahre später wieder besucht und mit den Gräueltaten konfrontiert wird, die er und seine Kameraden begangen haben. In einem nahe gelegenen Tempel stehen die Namen der 504 Menschen, die an diesem Tag getötet wurden, auf einer großen Tafel. Draußen kann man die Ruinen sehen, wo einst die Häuser standen. Kleine Tafeln geben die Namen und das Alter der in dieser Familie Getöteten an. Der Eingang zu einem Artillerieschutzbunker ist ebenfalls zu sehen. Ein Haus ist restauriert worden, um zu zeigen, wie die Familien in diesem Dorf lebten. An einem großen Baum ist eine Tafel angebracht, die besagt, dass er überlebt hat und Zeuge des Geschehens war. Das Massaker von My Lai: Der Name My Lai ist wahrscheinlich vielen ein Begriff, selbst denjenigen, die nur Grundwissen über den Vietnamkrieg haben. Das Dorf wurde durch das brutale Vorgehen der US-Armee am 16. März 1968 gegen seine Bewohner zum Inbegriff amerikanischer Kriegsverbrechen im Vietnamkrieg. Es ging als Massaker von My Lai in die Geschichte ein. Hier ist ein Link zu weiteren Informationen über das My Lai Massaker von Britannica. https://www.britannica.com/event/My-Lai-Massacre Hier ist ein Link zu einem deutschen Artikel in Geo . https://www.geo.de/wissen/weltgeschichte/vietnamkrieg-warum-das-massaker-von-my-lai-so-grausam-war-30175052.html Daves Kommentar: My Lai war der Ort und der 16. März 1968 war der Tag, der für immer als das berüchtigte Massaker von My Lai bekannt werden sollte, bei dem US-Soldaten 504 Zivilisten töteten. Unter den Opfern waren Männer, Frauen, Kinder und Säuglinge. Einige der Frauen wurden von Gruppen vergewaltigt und ihre Körper verstümmelt. Es war das größte öffentlich bekannt gewordene Massaker an Zivilisten durch die US-Streitkräfte im 20. Jahrhundert. Sechsundzwanzig Soldaten wurden wegen Straftaten angeklagt, aber nur Leutnant Willian Calley, ein Zugführer, wurde verurteilt. Er wurde des Mordes an 22 Dorfbewohnern für schuldig befunden und erhielt ursprünglich eine lebenslange Haftstrafe. Er verbüßte nur dreieinhalb Jahre unter Hausarrest, nachdem US-Präsident Richard Nixon seine Strafe umgewandelt hatte. Ich habe die Gedenkstätte My Lai vor 31 Jahren besucht und es war eine zutiefst verstörende Erfahrung, die sich bei meinem zweiten Besuch wiederholte. Bestimmte Elemente der Gedenkstätte haben sich im Laufe der Jahre verändert. Das Museum war größer geworden, ebenso wie die Bäume und Sträucher innerhalb der Gedenkstätte. Der Entwässerungsgraben und die Reste der Gehöfte sind noch vorhanden. Die kleinen Tafeln mit den Namen und dem Alter der getöteten Opfer sind geblieben. Als wir wegfuhren, fühlte ich Traurigkeit, denn es waren nur eine Handvoll anderer Menschen auf dem Gelände, und ich hatte viel mehr Besucher erwartet. Der Vietnamkrieg, von den Vietnamesen "Amerikanischer Krieg" genannt, fand am 30. April 1975 ein jähes Ende. Damals rollten nordvietnamesische Panzer durch die Tore des Präsidentenpalastes in Saigon und beendeten damit den Vietnamkrieg. Das war vor 48 Jahren und unsere Generation erinnert sich noch lebhaft an diesen Krieg, da er in den meisten Nächten in den Fernsehnachrichten das Thema war. Die jüngere Generation kann in Geschichtsbüchern alles über den "Vietnamkrieg" bzw. den "Amerikanischen Krieg" nachlesen. Die heutige Generation kann die neuesten Konflikte und Kriege in Echtzeit in den 24-Stunden-Nachrichtenkanälen des Fernsehens und in den sozialen Medien verfolgen. Leider ist auch unsere Generation dabei, Teil der Geschichte zu werden. Um unsere düstere Stimmung nach diesem Erlebnis aufzuhellen, schlendern wir nach unserer Rückkehr durch die schöne Stadt Hoi An. Wir spazieren am Fluss entlang, bewundern die historischen Häuser, die Tempel und die vielen Laternen und Ballons, die der Stadt vor allem nachts eine romantische Atmosphäre verleihen. Tag 10: Montag, 30. Oktober 2023 - Besuch des antiken My Son; freier Nachmittag in Hoi An Einen weiteren Tag verbringen wir in dieser schönen historischen Stadt. Heute Morgen unternehmen wir einen Ausflug zu der heiligsten und eindrucksvollsten Stätte der vietnamesischen Cham, My Son. Die Cham waren dynastische Herrscher, die im Jahr 2 n. Chr. die Autorität Chinas ablehnten und ihr eigenes Königreich gründeten. Obwohl sie von den guten Seeverbindungen mit dem übrigen Südostasien profitierten, konnte das Innere des Königreichs nicht genügend Nahrung für eine starke Streitmacht liefern. 1 000 Jahre lang konnten sie die Angriffe der Vietnamesen und Chinesen abwehren, bevor sie im 15. Jahrhundert von den Vietnamesen besiegt wurden. Der Weg zu dieser Stätte führt langsam und holprig durch bewaldete Hügel, aber die Stätte ist sicherlich beeindruckend, mit mehreren Gruppen von Cham-Tempeln, die besichtigt werden können. Nirgendwo sind die feinen Maurerkünste der Chams so offensichtlich wie in My Son, obwohl ein Großteil der Anlage in den 1960er Jahren bombardiert wurde. Der Nachmittag steht zur freien Verfügung, um Hoi An weiter zu erkunden. Ein Kochkurs in einem der Restaurants von Hoi An ist eine beliebte Wahl, ebenso wie der Laternenbau-Workshop, in dem Sie lernen können, wie man die in Hoi An allgegenwärtigen Laternen herstellt. Der Strand ist nur eine kurze Taxifahrt entfernt. Alternativ kann man auch eine Bootsfahrt auf dem Fluss unternehmen, während die späte Nachmittagssonne das Flussufer beleuchtet. Heute ist mein Geburtstag!! Und noch dazu ein besonderer. 70 Jahre jung. Ich kann es nicht glauben. Das Alter ist nur eine Zahl und ich fühle mich nicht annähernd so. (Noch!) Jedenfalls wollten wir diesen besonderen Anlass stilvoll feiern und nach Vietnam reisen. Und hier sind wir nun. Wir beschließen, einen gemütlichen Vormittag zu verbringen. Den geplanten Ausflug zu den vietnamesischen Cham-Tempeln, eine Autostunde außerhalb von Hoi An, lassen wir ausfallen. Stattdessen wollen wir weitere Sehenswürdigkeiten des schönen Hoi An erkunden. Leider regnet es, aber das macht uns nichts aus. Das Hotel gibt uns große Regenschirme mit, und los geht's. Der Regen ist sowieso warm. Diesmal wollen wir Hoi An bei Tag entdecken. Wir spazieren am Fluss entlang, bewundern die historischen Bauten und besuchen einige Tempel. Hoi An war vom 15. bis ins 19. Jahrhundert ein wichtiger südostasiatischer Handelshafen. Wie durch ein Wunder blieb die Stadt von den Bombenangriffen während des "Amerikanischen Krieges" verschont, und die alten, charmanten, gelb gestrichenen Häuser und Gebäude sind erhalten geblieben. Entspannt und interessiert beobachten wir das Treiben in den Straßen. Als wir über den Markt schlendern, tropft das Regenwasser von den behelfsmäßigen Planen, mit denen die Stände abgedeckt sind. Die Markthändler und ihre Kunden gehen unverdrossen ihren Geschäften nach. Aber wir haben genug von dem Regenwasser, das auf unsere Hälse tropft. Um dem Regen zu entgehen, besuchen wir ein paar der vielen Kleidergeschäfte. In Hoi An sieht man in fast jedem Haus jemanden mit einer Nähmaschine. Die Stadt ist bekannt für ihre geschickten Schneider, die anbieten, innerhalb eines Tages Kleidung für jemanden anzufertigen. Ich entscheide mich dagegen, da die Zeit knapp ist, kaufe mir aber ein Geburtstagsgeschenk, ein schönes dünnes Oberteil, das nicht zu viel Platz in meinem Gepäck einnimmt. Wir besuchen auch einige Museen, zum Beispiel das Kultur- und Volkskundemuseum. Besonders das Museum für traditionelle Medizin interessiert mich. Die traditionelle Medizin in Vietnam hat eine lange Geschichte. Sie ist von der traditionellen chinesischen Medizin beeinflusst, unterscheidet sich aber insofern von ihr, als sie in erster Linie frische oder getrocknete Kräuter und Pflanzen verwendet und nicht wie die chinesische Medizin komplexe Säfte braut, wie uns gesagt wurde. Das Museum ist in einem typischen historischen Gebäude von Hoi An untergebracht. In den Räumen des Vorderhauses wurde eine traditionelle Medizinwerkstatt, wie sie typisch für Hoi An war, eingerichtet, einschließlich der Bereiche mit Schränken für Kräutermedizin, dem Ort für die Pulsdiagnose und dem Wartebereich für die Patienten. Der Innenhof dient zum Trocknen von Kräutern und zur Aufbewahrung von Medikamenten. Im Hinterhaus werden einige Methoden der Verarbeitung von Kräutermedizin vorgestellt. In den Räumen im Obergeschoss werden traditionelle vietnamesische Medizin, Werkzeuge, Geräte und Informationen ausgestellt und erläutert. Das Museum ist interessant und ich hätte gern noch etwas mehr Zeit dort verbracht, aber wir haben eine Verabredung mit der Reisegruppe. Der Rest der Gruppe wird bald zurück sein, und der Reiseleiter hat Dave gebeten, dafür zu sorgen, dass wir um 12 Uhr mittags wieder im Hotel sind. Ich frage mich, warum? Um 12.30 Uhr erhalten wir einen Anruf, dass sie sich um eine weitere halbe Stunde verspäten würden. Endlich kommen sie an, und ich werde mit einem Geburtstagslied, Blumen und einem schönen Kuchen beschenkt und zu meinem besonderen Tag beglückwünscht. Die meisten aus der Gruppe hatten mir schon beim Frühstück zum Geburtstag gratuliert, aber man kann nie genug Gratulationen und gute Wünsche haben. Ich teile den Kuchen an alle aus und er schmeckt köstlich. Ich bin zufrieden mit meiner Geburtstagsfeier. Erst später erfahre ich, dass es ein kleines Problem gab. Nicht mein Geburtstagskuchen Nicht mein Geburtstagskuchen Offenbar hat unser Reiseleiter die Geburtstage verwechselt. Er hat im Bus "Happy Birthday, lieber James" gesungen, aber niemand hat mitgesungen, weil James nicht Geburtstag hatte, sondern ich und ich war ja nicht einmal da. Noch war ihm sein Irrtum nicht klar. Aber kurz vor der Rückkehr sagte er einem anderen Gruppenmitglied, dass sie bei einer Bäckerei vorbeifahren müssten, um den Kuchen abzuholen, den er für James zum Geburtstag bestellt hatte. Mein Geburtstagskuchen Ihm fiel die Kinnlade herunter, als ihm klar wurde, dass er einen Geburtstagskuchen für die falsche Person und mit dem falschen Namen bestellt hatte. Meine Geburtstagstorte hatte keinen Namen, aber dafür einige Gruppenmitglieder rote klebrige Finger. Um das wieder gutzumachen, wollte der Reiseleiter einen Blumenstrauß für mich besorgen. Das erklärt die Verzögerung. Was für eine schöne Geschichte. Diesen Geburtstag werde ich nie vergessen. Das war ein "running gag" für den Rest der Tour. Cooking class Aber das war noch nicht das Ende der Geburtstagsfeierlichkeiten. Später am Nachmittag haben wir einen Kochkurs, und der Gastgeber begrüßt uns mit einer Runde köstlichem selbst gemachten Reiswein, um auf meine Gesundheit anzustoßen. Wie schön! Bitte sehr! Elf aus unserer Gruppe haben sich für diesen Kochkurs entschieden, der von dem berühmten Koch Hung Nguyen und seinem Team geleitet wird. Und nun sind wir bereit, einige sehr schmackhafte vietnamesische Gerichte zu kochen. Jeder Teilnehmer hat einen Herd vor sich stehen. Die Zutaten für jedes Gericht werden abgemessen, vorbereitet und stehen bereit. Der Meisterkoch erklärt die Zutaten und zeigt uns, wie man das Gericht zubereitet und kocht. Danach sind wir an der Reihe und er und seine Assistenten beaufsichtigen uns, das heißt, sie helfen uns bei der Zubereitung des Gerichts. Es macht Spaß, aber so sehr wir uns auch bemühen, das Gericht sieht nie so gut aus wie bei den Profiköchen. Trotzdem schmeckt es sehr gut. Zuerst lernen wir, wie man vietnamesische gebratene Reispfannkuchen zubereitet, dann gegrillten Fisch im Bananenblatt und danach grünen Papayasalat mit Hühnchen und Gemüse-Frühlingsrollen. Nachdem wir jedes Gericht zubereitet haben, essen wir es sofort an unserem Tisch. Auf diese Weise müssen wir nicht hungrig bleiben und bis zum Ende des Kochkurses warten. Am Ende des Kochkurses überreicht uns Chefkoch Hung ein kleines Büchlein mit den Rezepten für die Gerichte, die wir zu kochen gelernt haben. Das war eine tolle Erfahrung und alle nehmen sich vor, diese Gerichte auch zu Hause nachzukochen. Wir bedanken uns bei unserem Chefkoch und machen uns auf den Weg durch den anhaltenden starken Regen. Der Plan war, den Tag mit einer Runde Geburtstagsdrinks in einer netten Bar ausklingen zu lassen, aber angesichts des starken Regens und der vielen tiefen Regenpfützen beschließen wir, die Drinks auf einen anderen Tag zu verschieben und uns auf den Heimweg zu machen. Trotz der Regenschirme kommen wir völlig durchnässt im Hotel an und hoffen, dass alles wieder trocken wird, bis wir am nächsten Morgen weiterziehen müssen. Tag 11: Dienstag, 31. Oktober 2023 - Flug nach Ho-Chi-Minh-Stadt; Fahrt ins Mekong-Delta Nach einer kurzen Fahrt zum Flughafen von Danang fliegen wir nach Ho-Chi-Minh-Stadt, von wo aus wir weiter in den Süden nach Ben Tre im Mekong-Delta fahren. Das Gebiet ist von üppigem und fruchtbarem Land umgeben und beherbergt kleine Dörfer und sich wiegende Kokosnusspalmen. Wir nehmen eine örtliche Fähre zu einem nahe gelegenen Dorf, das wir mit einer Rikscha erkunden. Später besteigen wir Sampans, kleine chinesische Holzboote, und fahren auf den engen Kanälen, die von der Hauptader des Mekong abzweigen. Nach dem Mittagessen in einem einheimischen Haus haben wir etwas Zeit zur freien Verfügung, um die Gegend weiter zu erkunden. Schließlich kehren wir mit dem Boot nach Ben Tre zurück, wo wir in einer einheimischen Gastfamilie übernachten, die über Gemeinschaftseinrichtungen und Schlafsäle verfügt. Um 5 Uhr erhalten wir einen Weckruf von der Hotelrezeption. Wir sind bereits wach, da wir um 5.15 Uhr mit Gepäck in der Lobby sein müssen. Unser Bus bringt uns zum eine Stunde entfernten Flughafen Da Nang, um unseren frühen Flug nach Ho-Chi-Minh-Stadt zu erreichen. Während wir am Flughafen warten, beschließen wir zu frühstücken und packen voller Vorfreude unser Frühstückspaket aus, das wir vom Hotel bekommen haben. Da wir an das normalerweise ausgezeichnete und reichhaltige Hotel-Frühstück gewöhnt sind, sind wir etwas enttäuscht, als wir nur altes Brot, ein gekochtes Ei und eine Banane vorfinden. Macht nichts. Der köstliche heiße Tee aus einem der Cafés und ein paar übrig gebliebene Reiscracker machen das wieder wett. Am Flughafen von Ho-Chi-Minh-Stadt angekommen, bringt uns unser Bus ins Mekong-Delta. Die Fahrt dauert 2 ½ Stunden. Das Mekong-Delta ist die Region im Südwesten Vietnams, in der der lange Mekong-Fluss, der seinen Ursprung in Tibet hat, in das Südchinesische Meer fließt. Dabei bildet er ein Netz von vielen kleinen und großen Nebenkanälen oder Flüssen mit vielen kleinen und größeren Inseln. Das Mekong-Delta ist eine wichtige Quelle für die Landwirtschaft und die Aquakultur des Landes. Aber die Größe der vom Wasser bedeckten Landfläche hängt von der Jahreszeit ab. Viele Inseln und landwirtschaftliche Flächen werden immer häufiger überschwemmt, was auf den Anstieg des Meeresspiegels infolge des Klimawandels zurückzuführen ist. In vielen Gebieten ist die Errichtung eines Deichsystems geplant, um die Überschwemmungen einzudämmen. Mit dem Boot den Mekong River hinunter. Re: Überflutung auf der Insel Unser Ziel ist der Bezirk Ben Tre. Am Flussufer steigen wir in ein Langboot und fahren den Mekong hinunter, vorbei an vielen kleinen Inseln und Wasserstraßen, bis wir zu einer kleinen Insel namens Xa Tam Hiep kommen. Hier wird unsere Unterkunft für diese Nacht sein. Wir fahren um die Insel herum und ich kann meine Enttäuschung kaum verbergen. Die Insel sieht ziemlich trostlos aus. Die Flut lässt den Fluss regelmäßig anschwellen und viele Teile der Insel stehen dann unter Wasser. Um den ständigen Überschwemmungen entgegenzuwirken, wird derzeit auf Teilen der Insel ein Damm gebaut. Überall sind Kräne und Maschinen zu sehen. Die Insel ist isoliert und das gilt auch für die Inselbewohner. Einige Male am Tag gibt es eine Fährverbindung zum Festland, aber die letzte ist um 17.30 Uhr. Im Notfall kann es schwierig sein, einen Transport zu organisieren, vor allem wenn es stark regnet. Die Schule befindet sich auf einer anderen, größeren Insel und die Schüler müssen die Fähre nehmen, um zur Schule zu gelangen. Auf diesen kleinen Inseln gibt es nur wenige Arbeitsmöglichkeiten. Einige Familien bauen Gemüse, Bananen oder Kokosnüsse an. Aber das ernährt die Familien nicht wirklich. Kein Wunder, dass viele Inselbewohner das Mekong-Delta verlassen, um in den größeren Städten Arbeit zu finden. Erst vor kurzem haben einige Familien Geschäftsideen entwickelt wie z. B. die Beherbergung der wenigen Touristen, die für ein oder zwei Tage vorbeikommen, wie die Familie, bei der wir wohnen. Eine andere Familie vermarktet Gelee, das sie aus grünen Blättern aus ihrem Garten herstellt. Wir sehen uns den Herstellungsprozess an und probieren das mit Zuckersirup gesüßte Ergebnis. Nicht schlecht. Es heißt Green Grass Jelly und soll sehr gesund sein und den Körper reinigen. Produktion von grünem Gelee aus grünen Blättern gemacht. Wir erfahren, dass die Inselbewohner auch die reichlich auf der Insel wachsenden Kokosnüsse optimal nutzen. In einer Produktionsstätte sehen wir zu, wie aus den Kokosnüssen verschiedene Produkte gewonnen werden. Das Wasser der grünen Kokosnuss wird zum Beispiel zum Trinken verwendet, während das Fruchtfleisch der reifen Kokosnuss zur Gewinnung von Kokosmilch und zur Herstellung von Kokosnusskuchen (eine Masse aus Sojabohnen und Kokosnussfleisch, die 20 Minuten lang in Bananenblättern gedämpft wird) verwendet wird. Die Schale wird für Schmuck und Kunsthandwerk oder als Brennmaterial verwendet. Kleine Stücke von Kokosnussschalen werden in die Fischernetze gelegt, damit die Fische in einer frisch gereinigten Umgebung schwimmen und fressen können, bevor sie gefangen werden. Die Asche der in einem riesigen Ofen verbrannten Schalen kann als Dünger verwendet oder zu medizinischen Zwecken vermarktet werden. Erstaunlich, nichts wird verschwendet. Kokusnussverarbeitung: Nichts wird verschwendet. Transport auf der Insel. Angesichts der desolaten Situation, die wir bei der Ankunft auf der kleinen Insel vorfanden, sind wir überrascht, als wir in unserer Unterkunft ankommen. Das Haus ist ein großes, hölzernes Familienhaus, umgeben von einem großen Garten am Flussufer. Hier können wir uns ausruhen und den Blick auf den Fluss und den Sonnenuntergang genießen, indem wir auf Sesseln am Ufer des Flusses sitzen. Der Reiseplan versprach eine Unterkunft im Schlafsaalstil, und wir erwarteten entweder Etagenbetten oder, wie einmal im Norden Thailands, dass wir alle auf dem Boden eines Zimmers über dem Stall des Dorfes mit Schweinen und anderen Haustieren schlafen und uns mit Regenwasser aus einer Tonne waschen müssen. Diesmal nicht! Wir haben schöne, modern eingerichtete Einzel- und Doppelzimmer mit großen Betten und Zugang zu einem kleinen Innenhof, in dem sich das Waschbecken, eine Außendusche und eine Toilette befinden. Die Toiletten und Duschen sind durch eine klare Glasfront vom Zimmer getrennt. So kann man den anderen beim Duschen zuschauen oder sie auf der Toilette sitzen sehen, es sei denn, man zieht es vor, einen Vorhang zu benutzen, um mehr Privatsphäre zu gewährleisten. Bevor wir uns nachts unter unsere Moskitonetze ins Bett verkriechen, finden wir zwei kleine Frösche auf dem Boden, die sich irgendwie in unser Zimmer verirrt haben. David schnappt sie sich heldenhaft und bringt sie zurück in den Garten, wo sie hingehören. Unsere Unterkunft: Da fühlen wir uns zu Hause Die Familie füttert uns mit fantastischen Mahlzeiten. Mittags gibt es einen großen gebratenen Fisch, Tilapia. Uns wird gezeigt, wie man diesen Fisch isst: Man wickelt gebratene Fischstücke mit Kräutern, Salaten und anderen Zutaten in Reispapier ein. Danach gibt es wie üblich verschiedene Gerichte, darunter Gemüsesuppe, Reis und Gemüse und zum Abschluss eine Auswahl an frischem Obst. Vor dem Abendessen sind wir zu einem weiteren Kochkurs in der Küche der Familie eingeladen. Wir lernen, wie man Frühlingsrollen für unser Abendessen zubereitet. Es handelt sich um eine andere Art als die, die wir in Hoi An gemacht haben. In der Ecke der Küche stehen ein paar große Gläser mit Obst, Gemüse oder Blumen, die in Reiswein eingelegt sind. Wir bekommen eine Kostprobe von einem der Gläser. Es sind Hibiskusblüten, die drei Monate lang in Reiswein eingelegt wurden. das Getränk sieht aus wie Rotwein und schmeckt gut. Man könnte sich daran gewöhnen. Dave bekommt endlich sein rotes 333er Bier, das er während unserer ganzen Reise gesucht hat. Er ist enttäuscht, denn es schmeckt nicht mehr so gut, wie in seiner Erinnerung von vor 31 Jahren. Unser örtlicher Reiseleiter, der Sohn unserer Gastfamilie, bestätigt, dass die Zutaten für dieses Bier vor einigen Jahren geändert wurden und es nicht mehr so gut schmeckt. David ist zwar enttäuscht, aber dennoch erfreut, dass ihn seine Erinnerung nicht getrogen hat. Der Rest des Abendessens besteht wie üblich aus mindestens sechs weiteren köstlichen Gerichten, darunter süße Gemüsesuppe, Huhn mit Zitronengras und ein paar Gemüsesorten mit Reis. Lecker. Köstliches Essen und Getränke Danach ruhen wir uns auf der Veranda aus, lauschen den Geräuschen der Tierwelt im Garten und beobachten die Sterne. Der laute Karaoke-Lärm, den wir am frühen Abend vom Nachbarn hörten, hat schon lange aufgehört. In der Gemeinde hat man sich darauf geeinigt, den Lärm ab 18.30 Uhr zu drosseln, um die Nachbarn nicht zu stören. Ich bin beeindruckt. Tag 12: Mittwoch, 01. November 2023 - Kreuzfahrt durch das Mekong-Delta, anschließend Fahrt nach Ho-Chi-Minh-Stadt. Wir verbringen den Vormittag damit, die Kanäle des Mekong-Deltas zu erkunden, treffen einige hart arbeitende Einheimische und haben vielleicht Zeit, die Kokosnussverarbeitung und den Handel zu beobachten. Wir haben auch die Möglichkeit, den Kanal zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erkunden. Später fahren wir zurück nach Ho Chi Minh Stadt. Am nächsten Morgen gibt es frisch gebackenes Baguette nach französischer Art, Omelett, echten Kaffee und grünen Tee, Bananenbrot und einige klebrige, geleeartige Kuchen zum Frühstück. Obwohl wir überzeugt waren, dass wir nach dem opulenten Abendessen keinen Hunger mehr haben würden, greifen wir am nächsten Morgen mit großem Appetit zu. Danach ist es Zeit zu gehen. Wir bedanken und verabschieden uns von unseren freundlichen Gastgebern und dem örtlichen Reiseleiter und wünschen ihnen alles Gute für ihre Arbeit als Gastfamilie. Dann machen wir eine weitere Bootsfahrt, um die Kokosnussproduktionsanlage zu besichtigen, und fahren schließlich mit dem Boot zurück zum Festland, wo unser Bus auf uns wartet, der uns zurück nach Ho-Chi-Minh-Stadt bringt. Vom Bus aus bewundere ich das Geschick der vielen Motorradfahrer auf der Autobahn und in den Straßen der Stadt, ihre schwere Ladung auszubalancieren. Außer uns sind noch mehrere andere Explore! Tours zur gleichen Zeit in Vietnam. Manchmal begegnen wir ihnen. Im Mekong-Delta trafen wir zum Beispiel eine Reisegruppe, die wir "Foodies" nannten. Ihre Tour ist der Erkundung der vietnamesischen Küche gewidmet. Sie gehen auf die Märkte in verschiedenen vietnamesischen Regionen, kaufen die typischen Lebensmittel und lernen dann, wie man sie zubereitet. Das klingt nach einer spannenden Tour; vielleicht hätten wir das auch machen sollen. Nächstes Mal? Aber manchmal müssen sie morgens sehr früh aufstehen, um auf den Markt zu gehen und frische Produkte zu kaufen. Definitiv ein Nachteil! Im Zug nach Hue und Hoi An begegneten wir einigen Leuten, die an einer Explore! Radtour teilnehmen. Das hört sich auch interessant an, da man in einem anderen Tempo unterwegs ist und mehr von der Landschaft mitbekommt. Allerdings macht das wilde Treten in die Pedale bei dieser Hitze vielleicht nicht so viel Spaß. Daves zusätzliche Kommentare zu Saigon Im Dezember 1992 war ich zuletzt in Vietnam und fast 31 Jahre sind eine lange Zeit. Damals hatte Vietnam erst kurz zuvor seine Grenzen geöffnet und die Gruppe, mit der ich reiste, war eine der ersten Touristengruppen, die einreisen durften. Nach dem Ende des Vietnamkriegs 1976 konnte man zwar nach Vietnam reisen, aber es gab nur wenige Touristen, da die touristische Infrastruktur damals fast nicht existierte. Es dauerte weitere zehn Jahre, von 1986 bis Anfang der 90er Jahre, bis der Tourismus zu einem bedeutenden Teil der vietnamesischen Wirtschaft wurde. Dass nur wenige Touristen nach Vietnam reisten, änderte sich Anfang der 90er Jahre, als die Regierung die Einreisebestimmungen modifizierte, wodurch die Einreise für internationale Besucher einfacher wurde. Ab diesem Zeitpunkt begann eine neue Ära: Das Land öffnete sich der Welt und die Entwicklung der touristischen Infrastruktur nahm Fahrt auf. 1995 besuchten nur 1.351.000 ausländische Touristen Vietnam. Die Zahl der ausländischen Touristen stieg kontinuierlich bis zum Jahr 2019 auf 18 Millionen jährlich. Aufgrund der Covid-Pandemie brach der Tourismus, wie in vielen anderen Ländern auch, zusammen und steigt nun langsam wieder an. Touristen, die nach Vietnam kommen, geben pro Tag etwa 117 US-Dollar aus, so dass der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle darstellt, wenn die Zahlen wieder ansteigen. Mein erster Eindruck vom Saigon des Jahres 2023 ist die Größe dieser Stadt im Vergleich zum Zeitpunkt meines ersten Besuchs in Vietnam. Die Fahrräder von 1992 waren durch Motorräder und Motorroller ersetzt worden und die Verkehrsüberlastung stellt nun ein großes Problem dar, vor allem während der morgendlichen und abendlichen Hauptverkehrszeiten. Rote Ampeln werden häufig ignoriert. Ladenbesitzer vermieten Bürgersteigflächen vor ihren Geschäften an die Fahrer der Motorroller oder Motorräder. Die Verkehrsüberlastung ist so groß, dass Roller- und Motorradfahrer die Bürgersteige als Abkürzung nutzen, um den stehenden Verkehr an Kreuzungen zu umgehen. Ich habe sogar ein Auto gesehen, das auf dem Bürgersteig fuhr, obwohl das natürlich auch in Vietnam verboten ist. Das Überqueren einer Straße ist ein Albtraum, bis man sich die vietnamesische Methode angeeignet hat. Man läuft einfach in den Verkehr hinein und die Auto-, Motorroller- und Motorradfahrer fahren wie von Zauberhand um einen herum. Wenn man das woanders versucht, wird man angehupt und beschimpft. Das berühmte Rex Hotel gibt es immer noch, wie ich feststelle. Wir sitzen in der Dachgartenbar im 5. Stock und bestellen zwei 'Five O'Clock Follies'. Dieser Drink ist geschichtsträchtig, wie die Cocktailkarte verrät: "Während des Krieges hielt das US-Militär täglich Pressegespräche in der Bar des Rex Hotels ab. Diese Veranstaltungen wurden immer ausgelassener, je größer die Kluft zwischen der düsteren Realität des Krieges und den offiziellen Militärberichten wurde. Reporter gaben den Briefings den Spitznamen "The Five O'Clock Follies", ein nachmittägliches Ritual, bei dem Journalisten, Militärs, Diplomaten und Spione ein paar Cocktails genießen, den Sonnenuntergang bewundern und die zurückkehrenden Bomber beobachten konnten." Heute sind die Bomber verschwunden, aber die atemberaubenden Sonnenuntergänge wären noch zu bewundern, wenn nicht Wolkenkratzer den Blick darauf und auf den knapp acht Kilometer entfernten Flughafen versperren würden. Die 'Five O'Clock Follies' werden auch heute noch serviert, in Collins-Gläsern mit Eis, viel Wodka, Rum und Midori. Wir besuchen die Dachbar des Rex und stoßen mit einem dieser Five O'Clock Follies-Cocktails auf all die berühmten Leute an, die hier übernachtet haben, darunter der berühmt-berüchtigte Graham Greene, ein Spion, der zum Schriftsteller wurde. Tag 13: Donnerstag, 02. November 2023 - In Ho-Chi-Minh-Stadt erkunden wir Alt-Saigon und entdecken den Geheimwaffenbunker". Heute Morgen spazieren wir zu den zentralen Sehenswürdigkeiten von Alt-Saigon, dem heutigen Bezirk 1 von Ho-Chi-Minh-Stadt. Wir sehen die Kathedrale Notre Dame, das GPO-Gebäude und einige der alten französischen Kolonialhotels wie das Rex. Anschließend fahren wir zum Unabhängigkeitspalast (umbenannt in Wiedervereinigungshalle) und zum grafischen Museum für Kriegsrelikte. Heute Nachmittag lernen wir eine andere Seite von Ho-Chi-Minh-Stadt kennen, abseits der großen Sehenswürdigkeiten, wo wir einen Spaziergang durch die Hintergassen von Old Saigon unternehmen. Wir machen uns auf den Weg zum Distrikt 3 und biegen von der Hauptstraße in das Labyrinth der engen Gassen dieses belebten Viertels ab. Unser Spaziergang führt uns vorbei an baufälligen Schaufenstern, über lokale Märkte, auf denen alles Mögliche verkauft wird, von bunten Früchten bis hin zu Raubkopien von DVDs, und vorbei an Häusern, Kirchen und Schulen, die alle in die kleinen Gebäude gequetscht sind, die die engen Gassen säumen. Es ist eine faszinierende, untereinander vernetzte Gemeinschaft, die nur einen Steinwurf vom Stadtzentrum entfernt ist, aber dennoch weit entfernt von den modernen Gebäuden und den Touristenströmen. Wir halten an einem einheimischen Stand für einen traditionellen vietnamesischen Kaffee (gebrühter Kaffee, der mit süßer Kondensmilch serviert wird), wo wir auch "Banh Mi" probieren können - eine vietnamesische Variante des einfachen französischen Baguettes - frisch gebacken und mit einer Kombination aus traditionellen und exotischeren, aromatischen Zutaten gefüllt. Der Spaziergang endet im so genannten "Geheimwaffenbunker". Ein kleines, unscheinbares "Röhrenhaus" in einem ruhigen Viertel verbirgt eine Falltür im Boden, hinter der sich ein mit Gewehren, Granaten und Munition gefüllter Keller verbirgt. Der Bunker spielte eine Schlüsselrolle in der TET-Offensive von 1968; er war der Stützpunkt, von dem aus das "Team 5" des Vietcong seinen Angriff startete, und sein Standort wurde erst nach dem Ende des Krieges bekannt. Wir haben etwas Zeit, um das Haus und den Bunker zu erkunden, die mit ausgemusterten Waffen, Fotos, Zeitungsausschnitten und Erinnerungsstücken aus der Kriegszeit gefüllt sind. Wir sind schon früh am Morgen auf den Beinen, denn wir haben ein volles Programm. So viel zu sehen, so viel zu tun! So wenig Zeit! Wir beginnen mit einem Rundgang durch die Altstadt von Saigon (heute Ho-Chi-Minh-Stadt). Die Kathedrale Notre Dame können wir nicht besichtigen, da sie derzeit wegen notwendiger Renovierungsarbeiten verhüllt ist. Aber das gegenüberliegende Gebäude, das Alte Postamt, ist geöffnet, und wir bewundern die original roten Telefonzellen und fühlen uns in die Vergangenheit zurückversetzt. Von einem riesigen Bild an der Wand aus beobachtet Ho Chi Minh die Menschen, die Briefmarken und Postkarten kaufen und Briefe aufgeben. Während der Rest der Gruppe sich im Touristenladen des Postamts nach Souvenirs umsieht, suchen und finden wir in aller Eile die nahe gelegene berühmt-berüchtigte alte US-amerikanische Botschaft, die während des Vietnamkriegs Schauplatz mehrerer bedeutender Ereignisse war, insbesondere des Angriffs des Vietcong während der Tet-Offensive. Dies führte dazu, dass sich die öffentliche Meinung in Amerika gegen den Krieg wendete. Wir erinnern uns auch noch an die Bilder der Hubschrauber-Evakuierungen während des Falls von Saigon am 29. und 30. April 1975, nachdem die Botschaft endgültig geschlossen worden war. Das Gebäude ist immer noch vorhanden, aber es ist nicht mehr die Botschaft, sondern das US-amerikanische Generalkonsulat. Die neue US-Botschaft befindet sich in der Hauptstadt Hanoi. Danach besichtigen wir den Unabhängigkeitspalast, der heute auch Wiedervereinigungspalast genannt wird, und in dem der Präsident der damaligen Republik Vietnam (Südvietnam) residierte und arbeitete. Am 30. April durchbrach ein Panzer der nordvietnamesischen Armee das Tor, der Vietcong erklärte die Befreiung Südvietnams und beendete damit den Vietnamkrieg oder, wie die Vietnamesen sagen, den amerikanischen Krieg. Heute ist der Palast ein Museum, in dem Besucher das Büro des ehemaligen Präsidenten, das Kabinettszimmer und seine Privatgemächer besichtigen können. Im Untergeschoss sind das ehemalige Kriegszimmer, Kommunikationsräume mit alten Computern und das Schlafzimmer des Präsidenten zu sehen. Auf dem Dach des Gebäudes befindet sich eine Aussichtsplattform über Ho-Chi-Minh-Stadt. Daneben steht ein Vietcong-Hubschrauber, der zur Erinnerung an den Tag der Befreiung auf dem Hubschrauberlandeplatz geparkt ist. Ein Bild des Vietcong-Kampfpiloten, der den Palast an diesem Tag bombardierte, ist stolz an der Wand angebracht. Als Nächstes besuchen wir das Museum für Kriegsopfer. Früher hieß es Museum der amerikanischen Kriegsgräuel und Aggressionen. Im Jahr 1995 wurde es in einem versöhnlicheren Schritt in War Remnants (Kriegsopfer) Museum umbenannt. Es zeigt erbeutete Panzer, Hubschrauber, Kampfjets, Munition und andere Relikte aus dem Vietnamkrieg. Mehrere Fotoausstellungen informieren über einige der von der amerikanischen Armee begangenen Gräueltaten aus der Sicht der Kommunistischen Republik Vietnam. So sind beispielsweise amerikanische Soldaten zu sehen, die die einheimische vietnamesische Bevölkerung misshandeln und töten und ihre Leichen respektlos behandeln; man sieht Flugzeuge, die Agent Orange und andere chemische Entlaubungs-Chemikalien sowie Napalm über den Feldern und Dörfern versprühen; Fotos zeigen Massaker wie das des Dorfes My Lai, das wir besucht hatten. Einem Fotografen der US-Armee, Ronald Haeberle, ist es zu verdanken, dass die Gräueltaten während dieses Massakers am 16. März 1968 der amerikanischen und weltweiten Öffentlichkeit bekannt wurden. Er besaß eine zweite private Kamera und schaffte es, dass diese schrecklichen Bilder ein Jahr später in der Lokalzeitung seiner Heimatstadt am 20. November 1969 und am 5. Dezember 1969 im LIFE-Magazin veröffentlicht wurden. Einmal der Öffentlichkeit bekannt, trugen seine Bilder zu einem Wandel der öffentlichen Meinung über den Vietnamkrieg bei und lösten weltweit massive Proteste gegen diesen Krieg aus. Eine Ecke des Ausstellungsraums ist den vielen Kriegsfotografen gewidmet, die während des Vietnamkriegs ihr Leben im Dienst verloren. Diese Sonderausstellung wurde auf Initiative von Tim Page erst kürzlich von einer Gruppe von Fotografen zu Ehren ihrer Kollegen zusammengestellt. Ein ganzes Stockwerk ist den Auswirkungen und Nachwirkungen des Einsatzes von Agent Orange und anderen chemischen Entlaubungsmitteln sowie Napalm gewidmet. Der Anblick der ausgestellten Gräueltaten ist schrecklich und die Stimmung unter den Besuchern ist düster, aber der Anblick der Fotos der Opfer dieser gefährlichen Chemikalien dreht einem den Magen um. Schwer deformierte Kinder, die Jahre und sogar Jahrzehnte nach dem Krieg geboren wurden, sowohl in Vietnam als auch in den USA, von GIs, die mit diesen Chemikalien hantiert hatten ... Ich schalte die Kamera aus. Ich kann es nicht ertragen, solches Grauen voyeuristisch zu fotografieren. Zurück im Bus ist die Gruppe in düsterer Stimmung und es fällt uns schwer zu verstehen, wieso Menschen anderen Menschen so etwas antun können. Wenn wir jedoch darüber nachdenken, lernen wir aus der Geschichte, dass wir nicht aus der Geschichte lernen, wie die Gräueltaten und Toten beispielsweise im gegenwärtig andauernden Konflikt im Nahen Osten zeigen. Wir lernen einen Teil der Verteidigungsmaßnahmen des Vietcong gegen die amerikanischen Soldaten kennen. Wir besuchen einen so genannten "Geheimwaffenbunker". Lange nach dem Krieg wurde bekannt (und zu einer Sehenswürdigkeit für Touristen), dass einige der unscheinbaren Häuser in ruhigen Vierteln in ihren Kellern versteckte Bunker hatten, in denen sie Gewehre, Granaten und Munition für den Vietcong lagerten. Wir haben die Möglichkeit, ein solches Haus zu besichtigen, den Bunker zu erkunden und einen Einblick in diese Art der Kriegsführung des Vietcong zu bekommen. Zusätzliche Informationen - Das Museum für Kriegsopfer https://en.wikipedia.org/wiki/War_Remnants_Museum https://www.lonelyplanet.com/vietnam/ho-chi-minh-city/attractions/war-remnants-museum/a/poi-sig/403144/357884 - Die Gefahren von Agent Orange und seine Auswirkungen auf Vietnam Am 10. August 1961 begann die US-Armee mit der chemischen Kriegsführung in Vietnam. Zehn Jahre lang, von 1961 bis 1971, versprühte die US-Armee 80 Millionen Liter giftiger Chemikalien, davon 61 % Agent Orange, in einem Viertel der südlichen Region Vietnams. Agent Orange hat den Menschen und der natürlichen Umwelt in Vietnam großen Schaden zugefügt. Die Ökosysteme wurden geschädigt und können nicht wiederhergestellt werden. Generationen von Vietnamesen haben aufgrund von Agent Orange körperliche und seelische Qualen erlitten. Die vietnamesische Regierung hat die Überwindung der Folgen von Agent Orange zu einer dringenden und langfristigen Aufgabe gemacht. Es gibt drei große Dioxin-Hotspots in Vietnam, darunter der Luftwaffenstützpunkt Da Nang in Zentralvietnam, der Luftwaffenstützpunkt Bien Hoa in Bien Hoa City (25 km von Ho-Chi-Minh-Stadt entfernt) und der Luftwaffenstützpunkt Phu Cat in Qui Nhơn in Südvietnam. Das vietnamesische Rote Kreuz schätzt, dass drei Millionen Vietnamesen von Dioxin betroffen sind, darunter mindestens 150.000 Kinder, die nach dem Krieg mit schweren angeborenen Behinderungen geboren wurden, was auf die giftige Chemikalie in Agent Orange zurückzuführen ist. Hunderttausende von US-Soldaten waren ebenfalls dem Gift ausgesetzt. Hier ist ein Artikel eines Forschers aus dem Jahr 2016 über die anhaltenden Schäden durch nicht explodierte Bomben und chemische Waffen aus dem Vietnamkrieg. Der Vietnamkrieg ist vorbei, aber die Bomben bleiben. https://vietnaminsider.vn/the-vietnam-war-is-over-the-bombs-remain/ Der Abschied beginnt Dies ist unser letzter gemeinsamer Abend, denn acht Personen werden morgen Nachmittag ihre Explore-Tour fortsetzen und eine weitere Woche lang Kambodscha erkunden. Nach dem Besuch der CuChi-Tunnel wird der Bus sie zur kambodschanischen Grenze fahren. Wir müssen uns also schon jetzt verabschieden. Es war eine gute Gruppe; wir haben uns gut ergänzt, hatten ähnliche Interessen, spannende Gespräche und viel Spaß. Wir werden sie sicher vermissen. In den nächsten zwei Tagen werden wir nur noch zu fünft sein, was sich sehr seltsam anfühlen wird. Nach einem guten Abendessen zeigt uns unser Reiseleiter das Nachtleben von Ho-Chi-Minh-Stadt. Bei einem Spaziergang entlang der Bar Street bewundern wir die vielen Clubs und Restaurants, in denen Frauen, Jungs und Ladyboys draußen tanzen, um Besucher anzulocken. Wahnsinn! Wir sind mächtig beeindruckt, aber es ist zu laut für uns "alte Leute". Also flüchten wir in eine ruhige Ecke, wo wir vor einer Bar sitzen, einen Drink genießen und das Treiben beobachten können. Tag 14: Freitag, 03. November 2023 - Ab Ho-Chi-Minh-Stadt, Besuch der Cu-Chi-Tunnel Heute Morgen fahren wir kurz aus der Stadt hinaus zu den berüchtigten Cu-Chi-Tunneln, die eine unglaubliche unterirdische Kommandozentrale für 10.000 Vietcong-Truppen bildeten und eine wichtige Rolle bei der Tet-Offensive 1968 spielten. Die Stätte bietet einen faszinierenden Einblick in den Einfallsreichtum der Vietnamesen. Wenn Sie die klaustrophobischen Bedingungen, unter denen die Vietcong lebten, kennen lernen möchten, haben Sie die Möglichkeit, durch einen kleinen, speziell eingerichteten Abschnitt der Tunnel zu kriechen. Nach der Rückkehr nach Ho-Chi-Minh-Stadt steht der Rest des Nachmittags zur freien Verfügung. Daves Kommentar: Cu Chi-Tunnel. Die Fahrt von unserem Hotel in Saigon zum 30 km entfernten Cu-Chi-Tunnelkomplex dauert ein paar Stunden in unserem Bus. Die Straßen sind wie vor 31 Jahren zur Hauptverkehrszeit verstopft, mit dem einzigen Unterschied, dass die Straßen heute besser sind. Mit dem Bau der Cu-Chi-Tunnel wurde in den 1940er Jahren begonnen, und es dauerte über 2½ Jahrzehnte, bis ein dichtes Tunnelnetz entstand. Während des Krieges gegen die Franzosen dienten sie hauptsächlich der Kommunikation zwischen den Dörfern. Im Jahr 1941 gründeten Ho Chi Minh und andere kommunistische Führer die Việt Minh. In den Jahren zwischen 1940 und 1946 erlebten die kommunistisch geführten Việt-Minh-Aufständischen, deren Ziel die Unabhängigkeit von Frankreich war, ihren Aufstieg. Während die Viet Minh in erster Linie eine politische Organisation waren, die für die vietnamesische Unabhängigkeit warben, waren die Viet Cong ausschließlich eine militärische Truppe, die im Süden operierte. Der Name Viet Cong leitet sich von "cong san Viet Nam" ab, was so viel wie vietnamesischer Kommunist bedeutet. In den 1960er Jahren reparierten und erweiterten die Vietcong die Cu-Chi-Tunnel und nutzten sie als Mittel zur Infiltration von Geheimdienstagenten und Sabotageteams in das Herz von Saigon. Zu ihrer Blütezeit gab es in diesem Gebiet über 200 km Tunnel, von denen einige bis zur kambodschanischen Grenze reichten. Um eine Vorstellung vom Aufwand für den Bau des Tunnelkomplex zu haben, muss man wissen, dass ein Mann einen Tag brauchte, um einen Tunnel um einen Kubikmeter voranzubringen. Der Vietcong lebte in diesen Tunneln, um die Bombardierung von oben zu überleben. Tief in den Tunneln befanden sich Krankenhäuser und komplexe Kommandozentralen, Küchen und Werkstätten zur Herstellung von Waffen sowie zur Reparatur von Schuhen; eben alles, was man zum monatelangen Überleben unter der Erde brauchte. Die Tunnel waren mit einfachen, aber tödlichen Metallstacheln und vergifteten Bambusspeeren versehen, um die amerikanischen GIs zu töten und zu verstümmeln, die als Tunnelratten bekannt waren, denn sie krochen durch den Tunnelkomplex und machten Jagd auf den Vietcong. Im Januar 1963 errang der Vietcong seinen ersten militärischen Sieg gegen die südvietnamesischen Streitkräfte. Am 8. März 1965 gingen 3.500 US-Marines in Da Nang an Land, die erste Welle von US-Kampftruppen in Südvietnam, zusätzlich zu den 25.000 US-Militärberatern, die bereits vor Ort waren. Dies war der Beginn des Vietnamkriegs oder, wie die Vietnamesen es nennen würden, des amerikanischen Krieges. In den 1970er Jahren erklärten die Amerikaner, dass die 420 Quadratkilometer des Cu-Chi-Bezirks "das am meisten bombardierte, beschossene, vergaste, entlaubte und allgemein verwüstete Gebiet in der Geschichte der Kriegsführung" seien. Ein großer Teil dieses Gebiets wurde mit Agent Orange besprüht - der giftigsten Substanz, die der Mensch kennt -, was den Dschungel in eine karge Wildnis verwandelte. Ich überprüfe meine Notizen von meinem letzten Besuch. "Der Boden ist schlecht, und nichts scheint richtig zu wachsen. Dieses schlechte Wachstum spiegelt sich in den verwaschenen Farben der spärlichen Eukalyptushaine wider, die inzwischen wieder angepflanzt wurden." Was für einen Unterschied 31 Jahre machen! Jetzt sind die Eukalyptushaine üppig, grün und dicht. Die hohen Bäume in der Umgebung bilden ein dichtes Blätterdach und spenden Schatten vor der intensiven Sonne. Der Cu Chi-Tunnel ist ein Opfer seines Erfolgs geworden. Als wir von der Hauptstraße abbiegen, gelangen wir auf einen riesigen Parkplatz, der mich an eine Autobahnraststätte erinnerte - und genauso belebt ist. Leute steigen in Busse ein und aus, eine Menge Menschen wuseln herum; überall gibt es Souvenirläden und einen großen Sanitärbereich. Lan, unser Reiseführer, ruft uns zusammen und wir machen uns auf den Weg, das Gelände zu besichtigen. Wir folgen einer Reihe von Touristengruppen aller Nationalitäten und gelangen zunächst in einen unterirdischen Bereich, in dem auf Großbildfernsehern Videos in schlechter Qualität gezeigt werden. Anschließend werden wir über das Gelände geführt, während in der Ferne ständig Schüsse zu hören sind. Der Höhepunkt der Führung ist das Kriechen durch einen mehrere hundert Meter langen Tunnel, der für die Touristen vergrößert worden ist. Der Tunnel ist wohl auch desinfiziert und gelüftet worden, denn beim letzten Mal war die Luft abgestanden, als ich durch Staubwolken kroch, die von meinem Vordermann aufgewirbelt worden waren. Außerdem flogen Fledermäuse aus den Querschlägen des Tunnels. Diesmal machen einige aus unserer Gruppe nicht mit, weil sie sich körperlich dazu nicht imstande fühlen oder klaustrophobisch sind. Wir anderen krabbeln auf allen Vieren durch den Tunnel und steigen über eine Leiter wieder aus. In der Ferne befindet sich ein Schießstand, auf dem Touristen gegen Bezahlung mit Waffen aus der Zeit des Vietnamkriegs schießen können. Neben dem Schießstand befindet sich eine riesige Cafeteria. Danach machen wir uns auf den Weg zurück zum Parkplatz. Hier verabschieden wir uns von einigen unserer Mitreisenden, die zur nahe gelegenen kambodschanischen Grenze gefahren werden, um ihren kambodschanischen Führer für den nächsten Teil ihres Abenteuers zu treffen. Der Rest von uns wird in einen kleineren Bus verfrachtet und zu unserem Hotel in Saigon zurückgebracht. Mehr Informationen ueber die Cu Chi Tunnel in deutscher Sprache. https://de.wikipedia.org/wiki/Tunnel_von_C%E1%BB%A7_Chi Tag 15: Samstag, 04. November 2023 - Ende der Reise in Ho-Chi-Minh-Stadt Die Reise endet nach dem Frühstück in unserem Hotel in Ho-Chi-Minh-Stadt. Wir nutzen die letzten Stunden, um Saigon City und den Fluss zu erkunden und mit dem Aufzug zur Aussichtsplattform des Saigon Skydeck zu fahren. Dann ist es an der Zeit nach Hause zu fahren. Rückblickend Hat uns die Tour gefallen? Hat uns Vietnam gefallen? Auf jeden Fall! Die Tour war sehr gut organisiert. Sie war vollgepackt mit abwechslungsreichen und spannenden Aktivitäten. Wir haben in sehr kurzer Zeit sehr viel gesehen und gelernt. Manchmal war es eine Achterbahnfahrt des Programms, aber wir haben es genossen. Dave und ich sind erfahrene Individualreisende, die es gewohnt sind, ihre Reisen nach eigenem Gutdünken und in eigenem Tempo zu planen und zu organisieren. Manchmal ist es jedoch gut, sich zurückzulehnen und zu entspannen und jemand anderem das Planen und Organisieren zu überlassen. Wir waren etwas besorgt, dass der straffe Zeitplan nicht genug Raum für eigene Erkundungen des Landes nach eigenen Interessen lassen würde - aber es gab genug Flexibilität, um alle unsere Interessen unterzubringen. Wir hatten auch die Befürchtung, dass die Gruppe voller Nörgler sein könnte, die sich ständig beschweren und über alles meckern. Auch hier hatten wir Glück. Wir hatten eine tolle Gruppe, gut gelaunt und abenteuerlustig. Wir sind einfach gut miteinander ausgekommen. Es ist kein Zufall, dass wir Gebiete besuchen wollten, die mit dem Vietnamkrieg zu tun haben. Ich denke, das ist typisch für politisch denkende Menschen unserer Generation. In unserer Jugend marschierten wir gegen den Vietnamkrieg und wurden Teil der Antikriegsbewegung. Wir wuchsen mit Bildern und Fotos über die Gräueltaten des Krieges auf. Wir sahen hervorragende Antikriegsfilme wie Platoon, Apocalypse Now, Good Morning Vietnam und The Quiet American. Wir kamen gut vorbereitet und gut informiert (über den Krieg) nach Vietnam und waren begierig darauf, durch den Besuch der Stätten noch mehr darüber zu erfahren. Und es ist gut für Vietnam, die Erinnerung aufrechtzuerhalten und künftige Generationen an die Gräueltaten zu erinnern. Wie die Vietnamesen sagen: Wir vergeben, aber wir vergessen nicht. Was wir auch gelernt haben, ist, dass sich Vietnam weiterentwickelt hat. Der Krieg liegt fast 50 Jahre zurück, mindestens zwei Generationen, in der Zeit der (Ur-)Großeltern. Die jüngeren Menschen sind nicht mehr daran interessiert, über den Krieg zu sprechen. Sie haben ihre eigenen Interessen und Probleme, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen. Leider war die Zeit zu kurz, um ein tiefes Verständnis dafür zu bekommen, welche Träume, Sorgen, kulturelle oder wirtschaftliche Entwicklung die vietnamesische Bevölkerung jetzt durchmacht. Aber wir können die lebendige Atmosphäre und den enormen Fortschritt des Landes sehen und spüren. Vietnam hat eine sehr junge Bevölkerung. Laut der Volkszählung 2019 sind 21 % der Bevölkerung (20,4 Millionen) junge Menschen zwischen 10 und 24 Jahren. Dies erklärt die Bereitschaft zu wirtschaftlichem Fortschritt und Entwicklung. Beim Anblick der vielen Hochhäuser und der vielen Produktionslinien für Produkte, die in westliche Länder exportiert werden, kann man leicht vergessen, dass Vietnam ein kommunistisches Land ist. Wir frei und individualistisch denkenden "Westler" mögen viele Dinge nicht verstehen oder gutheißen wie z. B. das Einparteiensystem oder die staatliche Kontrolle in vielen Bereichen des Lebens. Vietnam hat jedoch bewiesen, dass es seinen eigenen Weg geht. Die besten Beispiele dafür sind die Umverteilung von landwirtschaftlichen Nutzflächen in Privatbesitz in den 90er Jahren und die Öffnung für Unternehmen und den Handel mit anderen Ländern sowie der wachsende Tourismus, die dazu beigetragen haben, die Wirtschaft des Landes zu sanieren. Das vietnamesische Volk ist tolerant gegenüber anderen Ländern und anderen Kulturen, so sagt man uns. Im Gegenzug wollen sie, dass andere Länder ihnen gegenüber tolerant sind, d. h. akzeptieren, dass sie Dinge auf eine andere Art und Weise tun, nämlich auf die vietnamesische Art. Das können wir voll und ganz verstehen und befürworten. Wir sind am Ende unseres Vietnam-Abenteuers angelangt. Wir fragen uns, was als nächstes kommt. Lisa und Dave
- FRAGMENTE EINER KINDHEIT, LYMPSTONE, SÜD DEVON
(UK) Mein Vater, der 1912 geboren wurde, wuchs in einem kleinen Kohlebergbaudorf in den Tälern von Südwales auf. Die Grube bot damals fast allen Arbeitern einen „Job fürs Leben“, nicht aber meinem Vater, der sich für Mechanik begeisterte, insbesondere für Autos und Motorräder. Deshalb verließ er sein Heimatdorf, um bei Morris Motors in Cowley, Oxfordshire, zu arbeiten. Er wohnte in einem Zelt. Meine 1915 geborene Mutter, die in einem benachbarten walisischen Dorf lebte, war nach Oxford gezogen, als sie Anfang 20 war. In einem Pub in Oxford haben sie sich kennengelernt und sie zog zu ihm, als er eine geeignetere Unterkunft gefunden hatte. Später zogen sie nach Croydon, da mein Vater in der „Ford Dagenham“-Fabrik im Osten Londons Arbeit gefunden hatte. In Croydon heirateten sie. Meine Mutter hält mich auf dem Arm vor unserem Cottage Unmittelbar nach dem Krieg beschlossen die beiden, nach Devon (eine Grafschaft im Süden Englands) zu ziehen. Vater ging zuerst. Er fand eine als Werkstatt geeignete Garage, die er mieten konnte, denn er wollte sich als Mechaniker selbständig machen. Und er mietete ein abgelegenes Cottage auf Crown Land (Eigentum der Britischen Krone) für vierzehn Schilling pro Woche. Das war dann für die nächsten fünfzehn Jahre das Zuhause unserer Familie. Meine Schwester wurde dort 1947 geboren und ich folgte 1950. Aber vor unserer Geburt kam mein Vater mit einem wunderschönen Welsh Collie Welpen namens Gyp nach Hause - treu, intelligent ... Mamas Hund. Erinnerungen an das Haus meiner Kindheit in Devon Das Haus meiner Kindheit, Middlecombe Cottage, lag zwischen der Upper und Lower Combe Farm. Es war ein altes Wildhüterhaus, das lange leer gestanden hatte und vernachlässigt worden war, als mein Vater es entdeckte. Er sah darin eine Chance, dem schmutzigen, zerbombten Croydon der Nachkriegszeit zu entfliehen. Der Arbeitsplatz in der Ford-Fabrik in Dagenham wurde gegen eine eigene Werkstatt in einer Dorfgarage eingetauscht. Vater war zufrieden! Meine Mutter weinte allerdings, als sie das baufällige und verkommene Wildhüterhaus sah. An wen hatte er bei der Entscheidung wohl gedacht? Sicher nicht an sie. Das Haus meiner Kindheit, Middlecombe Cottage Sie stürmte erstmal davon ins nahe gelegene Exmouth zum Einkaufen, und mein Vater putzte in ihrer Abwesenheit den alten Herd, um ihren Schock beim Anblick des Anwesens abzuschwächen. Bei einer Tasse Tee fühlte sie sich schon besser. Gemeinsam tünchten sie die Wände innen und außen, schrubbten die Dielen im Obergeschoss und die Steinböden im Erdgeschoss und errichteten einen Anbau, in dem ein Kupferkessel, eine Wäschemangel und eine Innentoilette untergebracht waren. Etwas modernisiert, aber auch für die damaligen Verhältnisse immer noch primitiv. Das kleine Anwesen nahm Gestalt an. Die Wanderer hielten an, um das Schneewittchen-Häuschen mit den rosa Rosen, die sich um das Gartentor rankten, zu bewundern. Der Bach, der neben dem Haus vorbei floss, war voller Brunnenkresse und wilder Iris. Ich erinnere mich an die Schwalben, die im Strohdach nisteten, die Schleiereulen, die auf dem Dach ein- und ausflogen, die Fledermäuse in der Dämmerung und die einsame Amsel, die in der Spitze des Apfelbaums sang, um das Ende des Tages zu verkünden. Hecken und Wiesen voller Primeln, Veilchen, Mini-Narzissen, Fingerhüte und Schneeglöckchen, Glockenblumenfelder unter den Bäumen, Äpfel in Hülle und Fülle, saftige Brombeeren, Pilze in Feenringen, Kuckucke und Lämmer im Frühling, Rotkehlchen im Winter. Wir fischten Stichlinge in eiskalten Fließgewässern, spielten in Heuschobern und bauten Höhlen im Wald. Unser alter walisischer Collie wachte über uns, ohne dass er Zuneigung brauchte oder wollte, während unsere halbwilden Katzen kopflose Kaninchen brachten, die sie meiner Mutter zu Füßen legten - „braver Junge“, sagte sie und wurde noch blasser. Ich erinnere mich an beliebige Dinge - an den Besuch meiner Großeltern im Sommer, was Tagesausflüge nach Brixham, Torquay und in den Zoo von Paignton bedeutete, an die Weihnachtspantomime in Exeter, an das Anstehen an der Kinokasse für den Film die „Zehn Gebote“, an das Essen einer Knicker-Bocker-Pracht (ein riesiger köstlicher Eisbecher mit Früchtesyrup) in einer Milchbar, an das Salzwasser-Freibad in Exmouth, Palmen an der Strandpromenade, die Überschwemmungen von 1959, Myxomatose bei Wildkaninchen, ein Hornissennest unter der Dachtraufe, meine Angst, im Dunkeln mit dem Fahrrad nach Hause zu fahren, bis ich die Reflexion von Gyps Augen im Schein meiner Radlampe sah und wusste, dass ich in Sicherheit war; echte Kerzen am Weihnachtsbaum, Äpfel auf Zeitungspapier unter unseren Betten, Kokosnussmatten, die sich nie abnutzten, gesmokte Kleider, Liberty-Mieder und das Sparen unseres Kirchenkollektengeldes für den Kaugummiautomaten. Ich erinnere mich auch an den Geruch von grüner Seife, an Sonntagsbraten, Apfelkuchen und Scones am Sonntag, an Geißblatt an einem warmen Tag, an Kuhfladen an einem heißen Tag, an Dampfpuddingkuchen an einem kalten Tag. Wir waren glücklich und gesund, aber insgeheim beneideten wir die Kinder im Dorf, die auf der Straße spielten, ein Badezimmer hatten, warmes Wasser aus dem Wasserhahn bekamen und zum Laden laufen konnten. Für sie waren es fünf Minuten Fußweg zur Schule, für uns eine Stunde bei Wind und Wetter - ein Unterschied, der zum Anlass genommen wurde, uns zu ärgern. Tropfnasse Kleidung, aufgesprungene Beine, erfrorene Hände, schlammige Stiefel. Am Schultor standen keine Autos, es gab keine Mitfahrgelegenheiten, und ein Besuch bei uns zu Hause war ein seltenes Ereignis. Wir waren zu isoliert, als dass Kinder zum Spielen hätten kommen können. Wir sahen Fernseher, wenn wir an den Fenstern vorbeiliefen, Telefone, die klingelten, und elektrisches Licht, das mit einem Knopfdruck ein- und ausgeschaltet wurde. Wenn jemand gefragt hätte, wir hätten getauscht, zumindest für ein paar Tage in der Woche. Ich glaube, meiner Mutter ging es auch oft so - Wäsche aufhängen um sechs Uhr morgens, gefolgt von dem unbarmherzigen Bügeleisen, das die besten Kleidungsstücke im Handumdrehen verbrennen konnte. Sie kochte, verarbeitete und konservierte ständig, um mit den riesigen Mengen an Obst und Gemüse Schritt zu halten, die in der fruchtbaren roten Erde gediehen, und zusammen mit einer Vielzahl von Blumen am Gartentor ein kleines, aber stetiges Einkommen erzielten. Das heißt, wenn die Fuchsjagd nicht in unserem liebevoll gepflegten Garten Amok lief, denn das Haus und das Land gehörten der Krone. Keine Entschuldigung des reitenden Adels, Fuchs hin oder her. Kein Fuchs, so hofften wir, nur um ihnen den Spaß zu verderben. Abends saß meine Mutter auf der Treppe, eine Tasse Tee in der Hand, Gyps an ihrer Seite und lauschte der Amsel, ein ruhiger, zufriedener Moment, und dann stopfte sie pflichtbewusst Socken zu Tode und strickte beigefarbene Strickjacken, weil "beige zu allem passt". Meine Schwester und ich saßen auf der Treppe und spitzten die Ohren, um die Beiträge der Radio-Sendungen wie The Navy Lark und Hancock's Half Hour mitzubekommen. Meine Mutter lachte, die Nadeln klickten. Wir wünschten uns, sie könnte Zeit finden, um mit uns zu spielen, um einfach nur liebevoll mit uns zusammenzusitzen, aber ihr Leben war Arbeit und Arbeit war ihr Leben. Eines Tages schrubbte sie den Küchenboden und dachte: "Wenn ich doch nur zehn Pfund pro Woche verdienen könnte!“ Es folgte eine Reihe körperlich anstrengender Jobs. Auch mein Vater arbeitete rund um die Uhr in der Garage und im Haus - Heimwerken und Gartenarbeit ohne Ende. Das war eine Art “gutes Leben” auf der Basis harter Arbeit. Wir hätten dort glücklich und zufrieden leben können. Aber es stellte sich heraus, so meine Mutter, dass die Leute, je reicher sie sind, desto seltener ihre Rechnungen bezahlen. Die Werkstatt litt darunter und ging schließlich in Konkurs. Wir verließen Devon 1960, als ich zehn Jahre alt war. Zurück zu den walisischen Wurzeln Das gemeinsame walisische Erbe führte Mutter und Vater zurück zu ihren Wurzeln nach Wales - diesmal nach Swansea. Die Ford Motor-Fabrik war von Prestcold Refrigerators (die Kühlschränke bauten) übernommen worden und Papa erhielt eine Stelle in leitender Position. Wir wohnten nun in einer Wohnung im 3. Stock mit Blick auf das Meer - meine Mutter hasste es lange Zeit. Es fiel ihr schwer, sich nach dem Cottage in einer Wohnung einzuleben, und so hart die Arbeit für sie auch gewesen war, so schwer war es auch, von dort wegzugehen. Insbesondere hasste sie die Wäscheleine, die zwischen einem kleinen hinteren Fenster und einer gegenüberliegenden Felswand gespannt war. Ihr Rücken tat weh, wenn sie sich aus dem Fenster lehnen musste, obwohl die Leine mit einer Winde hin- und hergezogen werden konnte. Auch die vier Treppenstufen gefielen ihr nicht besonders! Wir alle fanden es schwierig, zurechtzukommen, jeder auf seine Art und Weise. Doch für meine Schwester und mich war es einfach ein Paradies im Vergleich zum Leben im Cottage auf Crown Land in Devon. Wir hatten nun Strom, warmes Wasser, ein Bad, einen Schulbus, Nachbarn und Freunde! Wir sind nie wieder nach Devon zurückgezogen. Eine Postkarte aus den 1920er Jahren zeigt das Hotel Osborne (mitte) in der Langland und Rotherslade Bucht und unsere Wohnung ganz rechts. Ich habe auch nie den Drang verspürt, zum Landleben zurückzukehren - für mich ist es schön, aufs Land zu fahren, aber nicht auf dem Land zu leben. Erinnerungen sind genug. (JH)
- Die Romantik des Reisens ist verloren
Reisen kann sehr romantisch sein und weckt Abenteuerlust und Urlaubsgefühle. Heutzutage kauft man zu Hause online ein Ticket und schon ist man unterwegs. Pünktlich und wie geplant erreicht man relativ entspannt und sicher sein Reiseziel. Wie schön! Oder besser: „Schön wär’s!“ In all den Jahrzehnten, in denen ich häufig innerhalb Europas und auf andere Kontinente geflogen bin, wurde diese Erwartung eines Reisenden meist erfüllt. Und gab es dennoch einmal Probleme, dann fühlte sich die Fluggesellschaft oder der Reiseanbieter dafür verantwortlich, dass den Passagieren geholfen wurde. Heute, das habe ich wieder mal kürzlich bei meinem Rückflug von Berlin nach London erfahren, kann man weder Sicherheit noch Fürsorge erwarten. Es war eine bittere und nicht die einzige Erfahrung dieser Art. Die Deutsche Bahn - Wehe dem Ortsunkundigen! Los ging`s schon in Berlin auf dem Weg zum Flughafen Berlin-Brandenburg (BER). Auf Anraten meiner Berliner Freunde hatte ich mich für die Regionalbahn als das schnellste und zuverlässigste öffentliche Verkehrsmittel zum BER am Stadtrand von Berlin entschieden. Schon am Bahnhof Zoo war es vorbei mit der problemlosen Anfahrt. Auf der Bahnsteigshinweistafel wurden die Reisenden darüber informiert, dass es sowohl am Bahnhof Zoo als auch zwischen den Stationen Ostkreuz und Frankfurter Allee wegen Signalfehlern zu längeren Verspätungen kommen könnte. Diese Information wurde zusätzlich alle zwei Minuten von einer schlecht zu verstehenden Lautsprecheransage bestätigt. Keine Ahnung wo die Stimme des Lautsprechers ihr Büro hatte oder wo man jemanden auf dem Bahnhof um genauere Auskunft hätte bitten können. Mit der Suche nach Information wollte ich keine Zeit verschwenden. Die Formulierung „könnte“ war zwar vage, aber ich wollte nicht riskieren, irgendwo mitten auf der Strecke zu stranden und meinem Flug nur noch nachwinken zu können. Also musste eine schnelle Entscheidung getroffen werden. Bei meinem letzten Berlin-Besuch war ich mit U-Bahn und Bus zum Flughafen gefahren, sehr zum Erstaunen meiner Berliner Freunde, weil die U-Bahn an vielen Stationen anhält und daher nur langsam vorankommt. Der Takt des Busses von der Endstation Rudow zum Flughafen ist nicht gerade eng. Wenn man Pech hat, wartet man sehr lange auf den Anschluss. Trotzdem, die U-Bahn schien mir in dieser Situation das sicherste öffentliche Verkehrsmittel zu sein, das ohne liegen zu bleiben jeden Tag Hunderttausende von Fahrgästen hin und her transportiert. War ich erst einmal in Rudow und es tauchte kein Bus auf, konnte ich immer noch in ein Taxi steigen. Nun kamen mir natürlich meine Ortskenntnisse aufgrund von Jahrzehnte langem Leben in Berlin und regelmäßigen Aufenthalten in dieser Stadt zugute. Ich packte meinen Trolley und raste los: erst runter in den Keller zur U9, damit zur Berliner Straße, dann umsteigen in die U7 und damit bis zur Endstation Rudow. Alles kein Problem für eine Ortskundige, die nicht lange nach Gleisen und Wegen und Richtungen suchen muss! Die Anschlüsse klappten und trotz Hauptverkehrszeit bekam ich einen Sitzplatz. Die Fahrt verging schnell und als ich nach 45 Minuten aus der U-Bahn wieder auf die Straße hochkam, fuhr gerade ein Flughafen-Bus vor, den ich mit etwas Laufen auch erreichte. Binnen 15 Minuten erreichten wir den Flughafen. Die gesamte Fahrzeit betrug eine Stunde. So lange hätte die Regionalbahn auch gebraucht. Ich war stolz auf mich und nahm meine erfolgreiche Problembewältigungsstrategie als gutes Omen für den weiteren erfolgreichen Verlauf meiner Heimreise nach London. Doch da lag ich falsch. Flughafen Berlin Brandenburg - eine Service-Wüste Es war 19 Uhr. Mein Abflug sollte um 21 Uhr stattfinden. Ich hatte also genügend Zeit. Der neu erbaute Flughafen Berlin-Brandenburg hat nichts mit der Bequemlichkeit oder dem Hauch von Luxus anderer Flughäfen gemein wie beispielsweise London Heathrow, New York, oder sogar München. Dieser Flughafen konnte nie wirklich das desolate Image des alten Ost-Berliner Flughafens Schönefelds loswerden. Man fühlt sich eher wie auf einer Bahnstation: Funktional, als schneller Durchlaufbereich für Passagiere nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Keine gemütlichen Cafés oder Sitzgruppen, die zum Ausruhen einladen und das Warten erträglicher machen. Aber ich hatte ohnehin nicht vor, hier lange zu verweilen. So ein Snack für die Reise oder ein Mitbringsel für meinen Mann David hätte ich aber schon gern erstanden. Der einzige Supermarkt war jedoch mehr ein Kiosk und hatte nichts Brauchbares anzubieten. Schade, David, diesmal gibt es keine deutschen Würstchen! So machte ich mich mit meinem Handgepäck gleich auf den Weg zur Sicherheitskontrolle. Meine Bordkarte am Handy wurde prompt von der Maschine erkannt und nach „Sesam- öffne-dich-Art“ ging die Barriere auf und ich schritt durch und reihte mich in die Schlange der wartenden Passagiere an der Sicherheitskontrolle ein. Sicherheitspersonal und Passagiere - eine auf Funktionalität reduzierte Beziehung Das Personal war gut organisiert und wir kamen schnell vorwärts. Vor mir sprach ein sehr beschäftigter Mann ständig laut in sein Handy und hörte auch nicht auf zu reden, als er mit Hilfe eines Sicherheitsbeamten seinen Handkoffer, Uhr, Schlüssel, Kleingeld, Laptop, Jacke, Flüssigkeiten etc. in die dafür vorgesehenen Kästen am Laufband packte. Auch als er im Scanner stand und danach von einem weiteren Sicherheitsbeamten abgetastet wurde, führte er sein sicherlich äußerst wichtiges Gespräch ungerührt weiter. Unglaublich unhöflich! Ich machte dem Sicherheitsbeamten gegenüber eine entsprechende Bemerkung, während er mir mit dem Handgepäck behilflich war. Er zuckte nur die Schultern und meinte, dass ich die erste Person heute sei, die mit ihm gesprochen habe. Wie bitte? Ja, die meisten Passagiere würden ihn nicht einmal eines Blickes würdigen und seien viel zu sehr mit sich beschäftigt. Das schockierte mich und auch ich fühlte mich schuldig oft keinen Blickkontakt mit den Sicherheitsleuten herzustellen und nahm mir fest vor, künftig aufmerksamer zu sein und ein paar freundliche Worte mit dem Sicherheitspersonal zu wechseln. Ich kam ins Grübeln. Liegt diese Sprach- und Kontaktlosigkeit, ja Unhöflichkeit an uns Reisenden? Sind wir auf unser Vorankommen fokussiert und ignorieren hochnäsig oder gleichgültig die Menschen, die Dienstleistungen auf diesem Weg verrichten? Sehen wir das Personal, das uns in langen Schlangen durchschleust, gar nicht mehr als Menschen, sondern als technisches Rädchen im Flughafenbetrieb? Das wäre eigentlich beschämend. Auf der anderen Seite hatte ich oft genug erlebt, dass ich mich in diesem Prozess des Eincheckens vor dem Abflug ebenfalls nicht als Mensch wahrgenommen gefühlt habe. Sicherheitsbeamte wie auch Passkontrolleure haben oft eine Aura von Unnahbarkeit oder legen autoritäres Verhalten an den Tag. Ist es Langeweile, tagein tagaus die lange Schlange von Reisenden an sich vorüberziehen zu sehen und einen eintönigen Job zu machen? Oder Neid? Oder Unsicherheit und Druck? Der Job verlangt äußerste Konzentration, um ja kein potentielles Sicherheitsrisiko zu übersehen. Im Grunde ist jeder Passagier wie ein potenzielles Risiko zu sehen. Sollen daher das rigide Verhalten und die gebellten Anweisungen sowie die Distanz der Sicherheitsbeauftragten einschüchternd wie die Autorität der Behörden wirken? Ich erinnere mich mit Schrecken an ein Erlebnis am Flughafen New Orleans, als unser Gepäck zum Scannen auf das Fließband geworfen wurde und mein Mann David dem Sicherheitsbeamten helfen wollte, der aber äußerst nervös reagierte, die Maschinenpistole auf ihn richtete und Verstärkung anforderte. Wie gut tut es dagegen, wenn Sicherheitsbeamte mal lächeln oder ein freundliches Wort an einen richten oder eine spaßige Bemerkung machen. Das lockert die einschüchternde Atmosphäre auf und macht sie menschenfreundlicher. Als der Mann am Scanner im Münchner Flughafen mir guten Appetit wünschte, nachdem die gegrillten Hähnchenkeulen, die meine Mutter mir eingepackt hatte, auf seinem Bildschirm sichtbar geworden waren, hob das die Stimmung ungemein. Ja sogar als sich ein äußerst prekärer Vorfall am Hamburger Flughafen in Wohlgefallen auflöste, konnten das Sicherheitspersonal und ich gemeinsam herzlich über den Irrtum lachen. Der Scanner am Sicherheitscheck hatte Alarm geschlagen, weil er Sprengstoff in meinem Handgepäck vermutete. Bewaffnete Bereitschaftspolizisten eilten herbei und inspizierten unter größten Sicherheitsvorkehrungen das Handgepäck. Der verdächtige Gegenstand waren eingeschweißte Würstchen, die ich als Mitbringsel für meinen Ehemann bei Edeka am Flughafen erstanden hatte. Zum Glück konnten wir alle nach dieser Szene noch den Witz zu erkennen. Wahrscheinlich leiden beide Parteien unter dem Massenbetrieb. Das Sicherheitspersonal, das tagtäglich die endlosen Schlangen von Passagieren abfertigen muss. Die Passagiere, die genervt vom anstrengenden Anstehen im Pulk mit völlig fremden Menschen nur noch durch die Kontrollen und dann in Ruhe gelassen werden wollen. Das ist wahrlich kein vergnüglicher Aspekt des Reisens. Nach der Sicherheitskontrolle entdeckte ich auch im Duty-free-Bereich des BER nichts Einladendes und begab mich daher gleich zur Grenzkontrolle und schließlich zu meinem Flugsteig, um dort auf die Aufforderung zum Einsteigen in die Maschine zu warten. Ich hatte noch eine Stunde Zeit. Info-Stau am Flughafen Man glaubt ja gar nicht, wie viele Informationskanäle man offenhalten sollte, wenn man von Berlin nach London fliegt. Mein Mann David und ich sind da sehr versiert und daher wurde ich von ihm von zu Hause in London am Computer sitzend teilweise besser informiert als von British Airways per Handy-App oder dem BER-Flughafenpersonal. Und wehe demjenigen, der kein Internet fähiges Handy hat oder es nicht zu nutzen weiß! Konkret sah das an diesem Abend folgendermaßen aus: Die Zeit verging, die angegebene Zeit fürs Boarding verstrich und nichts passierte. David informierte mich um 20.30 Uhr, dass nach Angaben der Heathrow-Abflugliste mein Flugzeug eine halbe Stunde Verspätung habe. Interessant. Wir Fluggäste vor Ort in Berlin waren darüber nicht informiert. Kurz vor 21 Uhr klärte uns eine Lautsprecherstimme auf, dass sich die Ankunft des Flugzeuges aus London, mit dem wir zurückfliegen würden, wegen Gewitterstürmen über Europa um ca. 20 Minuten verspäten würde. Sobald es gelandet und gesäubert sei, könnten wir einsteigen. Okay, so wussten wir wenigstens Bescheid und warteten geduldig. Die Zeit verging. Keine weiteren Informationen. Dave schrieb um 20.37 Uhr, dass er den Grill angeschmissen habe und Hühnchenkeulen grillen würde, die zu Hause auf mich warten würden. Nett. Ich freute mich schon darauf. Von David erfuhr ich auch, dass unser Flugzeug bereits gelandet war und dass es nun nicht mehr lange dauern könne, bis wir abfliegen würden. Meine British Airways App informierte mich um 21.10 Uhr per Handy, dass unser Flug mit leichter Verspätung um 21.20 abfliegen würde. Kurz danach wurden wir zum Einsteigen aufgefordert und um 21.30 Uhr saß ich angeschnallt auf meinem Sitz 29b, in der vorletzten Reihe mit wenig Beinfreiheit, wo die Billigflug Passagiere untergebracht werden, und freute mich auf den Abflug und auf die Hühnchenkeulen, die auf mich warteten. Der Flug war bis auf den letzten Platz besetzt und mein Trolley steckte im Gepäckfach der Sitzreihe 24. Ich machte eine mentale Notiz, ihn beim Aussteigen ja nicht zu vergessen. Heute wollte ich mir ein kleines Fläschchen Sekt gönnen, da mein Besuch in Berlin erfolgreich gewesen war. Doch nachdem ich die BA-Menü-Karte studiert hatte, entschied ich mich dagegen. Ich wollte nicht für einen 200-ml-Schluck Sekt £8 bezahlen. Ich fand den Preis unverschämt. Das konnte ich in Kürze daheim billiger haben. Ich textete Dave, doch bitte eine Flasche Rotwein in den Kühlschrank zu stellen, denn bei der derzeitigen Hitzewelle hatte unsere Dachwohnung ca. 32 Grad und das war definitiv zu warm für Rotwein. Durch das kleine Fenster konnte ich sehen, dass es angefangen hatte zu regnen. Eine Freundin schrieb mir, dass ihr Open-Air-Konzert in Berlin wegen starken Regens abgebrochen worden war. Zum Glücke saßen wir im Flugzeug im Trockenen. Flugzeug-Stau auf der Rollbahn Kurz vor 22 Uhr (mit einer Stunde Verspätung) ging es dann los. Wir rollten zur Startbahn und reihten uns in die Schlange der wartenden Flugzeuge ein, fertig zum Abheben. Und warteten. Dann informierte uns der Flugkapitän, dass wegen der starken Gewitter die Berliner Flughafenbehörde die Arbeit des Bodenpersonals aus Sicherheitsgründen gestoppt habe. Aber, sobald es möglich sei, würden sie die Abfertigung der Flugzeuge fortsetzen. Okay? Soweit wir von unserem Fenster aus sehen konnten, regnete es nur leicht und nur in weiter Ferne waren ein paar Gewitterblitze zu sehen. Vielleicht war diese Sicherheitsmaßnahme etwas übertrieben, aber die Experten würden schon wissen, was sie tun. Und so warteten wir weiter. Nach einer Weile (ich hatte immer noch Internet) checkte ich angesichts der zunehmenden Verspätung die U-Bahnverbindung vom Flughafen Heathrow nach Hause. Die schnellste war die neue Elizabeth Line und die ging noch bis kurz nach Mitternacht. Die letzte U-Bahn von Tottenham Court Road Station, wo ich umsteigen musste um mit der Northern Line nach Hause zu kommen, ging um 0:34 Uhr. Das könnte knapp werden. Falls nicht, müsste ich per Nachtbus nach Hause fahren. Dave schickte mir die entsprechenden Nachtbusverbindungen auf`s Handy. Ich würde etwa 2 ½-3 Stunden bis nach Hause brauchen und frühestens um 3.30 Uhr morgens zuhause sein. Dave sollte besser das Hähnchen in den Kühlschrank stellen. Ein Taxi war mir zu teuer. Das kostete bestimmt über £100. Das Geld war anderweitig besser angelegt. Dave schlug vor, ich sollte doch besser am Flughafen Heathrow bleiben und versuchen, eine Bank zum Schlafen zu finden, denn die erste U-Bahn würde bereits um 5.09 Uhr morgens fahren. Das wäre auf alle Fälle sicherer als in ein dubioses Mini-Cab einzusteigen. Gute Idee. Darauf könnte ich mich einlassen. Es wäre sicherlich nicht bequem, aber einmal geht das schon. Mittlerweile wurde es immer heißer im Flugzeug, denn die Klimaanlage funktioniert nicht im Stehen. Die Stewardessen, die auch nicht mehr Informationen hatten als wir, verteilten Wasser und Bretzeln, um uns abzukühlen und wahrscheinlich auch zu besänftigen. Dann kam mir ein beunruhigender Gedanke: das Nachtflugverbot in London! Wir Londoner sind froh, dass keine Flüge zwischen 24 und 6 Uhr morgens erlaubt sind. Wenn wir allerdings nicht in den nächsten 10 Minuten abfliegen könnten, würden wäre eine Landung in Heathrow nicht mehr möglich. Dave in London hatte offensichtlich gerade die gleiche Idee, denn er hatte wohl recherchiert und sandte mir die entsprechenden Infos. 1962 habe die UK-Regierung Restriktionen von Nachtflügen in Heathrow erlassen, die besagten, dass zwischen 23.30 Uhr und 6.00 Uhr morgens kein Flugzeug landen und abfliegen dürfe. Diese Regel bestehe bis heute, aber mit dem Zusatz, dass unter besonderen Umständen die Regel gedehnt werden könne. Ich beruhigte mich und meine Sitznachbarin, die die ganze Zeit reges Interesse an meinem WhatsApp Austausch mit Dave gezeigt hatte. Ich war überzeugt, dass die Flughafenbehörde eine Ausnahme machen würde, denn British Airways sei ja die nationale Fluglinie und würde beim Landen bestimmt Priorität haben, argumentierte ich. Das beruhigte meine Sitznachbarin und mich etwas, bis mir einfiel, dass vor kurzem eine Freundin bei uns in London hängengeblieben war, weil ihr Flug verspätet war und der Berliner Flughafen um 24 Uhr geschlossen wurde. Meine Online-Suche bestätigte ein Nachtflugverbot in Berlin von 24 bis 5 Uhr morgens mit einer Flexibilität von 30 Minuten. Es war nun kurz vor 24 Uhr. Ich glaubte fest, dass die Flughafenbehörde dem gesunden Menschenverstand folgen und sicherlich so flexibel sein würde, den Flughafen solange offen zu halten, bis all die wartenden Flugzeuge abgeflogen waren. Flughafenschließung – was nun? Doch mein fester Glaube versetzte weder Berge noch unser Flugzeug in die Luft! Der Kapitän teilte uns mit, dass wir nicht abfliegen könnten, denn der Flughafen sei geschlossen worden. Es seien 20 Flugzeuge vor uns in der Warteschlange, die nun vor uns rückabgewickelt werden müssten. Er hoffe, dass er noch Bodenpersonal erreichen könne, das uns aus dem Flugzeug wieder herauslassen würde und unser Gepäck wieder abladen könnten. Er werde uns informieren, sobald er mehr Informationen habe. Was nun? Warten! Und hoffen! Aber worauf? Die Passagiere ringsum wurden nervös und unruhig. Viele beschwerten sich und machten ihrem Unmut lautstark Luft. Vom Kapitän erfuhren wir, dass in der Maschine vor uns in der Warteschlange die italienische Fußballmannschaft, die in Berlin beim Europa Cup gespielt hatte, auch festsaß. Später hörte ich noch, dass auch die Mannschaft des FC Bayern München an diesem Abend am BER gestrandet sei. Wie beruhigend. Wir waren also nicht alleine in dieser misslichen Lage. Schließlich erhielten wir Passagiere von British Airways eine E-Mail, die darüber informierte, dass der Flug verspätet sei und heute nicht mehr abfliegen könne. Naja, das war ja nun keine Neuigkeit mehr. British Airways würde jedoch angemessene Hotelkosten, bis zu £20 für Essen und Getränke und bis zu £25 für Telefonkosten übernehmen. Wir würden am nächsten Morgen wieder eine E-Mail erhalten, in der uns die neue Abflugzeit unseres Fluges mitgeteilt würde. Nun war es also offiziell, dass wir gestrandet waren. Zuerst wusste ich nicht so recht, was ich davon halten sollte. Doch schnell kam ich zu dem Schluss, dass dies wahrscheinlich die bessere Option war. Ich war nicht sonderlich angetan von der Aussicht, in London eine 2½ – 3-stündige Fahrt mit drei verschiedenen Nachtbussen auf mich nehmen zu müssen oder eine schlaflose Nacht auf einer der kalten und harten Metallbänke am Flughafen Heathrow zu verbringen. Aber nun war ich mit dem Problem konfrontiert, vom Flugzeug aus vor Ort ein Bett für diese angebrochene Nacht zu finden. British Airways bot diesbezüglich keine Hilfestellung an. Um diese Uhrzeit konnte ich unmöglich meine Freunde, bei denen ich die letzten drei Nächte verbracht hatte, aus dem Schlaf schrecken. Ein Hotel in der Nähe des Flughafens war die beste Option. Das wäre auch von Vorteil, dass ich nicht nur heute Nacht schnell untergebracht wäre, sondern am nächsten Morgen auch kurzfristig am BER zum Abflug bereit wäre. Um mich herum setzte allmählich allgemeines Entsetzen ein, als die Konsequenz dieser Nachricht allen bewusst wurde. Manche stürzten sich in Hyperaktivität, andere reagierten paralysiert oder brachen zusammen. Zwei Reihe vor uns bekam eine Frau einen schlimmen Asthmaanfall und eine Stewardess kümmerte sich um sie. Mein Sitznachbar rechts von mir buchte gerade auf dem Handy ein Hotel in Flughafennähe. Gute Idee! Das sollte ich auch sofort erledigen. Ich fragte ihn nach dem Namen seines Hotels und machte mich daran, ebenfalls dort zu buchen. Leider erschienen nur die Buchungsdaten für den nächsten Tag bzw. die nächste Nacht auf meinem Display. Die App bot keine Möglichkeit an, für die aktuelle Nacht zu buchen. Den Grund sollte ich erst später erfahren. Meine Nachbarin links von mir hatte mehr Glück und sie buchte schnell in einem anderen Hotel für uns beide je ein Zimmer, bezahlte mit ihrer Kreditkarte und bekam die Buchungsbestätigung. Wunderbar! Wir waren gerettet! Wir hatten einen Platz zum Schlafen. Wir waren erleichtert. Kurz darauf erhielt ich eine WhatsApp-Nachricht von einer Berliner Freundin, die sich erkundigte, ob ich sicher in London gelandet wäre. Ich schrieb ihr von unserer Situation. Sie war geschockt und bot an, sich sofort ins Auto zu setzen und mich abzuholen. Ich dankte ihr, sagte das sei nicht nötig, da wir gerade ein Hotel am Flughafen gebucht hätten, das von BA bezahlt werden würde. Später sollte ich diese leichtfertige Absage bereuen. Doch zu diesem Zeitpunkt wusste ich ja noch nicht, wie diese Nacht verlaufen würde. Ich verständigte David von den neuesten Entwicklungen und schrieb ihm, er könne das Hühnchen selber aufessen oder in den Kühlschrank stellen. Er könne beruhigt schlafen gehen. Ich würde mich morgen früh bei ihm melden und ihn auf dem Laufenden halten. Er war beruhigt, das schien ihm auch die beste Option. Gestrandet im Chaos am Flughafen BER Es waren jedoch noch jede Menge Flugzeuge vor uns und es war abzusehen, dass es noch eine Weile dauern würde, bis wir vom Bodenpersonal aus dem überhitzten Flugzeug befreit werden würden. In unserem Flugzeug waren 180 Passagiere und bei 20 Flugzeugen waren es mindestens 3 600 Passagiere, die abgefertigt und deren Gepäck wieder ausgeladen werden musste. (Wie gut, dass ich wieder mal nur Handgepäck hatte!) Unser Flugzeug stand ja ganz hinten in der Schlange. Diese Massen waren dann später auch alle vor uns bei der Grenzkontrolle. Da wir ja vom Niemandsland wieder nach Deutschland einreisen mussten, war das unvermeidlich. Viele Passagiere verstanden die Logik nicht, denn sie hatten ihrer Meinung nach Deutschland ja noch nicht verlassen und grantelten vor sich hin, argumentierten untereinander und stritten sich mit den Beamten der Passkontrolle. Kleine Kinder schrien. Hunderte von Leuten saßen auf dem Boden, müde und erschöpft, ratlos was zu tun sei. Einige weinten, anderen standen Erschöpfung, Wut und Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Mir taten vor allem die Familien mit Kindern leid, die nun eine Bleibe suchen mussten. Von British Airways oder dem Berliner Flughafen-Personal, das uns Hilfe und Unterstützung hätte geben können, war niemand zu sehen. Wir waren völlig auf uns selbst gestellt. An der Passkontrolle wurden die Auswirkungen des Brexits wieder einmal deutlich. Ich konnte als deutsche Staatsbürgerin einfach zu einer der fast leeren, für EU-Staatsbürger reservierten elektronischen Kontrollposten gehen, während die meisten sich in die überlange Schlange der Nicht-EU-Bürger einreihen mussten. Ich wartete auf der anderen Seite auch, aber auf meine Nachbarin, denn wir hatten ja eine gemeinsame Hotelbuchung. Ich hätte loyal mit ihr warten und ihren Passkontrollschalter nutzen können, aber ich wollte doch einmal einen Vorteil des Brexits genießen und eine Weile nicht in einem Pulk aus frustrierten Menschen warten. Sie hatte zwar vorgeschlagen, ich solle schon mal zum Hotel vorgehen, aber ich fand, es sei besser, diese Situation gemeinsam durchzustehen. Nun wartete ich und versuchte, mich an ihr Gesicht zu erinnern, denn wir kannten uns ja kaum. Endlich, nach 45 Minuten, kam sie als eine der letzten Passagiere heraus. Wir erkannten uns sofort wieder und, erleichtert, dass wir beide nur Handgepäck hatten, schoben wir uns an den Menschenmassen vorbei, die bei der Gepäckausgabe am Fließband auf ihre Koffer warteten. Wir reihten uns hingegen hoffnungsfroh in die Taxischlange ein. Dort gab es fast eine Schlägerei, als ein paar Menschen versuchten, sich vorzudrängeln. Die Nerven waren zum Reißen gespannt. (K)ein Bett für die Nacht? Das Hotel war in der Nähe und nach 15 Minuten Fahrt kamen wir um 01.30 Uhr an. Wir reihten uns in die lange, bis auf die Straße reichende Schlange ein. Hunderte von Gestrandeten waren vor uns. Aber wir waren relaxt, freuten uns schon auf unser Hotelbett, denn zum Glück hatten wir ja unsere Hotelbuchung und Bestätigung. Doch dann erreichte uns das Gerücht, dass alle Zimmerbuchungen, die nach 24 Uhr Mitternacht vorgenommen worden waren, null und nichtig seien. Das Hotel sei voll. Leute seien weggeschickt worden. Was? Wie bitte? Das war doch nicht zu glauben. Entschlossen schritt ich an der langen Schlange vorbei, um mich an der Rezeption persönlich zu erkundigen. Was ich da zu hören bekam, enttäuschte mein Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Digitalisierung: Booking.com habe einen Fehler gemacht. Das Portal hätte keine Buchungen für diese Nacht nach 24 Uhr annehmen dürfen. Die Buchung sei daher für die nächste Nacht angenommen worden. Das Hotel sei tatsächlich voll. Es könne uns nicht helfen. Wir müssten mit Booking.com direkt in Verbindung treten, um unser Geld rückerstattet zu bekommen. Aber das war zu diesem Zeitpunkt unsere kleinste Sorge. Wo sollten wir jetzt um diese Uhrzeit hin? Alle, die nach Mitternacht gebucht hatten, wurden weggeschickt und mussten nach einem anderen Hotel suchen. Das waren die meisten. Wir hatten um 00:07 Uhr gebucht. Es betraf uns also auch. Ich versuchte noch mit dem gestressten Mann an der Rezeption zu handeln. Ob nicht doch noch irgendwo eine Besenkammer frei wäre, die er uns überlassen könnte, fragte ich. Leider nein. Der arme Mann war umringt von hunderten von Leuten, viele mit Kindern, die dringend eine Bleibe suchten. Er war komplett überfordert und bekam aber die geballte Wut und Enttäuschung zu spüren. Da saßen wir dann in der Lobby des Hotels und versuchten für uns beide ein Hotel zu finden. Meine Sitznachbarin und neue Freundin rief bei dem Hotel an in dem sie die letzte Nacht verbracht hatte, ohne Erfolg, sie waren ausgebucht. Dann suchten wir übers Internet. Doch man konnte nur online buchen und daher nur für die kommende Nacht, weil man einem Programm nicht erklären kann, dass man nach 24 Uhr am Flughafen gestrandet ist und nun für diese Nacht keine Unterkunft hat. Das kann man nur einem Menschen erklären und dazu bräuchte man eine Telefonnummer. Die meisten Hotels waren jedoch nur über Online-Buchungsagenturen zu buchen und auch auf der Webseite der Hotels konnten wir keine Telefon Nummer finden. Wenn Telefonnummern angegeben waren, waren es 0801- Nummern von Call-Centern in den USA. Die wären genauso hilfreich bei der Lösung des akuten Problems wie die online-Agenturen gewesen. Nämlich gar nicht! Allmählich setzte bei mir eine lähmende Müdigkeit ein und verdrängte die aufkommende Panik. Ich wollte nur noch mein müdes Haupt irgendwohin hinlegen und war gerade dabei, es mir in der Lobby bequem zu machen und zu schlafen, in der Hoffnung, nicht vor 5 Uhr morgens rausgeschmissen zu werden. Eine Telefonnummer - ein Mensch - eine Lösung! Im Hilton antwortet endlich eine richtige Person Doch dann überlegte ich, welche Hotel-Namen ich kenne. Ich habe 20 Jahre in Berlin gewohnt und nie in einem Hotel übernachtet. Auch bei meinen häufigen Besuchen schlief ich bei Freunden. Aber es musste mir doch der Name irgendeines klassischen bekannten Hotels einfallen! Hilton! Berlin hatte doch sicherlich ein Hilton Hotel. Ich googelte Hilton – und siehe da, ich fand eine Telefonnummer. Eine richtige Person am Telefon sagte, dass noch zwei Zimmer frei wären und versprach, diese für die nächsten 45 Minuten für uns frei zu halten. Wunderbar!! Alle Müdigkeit war verschwunden. Wir stürmten auf die Straße und ein Uber-Taxi brachte uns in die Stadtmitte. Um 03:30 Uhr checkten wir im Hotel Hilton in der Mohrenstrasse ein. Kurz danach, um 04.00 Uhr saß ich zufrieden in meinem frisch überzogenen Bett in meinem Hotelzimmer, nachdem ich mit dem duftenden Duschgel des Hilton geduscht und die herrlich duftende Körperlotion benutzt hatte, und genoss meine Mini-Flasche Rotwein, die ich zuvor noch an einem Automaten in der Lobby als Schlaftrunk zur Beruhigung der Nerven erstanden hatte. Ich stellte den Wecker auf 06:30 Uhr, um dann zu checken, ob eine E-Mail von British Airways mit den neuen Flugdaten angekommen sei und fiel in einen tiefen Schlaf. Um 06:30 Uhr war wirklich eine E-Mail angekommen, in der die neue Abflugzeit um 14:55 Uhr angekündigt wurde. Da konnte ich mich beruhigt umdrehen und weiterschlafen. Frühstück im Hilton - ein Moment der Entspannung im Chaos. Um 10 Uhr traf ich mich mit meiner neuen Freundin und Leidensgenossin zum Frühstücken. Mit Blick auf das historische Gebäude des Deutschen Doms am Gendarmenmarkt genossen wir ein opulentes Frühstück und gönnten uns auch noch ein Gläschen Sekt, um dieses besondere Erlebnis zu feiern. So kann man es aushalten! Wir waren mit der Situation versöhnt. Ich schmierte mir noch ein Brötchen und packte es ein. Eine eiserne Reserve - im Falle eines Falles! Mittags um 12 Uhr nahmen wir ein Taxi zurück zum Flughafen BER und freuten uns, dass wir bald zu Hause sein würden. Zurück am Flughafen - Chaos und fehlendes Krisenmanagement Der Flughafen war voll mit gestrandeten Leuten des Vortages, viele von ihnen auf dem Boden liegend, umringt von ihrem Gepäck. Kinder rannten entweder herum oder weinten. Viele Passagiere hatten es offensichtlich nicht geschafft, ein Hotel für die Nacht zu finden und mussten daher die Nacht am Flughafen auf dem Boden schlafend verbringen. Auch bei uns Glücklichen, die wir die Nacht in einem Hotelbett verbracht hatten, stellte sich nun wieder Verwirrung und Verunsicherung ein. Auf der elektronischen Abflugtafel tauchte unser Flug nämlich überhaupt nicht auf. Wir fingen an zu zweifeln, ob die Information der British-Airways-E-Mail korrekt war. Es gab jedoch niemanden von Seiten der Fluggesellschaft oder des BER, der uns über das weitere Vorgehen informierte. Einige Passagiere hatten sich am Check-in Schalter eine neue Bordkarte ausstellen lassen, bemerkten dann jedoch, dass das gestrige Datum angegeben war. Sie standen nun wieder in der Schlange zum Check-in-Schalter, um diesen Fehler berichtigen zu lassen und eine Bordkarte mit dem aktuellen Datum zu bekommen. Andere kamen enttäuscht vom Sicherheitsbereich zurück. Sie waren dort abgewiesen worden, weil sie versucht hatten, mit ihren Bordkarten des Vortages einzuchecken. Wir waren ratlos. Keine dieser Anstrengungen hatte den Weg zum Gate freigemacht. Waren wir auf einen Geisterflug gebucht, der niemals kommen würde? Oder hatte man uns schlicht vergessen? Ich sah keinen Sinn darin, uns in die lange Schlange am Check-in-Schalter einzureihen und schlug vor, dass wir gemeinsam zum weniger frequentierten Businessclass-Schalter gehen und dort Druck machen sollten. Sieben Leute, gewappnet und gewillt sich nicht abweisen zu lassen, marschierten auf den Schalter zu. Das machte offensichtlich Eindruck. Der freundliche Herr am Schalter erklärte uns, dass es richtig sei, die Bordkarten von gestern zu benutzen. Er habe gerade per Telefon die entsprechenden Anweisungen an das Sicherheitspersonal weitergegeben. Die sollten uns nun ohne Probleme durchlassen. Wir wollten ihm gerne glauben, blieben aber skeptisch. Und prompt, am Security Gate funktionierte unsere Bordkarte nicht. Doch einer der Beamten nahm uns beiseite, „Aha, ihr seid die Gestrandeten von gestern!“, kontrollierte unsere Bordkarten und Reisepässe und ließ uns durch. Puh! Es braucht halt für bestimmte Problemlösungen doch verständige Menschen! Diese Hürde war schon mal geschafft. Nun noch durch die Sicherheitskontrolle und dann auf den Weg zu unserem Gate. Angeblich sollte es das gleiche wie gestern sein, C17. Und wirklich, am Gate 17 stand London Heathrow auf der Anzeigetafel, mit unserer Flugnummer und der Abflugzeit 14.55 Uhr. Da saßen wir dann und warteten. Unsere kleine Gruppe war mittlerweile gewachsen. Wir erkannten mehr und mehr von unseren gestrigen Leidensgenossen und die schlossen sich uns an. Unsere Abflugzeit 14:55 Uhr war schon längst verstrichen, als jemand zufällig eine Information auf der Anzeigetafel aufblitzen sah. Unser Flug gehe in 10 Minuten von einem anderen Flugsteig ab. Niemand hatte uns Bescheid gegeben. Voller Panik rannten wir mit unserem Handgepäck. Ich schluckte noch schnell meinen viel zu heißen Tee runter, da ich keine Hand mehr frei hatte, den Becher zu halten, und sauste los. Wir wollten unter keinen Umständen unseren Flug verpassen. Als wir außer Atem am Gate C12 ankamen, warteten noch mehr bekannte Gesichter des Vortages. Auf der Hinweistafel standen völlig korrekt Flugnummer, Abflugzeit 14:55 Uhr, Zielort London Heathrow, aber von einem Flugzeug oder Personal von British Airways oder Personal des BER keine Spur. Da saßen wir nun in einer ständig größer werdenden Gruppe und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Die Stimmung schwankte zwischen Hoffnung, Verzweiflung, Ärger, Hysterie und Galgenhumor. Wir trauten uns nicht einmal mehr auf die Toilette zu gehen, aus Angst, wichtige Informationen oder unseren Flug zu verpassen. Endlich kam eine junge Dame vom Bodenpersonal des Berliner Flughafens. Unsere Hoffnung auf Information wurden bitter enttäuscht, denn sie wusste nichts über unseren Flug. Stattdessen erfragte sie von uns die Informationen, die wir von British Airways per E-Mail bekommen hatten, um sie an andere Fahrgäste weitergeben zu können. Seit der 06:30-Uhr-E-Mail hatten wir keine Kommunikation mit British Airways gehabt und auch die BA-App blieb stumm. Es herrschte völliges Chaos. Die Abflugtafel informierte uns, dass es an diesem Nachmittag drei British Airways-Flüge von Berlin nach London Heathrow gebe. Doch von unserem Flug war nicht die Rede. Viele Flüge haben Verspätung - doch unser Flug ist nicht auf der Liste. Hatte man uns vergessen? Lange nachdem unsere geplante Abflugzeit verstrichen war, meldete sich endlich die BA-App auf meinem Handy und informierte mich, dass unser Flug um 17 Uhr abfliegen werde. Es gab vor Ort jedoch keinerlei Anzeichen, dass dies eine zuverlässige Information war. Dave kontaktierte mich von London aus und wollte wissen, ob er den Seabarsch aus dem Gefrierfach nehmen sollte für ein BBQ am Abend. Nach unserer gestrigen Erfahrung war ich vorsichtig und schlug vor, das BBQ mit Fisch am darauffolgenden Tag anzusetzen und den Fisch im Gefrierfach zu belassen. Endlich erhielten wir eine Information: Unser Flug sollte um 18 Uhr losgehen. Um 18:15 Uhr stiegen wir dann endlich ins Flugzeug ein, schnallten uns an und das Flugzeug reihte sich in die Schlange der wartenden Flugzeuge zur Startbahn ein. Der Kapitän informierte uns, die Crew des gestrigen Tages habe aufgrund der Wartezeit ihre Arbeitszeit überschritten und sei daher nicht mehr angetreten. Er und seine Crew hätten heute Morgen um 7 Uhr einen Anruf bekommen, dass sie als Passagiere mit einem Flugzeug nach Berlin fliegen und unser Flugzeug zurückfliegen sollten. Sie seien gerade erst am Flughafen BER angekommen und hätten sofort das Flugzeug übernommen. Da wir das Wasser und die Bretzeln gestern bereits verspeist hätten, wäre kein Nachschub da. Aber wir würden ja bald abfliegen und demnächst zu Hause sein. Das war kein Problem für uns. Wir waren dem Kapitän dankbar. Endlich war da jemand, der signalisierte, er kümmere sich um uns. Endlich sprach jemand mit uns und endlich wussten wir wieder, was los war. Und ich war fein raus, denn ich hatte ja noch mein Brötchen aus dem Hotel Hilton. Und wirklich, um 19:30 Uhr erhob sich unser Flugzeug in die Lüfte. Wir jubelten und klatschten. Die Passagiere erzählten sich angeregt, wie es ihnen ergangen war. Neue Freundschaften waren geknüpft worden. Ich war auch froh, dass ich meine junge Sitznachbarin gefunden hatte, und sie war ebenfalls froh über meinen Beistand. Zu zweit war das Abenteuer eher erträglich gewesen, da wir uns gegenseitig unterstützen und ablenken konnten. Die Stewardessen, darum bemüht die Gemüter der Passagiere zu besänftigen, boten nun kostenlos diverse Getränke an. Nun konnte ich also doch noch mein Glas Sekt trinken. Ich fand, ich hatte das redlich verdient. Kurz nach 20 Uhr landeten wir nach 1 ½ Stunden Flug in Heathrow (1 Stunde Zeitverschiebung). Um 22 Uhr saß ich zu Hause mit Dave auf unserer Dachterrasse, feierte meine Heimkehr mit einem Glas Wein und genoss die Hähnchenkeulen, die Dave mir doch noch von gestern aufgehoben hatte. (LL) ——— Wie entsteht so ein Chaos und wieso wird es von Verantwortlichen nicht gemanagt? Dieses Erlebnis hat mich noch lange beschäftigt. Warum war das alles geschehen und wieso konnte es nicht besser geregelt werden? Gewitter sind nichts Neues. Was war das Besondere an diesem Gewitter, das ich gar nicht als so heftig erlebt hatte? Waren die Gesundheits- und Sicherheitsschutzbestimmungen zu rigide, war die Bürokratie am Berliner Flughafen zu strikt oder das Personal zu unflexibel? War die Flugkommunikation London- Berlin oder die der europäischen Flugkontrolle in Brüssel durch ein Gewitter überfordert? War es im Zeitalter der Digitalisierung nicht möglich, in einer Krise zu handeln? Offensichtlich können Computer nur Standardprobleme lösen. Es hätte kompetenter Menschen bedurft, die Krisensituation zu managen. Anspruch auf Kostenentschädigung statt auf Hilfe und Unterstützung An jedem Flugschalter sind die Rechte der Passagiere ausdrücklich plakatiert, für den Fall, dass ein Flug gecancelt wird oder verspätet ist. Sie sind außerdem im Internet verfügbar. Passagiere werden informiert, unter welchen Umständen sie Anspruch auf Entschädigung oder Kostenerstattung haben, unter welchen Bedingungen sie einen Ersatzflug buchen können, wo sie ein Formular dafür finden, um etwaige entstandene Kosten erstattet zu bekommen. „We will do everything we can to help get your travel plans back on track” (Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, damit Sie Ihre Reisepläne wieder in die Tat umsetzen können.) So ist auf der Website von British Airways zu lesen. Dies ist alles sehr löblich, aber es funktioniert letztendlich nicht. Meine BA-App hat mir keine Hilfe angeboten, nicht mal Informationen, was ich in diesem Moment an diesem Ort hätte machen können, um die Krise gut zu handhaben. Die Rechte der Passagiere nach einer Krise sind gut und schön, aber in der Krisensituation sind konkrete Unterstützung und hilfreiche Aktionen gefragt. Eigentlich erwarte ich als Kundin, dass Fluggesellschaften und Flughäfen auf Krisen wie diese, die ja nicht gerade einmalig und äußerst selten vorkommen, vorbereitet sind. Es müsste Krisenpläne geben und Verantwortliche, die diese Pläne umsetzen und gestrandeten Passieren Unterstützung anbieten. Stattdessen erwarten Fluggesellschaften und Flughäfen – so scheint es – dass jeder Passagier, der sich auf eine Flugreise begibt, Krisenpläne selbst ausarbeitet und mit sich führt. Dass jeder Passagier weiß, wohin er sich wenden kann, jenseits der Flug- und Flughafengesellschaft, und wo er sich Informationen beschaffen kann. Denn seine Vertragspartner fühlen sich dazu nicht wirklich verpflichtet. Doch grundlegende Informationen sollten zur Verfügung gestellt werden, wie beispielsweise Listen von Hotels in der Nähe des Flughafens mit Telefonnummern, Informationen über Geschäfte und Läden am Flughafen oder in der Nähe, die offen sind, um im Falle einer Krise die grundlegende Versorgung der Passagiere zu ermöglichen, z.B. Trinkwasser, Essen, Windeln und Nahrungsmittel für Babys, Medikamente etc. Die Rechte der Passagiere zu veröffentlichen scheint in meinen Augen ebenso eine minimale Pflichtübung zu sein, wie bei etlichen Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen oftmals auch. Hauptsache es ist ein Schild aufgestellt worden, dass der Fußboden nass ist und Ausrutschgefahr besteht. Wenn dann wirklich jemand ausrutscht und sich ein Bein bricht, ist es dessen Problem. Aus der Haftung ist man raus! Die Organisation kann nicht belangt werden, ihrer Fürsorgepflicht nicht nachgekommen zu sein. Aber dem Kunden oder Passanten muss ein sicherer Weg aufgezeigt werden, um die Gefahr zu umgehen. Und dem auf einem Flughafen Gestrandeten muss man auch eine Option für die überlange Wartezeit wie in unserem Fall anbieten. Nicht mein Problem Es scheint mir, dass in dieser Situation niemand die Verantwortung übernommen und niemand eine Lösung des Problems angestrebt hatte, weder das Bodenpersonal am Berliner Flughafen, British Airways, Booking.com oder das Flughafenhotel bei dem wir gebucht hatten. Niemand fühlte sich zuständig. Der Angestellte an der Rezeption in dem überfüllten Hotel, der uns alle weggeschickt hat, sah es nicht als sein Problem. Er zuckte die Schultern. Sorry. Es war bestimmt nicht das erste Mal, dass jemand mitten in der Nacht ein Hotel buchen musste. Das System war unfähig zu reagieren und für die Nacht nach 24 Uhr eine Buchung anzunehmen. Viele der großen Hotels werben mit 24-Stunden-Rezeption. Wieso kann man diese Hotels dann telefonisch nicht erreichen, um einem Menschen die Notsituation zu erklären und entweder ein Bett für die Nacht oder wenigstens Hilfe bei der Suche zu bekommen? Mir schien, British Airways hatte es sich einfach gemacht. Mit ihrer E-Mail hatten sie die Passagiere von der Verspätung informiert und angeboten, für eventuell entstehende, im Rahmen liegende, Kosten aufzukommen. Basta! Pflicht erfüllt! Für die Lösung des Problems fühlte sich die Fluggesellschaft nicht mehr zuständig, das oblag der Verantwortung der Passagiere. Die sollten sich selbst darum kümmern, ein Hotel oder irgendwo einen Platz zum Schlafen zu finden. Für die Einheimischen war dies kein Problem, die gingen nach Hause und schliefen in ihrem eigenen Bett. Aber der Großteil der Passagiere waren Touristen oder Besucher. Sie waren fremd in Berlin, hatten dort kein Zuhause, wussten auch nicht auf die Schnelle um diese Zeit eine Unterkunft zu organisieren. Mit ihrer Verzweiflung und Panik standen sie alleingelassen von ihrem Vertragspartner British Airways da. Eine Krisenintervention durch Vertreter der Fluggesellschaft oder Personal des BER gab es nicht, zumindest habe ich niemanden gesehen. Diejenigen, deren Aufgabe es war, einen neuen Flug für den nächsten Tag zu organisieren, haben hoffnungslos versagt und sind völlig unprofessionell vorgegangen. Die E-Mail von British Airways um 06:30 Uhr informierte uns über die neue Abflugzeit um 14.55 Uhr. Aber, wie wir später vom Piloten erfuhren, waren der Flugkapitän und seine Crew erst morgens um 7 Uhr (1/2 Stunde nach der E-Mail an alle Passagiere) verständigt worden, dass sie von London aus als Passagiere nach Berlin fliegen und die Maschine samt Passagieren zurück nach Heathrow fliegen sollen. Sie kamen erst kurz vor 18 Uhr am Berliner Flughafen an. Es hätte bereits morgens klar sein müssen, dass eine Abflugzeit um 14:55 Uhr nicht einzuhalten sei. Warum wurde nicht noch in der Nacht, als der Start auf den nächsten Tag verschoben werden musste, eine Crew verständigt, oder zumindest ein späterer und realistischer Abflugtermin angesetzt? Sollten wir Passagiere hingehalten oder beschäftigt werden? Wäre früher klar gewesen, dass der Flug erst am Abend stattfinden kann, hätten manche Passagiere die Möglichkeit gehabt, alternative Flüge zu buchen, um ihre dringenden Termine einhalten zu können. Wie es zum Beispiel die Frau in der Sitzreihe hinter mir sicher gemacht hätte, die verzweifelt war, da sie mit ihrer Tochter den ganzen Tag am Berliner Flughafen festsaß und nicht rechtzeitig nach London kommen konnte, um an der offiziellen Verabschiedung ihres in den Ruhestand gehenden Ehemannes teilzunehmen. Eine andere Frau verpasste einen lange geplanten Untersuchungstermin im Krankenhaus. Andere, wie mein Sitznachbar auf der rechten Seite, konnten ihren beruflichen Verpflichtungen nicht nachkommen, mussten Kollegen verständigen, Aufgaben übertragen, Termine verschieben und sorgten sich um ihren Job, um nur einige Fälle zu nennen. Vertrag ist Vertrag British Airways und der Flughafen tragen die Verantwortung für die Passagiere. Mit dem Kauf eines Flugtickets entsteht ein Vertrag, an den beide Teile gebunden sind. Die Tickets sind teuer genug und beinhalten Flughafensteuer. Doch auch am Flughafen fühlte sich niemand zuständig oder bemühte sich um Hilfestellung. Die junge Frau am Flugsteig, eine Angestellte des Bodenpersonals am Berliner Flughafen, war nicht einmal annähernd über die Lage informiert – und deshalb tat sie das für sie Naheliegende, sie informierte sich bei den Passagieren über deren Kenntnisstand, um ihn an andere Passagiere weiterzugeben. Das war wohl ein Maximum an Eigeninitiative. Ansonsten wartete sie wohl auf Instruktionen von höherer Stelle. Wie mir schien, war sie nicht einmal verärgert über ihre Unkenntnis der Lage und darüber, dass sie den Passagieren keine Hilfe sein konnte. Ich frage mich, ob das ihr persönliches Versagen war oder ob sie resigniert hat, weil solche Situationen ihr Arbeitsalltag sind? Weil man eh nichts machen kann? Weil das halt so ist? Weil keiner mehr weiß, wer eigentlich wofür zuständig ist? Weil man auch als Mitglied des Personals an den digitalen Kommunikationspfaden nicht mehr vorbeikommt? Keine vernünftigen Antworten jenseits von Standardfragen bekommt? An die Stelle von Empathie ist Gleichgültigkeit getreten Ich bin reiseerfahren und nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen. Ich bin daran gewöhnt, Probleme zu lösen und sehe Herausforderungen normalerweise gelassen entgegen. Aber was ist mit den Passagieren, die nicht so versiert sind? Ich habe viele verzweifelte und panische Menschen in diesen Stunden gesehen. Was ist mit denjenigen, die kein Internet fähiges Handy oder keine BA-App haben? Die nicht über E-Mails von der neuen Flugzeit informiert werden können? Was ist mit Menschen mit Mobilitätsproblemen oder allein reisenden Kindern? Wie kann man in einer Krisensituation hinfällige und schutzbedürftige Menschen sich selbst überlassen und erwarten, dass sie das alles schon irgendwie hinkriegen und notfalls halt am Flughafen schlafen. Wo ist der Stolz der Angestellten, die Passagiere, ihre Kunden, kompetent und sicher abfertigen und von A nach B bringen wollen? Es ist eine merkwürdige Entwicklung, in der das Zwischenmenschliche abhanden gekommen zu sein scheint. Anstelle von Empathie scheint Gleichgültigkeit getreten zu sein. Gleichgültig gegenüber den Ängsten und Sorgen der Passagiere und gleichgültig hinsichtlich der eigenen Unfähigkeit als Fluggesellschaft und Flughafen eine Krise angemessen zu managen und Probleme zu lösen. Sind wir im Zeitalter der Digitalisierung so sehr daran gewöhnt, dass der Computer alles regelt? Ist sich niemand mehr der Tatsache bewusst, dass Softwareprogramme Standardabläufe optimieren können, aber für Sonderfälle die Problemlösungsfähigkeiten von kompetenten und erfahrenen Menschen von Nöten sind? Kann sich denn niemand mehr vorstellen, dass in einer Krisensituation ein verständnisvoller Ansprechpartner äußerst hilfreich und tröstend ist? Oder sind wir so von der Unfehlbarkeit der Computer gestützten Organisation überzeugt und haben die Verantwortung für Problemlösungen an diese scheinbar höhere Intelligenz abgegeben? Und wenn diese höhere Intelligenz keine Lösung hat, fühlen wir Menschen uns unfähig, eine Lösung zu finden, wollen wir unsere Kompetenzen nicht überschreiten und leiten die Verantwortung und die Schuld für das Versagen ungerührt an die Technik weiter. Wir sind nicht schuld und nicht zuständig und es tut uns auch nicht leid. Tja, die Romantik des Reisens ist verschwunden. P.S. Ich habe mein Geld für das Hotel von British Airways zurückerstattet bekommen. Aber ich habe keine Entschädigung erhalten, denn der Grund für die Verspätung war ein Gewitter - ein natürliches Ereignis (höhere Gewalt), für das niemand verantwortlich gemacht werden kann. (LL) Die gleiche Gleichgültigkeit wenig später auf dem Münchener Flughafen Ähnlich rigoros behandelte auch die Lufthansa am Münchner Flughafen ihre aufgrund von „technischen Unregelmäßigkeiten“ und „operativen Gründen“ gestrandeten Passagiere zweier Flüge am 3. auf den 4. August 2024. Die Münchener Hotels seien wegen zehntausender Fans, die wegen der Adele-Konzerte nach München gekommen waren, ausgebucht, teilte die Fluggesellschaft mit. In der Süddeutschen Zeitung wurde von Passagieren berichtet, dass die Servicedesks nach dieser Mitteilung an die Passagiere geschlossen worden seien. Das Gepäck habe man den gestrandeten Passagieren für das Wochenende im Wartestand nicht zurückgegeben. Neue Abflugzeiten seien nicht kommuniziert worden, aber - immerhin - man habe Decken an die Fluggäste verteilt. Ein weiterer Kommentar erübrigt sich. Quelle: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-lufthansa-fluege-ausgefallen-hotels-adele-lux.BjuTYccNKfjKyT1fdaTGGW









